Deutsche


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Deutsche [ˈdɔɪ̯ʧə] pl.; ~r [~ɐ] sg., ndl. Duitser, Substantiv, Ethnonym, feminin im Plural, maskulin im Singular. Seit 1000 Eigenname verschiedenster kontinentalwestgermanischer Volksstämme, die sich über eine gemeinsame Identität als ein deutsches Volk verstanden. Seit 1770 wurden unter dem Sammelbegriff Deutsche all jene verstanden, die sich zur Nation rechneten, die über Sprache und Kultur verbunden war, und die als geteiltes Volk überstaatlich organisiert waren. Beiwort ist deutsch.

Seit 1871 dient der Volksname Deutsche als Sammelname aller deutschen Reichs- bzw. aller deutschen Staatsangehörigen, die völker- und staatsrechtlich im Deutschen Reich (in seinen jeweiligen Grenzen) zusammengeschlossen waren. 1949/90 wurde die Wohnbevölkerung beider Teilstaaten und Großberlins unter Deutsche summiert.

Heute dient die singulare Form, Deutscher, als Kurzform für deutscher Staatsangehöriger und als solcher wird juristisch jeder behandelt, dem ein Staatsangehörigkeitsausweis, ein Reisepass oder ein Personalausweis ausgestellt wurde und/oder der einen durch das Grundgesetz garantierten Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit hatte (Statusdeutsche). Damit umfasst der Begriff Deutsche auch eine Millionenzahl ursprünglich nicht Deutschstämmiger, die heute unter dem Begriff Deutsche mit Migrationshintergrund summiert werden.

Die Bundesrepublik Deutschland definierte sich bis zum Abschluss der Deutschen Ostverträge als Alleinvertreter des dreigeteilten Deutschland in den Grenzen von Ende Dez. 1937.

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

  • Bundesdeutsche (Sammelbegriff der deutschen Staatsbürger.)
  • DDR-Deutsche (Staatsbürger der DDR.)
  • Deutschsprachige (Staatsbürger anderer Länder mit deutscher Muttersprache.)
  • Deutschstämmige (Staatsbürger anderer Länder mit deutschen Vorfahren.)
  • ethnische Deutsche (Alle Deutschen, deren Vorfahren seit mind. drei Generationen als deutsch galten.)
  • Kulturdeutsche (Staatsbürger anderer Staaten, die sich sprachlich-kulturell als deutsch empfinden.)
  • Sprachdeutscher (s. Deutschsprachige.)
  • Stammdeutsche (Staatsangehörige deutscher Abstammung bzw. deutscher Volkszugehörigkeit; Propagandabegriff der extremen Rechten.)
  • Reichsdeutsche (Deutsche mit deutscher Reichsangehörigkeit und einer Staatsangehörigkeit in den Ländern.)
  • Passdeutsche (Deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund; Propagandabegriff der extremen Rechten.)
  • Volksdeutsche (Deutsche Minderheiten außerhalb der deutschsprachigen Staaten.)

Anwendung

Wie nachfolgend dargestellt wird, umfasste das Ethnonym Deutsche im weitesten Sinn alle westgermanischen Völker, die auf dem europäischen Kontinent anfänglich im östlichen Frankenreich und später im deutschen Königreich organisatorisch zusammengefasst waren und die eine der zahlreichen germanischen Stammessprachen sprachen, die ab etwa 1000 als zusammengehörig betrachtet wurden. Darüber hinaus ist im Laufe der Geschichte zu beobachten, dass der Begriff Deutsche stetig einem Bedeutungswandel unterworfen war und anfänglich nicht nur alle Deutschsprachigen, sondern auch darüber hinaus alle niederländisch- und friesischsprachigen Bevölkerungsgruppen des mittelalterlichen Römisch-Deutschen Reiches umfasste; im weitesten Sinn werden diesen sogar die Langobarden zugerechnet, die, bis etwa 1000, eine germanische Stammessprache verwendeten, die auf das Engste mit dem benachbarten Altbairisch verwandt war und die lautsprachlich auf einer Stufe mit den deutschen Dialekten stand.

1000–1871

Die Deutschen werden heute durch diejenigen gebildet, die entweder durch das Band der Staatsangehörigkeit, unabhängig der ethnischen Abstammung, oder die durch die gemeinsame Nationalkultur (aus Sprache, Kultur, Traditionen und Wertvorstellungen gebildet, verbunden mit dem Bekenntnis zur deutschen Geschichte miteinander verbunden sind.

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches war der Begriff Deutsche die Sammelbezeichnung eines jeden Menschen deutscher Muttersprache. Deutsche als staatsrechtlich-politische Bezeichnung existierte bis 1870/71 nicht, sodass jeder Mensch, der sich bewusst einem der zahlreichen deutschen Stämme zurechnete, der also Volksbewusstsein zeigte, ein Deutscher war. Später kam neben der gemeinsamen Abstammung, Sprache und Kultur auch das Bewusstsein hinzu, einen gemeinsamen Lebensraum und eine gemeinsame Geschichte zu teilen.

1880–heute

Nach der Reichsgründung, vor allem nach 1880, engte sich die Volksbezeichnung Deutsche immer mehr auf die Inhaber der deutschen Reichsangehörigkeit ein, den Reichsdeutschen, die etwa 65 v. H. aller Deutschen Europas umfassten.
Die nun außerhalb der Reichsgrenzen lebenden Menschen deutscher Sprache waren nach wie vor Deutsche im Sinne der Abstammung (→Deutschstämmige) , doch waren sie es staatsrechtlich und politisch nicht mehr.

Um die nun außerhalb des deutschen Nationalstaates lebenden Deutschen von den Reichsdeutschen, für die sich schlicht Deutsche durchsetzte, abgrenzen zu können, wurden nun zahlreiche und umständliche Hilfsbezeichnungen eingeführt: wie Deutsch-Österreicher, Deutsch-Luxemburger oder Deutsch-Schweizer (sog. Bindestrich-Deutsche), Auslandsdeutsche oder Volksdeutsche. Später kamen noch die Begriffe Deutschstämmige und Deutschsprachige hinzu.

Heute umfasst der Begriff Deutsche, wie eingangs erwähnt, die deutschen Staatsangehörigen sowie kleinere Gruppen außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachgebietes, sofern sich diese in ihren Heimatländern aktiv für den Erhalt der deutschen Nationalkultur und des Deutschen als Sprache eingesetzt haben. Dabei ist die Entwicklung zu beobachten, dass die deutsche Restbevölkerung in den Ostgebieten und in den ehemaligen Ostblockstaaten heute überwiegend als Deutschstämmige und die deutsche Bevölkerung im geschlossenen Siedlungsgebiet überwiegend als Deutschsprachige bezeichnet werden.

Unterscheidungsmerkmale Deutsche, Auslandsdeutsche, Deutschsprachige und Deutschstämmige

Rechtsstellung

Deutsche als Rechtsstellung ist eng mit der deutschen Nationalstaatsbildung verbunden, die das Ergebnis von drei Einigungskriegen war. Nach der Gründung des Deutschen Reiches wurde das ursprünglich nur sprachlich-kulturell verwendete Ethnonym Deutsche zur offiziellen Rechtsstellung aufgewertet und stellt damit ein wesentliches Element deutscher Rechtsgeschichte dar, da es nun im Einführungsgesetz des Bürgerlichen Gesetzbuches verankert wurde:

„Wird auf das Recht des Staates verwiesen, dem eine Person angehört, und gehört sie mehreren Staaten an, so ist das Recht desjenigen dieser Staaten anzuwenden, mit dem die Person am engsten verbunden ist, insbesondere durch ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder durch den Verlauf ihres Lebens. Ist die Person auch Deutscher, so geht diese Rechtsstellung vor.“

Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche, Art. 5.1 (Personalstatut), 18. Aug. 1896.

Erste Versuche, den Begriff Deutsche als Rechtsstellung zu etablieren, begannen bei der Ausarbeitung einer zukünftigen Reichsverfassung (1848/49), als vom Frankfurter Paulskirchenparlament versucht wurde, das bisherige Ethnonym staatsrechtlich zu kodifizieren: Es erklärte, dass jeder Mensch, der auf dem Territorium des Deutschen Reiches geboren wurde, unabhängig seiner Abstammung, Sprache und Religion Deutscher sei.

Diese Idee wurde nach der Auflösung des Deutschen Bundes (1866) vom Norddeutschen Bund aufgegriffen und im RuStAG von 1913 wurde der Begriff staatsrechtlich definiert.

Am 5. Feb. 1934 erfolgte eine Einschränkung dieses Paragrafen, da nur noch Deutscher war, der über die [unmittelbare] Reichsangehörigkeit verfügte. 1935 wurde die Reichsangehörigkeit mit der nationalsozialistischen Rassenfrage verbunden und durch das Reichsbürgergesetz ergänzt, das Juden nach ihrer Abstammung in Achtel-, Viertel-, Halb- und Volljuden unterteilte. Voll- und Halbjuden standen außerhalb der NS-Volksgemeinschaft, indes Achtel- und Vierteljuden beschränkt in dieser eingebunden waren. (→Deutschblütigkeit)

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland definiert den Begriff Deutscher, in dem es diesen auf alle deutschen Staatsangehörigen sowie auf alle deutschen Volkszugehörigen anwendet, die nach dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges Aufnahme im Gebiet Deutschlands in dessen Grenzen vom 31. Dez. 1937 gefunden hatten.

Amtliche Definitionen (1913–2013)

Seit dem Zusammenschluss beider Teilstaaten existiert nach offizieller Lesart wieder eine gesamtdeutsche Staatsangehörigkeit, deren Träger die Deutschen sind.
Juristisch verbindlich wurde die Rechtsstellung Deutscher erst im Sommer 1913 festgelegt und zum 1. Jan. 1914 eingeführt. (→Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz)

„§ 1: Deutscher ist, wer die Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaat oder die unmittelbare Reichsangehörigkeit besitzt.“

§ 1 RuStAG v. 22. Juli 1913.

Der seit Febr.&1934 geltende Grundsatz

„§ 1. Deutscher ist, […] wer die […] unmittelbare Reichsangehörigkeit […] besitzt.“

Neufassung des § 1 des RuStAG von 1934.

wurde 2013 in

„§ 1: Deutscher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.
§ 3: (2) […] Als deutscher Staatsangehöriger wird insbesondere behandelt, wem ein Staatsangehörigkeitsausweis, Reisepass oder Personalausweis ausgestellt wurde.“

§§ 1 und 3 StAG in der Fassung von 2013.

abgeändert.

Dagegen definiert das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland den verfassungsrechtlichen Begriff Deutscher wie nachfolgend zitiert:

„Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.“

Art. 116 (1) GG.

Definition des VDA

Der 1881 als Allgemeiner Deutscher Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland gegründete Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA), der sich als Interessenverband der rd. 14 Mio. im Ausland lebenden Deutschen betrachtet und der sich für die Pflege und den Erhalt der deutschen Nationalkultur bemüht, definiert die Begrifflichkeiten Deutsche, Auslandsdeutsche und Deutschstämmige wie nachfolgend:

  1. Deutsche: Alle Personen mit bundesdeutschen Pässen/Ausweispapieren.
  2. Auslandsdeutsche: Alle Deutschsprachige, die als Sprachminderheit ständig in anderen Staaten außerhalb der deutschsprachigen Staaten leben und dort über die Staatsbürgerschaft verfügen.
  3. Deutschstämmige: Alle Personen deutscher Herkunft, die vielfach das Deutsche nicht mehr zur Muttersprache haben.

Erwerb der Staatsangehörigkeit

Im Deutschen Reich, den deutschen Teilstaaten und der heutigen Bundesrepublik Deutschland wird die Staatsangehörigkeit traditionell über Ius Sanguinis, d. h., über die Abstammung erworben. Darüber hinaus auch durch amtl. Ermessungsentscheid per Antrag auf Einbürgerung (→ Nationalisierung).

Statusdeutsche

Hauptartikel: Statusdeutsche und Volksdeutsche

Einen formaljuristischen Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit haben verschiedene deutschstämmige Minderheiten, die hauptsächlich aus dem östl. und südöstl. Europa stammen. Dort müssen sie sich jedoch subjektiv und objektiv zur deutschen Volkszugehörigkeit bekannt haben, um ihren abstammungsmäßigen Anspruch belegen zu können. 1977/91 erhielten 519 000 Deutschstämmige die deutsche Staatsangehörigkeit durch Abstammung und nachgewiesenen Bekenntnis.

DDR-Deutsche

Im Zuge der Abgrenzungspolitik vonseiten der DDR wurde in der BR Dtschld. amtlich verfügt, dass im Amts- und öffentlichen Sprachgebrauch die Begriffe deutsch und Deutsche zu verwenden seien. Die Verwendung von bundesdeutsch war nicht explizit ausgeschlossen worden, derweil es in den Richtlinien hieß, dass die Begriffe Bundesdeutsche und Bundesbürger nicht anzuwenden seien.

Größe, Siedlungsgebiete, Sprache

    Deutsches Siedlungsgebiet
    Deutsche Vertreibungsgebiete

Es wird geschätzt, dass die Deutschen heute etwa 90–100 Mio. Menschen umfassen. Das Gros von ihnen, etwa 62 Mio., lebt in der heutigen Bundesrepublik Deutschland, etwa 7,52 Mio. leben in Österreich, 3,9 Mio. in der Schweiz, 1,8 Mio. in Elsass-Lothringen, 390 000 in Luxemburg, rund 100 000 in den Niederlanden, 75 000 in Ostbelgien, 324 000 in Südtirol, 10–20 000 ;in Nordschleswig und rund 12 000 in Liechtenstein. In den Ostgebieten lebt aktuell noch eine deutsche Minderheit von etwa 108 000 und im Sudetenland von etwa 39 100.

Die Deutschen besiedeln somit ganz oder zum überwiegenden Teil des Bundesgebietes, Luxemburgs und Österreichs, sodass diese Staaten heute zu den deutschsprachigen gehören.

Es ist kennzeichnend für Deutsche, dass diese sich überwiegend über die Nationalkultur definieren, die auch eine deutsche Gemeinsprache herausgebracht hat. Zwar sind Deutsche dialektal stark zergliedert, aber im Standarddeutschen hochsprachlich zusammengeschlossen.

Ethnogenese, Nebenformen, politisch-staatsrechtliche Zugehörigkeit

Das Ethnonym Deutsche ist seit Anbeginn eng mit dem Adjektiv deutsch verbunden, das zuerst auf die Sprache übertragen, dann auf deren Sprecher (die Deutschen) ausgedehnt und im 18./19. Jh. letztendlich auf die Kultur übertragen wurde; so würden Sprache und Kultur eines Volkes dessen Volkstum bestimmen, so die damalige Ansicht. In ihren Ursprüngen sind diese Begriffe apolitisch, wurden aber vor allem im 19. Jh. immer mehr politisiert und ideologisiert, als die Völkischen begannen, sie mit der Rassenfrage zu verknüpfen.

Ihrer Ethnogenese nach sind Deutsche das Ergebnis eines sprachlich-kulturellen Zusammenschlusses mehrerer westgermanischer Volksstämme, als diese im Laufe von einem halben Jahrtausend zum deutschen Volk zusammenwuchsen,[1] deren Klammer das Königreich Germanien innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches war. Dort lebten die Stämme der Alemannen, Baiern, Franken, Friesen, Thüringer und Sachsen, von denen sich heute fünf als ethnisch deutsch definieren lassen. Später ging noch ein Teil der Friesen im Deutschtum auf, als sie das Friesische zugunsten des Niederdeutschen aufgaben.

Innerhalb des germanischen Königreiches waren die Deutschen in vier Stammesherzogtümern und einer Landgrafschaft zusammengeschlossen, in denen fünf der sechs deutschen Altstämme lebten. Vier Stammesstaaten besaßen eine überwiegend homogene Bevölkerung, indes Friesen und Franken überregional organisiert waren: Die Friesen, im Nordwesten des Reiches lebend, bildeten innerhalb des fränkisch-romanischen Herzogtum Lothringen eine autonome Region und wurden nach dessen Teilung (959) Niederlothringen zugeordnet, derweil die Franken nicht nur in dem nach ihnen benannten Herzogtum, sondern auch in Lothringen lebten.
Die im Ostfränkischen Reich, bzw. dem später als Königreich Deutschland genannten Gebiet, siedelnden Germanen bildeten innerhalb der nächsten fünf Jahrhunderte Verkehrsgemeinschaften, die sich an den Sprachgrenzen durch den vermehrten Sprachkontakt immer mehr anglichen, sodass an ihren Rändern weitreichende sprachliche Übergänge befanden, die heute als Dialektkontinuum bekannt sind.

Begünstigt wurde diese Entwicklung dadurch, dass die Franken als das Reich tragende Reichsvolk galten, deren Sprache, das Fränkische, auch für die anderen germanischen Sprachen des Reiches Vorbildfunktion hatte. Darüber hinaus begann sich das Deutsche aufgrund der Lautverschiebung in eine nieder- und eine oberdeutsche Gruppe zu scheiden. Bis 1500 hatte sich letztendlich zwischen ihnen die mitteldeutsche Gruppe gebildet, die sprachlich Eigenschaften beider teilte. So sollte schließlich im 16. Jh. aus dem Ostmitteldeutschen heraus die deutsche Gemeinsprache entstehen, die die Deutschen zur Sprach- und Kulturnation machen sollte.

Bereits um 1000 hatte sich unter den Stämmen des Reiches das Bewusstsein durchgesetzt, dass sie sprachlich-kulturell eng miteinander verwandt waren und dass sie deutsche Stämme waren, die sich mit dem Attribut deutsch identifizierten.
Mit Ausnahme der Friesen, die nicht an der weiteren Sprachentwicklung teilnahmen, werden die fünf Stämme der Alemannen, Baiern, Franken, Sachsen und Thüringer heute als deutsche Altstämme bezeichnet, während man den Friesen lange Zeit den Rang einer besonderen Volksgruppe des Reiches zuerkannte und diese als deutschen Nebenstamm bezeichnete. Sammel- und Oberbegriff aller germanischen Stämme, insbesondere der deutschen, wurde Deutsche und erstmalig tauchte auch der Eigenname deutsches Reich für das Siedlungsgebiet der Deutschen auf.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit umfasste der Sammelbegriff Deutsche im ethnografischen Sinn alle Menschen, die sich zu ihrer ethnischen Identität und sich zur deutschen Sprach- und Kulturnation bekannten.
So wurde denn auch Deutsche der Eigenname dreier westgermanischer Völker, die aus den heutigen Deutschen, den Niederländern und den Flamen gebildet wurden. So bezeichneten sich die Niederländer bis 1815 offiziell als Duitsche und Duytsche bzw. dialektal als Duutsche, indes die Flamen sich als Dietsche bezeichneten.

Als Deutsche bezeichneten sich jedoch auch die Friesen, die sich der Sprachverwandtschaft mit den übrigen Stämmen des Reiches voll bewusst waren: Das deutsch sein definierte sich fast 900 Jahre lang nur über die gemeinsame Muttersprache, ihrer Dialekte und der gemeinsamen Kultur. So galten auch die in Norditalien lebenden Langobarden bis zu ihrer Romanisierung als Deutsche, da sie ein oberdeutsches, und dem Altbairischen eng verwandtes, Idiom besaßen.

In ihrer langen Geschichte waren die Deutschen überwiegend im Römisch-Deutschen Reich, dem Deutschen Bund und dem Deutschen Reich staatlich organisiert. Heute gilt v. a. die Bundesrepublik Deutschland als der deutsche Hauptstaat im Sinne eines Nationalstaates. Doch gehören alle deutschsprachigen Staaten dem deutschen Sprach- und Siedlungsgebiet gänzlich oder überwiegend an.

Deutsche Volksangehörigkeit

Der Begriff deutsche Volkszugehörige wurde im März 1939 amtlich definiert, zuvor er auf alle deutschen Minderheiten und Deutschstämmige des Auslandes angewendet wurde. Vor der Einführung der NS-Definition galt als deutscher Volksangehöriger, wer in seiner Heimat 'deutscher Abstammung war, ganz gleich, ob er sich noch als deutsch definierte oder nicht. Die deutsche Volkszugehörigkeit leitete sich vom blutgebundenen Abstammungsprinzip ab.
Um nun als deutscher Volksangehöriger anerkannt zu werden, musste nun eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden: Zu diesem Zweck wurden auch vonseiten der Reichsbehörden die Volkslisten eingeführt, in denen die nachgewiesene sog. Bindung zum Deutschtum der Anwärter schriftlich katalogisiert wurde.

Deutsche vs. Duytsche und Dietsche

Die Friesen wurden zu großen Teilen 15./17. Jh. von ihren großen Nachbarn, den Deutschen und den Niederländern, sprachlich assimiliert und gingen im jeweiligen Volkstum auf, sodass sie heute in drei kleinen und voneinander getrennten Gebieten leben.
Doch selbst mit dem Aufkommen erster nationalstaatlicher Gedanken definierten sich die großen germanischen Völker des Römisch-Deutschen Reiches als Deutsche: Eigenname der damaligen Niederländer war Duytsche, der der Flamen Dietsche.

Diese Eigennamen stellten ursprünglich keinen nationalen Gegensatz dar, da diese Begriffe bis ins 19. Jh. nur im sprachlich-kulturellen Sinn verwendet wurden. Seit Auflösung der Stammesherzogtümer und deren Ablösung durch Territorialstaaten, den Reichsländern, und insbesondere seit Ende des 30-jährigen Krieges definierte sich die germanische Bevölkerung des Römisch-Deutschen Reiches über ihre Heimatländer: So wurde sie in erster Linie aus Brabantern, Holländern, Flamen, Baiern, Schwaben, Brandenburgern, Jülicher, Pommern oder Mecklenburg-Strelitzer gebildet, die erst in zweiter Linie Deutsche waren.

Deutsche Kulturnation, Revolutionsjahre (1848–1849)

Noch Anfang des 19. Jh.s wurde Mitteleuropa von einem übernationalen Staat dominiert, der seit 1801 den Eigennamen deutsches Reich trug und aus dem Römisch-Deutschen Reich gebildet wurde. Träger der Reichsidee waren letztendlich nur noch die Deutschen, sodass das Reich in der Tat ein deutsches war. Ab 1770 begann deren Bildungselite sich mit dem Nationalstaatsgedanken auseinanderzusetzen, die eine Auflösung des Reiches unter Berücksichtigung des Nationalstaatsprinzips forcierte. Die Deutschen wurden nun als Sprach- und Kulturnation aufgefasst. Mit der Auflösung des Reiches (1806) begann die deutsche Frage als solche, die mit der Gründung des Deutschen Bundes vorläufig ad acta gelegt wurde.

1832 wurde mit dem Hambacher Fest die deutsche Nationalbewegung begründet, die von der Bildungselite, den Universitäten und der Burschenschaften getragen wurde. Diese Nationalbewegung war liberal und nationaldemokratisch, die mit ihrer Forderung nach einem zentralistisch-unitarischen Nationalstaat das Pendant zum bestehenden Gesellschaftssystem trat, das nicht die Volks-, sondern die Adelsnation bevorzugte.
Die deutsche Nationalbewegung definierte deutsch sein nicht mehr allein über die gemeinsame Sprache, sondern darüber hinaus auch auf das Bekenntnis eines Einzelnen, der deutschen Nation anzugehören, die sich über die traditionellen Kulturleistungen wie Literatur, Musik und Geisteswissenschaften definierte. Das heißt, dass sich Deutsche zur Nationalkultur bekennen mussten. Abstammung und Religion waren unerheblich, sodass sich auch die jüdische Minderheit in Deutschland voll und ganz zu den Deutschen rechnen konnte.

Die so entstandene Kulturnation stand dem Nationalstaat als solches vor und bildete die Voraussetzung zur Etablierung eines Staates nach dem Nationalstaatsprinzip; ihr Ziel war es, eine deutsche Staatsnation zu begründen.

1848/49 kam es europaweit zu revolutionären Aufständen. So auch auf dem Territorium des Deutschen Bundes, wo die deutsche Revolution ausbrach: In allen Staaten sollten die bestehenden Monarchien gestürzt und durch demokratische Republiken ersetzt werden. So forderten auch die Deutschen, dass die bisherige deutsche Sprach- und Kulturnation durch eine moderne Staatsnation ersetzt werde.
Die seit 1832 wieder offene deutsche Frage wurde jedoch um den ernsten Streit um die österreichische Frage gefährdet: Die Partei der Großösterreicher forcierte den Einbezug der gesamten Donaumonarchie in einen zukünftigen deutschen Nationalstaat, indes die Partei der Großdeutschen lediglich die österreichische Reichshälfte dort verankert haben wollte. Die Partei der Kleindeutschen ging von ähnlichen Überlegungen aus, doch waren sie entschlossen, bei weiterer österreichischer Verweigerung die deutsche Einheit ohne Österreich durchzuführen.

Norddeutscher Bund, Deutsches Reich

Nach der Restauration des Bundes (1852) und der Wiederherstellung des Status quo wurden nun vonseiten der Herrschenden alle Demokraten, Sozialisten und große Teile der Liberalen verfolgt. Die Nationalliberalen bspw. orientierten sich nun politisch an Preußen und wurden dort zu einer nicht unwichtigen Kraft. Vor allem Preußen war bereit, sich zum Motor der deutschen Einheit zu machen und diese nun im Sinn der kleindeutschen Idee zu verwirklichen.
1866 erfolgte der deutsche Bruderkrieg, der mit dem Sieg des Norddeutschen Bundes endete. Österreich wurde nun bis aufs Weitere von der deutschen Nationalstaatsbildung ausgeschlossen, die im Laufe des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) mit dem Beitritt der süddeutschen Staaten abgeschlossen wurde.

Am 18. Jan. 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich ausgerufen, das seiner Staatsform bundesstaatlich und monarchistisch war. Das Staatsoberhaupt trug den Titel Deutscher Kaiser und das neue Reich umfasste 65 v. H. der Deutschen. Doch wies dieser deutsche Nationalstaat erhebliche Mängel auf: so zum einen, das ihm nicht alle Deutschen politisch angehörten, und zum anderen, das innerhalb seiner Grenzen erhebliche ethnische (völkische) und nationale Minderheiten lebten. Das Deutsche Reich wies damit Eigenschaften eines Über- und eines Unternationalstaates auf.

Durch die Gründung des Reiches bekam der bisher nur sprachlich-kulturell belegte Volksname Deutsche auch eine völker- und staatsrechtliche, und damit auch eine politische, Komponente: Waren bisher alle deutschen Muttersprachler Deutsche schränkte sich dieser Eigenname immer mehr auf den Träger der Reichsangehörigkeit, den Reichsdeutschen, ein. Deutsche die nun außerhalb der Reichsgrenzen lebten, wurden nun als Bindestrich-Deutsche bezeichnet, da nun deren Heimatstaat nachgestellt wurde. So wurde aus einem Deutschen in Luxemburg ein Deutsch-Luxemburger und aus einem Deutschen in Österreich ein Deutsch-Österreicher.

Völkisches Konzept

Hauptartikel: Völkische Bewegung

Ab den 1880er Jahren gärte die nationale Frage im Reich und in Österreich-Ungarn weiter: Radikal-chauvinistische Alldeutsche, die in vielen Punkten den Großdeutschen und Deutschnationalen in Österreich nahestanden, forcierten nun ein maximales Großdeutschland, das von ihnen als Alldeutschland tituliert wurde und bis etwa 1950 nur nicht die staatliche Vereinigung Deutschösterreichs anstrebte, sondern auch das niederländische Sprachgebiet und die Schweiz rassisch-ethnisch für sich einforderten. Im Sinne des von ihnen vertretenden Rassenantisemitismus konnten Juden keine Deutsche sein, da es ihnen an der sog. Deutschblütigkeit fehlte.

Unter der'NS-Diktatur wurde dieses völkische Konzept pervertiert und endete letztendlich im Völkermord an den europäischen Juden.

Deutsche vs. Deutschsprachige; Deutschstämmige

Bis zum I. Weltkrieg definierten sich in Europa allein die Reichsdeutschen und die Deutschösterreicher als Deutsche im politisch-ideologischen Sinn, nachdem 1879 mit dem Zweibund die großösterreichische Idee nun als militärisches Zweckbündnis (Schutz-und-Trutz-Bündnis) verwirklicht wurde. Allerdings stand dieser Zweibund unter preußischer Hegemonie und damit im Zeichen des Reiches.
Mit dem Aufkommen der Deutschvölkischen Bewegung um die Jahrhundertwende wurde von beiden Staaten der völkische Nationalismus aggressiv nach außen vertreten.

So begannen bspw. in den 1880er Jahren die Deutschschweizer sich ethnisch von den Reichsdeutschen zu entfremden und bildeten mit ihren fremdsprachigen Nachbarn innerhalb der Schweiz eine schweizerische Identität aus: Um 1900 definierten sie sich als Schweizer deutscher Sprache und damit nur noch als deutschsprachig.
Denselben Weg gingen ab 1933/40 auch die Deutschluxemburger, die ab 1940/42 einer starken Germanisierungspolitik vonseiten der NS-Diktatur unterworfen wurden. Seit dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges sehen sich die Deutschluxemburger generell nicht mehr als Deutsche an, sondern betonen über die traditionelle luxemburgische Identität ihre Frankofonität.

In den letzten Kriegstagen, am 27. April 1945, erklärten österreichische Politiker, dass Österreich im Sinne der 1920 verabschiedeten Verfassung wiederhergestellt und dass diese gegenüber dem Reich ein souveräner Staat sei.
Damit distanzierten sich die Österreicher von den im deutschen Namen verübten Kriegsverbrechen des sich großdeutsch nennenden Reiches. Hatten sie 1938 noch mehrheitlich über den Anschluss an das Reich begrüßt, wurden die Österreicher schnell eines Besseren belehrt, als Führungspositionen in der nunmehrigen Ostmark durchweg von Reichsdeutschen besetzt wurden.

1955 wurde Österreich nach Abschluss des österreichischen Staatsvertrages mit den Vier Mächten in die ewige Neutralität entlassen und noch im selben Jahr erkannte die damalige Bundesrepublik Deutschland die 1945 wiedereingeführte österreichische Staatsangehörigkeit an, infolgedessen die 1938 in Österreich eingeführte deutsche Staatsangehörigkeit den Österreichern wieder entzogen wurde.
Mit Ausnahme der wenigen Deutschen in den Oder-Neiße-Gebieten, Ost- und Südosteuropas, Russlands, aber auch der deutschsprachigen Bevölkerung Nordschleswigs und Südtirols ist es nun innerhalb des deutschen Sprachgebietes üblich, die Sprecher außerhalb der 1949 entstandenen Teilstaaten bzw. außerhalb des 1990 geschaffenen vereinten Deutschlands generell als Deutschsprachige zu bezeichnen, indes die Bewohner Nordschleswigs und der Ostgebiete als Deutschstämmige bezeichnet werden.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 11


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.