Deutschsozialistische Partei

Aus Deutsche Geschichte
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Deutschsozialistische Partei
Gründungsdatum 23./25. April 1920
Parteiform Führerpartei
Bekenntnispartei
Rechtspartei
Splitterpartei
Ausrichtung deutschsozialistisch
sozialrevolutionär
nationalrevolutionär
deutschvölkisch
antisemitisch
Parteivorsitzender Alfred Brunner
Aufgelöst seit

Herbst 1922

Eingegliedert von

NSDAP

Deutschsozialistische Partei (DSP), Name einer Rechtspartei aus den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Vorsitzender war der Düsseldorfer Maschinenbauer Alfred Brunner. Die Schreibung Deutsch-Sozialistische Partei wird synonym verwendet. Beiwort ist deutschsozialistisch.

Politische Ausrichtung

Die DSP entstammte dem Germanenorden und war von der Alldeutschen Idee inspiriert. Dementsprechend war sie antisemitisch und deutsch-völkisch ausgerichtet. Das Grundsatzprogramm war von Brunner entworfen, der eine Sammlung der deutschen Arbeiterschaft auf „deutschnationaler“ Grundlage forderte. Brunners Deutschsozialismus war fast mit dem Nationalsozialismus identisch. Offiziell galt die Partei als „völkisch-links“ und propagierte Positionen, die ihren „Deutschsozialismus“ in die Nähe des Nationalbolschewismus brachten. (→ Soziale Revolution, Nationale Revolution)

Parteigeschichte

Die Wurzeln der DSP lagen wie die der Deutschen Arbeiterpartei Anton Drexlers in der Münchner Thule-Gesellschaft. Die DSP war fest in die deutschvölkischen Bewegung integriert und zahlreiche Parteimitglieder entstammten dem Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund (DVSTB).

Erste Ortsgruppen

Am 24. November 1919 entstand in Nürnberg die erste Ortsgruppe, die bereits im Sommer rund 350 Mitglieder besaß. Leiter waren ehemalige Alldeutsche, die über den DVSTB zur DSP gestoßen waren: Hans Vey und Ludwig Käfer. Eines der Mitglieder war ein radikaler Antisemit namens Julius Streicher, der ebenfalls dem DVSTB entstammte. Ein anderer Schwerpunkt der kleinen Partei lag seit Mai 1919 in München, wo sie allerdings in Konkurrenz zur DAP trat. Dort gründeten zwei Mitglieder, Hans Georg Müller und Max Sesselmann, die Zeitung „Münchner Beobachter (MB)“, der bald in Völkischer Beobachter umbenannt wurde.

Gründungsparteitag und Reichstagswahl

Ergebnisse bei der Reichstagswahl 1920[1]
Wahlkreis Stimmen
18 Süd-Hannover / Braunschweig 663 0,07 %
19 Westfalen-Nord 913 0,09 %
29 Franken 2350 0,22 %
32 Leipzig 2071 0,33 %
33 Chemnitz-Zwickau 1191 0,13 %
Deutsches Reich 7188 0,03 %

In Hannover fand zwischen dem 23. und 25. April 1920 ein Gründungsparteitag statt, auf dem die reichsweite Ausweitung der Partei beschlossen wurde. Die Gründungsversammlung wurde von Vertretern der Ortsgruppen Bielfeld, Duisburg, Kiel, Leipzig und Wanne-Eickel getragen. Brunner wurde dort zum Vorsitzenden gewählt und Streicher wurde für Nürnberg Vorstandsmitglied.

Doch galten innerhalb der DSP die Ortsgruppen Nürnberg (Streicher) und München (Max Sesselmann) so autonom, dass wichtige Entscheidungen von ihnen abhängig waren[2]. Am 6. Juni 1920 erreichte die DSP in der gesamten Weimarer Republik einen Stimmenanteil von 0,03 Prozent, was 7188 Wählern entsprach. Sie trat allerdings nur in fünf der 35 deutschen Wahlkreisen an.

Fusionspläne mit der NSDAP

Julius Streicher agierte in Nürnberg diktatorisch. Seine Stellung in der DSP glich der Adolf Hitlers. Auch in ihm wuchs der Wunsch, Führer aller Antisemiten zu werden[2]. Und anfänglich sah es aus, als ob die DSP mit der NSDAP kooperieren könne. Doch Hitler widersprach einer Einmischung vonseiten der DSP. Ende März 1921 fand in Zeitz ein Treffen statt: Dort versuchte die DSP unter Streicher mit dem Vorsitzenden der NSDAP, Anton Drexler und den österreichischen Nationalsozialisten unter Walter Riehl, DSNAP, NSDAP und DSP zu einer großdeutschen Partei namens Deutsche Nationalsozialistische Partei mit Sitz in Berlin zu fusionieren. Doch Hitler widersprach diesem Bestreben heftig, sodass dieser „Fusionsparteitag“ scheiterte[2]. Anderen Quellen nach hatte Drexler von Hitler nicht die Befugnis bekommen, für die NSDAP an dem Parteitag teilzunehmen, sodass dieser im Namen Hitlers die Fusionspläne ablehnen musste[3]. Es wurden in Zeitz die territorialen Einflussbereiche zwischen DSP und DAP abgesteckt: So sollte Erstere nördlich der Mainlinie und im Nürnberger Raum agieren. Der Einflussbereich der DAP sollte sich südlich davon befinden.

„Deutscher Tag“ in Salzburg

Am 7. und 8. August 1920 war Alfred Brunner Teilnehmer des von Walter Riehl in Salzburg veranstalteten Deutschen Tages. Riehl, Vorsitzender der österreichischen DNSAP, startete mit diesem „Deutschen Tag“ erneut den Versuch, alle deutschsprachigen Nationalsozialisten in einer großdeutschen Nationalsozialistischen Partei zu vereinen. Zu diesem Zwecke gründete er bereits im Dezember 1919 eine Zwischenstaatliche Kanzlei des deutschen Sprachgebietes, der auch die sudetendeutschen Nationalsozialisten unter Rudolf Jung angehörten. Hitler widersetzte sich dem Bestreben. Doch wurden auf diesem Treffen vereinbart, dass alle nationalsozialistisch orientierten Gruppen die von Hitler mit gestaltete Hakenkreuzfahne übernahmen.

Auflösung

Im Sommer 1921 versuchte Streicher die Deutsche Werkgemeinschaft des Augsburger Studienrates Otto Dickel für die DSP zu gewinnen. Diese hatte in Nürnberg eine Ortsgruppe gegründet, der zahlreiche Mitglieder der dortigen DSP beitraten. Damit geriet die DSP im Nürnberger Raum in die Bedeutungslosigkeit. Julius Streicher trat mit seiner verbliebenen Ortsgruppe aus der DSP aus und unterstellte diese im Oktober 1922 Hitlers NSDAP. Noch im Herbst 1922 löste sich die DSP als eigenständige Partei auf und ihre Mitglieder wurden überwiegend in die NSDAP übernommen, die dadurch ihre Mitgliederzahl nahezu verdoppelte.

Fußnoten

  1. Wahlergebnis 1920 bei www.gonschior.de
  2. 2,0 2,1 2,2 Historisches Lexikon: Artikel „Deutschsozialistische Partei“, abgerufen am 1. April 2013
  3. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 71


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