Germanen

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Germanen [ɡɛʁˈmaːnən] pl., Substantiv, feminin. Römischer Sammel- und Oberbegriff für indogermanische Volksstämme, die östlich des Rheins siedelten und die nicht zu den keltischen Galliern gerechnet wurden. Sie gelten als Vorfahren der heutigen germanischen Völker. Beiwort ist germanisch.

Wissenschaftlich spricht man dagegen vornehmlich von Germanen, wenn auf die germanischstämmige Bevölkerung Nord- und Mitteleuropas Bezug genommen wird.
Wird jedoch explizit auf die Germanen Skandinaviens einschließlich der Wikinger aufmerksam gemacht, dann wird vornehmlich die Subsbezeichnung ergänzend der Unterbegriff Nordgermanen verwendet, wie dies auch bei Germanien und Nordgermanien geschieht.

Synonyme

  • germanische Stämme[sverbände]
  • germanische Völker[schaften]

Etymologie, Anwendung

Der Begriff Germanen ist eng mit dem Namen Julius Caesar verbunden, der ihn in die Literatur einführte und damit jene Nachbarn der Kelten beschrieb, die jenseits des Rheins lebten.
Seit dem Ende der Bronzezeit siedelten germanische Stämme in Südskandinavien und Norddeutschland, wo sie vor allem an der Elbemündung lebten.
Ihre Ethnogenese wird heute von den Indogermanen abgeleitet, die von Süden aus nach Nordeuropa einbrachen und dort auf eine nicht indogermanische Urbevölkerung stießen, mit der sie sich vermischten.

Kelten vs. Germanen, Schlacht im Teutoburger Wald

Kelten und Germanen waren sich kulturell sehr ähnlich und ebenso kriegerisch, sodass für das Römerreich vielfach eine Trennung zwischen beiden nicht möglich war. Aus diesem Grund entschied sich Rom, den Rhein als Demarkationslinie zwischen beiden zu ziehen: Alles, was linksrheinisch war, war gallisch, alles, was rechtsrheinisch war, germanisch.

Roms Versuche, auch die rechtsrheinischen Germanen militärisch zu besiegen, schlugen fehl: Um 9.n. Chr. schlugen diese, unter der Federführung des Cherusker Arminius, die unter dem Kommando des Publius Quinctilius Varus stehenden drei Legionen im Teutoburger Wald. Als unmittelbare Folge dieser totalen Niederlage errichtete das Römerreich den Limes und gab alle Pläne auf, das rechtsrheinische Gebiet zu erobern, das nun das freie Germanien bildete.

Germanische Königreiche

Im Zuge der, durch die Hunnen hervorgerufene, Völkerwanderung durchbrachen schließlich germanische Stämme den römischen Limes und überrannten das untergehende Römerreich. Es entstanden dort zahlreiche germanische Königreiche, von denen die Königreiche der Sueben und Goten, Burgunder und Vandalen sowie Langobarden und Franken die wichtigsten darstellen. Vor allem das Frankenreich traten schließlich im 5. Jh. das politische Erbe des Römerreiches an, indes die Jüten, Angeln und Sachsen die britischen Inseln eroberten und dort die Königreiche der Angelsachsen gründeten.

Germanische Götter

Hauptartikel: Germanische Götter

Alle Germanen verehrten dieselben Götter, auch wenn deren Namen mit unter variierten. So galten denn auch bei den West- bzw. Südgermanen folgende Asen und Wanen als Götter, derweil bei den bekanntesten die nordischen Namensformen in eckigen Klammern beigefügt sind:

Bisweilen werden auch mythische Figuren wie Cisa, Krodo oder Stuffo genannt.

Nord- und Westgermanen

Hauptartikel: Nordgermanen

Infolge der nahezu vollständigen Abwanderung der Jüten auf die britischen Inseln zerbrach das bis ins 5. Jh. bestehende germanische Dialektkontinuum, dass das West- mit dem Nordgermanischen verband. Aufgrund der nunmehrigen Ödlandsituation im heutigen Schleswig-Holstein entwickelten sich das West- und Nordgermanische nun eigenständig weiter und entfernten sich immer mehr voneinander, da das alte Bindeglied zwischen ihnen, das Jütische, nun fehlte.

Ab dem 9. Jh. rückten von Norden her die Dänen in Richtung der Eiderlinie vor, derweil aus südlicher Richtung die Sachsen vorstießen. So gingen die letzten Reste des einstigen Jütenstammes, der nun in der Grafschaft Kent siedelte, sowohl in den Sachsen als auch in den Dänen auf. Doch schon im 9. Jh. war es offensichtlich, dass die Eiderlinie eine ausgesprochene Sprachgrenze zwischen Altdänisch und Altniederdeutsch war und dass hier nun zwei völlig fremde Sprachen aufeinanderstießen.

Südgermanen vs. Westgermanen

Als Südgermanen bezeichnete man in der deutschen Mythologie (insbesondere nach Jacob Grimm) generell die West- und vielfach auch Ostgermanen. Man fasste mit diesem Sammelnamen also alle Germanen des europäischen Kontinentes zusammen, mit Ausnahme der Nordgermanen. Zu den Südgermanen werden in der Völkerkunde allgemein (wenn auch einschränkend) — von Süd nach Nord —gezählt:

Die Zugehörigkeit der Sueben/Sweben erscheint in wenigen Quellen als strittig.

In der Germanistik und historischen Linguistik ist der Begriff Südgermanen teilweise mit dem in der Sprachwissenschaft gebräuchlicheren Begriff Westgermanen identisch. Gemeint sind dabei alle germanischen Idiome südlich von Dänemark (→westgermanische Sprachen).

Nach anderer Terminologie gilt südgermanisch nur für diejenigen Dialekte, die dann ab dem 7. Jh. die II. Lautverschiebung vollzogen, also für die Sprache der Rhein-Weser-Germanen (Istwäonen), zu denen die Franken und Chatten (Hessen) gezählt werden, und der Elbgermanen, zu denen die Sueben, die Alamannen/Alemannen, die Thüringer, die Langobarden und die Bajuwaren gehören.
Ein nahezu synonymer Begriff ist deswegen auch voralthochdeutsch. Der Begriff Westgermanen umfaßt dagegen neben diesen Südgermanen im engeren Sinne auch die Nordseegermanen, d. h. Sachsen, Friesen und Angelsachsen.

Die ostgermanischen Volksstämme (Goten, Gepiden, Rugier, Burgunder usw.) und die Germanen Skandinaviens (Nordgermanen) werden von der Wissenschaft im linguistischen Sinn zumeist nicht zu den Südgermanen bzw. Westgermanen gezählt.

Ostgermanen

Die Ostgermanen gingen im Laufe der Geschichte unter und assimilierten sich mit der von ihnen beherrschten Mehrheitsbevölkerung. Aufgrund der frühen Abwanderung der Oder-Weichsee-Germanen ins heutige Russland und der Ukraine, entwickelte sich das Ostgermanische eigenständig weiter.
Am besten überliefert ist das Gotische aufgrund der Bibelübersetzung des Wulfila. Doch als im 3./4. Jh. (infolge der Völkerwanderung) das Ostgermanische wieder auf Sprecher des Westgermanischen stieß, zeigte es sich, dass hier nun zwei Fremdsprachen aufeinandertrafen, sodass erstmals in der germanischen Geschichte Dolmetscher eingesetzt werden mussten, wenn die Fürsten der West- und Ostgermanen zusammenkamen.

Allein die Krimgoten überlebten isoliert bis ins 18. Jh. auf der Krim, von deren Sprache 86 Wörter überliefert wurden. Diese Wörter zeigen, dass die Goten auf der Krim teilweise die gleiche Lautverschiebung durchlaufen hatten wie die späteren Deutschen, aber sie zeigten auch auf, dass die Krimgoten einer germanischen Volksgruppe angehörten, von denen die Russen annahmen, dass sie deutsch sei.
Spätere linguistische Untersuchungen ergaben, dass das Krimgotische über das eigentliche Gotische eng mit dem Urnordischen verwandt war, was mit der skandinavischen Herkunft der Goten zu erklären ist.

Siehe auch


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