Ideologie


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Ideologie [ideoloˈɡiː] sg., auch Weltanschauung [ˈveltʔanˌʃaʊ̯ʊŋ], Substantiv, feminin. Ursprünglich philosophische Ideenlehre, die v. a. im 19. Jh. stark politisiert wurde. Beiworte sind ideologisch und weltanschaulich.

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

  • Ideologische Ausrichtung
  • Weltbild

Etymologie

Ideologie ist ein Lehnwort, das ursprünglich aus dem Französischen (idéologie) stammt und eng an den Namen des frz. Philosophen Antoine Louis Claude Destutt de Tracy (1754–1836) verbunden ist. Es beschreibt die an eine soziale Gruppe, eine Kultur oder Ähnliches gebundenes System, das sich aus Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen zusammensetzt. Die Ideologie als solche dient v .a. der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele.

Weltanschauung bedeutete ursprünglich, dass eine Person oder eine Personengruppe usw. subjektive Vorstellung von der Welt hatte und unter dem man das sein oder ihr Dasein verstand und die strikt von der Philosophie geschieden werden muss.

Anwendung

Ideologie

Das antike Griechenland verstand unter Ideologie nur ein System der Antworten auf philosophische Fragen, die objektiv nicht zu beantworten waren.
Heute wird der Begriff Ideologie, ob bewusst oder unbewusst, zur Rechtfertigung diverser Interessen verwandt, die in Parteien, Verbänden oder Organisationen bestehen. So bestehen bspw. in der Gewerkschaftsbewegung politisch-ideologische Strömungen, die sich aus dem Marxismus (Kommunismus, Sozialismus und Sozialdemokratie) ableiten lassen. Parteien des bürgerlichen Lagers sehen im Konservatismus ihre maßgebliche Ideologie.
In der Negativbedeutung steht Ideologie für ein System von Ideen und Gedanken sowie politischer Forderungen, das von sich heraus nur wenig zu überzeugen vermag. Aus diesem Grund wurden und werden diverse Ideologien nur von Gewalt und Terror getragen. So auch das bekannteste Beispiel aus der jüngeren deutschen Geschichte, die Ideologie der NSDAP, die maßgeblich an der Ausprägung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beteiligt war.

Weltanschauung

Der Begriff Weltanschauung setzte sich im 19. Jh. rasch als deutsches Kognat für Ideologie durch und seine Politisierung fand in etwa zeitgleich mit der Entstehung der Völkischen Bewegung in Österreich-Ungarn und im Deutschen Kaiserreich statt.
Die Völkischen definierten Weltanschauung als Offenkundigkeit vom inneren wie äußeren Zusammenhang alles Lebens. Sie ermöglichte also, Dinge nach Wert und Rang zu ordnen und sich selbst zu ihnen in eine sinnvolle Bezeichnung zu setzen und offenbart dem Sein seinen Sinn.

Jede Weltanschauung folgt einer bestimmten Philosophie und ist auch durch religiöse Auffassungen bestimmt. Dabei wird erstrebt, dass die Weltanschauung Allgemeingültigkeit erlangt, sodass sich Einzelpersonen zugunsten einer idealisierten Volksgemeinschaft in den Hintergrund gedrängt werden.

„Du bist nichts – dein Volk ist alles!“[1]

Die 1899/1900 entstandene Deutschvölkische Bewegung radikalisierte ihre Weltanschauung, die weit in andere völkische Vereine einfloss. In der nationalsozialistischen Weltanschauung wurden alle politischen Katastrophen und Kriegsniederlagen mit Fehlen einer einheitlichen Weltanschauung begründet.
Eine einheitliche Weltanschauung im Volk stelle eine einheitliche Auffassung über Aufgaben, Pflichten und Ordnung des Einzelnen und des Volksganzen, der Volksgemeinschaft, dar, deren Fehlen die politische Schwäche der Deutschen begünstigt bzw. in weiten Teilen selbst heraufbeschworen habe.

Sowohl im frühen als auch im späten Nationalsozialismus sah dieser als eine seiner Hauptaufgaben an, diese sog. politische Schwäche des Volkes zu überwinden und in einer neuen Weltanschauung zu vereinen, in der alle sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede beseitigt sein würden. Alle sozialen, kulturellen und staatlichen Einrichtungen sollten nur allein zum Wohle des Volkes dienen; doch war der Nationalsozialismus hitlerscher Prägung stark durch einen chauvinistischen Rassenantisemitismus und Nationalismus geprägt.

Siehe auch

Literatur

  • Der Neue Brockhaus. Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, Vierter Band S–Z, F. A. Brockhaus Leipzig, 1938, Artikel „Weltanschauung“

Weblinks

Fußnoten

  1. Politisches Schlagwort der Deutschvölkischen Bewegung, dass von der NSDAP übernommen wurde.


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