Deutschnationaler

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Deutschnationaler, ursprüngliche Eigenbezeichnung für die Mitglieder und Sympathisanten der Deutschnationalen Partei. Politisch vertraten diese Positionen, die sie in die Nähe der Großdeutschen rückten. Aus diesem Grund werden sie in der modernen Geschichtsschreibung diesen zugerechnet. Beiwort ist deutschnational.

Frankfurter Nationalversammlung

Die Deutschnationalen hatten ihre Wurzeln in der nationaldemokratischen Freiheitsbewegung der 1830er Jahre. Zurzeit des Deutschen Bundes wird der Terminus „Deutschnationale“ erstmals erwähnt. In der Frankfurter Nationalversammlung bezeichnete er die Demokraten und Republikaner, die dort die politische Linke ausmachte, als Deutschnationale Partei. Sie standen somit für die Ablösung aller Monarchien und für die Einführung republikanisch-demokratischer Staatsformen im zukünftigen deutschen Nationalstaat.

Deutschnationale im späten 19. Jahrhundert

Nach dem Ende des deutschen Bruderkrieges (1866) und Gründung des Norddeutschen Bundes wurde in Österreich-Ungarn die Deutschnationale Bewegung gegründet. Auf ihre Anhänger und Sympathisanten wurde ab 1867 die Bezeichnung "Deutsch-Nationale" angewendet. Darüber hinaus diente dieser Begriff lange Zeit als Synonym für Alldeutsche und Christsoziale, die sich auch aus der deutschnationalen Bewegung herleiteten.

Deutschnationale im 20. Jahrhundert

Aus ihrem Selbstverständnis heraus verstanden sich auch im Deutschen Kaiserreich verschiedene Personen und Organisationen als „deutschnational“. Das betraf vor allem die Anhänger und Sympathisanten der völkischen und deutschvölkischen Bewegung, denen auch die reichsdeutschen Alldeutschen angehörten. Diese waren betont militaristisch und antisemitisch eingestellt und benutzten den Terminus „Deutschnationale“ im Sinne eines radikalen völkischen Nationalismus, der mit einer davon abgeleiteten Rassenlehre einherging. Als erste deutschnationale Partei des Kaiserreiches kann die 1914 gegründete Deutschvölkische Partei gelten. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde deutschnational von der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei aufgegriffen. In der Weimarer Republik bezeichnete „Deutschnationale“ schließlich, mit Ausnahme der Nationalsozialisten (die sich den Völkischen zurechneten), die antidemokratisch-nationalistische Rechte.

Deutschnationale heute

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Terminus „Deutschnationaler“ durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft im deutschsprachigen Raum in Misskredit gebracht worden. Zu sehr galten die Deutschnationalen der Weimarer Republik als Steigbügelhalter der NSDAP, mit deren Hilfe Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt werden konnte. Da half es ihnen auch nicht, dass sich die DNVP noch 1933 auflöste, um einer Zwangsauflösung zu umgehen. In den beiden deutschen Teilstaaten und in Österreich entstanden ab Oktober 1945 deutschnationale Parteien, um dort gemäßigte Nationalsozialisten für die Demokratisierung gewinnen zu können.

Bundesrepublik Deutschland

So entstand in der Bundesrepublik die Nationaldemokratische Partei (NDP), die nur im Volksstaat Hessen aktiv und streng deutschnational ausgerichtet war. Diese ging 1950 mit völkisch orientierten Gruppierungen in der Deutschen Reichspartei auf. 1964 bildete die DRP die Basis der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). In ihren Anfangsjahren wurde die NPD durch die gleichnamige Blockpartei der DDR finanziell unterstützt. Die NPD vertrat bis ca. 1970 eher deutschnationale bzw. nationalkonservative Positionen, die sie Nationaldemokratie nannte.

Doch im Kampf mit der konkurrierenden Deutschen Volksunion (DVU) um Wählerstimmen radikalisierte sich die NPD und ist heute ein Vertreter der völkischen Rechten. In der Deutschen Burschenschaft (1950 wiederbegründet) werden heute von den verschiedenen Burschenschaften Positionen vertreten, die sich sowohl aus dem Deutschnationalismus als auch aus dem völkischen Nationalismus ableiten lassen. 1955 wurde der Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) wiederbegründet. Er vertritt gemäßigte deutschnationale Positionen und sieht seine Hauptaufgabe in der sprachlich-kulturellen Unterstützung des Volks- und Auslandsdeutschtums. Diese Organisation führt das Wappen der Alldeutschen als Verbandslogo: eine blaue Kornblume im weißen Feld. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der in Österreich beheimateten Österreichischen Landsmannschaft.

Deutsche Demokratische Republik

In der DDR wurde 1948 mit der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD) ebenfalls eine Partei gegründet, die sich zumindest offiziell als gemäßigt deutschnational darstellte und nationalliberale Positionen vertrat. Hier sollten ehemalige Nationalsozialisten für die Parteiarbeit und für den Aufbau eines wiedervereinigten, sozialistischen Gesamtdeutschland begeistert und einbezogen werden. Diese DDR-Partei unterstützte die westdeutsche NPD in ihren Anfangsjahren finanziell. Nach der deutschen Revolution von 1989 wurden vonseiten der NPD versucht, die NDPD aufgrund der Namensgleichheit in die westdeutsche Partei einzugliedern. Doch parteipolitisch war die NDPD an einem Zusammenschluss mit der Freien Demokratischen Partei interessiert, der 1990 vollzogen wurde.

Österreich

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurde 1945 die Republik Österreich wiederhergestellt und 1955 mit dem österreichischen Staatsvertrag völkerrechtlich anerkannt. „Deutschnationale“ und der österreichisch geprägte Deutschnationalismus waren jedoch nicht verschwunden. Bereits 1945 wurde ein Verband der Unabhängigen (VdU) gegründet, der sich aus ebendiesen Deutschnationalen und ehemaligen Nationalsozialisten rekrutierte. Hinzu kamen die Parteimitglieder der ehemaligen Großdeutschen Volkspartei und des Landbundes, die ebenfalls zu der ehemaligen deutschnationalen Bewegung gehörten. Doch war dieser Zusammenschluss innerlich brüchig, sodass es bis 1955 zu mehreren Abspaltungen kam. Am 3. November 1955&nbs;wurde die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) als treibende Kraft der Deutschnationalen Österreichs gegründet, de facto nahm die FPÖ am 7. April 1956 ihre Arbeit auf. Sie ist der Hauptvertreter des Dritten Lagers. Im Gegensatz zu den Deutschnationalen der 1920/30er Jahren stellt die FPÖ jedoch keine Anschlussbewegung dar. Sie bewegt sich im Rahmen der parlamentarischen Demokratie, weist aber mit unter einen starken Hang zur Anbiederung an die radikale Rechte auf. Im Sinne eines modernisierten Deutschnationalismus fasst die FPÖ die Österreicher als „Kulturdeutsche“ auf und betont die sprachlich-kulturelle Zusammengehörigkeit der deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft.

Einen betont völkischen Kurs fahren die Burschenschaften, die sich 1959 in der Deutschen Burschenschaft in Österreich zusammengeschlossen haben. Mit der Deutschen Burschenschaft besteht seit 1952 ein Arbeits- und Freundschaftsabkommen. 1953 wurde mit der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) die Nachfolgeorganisation des 1938 aufgelösten Deutschen Schulvereins (DSchV) gegründet. Diese führt als Verbandslogo die Wappen des DSchV: drei grüne Eichenblätter mit aufgehender Sonne in einem schwarz-rot-goldenen Feld. 1955 wurde der DSchV als Traditionsverband innerhalb der ÖLM wiederbegründet und seit 1958 besteht eine Zusammenarbeit mit dem deutsch-national ausgerichteten Allgemeinen Deutschen Kulturverband, der sich um das Deutschtum in Übersee kümmert. Auch mit dem in der Bundesrepublik Deutschland beheimateten VDA bestehen enge Kontakte. In der Zeit zwischen 1967 und 1988 bestand auch in Österreich eine Nationaldemokratische Partei (NDPÖ), die nationaldemokratische Positionen vertrat.

Siehe auch


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