Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei

Aus Deutsche Geschichte
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Deutsche Nationalsozialistische
Arbeiterpartei
Gründungsdatum 5. Mai 1918 (de jure)
August 1918 (de facto)
Sitz Aussig
Parteiform Arbeiterpartei
Bekenntnispartei
Kleinpartei
Rechtspartei
Ausrichtung nationalsozialistisch
sozialrevolutionär
völkisch
judenfeindlich
Gliederung Regional
Parteivorsitzender Hans Knirsch
Stellvertreter Walter Riehl
Karl Schulz
Ferdinand Burschowsky
Parteiorgan(e) DÖTZ
Aufgelöst seit

Ende Oktober
Anfang November 1918

Eingegliedert von

DNSAP (Österreich)
DNSAP (ČSR)
NS-Arbeiterverein in Polen

Rechtsnachfolger von

Deutsche Arbeiterpartei


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP), Eigenbezeichnung einer deutschösterreichischen Rechtspartei in Österreich-Ungarn, die zwischen Mai und Nov. 1918 bestand und ihren Sitz in Aussig (tsch. Ústí and Labem) hatte. Den Parteivorsitz hatte Hans Knirsch inne und Parteiorgan war die Deutschösterreichische Tageszeitung.

Die deutschsprachige Geschichtsforschung ist sich heute einig, der DNSAP generell als geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus hitlerscher Prägung einzustufen und zu bezeichnen. Doch im Gegensatz zur Hitlerpartei wurde in ihr reale sozialistische Forderungen vertreten, die die Partei fest in die damaligen sozialdemokratischen und sozialistischen Gewerkschaftsverbände integrierte.

Ideologische Ausrichtung, Ziele

Die DNAP wird heute programmatisch der radikalen Rechten zugerechnet und wies sowohl sozialrevolutionäre als auch deutschvölkische Positionen auf. Gesellschaftlich wollte die Partei die bestehende Gesellschaftsform revolutionieren, bezüglich ihrer Volkstumspolitik stand sie für die Stärkung des sudetendeutschen Grenzlanddeutschtums.

Ihrer deutschvölkischen Traditionen entsprechend war auch die DNSAP bezüglich der „Judenfrageantisemitisch; doch die chauvinistische Aggressivität der Alldeutschen war ihr fremd, was auch immer von diesen bemängelt wurde. Vielmehr galt die Partei als echte Arbeiterpartei, die regional gegliedert und basisdemokratisch aufgegliedert war.
1913 gab sich die DAP mit dem Iglauer Programm eine neue Ausrichtung, die vor allem dem Standpunkt des Vorstandes entsprach. Einige der dort aufgeführten Forderungen orientierten sich erneut wieder am Linzer Programm der Deutschnationalen und der Alldeutschen; maßgeblich verantwortlich für dieses Programm waren Walter Riehl und Rudolf Jung.

Ihr im Dez. 1918 vorgestelltes Parteiprogramm wurde von Rudolf Jung unter dem Namen „Nationaler Sozialismus“ verfasst und orientierte sich am Programm der Deutschvölkischen Bewegung, das selbst stark vom Programm der Deutschnationalen Bewegung beeinflusst war. Laut diesem Programm war die Partei unabhängig, national, antifeudal und antiklerikal sowie sozialrevolutionär. Ziel war u. a. die Sozialisierung der bestehenden Gesellschaftsform innerhalb der österreichischen Reichshälfte.

Entstehung

De jure wurde die Partei am 5. Mai 1918 als Rechtsnachfolger der Deutschen Arbeiterpartei gegründet; sie galt als deutsche Antwort auf die Bildung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Böhmens, die bereits schon 1897 von radikalen Vertretern der tschechischen Sozialdemokratie begründet wurde. Die Gründungsväter der DNSAP waren Deutschnationale und Deutschvölkische, die dementsprechend geprägt, einen ausgesprochenen völkisch definierten Nationalismus vertreten hatten.

Bereits im Jan. 1902 trennte sich ein Teil der Alldeutschen Vereinigung von dieser und organisierten sich in zahlreiche völkische Agitationsverbände und Vereine. Zudem kam es in Böhmen-Mähren zu zahlreichen Parteigründungen, so auch am 14. Nov. 1903 in Aussig zur Gründung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP). Die DAP war innerlich völlig inhomogen, da ihre Mitgliedern zahlreichen Organisationen entstammten. Gemeinsamer Nenner der Parteimitglieder war der „Kampf gegen die tschechischen Unternehmer und die deutsche Sozialdemokratie“[1].

Richtungskämpfe, Radikalisierung

Bereits 1909 kam es zu Richtungskämpfen in der DAP: Die Sozialrevolutionäre stellten den Antrag, den Parteinamen offiziell in Deutschsoziale Partei zu ändern. Doch sie scheiterten am Widerstand der dortigen Mehrheit. Doch setzten sich die Sozialrevolutionäre sofern durch, dass es ihnen gestattet wurde, sich nun offiziell als „Nationalsozialisten“ bezeichnen zu können[2]. Das Gros der Mitglieder gab sich offen gutbürgerlich und die DAP selbst definierte sich als Bürger-, Bauern- und Arbeiterpartei. Der Vorstand kokettierte seinerseits mit den „alten demokratischen und parlamentarischen Traditionen aller politischen Richtungen in Österreich“[3], was bedeutete, dass sich die Partei zur parlamentarisch-demokratischen Gesellschaftsordnung bekannte.

1911 erfolgte eine starke Radikalisierung der Partei, die sich nun voll in die Deutschvölkische Bewegung einbrachte; ihre Argumentation und Propaganda glich im Wesentlichen schon jener, die zwölf Jahre später von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vertreten wurde. Im Mai 1911 wurde der Zusatz „nationalsozialistisch“ in den Parteinamen aufgenommen, doch es sollte noch bis 1918 dauern, bis sich die neue Namensform allgemein durchgesetzt hatte.

Parteibesitz

Die DAP (und die spätere DNSAP) galt als wohlhabend: 1912 besaß die Partei 9 Zeitungen, 11 Gewerkschaftsblätter, 12 Sekretariate, 1 zentrale Arbeitsvermittlung, 17 Konsum-, 11 Wohnungsbaugenossenschaften und 1 parteieigene Druckerei[3].

Umbenennung, Teilung der Partei in zwei „nationale Flügel“

Im April 1918 verlangte Franz Gattermayer, der dem völkisch-linken Gewerkschaftsflügel der Partei angehörte, dass der Parteiname nun offiziell um die Zusätze „national“ und „sozialistisch“ erweitert werde und das sich die Partei nun offen als „deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei“ umbenenne. Im August 1918 wurde auf einem Parteikongress in Wien der Vorschlag angenommen und wenig später umgesetzt, nachdem sich Riehl dafür eingesetzt hatte[2].

Der ehemalige Sozialdemokrat Riehl vertrat offen die Ansicht, dass in der nunmehrigen DNSAP die marxistischen Positionen stärker vertreten werden sollten, um sich dadurch stärker von der bürgerlichen Deutschnationalen und den „rechtssozialistischen“ Sozialdemokraten abzugrenzen. Bereits am 4. Mai 1918 beschloss man im böhmischen Aussig, dass die Gesamtpartei in zwei nationale Schwesterparteien splitten werde, die sich zum einen auf die deutschböhmischen und -mährischen Siedlungsgebiete sowie auf die in Böhmen-Mähren verteilten Sprachinseln, und zum anderen auf das „Alpendeutschtum“, das heißt, auf das eigentliche Österreich konzentrieren würde. Nur einen Tag später wurde die Trennung bereits vollzogen.

Nach dem 1. Weltkrieg

Am 18. Okt. 1918, als sich der 1. Weltkrieg seinem Ende zuneigte, beschlossen die deutschösterreichischen Nationalsozialisten, das sich Deutschösterreich bundesstaatlich dem Deutschen Reich anschließen sollte[4] und wie so viele in der untergehenden Donaumonarchie gaben sie dem „Finanzjudentum“ die Schuld an der Niederlage.
Im Nov. 1918 löste sich die DNSAP als Gesamtpartei auf und ihre Nachfolge traten zwei Parteien gleichen Namens an, deren politische Aktivitäten jeweils an den neuen österreichisch-tschechischen Grenzen endeten: In der Tschechoslowakei wurde die DNSAP (ČSR) gegründet, die unter der Führung Rudolf Jungs und Hans Knirschs standen. In Österreich war die DNSAP (Deutschösterreich) beheimatet, die unter der Führung Walter Riehls stand. In den an Polen abgetretenen Teilen Österreichisch-Schlesiens entstand auf Vereinsbasis der deutsche nationalsozialistische Arbeiterverein, der in Bielitz-Biala (poln. Bielsko-Biała, tsch. Bílsko-Bělá) beheimatet war.

Modernisierung, Einigungsversuche

Am 7./8. Dez. 1918 nahmen beide Nachfolgerparteien der DNSAP in Wien das von Jung verfasste Wiener Programm an, das unter dem Namen „Nationaler Sozialismus“ trug und für beide verbindlich war: Hatte sich die alte DNSAP 1914 noch für den Erhalt der Donaumonarchie eingesetzt, so stand jetzt der Anschlussgedanke im Vordergrund, der auf deutschvölkische und großdeutsche Positionen fußte. Hauptziel war nun die Anschlüsse Österreichs und des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Gast dieser Wiener Tagung war der Düsseldorfer Alfred Brunner, der als Führer der Deutschsozialisten anwesend war.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 61
  2. 2,0 2,1 Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 64
  3. 3,0 3,1 Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 63
  4. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 66


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