Großdeutschland

Aus Deutsche Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Großdeutschland [ˈɡʀoːsˌdɔɪ̯ʧlant] oder Grossdeutschland (schweiz.), Substantiv, Neutrum.
Der Duden definiert diesen Begriff 1. als nationalsozialistischen und in der expansionistischen Politik der Nationalsozialisten durch die Vereinigung aller geschlossenen siedelnden Deutschen in einem Deutschland, 2. das Deutsche Reich nach dem 1938 erfolgten Anschluss Österreichs und 3. das vereinte Deutschland als bedrohlich empfundene Großmacht.[1]

Seit Winter 1848/49 forcierter Lösungsversuch der nationalen Frage der Deutschen, wie diese die Nationalstaatsbildung bewerkstelligen könnten. Das durch freie Wahlen hervorgegangene Paulskirchenparlament diskutierte ausführlich die damalige deutsche Frage, inwieweit das Kaisertum Österreich in ein zukünftiges Großdeutschland einzubinden sei:
Die Großdeutschen forcierten die staatliche Verschmelzung der österreichischen Reichshälfte, indes die Großösterreicher forderten, dass die gesamte Monarchie in Großdeutschland aufginge. Ihnen gegenüberstanden die Kleindeutschen, die ihrerseits nur die Einbindung Deutschösterreichs wünschten und die, wenn diese nicht möglich sei, bereit waren, die deutsche Nationalstaatsbildung auch ohne die Deutschösterreicher durchzuführen.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) wurde die großdeutsche Idee ad acta gelegt, doch stellte sich sie nach Beendigung des I. Weltkrieges für die Deutschen neu: 1918/20–1939 wurde nun darunter die staatliche Vereinigung des Deutschen Reiches mit Österreich und dem Sudetenland verstanden, zudem auch die Wiedervereinigung des Reiches mit dem Freistaat Danzig treten sollte. Heute gilt die Idee eines Großdeutschland als obsolet.

Deutscher Bund

Im Zuge der Revolution von 1848/49 trat das deutsche Volk erstmals in seiner Geschichte geschlossen für die Errichtung eines zentralistisch-unitarischen deutschen Nationalstaates ein, der aus dem Deutschen Bund im Gebietsstand von 1839 gebildet werden sollte. Damit trat es in Gegensatz zu seinen Fürsten, die anstelle der erwünschten Volks- eine Adelsnation errichten wollte.
Die Lösung der deutschen Frage scheiterte letztendlich an der Weigerung Österreichs, auf die Aufnahme seiner ungarischen Reichshälfte zu verzichten und es kristallisierte sich mit der staatsrechtlichen Organisation Norddeutschlands ein sog. Kleindeutschland heraus.

Süddeutschland, Deutschösterreich

Nach Beendigung des Deutschen Bruderkrieges wurde 1867 der Deutsche Bund aufgelöst und die nationalstaatliche Organisation der Deutschen erfolgte im Norddeutschen Bund. Indes blieb der Gedanke an ein Großdeutschland weiterhin in Süddeutschland und einigen deutschen Mittelstaaten durchaus lebendig, da diese noch 1866 mit dem Kaisertum Österreich verbündet waren. Die Deutschösterreicher forcierten anfänglich ebenfalls bundesstaatlichen Anschluss ihrer Siedlungsgebiete an einen zukünftigen deutschen Nationalstaat.

Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich (1867) hatte die Wohnbevölkerung Österreich-Ungarns nun die Möglichkeit, sich in nationalen Parteien und Vereinen organisieren zu können. Dies taten auch die Deutschen, die sich in einigen völkischen Bewegungen und Parteien organisierten und eine österreichisch geprägte Form des deutschen Nationalismus vertraten, den sie Deutschnationalismus nannten. Anfänglich liberal geprägt geriet der Deutschnationalismus ab 1878 immer mehr in den Fokus jener radikalen Kräfte, die sich erst Deutschnationale und ab 1899/1900 Deutschvölkische nannten.

Nach Reichsgründung

Während des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) schlossen sich die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund an, der nun Deutsches Reich nannte und verfassungsrechtlich ein Kaiserreich war. Nun fanden sich die Deutschösterreicher in Grenzlandlage wieder; aus ihnen waren nun Grenzlanddeutsche geworden.

Trotz alle dem blieb die großdeutsche Idee vor allem in den römisch-katholisch geprägten Bundesstaaten Süddeutschlands lange Zeit lebendig, obwohl sie bis 1880 einem völkischen Reichsnationalismus überdeckt wurde.
Die Deutschnationale Bewegung in Österreich erhielt 1882 mit dem Linzer Programm ihr prägendes Gesicht, das auch ein Bekenntnis zu einem späteren Großdeutschland beinhaltete. Programmschwerpunkt war jedoch nicht primär die staatliche Verschmelzung der Deutschen Österreichs mit den Reichsdeutschen, sondern die enge politische und wirtschaftliche Verflechtung Österreich-Ungarns mit dem Reich. Dem standen die Alldeutschen entgegen, die sich 1885 von Großdeutschen und Deutschnationalen getrennt hatten: Sie forcierten in aggressivster Weise die Dismembration der Donaumonarchie und den Anschlussgedanken. Die österreichische Alldeutsche Partei agierte also als Anschlussbewegung und vertrat die großdeutsche Idee am reinsten.

Zusammenbruch der Donaumonarchie, Adaption Großdeutschlands durch die politische Linke und Rechte

Nach dem verlorenen I. Weltkrieg zerfiel die Donaumonarchie in zahlreiche Nachfolgestaaten. Einer von ihnen war Deutschösterreich, dass sich selbst als nicht lebensfähig ansah, da es nun ein reiner Binnenstaat ohne Zugang zum Meer war. Daher erklärte die deutschösterreichische Nationalversammlung ihren Anschluss an den nördlichen Nachbarn.

Der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye enthielt vonseiten der siegreichen Triple Entente Bestimmungen, der sowohl die Führung des Namens Deutschösterreich als auch ein Anschlussverbot beinhaltete. Damit verhinderten sie ein parlamentarisch-demokratisches Großdeutschland und legten eine der politischen Zündschnüre, die den II. Weltkrieg auslösen sollten.

Es war die marxistische Arbeiterbewegung in Österreich, aber auch die des Reiches, die sich erneut der großdeutschen Idee annahmen, um die deutsche Arbeiterklasse in beiden deutschen Staaten ideologisch und staatsrechtlich zu vereinen.
Aber auch die politische Rechte, vor allem die Deutschvölkischen adaptierten diese Idee für ihre Zwecke. Doch hier standen vor allem rassenpolitische Gründe im Vordergrund: Gleiches Blut gehöre in ein gemeinsames Reich, verkündeten sie — und diese Forderung enthielt verklausuliert blutbedingte Ansprüche auf das Staatsgebiet anderer Staaten. Doch eine Sache einte die ideologischen Kontrahenten: Beide traten für die Revision der Friedensverträge ein, die beide Seiten als sog. Schandverträge ansahen.

Großdeutschland der Nationalsozialisten

Sowohl im Deutschen Reich als auch in Österreich bestanden nationalsozialistische Parteien, die für Großdeutschland eintraten. Deren erklärtes Hauptziel war es, die Minimallösung der großdeutschen Idee (Deutsches Reich + Österreich + Sudetenland) umzusetzen und darüber hinaus Danzig wieder zu erwerben. Doch die Maximallösung der großdeutschen Idee wurde von ihnen nicht vergessen:
Besonders die hitlerische NSDAP strebte ab 1942 die Schaffung eines Großgermanischen Reiches Deutscher Nation an, das auf dem Alldeutschlandprojekt fußte und bis an den Ural reichen sollte.

Bis zum 1. Sept. 1939 wurde die Minimallösung umgesetzt, als am 13. März 1938 der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und zwischen dem 1. und 10. Okt. der Anschluss des Sudetenlandes erfolgte. Die versuchte Eingliederung Danzigs infolge der Verletzung der deutsch-polnischen Grenzen vonseiten der Wehrmacht und SS-Verfügungstruppe löste den II. Weltkrieg aus.

Nach 1945

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht lag das Großdeutsche Reich Adolf Hitlers geschlagen, zerstört und gedemütigt danieder; der Führer und Reichskanzler hatte feigen Selbstmord begangen und Österreich bereits am 27. April 1945 seine staatliche Souveränität erklärt.
Darüber hinaus waren Mio. Deutsche und Volksdeutsche aus den Ostgebieten und dem Osten Europas vertrieben worden. Insgesamt verloren 16 Mio. Deutsche ihre Heimat, allein über 9 Mio. aus dem deutschen Osten. Die Alliierten hatten sich im Londoner Protokoll geeinigt, dass der Gebiets- und Personenstand des Reiches jener sei, wie er am 31. Dez. 1937 bestanden hatte.

Vonseiten der Österreicher bestand nun die Österreichfrage nicht mehr und auch das Gros der bundesdeutschen Rechtsparteien forcierten in der deutschen Frage nur noch die Vereinigung der beiden Teilstaaten mit den Ostgebieten.
Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks (ab 1988/89) begannen man vonseiten einiger rechtsextremer Parteien, auch wieder den Zusammenschluss BR Dtschld. mit Österreich einzufordern. Dieses sei wie die DDR und die Ostgebiete Teil Gesamtdeutschlands. Die radikale und extreme Linke warnte indes vor einem neuen deutschen Imperialismus, der entstünde, wenn sich BR Dtschld. und DDR vereinigen würden, und warnten die Welt vor einem neuen Großdeutschland.

Siehe auch

Fußnoten

  1. www.duden.de: Eintrag „Großdeutschland“, abgerufen am 26. Dez. 2016


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.