Deutsches Volk

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Deutsches Volk [ˈdɔɪ̯tʃəs fɔlk], Sammelbegriff diverser westgermanischer Volksstämme, die sich seit dem Jahr 1000 über gemeinsame Sprache und Kultur als deutsch definieren.[1]
Es setzt sich heute aus jenen zusammen, die sich als Gemeinschaft betrachten und die durch Sprache, Kultur und Wertvorstellungen verbunden sind sowie sich zur deutschen Geschichte und Tradition bekennt. Darüber hinaus spielte der gemeinsame Lebensraum und die gemeinsame Abstammung lange Zeit eine große Rolle unter den Deutschen.

1934–2007 wurden von deutschen Gerichten in seinem Namen die Urteile verkündet. Es ist der erklärte Gegner einer antinationalen und antideutschen Bewegung (Antifa, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen usw.), deren Ziel es ist, das deutsche Volk durch verstärkten Zuzug von Migranten auszudünnen und letztendlich aufzulösen, was mit der sog. ewigen Schuld der Deutschen am II. Weltkrieg und den mit ihm verbundenen Verbrechen begründet wird.

Synonyme

  • Deutsche Volksgemeinschaft
  • Deutsche Gesellschaft
  • Deutsche Nation
  • Deutsche Sprachgemeinschaft

Bis in die 1950er Jahre sprach man allgemein von der deutschen Volksgemeinschaft, wenn man das deutsche Volk in seiner Gänze beschreiben wollte; doch dieser Begriff wurde dann als NS-belastet betrachtet, sodass für ihn nachfolgende Begriffe etabliert wurden:
Politik und Wirtschaft spricht heute vielfach von der deutschen Gesellschaft, um den traditionellen Begriff deutsches Volk zu vermeiden, der für sie zu blutbetont ist, da die Deutschen heute sich nicht mehr ausschließlich aus Stammdeutschen zusammensetzen, sondern in diesen auch Angehöriger anderer Ethnien vertreten sind.
Die Sprachwissenschaft spricht dagegen von der deutschen Sprachgemeinschaft, während die Politikwissenschaft von der deutschen Nation spricht, wenn sie in erster Linie das deutsche Volk bezeichnen will, obgleich der Begriff der deutschen Nation auch bereits fremdstämmige Elemente umfasst, sofern sie auf die Staatsnation bezogen wird.

Verhältnis zu benachbarten germanischen Völkern

Lange Zeit waren sich die Deutschen (und ihre Bildungselite) uneins, inwiefern die ihnen sprachlich eng verwandten Niederländer und Flamen zugerechnet werden könnten. Diese hatten — wie die deutschen Stämme — lange Zeit mit ihnen im Römisch-Deutschen Reich gelebt und wiesen über die gemeinsame germanische Abstammung eine fast identische Entwicklungsgeschichte auf.

15./17. Jh. bereicherten sie sich sprachlich gegenseitig: In den Vereinigten Niederlanden hatte das Neuhochdeutsche einen großen Spracheinfluss auf das Neuniederländische, indes dieses seinerseits weit ins Niederrheingebiet, Westfalen und nach Nordwestdeutschland ausstrahlte und dort teilweise alleinige Verkehrs- und Geschäftssprache war.

Aber letztendlich entwickelten sich Niederländer und Flamen seit dem 16. Jh. zu eigenständigen Ethnien, die sich sprachlich-kulturell identifizierten und sich nicht mehr als Deutsche sahen; vielmehr definierten sie sich als Niederdeutsche, was als Reaktion auf die Tatsache galt, dass das niederdeutsche Sprachgebiet langsam begonnen hatte, sich des Lutherdeutschen zu bedienen und dass dieses damit das eigenständige Niederdeutsche als Urkundensprache usw. ablöste.

Eine besondere Situation herrscht im damaligen deutsch-niederländischen Grenzgebiet: Im 16. Jh. begann sich dort die Ostgrenze des Burgundischen Reichskreises langsam als deutsch-niederländische Sprachgrenze herauszubilden und dabei der Maas die Rolle eines (hochsprachlichen) Grenzflusses zukam: Westlich der Maas dominierte bis 1937 das Niederländische, östlich des Flusses das Deutsche. Bis etwa 1860 galt der nördliche Niederrhein offiziell als niederländisches Sprachgebiet, dessen Dialekte heute als Rheinmaasländisch zusammengefasst werden.

Ethnonym, Anwendung

Der Begriff deutsches Volk leitet sich aus der Zusammensetzung von deutsch und Volk ab. Das Adjektiv deutsch bezeichnete das Bewusstsein einer gemeinsamen Kultur, Sprache und Geschichte, indes der Begriff Volk ursprünglich aus dem germanischen Heerwesen stammte, das wohl Haufe oder Kriegsschar bedeutete.

Im Mittelhochdeutschen ist deutsches Volk in den Formen duitisc volc und tuitisk volc überliefert, das als das durch die deutsche Sprache und Kultur miteinander verbundene Volk zu begreifen ist.

Die Angehörigkeit zum deutschen Volk definierten sich jahrhundertelang nach objektiven und subjektiven Merkmalen:
Objektive Merkmale waren die gemeinsame Sprache und der gemeinsame Lebensraum, die gemeinsame Kultur (und teilweise auch die Religion) und die gemeinsame Geschichte.
Subjektives Merkmal war, dass die Betroffenen auch Teil dieses Volkes sein und bleiben wollten. Dieses war eine mögliche Gefahrenquelle in Gebieten mit ethnischer Gemengelage: Dort gingen Volkstümer der Minderheiten unter, indem die entsprechenden Träger sich assimilierten und in anderen Völkern aufgingen.

Heute gilt in der Bundesrepublik Deutschland das beschränkte Bekenntnisprinzip, das besagt, dass der deutsche Volkszugehörige (also der Träger des deutschen Volkes) sich in seiner Heimat zum deutschen Volkstum bekennt und dieses auch durch äußere Merkmale wie Sprache, Abstammung, Erziehung und Kultur vertritt. Da dieses aber nicht auf die sogenannten Passdeutschen, d. h., auf die deutschen Staatsbürger mit Migrationshintergrund, zutrifft, wird öffentlich nur noch von der deutschen Gesellschaft gesprochen, um die nun als völkisch aufgefasste Definition deutsches Volk nicht aufzugreifen und vertreten zu müssen. Vielmehr kristallisiert sich in der BR Dtschld. die offizielle Haltung heraus, dass die Vertreter der bisherigen Definition vielfach als Ausländerfeinde, Fremdenhasser, Rechtsextreme und Nazis diffamiert werden.
Diese werden vor allem durch die Medien und durch alle als gesellschaftlich relevante Kräfte bezeichneten Organisationen (Kirchen, Gewerkschaften und Parteien) als weltfremd, nationalistisch und potenziell als sog. geistige Brandstifter tituliert, die verantwortlich seien, wenn in Deutschland wieder Asylantenheime brennen würden.

925–1770

Der Begriff deutsches Volk ist, wie eingangs mehrmals erwähnt, eng mit der deutschen Sprachgeschichte verbunden und wurde auf die Sprecher jener westgermanischen Sprachen angewendet, die sich als Teil einer als deutsch definierten Sprachgemeinschaft sahen und dadurch eine eigene ethnische Identität entwickelt hatten, die sie von den benachbarten Germanen unterschied.
Diese frühen Deutschen siedelten mehrheitlich auf dem Gebiet des Römisch-Deutschen Reiches, das 962 an die Stelle des Ostfrankenreiches trat. Das Gros der deutschen Altstämme siedelte auf dem Territorium des deutschen Königreiches.

Bis 1180 waren die deutschen Stämme in vier Stammesherzogtümern und einer Landgrafschaft organisiert, die nach einem der Stämme benannt waren. Nach der Auflösung der Stammesherzogtümer waren die Deutschen in Reichsländern organisiert, die de jure bis 1806 Bestand hatten.

1770–1815

Hauptartikel: Deutsche Nationalbewegung

1770 entstand bei den Deutschen eine Bildungselite, deren Wunsch es war, dass sich das deutsche Volk zur Nation zusammenschließen sollte. Es sollte die mittelalterlich anmutenden Strukturen des Reiches abschütteln und sich zu einem modernen Nationalstaat organisieren.

Schnell entwickelte sich aus dieser Bewegung heraus eine deutsche Nationalbewegung, die 1832 das Hambacher Fest organisieren sollte. Die Deutschen wurden nun als geteiltes Volk betrachtet, deren Einheit nur sprachlich-kulturell vorhanden war, da sie ansonsten nur auf mehrere Staaten verteilt lebten. Die Deutschen waren eine überstaatlich organisierte Sprach- und Kulturnation, deren Hauptleistung in der Schaffung einer international beachteten Nationalkultur begründet war. Deutsch wurde bspw. Sprache der Wissenschaft und die deutsche Musik wurde federführend in Europa. So galten von Goethe, Schiller und van Beethoven sowie Mozart als Glanzlichter dieser Nationalkultur.

Anfang August 1806 wurde deutsches Volk politisiert und es wurde in die deutsche Frage eingebunden. Zentraler Punkt wurde der Begriff deutsches Volk in den Befreiungskriegen (1813/15), an deren Ende die Etablierung des Deutschen Bundes stand.

1815–1867

Mit Gründung des oben genannten Deutschen Bundes wurde jener Teil des Sprachgebietes neu organisiert, der 1795 zum Gebietsstand des Römisch-Deutschen Reiches gehört hatte. 1848/49 wurde der Begriff Deutscher eine Rechtsstellung, als das Paulskirchenparlament definierte, was sie unter Deutsche verstanden haben wollte:

„Das deutsche Volk besteht aus den Angehörigen der Staaten, welche das deutsche Reich bilden.“

Verfassung des Deutschen Reiches vom 28. März 1849, »Abschnitt IV: Die Grundrechte des deutschen Volkes«, Art. 1, § 131.

Ein Deutscher war demnach jeder, der auf dem Territorium des Deutschen Bundes geboren wurde, ganz gleich, welcher Muttersprache.
Das deutsche Volk als solches bestand aus der Wohnbevölkerung der Mitgliedsstaaten des Bundes. Für die geplante Reorganisation des Bundes in ein Deutsches Reich wurde von den Vertretern des Paulskirchenparlamentes der Personen- und Gebietsstand von 1839 genommen:

„Das deutsche Reich besteht aus dem Gebiete des bisherigen deutschen Bundes.“

Verfassung des Deutschen Reiches vom 28. März 1849, »Abschnitt I: Das Reich«, Art. 1, § 1.

Daher galten auch die slawischen Tschechen als Teil des deutschen Volkes, obgleich sie einer anderen Sprachfamilie angehörten. Doch im 19. Jh. fristete ihre Muttersprache, das Tschechische, nur noch ein Dasein als Haus- und Bauernsprache, da sich vor allem das Bürgertum und der Adel ausschließlich das Neuhochdeutsche verwendeten, das bei ihnen eine Art Statussprache darstellte. Handwerker und Bauern dagegen verwendeten untereinander hauptsächlich das Tschechische, derweil das Deutsche bei ihnen als Sprache der Obrigkeit galt.

Nach dem blutigen Ende des Deutschen Bundes, die Donaumonarchie wurde durch den Deutschen Bruderkrieg (1866) aus der deutschen Frage ausgeschlossen, sah sich das deutsche Volk weiterhin in der Position eines geteilten Volkes, einer Sprach- und Kulturnation, die überstaatlich organisiert war. Doch nun war es gewillt, seine staatliche Einheit auch ohne die Deutschösterreicher zu vollenden, die sich geweigert hatten, auf ihre nichtdeutschen Gebietsteile zu verzichten, um mit den deutschen in ein gemeinsames Deutsches Reich einzutreten.

Bereits am 1. Aug. 1866 wurden alle deutschen Staaten nördlich der Mainlinie in einer von Preußen dominierten Militärallianz zusammengefasst, die den Namen Norddeutscher Bund erhielt. Allein Luxemburg und Deutsch-Limburg sowie Liechtenstein gehörten zu den neutralen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes, der immer mehr den Charakter eines Staatenbundes verlor.

In der Schlacht von Königgrätz schlugen die Norddeutschen das Bundesheer, das von den süddeutschen Staaten unter der Führung der Habsburger stand. Nach der Auflösung des Deutschen Bundes (1867) wurde der Norddeutsche Bund in ein reguläres Völkerrechtssubjekt — in einen Bundesstaat — umgewandelt, mit dem die deutsche Nationalstaatlichkeit im kleindeutschen Rahmen begründet wurde.

1867–1914

Nach der Auflösung des Deutschen Bundes lebte rund die Hälfte des deutschen Volkes im Rahmen des Norddeutschen Bundes, indes die andere Hälfte in einem Süddeutschen Bund leben sollte. Doch scheiterte die Schaffung dieses Süddeutschen Bundes an mehreren Faktoren. Doch blieben die süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern noch lange politisch mit Österreich-Ungarn verbunden und forcierten eine deutsche Einheit im großdeutschen Rahmen.
Im Dez. 1870 jedoch, während des Deutsch-Französischen Krieges, traten diese dem Norddeutschen Bund bei und dieser wurde am 18. Jan. 1871 offiziell in Deutsches Reich umbenannt und war seinem Staatsaufbau nach ein Bundesstaat (formal ein Kaiserreich), dessen Präsident den Namen Deutscher Kaiser trug.

Aufgrund der Tatsache, dass in diesem neuen Deutschen Kaiserreich 65 v. H. Deutschen lebten, engten sich die Eigennamen Deutsche und deutsches Volk immer mehr auf die Rechtsstellung des Reichsdeutschen ein.[2]
Deutsche außerhalb der neuen Reichsgrenzen begannen, sich ab den 1880er Jahren immer mehr, sich als Deutschsprachige zu bezeichnen, indes im Reich für sie die Begriffe Volksdeutsche und Deutschstämmige aufkamen. So wollten bspw. Deutschschweizer nicht mehr als Deutsche, sondern als Schweizer deutscher Muttersprache verstanden werden.[3]

In eine ähnliche Richtung tendierten auch die Deutschluxemburger, deren Staat sich jedoch noch bis 1919 in einer Zollunion mit dem Reich befinden sollte. Dagegen rechneten sich die Deutschösterreicher weiterhin offen dem deutschen Volk zu und es wurde allgemein üblich, Reichsdeutsche und sie zum deutschen Volk zu summieren.

1914–1918

Mit dem am 28. Juni 1914 von nationalistischen Serben in Sarajewo verübten Mord an den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie brach am 1. Aug. der I. Weltkrieg aus.
In seiner Rede vom 1. Aug. 1914 erklärte der Deutsche Kaiser Wilhelm II. von Preußen vor dem Berliner Reichstag, dass er keine Parteien, sondern nur noch Deutsche kennen würde. Dieses war eine Reaktion darauf, dass die SPD seinen Kriegsplänen zugestimmt und daher mit den rechtskonservativen Parteien einen innenpolitischen Burgfrieden geschlossen hatte. Er erklärte dem Schutz-und-Trutz-Bündnis mit Österreich-Ungarn die Nibelungentreue, was bedeutete, dass das Reich diesem bis zum Sieg oder der Niederlage bedingungslos beistehen würde.

Wilhelms Ruf nach dem Waffengang folgten viele Jugendliche, die sich begeistert freiwillig zu den Waffen meldeten. So meldeten sich bspw. Abiturienten klassenweise geschlossen in den regionalen Rekrutierungsstellen. Doch nahmen sie nicht als Angehörige eines einheitlichen Reichsheeres am Weltkrieg teil, sondern sie traten der Triple Entente unter den Fahnen der 25 Bundesstaaten einschließlich Elsaß-Lothringens entgegen.

Ab 1916 wuchsen Reichsdeutsche und Deutschösterreicher an den Fronten zu einer verschworenen Schicksalsgemeinschaft zusammen, die eine Folge des blutigen und grausamen Stellungskrieges der West- und Ostfront waren und sich aus den Grabenkämpfen entwickelte: Der im Stellungskrieg entwickelte Frontsozialismus der Soldaten wurde nach und nach politisiert und als Volksgemeinschaft in die Zivilbevölkerung weitergetragen. War man noch 1914 für Gott, Monarch und Vaterland in den Krieg gezogen, musste die militärische Niederlage an allen Fronten 1918 einen Sinn gehabt haben. Nun kam die Frontgeneration überein, dass alles für Deutschland geschehen sei und dass dieses letztendlich größer als das geschlagene Reich sei.

1918–1935

Nachdem der I. Weltkrieg verloren war und die Armeen der einstigen Bundesstaaten zwar „geschlagen, aber unbesiegt“ in ihre Heimat zurückkehrten, brachen im Reichsgebiet marxistisch geprägte Aufstände auf. In deren Folge, und in Aussicht auf einen gerechten Frieden, wurden im Reich die Monarchien beseitigt und eine demokratische Republik proklamiert.
Um den Aufständischen Herr zu werden, und die von Polen bedrohten Ostgrenzen zu schützen, organisierten sich ganze Armee-Einheiten zu Freikorps, die irreguläre Truppenverbände darstellten, die aber von der SPD-geführten Reichsregierung toleriert wurden.

Hatten sich die Reichsdeutschen bis Ende des Weltkrieges vor allem über ihren Heimatstaat definiert, dessen oberster Souverän der jeweilige Herrscher war, lebten sie nun in Freistaaten genannte Länder, da die Monarchen vonseiten der Länderparlamenten zur Abdankung gezwungen worden waren.
Es ist auffällig, dass die Gliedstaaten des Reiches in der Weimarer Verfassung nun Länder[4] und nicht mehr Bundesstaaten hießen, da durch diesen juristischen Trick die völkerrechtlichen Grenzen des Reiches aufgehoben wurden und so die im Versailler Vertrag festgelegten Gebietsabtretungen durchgeführt werden konnten.

Durch diese, als nationale Schmach am deutschen Volk angesehene, Vorgehensweise wuchs das deutsche Volk zu einer Demokratie ohne Demokraten zusammen, zumal ihm der staatliche Zusammenschluss mit den Deutschösterreichern verwehrt worden war, der ein republikanisch-demokratisches Großdeutschland hervorgebracht hätte. Reichsdeutsche und Österreicher definierten sich nun als nationale Volksgemeinschaft und liefen in der Folgezeit zu den Radikalen über — sowohl zur radikalen Linken als auch zur radikalen Rechten. So war vor allem das Straßenbild des Reiches 1930/32 durch brutale Straßenschlachten zwischen den Anhängern der KPD und der NSDAP geprägt.

Am 30. Jan. 1933 erfolgte die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, womit in den Augen der Nationalsozialisten deren Machtergreifung abgeschlossen galt. Recht früh begann der Führer der NSDAP eine Gewaltherrschaft zu etablieren und schaffte per Führererlass am 5. Feb. 1934 die Staatsangehörigkeit in den Ländern ab, nachdem er bereits am 30. Jan. 1934 die Länder für nicht mehr existent erklärt hatte. Anstelle der Staatsangehörigkeit in den Ländern führte Hitler eine einheitliche deutsche Staatsangehörigkeit ein, in deren Folge deutsch, Deutscher und deutsches Volk synonym für die neue Staatsangehörigkeit standen.

1935 bildete ein besonders wichtiges Jahr in der jüngeren deutschen Geschichte:
Zum einen kehrten die Saarländer nach 15-jähriger Abtrennung vom Mutterland ins Reich zurück, nachdem sie sich über eine Volksabstimmung dafür entschieden hatten. Zum anderen wurden auf dem diesjährigen Reichsparteitag der NSDAP die Rassengesetze verabschiedet, die das deutsche Volk nun über die Deutschblütigkeit definierten und Juden aus diesem ausschloss.

1938–1945

1938 führte Hitler nach den Anschlüssen Österreichs und des Sudetenlandes die deutsche Staatsangehörigkeit auch dort ein und der Begriff deutsches Volk wurde nun auch auf Österreicher und Sudetendeutsche politisch ausgedehnt. Nach und nach wurde nach der Ideologie der NSDAP deutsches Volk immer mehr mit Rassengemeinschaft gleichgesetzt, deren Träger Deutschblütige und Artverwandte waren.

Am 1. Sept. 1939 erfolgte mit der Verletzung der polnischen Westgrenze durch das Reich der Ausbruch des II. Weltkrieges, dessen Anlass die Danzigfrage und die Neuregelung der deutsch-polnischen Grenze waren. Bereits am 3. Sept. war der Deutsch-Polnische Krieg zum Weltkrieg ausgeweitet worden.

In Polen lebte seit Jahrhunderten eine deutsche Minderheit, die nun vonseiten des Reiches als Volksdeutsche für sich beansprucht wurden. Es erklärte, gleiches Blut gehöre in ein gemeinsames Reich und begann ab 1940, nach der Zerschlagung und Teilung Polens, zahlreiche deutsche Volksgruppen Osteuropas heim ins Reich zu führen. Dort wurden rund 900 000 Umsiedler in ehemals polnisches Sprachgebiet angesiedelt, nachdem rund 1,5 Mio. Polen vonseiten des Reiches in das von ihm errichtete Generalgouvernement zwangsumgesiedelt wurden.

Durch die chauvinistische Überbetonung der Begriffe deutsch, Deutscher und deutsches Volk, gepaart mit einem extrem aggressiven Reichsnationalismus und Imperialismus, wurden diese immer mehr ausgehöhlt und bedeutungslos. Hinzu kam, dass sie synonym für den Nationalsozialismus standen, in dessen Ideologie ein guter Deutscher immer ein guter Nationalsozialist sei.

1945–1990

Nachdem am 7./8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht erfolgt und mit der der II. Weltkrieg de facto beendet war, wurde der Begriff deutsches Volk von den Vier Mächten nur noch auf den Personen- und Gebietsstand des Altreiches angewandt. Diese Definition wurde auch 1949 von der Bundesrepublik Deutschland übernommen und wird formaljuristisch bis heute angewandt[5].

Deutsche Volkszugehörige außerhalb der von den Alliierten festgelegten Demarkationslinie galten nun nicht mehr automatisch als Teil eines deutschen Volkes. So wurden bspw. die Grenzlanddeutschen Mitteleuropas nun als Deutschsprachige, die Volksdeutschen in den osteuropäischen Sprachinseln als Deutschstämmige bezeichnet.
Diese Neueinteilung führte teilweise zu absurden Paradoxen: Die Deutschsüdtiroler bspw. gehören seit 1200 Jahren dem deutschen Sprach- und Siedlungsgebiet an, unterstanden Jahrhunderte dem Haus Habsburg und Südtirol wurde von Bayern aus kolonisiert. Dialektal gehören sie zur Gruppe des Bairisch-Österreichischen.
Doch als die nördlich von ihnen benachbarten Österreicher ab 1955 begannen, sich nicht mehr als Deutsche zu betrachten, sondern vielmehr eine ausgeprägte österreichische Identität ausprägten, bezeichneten sich die Deutschsüdtiroler weiterhin als Deutsche[6], wenn heute auch bei ihnen sich immer mehr die Ansicht durchsetzt, sie seien lediglich kulturdeutsch.

Zur Zeit des Kalten Krieges, und der damit verbundenen deutschen Teilung, wurden vonseiten der BR Dtschld. die Begriffe Deutschland, Deutscher und deutscher Volkszugehöriger verbindlich in deren Grundgesetz definiert.
Der Statusdeutsche wird dort über Art. 116.1 über die deutsche Staatsangehörigkeit und Deutschland mit dem Deutschen Reich in den Grenzen vom 31. Dez. 1937 festgelegt.

Mit Abschluss der deutschen Ostverträge (1970/73) engten sich dort diese Begriffe immer mehr auf den Bundesdeutschen und dem westdeutschen Teilstaat ein, indes bereits in der DDR 1967 der Begriff DDR-Bürger eingeführt wurde. In der DDR galt Deutschland bereits als historischer Begriff, da es lt. Staatsdoktrin 1945 unterging.

1990–heute

Mit dem beginnenden Zusammenbruch des Ostblocks (1989/89) erwachte in den DDR-Bürgern wieder ein erstarktes Nationalbewusstsein und diese wurden sich ihres deutsch sein bewusst; vor allem die DDR-Bürger waren es, die als Erste wieder die deutsche Wiedervereinigung und die Wiederherstellung eines demokratischen Gesamtdeutschlands forderten.

Im Sommer 1990 begannen zwischen den Vier Mächten und den Vertretern beider Teilstaaten die Pariser Gespräche, die in den Zwei-plus-Vier-Verträgen endeten und in deren Folge am 3. Okt. die staatliche Vereinigung von Bundesrepublik und der DDR stand.
Nach Ansicht aller Beteiligten bildete diese Vereinigung den Abschluss der deutschen Frage.

Das in den Verträgen definierte vereinigte Deutschland nimmt seitdem für sich in Anspruch, vom Personen- und Gebietsstand her, mit dem Deutschen Reich als deutschen Nationalstaat völlig identisch zu sein, ohne jedoch dass diese Gebietsidentität völkerrechtlich erklärt wurde.

Noch in den frühen 1990er Jahren schloss die um die DDR vergrößerte Bundesrepublik mit seinen östlichen Nachbarstaaten diverse Grenzverträge ab, ohne dass dazu eine völkerrechtliche Legitimität bestand, da das Potsdamer Abkommen vom 2. Aug. 1945 ganz klar definierte, dass Grenzberichtigungen bzw. die Festlegung der deutschen Außengrenzen einzig und allein einem Friedensvertrag zwischen dem Reich (in den Grenzen von 1937) und den Alliierten vorenthalten bleibt.

Aus diesem Grund begann die Bundesregierung zu propagieren, dass ein Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Kriegssiegern nicht mehr vonnöten sei, da der Zwei-plus-Vier-Vertrag im Grunde die Funktion eines Friedensvertrages ausübe. Dabei verschwieg sie dem deutschen Volk jedoch das Zusatzprotokoll, wo die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) den Vier Mächten zustimmte, dass die Forderung nach einem Friedensvertrag oder einer friedensvertraglichen Regelung offenbleibe.

Noch in den Zwei-plus-Vier-Gesprächen wurde festgelegt, dass die Präambel des Grundgesetzes dahin gehend zu verändern sei, dass dieses nun „für das gesamte Deutsche Volk“ gelten würde.
Dabei ist allein die Erwähnung Brandenburgs absurd, da mit der Neumark (Ostbrandenburg) ein Drittel Brandenburgs unter polnischer Zivilverwaltung steht und dort noch heute eine kleine deutsche Minderheit lebt; das Gros der deutschen Bevölkerung wurde 1945/50 von dort vertrieben. Doch wie alle Deutschen in den Oder-Neiße-Gebieten besitzt auch diese Volksgruppe den Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit, da sie als Deutsche nach Art. 116.1 GG als Statusdeutsche gelten.

Seit Ende der 1990er Jahre besitzen die Deutschen in den Ostgebieten sowohl den bundesdeutschen Personalausweis als auch den Reisepass. Da sie jedoch weiterhin im Besitz der polnischen Staatsangehörigkeit sind, werden sie in der Allgemeinheit heute nur noch als deutschstämmig und nicht mehr als Zugehörige des deutschen Volkes betrachtet.
Seit dem 3. Okt. 1990 herrscht allgemein die Auffassung, dass sich das deutsche Volk nur noch aus den Inhabern der deutschen Staatsangehörigkeit zusammensetzt: 60 Mio. sind sog. Stammdeutsche, das heißt, 'Deutsche nach Abstammung, indes etwa 21 Mio. sog. Passdeutsche sind, die aus eingebürgerten Migranten gebildet werden.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache, Analysen und Perspektiven „Geschichte und Staat“ (Sonderreihe Band 1), Günter Olzog Verlag München – Wien, 1979, ISBN 3-7892-7180-2
  • Jürgen Mirow: Geschichte des deutschen Volkes. Von den Anfängen zur Gegenwart, Casimir Katz Verlag Gernsbach, 1990, ISBN 3-925825-34-7
  • Imanuel Geiss: Die deutsche Frage 1806–1990, Meyers Forum, B. I. Taschenbuchverlag Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich, 1992, ISBN 3-411-10151-2

Fußnoten

  1. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 11
  2. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 34
  3. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 35
  4. „Das Reichsgebiet besteht aus den Gebieten der deutschen Länder. (...)“, Artikel 2 der Weimarer Reichsverfassung, abgerufen am 25. Mai 2014.
  5. „Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.“ (Art. 116.1 GG)
  6. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 37


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