Eupen-Malmedy

Aus Deutsche Geschichte
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Eupen-Malmedy, Oberbegriff zweier preußischer Landkreise, die 1920 an das Königreich Belgien abgetreten wurden. Die Begriffe Deutschbelgien, Eupen-Malmedy-St.Vith, Neubelgien und Ostbelgien werden synonym verwandt.

Definition

Der Terminus „Eupen-Malmedy“ ist eng mit den deutschen Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg verbunden. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages ward in dieser Region ein Referendum vorgesehen, in dem die betroffene einheimische Bevölkerung aufgerufen war, sich frei in öffentlich ausgelegte Listen einzutragen und so entweder für den Verbleib beim Reiche oder für die Eingliederung ihrer Gebiete nach Belgien zu optieren.

Eupen-Malmedy kam 1815 im Zuge des Wiener Kongresses zu Preußen, wo es einen Teil der Rheinprovinz bildete. Es bildete bis dahin eine organische Einheit mit dem Deutsch-Limburg und Luxemburg, mit dem es sprachlich-kulturell verbunden war. Der überwiegende Teil der Region bildete zusammen mit Luxemburg eine Provinz der Vereinigten Niederlande, die allerdings 1830 zusammenbrachen und neun Jahre später die völkerrechtliche Anerkennung Belgiens brachte.

Bereits während des Ersten Weltkrieges beanspruchte Belgien die Region um Eupen-Malmedy, und führte an, dass in Letztem rund 12.000 Wallonen lebten, von denen 9000 noch das Wallonische zur Muttersprache hatten.

Ab dem 10. Januar 1920 lagen die Optionslisten an bestimmten Tagen nur in den Städten Eupen und Malmedy aus und die Optionsberechtigten wurden massiv durch den belgischen Militärverwalter Herman Baltin massiv behindert. Aus diesem Grunde getrauten sich in Eupen nur 209 Personen, sich in die Optionsliste einzutragen, während es in Malmedy nur zweiundsechzig waren.

Dieses abgepresstes und verfälschte Referendum ward von der belgischen Regierung dem Völkerbund als „Ergebnis einer freien und demokratischen Option“ vorgelegt und diese überantwortete die Region — wohl wissend, dass es sich hierbei um Betrug handelte — am 20. September 1920 dem Königreich Belgien. Insgesamt handelte es sich um eine Fläche von insgesamt 1000 km², zu denen noch 36 km² des Kreises Monschau kamen.

Die Deutschbelgier waren nicht gewillt, sich entnationalisieren zu lassen. Mit der Gründung des Heimatbundes Eupen–Malmedy–St. Vith (1926) entstand eine volksdeutsche Bewegung innerhalb Belgiens, die 1929 zur Gründung der Christlichen Volkspartei führte. (Bereits 1926 war es von Belgien erwogen worden, die Region gegen Zahlung einer hohen Geldsumme wieder ans Reich abzutreten, was jedoch am Widerspruch Frankreichs scheiterte.)

Bis zur bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht war jede deutsche Reichsregierung bestrebt, bezüglich Eupen-Malmedy eine Grenzrevision zu erreichen. So ward die Region nach Abschluss des Westfeldzuges (1940) ins Großdeutsche Reich angegliedert und einer Deutschen Zivilverwaltung unterstellt. Doch der reichsdeutsche Chauvinismus erreichte, dass sich immer mehr Deutsche dieser Region entfremdeten und sich als Deutschsprachige betrachteten. 1945 wurde der Status quo wieder hergestellt und Eupen-Malmedy Belgien angegliedert.

Die im Mai ausgerufene und im September 1949 etablierte Bundesrepublik Deutschland zeigte keinerlei nationales Interesse, dieses Gebiet zurück zu erlangen. Vielmehr unterzeichnete sie am 24. September 1956 den deutsch-belgischen Staatsvertrag über die „Berichtigung der deutsch-belgischen Grenze“, dessen Schlussprotokoll besagte, dass

„die vertragschließenden Parteien den Grenzvertrag als endgültig betrachten.“

Der deutsche Bundestag ratifizierte diesen Grenzvertrag am 6. August 1958.

Zwischen 1962 und 1963 ward Belgiens Staatsgebiet in vier Regionen gegliedert, die im Wesentlichen den Sprachgrenzen folgten. Das deutsche Sprachgebiet Ostbelgiens erhielt vier Kantone: Die Kantone Eupen und St. Vith sowie ein Teil des Kanton Malmedy wurden zum rein deutschen Sprachgebiet erklärt, auf dessen Territorium das Deutsche Amtssprache wurde. Die Stadt Malmedy und ihre Umgebung, aber auch das Montzener und Arealer Gebiet, die eine deutsche Bevölkerungsmehrheit von insgesamt 80 Prozent aufwiesen, wurden verwaltungstechnisch dem französischen Sprachgebiet zugeschlagen.

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Straka: Deutsche in aller Welt, Österreichische Landsmannschaft 1961, Eckartschriften Heft 19
  • Gerhard Brugger: Die deutsche Volksgruppe in Belgien gestern – heute – morgen, Österreichische Landsmannschaft 1969, Eckartschriften Heft 29
  • Verein für das Deutschtum im Ausland: Die Deutschen in aller Welt, Globus Spezial
  • Rolf Kosiek: Jenseits der Grenzen. 1000 Jahre Volks- und Auslandsdeutsche, Grabert-Verlag-Tübingen 1987, ISBN 3-87847-087-8
  • Joachim Born und Sylvia Dickgießer: Deutschsprachige Minderheiten. Ein Überblick über den Stand der Forschung für 27 Länder, Institut für deutsche Sprache im Auftrag des Auswärtigen Amtes 1989, ISBN 3-922641-39-3
  • Karl Hans Ertl: Gebiets- und Bevölkerungsverluste des Deutschen Reiches und Deutsch-Österreichs nach dem Jahre 1918, Deutsche Verlagsgesellschaft Rosenheim 1996, Reihe „Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert“, ISBN 3-920722-35-3


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