Deutsche Sprache

Aus Deutsche Geschichte
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Deutsch
Hochdeutsch
Dachsprache(n) Standarddeutsch
Sprache(n) Niederdeutsch
Mitteldeutsch
Oberdeutsch
Dialekt(e) Niederfränkisch
Westniederdeutsch
Ostniederdeutsch
Westmitteldeutsch
Ostmitteldeutsch
Nordoberdeutsch
Westoberdeutsch
Ostoberdeutsch
Erste schriftliche Erwähnung 786
Länder Deutschland (Amtssprache)
Schweiz (Amtssprache)
Liechtenstein (Amtssprache)
Luxemburg (Amtssprache)
Österreich (Amtssprache)
Belgien (Regionalsprache)
Dänemark (Regionalsprache)
Italien (Regionalsprache)
Polen (Regionalsprache)
diverse Staaten
Sprecher 98 Mio.
Weitere Informationen
Sprachfamilie Indogermanisch
Sprachgruppe Germanisch
Sprachuntergruppe Kontinentalwestgermanisch
Sprachenkarte Mitteleuropas (1937).png
    = Deutsches Sprachgebiet um 1937


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Deutsche Sprache [dɔɪ̯ʧə ˈʃpʀaːχə], Eigenname, feminin. Kurzbezeichnung ist das Glottonym Deutsch [dɔɪ̯ʧ], was ein Substantiv, Neutrum darstellt. Beiwort ist deutsch.

Heute Sammelname verschiedener westgermanischer Sprachen, die sich als Teil des Hochdeutschen (Mittel- und Oberdeutsch) oder des Niederdeutschen betrachten.
In seiner standardisierten Form stellt es eine pluralistische Sprache dar, da es mehrere Idiome beinhaltet, die in ihrem Geltungsbereich ebenfalls als Standard gelten. Heute wird das Standarddeutsche in a.) Binnendeutsch (deutscher Nationalstaat) und b.) Außendeutsch unterschieden, wobei das Luxemburger Deutsch, österreichische Deutsch, das Schweizer Deutsch usw. zum Letztgenannten gezählt werden.

Synonyme, Nebenformen

Synonyme

  • Hochdeutsch
  • Neuhochdeutsch
  • Standarddeutsch

Nebenformen

Etymologie, Anwendung

Etymologie

Der Eigenname deutsche Sprache steht in engem Zusammenhang mit der Begriffsentwicklung des ursprünglichen Adjektives deutsch. Erstmalig wird es 768 schriftlich erwähnt, als es in einem angelsächsischen Kirchenbericht über eine dort stattgefunden Kirchensynode verwendet wurde. Dort wurde schriftlich festgehalten, dass bei den Angelsachsen nicht nur in Latein, sondern auch in der germanischen Volkssprache (theodisce) gepredigt wurde, sodass ein jeder der Predigt folgen konnte.

Anwendung

Im Mittelalter und der Neuzeit wurde das Kontinentalwestgermanische unter dem Begriff deutsch summiert, ohne dass damit jedoch ein national-politischer Hintergrund verfolgt wurde. Deutsch bedeutet in seinem Ursprung volkssprachlich und stellte das Pendant zum Latein der Kirche und der Wissenschaft dar.

Aus diesem historischen Kontext hinaus wurde auch das Niederländische bis Ende des 19. Jh. zum Deutschen, genauer zum Niederdeutschen gerechnet.

Die deutsche Sprache ist heute Amtssprache in den D-A-CH-Staaten und anerkannte Regional- und Minderheitensprache in Belgien (Ostbelgien), Dänemark (Nordschleswig), Italien (Südtirol) und Ungarn sowie in Teilen von Polen (v. a. Oberschlesien) und Tschechiens, aber auch Rumäniens (Siebenbürgen, Banat).

Sprecherzahl, Verhältnis zu germanischen Nachbarsprachen

Sprecherzahl

Das geschlossene Sprachgebiet umfasst heute rund 98 Mio. Sprecher, zu denen noch zahlreiche deutsche Minderheiten treten, die außerhalb des Sprachgebietes in sogenannten Sprachinseln leben.

Verhältnis zu germanischen Nachbarsprachen

Aufgrund seiner sehr engen Sprachverwandtschaft mit anderen germanischen Sprachen innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches, und der zeitweise parallel zueinander verlaufenden Sprachgeschichte, gelten Niederländisch und Deutsch heute als Schwesternsprachen, zwischen denen ein (sich zwischenzeitlich in Auflösung befindendes) Dialektkontinuum besteht.

Dennoch war es bis in die Mitte des 20. Jh.s teilweise noch üblich, das niederländische Sprachgebiet als Teil des niederdeutschen zu betrachten, ein Relikt aus dem späten 19. Jh., als die Niederdeutsche Bewegung begann, die Flamen während ihres Sprachenkampfes zu unterstützen und das Neuniederländische, später das Standardniederländische, als „besondere Variante“ des Deutschen anzusehen. Diese völkische Einteilung nach Sprachstämmen wird heute weder in der Germanistik noch in der Niederlandistik vertreten, sondern die wird nur noch in der halbwissenschaftlichen Sekundärliteratur angewandt.

Das Luxemburgische, nicht das Luxemburger Deutsch, nimmt innerhalb des Deutschen eine Zitterstellung ein: Seine Sprecher, die Deutschluxemburger, definieren es inzwischen als eigenständige germanische Sprache, die nur noch über ihre moselfränkische Abstammung (lose) mit dem Deutschen verwandt sei. Dennoch sieht die Germanistik es weiterhin als Teil des Mitteldeutschen, wobei ihm sprachliche Besonderheiten zugestanden werden. Dennoch ist es heute allgemein als Abstandssprache anerkannt, da es seit Mitte der 1980er Jahre in Luxemburg als Nationalsprache festgelegt wurde.

Sprachgeschichte

Hauptartikel: Deutscher Sprachpluralismus

Das Deutsche gilt seit jeher als pluralistische Sprache, da seit seinem Bestehen zeitgleich mehrere regionale Schreib- und Lesesprachen existierten. Doch zwischen dem 10. und 11. Jh. wurde es aus den Klöstern zugunsten des Lateinischen verdrängt.

Althochdeutsch

Hauptartikel: Rheinischer Fächer

Althochdeutsch [ˈalthoːχˌdɔɪ̯ʧ] (Abk. Ahd.) nannte die Germanistik und die Niederlandistik jene Sprachstufe des Kontinentalwestgermanischen, die sich aufgrund verschiedener Spracheigenschaften und -neuerungen, die v.a. zwischen dem 6. und 7. Jh. auftraten, von den übrigen germanischen Sprachen trennte.[1] Die in ihm verfassten Schreib- und Lesesprachen werden heute in normalisierter Umschrift dargestellt, da innerhalb der althochdeutschen Schreibsprachen keine einheitliche Verschriftung gab.

II. Lautverschiebung

Im 6./8. Jh. fand im süddeutschen Raum eine Lautverschiebung statt, in deren Folge sich das Althochdeutsche deutlich von den anderen germanischen Sprachen abhob und letztendlich trennte. Lange vermutete mann, dass die langobardische, burgundische, vandalische und gotische Lautverschiebung Parallelentwicklungen zur hochdeutschen sind, da in diesen Sprachen die Lautverschiebung früher als im Althochdeutschen einsetzte.

Der germanistische Begriff Althochdeutsch verbindet einige wichtige klösterlich geprägte Schreibsprachen und beruht auf germanische Dialekte. Allgemein wird heute angenommen, dass das Althochdeutsche zwischen 600 und 1100 verwendet wurde.[2]Seinen Zenit hatte Althochdeutsch dann zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert. Es unterschied sich von den übrigen germanischen Sprachen dadurch, dass in ihm die zweite Lautverschiebung vollständig vollzogen hatte.
Im Westen griff es weit über die heutigen Sprachgrenzen hinaus und wurde im Süden durch das ein althochdeutsches Idiom bildende Langobardische begrenzt.[2]. Letzteres ist heute, wie bereits oben kurz angerissen, bezüglich seiner sprachlichen Zuordnung umstritten, ob es bereits einen althochdeutschen Dialekt oder noch eine eigenständige germanische Sprache darstellt.[3] Seine Wurzeln liegen in Skandinavien, doch siedelten die Langobarden Jahrhunderte an der Elbe, sodass ihre Sprache überwiegend elbgermanische Züge trug. In den wenigen überlieferten Schriftstücken der althochdeutschen Zeit weist das Langobardische jedoch eine sehr große Verwandtschaft mit dem Altbairischen auf.[4] Otto Höfler wies in seiner Schrift „Die hochdeutsche Lautverschiebung und ihre Gegenstücke bei Goten, Vandalen, Langobarden und Burgundern“ nach, dass die langobardische Lautverschiebung bei den Langobarden nicht so konsequent durchgeführt ward wie bei den ihnen benachbarten Baiern oder Alemannen; vielmehr habe es dem Mittelfränkischen geglichen:

„Die Zweite Lautverschiebung gilt als Eigenheit des Süddeutschen, durch die das Alemannische, das Bairische und das südliche Fränkische von allen anderen germanischen Sprachen abgehoben werde. Nur das Langobardische habe diese Besonderheit der althochdeutschen Dialekte geteilt, woraus sich, im Sinn der Wellentheorie, das Problem zu ergeben schien, ob die Langobarden die Zweite Lautverschiebung (LV) von den Deutschen übernommen hätten oder umgekehrt.
Die noch immer umstrittene Frage nach dem Verhältnis der lgb. LV zur hd. wird dadurch erschwert, daß das Langobardische die drei postvoklakischen Tenues p, t, k wie das Hochdeutsche zu Frikativen (f, s, χ) verschob (lgb. wîffa, schuldhais, ih entsprechen ahd. wîffa, scultheizo, ih, gegen nnd. wîp-, hait-, ik), während die anlautenden und postkonsonantischen (und geminderten) p, t, k im Lgb. nicht so konsequent wie im Oberdeutschen zu Affrikaten verschoben sind: nur anl. t- und inl. -tt-, postkons. -t- wurde regelmäßig zu lgb. z (daraus ital. z), während die entsprechende Verschiebung von p und k hier zweifelhaft ist und wahrscheinlich nicht vollzogen wurde — wodurch diese nur teilweise durchgeführte LV des Lgb. der des Mittelfränkischen ähnlich erscheint.“

Otto Höfler: Die hochdeutsche Lautverschiebung und ihre Gegenstücke, S. 295/295

Trotzdem wurde Langobardisch noch weit ins 20. Jh. hinein zu den oberdeutschen Dialekten gezählt, obgleich seine Sprachstufe ungefähr dem Rheinfränkischen, und damit dem Mitteldeutschen, entsprach, da in ihm die Lautverschiebung nicht so konsequent wie im Althochdeutschen durchgeführt wurde.

Hauptschreibsprachen

Althochdeutsch wurde vor allem aus den beiden Hauptdialekten des oberdeutschen Sprachgebietes gebildet, die durch das Altalemannische im Westen und das Altbairische im Osten gebildet wurde.[2]
Doch sind die alten Volkssprachen der Baiern und Alemannen zu dieser Zeit noch nicht eindeutig zu unterscheiden. Ersteres wird vielfach als ein Dialekt des Letzten angesehen.[4] Dennoch bestand zwischen ihnen und den übrigen germanischen Sprachen weiterhin ein Dialektkontinuum. Das heißt, dass Althochdeutsch und Altniederdeutsch weiterhin über die Dialekte miteinander verbunden waren.[5]

Neben Bairisch und Alemannisch bildete auch das Fränkische an Rhein, Mosel und Main die Basis mehrerer Schreibsprachen des Althochdeutschen.[6] Die heutige Unterscheidung beruht auf spätere Einteilungen der Germanistik.

In der althochdeutschen Epoche existierten im damaligen deutschen Sprachgebiet zahlreiche Schreiborte, deren Schreib- und Lesesprache durch die jeweiligen Klöster bestimmt und durch verschiedene Glossen oder Kirchentexte bekannt wurden.
Die bekanntesten Schreib- und Lesesprachen der damaligen Zeit waren:

  1. Bairisch mit den Schreiborten Freising, Salzburg und Tegernsee. Dort entstanden im 8. Jh. der Abrogans, das Petruslied und der Isidor.
  2. Alemannisch mit den Schreiborten Sankt Gallen und Reichenau. Dort entstanden im 8. Jh. zahlreiche Kirchenlieder und Glossen.
  3. Ostfränkisch mit den Schreiborten Fulda, Würzburg und Bamberg. Dort entstanden ebenfalls im 8. Jh. Evangelienübersetzungen und religiöse Gedichte.
  4. Südrheinfränkisch mit dem Hauptschreibort Weißenburg, dessen bekanntester Schreiber der Mönch Otfried war. Aber auch der Weißenburger Katechismus stammte von hier.
  5. Rheinfränkisch mit den Schreiborten Mainz, Lorsch, Worms und Speyer. Bekannteste Schrifttümer dieser Region stellen die Merseburger Zaubersprüche und die Straßburger Eide dar.
  6. Mittelfränkisch mit den Schreiborten Köln, Trier und Echternach. Hier entstanden vor allem die Trierer Kapitulare, eine deutschsprachige Übersetzung einer lateinischen Gesetzessammlung Ludwig des Frommen.

Das Althochdeutsche wurde im 10. Jh. in den klösterlichen Schreibstuben vom Lateinischen verdrängt[7] und ab 1050 wurde es dann durch eine nachfolgende Sprachstufe abgelöst.

Mittelhochdeutsch

Mittelhochdeutsch [ˈmɪtl̩hoːχˌdɔɪ̯ʧ] (Abk. Mhd.) ist die nächste Sprachstufe, die die Sprachwissenschaft der Entwicklung der modernen deutschen Sprache zuerkennt und die zwischen dem 11. und 14. Jh. verwendet wurde.[8] Auch dessen Texte werden heute in normalisierter Umschrift dargestellt, da innerhalb der mittelhochdeutschen Schreibsprachen keine einheitliche Verschriftung gab. Die Schreiber des Mittelhochdeutschen verstanden ihre Sprachen als deutsch und hatten bereits eine ethnische Identität herausgebildet.
Heute wird diese Sprachstufe im Allgemeinen in drei Epochen unterschieden:

  • Frühmittelhochdeutsch,
  • Klassisches Mittelhochdeutsch und
  • Spätmittelhochdeutsch

Ersteres wurde von den Schreibstuben bis zum Ausgang des 12. Jh.s verwendet, derweil das klassische Mittelhochdeutsch bis etwa 1250 gebräuchlich war. In diese Zeitspanne fiel die Epoche der Minnesänger und sie markierte den Zenit des Mittelhochdeutschen. Das Spätmittelhochdeutsch markiert den Übergang ins Neuhochdeutsche und wurde bis 1350 verwendet.[8]

Ab 1250 war auch die bisherige Einheitlichkeit der oberdeutschen Kanzleien hinfällig und es entstanden auf der Grundlage einiger Ortsdialekte weitverbreitete Regionalsprachen, die als Verkehrs- und Geschäftssprachen schon über ein gewisses Maß der Standardisierung aufwiesen, da ihre Schreiber auch über ihre Heimat hinaus verstanden werden wollten.

Mittelhochdeutsch setzte ebenfalls den deutschen Sprachpluralismus fort, da es in regionalen Varianten bestand. Wie die vorherige Sprachstufe wird es aus diversen germanischen Dialekten gebildet. Innerhalb des oberdeutschen Sprachgebietes bestanden — im Gegensatz zur althochdeutschen Zeit — ausgeprägte Dialektgrenzen. So lassen sich Niederalemannisch von Schwäbisch und Hochalemannisch von Niederalemannisch abgrenzen.[9]

Das Territorium des Deutschen Ordens lag zwar im Bereich des niederdeutschen Sprachgebietes, doch verwendete der Ritterorden eine mitteldeutsche Schreibsprache.[10]

Unterschiede zum Althochdeutschen

Wesentlicher Unterschied zwischen beiden deutschen Sprachstufen ist die Zentralisierung, das heißt, die Abschwächung der unbetonten vollen Nebensilbenvokalen zu [ɘ] (in der Schrift als <e> dargestellt) wie auch die Weiterführung des Umlauts bei allen umlauffähigen Vokalen. Durch den Zusammenfall der Formen hatte sich gleichzeitig die Morphologie und Syntax verändert, sodass das Althochdeutsche nicht mehr für einen Sprecher des Mittelhochdeutschen verständlich war.
Doch vor allem war Mittelhochdeutsch maßgeblich daran beteiligt, dass das Deutsche sich zur vollständigen Schriftsprache entwickelte. Es beruhte auf der Volkssprache seiner Sprecher und war kein künstliches Produkt der Klöster, wie Althochdeutsch. In ihm wurden sowohl die höfische Ritterliteratur als auch die Lieder der Minnesänger verfasst, die von der Liebe der Ritter zu den Frauen und deren Treue zum Lehnsherrn handelten. Gleichzeitig war es zur Minnesängerzeit dem sprachlichen Spracheinfluss des damaligen Französischen ausgesetzt und eine Vielzahl von Begriffen wurden aus dem Mittelniederländischen übernommen.

Moderne Gliederung

Im Gegensatz zu Althochdeutsch war Mittelhochdeutsch auf einem großen Territorium verbreitet und innerhalb dessen lassen sich die verwendeten Schreibsprachen heute bestimmten Regionen zuordnen, die sich durch die verschieden durchgeführte II. Lautverschiebung voneinander unterscheiden.[11] So lässt sich dieses Territorium in ein oberdeutsches und ein mitteldeutsches Sprachgebiet unterscheiden. Seine Hauptschreibsprachen waren Alemannisch, Schwäbisch, Bairisch sowie Ostfränkisch und Südrheinfränkisch. Diese bildeten das oberdeutsche Sprachgebiet.
Das mitteldeutsche wurde zum einen aus dem Westmitteldeutschen und zum anderen aus dem Ostmitteldeutschen gebildet: Westmitteldeutsch wurde aus Mittelfränkisch (Ripuarisch und Moselfränkisch) und Rheinfränkisch (einschließlich Hessisch) gebildet. Ostmitteldeutsch bestand aus Thüringisch und Obersächsisch sowie dem Schlesischen.[11]

Hauptschreibsprachen

Werner König setzt für das 12./13. Jh. folgende Schreib- und Lesesprachen an, die er zum einen in Mittel- und zum anderen in Oberdeutsch unterteilt:[12]

Im Westen des damaligen deutsches Sprachgebietes war das Mittelniederländische als Schreib- und Lesesprache vorherrschend, wobei es zu beachten gilt, dass dieses im Bereich des Limburgischen in einem engen Dialektkontinuum mit dem benachbarten Rheinfränkischen stand. So ist es aus heutiger Sicht fast unmöglich, zwischen dem mittelniederländischen Brabantisch-Limburgischen, dem Rheinfränkischen oder einem thüringischen bzw. österreichischen Text zu unterscheiden, wie nachfolgende Textbeispiele verdeutlichen werden. Am stärksten weicht hier das Limburgische ab, das noch deutlich niederdeutsche Züge aufweist.

„Ûf der linden obene dâ sanc ein kleineȥ vogellîn.
vor dem walde wart eȥ lût: dô huop sich aber daȥ herze mîn
an eine stat da’ȥ ê dâ was. ich sach die rôsebuomen stân:
die manet mich der gedanke vil die han ich hin zeiner frouwen hân.“

Dietmar von Aust, Oberösterreich (urkundlich 1139–61 belegt)

„Si ist zallen êren ein wîp wol erkant,
schôner gebêre, mit zühten gemeint,
sô daȥ ir lop in dem rîche umbe gêt.
alse der mâne vil verre über lant
liuhtet des nahtes wol lieht unde breit
sô daȥ sîn schîn al die welt umbevêt,
... “

Heinrich von Morungen, Thüringen (dichtete 1190–1200)

„Ich denke under wîlen,
ob ich ir nâher wære,
waȥ ich ir wolte sagen.
daȥ kürzet mir die mîlen,
swenn ich ir mîne swære
sô mit gedanken klage.
mich sehent manige tage
die liute in der gebære
als ich niht sorgen habe,
...“

Friedrich von Hausen, Rheinfranken (um 1170)

„Sô wê der minnen is sô vrût
dat hê der minnen dînen kan,
ende hê dore minne pîne dût,
dê is ein vele minnesâlech man.
Van minnen komet allet gût,
dî minne maket reinen mût,
wat solde ich âne minne dan?“

Heinrich von Veldeke, Limburg (um 1200)

Zur Zeit des Mittelhochdeutschen war ein krasser Gegensatz zwischen dem mittel- und oberdeutschen Sprachgebiet vorherrschend: Das Erstere ging zumeist mit dem niederdeutschen Sprachgebiet (Niederdeutschland) überein, was sich durch die gemeinsame Verwendung des Verbs /quam/ ausdrückte, wogegen im Oberdeutschen das Verb /kam/ trat. Vor allem im Bereich der Kölner Kanzleisprache galt, dass das ripuarische Sprachgebiet mehr Gemeinsamkeiten mit dem Mittelniederdeutschen bzw. die größten Übereinstimmungen mit dem Mittelniederländischen aufwies, indes das Ostmitteldeutsche zumeist unter dem Spracheinfluss des Bairisch-Fränkischen stand.[13]

Dagegen wurde dem Ostfränkischen von König der Rang einer eigenständigen Schreib- und Lesesprache aberkannt, da dieses im Süden und Norden hin zu anderen Schreib- und Lesesprachen offen war; aber es wurde von diesem bezüglich des Ostfränkischen zugestanden, dass dieses einem bairischen Einfluss ausgesetzt war.[13]

Die Entstehung des Jüdisch-Deutschen (aus dem später das Jiddische gebildet wurde) ist ebenfalls in die mittelhochdeutsche Zeit anzusetzen. Dieses Idiom zerfiel in einen westlichen und einen östlichen Sprachzweig, aus denen durch spätere Auswanderung in die USA das Kolonialjiddische entwickelt wurde.

Sonderfall „Rheinmaasländisch“

Hauptartikel: Rheinmaasländisch

Die westgermanischen Sprachen jener Zeit waren weiterhin mit einem engen Dialektkontinuum verbunden, was sich auch in den regionalen Schreibsprachen widerspiegelte. So wies Ripuarisch, ein zum Mitteldeutschen gehörender Dialekt, einen flüssigen Übergang ins benachbarte Mittelniederländische auf, was dazu führte, dass innerhalb des Niederländischen hochdeutsche Spracheigenschaften übernommen wurden.
So ist beispielsweise die geschriebene Sprache eines Heinrich van Veldeke, der eine flämisch-limburgische Sprachvariante des Mittelniederländischen verwendete, nicht von der eines benachbarten Kölners zu unterscheiden. Auch wies bspw. das Mittelniederländische einen Übergang ins benachbarte niederdeutsche Sprachgebiet auf, während am deutschen Niederrhein zahlreiche Mischdialekte verwendet wurden. Um nun diese Schriftform nicht als „deutsch“ oder „niederländisch“ klassifizieren zu müssen, führte man in der neueren Germanistik den behelfsmäßigen Terminus „Rheinmaasländisch“ ein.[14]

Neuhochdeutsch

Neuhochdeutsch [ˈnɔɪ̯hoːχˌdɔɪ̯ʧ] (Abk. Nhd.) nennt die Germanistik und die Niederlandistik die nächste Sprachstufe des Deutschen, die der modernen Sprache schon ziemlich nahe kommt. 1818 führte Jakob Grimm den Begriff ein, um die moderne Sprache eindeutig von ihren Vorgängern zeitlich abgrenzen zu können.

Den Begriff Frühneuhochdeutsch [fʀyːˈnɔɪ̯hoːχˌdɔɪ̯ʧ] führte Wilhelm Scherer ein, der mit diesem Begriff versuchte, die Zeitspanne 1350–1650 abzudecken. In dieser Zeit hätten die Deutschen, so Scherer, eine Übergangssprache zum modernen Deutsch gesprochen. Diese Übergangssprache wurde zur Basis des Gemeinen Deutsch und des Lutherdeutschen herangezogen, so die damalige Auffassung der Sprachwissenschaft. Vor allem im Gemeinen Deutsch der römisch-deutschen Kanzleien wird heute eine verblüffend einheitliche Sprache verstanden, die maßgeblich mit der von Martin Luther geschaffenen Sprache konkurrierte und dieser unterlegen sollte. Laut der allgemein akzeptierten Einteilung, die auf dem Germanisten Wilhelm Scherer beruht, wird Neuhochdeutsch wie folgt klassifiziert:

  1. Frühneuhochdeutsch (1350–1650)
  2. Spätes Frühneuhochdeutsch (1650–1780)
  3. Klassisches Neuhochdeutsch (1780–1850)
  4. Modernes Neuhochdeutsch (1850–heute)

Neuhochdeutsch fällt zeitlich ziemlich genau mit der Expansion des Druckerwesens zusammen, wobei sich dieses vom Ostmitteldeutschen ausgehend ab 1650 nach West- und Norddeutschland verbreitete und dort die bisherigen Schreibsprachen ablöste.
Das Mittelniederdeutsche, die Verkehrssprache des Nordens, wurde durch die Übernahme des Neuhochdeutschen als Schriftsprache aufgegeben und die niederdeutsche Sprache auf die Stufe eines deutschen Dialektes herab gestuft.

Es ist auffallend, dass es nach dem 30-jährigen Krieg (1648) innerhalb des Reiches der Beginn der deutschen Literatur kam. Die Vereinigten Niederlande und die Schweiz trennten vom diesem und wurden souveräne Staaten. Aber im Gegensatz zu den Niederlanden verblieb die Schweiz im deutschen Sprachgebiet. Gleichzeitig begann der politische Aufstieg beider deutscher Großmächte, Österreich und Brandenburg-Preußen: Ersteres entwickelte sich zum Nationalitätenstaat, letzterer zur ersten modernen Militärmacht.

Etwa ab 1650 wurde Neuhochdeutsch die klassische Literatursprache Mittel- und Norddeutschlands, während es sich in Süddeutschland erst rund ein Jahrhundert später durchsetzte und die oberdeutsche Schreibsprache allmählich verdrängte. So gilt gerade Neuhochdeutsch als die Sprache der bürgerlichen Literatur (deutsche Bewegung), die für die Bildung einer deutschen Nationalkultur wesentlich beitrug. Es ward zur Basis der verschiedenen Kanzleisprachen genommen, da Neuhochdeutsch bereits über die Grundlagen einer standardisierten Hochsprache verfügte. Parallel zu ihm entwickelte sich in den Niederlanden das Neuniederländische, welches sich in der Folgezeit aus der deutsch-niederländischen Sprachgemeinschaft ausklinkte und sich als Nationalsprache der Niederländer etablierte.

Im sog. Niederdeutschland und am Niederrhein stand es in sprachlicher Konkurrenz zum Neuniederländischen, wo es schließlich ab 1815 konsequent als alleinige Amts- und Verwaltungssprache etabliert wurde. Um etwa 1860 galt diese Region als verhochdeutscht und das Niederländische war bis auf geringe Reste dort ausgeschaltet. In Süddeutschland (Baden, Bayern und Württemberg und Österreich) setzte sich das Lutherdeutsche erst ab etwa 1750 durch, als es nun das gemeine Deutsch, die Schreibsprachen der süddeutschen Kanzleien, als Schriftsprache ablöste.

Unterschiede zu Mittelhochdeutsch

Mit dem Frühneuhochdeutschen lässt sich die deutsche Kleinstaaterei am besten belegen, da diese in erster Linie durch die Vielfalt der verschiedenen deutschen Dialekte geprägt wurde. Doch auf der Basis lokaler Schreibsprachen war es gelungen, das Lateinische als übergeordnete Kanzlei- und Geschäftssprache zugunsten einer allgemein verständlichen Volkssprache abzulösen.

Von Mittelhochdeutsch unterschied sich Neuhochdeutsch v. a. im Vokalismus. Von den bairischen Dialekten ausgehend kam es zur Diphtongierung alter Längen, die nun auch schriftlich zum Ausdruck kam: mhd. <î> → nhd. <ei>, mhd. <û> → nhd. <au>, mhd. <iu> ([yː]) → nhd. <eu> ([ɔø]).
Das bedeutet, dass beispielsweise das Wîp zu Weib, Hûs zu Haus und tuitsch zu deutsch ward. Im Gegenzuge wurden in den mitteldeutschen Dialekten die alten Diphthongen <ie>, <uo> und <üe> monophthongiert. Das bedeutet, dass aus mhd. <ie> ([iə]) → nhd. <i>, mhd. <uo> → nhd. <u> und mhd. <üe> → nhd. <ü> wurde. Darüber hinaus hatte sich der alte i-Umlaut auch noch auf Frühneuhochdeutsch ausgewirkt.

Im Konsonantismus kam es zu weniger durchgreifenden Neuerungen. So wurde <s> schon im 13. Jh. im An- sowie im Inlaut vor einem Vokal zum stimmhaften [z], was sich jedoch nicht im Schriftbild niederschlug. Eine ähnliche Entwicklung nahm die Aussprache der Ligaturen <st> und <sp>, die sich von [s] zu [ʃ] wandelte. Doch während die [ʃ]-Aussprache der ehemaligen Ligaturen <sl>, <sr>, <sm>, <sn> und <sw> auch im im Schriftbild (<schl>, <schr>, <schm>, <schn> und <schw>) festgehalten wurde, galt dieses bei <st> und <sp> nicht.

Kanzleisprachen, Druckersprachen

Der Siegeszug des Neuhochdeutschen begann mit der Bibelübersetzung Martin Luthers (ab 1521). Die von Luther geprägte Sprachform löste ab 1650 in Norddeutschland das'Mittelniederdeutsche und am Niederrhein teilweise das Mittelniederländische als vorherrschende Sprachform ab.
Zur Zeit der lutherischen Bibelübersetzung bestanden auf dem Territorium des Römisch-Deutschen Reiches bedeutende Kanzleisprachen, die vielfach die Traditionen des Mittelhochdeutschen fortführten:

  1. Ostmitteldeutsche Verkehrssprache, die im ostmitteldeutschen Sprachgebiet galt und eine der Grundlagen des späteren Lutherdeutsch bildete. Luther bediente sich bei seiner Bibelübersetzung der sächsischen Kanzleisprache, die eine Subgruppe der ostmitteldeutschen Verkehrssprache

bildete.

  1. Meißner Deutsch, Varietät der sächsischen Kanzleisprache mit dem Schreibort Meißen.
  2. Gemeines Deutsch, das die Grundlage der Nürnberger und Wiener Kanzleisprache bildete. Auch die Augsburger Kanzleisprache definierte sich als gemeines Deutsch. Zwischen ihnen herrschte schon frühzeitig eine gewisse Form der Standardisierung.[15]

Die rasante Verbreitung des Neuhochdeutschen förderte auch der Buchdruck: Während handschriftlich verfasste und ortsbezogene Werke sprachlich große lokale Unterschiede aufwiesen, da ihre Texte lediglich in eng abgegrenzten Lokalsprachen verfasst waren, etablierten sich mit dem Aufkommen des Neuhochdeutschen einige Druckersprachen, die schon über ein gewisses Maß der Einheitlichkeit aufwiesen, da diese auch überregional verständlich sein sollten. So etablierten sich innerhalb des deutschen Sprachraumes sechs Schreibzentren, was das Erscheinen großräumiger Regionalsprachen mit sich brachte:

  1. Bairisch-Österreichisch mit Ingolstadt und Wien
  2. Schwäbisch mit Augsburg, Ulm und Tübingen
  3. Alemannisch mit Basel, Zürich und Straßburg
  4. Ostfränkisch mit Nürnberg, Bamberg und Würzburg
  5. Westmitteldeutsch mit Köln, Frankfurt, Mainz und Worms
  6. Ostmitteldeutsch mit Wittenberg, Meißen, Erfurt und Leipzig

Eine sprachliche Sonderrolle spielte in dieser Zeit die deutschsprachige Schweiz, wo bis ins 15. Jh. ein alemannisches Mittelhochdeutsch verwendet wurde. Dort wurde verhältnismäßig spät die aus Österreich stammende neuhochdeutsche Diphthongierung auch in die Schrift übernommen, wodurch die westoberdeutsche und die ostoberdeutsche Druckersprache wieder näherrückten.
Die Sprache der Lutherbibel hatte dann im 16. Jh. auf die Schweiz weniger Einfluss als auf andere Regionen, da dort mit der Zürcher Bibel eine eigenständige Schreibsprachen-Tradition im Zuge der Reformation gebildet wurde, die für die Schweiz ähnliche Vorbildfunktion wie die Lutherbibel aufwies. Die neuhochdeutschen Sprachformen der Deutschschweiz (Schweizerdeutsch) sind damit aufs engste mit den Revisionen der Zürcher Bibel von 1665/67 sowie 1755/56 und 1772 verknüpft. Doch in der Alltagssprache der Schweiz vermochten sich die frühneuhochdeutschen Lautverschiebungen nicht durchzusetzen: So weist das moderne Schwyzerdütsch noch heute mittelhochdeutschen Lautstand auf.

Redialektalisierung des Niederdeutschen

Über Jahrhunderte war Mittelniederdeutsch Kanzlei- und Geschäftssprache Nord- und Osteuropas. Das Neuniederdeutsche entstand als organische Nachfolgesprache aus dem Altsächsischen, der alten Stammessprache des Sachsenstammes. Infolge der deutschen Ostsiedlung und der Hansezeit breitete es sich nicht nur über das heutige Norddeutschland aus, sondern es beeinflusste auch massgeblich die skandinavischen Sprachen.
Als Kolonialdialekte des Altsächsischen gelten heute das Baltendeutsche und das Ostniederdeutsche, das heißt, alle niederdeutschen Dialekte Ostelbiens und des Baltikums. Ebenfalls besass es in den östlichen Niederlanden ein bedeutendes Dialektgebiet und stand mit dem Mittelniederländischen in einem engen Dialektkontinuum.

Um 1600 führten die norddeutschen Staaten das Lutherdeutsch als zusätzliche Kanzleisprache ein, um auch mit den übrigen deutschen Staaten Handel treiben zu können. Dadurch geriet das späte Mittelniederdeutsche durch engen Sprachkontakt mit dem Neuhochdeutschen unter dessen Spracheinfluss und wurde massgeblich umgestaltet; Niederdeutsch erhielt „süddeutsche“ Züge.
Nach dem letzten Hansetag (1669) wurde von allen norddeutschen Kanzleien das Mittelniederdeutsche als Kanzlei- und Geschäftssprache aufgegeben und das ostmitteldeutsche Lutherdeutsch verbindlich eingeführt. Es entstand nun auf Basis des Mittelniederdeutschen das Neuniederdeutsche, das moderne Plattdeutsch Norddeutschlands, was nur noch als gesprochene Sprachform existierte und sich als Dialekt des Deutschen klassifizierte. (→ Redialektalisierung) Nach dem Untergang der niederdeutschen Verkehrssprache (ab 1650) wies das niederdeutsche Sprachgebiet nunmehr keine Schreib- und Lesesprache bzw. Verkehrs- und Geschäftssprache auf und durch die Redialektalisierung sahen die Sprecher ihre Muttersprache lediglich als Sprachzweig (Dialekt) des Deutschen an, indes die heutige Germanistik davon ausgeht, dass es sich hierbei um eine eigenständige germanische Sprache handelt.

Renaissancehumanismus, Aufklärung

Renaissancehumanismus

Das 15./16. Jh. bildete das Zeitalter des Renaissancehumanismus, in dem im deutschen Sprachgebiet eine Gelehrtensprache entstand, die durchaus den Charakter einer Mischsprache aufwies, da sie neben einem deutschsprachigen Stamm durch lateinisch-griechische Lehnwörter ergänzt wurde. (→Sondersprache)

Letztendlich galt Neuhochdeutsch als Sprache zwischen dem Ober- und Niederländischen etablierte und eine deutsche Gemeinsprache darstellte. So entstanden noch im 17. Jh. Sprachgesellschaften, die sich innerhalb der deutschen Sprachgemeinschaft dafür einsetzten, dass die Muttersprache nicht durch „französische und lateinisch-griechische Fremdwörtern“ überflutet würde. (→ Fruchtbringende Gesellschaft, Palmenorden)

Aufklärung

In der Literatur und den nicht-lateinischen Texten der Wissenschaft und Theologie bildete sich im Süden im Laufe des 17. Jh.s die oberdeutsche Schreibsprache, die aufgrund des konfessionellen Gegensatzes zwischen protestantischem Norden und katholischem Süden in Bayern, Schwaben und Österreich bis ca. 1750 die verbindliche Leitvarietät gedruckter Werke bildete. Erst danach setzte sich auch dort das ostmitteldeutsche Neuhochdeutsch durch.

Im 17. und 18. Jh. wurde zudem begonnen, für das deutsche Sprachgebiet eine einheitliche Orthografie und Grammatik zu entwickeln. Vor allem das 18. und 19. Jh. ist durch die Zurückdrängung des ursprünglichen Sprachpluralismus geprägt, welche auch durch die Etablierung einer einheitlichen Aussprache beinhaltete.

Gemeines Deutsch

Gemeines Deutsch [ɡəˈmaɪ̯nəs dɔɪ̯ʧ] (lat. communis lingua Germaniae), auch gemeines Teutsch, seit 1384 offizielle Bezeichnung der kaiserlichen Kanzleisprachen innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches, das bis 1795 mit der von Martin Luther kreierten Sprachform konkurrierte. Ursprünglich stellte der Begriff eine stilistisch schmucklose Sprachform dar, die vom sog. einfachen Volk und des Bürgertums verwendet wurde und die damit bewusst im Gegensatz zur rhetorisch überhöhten Schreib- und Lesesprache der damaligen Bildungselite stand.

Die kaiserliche Kanzleisprache Maximilians I. entstand als Ausgleichssprache aus dem Ostoberdeutschen und wurde ursprünglich in den habsburgischen Ländern verwendet. Unter Federführung des Reichskanzlers Niclas Zickler entstand dort eine Sprache mit relativ einheitlicher Orthografie, die von Wien über Prag bis Augsburg nahezu identisch war. Ab Nürnberg wies das Gemeine Deutsche einen eklatanten Spracheinfluss auf das nördliche Ostmitteldeutsch auf. So stellt auch Werner König in seinem Standardwerk dtv-Atlas zur deutschen Sprache (9. Auflage) auf S. 95 fest, dass die orthografische Einheitlichkeit der ostmittel- und der ostoberdeutschen Verkehrssprache sehr groß war.

Grundlage des Gemeinen Deutsch stellte v. a. das Bairisch-Österreichische und das Ostfränkische dar. Es war durchweg durch die Kanzleisprachen Wiens und Prags geprägt. Aber auch in Regensburg und Augsburg besaß es bedeutende Schreibzentren. Ferner war es auch Geschäftssprache des römisch-katholischen Jesuitenordens, sodass es in der dort verwendeten Form als sog. Jesuitendeutsch in die Fachliteratur einging.
Seit dem Regierungsantritt Maximian I. herrschten in diesen Kanzleisprachen eine relative orthografische Einheitlichkeit vor, sodass diese von den Niederlanden bis nach Böhmen-Mähren untereinander verständlich waren. Vor allem wurde von den Standardisierungsbestrebungen der Habsburger die süddeutschen Druckereisprachen beeinflusst, da man sich nun vonseiten dieser nach dem Gemeinen Deutsch richtete. So wurde nun das mhd. â, das im Schwäbisch-Alemannischen den Lautwert /au/ erhalten und dementsprechend in Augsburg <au> geschrieben wurde, durchweg zu a.

Das ostmitteldeutsche Sprachgebiet stand in engem Kontakt mit dem Mainfränkischen und wurde von diesem stark beeinflusst. Die Bindungen dieses Raumes zu Franken waren so groß, dass Martin Luther meinte, dass er sich bei seiner Bibelübersetzung des Gemeinen Deutsch bedienen würde, da er sich der Meißner Kanzleisprache bediente:

„Ich hab keine gewisse / sonderliche / eigne Sprach im Teutschen / sondern brauche der gemeinen Teutschen Sprach / daß mich beyde / Ober vnd Niderlaͤnder verstehen moͤgen. Ich red nach der Saͤchsischen Cantzeley / welcher nachfolgend alle Fuͤrsten vn[d] Koͤnige im Teutschlande / alle Reichßstaͤtte / Fuͤrstenhoͤve / schreiben nach der Saͤchsischen vnd vnsers Fuͤrsten Cantzeley / Darumb ists auch die gemeinste Teutsche Sprach … “

Martin Luter in „Tischgespräche“, zitiert nach: „Claus Jürgen Hutterer: „Die germanischen Sprachen“, 1. Auflage, S. 335

Etwa um 1445 begann Johann Gutenberg in Mainz, seine ersten Druck mit beweglichen Lettern zu produzieren. Mit dem Buchdruck begann auch der Siegeszug der sich nun herausbildenden Gemeinsprache, da jeder Drucker erstrebte, dass seine Werke möglichst weite Verbreitung im deutschen Sprachraum fanden, obgleich sie sich bis ins 16. Jh. hinein keiner einheitlichen Sprachform bedienten. Doch orientierten sie sich an den orthografischen Vorgaben des kaiserlichen Reichsdeutsch, dass 1544 bereits im Erzbistum Köln Eingang gefunden und die alte maasrheinländische Schreibsprache abgelöst hatte.

Bis zum Westfälischen Frieden (1648) stand auch das südwestlich]]e deutsche Sprachgebiet, namentlich die Deutschschweiz, das Elsass und Lothringen unter dem Einfluss des Gemeinen Deutsch der kaiserlichen Kanzleien. Insgesamt konkurrierten diese oberdeutschen Verkehrssprachen mit der von Martin Luther im 16. Jh. geschaffenen Schriftform, der sie letztendlich im 18. Jh. unterlagen.

Sprachwechsel im Erzbistum Köln

Hauptartikel: Kölner Kanzleisprache

Während der Reformationszeit galt das Gemeine Deutsch bei den Protestanten als Schreibsprache der deutschen Katholiken und bezeichneten diese Sprachform verächtlich als sogenanntes Jesuitendeutsch. Die Katholiken indes nannten das Ostmitteldeutsche lutherischer Prägung Lutherdeutsch, was die Protestanten aufgriffen und zur Eigenbezeichnung ihrer Bibelsprache machten.
1544 führte das Erzbistum Köln eine regionale Variante des Gemeinen Deutsch ein, welche die bisherige Kölner Kanzleisprache ablöste. Diese folgte bis zu ihrer Umstellung dem rheinmaasländischen Duktus und war schriftbildlich eher niederländisch als deutsch, doch nun folgte sie dem oberdeutschen Vorbild. Doch erfolgte die Umstellung auf die neue Kanzleisprache ungleichmäßig statt und sie setzte sich nicht konsequent durch, sodass im Erzbistum bis ins 17. Jh. offiziell drei Schreib- und Lesesprachen verwendet wurden:

  1. Latein, dass als Kirchensprache bzw. als Sprache der höheren Diplomatie verwendet wurde,
  2. Reichsdeutsch, dass Sprache der Verwaltung und der höheren Gerichte wurde sowie
  3. die traditionellen Schreibsprachen (Rheinmaasländisch), die weiterhin dem niederländischen Duktus folgten und in denen die Geschäftsbriefe und Urteile niederer Gerichte abgefasst wurden.

Lutherdeutsch

Lutherdeutsch [ˈlʊtɐˈdɔɪ̯ʧ] ist seit 1898 die umgangssprachliche Bezeichnung für die 1522 durch Martin Luther geschaffene Sprachform, in der er seine Bibelübersetzung vornahm und die lange Zeit mit dem vorgenannten Gemeinen Deutsch darum rang, vorherrschende Schreibsprache des deutschen Sprachraumes zu sein. Das Frühneuhochdeutsche, zu dem auch die von Luther verwendeten sächsische Kanzleisprache gehörte, war in Bezug auf die Orthographie inkonsequent, wie Gudrun Brundin im ihrem Buch Kleine deutsche Sprachgeschichte anmerkte.[16] Aufgrund des Fehlens einer einheitlichen Schriftsprache kam es zur unterschiedlichen Schreibung eines Wortes.[16]

Die von Martin Luther zur Bibelübersetzung verwendete Sprache basierte auf dem Meißner Deutsch und wurde von diesem um volkstümliche Wörter und Redeweisen ergänzt, indem er „dem Volke aufs Maule“ schaute. Dadurch gelang es diesem, eine äußerst lebendige Sprache zu entwickeln, die sich rasch durchsetzen sollte. Dadurch gelang es ihm, aus der ostmitteldeutschen Kanzleisprache eine allgemein verständliche deutsche Gemeinsprache zu formen.

„Luther strebte, im Unterschied zu früheren Bibelübersetzern, zunehmend eine überregionale Ausprägung seiner Sprache an. In den ersten Auflagen[17] hatte er noch keinen Wert darauf gelegt und z. B. die Graphie den Druckern überlassen.“

Günther Schweikle: „Germanisch-deutsche Sprachgeschichte im Überblick“, 5. Auflage, S. 264

Durch den Buchdruck begünstigt, verbreitete sich die Lutherbibel vor allem in Mittel- und Norddeutschland und verdrängte dort beispielsweise im Letzteren bis 1650 das Mittelniederdeutsche als Geschäfts- und Kanzleisprache. In Süddeutschland konkurrierte es jedoch noch ein volles Jahrhundert mit dem gemeinen Deutsch der kaiserlichen Kanzleistuben und auch in der Schweizer Eidgenossenschaft wurde ein oberdeutsch-alemannisches Idiom als Schreibsprache verwendet.

Letztendlich setze sich die von Luther geprägte Schreibform allgemein im deutschen Sprachgebiet durch, als diese nun auch in Zeitungen und Büchern zunehmend verwendet und damit als Gemeinsprache anerkannt wurde.

Trennung des Niederländischen vom Deutschen, niederrheinischer Sprachenkampf

Neben Neuhochdeutsch bildete sich im Westen des Reiches das Neuniederländische zur vollen Nationalsprache der Niederländer aus und ging sprachgeschichtlich eigenständige Wege. Das Niederländische sollte sich nun im Laufe der nächsten 300 Jahre zur Schwesternsprache des Deutschen weiterentwickeln.

Am Niederrhein, genauer in den Herzogtümern Jülich, Geldern, Kleve und Berg entstand nun ein Sprachenkampf, der bis Mitte des 19. Jh.s andauern sollte: Vor allem die ersten drei standen unter der Niederländischen Expansion, von der das Herzogtum Berg fast nicht betroffen wurde. Vor allem das Herzogtum Kleve wurde überwiegend niederländisch überdacht, sodass das Neuniederländische linksrheinisch neben dem Neuhochdeutschen und rechtsrheinisch das Neuhochdeutsche neben dem Niederländischen gebraucht wurde; Grenze zwischen beiden Deutsch stellte im Wesentlichen die du-Linie dar.

In Kleve, das preußischer Besitz war, konkurrierten bis 1795 das Lutherdeutsche und das Gemeine Deutsch miteinander, wobei von den Behörden und Ämtern das Erstere bevorzugt wurde. Im Zuge des französischen Imperialismus erfolgte die französische Besetzung dieser Gebiete und es erfolgte die Zwangseinführung des Lutherdeutschen (neben dem Französischen) als offizielle Sprache.

Auf dem Wiener Kongress (1815) wurde die heutige deutsch-niederländische Grenze festgelegt, und dieses hatte zur Folge, dass auf der niederländischen Seite das Neuhochdeutsche und auf der deutschen das Neuniederländische der jeweiligen offiziellen Landessprache unterlag. 1827 wurde von Preußen beschlossen worden, dass Niederländische im damaligen Regierungsbezirk Münster verbieten zu lassen und dieses durch das Neuhochdeutsche ersetzen zu lassen. Allein die Altreformierten der Landschaft Bad Bentheim war es gestattet worden, Neuniederländisch als religiöse Kultsprache beizubehalten.

Um 1860 hatte sich das Neuhochdeutsche am Niederrhein soweit gefestigt, dass dieser nunmehr als einsprachig deutsch anzusehen war, da das konkurrierende Niederländisch dort bis auf bescheidene Reste vollkommen verdrängt war.

Sprachgesellschaften, Sprachreinigung

Im 17. Jh. entstanden, wie im übrigen Europa, auch im Römisch-Deutschen Reich zahlreiche Sprachgesellschaften, die sich zum Erhalt der autochthonen Volkssprachen und deren Reinigung von fremdsprachigen Einflüssen einsetzten: die deutschen Sprachgesellschaften, wie die 1617 gegründete Fruchtbringende Gesellschaft, forcierten, dass aus der politisch zersplitterten deutschen Sprachlandschaft eine standardisierte und einheitliche Nationalkultur in Form der sprachgereinigten deutschen Literatur entstehen sollte.[18]

Deutsche Bühnenaussprache

Bühnendeutsch war eine 1898 vom Sprachwissenschaftler Theodor Siebs entwickelte Bühnensprache, die als Gemeinsprache der Bühnendarsteller dienen sollte. Der Hannoveraner entschied sich, für sein Projekt das von Martin Luther entwickelte Neuhochdeutsch zur Basis heranzuziehen, das er als Luther-Deutsch bezeichnete.
Er entwickelte zudem eine Aussprachelehre des Bühnendeutschen, die eine einheitliche Aussprache des Neuhochdeutschen auf den Theaterbühnen garantieren und eine dialektale Aussprache verhindern sollte. Der grammatikalische Aufbau des Bühnendeutschen orientierte sich am Mittel- und Oberdeutschen, sodass diese Sprachform auch als Hochdeutsch bezeichnet wurde.

Siebs’ Ausspracheregeln galten bis zur bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Film, Bühne und Rundfunk und wurden erst in den 1960er Jahren gelockert.

Hochdeutsch, Schriftdeutsch

Hochdeutsch [ˈhoːχdɔɪ̯tʃ], ist die germanistische Bezeichnung für ein nicht regional geprägtes, d. h. dialektal freies Deutsch.
Hochdeutsch ist ursprünglich rein geografischer Natur und bezeichnet das deutsche Sprachgebiet südlich der Benrather Linie, d. h. jene Sprachregionen, in denen das Ober- und Mitteldeutsche beheimatet ist. Heute wird daraunter eine Variante des Deutschen bezeichnet, die nicht auf den Dialekten und Umgangssprachen beruht, sondern die ihre Wurzeln in der allgemein verbindlichen deutschen Sprache besitzt.

In der Germanistik unterteilt man Hochdeutsch in Alt-, Mittel- und Neuhochdeutsch. Letzteres wurde vom Gemeinen Deutsch des römisch-katholischen Südens und der lutherdeutschen Sprache des protestantischen Nordens gebildet.

1750–1795 hatte sich das Lutherdeutsche als allgemeine deutsche Nationalsprache herausgebildet und wurde nun auch zur Kultursprache, die die deutsche Nationalkultur mitbegründete.
Hochdeutsch wird in verschiedenen Varietäten in den deutschsprachigen Staaten Europas verwendet: In einigen Staaten ist sie Amts- und in anderen ist sie Minderheitensprache. Durch ihren Sprachpluralismus bedingt existieren heute verschiedene Varianten, die untereinander aber voll verständlich sind:

Standarddeutsch

Standarddeutsch [ˈʃtandaʁtˌdɔɪ̯ʧ], auch Schriftdeutsch [ˈʃʀɪftˌdɔɪ̯ʃ], ist seit 1901 die Bezeichnung des durch den Duden in Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Rechtschreibung kodifizierten Neuhochdeutsch. Es ist für alle deutschsprachigen Staaten Europas verbindlich, obgleich der Duden diesen regionale Besonderheiten in Schreibung und Aussprache zugesteht.
Durch seine ursprüngliche Funktion, als Amtssprache alle ihm zugeordneten Dialekte zu überdachen, ist es üblich geworden, das Standarddeutsche auch als Hoch- oder Schriftdeutsch zu bezeichnen.

Seine Aussprache orientierte sich seit dem ausgehenden 19. Jh. an den Vorgaben der deutschen Bühnenaussprache, die dann ab den 1960er Jahren immer mehr durch umgangssprachlichen Formen abgelöst wurde.
Innerhalb der D-A-CH-Staaten existieren regionale Sprachvarianten, die aus dem Luxemburger Deutsch, dem österreichischen Deutsch, dem Schweizer und Liechtensteiner Deutsch sowie aus der im ver. Dtschld. verwendeten Form des Binnendeutschen gebildet wird. Trotz aller regionaler Unterschiede ist eine gegenseitige Kommunikation in allen Varianten des Deutschen möglich.

Dem Deutschen war es gelungen, sich innerhalb von drei Jahrhunderten als Nationalsprache der Deutschen zu festigen und als Wissenschaftssprache zu etablieren. Dennoch fehlte es ihm immer noch an eine einheitliche Orthografie, da jeder Schreiber und Autor so schrieb, wie er sprach. Eine für alle Deutsche geltende deutsche Hochsprache fehlte und diese wurde erst 1901 geschaffen, als sich die deutschen Staaten auf eine gemeinsam geltende Rechtschreibung festlegten, deren Regeln im Duden, Bd. 1, festgelegt wurden.
Denn bis ins 18. Jh. konkurrierten im Reich zwei Sprachstufen des Deutschen, die zum einen aus dem Lutherdeutschen und zum anderen aus dem Gemeinen Deutsch gebildet wurden. Letzteres wurde Ende zugunsten des Ersteren aufgegeben. Im süddeutschen Raum wurden aber trotz der Übernahme des Lutherdeutschen weiterhin landestypische Begriffe und Schreibungen beibehalten. Erschwerend kam am Niederrhein noch hinzu, dass dort vielfach das Niederländische parallel zur deutschen Schreib- und Lesesprache verwendet wurde; das Neuniederländische dominierte vor allem am linken Niederrhein.

Auch nach der Einführung einer einheitlichen Orthografie, womit das moderne Standarddeutsch begründet wurde, blieb dieses weiterhin eine pluralistische Sprache, da es Deutschschweizern und Österreichern erlaubt wurde, weiterhin länderspezifische Besonderheiten zu führen. So wurde bspw. im Laufe der Zeit für die Deutschschweiz (und Liechtenstein, das dem Schweizer Vorbild folgt) die Ligatur <[ß]> abgeschafft. Dieses stellte einen revolutionären Bruch mit der deutschen Schrifttradition dar, als dort mit dem Aufkommen der ersten mechanischen Schreibmaschinen auf Rücksicht auf die französische Schweiz bei der Tastaturbelegung auf die Umlaute <[ä]>, <[ö]> und <[ü]> sowie auf das eben <ß> erwähnte verzichtet wurde.

„In der Schweiz ist im Gegensatz zu Deutschland und Österreich der Buchstabe ß ungebräuchlich geworden. […] Die schweizerischen Schreibmaschinen verzichteten mit Rücksicht auf die französischen Landesteile auf die Buchstaben <ß>, <Ä>, <Ö> und <Ü> zugunsten von <à>, <é>, <è> und <ç>. […] Der Erziehungsrat des Kantons Zürich übernimmt dann 1935 die Vorreiterrolle, indem er die Abschaffung des <ß> für die Schulen seines Zuständigkeitsbereichs beschließt. Manche anderen Institutionen und Domänen folgen jedoch weit später, z. B. Die Neue Züricher Zeitung im November 1974 […]“

Ulrich Ammon: „Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, S. 254

Österreich-Ungarn wurde es 1901 ebenfalls gestattet, beim Blocksatz die Ligatur <ß> durch das dort gebräuchliche <SZ> zu ersetzen, indes dieses in den anderen Staaten deutscher Sprache durch die Schreibung <SS> ersetzt wurde; auch anstelle des Januars durfte es weiterhin die einheimische Bezeichnung Jänner verwenden.
Die nord- und mitteldeutsche Wochentagsbezeichnung Sonnabend wurde in Süddeutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Deutschschweiz Samstag genannt. Diese Form setzt sich allerdings jetzt auch immer mehr im traditionellen Geltungsbereich des Sonnabends durch. Eine differenzierte Betrachtung des Deutschen in den deutschsprachigen Staaten Europas stellt Ulrich Ammons Werk Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar, welches 1995 im Verlag Walter de Gruyter erschien.

Binnendeutsch, Außendeutsch

Binnendeutsch

Binnendeutsch [ˈbɪnənˌdɔɪ̯ʧ], das nach 1945 Reichsdeutsch verdrängte, bezeichnet seit der Gründung des Deutschen Reiches (1871) die dort vorherrschende Form des Neuhochdeutschen. Seine Aussprache richtete sich in Rundfunk, Theaterbühnen und Tonfilmen nach der Bühnensprache, umgangssprachlich wies es aber m. u. starke regionale Züge auf.

Außendeutsch

Außendeutsch stellt seit 1871 das Pendant zu Reichs- bzw. Binnendeutsch dar, das die deutschen Sprachvarianten in Luxemburg, Altbelgien, der Deutschschweiz und Liechtenstein sowie in Österreich-Ungarn zusammenfasste.

Rechtschreibreformen

1996 erfolgte in den deutschsprachigen Staaten eine bereits 1980 angestoßene Rechtschreibreform, die auf eine Vereinfachung des Standdeutschen ausgerichtet war und die eine neue vereinfachte Schulausgangsschrift mit sich brachte.
Bis 2004 herrschte allgemeine und harsche Kritik darüber, dass Schulkinder nun neben der traditionellen deutschen Rechtschreibung auch die reformierte erlernen mussten. Dadurch geriet dieses Programm in eine ernste Krise, die erst 2005 abgewendet werden konnte.

2006 wurde die reformierte Rechtschreibung verbindlich in allen deutschsprachigen Ländern eingeführt und damit die traditionelle Rechtschreibung endgültig abgeschafft. Mit der Umstellung auf die neue Orthografie wurde die Ligatur <ß> endgültig durch <ss> ersetzt.
Am 29. Juni 2017 wurde für Schreibung von Personennamen, in denen <ß> vorkommt und in denen bisher die Schreibungen <SS> und <SZ> verwendet wurden, das große Eszett <ẞ> eingeführt, dass diese ergänzen bzw. bei Bedarf ablösen soll.

Deutschsprachige Staaten

Bis zum De-facto-Ende des II. Weltkrieges war es allgemein üblich, die Staaten deutscher Sprache als fälschlich deutsche Staaten zu bezeichnen, da die Sprecher des Deutschen generell als Deutsche angesehen wurden. Diese Praxis änderte sich nach 1945, als deutsch nicht mehr auf die Nationalität oder Volkszugehörigkeit der Sprecher, sondern allein auf die dortige deutsche Sprache bezogen wurde. So wurden denn au ihnen Deutschsprachige.

Das Standarddeutsche gilt heute dort als National- und Amtssprache. Darüber hinaus weist es als Luxemburger Deutsch in Luxemburg eine inzwischen sehr eingeschränkte Funktion auf, da es weitgehend durch das Luxemburgische ersetzt wurde, da sich das Großherzogtum nicht mehr als deutschsprachig empfindet.
Darüber hinaus ist der Gebrauch des Deutschen in Belgien (Ostbelgien), Dänemark (Nordschleswig), Frankreich (Elsass-Lothringen) und Italien (Südtirol) sowie in Namibia weit verbreitet und gilt dort als Minderheitensprache, die teilweise offizielle Anerkennung als Amts- und Regionalsprache findet.

Sprachregionen

Oberdeutschland

Hauptartikel: Oberdeutschland

Deutsch als Schreib- und Lesesprache wird erstmals ab dem 8.  Jh. greifbar, als im hochdeutschen Sprachgebiet verschiedene Klostersprachen auf Grundlage der oberdeutschen Dialekte entstanden.
Diese diversen Schreibsprachen, die keinerlei fester Rechtschreibung unterlagen und heute nur in einer nachträglich standardisierten Form überliefert sind, werden heute als Althochdeutsch bezeichnet.

Ab etwa 1050 trat die als Mittelhochdeutsch definierte Sprachstufe die Nachfolge der vorgenannten an, an deren West- und Nordgrenzen ein natürliches Kontinuum zum Mittelniederländischen und -niederdeutschen bestand. Wurde diese Übergangsdialekte bis Mitte des 20. Jh.s verallgemeinernd als Deutschniederländisch bezeichnet, ging man spätestens Mitte der 1990er Jahre dazu über, diese genauer zu klassifizieren: So wurde der völkisch angesehene Begriff Deutschniederländisch durch die neutralen Begriffe Rheinmaasländisch und Ijsselländisch ersetzt, um diese nicht explizit als deutsch oder niederländisch klassifizieren zu müssen.

Ab etwa 1350 trat das moderne Neuhochdeutsch seinen sprachlichen Siegeszug an: In dessen Frühphase (bis etwa 1500) wurde es als Frühneuhochdeutsch bezeichnet, in dessen Geltungsbereich bis ins 18. Jh. mehrere regionale Verkehrssprachen bestanden, die bereits Anfänge einer Standardisierung aufwiesen, da deren Schreiber auch in anderen deutschen Gebieten verstanden werden wollten. Vor allem das Gemeine Deutsch der kaiserlichen Kanzleien (Reichsdeutsch) galt ab dem 16. Jh. als die Sprache der römisch-katholischen Christen, als die Protestanten mehrheitlich begannen, sich des Lutherdeutschen zu bedienen. Vor allem die Wiener und Prager Kanzleisprache dominierten die römisch-katholischen Reichsländer, derweil die von Martin Luther geschaffene Sprachform auf der Grundlage des Meißner Deutsch basierte und sich in den evangelischen Ländern etablierte.

1544 führte das Erzbistum Köln eine Variante des Gemeinen Deutsch für seinen Herrschaftsraum ein, das am Niederrhein mit den gesprochenen Volkssprachen und dem Niederländischen konkurrierte. Nachdem Kleve bis 1666 an Brandenburg-Preußen gefallen war, kam mit dem dort verwendeten Lutherdeutsch ein weiterer Konkurrent auf, der sich vor allem am rechten Niederrhein durchsetzen sollte, indes der linksrheinische Teil mehr niederländisch orientiert blieb.

Niederdeutschland

Hauptartikel: Niederdeutschland

Indes sich Oberdeutschland sprachlich vom Niederdeutschen getrennt und bedeutende Verkehrssprachen hervorgebracht hatte, blieb die Sonderentwicklung des Niederdeutschen zur eigenständigen Sprachgemeinschaft nicht stehen, sondern diese entwickelte sich zeitgleich. So bestand in Niederdeutschland 8./13. Jh. eine reiche Kirchenliteratur, die in Altsächsisch abgefasst und die sich ursprünglich in einem engen Dialektkontinuum mit dem Altfriesischen und dem Angelsächsischen befand.

Doch bereits im 10. Jh. assimilierten sich der Sachsenstamm im Rahmen des deutschen Königreiches und orientierten sich am Sprachgebrauch des Frankenstammes, sodass das alte Dialektkontinuum weitestgehend zerfiel. So sind uns im äußersten Westen nur bruchstückhafte Überlieferungen des Altniederländisch erhalten geblieben, die vor allem aus Glossen des Ostniederfränkischen gebildet werden und damit zu den niederrheinischen Dialekten gezählt werden müssen.

Ab 1200, gänzlich zeitgleich mit dem Mittelhochdeutschen, entstanden in Niederdeutschland sowohl das Mittelniederländische als auch das Mittelniederdeutsche, indes das friesische Sprachgebiet im Altfriesischen zusammengeschlossen war. Vor allem Erstgenannte konkurrierten in den Grenz- und Übergangsgebieten miteinander: Die Ostniederlande wurden schließlich vom Mittelniederdeutschen (→Westfälische Expansion), der Niederrhein vom Mittelniederländischen überdacht (→Holländische Expansion).

Dort entstanden nun neue Ausgleichssprachen, die heute im Rhein-Maas-Dreieck als Rheinmaasländisch und im Overijsselgebiet als Ijsselländisch bezeichnet werden, während das westfälische Bistum Münster bzw. das Hochstift Münster als zweisprachig galt.

„In der mittelniederländischen Zeit war das Sassische auch hier d i e Schriftsprache. Doch war sie nicht ganz so stark vom Mittelniedersächsischen lübischer Prägung beeinflusst wie in Norddeutschland. Vielmehr herrschte in den östlichen Niederlanden — und bis weit nach Westfalen hinein — eine niederfränkisch beeinflusste Spielart der sassischen Hochsprache, in der u. a. im 15. Jh. die von Gerd Groote begründete religiöse Bewegung der Devotio Moderna viele Schriften schuf, im 16. Jh. Menno Simon zum mindesten Teile der seinen schrieb und die im 17. Jh. der niederländischen Hochsprache wich.“

Heinz Kloss: „Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800“, S. 192

Um 1230 hatte sich das Mittelniederdeutsche im niederdeutschen Sprachgebiet endgültig als Rechts-, Geschäfts- und Verkehrssprache durchgesetzt: Zum einen wurde in ihm der Sachsenspiegel verfasst, zum anderen wurde es nun Hauptsprache der Hanse und sollte für die nächsten 200 Jahre die skandinavischen Sprachen (Dänisch, Norwegisch und Schwedisch) maßgeblich beeinflussen.

Innerhalb der niederdeutschen Verkehrssprache bildeten sich analog zum [[Gemeines Deutsch|Gemeinen Deutsch] regionale Varietäten heraus:
So schrieb das Bistum Münster offiziell in einer mittelniederländisch beeinflussten Variante des Westfälischen, Paderborn in einem ostfälischen Duktus und die Ostseeküste in einer von Lübeck beeinflussten Sprachform. Dennoch waren diese Varietäten untereinander so homogen, dass sie sowohl gesprochen als auch geschrieben von jedem Niederdeutschen weitestgehend verstanden wurden.

Ab 1650 setzte der Sprachzerfall des Mittelniederdeutschen' ein, als es dem Lutherdeutschen infolge des Buchdrucks gelang, die meisten norddeutschen Kanzleisprachen zu verdrängen; nur der Niederrhein widersetzte sich ihm für rund 300 Jahre, als dort nun ein niederrheinischer Sprachenkampf ausgetragen wurde, bei dem sich die Maas endgültig als Sprachgrenze zwischen Niederländisch und Deutsch etablieren sollte.
Nur in der Grafschaft Bentheim und den Exklaven Tecklenburg, Lingen, Gronau, Gemen, Steinfurt und Anholt sowie in Ostfriesland verblieb man bis etwa 1860/78 beim Niederländischen.

Um 1713 wurden am Niederrhein die politischen Grenzen neu gezogen, als das Herzogtum Geldern zwischen seinen Nachbarn aufgeteilt wurde. Infolge der neuen Grenzlinien kam dort endgültig mit dem Lutherdeutschen eine dritte Dachsprache auf, denn in den zu Kurköln gehörenden Gebieten wurde Hochdeutsch (in Form einer Varietät des Gemeinen Deutsch) schon seit 1544 verwendet und dieses nun auch auf das Amt Rheinberg ausgedehnt. In der Grafschaft Moers galt dieses schon seit dem 16. Jh., während das Haus Habsburg das heutige Südlimburg mit den Städten Maastricht und Roermond behielt, gelangten das übrige Gebiet hauptsächlich an Preußen. Die Enklave Erkelenz fiel an Jülich.

Preußen etablierte dort, wie bereits schon 1614 in Kleve, das Lutherdeutsche als Amts- und Verwaltungssprache. Doch für die öffentliche Verwaltung war diese Maßnahme nicht besonders erfolgreich: Die Bewohner verwendeten entweder die im 19. Jh. als Deutschniederländisch zusammengefassten Regionaldialekte für den amtlichen Schriftverkehr oder das Neuniederländische als Regional- und Verkehrssprache. Nur wenige Städte Gelderns übernahmen das Lutherdeutsche, wo dieses das Niederländische ablöste. Bis 1860 bildete sich entlang der Maas die heutige deutsch-niederländische Sprachgrenze heraus und um 1880 galt das Niederrheingebiet als deutschsprachig.

Dialektgebiete

Hauptartikel: Deutsche Dialekte

Deutsch als pluralistische Sprache ist seit Anbeginn dialektal stark aufgegliedert. Vor der Einführung einer standardisierten Hochsprache wichen die deutschen Dialekte so weit voneinander ab, dass eine gesprochene wie geschriebene Kommunikation zwischen ihnen kaum bis unmöglich war. So verstand der pommersche Fischer nicht den bayrischen Almbauern, und der ostfriesische Arzt nicht seinen badischen Kollegen. Eine einheitlich verständliche Kommunikation gelang erst mit der Einführung des Neuhochdeutschen, dessen Schreibung 1901 im Duden kodifiziert wurde.
Dennoch waren die Dialekte untereinander durch nahtlose Übergänge miteinander verbunden, sie standen also in einem engen Dialektkontinuum und es bildete sich in rund 1200-jähriger Sprachgeschichte drei große Sprachgemeinschaften heraus, die jeweils ein eigenes Sprachgebiet bildeten und über ein weites Territorium verteilt waren:

  1. oberdeutsches Sprachgebiet,
  2. mitteldeutsches Sprachgebiet und
  3. niederdeutsches Sprachgebiet.

Letzteres zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es sich auf dem gemeingermanischen Sprachstand befindet, die eine Folge seiner Nichtteilhabe an der II. Lautverschiebung ist und damit im Grunde dieselben Spracheigenschaften wie das Englische, Friesische, Dänische oder dem Isländischen aufweist.

Fremdsprachliche Einflüsse

Seit seiner frühsten Verschriftung stand die deutsche Sprache unter dem Einfluss fremder Sprachen. So wurde es bspw. im Zuge der deutschen Ostsiedlung (11./12. Jh.) durch verschiedene slawische Sprachen bereichert. Aber auch das Neuniederländische trug seinen Anteil zur Bildung des späteren Standarddeutsch bei.
Bis ca. 1550 sollten Lateinisch und Griechisch den deutschen Wortschatz an kirchlichen und medizinischen Ausdrücken bereichern und wiesen damit den längsten Einfluss auf das Deutsche auf. Diese beiden Kultursprachen wurden ab dem 16. Jh., und verstärkt nach 1648, durch das Französische abgelöst, sodass vonseiten der Bildungselite begonnen wurde, das Deutsche über Sprachgesellschaften zu reinigen und Fremdwörter einzudeutschen.

Im späten 19. Jh. begann das Deutsche, zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen aus dem Englischen zu übernehmen. Nach dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges wurde der deutsche Nationalstaat in Besatzungszonen eingeteilt, was in der amerikanischen und britischen mit der Einführung eines obligatorischen Englischunterrichtes einherging. Südwestdeutschland, genauer die französische Besatzungszone, führte dementsprechend das Französische und die sowjetische führte Russisch als Fremdsprache in den Schulen ein.

Ab den 1960er Jahren kamen verstärkt Gastarbeiter in die damalige Bundesrepublik Deutschland, indes die Deutsche Demokratische Republik sog. Vertragsarbeiter aus den sozialistischen Bruderländern anwarb. In die Erstere kamen vor allem Südosteuropäer (Jugoslawen und Griechen), aber auch Italiener, Spanier und Portugiesen, während in die DDR ;hauptsächlich Mongolen, Kubaner und Vietnamesen kamen.
Während die Vertragsarbeiter der DDR kaum das dortige Deutsch sprachlich beeinflussten, übernahm die bundesrepublikanische Spielart viele Ausdrücke aus dem Serbokroatischen, Italienischen, Spanischen oder Türkischen auf.

Seit der staatlichen Vereinigung beider Teilstaaten unterliegt die binndendeutsche Sprache einer verstärkten Anglisierung bzw. Amerikanisierung, da führende Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, Englisch als Firmensprache benutzen; Internet, Massenmedien und Werbung haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die deutsche Sprache.

Deutsch als Zweitsprache

Deutsch als Zweitsprache (DaZ) stellt eine Sonderform des Deutschen dar, die von Fremdsprachigen innerhalb des deutschen Sprachgebietes in aller Regel durch einen ungesteuerten Spracherwerb erworben wird.
DaZ gilt als facettenreiche Sprachform, die vom Gastarbeiterdeutsch bis zur umfassenden Zweisprachigkeit reicht. Dabei ist die Abgrenzung zwischen DaZ und DaF als problematisch, aber vielfach gilt in der Germanistik der Konsens, das DaZ auf alle Migranten und DaF auf die Auslandsgermanistik bezogen wird. (→Doppelseitige Halbsprachigkeit)

Deutsch als Fremdsprache

Deutsch als Fremdsprache (DaF) definiert sich als eine über die Schule erworbene Sprachkenntnis des Deutschen, die sowohl im Inland als auch im Ausland an Fremdsprachige mittels Sprachunterricht vermittelt wird. Im Gegensatz zum DaZ handelt es sich hierbei um einen gesteuerten Spracherwerb.
DaF entwickelte sich im 19. Jh. und löste in der Folgezeit das Französische als Korrespondenzsprache ab. Bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung wies DaF in West-, Nord-, Mittel- und Osteuropa eine große Sprecherzahl auf und wurde bis ca. 1900 auch in den angelsächsischen Staaten als führende Fremdsprache gelehrt.

Im Deutschen Reich spielte es eine besondere Rolle für die dortigen Sprachminderheiten, deren Kinder es ab den 1890er Jahren als Pflichtfach in der Schule erhielten und so letztendlich germanisiert werden sollten. Besonders davon betroffen waren die polnische Minderheit in Ost- und Westpreußen, Oberschlesien und im Ruhrgebiet sowie die zweisprachigen Elsass-Lothringer, die damit erneut gänzlich an das deutsche Sprachgebiet angeschlossen werden sollten.

In Österreich-Ungarn spielte DaF vor allem bei den Slawen der österreichischen Reichshälfte eine wesentliche Rolle, galt es doch Ende des 19. Jh.s als Sprache der öffentlichen Verwaltung und als Staatssprache. Doch im Gegensatz zu den Slawen im Reich begannen sich diese, sich gegen eine Zwangsgermanisierung erfolgreich zu wehren.

Nach dem I. Weltkrieg büßte DaF sowohl seinen Rang als europäische Verkehrssprache als auch seinen Rang als Bildungs- und Wissenschaftssprache ein.
Verbunden mit dem Aufstieg Großbritanniens zur Kolonial- und Weltmacht verlor es außerdem seinen Rang innerhalb der angelsächsischen Staaten, zumal nun die „halbe Welt“ Englisch sprach.

1933/45 verlor DaF im Ausland seinen einstigen Status als Geschäfts- und Kultursprache, was eng mit dem deutschen Imperialismus unter dem NS-Regime verbunden ist. Nach 1945 wurde es immer mehr vom Englischen abgelöst und nun sein Dasein als ungeliebte zweite oder dritte Fremdsprache in den Schulen. Ferner wandten sich auch die Beneluxstaaten und die nordischen Staaten von ihm ab, wo es bisher stark vertreten war und anstelle des DaF traten nun Englisch und Französisch. Derweil stand der Ostblock bis zu seinem Zusammenbruch unter dem Einfluss des Russischen, das dort führende Fremdsprache wurde.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR (ab 1988/89) spielte DaF kurzfristig noch einmal eine wesentliche Rolle der politischen Öffnung der einstigen Ostblockstaaten zum Westen. Doch seit 2001 ist auch dort Englisch führende Fremdsprache.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 305
  2. 2,0 2,1 2,2 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 307
  3. Otto Höfler: Die hochdeutsche Lautverschiebung und ihre Gegenstücke bei Goten, Vandalen, Langobarden und Burgundern, S. 294
  4. 4,0 4,1 Wolfram Euler: Das Westgermanische, S. 33
  5. Wolfram Euler: Das Westgermanische, S. 31
  6. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 66–67
  7. Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 306
  8. 8,0 8,1 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 316
  9. Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 316–317
  10. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 76 (Karte „Schriftdialekte in mittelhochdeutscher und mittelniederdeutscher Zeit“)
  11. 11,0 11,1 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 316–317
  12. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 76 (Darstellungskarten)
  13. 13,0 13,1 Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 97
  14. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins, S. 66
  15. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 95
  16. 16,0 16,1 Gudrun Brundin: Kleine deutsche Sprachgeschichte, S. 82
  17. Hier sind die ersten Auflagen der Lutherbibel gemeint.
  18. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 105


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