Deutschland (ethnografisch)

Dieser Artikel behandelt die ethnografisch-soziologische mitteleuropäische Großlandschaft. Für den heutigen deutschen Staat siehe: Deutschland.


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Deutschland [ˈdɔɪ̯ʧlant] (Abk. Dtschld., Dtld.) sg., Substantiv, Neutrum. Bis 1949 existierte kein Staatswesen, das den Begriff Deutschland im Staatsnamen trug. Vielmehr stand bis zur Gründung des Deutschen Reiches der Eigenname Deutschland für ein ethnografisch-soziologisches Konzept, das auf Basis eines ethnisch-sprachlichen bzw. sprachlich-kulturellen Nationalismus fußte und dass das geschlossene deutsche Sprach- und Siedlungsgebiet Mitteleuropas umfasste und dieses als organische Einheit auffasste.

Mit Deutschland wird seit dem Mittelalter eine europäische Großlandschaft verstanden, deren Grenzlinien weder sprachlich noch politisch fest zu definieren waren und die im Laufe der deutschen Geschichte mehrmals einen Bedeutungswandel unterworfen waren. Zur Zeit des Römisch-Deutschen Reiches umfasste Deutschland alle Reichsgebiete, die nicht zu Burgund oder Reichsitalien gehörten; es umfasste somit alle Gebietsteile, die im deutschen Königreich organisiert waren.
Nach dessen Untergang (1806) wurde Deutschland von der damaligen Deutschen Nationalbewegung als übernational aufgefasste Einheit verstanden, für die der Begriff deutsche Sprach- und Kulturnation trat.

Die Singularform Deutschland setzte sich im deutschen Sprachraum erst ab 1486 durch; zuvor wurde nur die Pluralform deutsche Lande verwendet, die heute noch als Werbeformel aus deutschen Landen bei den Deutschen einen großen qualitativen Stellenwert besitzt, da sie eine ausgesprochene Qualität suggeriert.

Nach der Politisierung des Begriffes und dessen Einschränkung auf das politische Staatswesen, dass sich seit den 1880er Jahren schlechthin als Deutschland bezeichnete, kam für die bisherige Großregion der Name Mitteleuropa auf.[1] Beiwort ist deutsch.

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Etymologie

Deutschland als Eigenname ist ursprünglich völlig apolitisch und bedeutete schlicht, das Land der Deutschen oder das von Deutschen bewohnte Gebiet. Es war die Kurzbezeichnung für deutsches Sprach- und Siedlungsgebiet, die ab 1486 zur offiziellen Bezeichnung des mittelalterlichen deutschen Reiches wurde.

Bedeutungswandel im Laufe der Geschichte, Problematik, Lösungsansätze

Bedeutungswandel im Laufe der Geschichte

Im Frühmittelalter, als verschiedene westgermanische Volksstämme durch den Frankenstamm unterworfen und in dessen Reich eingegliedert wurden, gab es Deutschland als solches noch nicht. Dessen Frühgeschichte kann erst mit den fränkischen Teilungsverträgen (ab 843) angesetzt werden, als das fränkische Gesamtreich in einen westlichen, mittleren und östlichen Bereich zerfiel.

Ab dem 10. Jh. begannen die germanischsprachigen Volksstämme des aus dem Ostfrankenreich hervorgehenden deutschen Königreiches eine gemeinsame ethnische Identität auszubilden, die sich v. a. sprachlich-kulturell definierte und aus diesen Germanen wurden in den nächsten fünf Jahrhunderten Deutsche, zu denen sich auch heutige nicht deutsche Ethnien wie Niederländer und Friesen bekannten. Deutsch zu sein bedeutete damals schlicht noch die germanische Volkssprache zu sprechen und sich so von den inzwischen romanisierten Westfranken abzugrenzen, aus denen in der Folgezeit die Franzosen hervorgingen.

Im 15. Jh. definierte sich das Römisch-Deutsche Reich schlicht als Deutschland und nahm nun den Namenszusatz der deutschen Nation auf, sodass die nunmehrige Vollbezeichnung Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation lautete. Der vermeintliche Gegensatz durch die Nennung der volksbezogenen Attribute römisch und deutsch lässt sich wie folgt aufschlüsseln: Römisch war das Reich durch seine universelle Staatsidee, deutsch war es, da das staatstragende Volk nur noch durch die Deutschen gebildet wurde.[2] Hinzu kam, das fast zeitgleich der Römisch-Deutsche Kaiser sich nicht mehr vom Papst in Rom krönen ließ, sondern dass dieser Titel nur noch durch Wahl der Reichsfürsten vergeben wurde. So wurde aus dem Deutsch-Römischen Kaiser ein aus Gottes Gnaden erwählter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches der Deutschen Nation.

Durch das der Deutsche König nicht mehr durch den Papst in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, sondern dass ihm der Titel nun in der Regel über Erbe zufiel, hatte Deutschland auf der einen Seite die staatliche Souveränität des bisherigen Reichsitaliens und auf der anderen Seite die sich herausbildenden Nationalstaaten Westeuropas anerkannt. Offiziell blieb zwar das Römisch-Deutsche Reich bis zu seiner Auflösung ein Nationalitätenstaat, de facto war es nur noch ein deutsches Reich.

Nach der Auflösung des mittelalterlichen deutschen Reiches trat ab 1815 der Deutsche Bund an dessen Stelle, der für sich in Anspruch nahm, Deutschland zu repräsentieren. Dieser Anspruch war schon zuvor vom kurzlebigen Rheinbund erhoben worden, ohne das dieser vom deutschen Volk jedoch anerkannt wurde.
Durch die politische Gleichsetzung von Deutscher Bund und Deutschland bekam Letzteres nun eine zweifache Bedeutung: Zum einen beschrieb Deutschland nach wie vor das von Deutschen bewohnte Sprachgebiet, zum anderen beschrieb es nun auch das überwiegend von Deutschen bewohnte Gebiet, dass sich nun staatlich-politisch organisiert hatte und außerhalb seiner Grenzen noch eine große Anzahl Deutscher beließ, die ihm nicht angehörten.

Nach dem Ende des Deutschen Bundes (1866/67) wurde die Bezeichnung Deutschland v. a. auf den Norddeutschen Bund übertragen, der bereits nationalstaatliche Strukturen auf der Basis seines bundesstaatlichen Charakters aufwies. Mit der Gründung des Deutschen Reiches (im Winter 1870/71) wurde das nunmehrige Deutsche Kaiserreich zum deutschen Nationalstaat deklariert und von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen auch so aufgefasst. Außen vor blieben nun die Vertreter der großdeutschen Idee, die nach wie vor der Ansicht waren, dass die geschlossen deutschen Siedlungsgebiete Österreich-Ungarns (Deutschösterreich) einem deutschen Nationalstaat angehören müssen. Dem gegenüber standen wieder um deutsche Volkszugehörige, die nun in eigenständigen Nationalstaaten wie der Schweiz, Luxemburg oder Liechtenstein lebten, die die groß- und alldeutschen Bestrebungen mancher Bevölkerungskreise im Reich und in Österreich-Ungarn strikt ablehnten.

Ab den 1880er Jahren hatte sich allgemein die Ansicht durchgesetzt, dass mit Deutschland nur noch der deutsche Nationalstaat in seinen jeweiligen Grenzen anzusehen war:

Problematik

Mit der deutschen Nationalstaatsgründung bestand das Problem, inwieweit die deutschen Sprach- und Siedlungsgebiete außerhalb des Deutschen Reiches noch zu Deutschland gehörten. Ebenfalls stritt sich die Sprachwissenschaft darum, ob das friesisch-niederländische Sprachgebiet deutsch oder nicht deutsch sei.
Germanistik und Niederlandistik gingen noch in den 1880er Jahren davon aus, dass diese, insbesondere das niederländische, ein organischer Teil des deutschen Sprachgebietes, genauer des niederdeutschen sei. Beide führten an, dass der Eigenname des Neuniederländischen noch bis 1815 Duytsch bzw. Nederduitsch gewesen sei und dass dessen Entstehung eine unmittelbare Folge der Sprachtrennung mit dem Niederdeutschen gewesen sei.

Erschwerend kam hinzu, dass deutsche und niederländische Dialekte in einem engen Dialektkontinuum standen und das es zur damaligen Zeit schier unmöglich war, sauber zwischen ihnen zu trennen, zumal die deutsch-niederländische Sprachgrenze sich erst 1815–1860 ausgebildet hatte und dass das Niederländische in Teilen des Niederrheins oder Nordwestdeutschlands lange Zeit die vorherrschende Kultursprache gewesen ist.

Lösungsansätze

Bis etwa in die 1960er Jahr hinein verstand man in Germanistik und Niederlandistik unter dem Begriff deutsches Sprachgebiet den räumlichen Geltungsbereich des Kontinentalwestgermanischen, der in einen friesischen, einen niederländischen und einen deutschen Dialektbereich gegliedert wurde. Zudem wird seitdem das Friesische in Dialektkarten immer in einer Sonderfarbe dargestellt, um so auf seine besondere Randrolle hinzuweisen. Für das niederländische Dialektgebiet wurde es Usus, hier von einem niederdeutschen Sprachgebiet in Holland und Belgien zu sprechen, obgleich Niederländisch und Deutsch (trotz ihrer gemeinsamen westgermanischen Herkunft) schon lange nicht mehr als linguistische Einheit, sondern als Schwesternsprachen verstanden wurden, die insbesondere bis 1648 in einem engen Sprachkontakt standen und sich gegenseitig sprachlich beeinflussten.

Allgemeine Definitionsmöglichkeiten

Wie bereits oben ausgeführt, gilt heute als obsolet, dass Deutschland schlicht das von Deutschen bewohnte oder das von der deutschen Sprache geprägte Gebiet darstellt, welches sich sprachlich-politisch nicht fest umreißen ließe.
Der erste Staat, der sich offiziell Deutschland nannte, war nach allgemeiner Auffassung gar keiner: Das 1806 aufgelöste Römisch-Deutsche Reich gilt heute lediglich als Staatenverbund, dessen einigende Klammern das Christentum und der Papst als höchste religiöse sowie der Römisch-Deutsche Kaiser als höchste weltliche Macht darstellten.

Im späten 19. und frühen 20. Jh. begann man vonseiten der Völkischen, Deutschland in einem weiteren und engeren Sinn zu definieren, wie nachfolgende Zitate aufzeigen:

„Deutschland, 1.) im weitesten Sinn das deutsche Sprachgebiet in Mitteleuropa einschließlich der Sudetendeutschen, Deutschschweizer und Deutschösterreicher; 2.) im engeren Sinn soviel wie Deutsches Reich.“

Meyers Lexikon (1924), zitiert nach Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel“, S. 40

„Deutschland, das Land der Deutschen, das den Bereich der deutschen Sprache, das zusammenhängende Siedlungsgebiet der Deutschen in Mitteleuropa umfaßt. Deutschland ist also ein volklicher Begriff, der […] eine Sprach- und Kulturgemeinschaft ausdrückt, und zu unterscheiden von dem Begriff des Deutschen Reiches, dem politisch umgrenzten Staat in seinem jeweiligen Umfang.“

Der Große Brockhaus (1929), zitiert nach Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel“, S. 40/41

„Deutschland ist das Land, dem das deutsche Volk durch sein Volkstum, seine Arbeit und Kultur das deutsche Antlitz gegeben hat. […] Man darf den Begriff Deutschland nicht mit dem Begriff Deutsches Reich gleichsetzen. Deutschland ist ein landschaftskundlicher, Deutsches Reich ein staatsrechtlicher Begriff.
Deutschland ist größer als das Reich. Es umfasst den gesamten deutschen Volks- und Kulturboden. Es ist gekennzeichnet durch die deutsche Kulturlandschaft, die unser Volk im Laufe eines Jahrtausends geschaffen hat und die vom übrigen Europa scharf abgegrenzt und unterschieden ist. Diese Landschaft — der deutsche Kulturboden — erstreckt sich über das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet hinaus auf den Wohnraum anderer Völker.“

Rupert von Schumacher: „Deutschlandfibel. Volk, Raum und Reich“ (1935), zitiert nach Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel“, S. 41

Verfassungs- und staatsrechtliche Definition, alliierter Deutschlandbegriff

Als politisches Deutschland [poˈliːtɪʃəs ˈdɔɪ̯ʧlant] beschreibt man seit dem 19. Jh. die verfassungs- und staatsrechtliche Organisation der Deutschen Europas und der Eigenname Deutschland erscheint erstmals in der in Wien abgeschlossen Deutschen Bundesakte, die den Deutschen Bund als Nachfolger des mittelalterlichen deutschen Reiches begründete. Damit bestand jedoch bei der deutschen Bildungselite und dem einfachen Volk die nationale Frage weiter, da dieser völkerrechtliche Verein nicht deren politischen Forderungen nach einem zentralistisch-unitarischen Nationalstaat entsprach. Deutschland wurde nun zum Inbegriff der Deutschen Frage des 19. Jh.s, die sich über das 20. Jh. (1918/38 und ab 1945) erstreckte.
Vor der Gründung des Deutschen Reiches wurde Deutschland immer mit dem Erstreben eines einheitlichen deutschen Nationalstaates verbunden, der dann auch im Winter 1870/71 verwirklicht wurde, aber der etwa 35 v. H. Deutschen nun außerhalb seiner Reichsgrenzen ließ und dafür Mio. sog. Fremdvölkischer einschloss.

Wie ebenfalls schon erwähnt, wurde ab den 1880er Jahren Deutschland schlicht mit dem Deutschen Reich gleichgesetzt und diese juristisch nicht korrekte Gleichsetzung ist einer der Gründe, dass nach dem I. Weltkrieg von der Triple Entente festgelegt wurde, dass Deutschland als Staat (sig!) die Alleinschuld am Weltkrieg übernehmen sollte. Das völkerrechtliche Problem war nur: Es existierte bis 1949 kein Staat namens Deutschland, da der rechtmäßige Name des deutschen Nationalstaates bis 1945 Deutsches Reich lautete.

Auch nach 1945 sahen die siegreichen Alliierten in Deutschland nur das Deutsche Reich, dessen Außengrenzen sie auf den 31. Dez. 1937 festlegten:

„Deutschland bedeutet das Deutsche Reich wie es am 31. Dezember
 1937 bestanden hat.“

SHAEF-Gesetz Nr. 52, Artikel VII (e) – Begriffsbestimmung „Deutschland“.

Die späteren Kriegssieger hatten sich bereits im Febr. 1945 auf der Krimkonferenz geeinigt, dass sie alle Gebietserweiterungen des Reiches, die zwischen 1938/42 stattfanden, für völkerrechtswidrig erklärt wurden und das im Aug. 1945 abgeschlossene Potsdamer Abkommen stellte fest, dass Deutschland geteilt und in Besatzungszonen gegliedert werde. In einem späteren Friedensvertrag sollte dann die Frage der deutschen Grenzen endgültig geklärt werden.

Innerhalb Deutschlands in den Grenzen von 1937 gehörten auch die Oder-Neiße-Gebiete, die im Aug. 1945 überwiegend einer polnischen Zivilverwaltung unterstellt wurde, indessen das nördliche Ostpreußen verwaltungstechnisch der UdSSR angegliedert wurde. Aus den drei Westzonen wurde die Trizone und aus dem mitteldeutschen Bereich die Sowjetische Besatzungszone gebildet und bis zum Sommer 1945 war die deutsche Wohnbevölkerung der Oder-Neiße-Gebiete, die 1939 noch rd. 9,6 Mio. betragen hatte, bis auf etwa 1,1 Mio. vertrieben wurden und bis 1989/90 kamen noch einmal rd. 200 000 Deutsche als Aussiedler in die damalige Bundesrepublik.

Nachdem die drei Westmächte am 23. Mai 1949 in ihrem Machtbereich das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland hatten in Kraft treten lassen, in dessen Folge sich am 7. Sept. die Bundesrepublik Deutschland konstituierte, erfolgte am 7. Okt. 1949 als Antwort der UdSSR die Errichtung einer Deutschen Demokratischen Republik.
Beide Teilstaaten erklärten sich zum Alleinvertreter des Deutschen Reiches und stritten sich gegenseitig das Recht ab, für das Reich zuständig zu sein und handeln zu können. Dennoch schloss das damalige DDR-Regime im Sommer 1950 mit Polen das Görlitzer Abkommen ab, in dem es der polnischen Regierung im Namen Gesamtdeutschlands zusicherte, dass die Oder-Neiße-Linie als sog. deutsch-polnische Friedensgrenze die völkerrechtliche polnische Westgrenze sei. Die damalige Bundesregierung legte darauf hin eine förmliche Protestnote ein und bestand auf die Tatsache, dass Deutschland bis zum Abschluss eines Friedensvertrages weiterhin in den Grenzen von 1937 bestünde.

„Gemäß dem Potsdamer Abkommen ist das deutsche Gebiet östlich von Oder und Neiße als Teil der Sowjetischen Besatzugszone Deutschlands der Republik Polen nur zur einstweiligen Verwaltung übergeben worden. Das Gebiet bleibt ein Teil Deutschlands. Niemand hat das Recht, aus eigener Machtvollkommenheit Land und Leute preiszugeben oder eine Politik des Verzichts zu treiben!“

Feierliche Erklärung aller Bundestagsfraktionen mit Ausnahme der KPD vom 13. Juni 1950

Und Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärte am 20. Okt. 1953 vor dem deutschen Bundestag:

„Das deutsche Volk wird niemals die Oder-Neiße-Linie als Grenze anerkennen!“

Ab den 1960er Jahren war Deutschland zudem offiziell Kurzbezeichnung der BR Dtschld., die damit ihren Anspruch aufrecht erhielt, alleiniger Vertreter Gesamtdeutschlands zu sein.

Doch mit der Regierungserklärung Willy Brandts (1969) schränkte sich sich der Gebrauch des Namens Deutschlands immer mehr auf das Gebiet der Bundesrepublik ein, sodass unter Deutschland nicht mehr Deutschland als Ganzes, sondern nur darunter noch die Bundesrepublik verstanden wurde. Zwar das Bundesverfassungsgericht in ständiger Rechtsprechung (1973) infolge der, von der Rot-Gelben Koalition abgeschlossenen, Ostverträge, dass das Deutsche Reich 1945 nicht untergegangen, sondern aufgrund der fehlenden Organe handlungsfähig geworden sei. Desgleichen sei die BR Dtschld. mit dem Reich teilidentisch:

„Es wird daran festgehalten (vgl. z. B. BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfG 5, 85 <126>), daß das Deutsche Reich den Zusammenbruch 1945 überdauert hat und weder mit der Kapitulation noch durch die Ausübung fremder Staatsgewalt in Deutschland durch die Alliierten noch später untergegangen ist; es besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation nicht handlungsfähig. Die BRD ist nicht ‚Rechtsnachfolger‘ des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat ‚Deutsches Reich‘, – in Bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings ‚teilidentisch‘.“

Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 31. Juli 1973 zu den Grundlagenverträgen.

Seit dem Beitritt beider Teilstaaten zur Charta der Vereinten Nationen (1973) verstand man unter Deutschland international nur noch das Gebiet der beiden Teilstaaten einschließlich Großberlins, die gemeinschaftlich Germany in der UNO vertraten.

Am 3. Okt. 1990 erfolgte der Zusammenschluss beider Teilstaaten zum vereinten Deutschland, dessen Grenzen im Zwei-plus-Vier-Vertrag verbindlich festgelegt wurden und in dem die Ostgebiete nicht mehr berücksichtigt wurden. Deutschland wurde nun allgemeiner Eigenname der um die DDR und Großberlin vergrößerte Bundesrepublik und löste bis 1993 die bisherige Kurzbezeichnung ab.

Geografie, Naturräume

Geografisch lässt sich Deutschland in einen nördlich, einen mittleren und einen südlichen Abschnitt einteilen, wobei ferner noch zwischen einem westlichen und östlichen Abschnitt unterschieden wird. Die Abgrenzung dieser Regionen bzw. Großlandschaften gestaltet sich schwierig, da deren Grenzen auch hier fließend sind. Die deutschen Großlandschaften, die sich von Nord nach Süd erstrecken sind:

Norddeutsche Tiefebene

Hauptartikel: Norddeutsche Tiefebene

Die Norddeutsche Tiefebene verläuft von Westen nach Osten und weist bis zu 300 m hohe Endmoräne der Eiszeit auf. Zwischen diesen verlaufen die Urstromtäler. Die Norddeutsche Tiefebene greift mit der Kölner, Westmünsterländischen, Sächsischen und der Schlesischen Bucht weit in die Zonen der Mittelgebirge hinein und wird zum einen in die westelbische und ostelbische Tiefebene geschieden.

Mittelgebirge

Hauptartikel: Mittelgebirge

Die deutschen Mittelgebirge umfassen die Hardt, das Pfälzer Bergland, den Schwarz- und Odenwald sowie den Spessart, die Schwäbische und Fränkische Alp. Aber auch der Bayrische sowie der Böhmerwald wird dieser Region zugerechnet. Daneben zählen auch das Rheinische Schiefergebirge, das Hessische und das Weserbergland, der Harz sowie der Thüringer und der Frankenwald zu den Mittelgebirgen. Aber auch das Fichtel-, Erz- und das Elbsandstein- sowie das Sudetengebirge zählen als Teil dieser geografischen Großlandschaft.

Alpenvorland

Das deutsche Alpenvorland zeichnet sich durch diverse Eigenschaften aus, die während der Eiszeit entstanden. Es erreicht eine Höhe zwischen 300 und 800 m und erstreckt sich von der Donau bis an den Alpenrand sowie vom Bodensee bis Österreich.

Alpen

Hauptartikel: Alpen

Das Alpengebiet bildet, gleich der Norddeutschen Tiefebene, ebenfalls eine Moränenlandschaft. Ihm werden jene deutschen Regionen zugeordnet, die sich südlich der Mittelgebirge befinden.

Klima, wichtigste Flüsse

Das deutsche Klima ist unterschiedlich: In Norddeutschland herrscht See-, im Nordosten und Süden Kontinentalklima. Die meisten deutschen Flüsse wie der Rhein, die Weser oder die Elbe enden in der Nordsee. Im Gegenzug enden Oder und Weichsel in der Ostsee sowie die Donau im Schwarzen Meer. Donau (2860 km), Rhein (1326 km), Elbe (1154 km) und Oder (903 km) gelten als wichtigste deutsche Flüsse, zu denen noch Weser-Werra (773 km), Mosel (545 km), Main (524 km) und Ems (371 km) hinzutreten.

Seen, wichtigste Berge

Als bedeutende deutsche Seen gelten Bodensee (538,5 qkm), Müritzsee (116,8 qkm) und Chiemsee (84,1 qkm), zu denen noch etliche kleinere Seen hinzutreten.
Zugspitze (2964 m), Watzmann (2714 m) und Mädelegabel (2646 m) gelten als Deutschlands höchste Berge, deren Höhe zwischen 2600 und 3000 m liegen. Darüber hinaus besitzt Deutschland etliche Berge, deren Höhe zwischen 1000 und 1500 m liegt; von diesen sind der Große Arber (1457 m), der Feldberg (1493 m), Fichtelberg (1213 m) und der Brocken (1143 m) sowie der Schneeberg (1051 m) am bekanntesten.

Grenzen

Deutschland (eng. Germany, frz. Allemagne) wird heute durch den deutschen Nationalstaat vertreten, dessen Grenzen aber zu keinem Zeitpunkt mit den Volkstums- und Sprachgrenzen zum einen sowie den geografischen Grenzen zum anderen deckungsgleich waren. So war das Territorium des mittelalterlichen deutschen Reiches des Jahres 1486 bedeutend größer als diese, das Kaiserreich von 1871 jedoch bedeutend kleiner.

Die politische Grenzen Deutschlands, die sich im Wesentlichen erst ab dem 19. Jh. herausgebildet haben, sind eine Folge kriegerischer Ereignisse, die heute als Einigungskriege bezeichnet werden.
Die mitteleuropäische Großlandschaft Deutschland, die aus deutscher Sicht ethnografisch-soziologisch das Herz des Kontinents darstellt, gilt als Region ohne fest definierbare politische und sprachliche Grenzen.
Wie schon unter Bedeutungswandel im Laufe der Geschichte, Problematik, Lösungsansätze angerissen, können für Deutschland sowohl sprachlich-ethnische als auch politische Kriterien verwendet werden, die sich zum einen ergänzen oder zum anderen ausschließen können.

Hauptstreitpunkte sind zum einen das bisherige völkische Prinzip der Zuordnung des friesisch-niederländischen Sprachgebietes zum deutschen, dass deutsche Gebietsansprüche aufgrund gemeinsamer Abstammung und Sprache rechtfertigen könnten, als auch die bis dato gültige Zugehörigkeit der deutschen Ostgebiete zu Deutschland, dessen politische Grenzen erst in einem Friedensvertrag mit den Alliierten und einer gesamtdeutschen Regierung neu definiert werden soll. So wurde noch im 19./20. Jh. noch in der Germanistik (und der völkischen Literatur) davon ausgegangen, dass das Niederländische einen — inzwischen verselbständigten — Sprachzweig des Deutschen bilde.

„Die Sprache dieser niederländischen Menschen bildete sich aus unterfränkischen, friesischen und niederdeutschen Bestandteilen und hat durchaus niederdeutschen Klang; (...)“

Ewald Banse in: „Buch der Länder. Abendland“ (1929), S. 139

Nordgrenze

Bis 1870/71 lag seit Jahrhunderten die deutsch-dänische Grenze an der Eider und Levensau, obgleich in den beiden Landschaften Schleswig und Holstein Deutsche, Friesen und Dänen teilweise in starker Gemengelage siedelten. In Schleswig galt jütisches Recht, in Holstein deutsches.[3] Doch wurde die Eidergrenze, die kurzweilig mit einer Grenzlinie zwischen Eider und Schlei konkurrierte, von den Deutschen nie richtig als nationale Grenze wahrgenommen. Vielmehr deklarierte man die gesamte jütische Halbinsel noch weit ins 17. Jh. hinein als einen organischen Teil Niederdeutschlands[4], zumal auch das Römisch-Deutsche Reich als solches im dänischen Königtum seinen Vasallen sah.

Im 19. Jh. wurde die deutsch-dänische Grenze von beiden Seiten zunehmend politisiert und die Schleswig-Holstein-Frage wurde nun Teil der damaligen deutschen Frage: 1864 wurde die deutsche Nordgrenze nach dem Sieg einer preußisch-österreichischen Koalitionsarmee an die Königsau verlegt, derweil nationaldänisch gesinnte Kreise forderten, dass diese an der Südgrenze Holsteins zu ziehen sei, was wiederum für die Deutsche inakzeptabel war. Auffällig ist jedoch, dass die Nordfriesen nicht befragt wurden. Es scheint, dass es Deutschen und Dänen egal war, unter welcher staatlichen Ordnung die friesische Volksgruppe leben wollte. Aber es darf aufgrund ihres späteren Abstimmungsverhaltens daraus geschlossen werden, dass auch die Nordfriesen sich für die deutsche Seite entschieden hätten. Doch bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches (1870/71) galt offiziell die Eidergrenze als deutsche Nordgrenze. Erst ab da griff die Königsau als völkerrechtlicher Grenzfluss zwischen Deutschland und Dänemark.

Nach dem verlorenen I. Weltkrieg setzte sich Dänemark dafür ein, dass im Versailler Vertrag die Klärung der deutsch-dänischen Grenze aufgenommen wurde. Dabei berief es sich auf eine, von Preußen ihm zugesicherten, Volksabstimmung. In deren Folge hätten sich die Dänen in Schleswig-Holstein entscheiden können, ob sie mit der Angliederung ihrer Heimat an Preußen hätten anfreunden können oder nicht. Aber Preußen hatte sich nicht an diese Vereinbarung gehalten.
Nach dieser 1920 durchgeführten Volksabstimmung wurde die neue deutsche Nordgrenze teilweise zuungunsten der Weimarer Republik festgelegt, sodass 40 000 Deutsche nun als deutsche Minderheit in Dänemark lebten. Dennoch wurde diese Grenzziehung von allen deutschen Reichsregierungen anerkannt, auch vom NS-Regime, sodass die aktuelle deutsch-dänische Grenze eine der beständigsten Grenzen Europas gilt.

Westgrenze

Die deutschen Grenzen im Westen waren Jahrhunderte lang zwischen Deutschen und Franzosen umstritten, obgleich diese ihre Anfänge in den fränkischen Teilungen haben. Doch galt die damalige deutsch-französische Grenze nicht als national-politische, sondern als sprachlich-kulturelle Grenzlinie: Auf der einen Seite lebten Westfranken im romanischen Umfeld, deren Sprache letztlich im Altfranzösischen aufging, auf der anderen Seite lebten Romanen in einem germanisch-deutschen Umfeld, deren Sprache letztendlich im Althochdeutschen und im Altniederdeutschen aufging. Zudem waren sie noch im Christentum und im römischen Reichsgedanken miteinander vereint.

Der nördliche Grenzverlauf galt bis ins 16. Jh. als stabil, derweil er in allen anderen Positionen immer in Bewegung blieb. Weder die heutige deutsch-niederländische als auch die deutsch-belgische Grenze stellen keine natürliche Hindernisse, sondern sind wie die deutsche Nordgrenze offen. Nähme man das deutsch-niederländische Dialektkontinuum zur Basis einer deutschen Westgrenze, so wäre diese bis heute an der Nordsee zu ziehen und würde Französisch-Flandern mit einbeziehen, da sich das Niederländische in Nordfrankreich fortsetzt.

Die Verträge von Verdun [Wirten] und Ribemont (879/80) legten die deutsche Westgrenze an der Schelde-Mosel-Saône-Rhône-Linie fest, die im Wesentlichen bis 1648 galt.
Obgleich die damalige deutsche Westgrenze unter zahlreichen Auflösungserscheinungen litt, deutsche Gebietsverluste erfolgten in der Regel immer zugunsten des benachbarten Frankreichs, konnte sie im 15. Jh. an die Südgrenze der Grafschaft Flanderns verschoben werden, wo die dann bis 1659/78 verblieb.

Bis 1795 war die deutsche Westgrenze im Wesentlichen auf die heutige französisch-belgische und deutsch-französische Grenze zurückgenommen worden, wobei die deutsch-niederländische Grenze schon 1648 völkerrechtlichen Charakter erhalten hatte und 1801 erkannte das Römisch-Deutsche Reich alle Territorialerweiterungen Frankreichs auf deutschen Boden an, die zwischen 1794 und 1798 erfolgt waren und damit wurde die deutsche Westgrenze auf die Rheinlinie zurückgenommen, was bedeutete, dass das ganze linksrheinische Gebiet an Frankreich fiel.

1815 wurde auf dem Gebiet des 1806 aufgelösten Römisch-Deutschen Reiches der Deutsche Bund begründet, der die Rechtsnachfolge des Reiches antreten sollte. Bei der Grenzziehung zwischen den Niederlanden, Frankreich und des Deutschen Bundes orientierte man sich an den Grenzen von 1795, indes die Kreisgrenze des Burgundischen Kreises zur Basis der deutsch-niederländischen Grenze herangezogen wurde.
1839 wurde das niederländische Herzogtum Limburg zwischen Belgien und den Niederlanden geteilt; der niederländische Teil wurde als Deutsch-Limburg in den Deutschen Bund aufgenommen, sodass die Maas nun zum Grenzfluss wurde. (→ Das Lied der Deutschen)

Die deutsch-luxemburgische Grenze, die nahtlos in die deutsch-französische übergeht, haben ebenfalls einen offenen Charakter: Sowohl Luxemburg als auch Deutschlothringen gelten allgemein als Teil des mitteldeutschen Sprachgebietes und die dort vorherrschenden Dialekte haben den Charakter von Übergangsdialekten innerhalb der deutschen Dialekte.

Deutschlands politische Westgrenzen endet heute an den Grenzen der Beneluxländer und Frankreichs. Doch ist es seit 1918/20 umstritten, ob Elsass-Lothringen noch heute zum deutschen oder bereits zum französischen Nationalstaat gehört. Allgemein wird vom Letzteren ausgegangen, da vonseiten aller bundesdeutschen Regierungen die Zugehörigkeit des ehemaligen Reichslandes zu Frankreich nie offen infrage gestellt wurde, um die Westbindung Deutschlands nicht zu gefährden. Dennoch wurde am 10. Jan. 1959 folgender Passus in einem sowjetischen Friedensvertragsentwurf aufgenommen, der Deutschland als Ganzes explizit dazu verpflichten sollte, die deutsch-französische Grenze endgültig anzuerkennen:

„Deutschland erkennt an, daß das Territorium Elsaß-Lothringen ein Bestandteil der Französischen Republik ist. (…)“

Artikel 11 des sowjetischen Friedensvertragsentwurfs vom 10. Jan. 1959.

Eine Folge der nationalsozialistischen Unterdrückungspolitik der 1940er Jahre war, dass sich die deutschsprachige Bevölkerung in den Grenzgebieten heute nicht als deutsch empfindet, sondern zu loyalen Staatsbürgern ihrer Heimatstaaten geworden sind:
Das Großdeutsche Reich Adolf Hitlers hatte ab 1940 diese Gebiete anfänglich einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt, die später durch eine Militärverwaltung abgelöst wurde. De jure galten die besetzten Gebiete weiterhin als Ausland, doch de facto wurden sie annektiert und damit galten die bestehenden Grenzen als aufgehoben. Heute betonen Deutschbelgier, Deutschluxemburger und Elsass-Lothringer ihre regionalen Besonderheiten, indem sie ihre Frankofonie betonen.

Südgrenze

Hauptartikel: Deutsche Südgrenze und Österreichfrage

Auch das Alpengebiet stellt nicht die Südgrenze Deutschlands dar; vielmehr wird diesem im Allgemeinen die Schweiz als Gesamtstaat zugerechnet, die ihre völkerrechtliche Staatssouveränität erst mit dem Westfälischen Frieden (1648) erhielt. Im engeren Sinne darf nur die Deutschschweiz, d. h. die deutsch besiedelte Zentralschweiz, als integraler Teil Deutschlands angesehen werden, da diese als Grenzland unmittelbar mit dem deutschen Sprachgebiet verbunden ist. Im Wesentlichen kann man feststellen, dass die Berner Alpen und der Vorderrhein die natürlichen Grenzen Süddeutschlands bilden.

Aber auch das zwischen der Schweiz und Österreich befindliche Liechtenstein gilt als organischer Teil Deutschlands und dieses setzt sich auch auf italienischem Staatsgebiet fort, indem es dort geografisch Deutschsüdtirol einfordern und sich auch die ethnische Identität der Deutschsüdtiroler berufen kann.

Deutschland endet im Süden traditionell erst an der Salurner Klause, die einst im Mittelalter die Dialektgrenze zwischen dem Langobardischen und dem Altbairischen bildete. Seit dem Sprachwechsel der Langobarden verläuft dort seitdem die deutsch-italienische Sprachgrenze.

Die Drei-Ländergrenze des Bodensees wurde völkerrechtlich nie verbindlich festgelegt. De facto wird sie aber von den betroffenen Anrainerstaaten in der Seemitte gezogen. Seit 1871 endet der deutsche Nationalstaat im Süden an der deutsch-schweizerischen und deutsch-österreichischen Grenze.

Die politische und geografische Zugehörigkeit Liechtensteins und der österreichischen Reichshälfte zu Deutschland stand bis zur Auflösung des Deutschen Bundes nie infrage: Sowohl Liechtenstein als auch das alte Österreich gehörten ihm bis zum Deutschen Bruderkrieg an und beide wurden erst danach von der weiteren deutsche Nationalstaatsbildung ausgeschlossen. Aus Liechtenstein und Deutschösterreich ging nun das sog. Grenzlanddeutschtum hervor.

1866/67–1871 wurde die politische deutsche Südgrenze durch die Mainlinie gebildet, wodurch Nord- und Mitteldeutschland von den süddeutschen Staaten getrennt wurden. Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) endete Deutschland politisch an der neu entstandenen deutsch-österreichischen Grenze.

Ab 1882 war die Deutschnationale Bewegung in Österreich bestrebt, die deutschen Siedlungsgebiete der Habsburgermonarchie politisch-wirtschaftlich dem Deutschen Reich anzuschließen. Nach der bedingungslosen Kapitulation Österreich-Ungarns wurde am 30. Okt. 1918 die parlamentarische Republik Deutschösterreich ausgerufen, die am 11. Nov. die Monarchie für abgeschafft und einen Tag später den völkerrechtlichen Eintritt ihres Staatsgebietes in das Deutsche Reich erklärte.

Die Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain verboten das Selbstbestimmungsrecht der Deutschösterreicher und der Sudetendeutschen. Letztere wurden von Österreich abgetrennt und der Tschechoslowakei übergeben, indes dort nun die Nationalsozialisten an Einfluss gewannen und weiterhin für die Anschlussfrage eintraten. 1938 wurden Österreich und das Sudetenland vom Reich übernommen und eingegliedert. Inwiefern dieses völkerrechtswidrig war, gilt allgemein als umstritten; heute wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass es sich hierbei um eine rechtswidrige Annexion gehandelt habe.

Eine berechtigt umstrittene Zuordnung Deutschlands stellt das heutige Slowenien dar: Dieses stand seit dem 9. Jh. unter deutschem Kultureinfluss, war bis 1806 Teil des Römisch-Deutschen Reiches und gehörte auch 1815/67 zum Deutschen Bund.
Von 1867 bis Okt. 1918 war Slowenien Bestandteil der Donaumonarchie und schloss sich dann dem neu gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen an.

Unter der NS-Herrschaft wurden in Slowenien die Grenzen neu gezogen, als dieses am 14. April 1941 zwischen Italien, Ungarn und dem Reich aufgeteilt wurde: Die Oberkrain und die Untersteiermark fielen an das Reich, während Italien und Ungarn angrenzende Gebiete annektierten.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurden die deutschen Südgrenzen wieder auf den Gebietsstand vom 31. Dez. 1937 zurückgenommen.

Ostgrenze

Hauptartikel: Deutsche Ostgrenze

Die deutsche Ostgrenze gilt als eine der kompliziertesten und instabilsten Grenzen Europas, da sie aufgrund der unzureichenden Germanisierung dieser Gebiete seit jeher umstritten war. Im Mittelalter wurde sie durch die Elbe-Saale-Böhmerwald-Adria-Linie gebildet, die zum einen die Ostgrenze germanisch-romanischer Besiedlung gegenüber den slawischen Völkern und Ungarn bildete.

Im Zuge der deutschen Ostsiedlung und anschließender Siedlungsbewegungen wurde diese Grenze weit nach Osten ausgedehnt und infolge freiwilliger Assimilation oder auch staatlicher Germanisierungspolitik slawischer Bevölkerungsgruppen wurde das slawische Sprachgebiet drastisch dezimiert.
Doch anders als in Mitteldeutschland setzte sich hier das Deutschtum nicht vollständig durch, sodass Deutsche wie slawische Völker vielfach in wilder Gemengelage lebten, was nach dem I. Weltkrieg die Ziehung eindeutiger Sprachgrenzen erschwerte bzw. unmöglich machte.

Die Grenze zum mittelalterlichen polnischen Königreich wurde 919–1125 durch die Oder-Queis-Bober-Linie gebildet.
Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches wurde die deutsche Ostgrenze durch eine Linie definiert, die durch folgende Städte und Flüsse gebildet wurde: Fiume-Kulpa-Sawe-Drau-Mur-Radkersburg-Raab-Wiener Neustadt-Leitha-Preßburg-March-Trentschin-Jablunka-Bielitz-Beuthen-Prosna-Punitz-Lissa-Fraustadt-Züllichau-Schwiebus-Warthe-Driesen-Draheim-Bütow-Lauenburg-Ostsee.

Als der Deutsche Bund gegründet wurde, orientierte man sich auch bezüglich der deutschen Ostgrenzen am Gebietsstand des Jahres 1795; abweichend davon wurden nun aber auch das Draheimer-, Bütower- und Lauenburger-Ländchen aufgenommen, die 1648/57 an Brandenburg-Preußen gefallen waren.

1866/67–1871 endete der Norddeutsche Bund, Vorläufer des deutschen Nationalstaates, an der damaligen preußisch-russischen Grenze, aus der dann nach dem I. Weltkrieg die deutsch-polnische und deutsch-litauische Grenze hervorgehen sollte. Grenzflüsse wurden nun Prosna und Drewenz sowie die Memel im Nordosten. Hier zeigte sich, wie eng die deutsche Frage mit der polnischen verknüpft war, griffen beide Volkstümer doch jeweils weit in das jeweilige andere hinein.

Besonders von dieser Gemengelage betroffen waren die preußischen Provinzen West- und Ostpreußen sowie das damalige Großherzogtum Posen, wo Polnisch als zweite Amtssprache zugelassen war. Dabei war es offensichtlich, dass in den gemischsprachigen Regionen die Deutschen überwiegend in den Städten und die Polen in den ländlichen Gebieten wohnten. Ausnahme bildeten nur die Industriestädte Kattowitz und Oppeln, die ebenfalls zweisprachig waren, in denen aber überwiegend Polen wohnten.
Indes traten bei der deutschen Revolution (1848/49) Forderungen auf, die außerhalb der Bundesgrenzen liegenden preußischen Provinzen in einen deutschen Nationalstaat (deutsches Reich) einzugliedern, was auch geschah.

Masuren und Kaschuben, die als nationale Minderheiten in der neuen Provinz Preußen lebten, gedachte man auf Dauer zu germanisieren. Bezüglich Polens beschritt man gänzlich andere Wege, indem man dort eine Demarkationslinie zog, die das Großherzogtum in zwei Teile schnitt: Westlich dieser Linie befand sich das sog. Deutsch-Posen, das mehrheitlich deutsch besiedelt war, östlich davon lag das neu geschaffene Großherzogtum Gnesen, wo die Polen mehrheitlich überwogen. So sollte auf Dauer ein geschlossener deutscher Sprachraum geschaffen werden, da nun die Mehrheit der Polen außerhalb deutscher Grenzen lebten. Doch bereits 1852 wurden die Grenzen wieder auf den Gebietsstand von 1839 zurückgenommen und der Status quo wiederhergestellt.

Nach dem I. Weltkrieg stellte sich die Regelung der deutschen Ostgrenze neu, als Polen ein Zugang zur Ostsee zugesprochen wurde: Mit dem sog. polnischen Korridor wurde dem Reich der Großteil Westpreußens (60 v. H.) und Posens (90 v. H.) abgetrennt; Danzig, damals zu 97 v. H. deutsch, wurde Freistaat und einer Völkerbundsverwaltung unterstellt sowie das Memelgebiet 1923 von Litauen annektiert.

Ab Nov. 1918 begannen in der früheren Provinz Posen zwischen reichsdeutschen Freikorps und nationalpolnischen Verbänden erbitterte Grenzkämpfe, in deren Folge sich bis zum 16. Feb. 1919 eine Demarkationslinie herausgebildet hatte, die im Wesentlichen jener Grenze entsprach, die zur Zeit der Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches bestanden hatte.[5]
In den umstrittenen Gebieten (Masuren, Oberschlesien und Teilen Westpreußens) wurden nun in den 1920er Jahren Volksabstimmungen angesetzt, bei der sich die Mehrheit der Stimmberechtigten bei einem Verbleib ihrer Gebiete bei Deutschland entschieden; dennoch teilte man das oberschlesische Industriegebiet, obwohl sich rund 60 v. H. für Deutschland ausgesprochen hatten, und schlug dem polnischen Staat das Gros der Industrieanlagen und der Kohlevorkommen zu.
Durch die neue Grenzziehung wurde Ostpreußen wieder zur Exklave, da es durch den polnischen Korridor die Landverbindung mit dem restlichen Reichsgebiet verloren hatte.

Ab den 1920er Jahren begann man in rechtsnationalen Kreisen die sog. deutsche Volks- und Kulturbodenforschung zu etablieren, die vor allem im Deutschen Reich betrieben wurde.
Sinn und Zweck dieser Pseudowissenschaft war, reichsdeutsche Gebietsansprüche auf benachbarte Territorien und Gebiete zu legitimieren und diese mit sprachlich-kulturellen Belegen zu beweisen. Aus diesem Grunde war es möglich, historisch bedingte Ansprüche auf die Schweiz, die Beneluxländer oder der Tschechei zu erheben.
Zur Zeit der Hitlerdiktatur wurde auch die deutsche Ostgrenze, nun dem Alldeutschland-Projekt folgend, weit nach Osten ausgedehnt, indem das deutsche Einflussgebiet erst am westlichen Bug endete.

Grenzsituation nach 1945

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die das De-facto-Ende des II. Weltkrieges markiert, wurde die deutsche Nationalstaatlichkeit vonseiten der Anti-Hitler-Koalition völkerrechtswidrig beseitigt, indem diese am 23. Mai 1945 mit der Regierung Dönitz die letzte Reichsregierung verhaftete.

Die Kriegssieger hatten sich zudem darauf geeinigt, dass alle deutschen Gebietserweiterungen nach dem 31. Dez. 1937 unwirksam seien und so wurde das Gebiet des Altreiches in Besatzungszonen aufgeteilt, dass von einer der Vier Mächte verwaltet wurde.
Doch noch im Sommer 1945 übergab die damalige UdSSR einen Teil ihrer Besatzungszone, namentlich das heute als Oder-Neiße-Gebiete bezeichnete Ostdeutschland, einer polnischen Zivilverwaltung, indes das nördliche Ostpreußen, als Oblast Kaliningrad, einer sowjetischen Militärverwaltung unterstellt wurde. Seinen provisorischen Charakter erhielt der sowjetische Alleingang durch die von den Vier Mächten gemeinsam getroffene Entscheidung, dass eine Neuregelung der deutschen Grenzen allein einem Friedensvertrag vorenthalten bliebe. Dennoch wurde begonnen, die deutschsprachige Wohnbevölkerung aus den nun polnischen Gebieten auszusiedeln bzw. zu vertreiben.

Das gleiche Schicksal traf die Sudetendeutschen, die ebenfalls ihre Heimat verlassen mussten. Nachdem nun die deutsche Sprachgrenze auf die Linie Wiener Becken-Böhmisch-Mährisches Tiefland-Böhmerwald-Erzgebirge-Lausitzer Neiße-Oder zurückgesetzt wurde, entstand dadurch eine Situation, die dem Siedlungsstand um etwa 982 entsprach. Sprach- und politische Grenzen waren dort nun nahezu deckungsgleich geworden.

Die damalige Bundesrepublik Deutschland folgte in den 1970er Jahren dem Beispiel der damaligen Deutschen Demokratischen Republik und erkannte in den Ostverträgen die bestehende Oder-Neiße-Linie de facto an, indes sie noch bis etwa 1982 de jure den Anspruch vertrat, dass eine Klärung der deutschen Grenzen allein einem Friedensvertrag vorenthalten bliebe. Offiziell bestand Deutschland damit weiterhin aus jenem Gebietsstand, der bis dato im Art. 116.1 GG verankert ist:

„Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.“

Art. 116 (1) GG

Die deutsche Frage wurde nun nur noch auf die deutschen Teilstaaten bezogen, die sich am 3. Okt. 1990 zum vereinten Deutschland zusammenschlossen. Damit wurde vonseiten der, nun als gesamtdeutsch agierenden, Bundesregierung die deutsche Frage für abgeschlossen erklärt, indes mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag kein Friedensvertrag vorliegt; auch gelten sowohl die sudetendeutsche Frage als auch die Danzig-Frage weiterhin als offen.

Deutschlandbegriff politischer Organisationen

Galt Deutschland bis zur Gründung des Deutschen Reiches als apolitisch, so wurde der Eigenname ab den 1880er Jahren zunehmend politisiert und radikalisiert: Mit der Gründung des Alldeutschen Verbandes (Deutsches Reich) und der Alldeutschen Vereinigung (Österreich-Ungarn), die sich auf die Alldeutsche Bewegung Georg von Schönerers zurückführten, wurde der Deutschland nun rassenkundlich verwendet.

Politisch wurde Deutschland weiterhin aus dem sog. Reichsdeutschland gebildet, dem ein sog. Volksdeutschland gegenüberstand — das deutsche Sprach- und Siedlungsgebiet, dass als wahres Deutschland angesehen wurde.

Doch vertraten beide Organisationen unterschiedliche Ziele und galten als Konkurrenten: Die Alldeutschen des Reiches verstanden unter dem Adjektiv und Attribut alldeutsch ursprünglich, dass sie nur für alle Deutschen im Reich handelten und dass deren Hauptanliegen in der Bekämpfung alles Undeutschen läge.
Der österreichische Flügel jedoch verstand sich eher als großdeutsch und forcierten den (bundesstaatlichen) Anschluss der geschlossenen deutschen Gebiete an das Reich, was der reichsdeutsche Flügel jedoch strikt ablehnte; dieser sah in Österreich-Ungarn ein deutsch geführtes Bollwerk gegen das Slawentum, dass zu erhalten sei. Was beide Flügel einte, war der in ihnen gleichermaßen vertretende Rassenantisemitismus.

Gegen einen staatlichen Anschluss der deutschen Gebiete der Donaumonarchie sprachen sich auch die Parteien aus, die noch den Traditionen der Deutschnationalen nahestanden. Diese forcierten gleich den Reichsdeutschen den politisch-wirtschaftlichen Aspekt, der zwar eine enge Bindung ans Reich aber auch gleichzeitig die staatliche Souveränität der Donaumonarchie beinhaltete.

Nach dem verlorenen I. Weltkrieg wurde das besiegte Reich, wie bereits im Abschnitt Allgemeine Definitionsmöglichkeiten angerissen, nicht mehr mit Deutschland als identisch angesehen; vielmehr entdeckte man, dass dieses, als geografische Region, mit dem Volksgebiet der Deutschen eine Einheit darstellen würde.
Aber dennoch trat das Reich weiterhin als Deutschland auf, obgleich die Masse der Bevölkerung und der politischen Parteien in ihm etwas Größeres sahen. Zudem hatte noch Deutschösterreich seinen Beitritt erklärt, der allerdings in den nachfolgenden Friedensverträgen wieder rückgängig gemacht werden musste.

Damit spielte allerdings die damalige Triple Entente der radikalen und extremen Rechten in die Hände, die sich vor allem in der Deutschnationalen Volkspartei und in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei organisiert hatten: So wurde beispielsweise bis 1938/39 die Deutschlandfrage aus einer möglichen und gewollten Verschmelzung Danzigs, Österreichs und des Sudetenlandes mit dem Reich gebildet.

Weitergehende Forderungen als die Völkischen und Deutschvölkischen stellten bereits im I. Weltkrieg die Alldeutschen: Diese propagierten zusammen mit den österreichischen Deutschnationalen und Alldeutschen, dass aus dem Deutschen Reich ein Alldeutschland werden und dieses nach einem deutschen Siegfrieden alle deutschen Staaten bzw. das gesamte deutsche Sprachgebiet nationalstaatlich zu vereinen sei. Dieses alldeutsche Programm|Programm sollte bis 1950 vollendet werden und war pangermanisch ausgerichtet. Denn es forcierte die Zerschlagung der neutralen Schweiz, sodass die Deutschschweiz, Liechtenstein und Luxemburg, aber auch das niederländische Sprachgebiet für dieses Alldeutschland eingefordert wurde:

„Das staatliche Problem der Zukunft für jeden guten Deutschen ist, den deutschen Volksblock in Einem Staate zu einen, dem Dritten Reich. Es zerfällt in zwei Teilprobleme. Das erste ist, das Zweite Reich im Umfange vom 1. August 1914 wiederherzustellen und durch Aufnahme Österreichs, Luxemburgs und Liechtenstein zu vergrößern.
Das zweite läuft darauf hinaus, auch die deutschen Volksgenossen der anderen Staaten wieder heimzuführen und erneut mit deutschem Volks- und Staatsbewusstsein zu erfüllen.“

Ewald Banse: „Deutsche Landeskunde. Umrisse von Landschaft und Volkstum in ihrer seelischen Verbundenheit“, Teil I, München, 1932, zitiert nach: Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel“, S. 42

Aus diesem Grunde paktierten die Alldeutschen auch mit der dietschen Bewegung, die sich ebenfalls dem völkischen Nationalismus verschrieben hatte und sich als niederländischer Zweig der Völkischen Bewegung betrachtete.

Alldeutschland sollte, so die damalige Sichtweise, zur Basis eines germanisch beherrschten europäischen Großstaates werden, der unter deutscher Führung stünde und dessen östliche Grenzen bis an den westlichen Bug verschoben werden sollten. 1942 hatte das Großdeutsche Reich Adolf Hitlers diese Grenzlinien erreicht, sodass dieses als Vollendung des alldeutschen Programms angesehen werden kann.

Staatenbildungen

Deutsches Königreich

Das Frankenreich und das heutige Europa

Das deutsche Königreich wurde am 10. Nov. 911 als Rechtsnachfolger des Ostfrankenreichs begründet und galt als das mittelalterliche Deutschland schlechthin.
Es wurde aus anfänglich fünf Stammesherzogtümern und einer Landgrafschaft gebildet. Noch im 10. Jh. dehnte es seinen Einflussbereich bis zur Oder und im Norden über die Eiderlinie hinaus aus. Darüber hinaus wurde ein Markensystem eingeführt, das sich auf die Politik Karls des Großen orientierte.

937 wurde vonseiten des Königs begonnen, die bestehenden Herzogtümer an dessen Söhne zu vergeben und diese langfristig in Reichsländer, den deutschen Landen, umzuwandeln, was bis 941 zu einer Reihe blutiger Kriege führte, da die autochthonen Reichsfürsten nicht gewillt war, auf ihre traditionellen Machtbefugnisse zu verzichten.

951 erwarb der germanische König auch das sog. regnum Langobardorum, das Königreich der Langobarden, welches mit anderen italienischen Fürstentümer das regnum Italiae oder Reichsitalien bildete. 1032/34 erwarb das Reich zusätzlich noch das regnum Burgundiae (Königreich Burgund), sodass der König via Personalunion über ein deutsch beherrschtes Europa verfügte.

Römisch-Deutsches Reich

Hauptartikel: Römisch-Deutsches Reich

Das unter der Führung des deutschen Königreiches stehende Europa trug seit dem 2. Feb. 962 offiziell den Namen Sacrum Imperium Romanum bzw. Sacrum Romanum Imperium (Heiliges Römisches Reich). Es knüpfte eng, an die von Karl dem Großen entwickelte, römischen Reichsidee an und dehnte in der Folge sein Territorium immer weiter nach Osten aus, indem es große Teile der slawischen Völker unterwarf.

Im Gegenzug dazu zeigte es Auflösungserscheinungen an den westlichen und südlichen Grenzen auf. Aber bereits um 1000 wurde das damalige Gesamtreich bereits umgangssprachlich als deutsche Lande bezeichnet, die begannen, ein deutsches Volk hervorzubringen; eine Folge dessen, da das von ihnen bewohnte Königreich nahezu mit dem deutschen Siedlungsgebiet identisch war. Dessen Grenzen definierte sich sprachlich-kulturell und gliederte sich ursprünglich in Nieder- und Oberdeutschland.

Seit 1486 trug das Reich offizielle den Namen Sacrum Imperium Romanum Nationis Germanicae (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation), der aufkam, als vonseiten der Deutschen die staatliche Souveränität Burgunds und Italiens anerkannt und damit die zugrunde liegende römische Reichsidee obsolet wurde.
Vielmehr sollte der Zusatz deutsche Nation nun ausdrücken, dass der Reichsgedanke allein noch von den Deutschen aufrechterhalten wurde; aber die im deutschen Königreich vereinten Volksstämme, die sich nun als deutsch definierten, verpassten damit eine frühe Möglichkeit ihrer Nationalstaatlichkeit, die sie jeweils zu einer Staatsnation hätte werden lassen. Erstmals wurde auch die Pluralform (deutsche Lande) durch den Singular (Deutschland) ersetzt und dieser ersetzte nach und nach die offizielle Staatsbezeichnung.

1770 entstand in Deutschland eine Deutsche Bewegung, deren Vertreter zum einen eine gemeinsame deutsche Nationalkultur schufen, die sich vor allem aus Literatur, Musik und Geisteswissenschaft ableitete. Zu dieser kam noch das Bewusstsein, dass man in einer gemeinschaftlichen Geschichte brüderlich verbunden war.
Träger dieser sozial-politischen Bewegung war die deutsche Bildungselite, die aus dem Bildungsbürgertum und aus den Universitäten bestand.

Die Deutsche Bewegung brachte in der Folge die deutsche Variante des Sprachnationalismus hervor, der die Volksnation als überstaatliche und damit auf mehrere Staaten verteilt lebende Einheit begriff. Diese Bewegung hatte zudem auch verstanden, dass der bisher praktizierte deutsche Reichsgedanke einer modernen Nationalstaatlichkeit im Wege stand.

So vertrat die Deutsche Bewegung nicht allein nur nationaldemokratisch-liberale Positionen, sondern auch ab 1792 die Forderung nach einem modernen Nationalstaat französischer Prägung, der alle Deutschen weitgehend zu vereinen hätte.

Rheinbund

Am 6. Aug. 1806 legte der letzte römisch-deutsche Kaiser Franz II. die fast tausendjährige Kaiserwürde ab und erklärte das deutsche Reich für erloschen, indem er aller Reichsstände in die staatliche Souveränität entließ.
Damit galten sowohl das Römisch-Deutsche Reich als auch das deutsche Königreich de facto als aufgelöst..

Doch unter Verfassungsbruch hatte Franz II. als Franz I. von Österreich die Kaiserwürde bereits 1804 auf das Erzherzogtum Österreich übertragen und den habsburgischen Machtbereich zum Kaisertum Österreich erklärt.
Die Gründung des Kaisertums Österreich war die Antwort des Monarchen auf die Gründung des Rheinbundes, in dem sich sechzehn Reichsfürsten zusammengeschlossen und vom Kaiser für unabhängig erklärt hatten.

Mit der Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches begann die deutsche Frage als solche, die sich darum drehte, wie die Deutschen zukünftig staatlich organisiert seien. Denn das benachbarte Frankreich erkannte seinerseits nur noch den Rheinbund als Deutschland an:

„Wir behandeln unter dem Namen Deutschland nur die Staaten, welche den Rheinbund bilden. Die anderen Gebiete des ehemaligen Deutschen Reiches werden unter den Artikeln ‚Preußen‘ und ‚Österreich‘ besprochen.“

William Gutherie: „Abrégé e la nouvelle géographie universelle descriptive, historique, industrielle et commerciale“ (1813), S. 527, zitiert nach Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel“, S. 51

1813/15 fanden in Europa die europäischen Befreiungskriege statt, in deren Folge der französische Kaiser Napoleon Bonaparte entmachtet und ins Exil getrieben wurde. Innerhalb der Befreiungskriege wurde nun begonnen, die Deutschen nationalstaatlich zusammenzufassen, was sowohl von der Bildungselite als auch vom einfachen Volk getragen wurde.
Dieses hätte aber den Adel in seinen Rechten beschnitten, sodass 1815 die Gründung des Deutschen Bundes einen losen Staatenbund zum Ergebnis hatte, obgleich Preußen noch zwei Jahre zuvor die Restauration des deutschen Reiches gefordert hatte.

Deutscher Bund, Frankfurter Paulskirchenparlament

1814/15 erfolgte die europäische Neuorganisation:
Vom 18. Sept. 1814 bis zum 9. Juni 1815 fand in Wien ein Kongress statt, in dessen Rahmen sich die europäischen Herrscher neu organisieren wollten. Bezüglich der bestehenden kontinentalen Grenzfragen einigte man sich darauf, dass alle Staatsgrenzen neu gezogen und diese sich an die römisch-deutschen Reichsgrenzen von 1795 orientieren würden. Im Umkehrschluss bedeutete dies aber auch, dass nicht das ganze deutsche Sprachgebiet in die deutsche Frage einbezogen wurde.

Zwar wurden nun alle Eroberungen des französischen Imperialismus rückgängig gemacht, aber auch Millionen Deutscher aus einer möglichen Einigung ausgeschlossen. Die ehemaligen Reichsländer wurden nun international als souveräne Völkerrechtssubjekte anerkannt, die untereinander jedoch nicht als Ausland gelten sollten.

Das Manko, das im Deutschen Bund nicht alle Deutschen nationalstaatlich vereinigt waren, brodelte tief in der Bevölkerung. Seit 1830 existierte dort eine bescheidene Nationalbewegung, die sich aus der Deutschen Bewegung des 18. Jh.s ableitete.
Bereits 1832 organisierten die Nationaldemokraten das Hambacher Fest und unter den Farben Schwarz-Rot-Gold forderten die Teilnehmer die Errichtung eines zentralistisch-unitarischen Nationalstaates, in dessen Rahmen die Monarchien abgeschafft und ein parlamentarisch-demokratisches Gesellschaftssystem errichtet werden sollten.

Infolge der Revolution von 1848/49 wurde vom deutschen Volk eine frei gewählte Nationalversammlung, das Frankfurter Paulskirchenparlament, ins Leben gerufen, die begann, die deutsche Frage im nationalstaatlichen Sinne zu lösen: Dabei ging man nun vom Gebietsstand des Jahres 1839 aus. Doch es zweigte sich auch schnell, dass innerhalb dieses Parlamentes drei politische Strömungen bestanden, die im Wesentlichen eine großösterreichische, eine großdeutsche und eine kleindeutsche Lösung anstrebten.

Letztere sind für die weitere deutsche Geschichte prägend: Spiegelt sich doch hier das Problem wider, wie weit die österreichische Frage in die deutsche einfließen sollte und letztendlich scheiterte dieses erste (und einzige gesamtdeutsche) Parlament am ausgeprägten Österreichisch-Preußischen Dualismus. 1866/67 ging der Deutsche Bund infolge des deutschen Bruderkrieges unter.

Deutsches Reich

1871–1918

Nach der kriegerischen Auflösung des Deutschen Bundes trat der ein Jahr zuvor begründete Norddeutsche Bund an dessen Stelle, der Norddeutschland nationalstaatlich (und unter Ausschluss Deutschösterreichs und der süddeutschen Staaten) vereinen sollte. Dieser wurde 1866 als Militärbündnis begründet und schließlich in einen Bundesstaat unter preußischer Führung umgewandelt. Politische Grenze wurde nun die Mainlinie, die jedoch im Dezember 1870 aufgehoben wurde, als die süddeutschen Staaten nun dem Norddeutschen Bund anschlossen, der sich darauf hin als Deutscher Bund umbenannte und sich schließlich den Namen Deutsches Reich annahm.

Mit der Gründung des Deutschen Reiches, das nun die Form eines Kaiserreiches hatte, fanden sich plötzlich Millionen Deutscher (wie Deutschösterreicher und Deutschluxemburger) in der Rolle von Grenzlanddeutschen wieder: Im Sinne der Sprach- und Kulturnation waren sie ja weiterhin Deutsche, politisch jedoch nicht mehr.

Bereits ab etwa 1880 begann sich der bisherige Deutschlandbegriff zu verändern: Wurde er bisher sprachlich-kulturell verwendet, so engte er sich immer mehr auf Deutschland in Form des Kaiserreiches ein — das Deutsche Reich war nun Deutschland und seine Bewohner die Deutschen schlechthin. Deutsche Minderheiten außerhalb der Reichsgrenzen bezeichnete man nun als Deutschsprachige, was betonen sollte, das die Eigenschaft deutsch nur noch auf die gemeinsame Gemeinsprache und Nationalkultur bezogen war.

Das Reich begann nun, seine Stellung als Weltmacht einzufordern, indem es den Besitz von Kolonien forcierte. Dieses wurde bis 1890 durchgesetzt und der deutsche Nationalstaat erhielt „seine“ Kolonien in Form der Schutzgebiete.

1891 wurde der pangermanisch orientierte Alldeutsche Verband gegründet, der ethnisch begründete Gebietsansprüche auf das Territorium benachbarter Staaten erhob.

1918–1945

Nach dem verlorenen I. Weltkrieg entstanden in der Weimarer Republik und in Österreich die aus dem völkisch motivierten Chauvinismus und der Rassenkunde abgeleitete deutsche Volks- und Kulturbodenforschung; im Sinne dieser Pseudowissenschaft wurde der Deutschland im Sinne der Alldeutschen verstanden und demgemäß propagiert: Deutschland umfasste in der nun vertretenden Definition nicht mehr allein das deutsche Sprach- und Siedlungsgebiet, sondern umfasste nun auch Regionen und Landschaften, die man als mit deutscher Kultur durchdrungen ansah, und konnte damit nun auch Ansprüche auf das Siedlungsgebiet anderer Völker oder auch auf komplette Staaten erheben.

So wurde auch wieder beispielsweise das niederländische Sprachgebiet zum niederdeutschen Sprachgebiet in Holland und Belgien erklärt und aus historischen Gründen wurde von den Vertretern der Volks- und Kulturbodenforschung auch das tschechische Sprachgebiet zum Teil Deutschlands erklärt, da es seit einem Jahrtausend mit diesem verbunden sei und unter dessen Einfluss stünde.

Dieser Auffassung folgte man auch vonseiten des nationalsozialistischen III. Reiches unter Adolf Hitler, der in seinem Großdeutschen Reich das Alldeutschland-Projekt der Völkischen nahezu umsetzte.
Dessen größter Gebietsstand (1943) folgte im Wesentlichen den von den Alldeutschen gewünschten Grenzen und das Reich sollte letztendlich die Basis eines Großgermanischen Reiches Deutscher Nation bilden, dessen politische Elite durch die Angehörigen der Allgemeinen und der Waffen-SS gebildet werden sollte.

Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945

Bereits am 12. Sept. 1944 legte die Anti-Hitler-Koalition fest, was sie unter Deutschland verstanden haben wollte: Das Londoner Protokoll definierte dieses als das Deutsche Reich, wie es am 31. Dez. 1937 bestanden hatte, und legte damit dessen Außengrenzen wieder auf jene des Altreiches zurück.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die allgemein als De-facto-Ende des II. Weltkrieges angesehen wird, wurde am 23. Mai 1945 die letzte Reichsregierung völkerrechtswidrig verhaftet und der deutsche Nationalstaat in die Handlungsunfähigkeit gesetzt; auf dessen Territorium wurden nun alliierte Besatzungszonen errichtet, von denen drei in West- und eine in Mittel- und Ostdeutschland lagen.

Noch im Sommer 1945 übergab die UdSSR die Oder-Neiße-Gebiete einer polnischen Zivil- und unterstellte das nördliche Ostpreußen einer sowjetischen Militärverwaltung. Diese Tatsache wurde auch im Potsdamer Protokoll sanktioniert, doch wurde in diesem festgelegt, dass eine Neuregelung deutscher Grenzen ausschließlich einem Friedensvertrag vorbehalten bliebe.

In den folgenden Jahren setzte sich jedoch international immer mehr die These durch, dass durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und durch die Verhaftung der Regierung Dönitz der deutsche Nationalstaat als solcher durch Debellation in die Dismembration geraten und völkerrechtlich untergegangen sei.

Deutsche Teilstaaten (1949–1990)

Geht man staats- und völkerrechtlich davon aus, dass für den Gebietsstand des zu restaurierenden Deutschen Reiches der Stichtag 31. Aug. 1939 anzusetzen ist, in dessen Rahmen die deutschen Grenzen neu zu ziehen seien, so entstanden 1945/49 mit Österreich, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik drei Teilstaaten auf dem Gebiet des ehemaligen Großdeutschen Reiches.
Nun hatten sich aber bereits 1944 die Alliierten sich darauf geeinigt, dass sie nur den deutschen Gebietsstand von Ende 1937 anzuerkennen gedachten, sodass nach 1945 real von zwei deutschen Teilstaaten auszugehen ist.

Dieses wurde auch von den Regierungen beider Teilstaaten so gehandhabt: Die staatliche Einheit der Nation sollte letztendlich nur noch das BRD-Territorium und das DDR einschließlich Großberlins umfassen; ab 1959 ging das in der DDR etablierte SED-Regime so weit, dass der Begriff Deutschland dort nur noch in historischer Hinsicht benutzt und die unter polnisch-sowjetischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete ausgeklammert wurden:

„Deutschland, Ländername für das Territorium der deutschen Nation, besonders des ehemaligen deutschen Staates bis zur Herausbildung der zwei deutschen Staaten DDR und BRD nach 1945.“

Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1974), Bd. 2, zitiert nach: Helmut Berschin: „Deutschland – ein Name im Wandel, S. 29

Die deutsche Bundesregierung ging bis zum Abschluss der Ostverträge und dem Beitritt beider Teilstaaten zur Charta der Vereinten Nationen (1973) offiziell davon aus, dass sie allein den deutschlandpolitischen Alleinvertretungsanspruch auf Deutschland als Ganzes habe, und dieser Anspruch wurde de facto bis zur Vereinigung beider Teilstaaten (1990) offiziell beibehalten.
Indes urteilte 1973 auch das bundesdeutsche Verfassungsgericht in ständiger Rechtsprechung, dass das Reich in den Grenzen von 1937 auch nach 1945 nicht untergegangen, sondern aufgrund der fehlenden Staatsgewalt handlungsfähig geworden sei, während in den bundesdeutschen Medien nun die Mehrheitsmeinung vertreten wurde, dass Deutschland nur noch das Territorium der beiden Teilstaaten umfassen würde, was sich auch in den Wetterkarten der Sendeanstalten widerspiegelte.

Deutschland als solches machte in der Meinung der bundesdeutschen Bevölkerung nur noch das Gebiet der Bundesrepublik und Westberlins aus und auch die Bundesrepublik griff auf die Formel Deutschland = Bundesrepublik Deutschland zurück; schließlich war Deutschland als Kurzbezeichnung der Bundesrepublik durchaus anerkannt.
Zwar war von Amtswegen Bundesrepublik als offizielle Kurzbezeichnung auserwählt worden, doch Deutschland klang nationaler und souveräner, wollte doch die Bundesrepublik Deutschland international als normaler Staat erscheinen und anerkannt werden.

1987 erfolgte denn auch der Besuch des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honeckers in der Bundesrepublik; er war das erste und einzige DDR-Staatsoberhaupt, das je das Territorium der Bundesrepublik Deutschland betreten hatte. Infolge der gegenseitigen Annäherung beider Teilstaaten wurde er durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in der Bundeshauptstadt Bonn mit allen militärischen Ehren empfangen, was de facto einer internationalen Anerkennung der DDR als eigenständigen Staat zur Folge hatte.
Damit war auch vonseiten der Regierung Kohl die deutsche Frage ad acta gelegt worden und man ging allgemein von einer immerwährenden Teilung der Deutschen aus. Bereits 1981 hatte die Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) dem DDR-Regime einen Milliardenkredit gewährt, der dieses vor einem vorzeitigen Untergang bewahrte. (→ Entspannungspolitik)

Vereintes Deutschland

Bereits 1988/89, kurz nach dem Besuch Honeckers in der Bundesrepublik, zeichnete sich der Zerfall der damaligen Sowjetunion und des Ostblocks ab, die eine Auflösung des Warschauer Paktes und das Ende des Kalten Krieges mit sich bringen würden.
Ab Sommer 1989 begannen auch die DDR-Deutschen, politische Reformen einzufordern: So sollten alle Bürger der DDR über die Reisefreiheit verfügen. Doch das herrschende und dem Stalinismus verhaftete SED-Regime unter Honecker stellte sich quer, selbst dann noch, als die Bevölkerung begann, massenhaft über bundesdeutsche Botschaften benachbarter sozialistischer Bruderländer auszuwandern.

In Leipzig, Dresden und anderen Orten begannen die sog. Montagsdemonstrationen, die zuerst politische Reformen und die Einführung der Deutschen Mark sowie letztendlich die staatliche Vereinigung beider Teilstaaten einforderten. (→Wir sind das Volk, Wir sind ein Volk)

Im Sommer 1990 begannen in Paris die Gespräche der Vier Mächte mit den Vertretern beider deutschen Regierungen, infolge dessen der Zwei-plus-Vier-Vertrag abgeschlossen wurde. Dieser besagte, dass die DDR der Bundesrepublik über Art. 23 GG beitreten sollte und dass dieser ferner ersatzlos gestrichen werden sollte. Die Oder-Neiße-Linie wurde von allen Seiten als deutsche Ostgrenze anerkannt, obgleich die Grenzberichtigung allein einem Friedensvertrag vorbehalten war und blieb.
Deutschland umfasste nach einhelliger Auffassung der Beteiligten nur noch das Gebiet der Bundesrepublik, der DDR und Großberlins.

Am 3. Okt. 1990 erfolgte der staatliche Zusammenschluss beider deutscher Teilstaaten zum vereinten Deutschland, das nach seiner Eigenauffassung die räumliche Vollidentität mit dem Deutschen Reich erreicht hat.
Ansprüche auf die Ostgebiete oder eine Anzweiflung der Oder-Neiße-Linie als östliche Grenze wurden vonseiten der, nun als gesamtdeutsch agierenden, Bundesregierung nicht mehr gestellt. Vielmehr begann das ver. Dtschld., das national wie international die Staatsbezeichnung Bundesrepublik Deutschland trägt, unter der Bezeichnung Deutschland zu agieren, welche die amtliche Vollform und die dazugehörige Kurzbezeichnung (Bundesrepublik) weitgehend ablöste.

Politische Gegner der staatlichen Vereinigung beider Teilstaaten, namentlich vonseiten der Grünen, der Antifa und anderer linksorientierter Gruppierungen wie DKP, Bund westdeutscher Kommunisten, K-Gruppen und Deutsche Friedens-Union agierten unter dem Motto Nie wieder Deutschland!, da sie ausgingen, dass ein Zusammenschluss der Teilstaaten zu einem neuen Großdeutschland zu einem erneuten Aufkommen angeblicher deutschnationalistischer Bestrebungen kommen würde.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache, Analysen und Perspektiven, „Geschichte und Staat“ (Sonderreihe Band 1), Günter Olzog Verlag München–Wien, 1979, ISBN 3-7892-7180-2
  • Alexander Demandt: Deutschlands Grenzen in der Geschichte, Verlag C. H. Beck München, 1990, ISBN 3-406-34391-0
  • Imanuel Geiss: Die deutsche Frage 1806–1990, Meyers Forum, B. I. Taschenbuchverlag Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich, 1992, ISBN 3-411-10151-2

Fußnoten

  1. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 33
  2. Alexander Demandt: Die Grenzen in der Geschichte Deutschlands in: Deutschlands Grenzen in der Geschichte, S. 14
  3. Reimer Hansen: Deutschlands Nordgrenze, in: „Deutschlands Grenzen in der Geschichte“, S. 114
  4. Joan Blaeu: Germania, Atlas Maior. Teutschland, Österreich, Schweiz, Kapitel „Germanien“, S. 40
  5. Alexander Demandt: Wie haben sich Deutschlands Grenzen verändert? in: Deutschlands Grenzen in der Geschichte, S. 24


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