Deutschnationalismus

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Deutschnationalismus, seit 1878 Bezeichnung einer ideologisch-politischen Strömung der Donaumonarchie und der Republik Deutschösterreich. Er wird zum Ethno-Nationalismus gezählt und als solcher führt er sich auf ein gemeinsames Volkstum zurück, das sich vor allem durch Sprache und Kultur definiert. Synonym ist deutscher Nationalismus.

Der Deutschnationalismus als solches galt als freiheitlich-nationaldemokratische Richtung und die in ihm latent vertretene Judenfeindlichkeit orientierte sich am traditionellen Antijudaismus. Aus diesem Grunde bekannten sich auch zahlreiche Juden zu ihm. Eine kleine radikale Minderheit vertrat einen extremen Rassenantisemitismus, der den Deutschnationalismus letztendlich in die Nähe des Rassismus positionierte.

Entstanden ist der Deutschnationalismus nach 1867 aus der nunmehrigen Grenzlandsituation der Deutschösterreicher heraus, die entstand, als der Deutsche Bund aufgelöst und Deutschösterreich aus der deutschen Frage ausgeschlossen wurde. Der Deutschnationalismus sollte die bisherige vorherrschende Stellung der ethnischen Deutschen Österreich-Ungarns weiterhin sichern.

Aus dem Deutschnationalismus heraus entstand nach 1871 im Deutschen Kaiserreich ein extrem chauvinistischer völkischer Nationalismus, der auch in der Weimarer Republik vertreten wurde. Doch im Gegensatz zum Deutschnationalismus war der völkische Nationalismus strikt Rassenantisemitisch ausgelegt. Beiworts sind deutschnational und deutschnationalistisch.

Definition

Prolog

Zum ersten Mal tauchte in der Frankfurter Nationalversammlung eine Gruppierung auf, die den Namen „deutschnational“ führte. Im Gegensatz zur späteren Deutschnationalen Bewegung waren die ersten Deutschnationalen liberal, freiheitlich und republikanisch-demokratisch ausgerichtet. Im Bezug auf den Umfang des zukünftigen deutschen Nationalstaates stand diese Gruppierung der Großdeutschen Partei nahe. Der Terminus „deutschnational“ sollte offenbaren, dass sich diese Partei letztendlich nur um die Deutschen des Deutschen Bundes bezog. Von den Siedlungsgebieten außerhalb sollte nur Deutschösterreich einbezogen werden.

Auftauchen des Deutschnationalismus als Ideologie

Nach dem verlorenen Deutschen Bruderkrieges (1866) formierten sich deutschnational gesinnte Kleinbürger und Gelehrte in den Provinzstädten zu den Deutschen Autonomisten, die mit ihrem Ausseer Programm staatsrechtlich die Abtrennung der Gebiete Galizien, Bukowina und Dalmatiens von der österreichischen Reichshälfte forderten.

Als eigenständige Ideologie trat der Deutschnationalismus erstmals 1878 in Österreich-Ungarn zutage. Dort galt die allein auf Österreich-Ungarn bezogene Ideologie als nationaldemokratisch und manifestierte sich in der Deutschnationalen Bewegung. Doch ab 1885 radikalisierte sich der Deutschnationalismus und zerfiel in zwei Flügel: Der Gemäßigte vertrat die Programmpunkte des Linzer Programms der Urfassung, der Extreme vertrat einen chauvinistischen Rassenantisemitismus alldeutscher Prägung.

Obwohl ursprünglich als rein österreichische Ideologie konzipiert, fand der Deutschnationalismus über die deutschen Mittelstaaten auch seine Anhänger im nunmehrigen deutschen Nationalstaat. Dieses gelang um so leichter, als sich die Deutschnationalen in ihrem Ursprungsland schließlich weitgehend die Vorstellungen einer großdeutschen Lösung im Sinne des deutschen Nationalstaates übernommen hatten.

Als die Deutschnationale Bewegung 1879 den politischen Kampf mit der einflussreichen Deutschliberalen Partei aufnahm, formierte sich in Berlin eine Christlich-Soziale Arbeiterpartei. Diese übernahm wesentliche Teile des Deutschnationalismus und war ebenfalls eine rasseantisemistische Partei. Unter Georg von Schönerer wurde 1882 das Linzer Programm verkündet, mit dem der Deutschnationalismus ein bedeutendes Grundsatzprogramm erhielt.

Spaltung der Deutschnationalen in „Deutscher Klub“ und „Deutschnationaler Verein“

Innerhalb des Deutschnationalismus und der daraus gebildeten Bewegung existierten zwei wesentliche Strömungen: Die Mehrheit der Deutschnationalen standen treu zur Donaumonarchie und zur herrschenden Dynastie. Der radikale Flügel unter Georg von Schönerer, der ursprünglich ein Vertreter der Großdeutschen Idee war und nun zu den Völkischen gezählt wurde, geriet immer mehr in Konflikt mit der Obrigkeit. Schönerer gründete 1887 den Deutschnationalen Verein, der 1891 zur Alldeutschen Bewegung ausgebaut wurde.

Infolge der Zerstrittenheit der Deutschnationalen ging die Deutschnationale Bewegung in Österreich-Ungarn unter und es entstanden bis 1896 zahlreiche deutschnational orientierte Parteien: 1891 entstand zum einen die Deutsche Nationalpartei. Diese stand politisch der Großdeutschen Partei nahe und Vorsitzender war Otto Steinwenders. Von Schönerer und seine Anhänger verstanden sich als Antisemiten. Sie lehnten das Judentum in allen Formen ab, und verstanden auch die Römisch-Katholische Kirche als eine Variante des Judentums. So bildeten radikale Deutschnationale und Großdeutsche ebenfalls 1891 die Alldeutsche Bewegung. Die Alldeutsche Bewegung war stark kirchenfeindlich und neoheidnisch eingestellt. Die Alldeutschen propagierten einen völkischen Nationalismus, der nicht nur in Österreich-Ungarn, sondern auch im Deutschen Kaiserreich Verbreitung fand.

Entstehung weiterer deutschnationaler Parteien und Bildung der Alldeutschen Vereinigung

1891 wurde auf den Grundsätzen des Deutschnationalismus die Deutsche Nationalpartei gegründet und 1896 wurde von Georg von Schönerer die Deutsche Volkspartei gegründet.

1901 wurde die Alldeutsche Bewegung in Alldeutsche Vereinigung umbenannt. Diese trennte sich nun völlig vom Deutschnationalismus und ging ideologisch eigene Wege. 1903 erfolgte die Gründung der Deutschradikalen Partei und 1905 der Deutschen Agrarpartei. 1907 schlossen sich die Deutsche Volkspartei und die Alldeutsche Vereinigung zu einem deutsch-national orientierten Verband zusammen. Ihnen gliederten sich 1910 diverse deutschnationale und deutschliberale Gruppierungen an und des wurde nun der Deutsche Nationalverband gebildet. Dieser wurde bereits 1911 mit 104 Abgeordneten die stärkste Fraktion im österreichischen Reichsrat. Ihm trat im selben Jahr die Deutsche Arbeiterpartei bei.

Deutschnationale Parteien nach dem Ersten Weltkrieg

Nach Ende des Ersten Weltkrieges entstanden in der Republik Österreich aus dem Deutsch-Nationalismus heraus die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und Großdeutsche Volkspartei sowie die Deutsche Nationalpartei.

Deutschnationalismus und Nationalsozialismus

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Deutschnationalismus vielfach als Vorläufer des späteren Nationalsozialismus angesehen. Zwar entstanden aus dem Deutschnationalismus einige Parteien, die sich als „nationalsozialistisch“ definierten, die aber im Großen und Ganzen nicht mit der späteren NSDAP gleichzusetzen sind. Deutschnationale Bewegungen hat es in Österreich seit ca. 150 Jahren gegeben. Was den Deutschnationalismus und den Nationalsozialismus miteinander verband, war die Forderung die Deutschen Österreichs und des deutschen Nationalstaates in einem Großdeutschland zu vereinen. Walter Witschegg schreibt in seinem Buch Österreich ― Der „zweite deutsche Staat“?: Dass das nationale Bekenntnis zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft in Österreich heute legal ist und daher nicht unter das Verbot der nationalsozialistischen Partei im Staatsvertrag fällt. (…) die Österreicher deutscher Muttersprache seien Angehörige des deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft (…). Vielmehr müsse man eine scharfe Grenze zwischen dem Deutschnationalismus und dem Nationalsozialismus ziehen.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Christian Zentner und Friedemann Bedürftig (Hrsg.): Das große Lexikon des Dritten Reiches, Südwest Verlag 1985, ISBN 3-517-00834-6
  • F. A. Brockhaus: Der Neue Brockhaus. Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, Verlag F. A. Brockhaus Leipzig 1938, Band 1 A–E, Artikel „Deutschnationale Bewegung“, S. 565

Fußnote

  1. Walter Witschegg: Österreich ― Der „zweite deutsche Staat“? Der nationale Gedanke in der Ersten Republik, S. 17


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