Österreich (1919–1938)


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.
Republik Österreich
Bundesstaat Österreich
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Wappen Austria Bundesadler 1919-1934.svg
Gründungsdatum 10. September 1919
(de jure)
21. Oktober 1919
(de facto)
Hauptstadt Wien
Staatsform Parlamentarische Demokratie
Bundesstaat
Gliederung Länder
Staatsoberhaupt Liste der österreichischen Staatsoberhäupter
Regierungschef Liste der österreichischen Regierungschefs
Einwohner 6 760 233
(1934)
Amtssprache(n) Standarddeutsch
Weitere Sprachen Tschechisch
Kroatisch
Slowenisch
Ungarisch
Slowakisch
Weitere Informationen
Religion(en) römisch-katholisch
evangelisch
jüdische Minderheit
Fläche 83 868 qkm
Währung 1 österreichischer Schilling = 100 Groschen
Eingegliedert am

Mai 1934

Eingegliedert von

Bundesstaat Österreich

Rechtsnachfolger von

Republik Deutschösterreich

Alternative Flagge

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(1935–1938)

Österreich (amtl. Republik Österreich) war seit dem 10. Sept. 1919 der offizielle Name der ehemaligen Republik Deutschösterreich. De facto trat das Land erst seit dem 21. Okt. 1919 national wie international unter diesem Namen auf. Hauptstadt war Wien und letzter amtierender Bundeskanzler Kurt Schuschnigg.

Die Republik ging während des 1. Weltkrieges aus der Oktoberrevolution (1918) hervor, als sich die nichtdeutschen Bevölkerungsgruppen der Donaumonarchie für staatlich souverän erklärten. Daher erklärten auch die deutschen Abgeordneten der österreichischen Reichshälfte ihre Unabhängigkeit und ihren Willen, ihre Siedlungsgebiete an das Deutsche Reich anzuschließen.
Obgleich der Anschluss von der siegreichen Triple Entente verboten wurde, fanden dennoch diesbezügliche Volksabstimmungen in einigen Ländern statt. So stimmten Salzburg und Tirol mit jeweils über 90 Prozent für diesen: In Salzburg stimmten 99,5 und in Tirol 98,5 Prozent der Abstimmungsberechtigten für den Anschluss an Deutschland. Eine dritte Volksabstimmung in der Steiermark musste auf Druck Frankreichs und des Völkerbundes vonseiten der Bundesregierung verboten werden.

Trotz Verbotes blieb die „Österreichfrage“ lange ein wesentlicher Programmpunkt österreichischer Innen- und Außenpolitik. Im Mai 1934 wurde Österreich offiziell in Bundesstaat Österreich umbenannt und politisch-gesellschaftlich in einen autoritären Einheitsstaat reorganisiert. (→ Austrofaschismus)

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Das österreichische Staatswesen, wie es bis 1938 bestand, wird heute auch als Bundesrepublik Österreich, Deutschösterreich, 1. Republik Österreich und Rest-Österreich bezeichnet.

Deutschösterreich

Hauptartikel: Deutschösterreich

Der Terminus „Österreich“ ist eng mit dem Vertrag von Saint-Germain-en-Laye verbunden, mit dem der Name „Deutschösterreich“ verboten und auf „Österreich“ reduziert wurde. Zusammen mit dem benachbarten Deutschen Reich wurde Österreich zum Alleinschuldigen des Weltkrieges erklärt und mit einem Anschlussverbot belegt.

Bereits am 21. Okt. 1918 hatte sich in Wien eine provisorische Nationalversammlung Deutschösterreichs gebildet, die aus den 1911 in den Reichsrat gewählten deutschen Abgeordneten bestand. Diese verabschiedete erklärte sich am 12. Nov. zum Bestandteil der deutschen Republik und Bundeskanzler Karl Renner (SAPD) erklärte tatgleich dem Parlament:

„Wir sind ein Stamm und eine Schicksalsgemeinschaft.“

Am 19. März 1919 wurde dieser Beschluss, dass Österreich ein Teil des Deutschen Reiches sei, noch einmal im feierlichen Rahmen wiederholt, als sich die österreichische Nationalversammlung konstituierte. Außenminister Otto Bauer (SAPÖ) erklärte, dass die Anschlussfrage wieder das Parteiprogramm der österreichischen Sozialdemokratie darstelle. Österreich sei als reiner Binnenstaat nicht lebensfähig, so die einhellige Mehrheitsmeinung.

Rolle Berlins, Berliner Protokoll

Als am 12. Nov. 1918 in Berlin der Anschlusswunsch Österreichs bekannt wurde, reagierte der Berliner Rat der Volksbeauftragten außergewöhnlich skeptisch, zudem die Siegermächte bereits am 9. Nov. verlauten ließen, dass sie im Falle einer Anerkennung des Anschlusses dem Reich wesentlich härtere Friedensbedingungen erteilen würden.
Dennoch wurde der Anschlussgedanke durch die Alldeutschen und Deutschvölkischen im Reich populär, sodass bereits das „Reichstagswahlgesetz vom 30. November 1918“ von einem eventuellen Anschluss Deutschösterreichs ausging. Das am 10. Feb. 1919 verabschiedete „Gesetz über die vorläufige Reichsgewalt“ sicherte Österreich zu, dass es im Falle seines völkerrechtlichen Anschlusses am Staatenausschuss teilnehmen könne.

Basierend auf diese Grundlange arbeiteten Berlin und Wien einen Vereinigungsplan aus. Bereits am 2. März 1919 reiste der Sozialdemokrat Otto Bauer nach Berlin und traf dort als Außenminister auf seinen Amtskollegen Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau. Beide unterzeichneten ein gemeinsames Protokoll, dessen wichtigsten Passagen, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, der Triple Entente bekannt wurden: So sollten beide deutschen Staaten schrittweise vereint werden, um auf diesem Weg bessere Chancen bei den Friedensverhandlungen zu haben; ein konkreter Termin bezüglich der staatlichen Vereinigung nannte das Berliner Protokoll jedoch nicht.

Nachdem 1919 dem Deutschen Reich der Versailler Vertrag aufoktroyiert wurde, war der Anschlussgedanke dort politisch obsolet. Doch aufseiten der radikalen Linken wie auch aufseiten der Deutschvölkischen wurde dieser verstärkt aufgegriffen und innenpolitisch vertreten. Die Bayrische Volkspartei griff diesen auf, um damit den innerdeutschen Föderalismus zu stärken. (→ Reichsreformdebatte)

„Übrigens würden Österreich und Wien, von deren Anschluß an das Reich man soviel redet, nie einem von Berlin aus beherrschten Einheitsstaat sich unterordnen. Wer es wirklich ernst meint mit einem Großdeutschland, in das auch Österreich heimkehren soll, der muß aus nationalen Gründen eintreten für ein föderalistisch gestaltetes Deutsches Reich.“

Alois Hundhammer (BVP); zitiert nach: Oliver Braun: „Die staatsbürgerlichen Vorträge von Alois Hundhammer aus den Jahren 1930 und 1931“, S. 59

Anschlussverbot

Von allen Staaten, die in der Entente zusammengeschlossen waren, widersprach vor allem Frankreich einer möglichen Vereinigung beider Staaten: Denn es sah in diesem Fall in dem so vergrößerten Deutschen Reich den einflussreichsten Staat Europas, der über 80 Mio. Einwohner verfügte und so letztendlich den Weltkrieg gewonnen hätte.
Mit diesem Hintergrund nahmen sowohl der am 28. Juli 1919 vom Reich unterzeichnete Versailler Vertrag (Art. 80) als auch der am 10. Sept. Österreich oktroyierte Vertrag von Saint-Germain-en-Laye (Art. 88) Bestimmungen auf, die sowohl eine wirtschaftliche wie auch politische Union beider Staaten verbot. Allein der Völkerbund sei berechtigt über einen möglichen Anschluss Österreichs zu entscheiden, so die damaligen Kriegssieger.

Umbenennung, Verlagerung des Anschlussgedankens auf Länderebene

Nur unter Protest akzeptierte die österreichische Nationalversammlung den ihr auferlegten Friedensvertrag (6. Sept. 1919) und änderte infolgedessen den Staatsnamen in „Republik Österreich“. Auch musste im Reich der Art. 61 geändert werden, indem der Absatz 2 für aufgehoben erklärt wurde, der Österreich nach seinem Anschluss ans Reich die Aufnahme in den Reichsrat garantierte.

War die Anschlussbewegung 1918/19 noch vollkommen sozialdemokratisch und deutschnational geprägt, so kam diese Rolle den christlichsozialen Landesregierungen zu, die sich mit ihrem Ländern vom „Roten Wien“ lossagen wollten. Dabei spielten sicherlich auch vorhandene Antipathien gegen die Bundesregierung eine wichtige Rolle. So begannen mit Salzburg, Tirol und der Steiermark einige österreichische Länder eigenmächtige Vorbereitungen, sich mit dem Reich zu vereinen.

Volksabstimmungen

Am 11. Mai 1919 stimmten die Vorarlberger darüber ab, ob sie sich der Schweiz anschließen oder weiterhin Österreicher bleiben sollen: Über 80 Prozent entschieden sich, nun Schweizer zu werden, doch scheiterte die vorarlbergische Sezession am Einspruch der Bundesregierung.
Am 24. April 1921 stimmten die Tiroler ab, ob sie nun Reichsdeutsche werden wollten oder nicht: 98,5 Prozent der Bevölkerung stimmten mit „Ja“ für diese Möglichkeit, der den Anschluss ans Reich bedeutet hätte. Bereits am 29. Mai stimmten die Salzburger über eine ähnliche Möglichkeit ab, wobei diese ebenfalls mit 99,5 Prozent von den Betroffenen befürwortet wurden. Die Vorbereitungen der steirischen Landesregierung, für den 3. Juli 1921 ebenfalls eine Volksabstimmung bezüglich eines Anschlusses an Deutschland durchzuführen, wurden von der Bundesregierung untersagt:

Die Bundesregierung in Wien hatte sich ihrerseits nun auf die Volksabstimmungen in Kärnten und im Burgenland fokussiert und war um eine Völkerbundsanleihe bemüht, um den maroden Staatshaushalt zu sanieren. So verpflichtete sie sich im Okt. 1921, für die nächsten 20 Jahre auf einen — wie auch immer gearteten — Anschluss an das Deutsche Reich zu verzichten und erkannte nun völkerrechtlich das Anschlussverbot der Entente an, wenn es diese Anleihe erhielte.

„Alpendeutschland“

Hauptartikel: Alpendeutschland

Als unmittelbarer Nachbar Bayerns war dieser von den Anschlussbestrebungen der Salzburger und Tiroler betroffen. Agierte Bayern noch vor 1918 gegen den bundesstaatlichen Anschluss Deutschösterreichs aufgrund seiner agrarpolitischen Bedenken, so befürwortete es diesen nun ausdrücklich: Georg Heim (BVP) schlug deshalb im November 1918 vor, Bayern möge sich aus dem Reich herauslösen und mit den ihm stammverwandten Ländern Tirol, Salzburg und Oberösterreich einen gemeinsamen Staat bilden, dem auch eventuell Vorarlberg angehören könne.
Die „Bluts- und Stammverwandtschaft“ zwischen Baiern und Österreichern würde indes im Deutschen Reich einen großen weltanschaulichen Einfluss auf die bayrische Österreichpolitik haben und die Alleingänge des Freistaates bezüglich der Österreichfrage führten 1920/21 zu massiven Protesten der Reichsregierung. So nahm die bayrisch-österreichische Zusammenarbeit offiziell „privaten“ Charakter an. Die engste Zusammenarbeit herrschte zwischen Bayern und Tirol, wobei die Südtirolfrage einen wesentlichen Einfluss auf die bayrische Österreichpolitik aufwies: So griff bspw. der bayrische Ministerpräsident Heinrich Held (BVP) am 4. Feb. 1926 das faschistische Italien wegen seiner chauvinistischen Südtirolpolitik auf das Schärfste an.

Deutsch-Österreichische Zollunion, österreichischer Einheitsstaat

Hauptartikel: Bundesstaat Österreich

1920 wurde die Verfassung der Bundesrepublik Österreich eingeführt, die bereits wieder 1929 reformiert wurde: Dem Bundespräsidenten wurden nun weitgehende Rechte zugestanden, die in etwa jenen glichen, wie der deutsche Reichspräsident sie besaß.
1930/31 begannen die deutsche und österreichische Regierung darüber zu beraten, wie eine Deutsch-Österreichische Zollunion am besten zu realisieren sei. Dieses Vorhaben führte zur internationalen Eskalation, da Frankreich, Italien und die Tschechoslowakei diese Zollunion wie ein verdeckter Anschluss gleichkam. Spätestens im Spätsommer 1931 konnte das Projekt als gescheitert angesehen werden, da Frankreich seinen Einfluss geltend machte und die seit der Weltwirtschaftskrise (1929) bestehende österreichische Finanzkrise ausnutzte, um von Österreich eine Abmachung abzupressen, indem es auf eine Zollunion mit dem Reich verzichtete und im Gegenzug eine internationale Kredithilfe zusicherte.
Auch der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag urteilte, dass eine Zollunion zwischen dem Reich und Österreich unvereinbar mit dem 1922 abgeschlossenen Genfer Protokoll sei, in dem sich Österreich verpflichtet hatte, seine wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu bewahren.

Seit 1932 regierte in Österreich Engelbert Dollfuß ausschließlich durch Notstandsgesetze, die dem Bundeskanzler autoritäre Rechte verliehen. 1933 verbot er im Zuge der nationalsozialistischen Machtergreifung den österreichischen Ableger der NSDAP, die sich selbst 1926 als „NSDAP-Landesgruppe Österreich“ konstituiert und de jure der NSDP-Gauleitung Oberbayern unterstellt hatte.

Im Mai 1934 etablierte Dollfuß den „Bundesstaat Österreich“, der als Stände- und Einheitsstaat konzipiert war und die von Dollfuß geführte Vaterländische Front zur Staatspartei hatte. Bei die Reorganisation Österreichs hatte sich der österreichische Bundeskanzler bewusst am italienischen Faschismus orientiert, sodass diese Zeitepoche allgemein als „Austrofaschismus“ bezeichnet wird.

Ermordung Dollfuß’, Ära Schuschnigg

Im Juli 1934 unternahmen die österreichischen Nationalsozialisten einen Putschversuch, bei dem Dollfuß durch Mitglieder der österreichischen SS tödlich verwundet wurde. Kurt Schuschnigg, unter Dollfuß Justizminister, trat nun als „österreichischer Bundeskanzler und Frontführer“ die Nachfolge Domfuß’ an und galt allgemein als „Hardliner“. So ließ er die 1920 abgeschaffte Todesstrafe wieder einführen.
Bereits beim Februaraufstand 1934 hatte der damalige Justizminister eine vom Bundespräsidenten vorgelegte Begnadigungsliste inhaftierter Revolutionäre schroff abgelehnt und 8 ausgesprochene Todesurteile vollstrecken. Diese Vorgehensweise brachte Schuschnigg innerhalb der Sozialdemokratie den Namen „Arbeitermörder“ ein. Unter Schuschnigg erreichte der Austrofaschismus seinen Zenit: Um den von Großdeutschen, Deutschnationalen und Nationalsozialisten geforderten Anschluss ans Reich nicht nachkommen zu müssen, versuchte dieser nun, Österreich als „zweiten deutschen Staat“ zu etablieren, der das „bessere Deutschland“ darstelle.

1934 hatte sich in der Tat im Reich mit dem NS-Regime ein Unrechtsstaat etabliert, aber auch Österreich entwickelte sich unter Kurt Schuschnigg zu einem solchen: gleich dem „Dritten Reich“ verfügte das Land über zahlreiche „Anhaltelager“, die sich an den deutschen Konzentrationslagern orientierte und in denen über 16 000 Personen inhaftiert waren.
Schuschnigg brauchte für sein Regime einen starken Bündnispartner und meinte, diesen im italienischen Duce Mussolini gefunden zu haben. Doch dieser paktierte für Schuschnigg völlig unerwartet mit Adolf Hitler, dem Führer und Reichskanzler: Dieser hatte Italien aus der, seit der italienischen Annexion Äthiopiens, Isolation geführt und auf Südtirol verzichtet.

Mit dem Rücken an der Wand schloss der österreichische Bundeskanzler mit dem Reich das sogenannte Juliabkommen (1936) ab, in dem Hitler zwar die staatliche Souveränität des südöstlichen Nachbarstaates anerkannte, aber darauf bestand, dass die österreichische Außenpolitik an der des Reiches ausgerichtet werden müsse. Zudem bestand Hitler auf eine nationalsozialistische Beteiligung an einer zukünftigen österreichischen Regierung.

„Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“

Im Frühjahr 1938 begann Hitler sein Vorhaben, Österreich „heim ins Reich zu führen“: Am 12. Feb. zitierte er Kurt Schuschnigg auf den Berghof, wo ihm der deutsche Reichskanzler das „Berchtesgadener Abkommenaufoktroyierte. So zwang Hitler seinen Amtskollegen, mit Arthur Seyß-Inquart, dem Führer der österreichischen NSDAP, einen fanatischen Nationalsozialisten zum österreichischen Innenminister zu berufen. Schuschnigg unterschrieb dieses Abkommen und erklärte am 24. Feb. 1938, nach seiner Heimkehr von Hitler, dass er für die uneingeschränkte Souveränität Österreichs eintrete.

Für Hitler völlig überraschend setzte Schuschnigg am 9. März eine Volksabstimmung an, bei der sich bereits am 13. März alle Österreicher entscheiden konnten, ob sie ein einem „freien und deutschen, unabhängigen und sozialen, einem christlichen und einigen Österreich“ leben wollten oder nicht. Doch der österreichische Bundeskanzler unterließ es, für dieses Vorhaben einen Kabinettsbeschluss zu erwirken, obgleich die Verfassung des Landes dieses ausdrücklich vorschrieb: Die Stimmauswertung sollte zudem allein den Mitgliedern der Vaterländischen Front zustehen und alle öffentlich Bediensteten hätten geschlossen und unter der Aufsicht zu erscheinen und ihre Stimmzettel entweder diesem oder offen einem Vertreter der Vaterländischen Front zu übergeben; mit „Ja“ ließ der Stimmzettel auch nur eine Möglichkeit der „Willensbekundung“ offen.
Seyß-Inquart forderte nun nach telefonischer Rücksprache mit Hermann Göring offiziell „reichsdeutsche Unterstützung“ an, da nach Auffassung der Nationalsozialisten der Bundeskanzler schweren Verfassungsbruch begangen habe. Indes war dieser bereits schon zurückgetreten und Seyß-Inquart hatte die kommissarische Regierung übernommen.

Am 12. März 1938 überschritten deutsche Truppenverbände von Wehrmacht und kasernierter SS die deutsch-österreichische Grenze und tatgleich rückte Hitler in Linz ein, wo er in einer ersten Rundfunkansprache betonte, dass Österreich nun nationalsozialistisch sei, aber weiterhin ein eigenständiger Staat bliebe. Doch arbeitete bereits die österreichische Übergangsregierung an einem Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, das von Hitler in Auftrag gegeben worden war. Dieses wurde bereits einen Tag später verkündet und der 1. Artikel lautete wie folgt:

„Österreich ist ein Land des Deutschen Reiches.“

Zwei Tage später hielt Adolf Hitler auf dem Wiener Heldenplatz vor rund 200 000 begeisterten Wienern eine Rede, die darin gipfelte, dass seine Heimat nunmehr Teil des Deutschen Reiches sei.

„Als Führer und Kanzler der deutschen Nation und des Reiches melde ich nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich!“

Adolf Hitler, vom Balkon der Wiener Hofburg zu den Menschenmassen auf dem Wiener Heldenplatz

Damit endete die eigenständige Geschichte Österreichs, dessen Totengräber der Bundesstaat Österreich wurde.
Im Dez. 1938 wurden sowohl der Berliner Reichstag als auch die kommissarische Regierung Seyß-Inquart aufgelöst und es wurden „gesamtdeutsche Reichstagswahlen“ ausgeschrieben. Diese wurden notwendig, da im Okt. auch das Sudetenland von Großdeutschen Reich (Münchner Abkommen) erworben werden konnte. Mit der Reichstagswahl sollten alle Erwerbungen des Jahres 1938 völkerrechtlich legitimiert werden und bis zum 27. April 1945 teilte Österreich die Geschichte des Großdeutschen Reiches.

Siehe auch

Weblinks


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