Deutschnationale Volkspartei

Aus Deutsche Geschichte
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Dieser Artikel ist mehrdeutig. Für weitere Informationen siehe: Deutschnationale Volkspartei (Begriffsklärung).
Deutschnationale
Volkspartei
Gründungsdatum 24. November 1918
Parteiform Rechtspartei
Ausrichtung deutschnational
deutschvölkisch
nationalkonservativ
monarchistisch
antidemokratisch
antimarxistisch
antisemitisch
Parteivorsitzender Alfred Hugenberg
Mitglieder 950 000
Parteiorgan(e) Deutsche Saarzeitung – Nationales Kampfblatt
Jugendorganisation(en) Bismarckjugend
Aufgelöst seit

Juni 1933

Deutschnationale Volkspartei (DNVP), Name einer nationalkonservativen Rechtspartei zur Zeit der Weimarer Republik und die sich im Dritten Reich aufgelöste. Letzter Vorsitzender war der Alldeutsche Alfred Hugenberg. Die Schreibung Deutsch-Nationale Volkspartei wird synonym verwendet. Beiwort ist deutschnational.

Politische Ausrichtung

Die DNVP sah ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele in der Vertretung der Interessen der Eliten des untergegangenen Kaiserreiches. Sie besaß im Gegensatz zu anderen Rechtsparteien eine sehr große Unterstützung der Kirchen, der Schwerindustrie und Handel sowie bei den ostelbischen Großgrundbesitzern. Da sich die Partei als Verlierer der Revolution von 1918/19 sah, besaß sie zudem einen bedeutenden Einfluss in den „vaterländischen Verbänden“ (Freikorps, Wehrverbände), die wie sie das parlamentarisch-demokratische System der Weimarer Republik ablehnte. (→ Weimarer System)

Das Parteiprogramm der DNVP zeichnete sich durch einen völkischen Nationalismus, gemäßigten Antisemitismus sowie kaiserlich-monarchischem Konservatismus aus. Zu diesem traten auch Großmannsucht und eine chauvinistische Haltung gegenüber den Minderheiten im Staate hinzu. Ab 1928 erfolgte innerhalb der Partei ein deutlicher Rechtsruck und die politisch-ideologische Annäherung an Adolf Hitlers NSDAP.

Parteigeschichte

Die Partei wurde am 24. November 1918 aus sechs Parteien des alldeutschen und deutschvölkischen Lagers gegründet. Ihr traten auch zahlreiche Anhänger der untergegangenen Monarchie bei, die vor allem aus rechtsorientierten Christsozialen und Nationalliberalen gebildet wurden. Nach zähem Ringen ward der Name Deutschnationale Volkspartei und das Parteiprogramm angenommen. Letzteres galt als „vaterländisch“ und durch die Einsetzung von Deutschvölkischen und Alldeutschen an führende Parteipositionen als gemäßigt antisemitisch.

Richtungsstreit

Bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung (1919) konnte die DNVP in der von Abtretung bedrohten preußischen Provinz Posen eine absolute Mehrheit erreichen. Obwohl die Partei an der Ausarbeitung der parlamentarisch-demokratischen Reichsverfassung beteiligt war, lehnte sie diese jedoch grundsätzlich ab. Das Primärziel der Partei war die Wiedererrichtung der Hohenzollern-Monarchie. Innerhalb der DNVP bestand ein Streit darüber, wie diese Monarchie gestaltet werden sollte. So bestand die eine Fraktion darauf, dass das bisherige konstitutionelle System beibehalten wurde. Die andere Fraktion gedachte, eine parlamentarische Monarchie einzuführen.

Rechtsruck und Streit um den Antisemitismus

Bereits am 13. März 1920 schloss sich die DNVP mit der in Bayern beheimateten Bayrischen Mittelpartei zusammen, die als ausgesprochen rechts galt.

Im Herbst 1921 beschlossen deutschvölkisch und alldeutsch orientierte Kräfte innerhalb der DNVP, einen „Judenausschlussparagraphen“ einzuführen, was jedoch knapp am Widerspruch der nationalliberalen Fraktion der Partei scheiterte. Es begann ein innerparteilicher Streit, um die zukünftige Parteirichtung. Vor allem die völkisch orientierte Reichstags-Fraktion ist bereit, alle Juden der Partei mit sofortiger Wirkung auszuschließen. Die antisemitischen Kräfte der DNVP bildeten im September 1922 eine deutschvölkische Arbeitsgemeinschaft (dvAG), die mehrheitlich vom Parteivorstand abgelehnt wurde. Diese stand unter dem politischen Einfluss der drei Reichstagsabgeordneten Reinhold Wulle, Albrecht von Graefe und Wilhelm Hennig. Vor allem die Gruppe um Wulle begann im November 1922 ihre Abspaltung von der DNVP und die Vereinigung mit dem Deutschvölkischen Freiheitsbund des ehemaligen Kapitänleutnants Graf Ernst Reventow voranzutreiben. Letztendlich fusionierte die dvAG am 16. Dezember 1922 mit den Deutschvölkischen unter Reventow zur Deutschvölkischen Freiheitspartei, der sich einige Teile der völkischen Bewegung anschlossen.

Erst im Jahre 1926 setzten sich die chauvinistisch-antisemitischen Kräfte der Partei durch, als letztendlich der bereits 1921 geforderte „Arier-Paragraph“ eingeführt und alle Juden aus der Partei ausgeschlossen wurden.

1928 geriet die bisherige konservative Partei mit der Wahl Alfred Hugenbergs zum Parteivorsitzenden immer mehr ins politische Fahrwasser des Nationalsozialismus: Bereits 1931 schlossen sich die NSDAP und die DNVP mit dem paramilitärischen Stahlhelmbund zur Harzburger Front zusammen. Dieses politische Zweckbündnis sollte Hitlers Weg zur Kanzlerschaft ebnen.

Auflösung

Am 30. Januar 1933 war die DNVP an Hitlers Machtergreifung maßgeblich beteiligt: In der 1. Regierung Hitler stellte sie den Großteil der Minister. Dennoch geriet sie immer mehr in die Bedeutungslosigkeit, da Hitler bereits Neuwahlen ausgeschrieben hatte. Nach der Einführung des Ermächtigungsgesetzes kam die DNVP am 27. Juni 1933 durch Selbstauflösung einem allgemeinen Parteiverbot vor.

Versuche einer Neugründung

Nach dem Zusammenbruch des Großdeutschen Reichs, hervorgerufen durch die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und die völkerrechtswidrigen Verhaftung der letzten Reichsregierung (Regierung Dönitz) kam es vonseiten der Deutschnationalen zu verschiedenen Versuchen, erneut eine deutschnational orientierte Partei zu etablieren: So entstand 1950 unter anderem mit der Deutschen Konservativen Partei – Deutsche Rechtspartei eine neue Rechtspartei, die sich nicht als Nachfolgeorganisation der NSDAP verstand. Fünf Jahre zuvor war in Hessen die Nationaldemokratische Partei gegründet, die eine deutschnationale „Nationaldemokratie“ vertrat. Deren Gründer, Heinrich Fassbender, begründete 1962 eine neue Deutschnationale Volkspartei, die 1964 mit anderen Rechtsparteien zur NPD fusionierte.

Siehe auch

Literatur


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