Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei

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Deutsche Nationalsozialistische
Arbeiterpartei
Flag of the NSDAP (1920–1945).svg
Motto Deutschland erwache
Gründungsdatum Ende Okt./
Anfang Nov. 1918
Sitz Aussig
Parteiform Rechtspartei
Ausrichtung nationalsozialistisch
sozialrevolutionär
deutschvölkisch
antidemokratisch
antimarxistisch
antiliberal
antisemitisch
Gliederung Regional
Parteivorsitzender Rudolf Jung
Mitglieder 100 000 (1932)
Parteiorgan(e) DÖTZ
Aufgelöst seit

4. Okt. 1933

Eingegliedert am

4. Okt. 1933

Eingegliedert von

SdP

Rechtsnachfolger von

DNSAP


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei, auch Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in Böhmen und Mähren, (offiziell: Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei, DNSAP), Name einer tschechoslowakischen Rechtspartei, in der zwischen 1918 und 1933 Deutschböhmen, Deutschmährer und Deutschschlesier (Sudetendeutsche) politisch vereinigt waren und die ihren Sitz in Aussig (tsch. Ústí nad Labem)) hatte. Den Parteivorsitz hatte Rudolf Jung inne und Parteiorgan war die Deutschösterreichische Tageszeitung.

Inhaltsverzeichnis

Synonym

Ideologische Ausrichtung, Ziele

Ideologische Ausrichtung

Die DNSAP wird programmatisch der radikalen Rechten zugeordnet, obgleich sie parteihistorisch aus der völkischen Linken heraus entstand. Ihr Nationalsozialismus bestand aus deutschvölkischen und sozialistischen Elementen und die Partei selbst galt als basisdemokratisch und gemäßigt. Ein chauvinistisch-aggressiver Antisemitismus wurde ursprünglich nicht in der DNSAP vertreten, was auch immer wieder von den Alldeutschen bemängelt wurde; doch unter Rudolf Jung kam es vor allem in den 1930er Jahren zur stetigen Radikalisierung der Partei, die sich immer mehr an ideologisch-politisch an der reichsdeutschen NSDAP ausrichtete.

Ziele

Hauptforderung der Partei war ursprünglich die Angliederung Sudetendeutschlands an das benachbarte Österreich, bis ab Ende der 1920er Jahre der Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich forciert wurde.
Daneben wurde der „Kampf gegen die tschechischen Unternehmer und die deutsche Sozialdemokratie“ vorangetrieben, zu dem auch ein „Kampf gegen das internationale Finanzjudentum“ trat.

Chronik

1918–1923

Per se beginnt die Parteigeschichte der sudetendeutschen DNSAP mit der Gründung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei innerhalb Deutschösterreichs; doch bereits am 4./5. Mai 1918 beschloss man, die Gesamtpartei in zwei nationale Flügel zu trennen. Der sudetendeutsche Flügel begann nun, mit deutschvölkischen Rechtsparteien des Reiches zusammenzuarbeiten, von denen die Deutsche Arbeiterpartei und die Deutschsozialistische Partei die bedeutendsten Vertreter waren.

Die DNSAP vertrat ideologisch und außenpolitisch die großdeutsche Idee, wie diese auch von der österreichischen Großdeutschen Volkspartei propagiert wurde: Die Angliederung der sudetendeutschen Gebiete an Österreich und, mit diesem, den bundesstaatlichen Anschluss an das Deutsche Reich. Zum Ärgernis der Alldeutschen war die DNSAP ursprünglich nicht besonders rassenantisemitisch ausgerichtet, sondern vertrat vielmehr die gemäßigten Positionen der einstigen Deutschnationalen.

Am 8. Dez. 1918 wurde in Wien die Zwischenstaatliche Kanzlei des deutschen Sprachgebietes gegründet, die unter der Führung des österreichischen DNSAP-Vorsitzenden Walter Riehl stand: Diese war ein organisatorischer Zusammenschluss aller nationalsozialistischer Parteien des deutschen Sprachgebietes und darüber hinaus begann man auch eine Zusammenarbeit mit der traditionell deutschnational ausgerichteten Deutschen Nationalpartei.

Am 7./8. Aug. 1920 war die DNSAP Teilnehmerin des von der österreichischen Schwesterpartei mit ausgerichteten Deutschen Tages in Salzburg. Dort versammelten sich alle National- und Deutschsozialisten Österreichs, des Sudetenlandes und des Deutschen Reiches. Vor rund 200 Teilnehmern wurde die Bildung eines Ausschusses verkündet, der die Bildung einer nationalsozialistischen Partei Großdeutschlands vorantreiben sollte. Adolf Hitler, einer der Teilnehmer, setzte durch, dass die maßgeblich von ihm mit gestaltete Hakenkreuzfahne als gemeinsames politisches Symbol der Nationalsozialisten angenommen wurde.
Bereits im Okt. 1920 nahm Hitler als Führer der NSDAP an drei Tagungen teil, die von den sudetendeutschen und österreichischen Nationalsozialisten durchgeführt wurden. Dort gab er als gemeinsame Losung die Parole „Streng national, streng antisemitisch, streng sozial!“ aus und erklärte den Anwesenden die Symbolik der Hakenkreuzfahne: Rot stünde dort für den „sozialen Gedanken“ der Bewegung, Weiß symbolisierte deren „nationalistischen Charakter“, indes das schwarze Hakenkreuz für den „Sieg des arischen Menschen“ stehen sollte.

1923–1933

Ab Ende 1922/Anfang 1923 nahm der politische Einfluss der Großdeutschen Volkspartei und der Deutschen Nationalpartei auf die sudetendeutsche DNSAP immer mehr ab; statt dessen durchführte diese einen Rechtsruck in Richtung der Deutschvölkischen und damit in Richtung der NSDAP. Auch wurde die Zusammenarbeit mit der österreichischen Schwesterpartei weitgehend aufgegeben, da man aufgrund des innerparteilichen Richtungskampfes mit dieser zerstritten war. Während bspw. die österreichischen Nationalsozialisten mehrheitlich den Hitlerputsch vom Nov. 1923 ablehnten, befürwortete diesen der sudetendeutsche Flügel.

Nach der Wiederzulassung der NSDAP als politische Partei (Feb. 1925) wurde die Zusammenarbeit der sudetendeutschen und reichsdeutschen Nationalsozialisten wieder verstärkt und ausgebaut: So erfolgte nun die Gründung eines SA-ähnlichen paramilitärischen Verbandes, der nun die Veranstaltungen der DNSAP schützen sollte und der den Namen Volkssport trug.

1929 erhielt die DNSAP acht Sitze im tschechoslowakischen Parlament und formierte nun zwei weitere Verbände, die der Hitlerjugend und dem NS-Studentenbund nachempfunden waren: Es waren dies der nationalsozialistische Jugendverband und der deutsche nationalsozialistische Studentenbund.

1932 wurde in der Tschechoslowakei der Volkssport-Verband als illegaler politischer Kampfverband verboten und aufgelöst; indes forderten die Sudetendeutschen ab Jan. 1933 den Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich und entzogen sich einem Parteiverbot durch tschechische Behörden mit einer am 4. Okt. 1933 durchgeführten Selbstauflösung zuvor. Das Gros der DNSAP-Mitglieder schloss sich nun, unter der Führung Konrad Henleins, zur Sudetendeutschen Partei zusammen.

Siehe auch

Literatur


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