Hitlerjugend – Bund deutscher Arbeiterjugend

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Hitlerjugend – Bund deutscher Arbeiterjugend (HJ), Name der NS-Jugendorganisation, die aus verschiedenen Untergruppen bestand. Sie unterstand zuletzt dem Reichsjugendführer der NSDAP Artur Axmann und war in eine Stamm-HJ sowie in eine Allgemeine HJ gegliedert.

Bis zum 29. März 1935 galt der Hitler-Jugend-Bewegung e. V. als Trägerverein und wurde auf Befehl Hitlers aufgelöst[1].

Definition

Prolog

Der Terminus „Hitlerjugend“ ist eng mit dem Reichsparteitag der NSDAP des Jahres 1926 verbunden, als erstmals uniformierte Jugendliche an Adolf Hitler, dem Führer der NSDAP, vorbeimarschierten. Damals ward diesen der Name Hitler-Jugend verliehen und galten bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung als „Anhängsel“ der NS-Kampfverbände SA und SS.

Gründung

Die Hitlerjugend hatte eine ihrer Wurzeln im Jugendbund der NSDAP, der 1922 als Untergliederung der Sturmabteilung aufgestellt wurde. Darüber hinaus sollten alle männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren im Jungsturm Adolf Hitler zusammengefasst sein. Nach dem missglückten Hitler-Putsch (8./9. November 1923) wurden sowohl die SA als auch deren Jugendorganisation verboten und aufgelöst.

Im Jahre 1926 erfolgte über die Großdeutsche Jugendbewegung (GDJB) ihre Reorganisation in die eigentliche HJ und diese ward aktiv in die Straßenkämpfe der SA eingesetzt. Da die HJ-Mitglieder SA-ähnliche Uniformen besaßen, wurden für diese besondere Hakenkreuzarmbinden eingeführt, die sie als Minderjährige erkennbar machten. Erster Reichsführer HJ wurde Kurt Gruber, der noch 1926 in die Münchener Parteizentrale berufen wurde.

Die Hitlerjugend als oberste Jugendorganisation des Dritten Reiches

„Während das kleine Häuflein der alten Hitlerjungen Schulter an Schulter zusammen mit den Kämpfern der Bewegung um die Verwirklichung der Ziele des Nationalsozialismus rang und keine Aufgabe kannte, als in diesem Kampf seinen Mann zu stehen, hat die HJ. seit der Machtübernahme die große Verpflichtung übernommen und durch den Führer die Aufgabe gestellt bekommen, die gesamte deutsche Jugend in die nationalsozialistische Weltanschauung einzuführen. In der HJ. soll dann diese Jugend durch ständige politische Schulung zu echten, starken Nationalsozialisten herangebildet werden.“

„Die Hitler-Jugend HJ“ in: Organisationsbuch der NSDAP (1937), S. 437

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten (30. Januar 1933) wurde die Hitlerjugend zielstrebig zur deutschen Massenorganisation ausgebaut. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 wurde die NS-Jugendorganisation zur Staatsjugendorganisation ernannt. Dieses Gesetz besagte, dass alle politischen Jugendorganisationen des Dritten Reiches und nun alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren nunmehr in der HJ zusammengeschlossen seien.

Aufgabenbereich

„Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes wird, außer in Elternhaus und Schule, in der Hitler-Jugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus erzogen. Diese Erziehungsaufgabe der gesamten deutschen Jugend in der Hitler-Jugend ist dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen. Er ist damit »Jugendführer des Deutschen Reiches« mit dem Sitz in Berlin, die dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt ist.“

„Die gesamte deutsche Jugend in der Hitler-Jugend in: Organisationsbuch der NSDAP (1937), S. 439

Hauptaufgabenbereich der Hitlerjugend war nun der Bereich „Erziehung der deutschen Jugend außerhalb von Schule und Elternhaus“. Außerhalb blieben die kirchlichen Jugendverbände, deren Einfluss immer mehr zurückging. Der damalige Reichsjugendführer der NSDAP, Baldur von Schirach, ward als neu ernannter Jugendführer des Deutschen Reiches die Stellung eines Regierungsmitgliedes und war als Reichsleiter HJ nur noch Adolf Hitler unterstellt und diesem allein verantwortlich.

Organisationsstruktur der HJ

Hauptartikel: Allgemeine HJ und Stamm-HJ

Um alle Altersgruppen abdecken zu können, wurden ab 1930 innerhalb der HJ vier Teilorganisationen eingerichtet:

  1. Deutsches Jungvolk in der HJ (Jungen zwischen 10 und 14 Jahren)
  2. Jungmädelbund in der HJ (Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren)
  3. Hitlerjugend (Jungen zwischen 14 und 18 Jahren)
  4. Bund Deutscher Mädel in der HJ (Mädchen zwischen 14 und 21 Jahren[2])

Innerhalb des BDM bestand noch das BDM-Werk „Glaube und Schönheit, denen „Mädel“ zwischen 17 und 21 Jahren angehören konnten.

Aufgabenbereich der HJ

Schwerpunkt des Aufgabenbereiches der HJ war die weltanschauliche Schulung und vormilitärische Ausbildung der Mitglieder. Die Schulung der HJ-Mitglieder orientierte sich am Dienst der NS-Kampforganisationen. Die überwiegende Mehrheit der HJ leistete ihren Dienst freiwillig und unentgeltlich ab. Von den höheren HJ-Führern war eine große Anzahl Schüler und Schülerinnen der Oberschulen und diese waren in der Regel nur zwei bis vier Jahre älter als ihre Untergebenen. Zum HJ-Dienst gehörten wöchentliche Heim- und Sportnachmittage. Lehrlinge nahmen an HJ-Leistungswettkämpfen teil. Jährlich war den HJ-Mitgliedern die Teilnahme an einem Freizeitlager vorgeschrieben, bei denen für Jungen die vormilitärische Ausbildung und der Geländedienst im Vordergrund standen.

HJ-Sonderformationen

Um den vielseitigen Anforderungen des HJ-Dienstes gerecht werden zu können, konnten Teile der Hitlerjugend bei Veranstaltungen, Propagandamärschen oder Katastropheneinsätzen bzw. zur Erhaltung von HJ-Mitgliedern erworbenen technischen Fähigkeiten zu Sonderformationen zusammengefasst werden. 1938 bestanden in der HJ folgende Sondereinheiten, die sich an denen der SA und SS orientierten:

  1. Flieger-HJ
  2. Motor-HJ
  3. Reiter-HJ
  4. Marine-HJ
  5. Nachrichten-HJ
  6. Feldscher-HJ (Sanitäts-HJ)
  7. Spielscharen der HJ
  8. HJ-Streifendienst

Der Streifendienst galt innerhalb der Hitlerjugend als elitär, wurde vom SS-Streifendienst begleitet und arbeitete eng mit dem Hauptamt Sicherheitspolizei zusammen. Die Mitglieder des HJ-Streifendienstes wurden als Erwachsene später meist auch als Mitglieder der Allgemeinen SS übernommen. Die Hauptaufgabe des Streifendienstes war die Überwachung der HJ-Mitglieder und deren Fehlverhalten wurde sofort gemeldet.

Mitgliederentwicklung und Einsatz im Zweiten Weltkrieg

Bis 1939 hatte die gesamte Hitlerjugend rund 8,87 Millionen Mitglieder, von denen etwa 765 000 sogenannten „Führerstatus“ besaßen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die 18-Jährigen HJ-Mitglieder in die Wehrmacht eingezogen und nur ein geringer Teil trat der Waffen-SS teil. Alle anderen wurden nun aktiv im „Kriegseinsatz der Hitlerjugend an der Heimatfront“ eingesetzt. Zu diesem Kriegseinsatz gehörten vor allem Geld- und Altkleider-Sammlungen sowie Hilfsdienste innerhalb der NSDAP und Wehrmacht. Nach Bombenangriffen wurden Räumkommandos der HJ aufgestellt oder HJ-Angehörige wurden den Bauern als Erntehelfer eingesetzt.

In den ersten Kriegsjahren wurden viele Deutschstämmige ins Großdeutsche Reich geholt, deren Familien von jugendlichen HJ-Mitgliedern betreut wurden. Es meldeten sich schließlich rund 18 000 Hitlerjungen zur Waffen-SS, wo sie eine eigene SS-Division, die 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend , bildeten. Ihr Führerkorps wurde durch Absolventen der Napola gebildet.

Gegen Ende des Krieges wurden zahlreiche HJ-Mitglieder in der „Kinderlandverschickung“ und als Flakhelfer eingesetzt. Ab Oktober 1944 war die HJ Teil des Volkssturms, Hitlers letztem Aufgebot.

Rechtsstatus nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem De-facto-Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde die Hitlerjugend am 10. September 1945 als NS-Organisation verboten, aufgelöst und ein Jahr später als verbrecherisch verurteilt.

Siehe auch

Fußnoten

  1. www-historisches-lexikon-bayern.de: Artikel „Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterverein“, abgerufen am 23. Juni 2014
  2. Organisationsbuch der NSDAP (1937), S. 440


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