Führer- und Gefolgschaftsprinzip

Aus Deutsche Geschichte
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Führer- und Gefolgschaftsprinzip, ursprünglich absolutisch-militärischer Fachausdruck, der im 19. Jahrhundert auf Teile der politischen Bewegungen und Parteien übertragen wurden und dort bis heute angewendet wird. So sind beispielsweise Parteimitglieder an den Weisungen der Parteivorsitzenden gebunden, sofern sich diese nicht dem aktuellen Parteiprogramm widersprechen.

Nach Auffassung aller totalitären Gesellschaftssysteme ist die gesamte Gesellschaftsform auf das Führer- und Gefolgschaftsprinzip auszurichten, dass alle Bereiche (privater und öffentlicher Art) zu durchdringen habe. Auch in kommunistischen Diktaturen herrscht dieses System vor, was dort in der Regel als Volksdemokratie bezeichnet wird. Ähnlich wie faschistoide Systeme wird dort der Grundsatz verbreitet, dass die Partei (vertreten durch den jeweiligen Vorsitzenden) immer Recht habe und dass den Anweisungen des Politbüros immer Folge geleistet werden müsse. Die Begriffe Führerprinzip und Führergrundsatz werden synonym verwendet. (→ Führerstaat, Obrigkeitsstaat)

Der Terminus „Führer- und Gefolgschaftsprinzip“ wird heute eng mit dem Nationalsozialismus Hitler’scher Prägung verbunden: Es kennzeichnet das seit 29. Juli 1921 in der NSDAP herrschende radikal antidemokratische Leitungssystem, dass der nunmehrige Führer der NSDAP in seinem Werke „Mein Kampf“ publizistisch propagierte. So forderte Hitler, dass der deutsche Nationalstaat nach dem Grundwerten der „germanischen Demokratie“ aufgebaut werden müsse, um diesen erneut zur Weltmacht aufzubauen.

Ursprung

Ursprünglich war dieses Prinzip beim Militär verankert, an dessen oberster Stelle im Mittelalter der römisch-deutsche Kaiser als Oberbefehlshaber stand. Nach dem Dreißigjährigen Kriege wurden die föderativen Reichsländer zu absolutischen Monarchien umgewandet, an dessen Spitze der jeweilige Landesherr stand. Dieser übte uneingeschränkt seine Macht über das Volk und die Armee des Staates aus, dessen oberster Feldherr er war. Jedem seiner Befehle war Folge zu leisten, Nichtbeachtung derselben führten zu drakonischen Strafen. (→ Der Staat bin ich)

Faschismus

Vorbild Hitlers, und anderer Diktatoren, war das faschistische Duce-System mit Benito Mussolini an der Spitze. Nach dem Führer- und Gefolgschaftsprinzip sei nur der oberste Führer durch das Volk zu bestätigen, alle diesem untergeordneten Führer würden von ihm ernannt werden. Diese wiederum würden die ihnen untergeordneten Führer ernennen, sodass sichergestellt sei, dass alle politischen Entscheidungen „unabhängig von allen Interessenverbindungen“ getroffen würden.

Nationalsozialistisches Führerprinzip

Die „germanische Demokratie“ würde am reinsten durch den Nationalsozialismus vertreten und beruhte nach damaliger Auffassung auf die unbedingte Verbindung von absoluter Verantwortlichkeit mit der absoluten Autorität. So habe sich die Gefolgschaft den Führern absolut zu unterwerfen und müsse jeden ihrer Befehle bedingungslos umsetzten bzw. ausführen, ohne diesen zu hinterfragen. Daher sei die Gefolgschaft per Eid zu verpflichten und auf den obersten Führer einzuschwören. (→ Der Führer hat immer Recht)

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ward das in der NSDAP vertretene Führerprinzip auf alle Bereiche des Staates und der Gesellschaft ausgedehnt. Das Gesellschaftssystem müsse sich eng an das nationalsozialistische System anpassen und letztendlich mit diesem übereinstimmen. Daher ward das Deutsche Reich ab Ende 1933/Anfang 1934 über mehrere Schritte zum Einheitsstaat ausgebaut, in dem die alten Länder nur noch die Funktion von Verwaltungseinheiten des Reiches hatten. Die NSDAP übte dort ihre Machtstellung über die Reichsstatthalter aus, die gleichzeitig die Partei-Dienststellung des Gauleiters innehatten. Dieser ernannte den Kreisleiter, der wiederum den Zellenleiter ernannte. Letzterer ernannte den Blockleiter, dessen Aufgabe es war, die nationalsozialistische Gesinnung der ihm unterstellten Bevölkerung zu überprüfen und zu fördern. (→ Hoheitsträger der NSDAP)

Führergrundsatz, im Deutschen Reiche seit 1933 der Organisationsgrundsatz aller Erscheinungs- und Organisationsformen des Volkes. F. bedeutet die organisatorische Seite der Führung, während im wahren Führertun ihr innerer Kern, die Verbundenheit zwischen Führer und Gefolgschaft, zu verstehen ist. Die beiden Hauptmerkmale des F. sind: Autorität nach unten und Verantwortlichkeit nach oben. Adolf Hitler als oberster Führer des Volkes fühlt sich dem ganzen Volk verantwortlich. Bei entscheidenden Entschlüssen hat er Volksabstimmung versichert. Dadurch unterscheidet sich der deutsche Führerstaat grundsätzlich von der Diktatur. Die leitenden Persönlichkeiten des Staates und der ihm eingegliederten öffentlich-rechtlichen Verbände werden nicht mehr durch Mehrheitswahlen zum Amt berufen und sind nicht mehr in ihrer Amtsführung von Mehrheitsabstimmungen abhängig. Statt der bei einer Mehrheitsherrschaft unvermeidlichen Abschiebung der Verantwortlichen auf eine unpersönliche Zahl erstrebt der F. klar erkennbare Führung durch verantwortliche Einzelpersönlichkeiten. Er beruht auf dem Gedanken der Auslese; führen sollen die jeweils fähigsten Männer. Darum treiben Partei und Staat bewußte Führerauslese. Die deutsche Gemeindeordnung 1935 brachte die Durchführung des F. auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung.“

„Der Neue Brockhaus“ (1938), Zweiter Band F–K, Eintrag „Führergrundsatz“ (S. 135)

Literatur


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