Evidenz

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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Evidenz (lat. evidentiadt. „Klarheit, Ersichtlichkeit“), feminines Substantiv. Philosophische Bezeichnung einer unumstößlichen Tatsache oder faktischen Gegebenheit. Beiwort ist evident.

Synonyme

Anstelle des Begriffes Evidenz werden auch Offenkundigkeit, Unumstößlichkeit und Augenscheinlichkeit verwendet.

Etymologie, Anwendung

Der Begriff „Evidenz“ ist eng mit der Philosophie verbunden und wird heute noch von der Rechtswissenschaft, Wirtschaft, Medizin und Pharmazie verwendet.

Rechtswissenschaft

Der Artikel 244 (3) der bundesdeutschen Strafprozessordnung regelt im vereinten Deutschland den Begriff der Offenkundigkeit. In diesem Fall sind alle Beweisanträge abzulehnen, wenn a.) die Erhebung des Beweises unzulässig oder b.) wegen erwiesener Offenkundigkeit die Beweiserhebung überflüssig ist, da dem verhandelnden Gericht sich die Sachlage als schon bewiesen darstellt.
So sei es einer Frau nicht zuzumuten, dass sie bspw. immer wieder ihre Vergewaltigung vor Gericht offenlegen und sich damit in der Öffentlichkeit gedemütigt fühlen muss, nur weil einer der Anwesenden die Richtigkeit anzweifelt[1]

Diesem durchaus ehrenwerten Vorsatz ist jedoch keinerlei Endgültigkeit beschieden, zumal die Rechtswissenschaft davon ausgeht, dass sich eine Offenkundigkeit sich immer ändern kann oder von der Öffentlichkeit starke Zweifel an der bisherigen Richtigkeit des Sachverstandes geäußert wird. D. h., wenn dem Gericht Tatsachen vorliegen, die ihm schon als bewiesen galten und die in der Öffentlichkeit als Wahrheit angenommen wurden, bedarf es keiner erneuten Beweisaufnahme, da diese evtl. zur Prozessverschleppung führen könnte[1].
Wenn aber dem Gericht neue Beweise vorgelegt werden, die den bisherigen an Beweiskraft weit überlegen sind, dann ist unverzüglich die bisherige Evidenz fallen zu lassen und eine juristische Überprüfung in Form einer erneuten Beweisaufnahme vonnöten, da sich die Sachlage grundlegend geändert hat. Doch Bezüge. der Holocausbewältigung ist es inzwischen an bundesdeutschen Gerichten üblich, neue und ggf. berechtigt eingereichte Beweisanträge mit der Begründung der Offenkundigkeit abzulehnen, da man dieses schon immer so machte[1].
Wo nun hier die Grenzen einer mögl. Rechtsbeugung liegen, gilt selbst bei Juristen umstritten und wird i. d. R. aus politischer Korrektheit nicht öffentlich diskutiert.

Wirtschaft

In der Wirtschaft ist Evidenz eine Aufstellung aller Lagerbestände einschließlich der Zu- und Abgänge. Darüber hinaus hat der Begriff im österreichischen Deutsch zusätzlich die Bedeutung eines Ortes, an dem Daten oder Unterlagen gesammelt werden, was im Binnendeutschen einem Register oder einer Ablage entsprechen würde.

Medizin, Pharmazie

Evidenz bedeutet in der Medizin und der Pharmazie einen in der Forschung empirisch erbrachten Nachweis über die Wirksamkeit einer neuen Therapieform oder eines neuen Präparats.

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Stiftung VRIJ HISTORISCH ONDERZOEK: Auschwitz: Nackte Fakten, S. 15.


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