Juden in Deutschland

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Juden in Deutschland (amtl. jüdische Minderheit in Deutschland), auch jüdische Gemeinden in Deutschland, Sammelbegriff aller in Deutschland lebenden Juden, dessen Interessenvertretung heute der Zentralrat der Juden in Deutschland darstellt.

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches (1870/71) wurde der Begriff Deutschland weiter gefasst als heute, da er als apolitischer Eigenname einer mitteleuropäischen Großregion verwendet wurde, die sich durch die deutsche Sprach- und Kulturnation definierte. Demnach fielen auch die jüdischen Minderheiten Deutschösterreichs, der Schweiz, Liechtensteins oder Luxemburgs unter den Begriff Juden in Deutschland.

Synonyme

  • Deutsche jüdischen Glaubens
  • Deutsche mosaischen Glaubens
  • Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens
  • Deutsche Staatsbürger mosaischen Glaubens
  • Jüdische Deutsche

Ethnogenese, Größe, Sprache

Ethnogenese

Die ersten Juden erschienen zur Zeit des Römerreiches in Europa, wo sie sich im Gefolge römischer Truppen in den von den Römern errichteten Städten niederließen.

Größe

Die aktuell etwa 103 000 Juden in Deutschland sehen sich selbst nicht mehr als religiöse, sondern als ethnische Minderheit.
1925–1933 lebten etwa 500–564 000 Juden im Deutschen Reich, von denen bis Nov. 1938 etwa 150 000 (und damit rund ein Drittel) sich der NS-Diktatur durch Flucht und Auswanderung entzogen.

Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges ging ihre Zahl im Reichsgebiet bis auf etwa 234 000 zurück. Amtliche Statistiken stellten für den 1. Jan. 1941 auf rund 15 000 deutsche Juden fest, die sich noch „frei“ im Reich bewegen konnten.

Der Muttersprache nach waren die Juden in Deutschland, die zu den Westjuden gezählt wurden, bis zu deren Völkermord des II. Weltkrieges deutsch und sie galten als assimiliert. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Politiker, Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller. Etwa 20 von ihnen waren Träger eines Nobelpreises.

Heute ist ein großer Teil von ihnen russischsprachig. Aber auch die Kenntnis des Jiddischen ist bei diesen aus Russland zurückgekehrten Juden noch weit verbreitet, indes die alteingesessene jüdische Minderheit — neben der Kultsprache Iwrit (Neuhebräisch) — durchweg die binnendeutsche Standardsprache verwenden.

Chronik

18.–19. Jh.

Nach ihrer Emanzipation in Frankreich (ab 1791) wurden die Juden in Deutschland auch dort nach und nach den übrigen Deutschen gleichgestellt. Sie galten als liberal, freiheitsliebend und fortschrittsgläubig.
Aufgrund ihres praktizierten Reformjudentums waren sie in der Regel nicht besonders religiös und grenzten sich bewusst von den religiös-orthodoxen Ostjuden ab.

Aufgrund von Taufe und Mischehen unter den Juden in Deutschland, aber auch durch Geburtenrückgang, nahm ihre Zahl stetig ab. Aber fast zeitgleich nahm die Einwanderung der Ostjuden zu, sodass sich zahlreiche Juden in Deutschland mit christlichenen Deutschen landesweit zu Deutschnationalen Bewegungen zusammenschlossen, die nicht nur einen deutschen Nationalstaat etablieren, sondern auch die Ausweisung der Ostjuden in deren Heimatländern erreichen wollten.

19.–1950

Ab dem späten 19. Jh. waren die Juden in Deutschland einem politischen Rassenantisemitismus ausgesetzt, der sie gesellschaftlich diskriminieren und ausgrenzen sollte.
Ihr erklärter Feind war zum einen die Antisemitische Bewegung, deren Nachfolge Deutschvölkische und Nordisten antraten.

Ab 1918/19 gerieten die Juden in Deutschland, aber auch die Österreichs, in den Fokus des Nationalsozialismus. Unter der Federführung der hitlerischen NSDAP kam es am 8./9. Nov. 1938 zur sog. Reichskristallnacht, in deren Folge zahlreiche jüdische Gotteshäuser, die Synagogen, mutmaßlich durch SA- und SS-Angehörige niedergebrannt wurden.
Bereits 1935 waren sie durch die Nürnberger Rassengesetze zu Menschen II. Klasse erklärt worden und durfte aufgrund der ihnen fehlenden Deutschblütigkeit keine öffentlichen Ämter mehr ausüben; vielmehr deklarierten die Nationalsozialisten sie zur eigenen Rasse und stellten diese der deutschen gegenüber.

Das Gros der deutschen Juden fiel der hitlerischen Judenvernichtung zum Opfer und hat ihre Zeit in den Konzentrations- und Vernichtungslagern nicht überlebt.
Nach der Befreiung der Konzentrationslager durch die Alliierten (1945) kehrten die wenigen Überlebenden ins Nachkriegsdeutschland zurück, um von dort aus teilweise nach Palästina auszuwandern.

1950–heute

1950 kam es in der damaligen Bundesrepublik Deutschland zur Gründung des Zentralrates der Juden in Deutschland und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks (1989/90) kamen etwa 300 000 Ostjuden nach Deutschland, die zu etwa 90 v. H. weiter nach Israel zogen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Gerhard Zimpel (Hrsg.): Lexikon der Weltbevölkerung. Geografie – Kultur – Gesellschaft, Sonderausgabe für Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG Hamburg 2000, ISBN 3-933203-84-8


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