Freikorps

Aus Deutsche Geschichte
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Der Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) beim Freikorps Hülsen, Berlin 1919


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Freikorps [ˈfʀaɪ̯ˌkoːɐ̯], auch Freischar, Substantiv, Neutrum. Eigenname militärischer Freiwilligenverbände, die ohne feste Zuordnung zu einem größeren Militärverband agieren.

Etymologie

Der Begriff Freikorps ist eng mit den deutschen Befreiungskriegen des 19. Jh.s verbunden, als sich Freiwillige zu Freischaren zusammenschlossen und unter militärischer Befehlsführung am Freiheitskampf teilnahmen.

Weimarer Republik

Das Freikorps Erhardt während des Kapp-Putsches 1920

Am 9. Nov. 1918 hatte Reichskanzler Prinz Max von Baden im SPD-Organ Vorwärts veröffentlichen lassen, dass der Kaiser abgedankt habe.[1] Daraufhin bildeten sich zahlreiche paramilitärische Freiwilligenverbände, um die Ruhe und Sicherheit im Reiche wiederherzustellen.

Die wild aufgestellten Freikorps unterstanden zumeist dem Kommando deutschnationaler Offizieren, von denen sich ein Teil dem bereits im Aug. 1918 begründeten deutschvölkischen Germanenorden bzw. dessen Trägerverein, der Thule-Gesellschaft, angeschlossen hatten. Die Freiwilligenverbände waren in der Regel nach ihrem Gründer und Kommandeur benannt: So entstanden beispielsweise neben dem Freikorps Feldmarschall Hindenburg das Freiwilligen-Corps Brüssow, die 12. Infanterie-Division und das Wachregiment Halle.

Neben regulären Feldsoldaten der alten Armeen traten nach Beginn des mit der Triple Entente ausgehandelten Waffenstillstandes verstärkt Arbeitslose und fanatische Nationalisten ein, die sich mit den Zuständen des damaligen Reiches nicht abfinden wollten und konnten: So lehnten sie die von Philipp Scheidemann (SPD) ausgerufene demokratische Republik samt ihres parlamentarisch-demokratischen Systems ab, und sie forderten die Wiederherstellung eines starken Deutschlands unter einem starken Führer. Dabei liessen viele Freikorpsangehörige offen, ob dieser „starke Mann“ nun aus der Hohenzollern-Dynastie entstammen und die konstitutionelle Monarchie wiederherstellen oder aus dem Kreise erzkonservativer Bürgerlicher kommen sollte.

Rolle als sog. Übergangsarmee der Weimarer Republik

1918/21 übernahmen die Freikorps die Funktion der alten Armeen, die mit der Abschaffung der Monarchieen in den Bundesstaaten aufgelöst waren. Als Übergangsheer schlugen ihre Einheiten 1919 den Januarstreik Berlins blutig nieder und wurden als Grenzschutz Ost an der 1918 neu entstandenen deutsch-polnischen Grenze eingesetzt. Vor allem im später verklärten oberschlesischen Freiheitskampf schlugen deutsche Freikorps drei Mal polnische Invasoren nieder, die dieses kohlereiche Territorium für das neu entstandene Polen einforderte und dieses mit der nahen sprachlichen Verwandtschaft der sog. Wasserpolen begründeten.

Doch wurden die Freikorps auch in die verschwörerischen Aktionen der politischen Rechten eingebunden: So wurden in deren politischen Kampf gegen die Linke unter anderem deren Führungsspitz Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, aber auch der jüdische Politiker Walter Rathenau von Angehörige der Freikorps ermordet. Der missglückte Kapp-Putsch (1920) hatte de jure die Auflösung der paramilitärischen Freikorps und der bürgerlichen Wehrverbände zur Folge. Doch de facto bestanden sie als schwarze Reichswehr weiter und wurden vom Reichskriegsministerium in dessen Verteidigungspläne voll einbezogen.

Rolle nach Aufstellung der offiziellen Reichswehr

1921 unterzeichneten reichsdeutsche Politiker den Versailler Vertrag, in dem die Stärke der Deutschen Reichswehr auf 114 000 Mann festgelegt wurde. Davon entfielen 100 000 auf das Reichsheer als solches und 14 000 auf die Kriegsmarine. Das Reichsheer wurde nun als Reichswehr reorganisiert in die auch 45 Freikorpsverbände übernommen wurden.[2]

Beachtenswert ist die Tatsache, dass die irreguläre Schwarze Reichswehr in den 1920er Jahren weit über 200 Freiwilligenverbände besaß, die mit ihren über 400 000 Angehörigen personell vier Mal stärker als die reguläre Armee war. De facto galten die Verbände der schwarzen Reichswehr jedoch als Reservereservoir der Reichswehr und wurden voll in eventuelle Verteidigungspläne des Reichskriegsministeriums einbezogen.

Freikorps in der „nationalsozialistischen Bewegung“

Ab 1921 traten viele Freikorpsführer der NSDAP bei und überführten vielfach auch ihren Verband in die nationalsozialistische Bewegung. Dort bildeten sie einen großen Teil der frühen Sturmabteilung. Eines der bekanntesten Freikorps war die 2. Marine-Brigade Ehrhardt, deren Führer Hermann Ehrhardt sich zwar rasch mit Adolf Hitler, dem Führer der NSDAP, überwarf, dass aber nach dessen Machtergreifung (1933) geschlossen in die Schutzstaffel überführt wurde.

Literatur

Fußnoten

  1. Dieses war eine politische Lüge, da sich dass deutsche Staatsoberhaupt Kaiser Wilhelm II. Von Preußen zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Berlin, sondern in seinem Hauptquartier im belgischen Spa befand. Dieser unterzeichnete erst am 28. Nov. im niederländischen Amerongen seinen Thronverzicht, sodass die neue Republik letztendlich durch einen politisch motivierten Putsch begründet wurde.
  2. Verlag Weber: Die deutsche Reichswehr und deren Freiwilligen-Verbände, S. 9–11


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