Deutsche Sprache

Aus Deutsche Geschichte
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Deutsch
Hochdeutsch
Dachsprache(n) Standarddeutsch
Sprache(n) Niederdeutsch
Mitteldeutsch
Oberdeutsch
Dialekt(e) Niederfränkisch
Westniederdeutsch
Ostniederdeutsch
Westmitteldeutsch
Ostmitteldeutsch
Nordoberdeutsch
Westoberdeutsch
Ostoberdeutsch
Erste schriftliche Erwähnung 786
Länder Deutschland (Amtssprache)
Schweiz (Amtssprache)
Liechtenstein (Amtssprache)
Luxemburg (Amtssprache)
Österreich (Amtssprache)
Belgien (Regionalsprache)
Dänemark (Regionalsprache)
Italien (Regionalsprache)
Polen (Regionalsprache)
diverse Staaten
Sprecher 98 Mio.
Weitere Informationen
Sprachfamilie Indogermanisch
Sprachgruppe Germanisch
Sprachuntergruppe Kontinentalwestgermanisch
Sprachenkarte Mitteleuropas (1937).png
    = Deutsches Sprachgebiet um 1937


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Deutsche Sprache [dɔʏ̯t͡ʃɘ ˈʃpʀaːχə], Eigenname, feminin. Kurzbezeichnung ist das Glottonym Deutsch [dɔʏ̯t͡ʃ], was ein Substantiv, Neutrum darstellt.

Heute Eigenname verschiedener westgermanischer Sprachen, die sich als Teil des Hochdeutschen (Mittel- und Oberdeutsch) oder des Niederdeutschen betrachten. In seiner standardisierten Form (Standarddeutsch) stellt es eine pluralistische Sprache dar, da es mehrere Idiome beinhaltet, die in ihrem Geltungsbereich ebenfalls als Standard gelten. Heute wird das Standarddeutsche in a.) Binnendeutsch (deutscher Nationalstaat) und b.) Außendeutsch unterschieden, wobei das Luxemburger Deutsch, österreichische Deutsch, das Schweizer Deutsch usw. zum Letztgenannten gezählt werden.

Synonyme; Nebenformen

Synonyme
Nebenformen

Etymologie, Anwendung

Der Eigenname deutsche Sprache steht in engem Zusammenhang mit der Begriffsentwicklung des ursprünglichen Adjektives deutsch.
Im Mittelalter und der Neuzeit wurde das Kontinentalwestgermanische unter dem Begriff deutsch summiert, ohne dass damit jedoch ein national-politischer Hintergrund verfolgt wurde. Deutsch bedeutet in seinem Ursprung volkssprachlich und stellte das Pendant zum Latein der Kirche und der Wissenschaft dar.

Aus diesem historischen Kontext hinaus wurde auch das Niederländische bis Ende des 19. Jh. zum Deutschen, genauer zum Niederdeutschen gerechnet.

Erste Erwähnung

Erstmalig wird deutsch 768 schriftlich erwähnt, als es in einem angelsächsischen Kirchenbericht über eine dort stattgefunden Kirchensynode verwendet wurde. Dort wurde schriftlich festgehalten, dass bei den Angelsachsen nicht nur in Latein, sondern auch in der germanischen Volkssprache (theodisce) gepredigt wurde, sodass ein jeder der Predigt folgen konnte.

Sprecherzahl, Verhältnis zu germanischen Nachbarsprachen

Das geschlossene Sprachgebiet umfasst heute rund 98 Mio. Sprecher, zu denen noch zahlreiche deutsche Minderheiten treten, die außerhalb des Sprachgebietes in sogenannten Sprachinseln leben.

Aufgrund seiner sehr engen Sprachverwandtschaft mit anderen germanischen Sprachen innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches, und der zeitweise parallel zueinander verlaufenden Sprachgeschichte, gelten Niederländisch und Deutsch heute als Schwesternsprachen, zwischen denen ein (sich zwischenzeitlich in Auflösung befindendes) Dialektkontinuum besteht.

Dennoch war es bis in die Mitte des 20. Jh.s teilweise noch üblich, das niederländische Sprachgebiet als Teil des niederdeutschen zu betrachten, ein Relikt aus dem späten 19. Jh., als die Niederdeutsche Bewegung begann, die Flamen während ihres Sprachenkampfes zu unterstützen und das Neuniederländische, später das Standardniederländische, als „besondere Variante“ des Deutschen anzusehen. Diese völkische Einteilung nach Sprachstämmen wird heute weder in der Germanistik noch in der Niederlandistik vertreten, sondern die wird nur noch in der halbwissenschaftlichen Sekundärliteratur angewandt.

Das Luxemburgische, nicht das Luxemburger Deutsch, nimmt innerhalb des Deutschen eine Zitterstellung ein: Seine Sprecher, die Deutschluxemburger, definieren es inzwischen als eigenständige germanische Sprache, die nur noch über ihre moselfränkische Abstammung (lose) mit dem Deutschen verwandt sei. Dennoch sieht die Germanistik es weiterhin als Teil des Mitteldeutschen, wobei ihm sprachliche Besonderheiten zugestanden werden. Dennoch ist es heute allgemein als Abstandssprache anerkannt, da es seit Mitte der 1980er Jahre in Luxemburg als Nationalsprache festgelegt wurde.

Sprachgeschichte

Hauptartikel: Deutscher Sprachpluralismus

Das Deutsche gilt seit jeher als pluralistische Sprache, da seit seinem Bestehen zeitgleich mehrere regionale Schreib- und Lesesprachen existierten. Doch zwischen dem 10. und 11. Jh. wurde es aus den Klöstern zugunsten des Lateinischen verdrängt.

Althochdeutsche Zeit (8. bis 11. Jh.)

Im 6./8. Jh. fand im süddeutschen Raum eine Lautverschiebung statt, in deren Folge sich das Althochdeutsche deutlich von den anderen germanischen Sprachen abhob und letztendlich trennte. Man vermutet heute, dass die langobardische, burgundische, vandalische und gotische Lautverschiebung Parallelentwicklungen zur hochdeutschen sind, da in diesen Sprachen die Lautverschiebung früher als im Deutschen einsetzte.
V. a. das Langobardische wurde lange Zeit zu den oberdeutschen Dialekten gezählt, doch heute weiß man, dass seine Sprachstufe ungefähr dem Rheinfränkischen, und damit dem Mitteldeutschen, entsprach, da in ihm die Lautverschiebung nicht so konsequent wie im Althochdeutschen durchgeführt wurde.

Zur Zeit des Althochdeutschen existierten im damaligen deutschen Sprachgebiet zahlreiche Schreiborte, deren Schreib- und Lesesprache durch die jeweiligen Klöster bestimmt und durch verschiedene Glossen oder Kirchentexte bekannt wurden.
Die bekanntesten Schreib- und Lesesprachen der damaligen Zeit waren:

  1. Bairisch mit den Schreiborten Freising, Salzburg und Tegernsee. Dort entstanden im 8. Jh. der Abrogans, das Petruslied und der Isidor.
  2. Alemannisch mit den Schreiborten Sankt Gallen und Reichenau. Dort entstanden im 8. Jh. zahlreiche Kirchenlieder und Glossen.
  3. Ostfränkisch mit den Schreiborten Fulda, Würzburg und Bamberg. Dort entstanden ebenfalls im 8. Jh. Evangelienübersetzungen und religiöse Gedichte.
  4. Südrheinfränkisch mit dem Hauptschreibort Weißenburg, dessen bekanntester Schreiber der Mönch Otfried war. Aber auch der Weißenburger Katechismus stammte von hier.
  5. Rheinfränkisch mit den Schreiborten Mainz, Lorsch, Worms und Speyer. Bekannteste Schrifttümer dieser Region stellen die Merseburger Zaubersprüche und die Straßburger Eide dar.
  6. Mittelfränkisch mit den Schreiborten Köln, Trier und Echternach. Hier entstanden vor allem die Trierer Kapitulare, eine deutschsprachige Übersetzung einer lateinischen Gesetzessammlung Ludwig des Frommen.

Mittelhochdeutsche Zeit (11. bis 14. Jh.)

Der deutsche Sprachpluralismus setzte sich auch im Mittelhochdeutschen fort, das ab etwa 1050 dem Althochdeutschen folgte und bis 1350 existierte. Dieses entstand, im Gegensatz zur vorausgegangenen Sprachstufe, der gesprochenen Volkssprache und war nicht künstlich in den Klöstern entwickelt worden. In ihm wurden sowohl die höfische Ritterliteratur als auch die Lieder der Minnesänger verfasst, die von der Liebe der Ritter zu den Frauen und deren Treue zum Lehnsherrn handelten.

Ab 1250 war auch die bisherige Einheitlichkeit der oberdeutschen Kanzleien hinfällig und es entstanden auf der Grundlage einiger Ortsdialekte weitverbreitete Regionalsprachen, die als Verkehrs- und Geschäftssprachen schon über ein gewisses Maß der Standardisierung aufwiesen, da ihre Schreiber auch über ihre Heimat hinaus verstanden werden wollten.
Werner König setzt für das 12./13. Jh. folgende Schreib- und Lesesprachen an, die er zum einen in Mittel- und zum anderen in Oberdeutsch unterteilt:[1]

Im Westen des damaligen deutsches Sprachgebietes war das Mittelniederländische als Schreib- und Lesesprache vorherrschend, wobei es zu beachten gilt, dass dieses im Bereich des Limburgischen in einem engen Dialektkontinuum mit dem benachbarten Rheinfränkischen stand. So ist es aus heutiger Sicht fast unmöglich, zwischen dem mittelniederländischen Brabantisch-Limburgischen, dem Rheinfränkischen oder einem thüringischen bzw. österreichischen Text zu unterscheiden, wie nachfolgende Textbeispiele verdeutlichen werden. Am stärksten weicht hier das Limburgische ab, das noch deutlich niederdeutsche Züge aufweist.

„Ûf der linden obene dâ sanc ein kleineȥ vogellîn.
vor dem walde wart eȥ lût: dô huop sich aber daȥ herze mîn
an eine stat da’ȥ ê dâ was. ich sach die rôsebuomen stân:
die manet mich der gedanke vil die han ich hin zeiner frouwen hân.“

Dietmar von Aust, Oberösterreich (urkundlich 1139–61 belegt)

„Si ist zallen êren ein wîp wol erkant,
schôner gebêre, mit zühten gemeint,
sô daȥ ir lop in dem rîche umbe gêt.
alse der mâne vil verre über lant
liuhtet des nahtes wol lieht unde breit
sô daȥ sîn schîn al die welt umbevêt,
... “

Heinrich von Morungen, Thüringen (dichtete 1190–1200)

„Ich denke under wîlen,
ob ich ir nâher wære,
waȥ ich ir wolte sagen.
daȥ kürzet mir die mîlen,
swenn ich ir mîne swære
sô mit gedanken klage.
mich sehent manige tage
die liute in der gebære
als ich niht sorgen habe,
...“

Friedrich von Hausen, Rheinfranken (um 1170)

„Sô wê der minnen is sô vrût
dat hê der minnen dînen kan,
ende hê dore minne pîne dût,
dê is ein vele minnesâlech man.
Van minnen komet allet gût,
dî minne maket reinen mût,
wat solde ich âne minne dan?“

Heinrich von Veldeke, Limburg (um 1200)

Zur Zeit des Mittelhochdeutschen war ein krasser Gegensatz zwischen dem mittel- und oberdeutschen Sprachgebiet vorherrschend: Das Erstere ging zumeist mit dem niederdeutschen Sprachgebiet (Niederdeutschland) überein, was sich durch die gemeinsame Verwendung des Verbs /quam/ ausdrückte, wogegen im Oberdeutschen das Verb /kam/ trat. Vor allem im Bereich der Kölner Kanzleisprache galt, dass das ripuarische Sprachgebiet mehr Gemeinsamkeiten mit dem Mittelniederdeutschen bzw. die größten Übereinstimmungen mit dem Mittelniederländischen aufwies, indes das Ostmitteldeutsche zumeist unter dem Spracheinfluss des Bairisch-Fränkischen stand.[2]

Dagegen wurde dem Ostfränkischen von König der Rang einer eigenständigen Schreib- und Lesesprache aberkannt, da dieses im Süden und Norden hin zu anderen Schreib- und Lesesprachen offen war; aber es wurde von diesem bezüglich des Ostfränkischen zugestanden, dass dieses einem bairischen Einfluss ausgesetzt war.[2]

Die Entstehung des Jüdisch-Deutschen (aus dem später das Jiddische gebildet wurde) ist ebenfalls in die mittelhochdeutsche Zeit anzusetzen. Dieses Idiom zerfiel in einen westlichen und einen östlichen Sprachzweig, aus denen durch spätere Auswanderung in die USA das Kolonialjiddische entwickelt wurde.

Neuhochdeutsche Zeit (ab dem 14. Jh.)

Ab 1350 begann die Epoche des [[Frühneuhochdeutsche Sprache]Frühneuhochdeutschen]], aus dem letztendlich unser heutiges Deutsch hervorging. Indes sich im Bereich des Mittel- und des Niederdeutschen regionale Schreibsprachen entwickelten, entstanden im oberdeutschen Sprachgebiet mit dem Gemeinen Deutsch eine verblüffend einheitliche Schreib- und Lesesprache, aus der bedeutende Kanzleisprachen hervorgingen, die maßgeblich mit dem späteren Lutherdeutschen des 16. Jh.s konkurrieren würden.

Der Siegeszug des Letzteren begann mit der Bibelübersetzung Martin Luthers (ab 1521). Die von Martin Luther geprägte Sprachform löste ab 1650 in Norddeutschland das'Mittelniederdeutsche und am Niederrhein teilweise das Mittelniederländische als vorherrschende Sprachform ab.
V. a. am Niederrhein sollte der niederrheinische Sprachenkampf fast drei Jahrhunderte andauern, da dieser durch die Koexistenz von gesprochener Volkssprache mit dem Mittelniederländischen und der Kölner Kanzleisprachegeprägt war. Letztere wurde in den an Preußen gefallenen Gebietsteilen durch das Lutherdeutsche ersetzt.

Kanzleisprachen, Redialektalisierung des Niederdeutschen

Zur Zeit der lutherischen Bibelübersetzung bestanden auf dem Territorium des Römisch-Deutschen Reiches bedeutende Kanzleisprachen, die vielfach die Traditionen des Mittelhochdeutschen fortführten:

  1. Ostmitteldeutsche Verkehrssprache, die im ostmitteldeutschen Sprachgebiet galt und eine der Grundlagen des späteren Lutherdeutsch bildete. Luther bediente sich bei seiner Bibelübersetzung der sächsischen Kanzleisprache, die eine Subgruppe der ostmitteldeutschen Verkehrssprache

bildete.

  1. Meißner Deutsch, Varietät der sächsischen Kanzleisprache mit dem Schreibort Meißen.
  2. Gemeines Deutsch, das die Grundlage der Nürnberger und Wiener Kanzleisprache bildete. Auch die Augsburger Kanzleisprache definierte sich als gemeines Deutsch. Zwischen ihnen herrschte schon frühzeitig eine gewisse Form der Standardisierung.[3]

Das 15./16. Jh. bildete das Zeitalter des Renaissancehumanismus, in dem im deutschen Sprachgebiet eine Gelehrtensprache entstand, die durchaus den Charakter einer Mischsprache aufwies, da sie neben einem deutschsprachigen Stamm durch lateinisch-griechische Lehnwörter ergänzt wurde. (→Sondersprache)

Nach dem Untergang der niederdeutschen Verkehrssprache (ab 1650) wies das niederdeutsche Sprachgebiet nunmehr keine Schreib- und Lesesprache bzw. Verkehrs- und Geschäftssprache auf und das Niederdeutsche existierte nur noch auf der Ebene der deutschen Dialekte weiter.
Durch die Redialektalisierung sahen die Sprecher ihre Muttersprache lediglich als Sprachzweig (Dialekt) des Deutschen an, indes die heutige Germanistik davon ausgeht, dass es sich hierbei um eine eigenständige germanische Sprache handelt. Daneben bildete sich im Westen das Neuniederländische zur vollen Nationalsprache der Niederländer aus und ging sprachgeschichtlich eigenständige Wege. Das Niederländische sollte sich nun im Laufe der nächsten 300 Jahre zur Schwesternsprache des Deutschen weiterentwickeln.

Sprachgesellschaften, Sprachreinigung

Im 17. Jh. entstanden, wie im übrigen Europa, auch im Römisch-Deutschen Reich zahlreiche Sprachgesellschaften, die sich zum Erhalt der autochthonen Volkssprachen und deren Reinigung von fremdsprachigen Einflüssen einsetzten: die deutschen Sprachgesellschaften, wie die 1617 gegründete Fruchtbringende Gesellschaft, forcierten, dass aus der politisch zersplitterten deutschen Sprachlandschaft eine standardisierte und einheitliche Nationalkultur in Form der sprachgereinigten deutschen Literatur entstehen sollte.[4]

Schaffung einer deutschen Standardsprache

Dem Deutschen war es gelungen, sich innerhalb von drei Jahrhunderten als Nationalsprache der Deutschen zu festigen und als Wissenschaftssprache zu etablieren. Dennoch fehlte es ihm immer noch an eine einheitliche Orthografie, da jeder Schreiber und Autor so schrieb, wie er sprach. Eine für alle Deutsche geltende deutsche Hochsprache fehlte und diese wurde erst 1901 geschaffen, als sich die deutschen Staaten auf eine gemeinsam geltende Rechtschreibung festlegten, deren Regeln im Duden, Bd. 1, festgelegt wurden.
Denn bis ins 18. Jh. konkurrierten im Reich zwei Sprachstufen des Deutschen, die zum einen aus dem Lutherdeutschen und zum anderen aus dem Gemeinen Deutsch gebildet wurden. Letzteres wurde Ende zugunsten des Ersteren aufgegeben. Im süddeutschen Raum wurden aber trotz der Übernahme des Lutherdeutschen weiterhin landestypische Begriffe und Schreibungen beibehalten. Erschwerend kam am Niederrhein noch hinzu, dass dort vielfach das Niederländische parallel zur deutschen Schreib- und Lesesprache verwendet wurde; das Neuniederländische dominierte vor allem am linken Niederrhein.

Auch nach der Einführung einer einheitlichen Orthografie, womit das moderne Standarddeutsche begründet wurde, blieb dieses weiterhin eine pluralistische Sprache, da es Deutschschweizern und Österreichern erlaubt wurde, weiterhin länderspezifische Besonderheiten zu führen. So wurde bspw. im Laufe der Zeit für die Deutschschweiz (und Liechtenstein, das dem Schweizer Vorbild folgt) die Ligatur <ß> abgeschafft. Dieses stellte einen revolutionären Bruch mit der deutschen Schrifttradition dar, als dort mit dem Aufkommen der ersten mechanischen Schreibmaschinen auf Rücksicht auf die französische Schweiz bei der Tastaturbelegung auf die Umlaute <ä>, <ö> und <ü]]> sowie auf das eben <ß> erwähnte verzichtet wurde.

„In der Schweiz ist im Gegensatz zu Deutschland und Österreich der Buchstabe ß ungebräuchlich geworden. […] Die schweizerischen Schreibmaschinen verzichteten mit Rücksicht auf die französischen Landesteile auf die Buchstaben <ß>, <Ä>, <Ö> und <Ü> zugunsten von <à>, <é>, <è> und <ç>. […] Der Erziehungsrat des Kantons Zürich übernimmt dann 1935 die Vorreiterrolle, indem er die Abschaffung des <ß> für die Schulen seines Zuständigkeitsbereichs beschließt. Manche anderen Institutionen und Domänen folgen jedoch weit später, z. B. Die Neue Züricher Zeitung im November 1974 […]“

Ulrich Ammon: „Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, S. 254

Österreich-Ungarn wurde es 1901 ebenfalls gestattet, beim Blocksatz die Ligatur <ß> durch das dort gebräuchliche <SZ> zu ersetzen, indes dieses in den anderen Staaten deutscher Sprache durch die Schreibung <SS> ersetzt wurde; auch anstelle des Januars durfte es weiterhin die einheimische Bezeichnung Jänner verwenden.
Die nord- und mitteldeutsche Wochentagsbezeichnung Sonnabend wurde in Süddeutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Deutschschweiz Samstag genannt. Diese Form setzt sich allerdings jetzt auch immer mehr im traditionellen Geltungsbereich des Sonnabends durch. Eine differenzierte Betrachtung des Deutschen in den deutschsprachigen Staaten Europas stellt Ulrich Ammons Werk Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar, dass 1995 im Verlage Walter de Gruyter erschien.

Rechtschreibreformen

1996 erfolgte in den deutschsprachigen Staaten eine bereits 1980 angestoßene Rechtschreibreform, die auf eine Vereinfachung des Standdeutschen ausgerichtet war und die eine neue vereinfachte Schulausgangsschrift mit sich brachte.
Bis 2004 herrschte allgemeine und harsche Kritik darüber, dass Schulkinder nun neben der traditionellen deutschen Rechtschreibung auch die reformierte erlernen mussten. Dadurch geriet dieses Programm in eine ernste Krise, die erst 2005 abgewendet werden konnte.

2006 wurde die reformierte Rechtschreibung verbindlich in allen deutschsprachigen Ländern eingeführt und damit die traditionelle Rechtschreibung endgültig abgeschafft. Mit der Umstellung auf die neue Orthografie wurde die Ligatur <ß> endgültig durch <ss> ersetzt.

Deutschsprachige Staaten

Bis zum De-facto-Ende des II. Weltkrieges war es allgemein üblich, die Staaten deutscher Sprache als fälschlich deutsche Staaten zu bezeichnen, da die Sprecher des Deutschen generell als Deutsche angesehen wurden. Diese Praxis änderte sich nach 1945, als deutsch nicht mehr auf die Nationalität oder Volkszugehörigkeit der Sprecher, sondern allein auf die dortige deutsche Sprache bezogen wurde. So wurden denn au ihnen Deutschsprachige.

Das Standarddeutsche gilt heute dort als National- und Amtssprache. Darüber hinaus weist es als Luxemburger Deutsch in Luxemburg eine inzwischen sehr eingeschränkte Funktion auf, da es weitgehend durch das Luxemburgische ersetzt wurde, da sich das Großherzogtum nicht mehr als deutschsprachig empfindet.
Darüber hinaus ist der Gebrauch des Deutschen in Belgien (Ostbelgien), Dänemark (Nordschleswig), Frankreich (Elsass-Lothringen) und Italien (Südtirol) sowie in Namibia weit verbreitet und gilt dort als Minderheitensprache, die teilweise offizielle Anerkennung als Amts- und Regionalsprache findet.

Sprachregionen

Oberdeutschland

Hauptartikel: Oberdeutschland

Das Deutsche als Schreib- und Lesesprache wird erstmals ab dem 8.  Jh. greifbar, als im hochdeutschen Sprachgebiet verschiedene Klostersprachen auf Grundlage der oberdeutschen Dialekte entstanden.
Diese diversen Schreibsprachen, die keinerlei fester Rechtschreibung unterlagen und heute nur in einer nachträglich standardisierten Form überliefert sind, werden heute als Althochdeutsch bezeichnet.

Ab etwa 1050 trat die als Mittelhochdeutsch definierte Sprachstufe die Nachfolge der vorgenannten an, an deren West- und Nordgrenzen ein natürliches Kontinuum zum Mittelniederländischen und -niederdeutschen bestand. Wurde diese Übergangsdialekte bis Mitte des 20. Jh.s verallgemeinernd als Deutschniederländisch bezeichnet, ging man spätestens Mitte der 1990er Jahre dazu über, diese genauer zu klassifizieren: So wurde der völkisch angesehene Begriff Deutschniederländisch durch die neutralen Begriffe Rheinmaasländisch und Ijsselländisch ersetzt, um diese nicht explizit als deutsch oder niederländisch klassifizieren zu müssen.

Ab etwa 1350 trat das moderne Hochdeutsch seinen sprachlichen Siegeszug an: In dessen Frühphase (bis etwa 1500) wurde es als Frühneuhochdeutsch bezeichnet, in dessen Geltungsbereich bis ins 18. Jh. mehrere regionale Verkehrssprachen bestanden, die bereits Anfänge einer Standardisierung aufwiesen, da deren Schreiber auch in anderen deutschen Gebieten verstanden werden wollten. Vor allem das Gemeine Deutsch der kaiserlichen Kanzleien (Reichsdeutsch) galt ab dem 16. Jh. als die Sprache der römisch-katholischen Christen, als die Protestanten mehrheitlich begannen, sich des Lutherdeutschen zu bedienen. Vor allem die Wiener und Prager Kanzleisprache dominierten die römisch-katholischen Reichsländer, derweil die von Martin Luther geschaffene Sprachform auf der Grundlage des Meißner Deutsch basierte und sich in den evangelischen Ländern etablierte.

1544 führte das Erzbistum Köln eine Variante des Gemeinen Deutsch für seinen Herrschaftsraum ein, das am Niederrhein mit den gesprochenen Volkssprachen und dem Niederländischen konkurrierte. Nachdem Kleve bis 1666 an Brandenburg-Preußen gefallen war, kam mit dem dort verwendeten Lutherdeutsch ein weiterer Konkurrent auf, der sich vor allem am rechten Niederrhein durchsetzen sollte, indes der linksrheinische Teil mehr niederländisch orientiert blieb.

Niederdeutschland

Hauptartikel: Niederdeutschland

Indes sich Oberdeutschland sprachlich vom Niederdeutschen getrennt und bedeutende Verkehrssprachen hervorgebracht hatte, blieb die Sonderentwicklung des Niederdeutschen zur eigenständigen Sprachgemeinschaft nicht stehen, sondern diese entwickelte sich zeitgleich. So bestand in Niederdeutschland 8./13. Jh. eine reiche Kirchenliteratur, die in Altsächsisch abgefasst und die sich ursprünglich in einem engen Dialektkontinuum mit dem Altfriesischen und dem Angelsächsischen befand.

Doch bereits im 10. Jh. assimilierten sich der Sachsenstamm im Rahmen des Königreiches Germanien und orientierten sich am Sprachgebrauch des Frankenstammes, sodass das alte Dialektkontinuum weitestgehend zerfiel. So sind uns im äußersten Westen nur bruchstückhafte Überlieferungen des Altniederländisch erhalten geblieben, die vor allem aus Glossen des Ostniederfränkischen gebildet werden und damit zu den niederrheinischen Dialekten gezählt werden müssen.

Ab 1200, gänzlich zeitgleich mit dem Mittelhochdeutschen, entstanden in Niederdeutschland sowohl das Mittelniederländische als auch das Mittelniederdeutsche, indes das friesische Sprachgebiet im Altfriesischen zusammengeschlossen war. Vor allem Erstgenannte konkurrierten in den Grenz- und Übergangsgebieten miteinander: Die Ostniederlande wurden schließlich vom Mittelniederdeutschen (→Westfälische Expansion), der Niederrhein vom Mittelniederländischen überdacht (→Holländische Expansion).

Dort entstanden nun neue Ausgleichssprachen, die heute im Rhein-Maas-Dreieck als Rheinmaasländisch und im Overijsselgebiet als Ijsselländisch bezeichnet werden, während das westfälische Bistum Münster bzw. das Hochstift Münster als zweisprachig galt.

„In der mittelniederländischen Zeit war das Sassische auch hier d i e Schriftsprache. Doch war sie nicht ganz so stark vom Mittelniedersächsischen lübischer Prägung beeinflusst wie in Norddeutschland. Vielmehr herrschte in den östlichen Niederlanden — und bis weit nach Westfalen hinein — eine niederfränkisch beeinflusste Spielart der sassischen Hochsprache, in der u. a. im 15. Jh. die von Gerd Groote begründete religiöse Bewegung der Devotio Moderna viele Schriften schuf, im 16. Jh. Menno Simon zum mindesten Teile der seinen schrieb und die im 17. Jh. der niederländischen Hochsprache wich.“

Heinz Kloss: „Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800“, S. 192

Um 1230 hatte sich das Mittelniederdeutsche im niederdeutschen Sprachgebiet endgültig als Rechts-, Geschäfts- und Verkehrssprache durchgesetzt: Zum einen wurde in ihm der Sachsenspiegel verfasst, zum anderen wurde es nun Hauptsprache der Hanse und sollte für die nächsten 200 Jahre die skandinavischen Sprachen (Dänisch, Norwegisch und Schwedisch) maßgeblich beeinflussen.

Innerhalb der niederdeutschen Verkehrssprache bildeten sich analog zum [[Gemeines Deutsch|Gemeinen Deutsch] regionale Varietäten heraus:
So schrieb das Bistum Münster offiziell in einer mittelniederländisch beeinflussten Variante des Westfälischen, Paderborn in einem ostfälischen Duktus und die Ostseeküste in einer von Lübeck beeinflussten Sprachform. Dennoch waren diese Varietäten untereinander so homogen, dass sie sowohl gesprochen als auch geschrieben von jedem Niederdeutschen weitestgehend verstanden wurden.

Ab 1650 setzte der Sprachzerfall des Mittelniederdeutschen' ein, als es dem Lutherdeutschen infolge des Buchdrucks gelang, die meisten norddeutschen Kanzleisprachen zu verdrängen; nur der Niederrhein widersetzte sich ihm für rund 300 Jahre, als dort nun ein niederrheinischer Sprachenkampf ausgetragen wurde, bei dem sich die Maas endgültig als Sprachgrenze zwischen Niederländisch und Deutsch etablieren sollte.
Nur in der Grafschaft Bentheim und den Exklaven Tecklenburg, Lingen, Gronau, Gemen, Steinfurt und Anholt sowie in Ostfriesland verblieb man bis etwa 1860/78 beim Niederländischen.

Um 1713 wurden am Niederrhein die politischen Grenzen neu gezogen, als das Herzogtum Geldern zwischen seinen Nachbarn aufgeteilt wurde. Infolge der neuen Grenzlinien kam dort endgültig mit dem Lutherdeutschen eine dritte Dachsprache auf, denn in den zu Kurköln gehörenden Gebieten wurde Hochdeutsch (in Form einer Varietät des Gemeinen Deutsch) schon seit 1544 verwendet und dieses nun auch auf das Amt Rheinberg ausgedehnt. In der Grafschaft Moers galt dieses schon seit dem 16. Jh., während das Haus Habsburg das heutige Südlimburg mit den Städten Maastricht und Roermond behielt, gelangten das übrige Gebiet hauptsächlich an Preußen. Die Enklave Erkelenz fiel an Jülich.

Preußen etablierte dort, wie bereits schon 1614 ;in Kleve, das Lutherdeutsche als Amts- und Verwaltungssprache. Doch für die öffentliche Verwaltung war diese Maßnahme nicht besonders erfolgreich: Die Bewohner verwendeten entweder die im 19. Jh. als Deutschniederländisch zusammengefassten Regionaldialekte für den amtlichen Schriftverkehr oder das Neuniederländische als Regional- und Verkehrssprache. Nur wenige Städte Gelderns übernahmen das Lutherdeutsche, wo dieses das Niederländische ablöste. Bis 1860 bildete sich entlang der Maas die heutige deutsch-niederländische Sprachgrenze heraus und um 1880 galt das Niederrheingebiet als deutschsprachig.

Fremdsprachliche Einflüsse

Seit seiner frühsten Verschriftung stand die deutsche Sprache unter dem Einfluss fremder Sprachen. So wurde es bspw. im Zuge der deutschen Ostsiedlung (11./12. Jh.) durch verschiedene slawische Sprachen bereichert. Aber auch das Neuniederländische trug seinen Anteil zur Bildung des späteren Standarddeutsch bei.
Bis ca. 1550 sollten Lateinisch und Griechisch den deutschen Wortschatz an kirchlichen und medizinischen Ausdrücken bereichern und wiesen damit den längsten Einfluss auf das Deutsche auf. Diese beiden Kultursprachen wurden ab dem 16. Jh., und verstärkt nach 1648, durch das Französische abgelöst, sodass vonseiten der Bildungselite begonnen wurde, das Deutsche über Sprachgesellschaften zu reinigen und Fremdwörter einzudeutschen.

Im späten 19. Jh. das Deutsche, zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen aus dem Englischen zu übernehmen. Nach dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges wurde der deutsche Nationalstaat in Besatzungszonen eingeteilt, was in der amerikanischen und britischen mit der Einführung eines obligatorischen Englischunterrichtes einherging. Südwestdeutschland, genauer die französische Besatzungszone, führte dementsprechend das Französische und die sowjetische führte Russisch als Fremdsprache in den Schulen ein.

Ab den 1960er Jahren kamen verstärkt Gastarbeiter in die damalige Bundesrepublik Deutschland, indes die Deutsche Demokratische Republik sog. Vertragsarbeiter aus den sozialistischen Bruderländern anwarb. In die Erstere kamen vor allem Südosteuropäer (Jugoslawen und Griechen), aber auch Italiener, Spanier und Portugiesen, während in die DDR ;hauptsächlich Mongolen, Kubaner und Vietnamesen kamen.
Während die Vertragsarbeiter der DDR kaum das dortige Deutsch sprachlich beeinflussten, übernahm die bundesrepublikanische Spielart viele Ausdrücke aus dem Serbokroatischen, Italienischen, Spanischen oder Türkischen auf.

Seit der staatlichen Vereinigung beider Teilstaaten unterliegt die binndendeutsche Sprache einer verstärkten Anglisierung bzw. Amerikanisierung, da führende Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, Englisch als Firmensprache benutzen; Internet, Massenmedien und Werbung haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die deutsche Sprache.

Dialektgebiete

Das Deutsche als pluralistische Sprache ist seit Anbeginn dialektal stark aufgegliedert. Vor der Einführung einer standardisierten Hochsprache wichen die deutschen Dialekte so weit voneinander ab, dass eine gesprochene wie geschriebene Kommunikation zwischen ihnen kaum bis unmöglich war. So verstand der pommersche Fischer nicht den bayrischen Almbauern, und der ostfriesische Arzt nicht seinen badischen Kollegen. Eine einheitlich verständliche Kommunikation gelang erst mit der Einführung des Neuhochdeutschen, dessen Schreibung 1901 im Duden kodifiziert wurde.
Dennoch waren die Dialekte untereinander durch nahtlose Übergänge miteinander verbunden, sie standen also in einem engen Dialektkontinuum und es bildete sich in rund 1200-jähriger Sprachgeschichte drei große Sprachgemeinschaften heraus, die jeweils ein eigenes Sprachgebiet bildeten und über ein weites Territorium verteilt waren:

  1. oberdeutsches Sprachgebiet,
  2. mitteldeutsches Sprachgebiet und
  3. niederdeutsches Sprachgebiet.

Letzteres zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es sich auf dem gemeingermanischen Sprachstand befindet, die eine Folge seiner Nichtteilhabe an der II. Lautverschiebung ist und damit im Grunde dieselben Spracheigenschaften wie das Englische, Friesische, Dänische oder dem Isländischen aufweist.

Deutsch als Zweitsprache

Deutsch als Zweitsprache (DaZ) stellt eine Sonderform des Deutschen dar, die von Fremdsprachigen innerhalb des deutschen Sprachgebietes in aller Regel durch einen ungesteuerten Spracherwerb erworben wird.
DaZ gilt als facettenreiche Sprachform, die vom Gastarbeiterdeutsch bis zur umfassenden Zweisprachigkeit reicht. Dabei ist die Abgrenzung zwischen DaZ und DaF als problematisch, aber vielfach gilt in der Germanistik der Konsens, das DaZ auf alle Migranten und DaF auf die Auslandsgermanistik bezogen wird. (→Doppelseitige Halbsprachigkeit)

Deutsch als Fremdsprache

Deutsch als Fremdsprache (DaF) definiert sich als eine über die Schule erworbene Sprachkenntnis des Deutschen, die sowohl im Inland als auch im Ausland an Fremdsprachige mittels Sprachunterricht vermittelt wird. Im Gegensatz zum DaZ handelt es sich hierbei um einen gesteuerten Spracherwerb.
DaF entwickelte sich im 19. Jh. und löste in der Folgezeit das Französische als Korrespondenzsprache ab. Bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung wies DaF in West-, Nord-, Mittel- und Osteuropa eine große Sprecherzahl auf und wurde bis ca. 1900 auch in den angelsächsischen Staaten als führende Fremdsprache gelehrt.

Im Deutschen Reich spielte es eine besondere Rolle für die dortigen Sprachminderheiten, deren Kinder es ab den 1890er Jahren als Pflichtfach in der Schule erhielten und so letztendlich germanisiert werden sollten. Besonders davon betroffen waren die polnische Minderheit in Ost- und Westpreußen, Oberschlesien und im Ruhrgebiet sowie die zweisprachigen Elsass-Lothringer, die damit erneut gänzlich an das deutsche Sprachgebiet angeschlossen werden sollten.

In Österreich-Ungarn spielte DaF vor allem bei den Slawen der österreichischen Reichshälfte eine wesentliche Rolle, galt es doch Ende des 19. Jh.s als Sprache der öffentlichen Verwaltung und als Staatssprache. Doch im Gegensatz zu den Slawen im Reich begannen sich diese, sich gegen eine Zwangsgermanisierung erfolgreich zu wehren.

Nach dem I. Weltkrieg büßte DaF sowohl seinen Rang als europäische Verkehrssprache als auch seinen Rang als Bildungs- und Wissenschaftssprache ein.
Verbunden mit dem Aufstieg Großbritanniens zur Kolonial- und Weltmacht verlor es außerdem seinen Rang innerhalb der angelsächsischen Staaten, zumal nun die „halbe Welt“ Englisch sprach.

1933/45 verlor DaF im Ausland seinen einstigen Status als Geschäfts- und Kultursprache, was eng mit dem deutschen Imperialismus unter dem NS-Regime verbunden ist. Nach 1945 wurde es immer mehr vom Englischen abgelöst und nun sein Dasein als ungeliebte zweite oder dritte Fremdsprache in den Schulen. Ferner wandten sich auch die Beneluxstaaten und die nordischen Staaten von ihm ab, wo es bisher stark vertreten war und anstelle des DaF traten nun Englisch und Französisch. Derweil stand der Ostblock bis zu seinem Zusammenbruch unter dem Einfluss des Russischen, das dort führende Fremdsprache wurde.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR (ab 1988/89) spielte DaF kurzfristig noch einmal eine wesentliche Rolle der politischen Öffnung der einstigen Ostblockstaaten zum Westen. Doch seit 2001 ist auch dort Englisch führende Fremdsprache.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 76 (Darstellungskarten)
  2. 2,0 2,1 Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 97
  3. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 95
  4. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 105


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