Juden in Deutschland

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Juden in Deutschland (amtl. jüdische Minderheit in Deutschland), Sammelbegriff aller Juden, die auf dem Territorium des vereinten Deutschlands leben. Ihre Interessenvertretung stellt der Zentralrat der Juden in Deutschland dar.

Synonyme

  • Deutsche jüdischen Glaubens
  • Deutsche mosaischen Glaubens
  • Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens
  • Deutsche Staatsbürger mosaischen Glaubens
  • Jüdische Deutsche

Ethnogenese, Größe, Sprache

Der Begriff „Juden in Deutschland“ wurde lange Zeit an den Sprach- und Kulturraum Deutschland gekoppelt, bevor dieser Begriff ab 1815 auf die politisch-verfassungsrechtliche Komponente übertragen wurde. Heute versteht man unter der Bezeichnung Juden in Deutschland jene Juden, die seit 1871 auf dem Gebiet des deutschen Nationalstaates leben.

Die ersten Juden erschienen zur Zeit des Römischen Reiches in Europa, wo sie sich im Gefolge römischer Truppen in den von den Römern errichteten Städten niederließen.

Die aktuell etwa 103 000 Juden in Deutschland sehen sich selbst nicht mehr als religiöse, sondern als nationale Minderheit. Zwischen 1925 und 1933 lebten etwa 500–564 000 Juden im Deutschen Reich, von denen bis Nov. 1938 etwa 150 000 (und damit rund ein Drittel) sich der NS-Diktatur durch Flucht und Auswanderung entzogen. Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges ging ihre Zahl im Reichsgebiet bis auf etwa 234 000 zurück. Amtliche Statistiken stellten für den 1. Jan. 1941 auf rund 15 000 deutsche Juden fest, die sich noch „frei“ im Reich bewegen konnten.

Der Sprache nach waren die Juden in Deutschland, die zu den Westjuden gezählt wurden, bis zu deren Völkermord im II. Weltkrieg deutsch und sie galten als assimiliert. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Politiker, Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller. Etwa 20 von ihnen waren Träger eines Nobelpreises. Heute ist ein großer Teil von ihnen russischsprachig. Aber auch die Kenntnis des Jiddischen ist bei diesen aus Russland zurückgekehrten Juden noch weit verbreitet, indes die alteingesessene jüdische Minderheit – neben der Kultsprache Iwrit (Neuhebräisch) – durchweg die binnendeutsche Standardsprache verwenden.

Chronik

Nach ihrer Emanzipation in Frankreich (ab 1791) wurden die Juden in Deutschland auch dort nach und nach den übrigen Deutschen gleichgestellt. Sie galten als liberal, freiheitsliebend und fortschrittsgläubig. Aufgrund ihres praktizierten Reformjudentums waren sie in der Regel nicht besonders religiös und grenzten sich bewusst von den religiös-orthodoxen Ostjuden ab.

Aufgrund von Taufe und Mischehen unter den Juden in Deutschland, aber auch durch Geburtenrückgang, nahm ihre Zahl stetig ab. Aber fast zeitgleich nahm die Einwanderung der Ostjuden zu, sodass sich zahlreiche Juden in Deutschland mit christlichen Deutschen landesweit zu Deutschnationalen Bewegungen zusammenschlossen, die nicht nur einen deutschen Nationalstaat etablieren, sondern auch die Ausweisung der Ostjuden in deren Heimatländern erreichen wollten.

Ab dem späten 19. Jh. waren die Juden in Deutschland einem politischen Rassenantisemitismus ausgesetzt, der sie gesellschaftlich diskriminieren und ausgrenzen sollte. Ihr erklärter Feind war zum einen die Antisemitische Bewegung, deren Nachfolge Deutschvölkische und Nordisten antraten. Ab 1918/19 gerieten die Juden in Deutschland, aber auch die Österreichs, in den Fokus des Nationalsozialismus. Unter der Federführung der hitlerischen NSDAP kam es am 8./9. Nov. 1938 zur sogenannten Reichskristallnacht, in deren Folge zahlreiche jüdische Gotteshäuser, die Synagogen, mutmaßlich durch SA- und SS-Angehörige niedergebrannt wurden.
Bereits 1935 waren sie durch die Nürnberger Rassengesetze zu Menschen II. Klasse erklärt worden und durfte aufgrund der ihnen fehlenden Deutschblütigkeit keine öffentlichen Ämter mehr ausüben; vielmehr deklarierten die Nationalsozialisten sie zur eigenen Rasse und stellten diese der deutschen gegenüber.

Das Gros der deutschen Juden fiel der hitlerischen Judenvernichtung zum Opfer und hat ihre Zeit in den Konzentrations- und Vernichtungslagern nicht überlebt.
Nach der Befreiung der Konzentrationslager durch die Alliierten (1945) kehrten die wenigen Überlebenden ins Nachkriegsdeutschland zurück, um von dort aus teilweise nach Palästina auszuwandern. 1950 kam es in der Bundesrepublik Deutschland zur Gründung des Zentralrates der Juden in Deutschland und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks (1989/90) kamen etwa 300 000 Ostjuden nach Deutschland, die zu etwa 90 Prozent weiter nach Israel zogen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Gerhard Zimpel (Hrsg.): Lexikon der Weltbevölkerung. Geografie – Kultur – Gesellschaft, Sonderausgabe für Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG Hamburg, 2000, ISBN 3-933203-84-8


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