Österreichischer Nationalsozialismus


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Österreichischer Nationalsozialismus, auch Nationalsozialismus in Österreich, geschichtswissenschaftliche Bezeichnung diverser ideologisch-politischer Strömungen, die einen völkisch-nationalen Sozialismus propagierten und die in Deutschösterreich, d. h. in der österreichischen Reichshälfte, ihren Anfang nahmen. Später auf die nationalsozialistische Bewegung Österreichs bezogen, die zunächst dort als Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und ab 1926 als NSDAP – Hitlerbewegung agierte. Damals wie heute wird diese Strömung bzw. Ideologie der radikalen Rechte zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Politische Ausrichtung

Nationalsozialismus, wie der anfänglich in Österreich-Ungarn vertreten wurde, verstand sich als national-sozialrevolutionäre Weltanschauung. Als solche vertrat er programmatische Positionen und politische Forderungen, die sich zum einen aus dem Marxismus und zum anderen aus dem damals vorherrschenden Deutschnationalismus abgeleitet wurde.
Indes der böhmische Nationalsozialismus radikal antisemitisch und deutschfeindlich ausgelegt war, galt sein österreichisches Pendant als gemäßigt nationalistisch, latent antisemitisch und als fest in der völkischen Gewerkschaftsbewegung etabliert. Er orientierte sich überwiegend am 1882 angenommenen Programm der Deutschnationalen und wies basisdemokratische Strukturen auf.

Primärziel des frühen Nationalsozialismus in Österreich war der Kampf gegen die österreichische Sozialdemokratie und gegen das vordringende Tschechentum, das mit einer Tschechisierung der deutschen Sprachinseln in Böhmen-Mähren einherging.

Nach der Trennung der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in zwei nationale Schwesterparteien in der Tschechoslowakei und Österreich kam es v.a. im sudetendeutschen Flügel zur raschen Radikalisierung: Die DNSAP in der Tschechoslowakei schloss sich zunehmend ideologisch-politisch der reichsdeutschen NSDAP und ihrem deutschvölkischen Rassenantisemitismus an, derweil die DNSAP in Österreich noch lange deutschnational und antijudäisch blieb.

Chronik

1903–1918

1903 schlossen sich deutsche Arbeiter und Intellektuelle in Österreich-Ungarn zur Deutschen Arbeiterpartei (DAP) an, die zwar programmatisch radikal rechts eingeordnet wurde, die aber viele Positionen der Sozialdemokratie und des Deutschnationalismus vertraten. Die Partei war regional strukturiert und forcierte die Basisdemokratie. Doch dem damaligen Zeitgeist folgend vertrat sie auch judenfeindliche Positionen. Ihre fehlende Aggressivität gegenüber den österreichischen Juden machte sie in den Augen der Alldeutschen jedoch angreifbar. Im Gegensatz zur Alldeutschen Partei vertraten die Parteimitglieder der DAP nicht den Anschluss ihrer Siedlungsgebiete an das Deutsche Reich, sondern vielmehr die Stärkung des Deutschtums in der Donaumonarchie.

1918–1923

Im Laufe des I. Weltkrieges radikalisierten sich alle politischen Lager der Donaumonarchie. So auch die DAP, die im Mai 1918 den Namen Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) annahm und damit dem Vorbild der tschechischen Nationalsozialisten folgte.
Bereits Ende Okt./Anfang Nov. 1918 kam es infolge der tschechischen Souveränitätserklärung zur nationalen Spaltung der DNSAP: In der Tschechoslowakei entstand ein sudetendeutscher Flügel, der auch Deutschmährer einschloss, der in Prag unter der Leitung von Rudolf Jung stand. In Wien bestand der österreichische Flügel unter Walter Riehl weiter.

Rudolf Jung war seit 1920 ein begeisterter Anhänger Adolf Hitlers und übernahm sein Parteiflügel ab 1922 immer mehr ideologisch-politische Positionen des reichsdeutschen Nationalsozialismus. Hitler, der als Deutschnationaler alldeutscher Prägung startete, war ein ein großer Bewunderer Georg von Schönerers und Karl Luegers; von diesen übernahm er seinen programmatisch-ideologischen Rassismus und Antisemitismus.
So hatte Hitler auf dem deutschvölkischen Deutschen Tag in Salzburg (1920) durchgesetzt, dass das Hakenkreuz und die von ihm maßgeblich gestaltete Hakenkreuzfahne von allen nationalsozialistischen Bewegungen und Gruppierungen als äußeres politisches Symbol übernommen wurde: Das Hakenkreuz hatte sich der nachmalige Führer der NSDAP von der Thule-Gesellschaft entliehen, die innerhalb des sog. Germanenordens als Geheimorganisation agierte.

1923 kam es zum internen Bruch zwischen den sudetendeutschen und österreichischen Nationalsozialisten: Als Adolf Hitler am 8./9. Nov. seinen missglückten Putschversuch durchführte, begrüßte diesen Jung und dessen Anhängerschaft. Riehl und die gemäßigten Nationalisten in Österreich lehnten diesen jedoch ab.

1923–1926

Die Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei übernahmen bis 1933 fast alle politischen Forderungen der reichsdeutschen NSDAP und vertraten diese nach außen. Und als ihre Partei im Sep. 1933 durch Selbstauflösung einem Parteiverbot entzog, schlossen sich Jung und dessen Gefolgschaft der Sudetendeutschen Partei (SdP) Konrad Henleins an.

Der eigentliche Nationalsozialismus in Österreich war seit dem hitlerischen Putschversuch zerstritten: Walter Riehl, der den Parteivorsitz an den Führer der sog. Schulz-Gruppe, Karl Schulz, abgegeben hatte, wurde nach der Errichtung eines Schiedsgerichtes der DNSAP 1924 wegen „parteischädigen Verhaltens“ ausgeschlossen. So hatte Riehl seinen Duzfreund Hitler in einer internen Besprechung einmal als den „radikalsten unter den Radikalen“ bezeichnet. Doch Riehl weigerte sich, den Ausschluss aus der Partei anzuerkennen und behielt seinen Parteiausweis.
Der ehemalige Parteischatzmeister Schulz jedoch galt als bedingungsloser Anhänger Hitlers. Dieser setzte durch, dass auch die österreichische DNSAP weitgehende Forderungen und v. a. den reichsdeutschen Rassenantisemitismus übernahm. Darauf hin gründete Riehl mit einigen Gesinnungsgenossen 1924 den Deutschnationalen Verein in Österreich, der weiterhin basisdemokratisch organisiert war.

1926–1938

1926 kam es zur Gründung der NSDAP – Hitlerbewegung, in deren Folge die DNSAP aufgelöst und in die Landesgruppe „Österreich“ eingegliedert wurde. Die NSDAP in Österreich übernahm gänzlich das 25-Punkte-Programm Adolf Hitlers und trat nun vehement für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ein.
1933, nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland, wurde die österreichische NSDAP verboten und die Nationalsozialisten agierten bis 1938 im politischen Untergrund. Beim Juliputsch 1934 ermordete die österreichische SS den damaligen Bundeskanzler Engelbert Dolfuss, der in Österreich ein faschistoides Regierungssystem etabliert hatte. Im Mrz. 1938 kam es zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich und die kurz zuvor etablierte NS-Regierung unter Arthur Seyß-Ingquart erklärte, dass Österreich (nunmehr als „Land Österreich“) ein Teil des Deutschen Reiches sei. Am 15. Mrz. 1938 wurde die österreichische NSDAP aufgelöst und in die Mutterpartei eingegliedert.

Siehe auch


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