Großdeutsches Reich

Großdeutsches Reich
Großdeutsches Volksreich
Flag of the German Reich (1935–1945).svg


Wappen Reichsadler der Deutsches Reich (1933–1945).svg
Gründungsdatum 13. März 1938
(Eingliederung Österreichs)
Hauptstadt Berlin
Staatsform Führerstaat
Einheitsstaat
Gliederung 27 Länder
(1938, 1934 faktisch aufgehoben)
41 NSDAP-Gaue
(ab 1934 faktisch an Stelle der Länder)
Staatsoberhaupt Adolf Hitler (seit August 1934)
Einwohner 78,8 Millionen (Ende 1938)
80 Millionen (1939)
118,7 Millionen (1940)
Amtssprache(n) Standarddeutsch
Weitere Sprachen deutsche Dialekte
Friesisch
Sprachen der Minderheiten
Weitere Informationen
Nationalhymne Deutschlandlied
Horst-Wessel-Lied
(Parteilied der NSDAP)
Fläche 554 581 qkm (Mrz. 1938)
583 581 qkm (Okt. 1938)
633 786 qkm (1939)
894 227 qkm (1940)
Bevölkerungsdichte 139 Einwohner pro qkm
Währung Rentenmark = 100 Rentenpfennig
Reichsmark = 100 Reichspfennig
Rechtsnachfolger von

Weimarer Republik

Großdeutsches Reich, seit dem 10. Juli 1939 NS-Propagandabezeichnung des Dritten Reiches, nachdem im März und im Oktober 1938 der Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes vollzogen war.

Obgleich die Länder seit dem 5. Februar 1934 als aufgehoben zu betrachten waren, führte das Reich weiterhin Gebietsreformen derselben durch. So zum Beispiel letztmalig am 25. Juni 1941, wodurch die letzten bestehenden Exklaven der Länder in die sie umgebenden Ländergebiete eingegliedert wurden[1].

Inhaltsverzeichnis

Größe, Bevölkerung, Religion

Das Reich wies (Stand 1935) 470 699 qkm und 62,411 Mio. Einwohner auf. Der Religion nach waren (Stand 1933) 40,865 Mio. evangelisch, 21,172 Mio. römisch-katholisch und 35 000 gaben an, einer anderen christlichen Religionsgemeinschaft anzugehören. Etwa 500 000 zählten zur jüdischen Minderheit und 2,647 Mio. zählten sich zu sonstigen Religionen[2]

Mit den Anschlüssen Österreichs und des Sudetenlandes (1938) wuchs das Reichsgebiet auf 583 581 qkm und 78,8 Mio. Einwohner an. Im Zuge deutscher Expansionspolitik vergrößerte sich der deutsche Staat und umfasste bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 33 786 qkm und 80 Mio. Einwohner an. 1940 wies das Reichsgebiet 894 227 qkm und 118,7 Mio. Einwohner auf.

Namensherkunft

Der Terminus „Großdeutsches Reich“ ward von den Nationalsozialisten inoffiziell seit März 1938 verwendet. Im offiziellen Bereich wurde jedoch vom großdeutschen Volksreich gesprochen, wenn es um das nun um Österreich vergrößerte Altreich ging.

Grenzverlauf

Der völlig auf Adolf Hitler ausgerichtete Staat war zwischen 1940 und 1943 der einflussreichste Europas. Dabei orientierte sich der Staat geografisch am „Alldeutschland-Projekt“ der Alldeutschen. So wurden 1942 seine Staatsgrenzen wie folgt gezogen: Im Osten lag die Grenzlinie am westlichen Bug, im Süden an den Alpen, im Westen an den Vogesen und im Norden bildeten die Nord- und Ostsee die Grenze. Im Kern wurde es vom „Alldeutschland“ der Alldeutschen gebildet und sollte zur Basis eines künftigen Großgermanischen Reiches Deutscher Nation genommen werden.

Einbezug deutschen Siedlungsgebietes

Im Sommer 1940 befand sich Hitlers Großdeutsches Reich auf dem Zenit seiner Macht: es umfasste nun 894 277 km²[3][4]. Darauf entfielen auf das geschlossene deutsche Sprachgebiet 674 131 km², das 1922 laut dem sudetendeutschen Nationalsozialisten Rudolf Jung 686 090 km² umfasste[5]. Allein die Schweizer Eidgenossenschaft (23 800 km²[5]) und das Fürstentum Liechtenstein (159 km²[5]) sowie die walserdeutschen Siedlungsgebiete im Aoastatal lagen außerhalb seiner Reichsgrenzen.

Gliederung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

1940 besaß das Großdeutsche Reich ca. 118,7 Millionen Einwohner. Davon entfielen an Fläche und Bewohner auf das eigentliche Großdeutschland 698 368 km² mit 93,7 Millionen Einwohnern, auf das „Protektorat Böhmen und Mähren“ 48 959 km² mit 7 Millionen Einwohnern und auf das „Generalgouvernement Polen“ 146 900 km² mit 18 Millionen Einwohnern.[3]

Während des Zweiten Weltkrieges ward von den späteren Hauptsiegermächten beschlossen, dass alle Gebietserweiterungen des Dritten Reiches mit der Ausnahme des Anschlusses des Saarlandes an das Deutsche Reich (1935) völkerrechtswidrig seien. Untereinander einigten sie sich auf die Formel „Deutschland in den Grenzen von 1937“, was der Definition des Altreiches entsprach, und teilte dieses Gebiet für den Fall eines Sieges in Besatzungszonen ein.

Tabelle mit den Gebietserweiterungen des Deutschen Reiches (1938–1942)

Territorium Datum Bemerkungen
Republik Österreich 13. März 1938 Der Anschluss des Landes erfolgte durch das völkerrechtlich nicht abgesicherte „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreich mit dem Deutschen Reich.“
Sudetenland 29. und 30. September 1938 In München setzte Adolf Hitler gegenüber Frankreich, Großbritannien und Italien durch, dass das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet innerhalb der Tschechoslowakei dem deutschen Nationalstaat zugesprochen wird. Die Besetzung der Gebiete erfolgten im Oktober 1938 und anschließende Grenzregulierungen im November 1938.
Protektorat Böhmen und Mähren 16. März 1939 Unter Bruch des geltenden Völkerrechtes ließ Hitler die „Rest-Tschecheiokkupieren. Zuvor hatte sich unter seinem Einfluss die Slowakei ihre Unabhängigkeit erklärt und sich unter den „Schutz des Reiches“ gestellt. Hitler erklärte die Tschechei zum deutschen Protektorat. Da dieses Gebiet mehrheitlich nicht von Deutschstämmigen bewohnt wurde, bedeutete die deutsche Besetzung ein Abweichen vom Selbstbestimmungsrecht der Völker. Adolf Hitler führte für die Besetzung historische Gründe an: Böhmen und Mähren hätten über ein Jahrtausend zum Deutschen Reich gehört und sei demnach „deutscher Kulturraum“.
Memelgebiet 22. März 1939 Am 30. März 1939 ratifizierte das litauische Parlament den mit Hitler abgeschlossenen Staatsvertrag. Infolgedessen trat Litauen das Memelgebiet an das Großdeutsche Reich ab und es ward von diesem der Provinz Ostpreußen angegliedert.
Freie Stadt Danzig und ehemaliges Westpreußen 26. Oktober 1939 Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Freie Stadt Danzig schloss sich per „Verfassungsgesetz über die Wiedervereinigung der Freien Hansestadt Danzig mit dem Deutschen Reich“ dem Großdeutschen Reich an. Völkerrechtlich blieb dieser Anschluss bedeutungslos, da er unter das Kriegsvölkerrecht fiel. Trotz allem wurden die Danziger Volksdeutschen deutsche Staatsangehörige. Aus Danzig und Teilen des ehemaligen polnischen Korridors ward im Oktober 1939 der Reichsgau Danzig-Westpreußen gebildet.
Posen 26. Oktober 1939 Im Oktober 1939 ward die ehemalige preußische Provinz Posen mit einigen angrenzenden polnischen Gebieten zum Reichsgau Wartheland zusammengeschlossen.
Ost-Oberschlesien 26. Oktober 1939 Das 1922 an Polen gefallene Ost-Oberschlesien ward mit der preußischen Provinz Schlesien wiedervereinigt und um altpolnische Gebiete ergänzt. Die polnischen Gebietsteile hatten im Mittelalter zu Schlesien gehört und nun kamen sie und Ost-Oberschlesien zum Regierungsbezirk Oppeln.
Suwałki 26. Oktober 1939 Das altpolnische Gebiet ward nach der Niederlage Polens als Landkreis Sundauen Ostpreußen angeschlossen.
Ehemaliges Herzogtum Masowien 26. Oktober 1939 Das altpolnische Gebiet gehörte zur Woiwodschaft Warschau. Nach Polens Niederlage wurden Teile der Woiwodschaft abgetrennt und als „Südostpreußen“ an Ostpreußen übergeben.
Generalgouvernement Polen 19. Oktober 1939 Nach der polnischen Niederlage ward Polen zwischen dem Großdeutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt. Auf Adolf Hitlers Vorschlag hin ward zwischen beiden die Weichsel zur Demarkationslinie bestimmt. Ostpolen kam zur Sowjetunion, „Restpolen“ fiel an das Großdeutsche Reich. De jure war das im Oktober 1939 errichtete Generalgouvernement ein „Reichsnebenland“ mit eigener Staatsangehörigkeit. De facto galt es als rechtlose deutsche Kolonie, in der von der Waffen-SS die Vernichtungslager angesiedelt wurden. Ab 1941&bsp;ward das Generalgouvernement stark nach Osten hin erweitert und der westliche Bug zur Grenze genommen.
Deutsch-Belgien und Neutral-Moresnet 18. Mai 1940 Während des Westfeldzuges überrannte die Wehrmacht die Beneluxstaaten. Die belgischen Kantone Eupen, Malmedy und St. Vith hatten bis 1920 zum Kaiserreich gehört. So wurden diese nach einem „FührerbefehlHitlers ohne vorherige Erklärung einer möglichen Annexion völkerrechtswidrig dem Großdeutschen Reich angeschlossen und einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt. Daneben wurden mit dem bisherigen Neutral-Moresnet auch zehn deutschsprachige Dörfer dem deutschen Nationalstaate einverleibt, die seit 1939 zu Belgien gehört hatten[6].
Elsass-Lothringen 2. August 1940 Elsass-Lothringen war 1919 vom Reich an Frankreich abgetreten worden. Nach der französischen Niederlage (1940) wurde das ehemalige Reichsland einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt: Das Elsass fiel an den NSDAP-Gau Baden, Deutsch-Lothringen an den NSDAP-Gau Saarbrücken[6].
Oberkrain 1941 Nach der Debellation des Königreiches Jugoslawien (1941) wurde Slowenien zwischen Italien, Ungarn und dem Großdeutschen Reich aufgeteilt. So fiel die Oberkrain an den Reichsgau Kärnten.
Südsteiermark 1941 Das bis 1919 zu Deutschösterreich gehörende Gebiet wurde nach der Zerschlagung Jugoslawiens dem Reichsgau Steiermark angegliedert.
Bezirk Białystok 1941 Nach dem Überfall auf die Sowjetunion (1941) wurde dieses Gebiet dem NSDAP-Gau Ostpreußen zugeschlagen.
Distrikt Lemberg 1941 Dieses Gebiet gehörte seit 1939 zur Ukrainischen SSR. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde es dem Generalgouvernement Polen angegliedert.
Großherzogtum Luxemburg 30. August 1942 Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Beneluxstaaten wurde am 18. Mai 1940 in Luxemburg eine deutsche Zivilverwaltung eingeführt. Im August 1942 ward das Großherzogtum völkerrechtswidrig dem Großdeutschen Reich eingegliedert und dem neuen Reichsgau Moselland zugeschlagen.

Bis zu ihrer Eingliederung in das Großdeutsche Reich gehörten die Oberkrain und die Südsteiermark zum Königreich Jugoslawien. Das Gebiet Białystok war polnischer Besitz und Lemberg gehörte seit 1939 zur Sowjetunion. Hinzu kamen im Laufe des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Gebiete, die einer deutschen Militär- bzw. einer Zivilverwaltung unterstanden. Diese galten nach damaliger Auffassung nur als Einfluss- und nicht als Staatsgebiet des Großdeutschen Reiches.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. „Führerverordnung vom 25. Juni 1941“, veröffentlicht im Reichsgesetzblatt Teil I Nr. 72 vom 3. Juli 1941. (Quelle: Dieter Blumenwitz: Denk ich an Deutschland, Dokumenteinband, S. 16)
  2. Knaurs Weltatlas (1935), Eintrag „Deutsches Reich“, S. 56
  3. 3,0 3,1 Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde, Band I „Das Großdeutsche Reich“, S. 72
  4. Michael H. Mann gab die Größe des Großdeutschen Reiches 823 543 km² an und bezog sich dabei aufs Jahr 1941 (Quelle: Großdeutschland-Fibel, S. 6)
  5. 5,0 5,1 5,2 Rudolf Jung: Der nationale Sozialismus, S. 12
  6. 6,0 6,1 Diese Gebiete „(…) sollen nicht als besetztes Feindesland angesehen und behandelt werden“, da sie „innerlich (…) mit Deutschland stets verbunden geblieben“ waren. (Quelle: Dieter Blumenwitz: Was ist Deutschland?, S. 25)


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