Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich

Aus Deutsche Geschichte
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Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, NS-amtlicher Terminus zur Bezeichnung der staatlichen Vereinigung der Republik Österreich mit dem Deutschen Reich.

Synonyme

Der oben genannte Vorgang wird auch als Anschluss der Ostmark an das Deutsche Reich und Österreichfrage bezeichnet.

Vorgeschichte

Der Terminus „Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich“ ist eng mit der Verfassungsgeschichte Österreichs verbunden. Nach der Auflösung des Deutschen Bundes infolge des deutschen Bruderkrieges (1866) organisierten sich die deutschbewussten Österreicher in einer sozial-politischen Bewegung, die den Namen Deutschnationale Bewegung trug. Dort ward über den den möglichen bundesstaatlichenAnschluss Deutschösterreichs an das Kaiserreich diskutiert und dieser öffentlich gefordert. (→ Großdeutsche Idee)

Situation nach dem 1. Weltkrieg

Doch erst nach dem 1. Weltkrieg erklärte die neu etablierte Republik Deutschösterreich, dass sie ein Teil des Deutschen Reiches sei. Doch der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye widerrief diesen und die Führung des Staatsnamens. Als „Republik Österreich“ ward der Staat jedoch nicht als lebensfähig angesehen und alle gesellschaftlich relevanten Kräfte jener Zeit forcierten den Anschlussgedanken.

Republik Österreich

Nach den Friedensverträgen von Versailles und Saint-German war es den Deutschen im Reich und Österreich verboten worden, sich staatlich zu vereinen. Bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung Hitlers forcierten alle Kräfte Österreichs den Anschluss. Doch im Zuge der NS-Politik vertraten ab 1930 nur noch die österreichischen Nationalsozialisten diesen direkt.

Im Juli 1934 kam es in Österreich zu einem Putschversuch durch die österreichische NSDAP, um die politischen Verhältnisse im Land zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Die bestehende Bundesrepublik sollte sowohl als Ständestaat als auch als Völkerrechtssubjekt aufgelöst und mit dem Reich wiedervereinigt werden. Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wurde beim Putschversuch bei einer Schießerei durch Angehörige der österreichischen SS tödlich verwundet. Neuer Regierungschef wurde der Christsoziale Kurt Edler von Schuschnigg.

Der neue Bundeskanzler ward nun am 11. März 1936 von Hitler ultimativ zum sogenannten „Juliabkommen“ gezwungen, dass in Österreich die Wiederzulassung der seit 1933 verbotenen NSDAP vorsah. Schuschnigg setzte jedoch in den Augen Hitlers dieses Abkommen nur unzureichend um, und so lud der Reichskanzler seinen Amtskollegen nochmals auf den Obersalzberg vor (12. Feb. 1938). Unter Androhung militärischer Gewalt forderte Hitler den österreichischen Regierungschef auf, den Führer der österreichischen NSDAP, Arthur Seyß-Inquart, als neuen Innenminister in die Regierung aufzunehmen. Gleichzeitig sollten nun alle außenpolitischen Entscheidungen Österreichs auf die reichsdeutsche abgestimmt sowie eine generelle Amnestie verurteilter Nationalsozialisten durchgeführt werden. Der damalige österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas setze bereits am 15. Feb. alle von Hitler geforderten Punkte durch und mit der Ernennung Seyß-Inquarts zum Innenminister wurde die Polizei der Kontrolle der Allgemeinen SS unterstellt.

Völlig überraschend setzte Kurt Edler von Schuschnigg am 9. März 1938 ein allgemeines Referendum an, dass bereits am 13. des Monats stattfinden und die Österreicher aufforderte, sich entweder für ein „freies und deutsches, unabhängiges und soziales, christliches und einiges Österreich“ oder für den Anschluss des Landes an das Reich zu entscheiden.

Am 11. März 1938 forderte Adolf Hitler die österreichische Bundesregierung auf, Schnuschnigg als Bundeskanzler ab- und Seyß-Inquart als solchen ein- und das Referendum auszusetzen. Darüber hinaus ließ der Reichskanzler Teile der Wehrmacht und der kasernierten SS-Verbände in Alarmbereitschaft versetzen. Schuschnigg trat aufgrund dieses Ultimatums noch am 13. März zurück. Entgegen den Willen Hitlers weigerte sich Miklas jedoch, Seyß-Inquart zum neuen Regierungschef zu ernennen. So bat dieser in Absprache mit Hermann Göring diesen in einem Telefonat, um den Einmarsch reichsdeutscher Truppen, um mit deren „Hilfe“ Ruhe und Ordnung garantieren zu können.

In den frühen Morgenstunden des 12. März 1938 wurde Arthur Seyß-Inquart durch Wilhelm Miklas widerwillig zum Bundeskanzler Österreichs ernannt und 12./13. März 1938 erfolgt der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich. Miklas weigerte sich, das von Seyß-Inquart ihm vorgelegte „Bundesverfassungsgesetz zur Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ zu unterzeichnen, und legte seine Amtsgeschäfte noch am 13. März nieder. So wurde dieses ohne rechtsgültige Unterschrift durch die Regierung Seyß-Inquart veröffentlicht.

„Art. 1: Österreich ist ein Land des Deutschen Reiches.“

BGBl. für den Bundesstaat Österreich, 13. März 1938

Die Österreich ging in Folge der Territorialerweiterung des Reiches in diesem auf und wurde nun als „Ostmark“ bezeichnet, da der alte Name Österreich in Vergessenheit geraten sollte. Das österreichische Territorium wurde in Reichsgaue organisiert, deren Verwaltungsgrenzen sich im Wesentlichen an den alten Landesgrenzen orientierten. (→ Land (Österreich))

Für das nun um Österreich vergrößerte Reichsgebiet wurden sowohl das reichsdeutsche wie auch die österreichischen Parlamente aufgelöst und für den 10. April 1938 Wahlen zum ersten großdeutschen Reichstag ausgeschrieben. Verbunden mit dieser Reichstagswahl war auch ein Referendum, dass sowohl im Altreich als auch in Österreich den Anschluss Letzteren völkerrechtlich legitimieren sollte. Die Vorbereitungen dieses Referendums wurden massiv von der NSDAP beeinflusst und so stimmten in Österreich offiziell 99,75 Prozent und im Altreich 99 Prozent für die staatliche Vereinigung. Der Völkerbund in Genf beließ es bei förmlichen Protesten, da er selbst von einer berechtigten Korrektur der Friedensverträge von 1919 im Sinne des Selbstbestimmungsrechtes der Völker ausging. Allein Mexiko erkannte die Vereinigung, von der NS-Diktatur als „Wiedervereinigung“ propagiert, nicht an.

Siehe auch

Literatur


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