Juden (hebr. ‏‫יְהוּדִים‬‎ / Yĕhûḏî), Selbstbezeichnung der Angehörigen des Judentums. Umgangssprachlich wird unter dem Begriff „Jude“ eine Volksbezeichnung verstanden. Synonyme sind Hebräer und Israeliten. Das erste bezieht sich auf die historische Kultsprache der Juden, das zweite auf einen altsemitischen und nomadisierenden Volksstamm, der sich zwischen 1500 und 1300 v. Chr. in Palästina niederliess. Beiwort ist jüdisch.

Im Gegensatz zu anderen Nationen leiten sich die Juden nicht von einer Ethnie oder einem bestimmten Staat ab. Sie definieren sich allein über die Religion, sodass weder eine Volks- noch Staatsnation, sondern eine Religionsnation darstellen. Um rechtmäßig als Jude zu gelten, muss ein Kind von einer jüdischen Mutter geboren werden. Erwachsene können zum Judentum konvertieren, was ebenfalls eine Anerkennung mit sich bringt.

Inhaltsverzeichnis

Anzahl

Innerhalb des Judentums existieren verschiedene Strömungen. Vor dem Zweiten Weltkrieg existierten weltweit rund 12 Millionen Juden, davon lebte etwa die Hälfte in Europa. In der Zeit zwischen 1941 und 1943 ward der Großteil von ihnen durch das deutsche NS-Regime in osteuropäischen Konzentrations- und Vernichtungslager industriell ermordet. Schätzungen beziffern die Verluste zwischen 5,7 und 6,2 Millionen Menschen. (→ Völkermord an den europäischen Juden)

Heute bezeichnen sich etwas über 13 Millionen Menschen wieder als jüdisch.

Definition

Prolog

Der Terminus „Juden“ ist eng mit der Religionsgeschichte des Judentums verbunden. Aufgrund der Tatsache, dass sich Juden allein über die Religion definieren, sind sie ethnisch nicht homogen. Ihre Religion bezieht seine historisch-religiöse Grundlage in den Schriften des Alten Testaments und der rabbinischen Tradition. So beschreibt das Erstere den Auszug der Juden aus Ägypten ins gelobte Land und deren Unterwerfung durch Babylonier und Römer.

Aus dem Judentum ging um 30. nach Christus das Christentum als jüdische Sonderform hervor, die sich allerdings rasch verselbständigte. Juden, die in Jesus von Nazareth den Messias sahen und nach ihrer Taufe weiterhin an den Vorschriften der Tora festhielten, wurden Judenchristen genannt.

Seit der Vernichtung des Tempels von Jerusalem (70 n. Christus) leben die Juden in der internationalen Diaspora. In ihren neuen Heimatstaaten mussten sie unter anderem eine religiöse Verfolgung erdulden, die dadurch verschärft wurde, dass sie als Juden im christlichen Abendland keiner Gilde beitreten durften. So lebten Juden lange Zeit dort als Geldverleiher oder Zinseintreiber. (→ Antijudaismus)

Emanzipation und Zionismus

1770 gehörten zahlreiche Juden in Deutschland der autochthonen Bildungselite an und waren aktiv an der Herausbildung einer deutschen Nationalkultur beteiligt. 1878 erfolgte die Emanzipierung der Juden, was eine allgemeine Gleichstellung mit sich brachte. Dennoch ward in den 1880er Jahren von der Völkischen Bewegung begonnen, die Revision der Emanzipierung und das Zurückdrängen jüdischen Einflusses aus Politik und Ökonomie zu fordern.

Im Zuge des ursprünglich säkularen Zionismus, dieser wies sowohl nationalliberale wie auch sozialistische Elemente auf, ward im 19. Jahrhundert begonnen, für die Juden der Welt einen eigenständigen Staat zu fordern. Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus´, ging sogar so weit, dass er Afrika als neue jüdische Heimat vorschlug. Doch mit dieser Idee vermochte sich Herzl nicht durchzusetzen, und so begann man, die Rückwanderung der Juden nach Palästina zu fordern. Erste Rückwanderer kamen um die Jahrhundertwende ins damalige osmanische Palästina und liessen sich in alten jüdischen Städten nieder. Dort trafen sie zum einen auf eine inzwischen arabischsprachige Bevölkerungsmehrheit und zum anderen auf eine jüdische Minderheit. Größere Konflikte zwischen ihnen blieben vorerst aus.

Rassenantisemitismus

Ab 1900 radikalisierte sich der Antijudaismus zu einem aggressiven Rassenantisemitismus. Es wurde nun nicht mehr die Entfernung der Juden aus Politik und Wirtschaft, sondern die allgemeine Ausweisung der Juden gefordert. (→ Deutschvölkische Bewegung)

Nach dem Ersten Weltkrieg begann die verstärkte Zuwanderung europäischer Juden nach Palästina, wo sie unter britischer Mandatsverwaltung siedelten.

In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft waren europäische Juden zahlreicher Verfolgung ausgesetzt. Vonseiten der Reichsvertretung der deutschen Juden, einer 1933 gegründeten Organisation, ward begonnen, mit dem SS-Reichssicherheitshauptamt Pläne zu entwickeln, die eine Massenauswanderung europäischer Juden zur Folge gehabt hätten. In dieser Zeit wanderten zahlreiche Juden auch nach Palästina aus, wo sie in sozialistisch strukturierten Gemeinschaften (Kibbuz) lebten.

Am 20. Januar 1942 fand in Berlin die sogenannte Wannseekonferenz statt, deren Aufgabe es war, die „Endlösung der Judenfrage“ voranzutreiben. „Endlösung“ war eine NS-Tarnbezeichnung für die industrielle Ermordung der Juden, für die schließlich das Blausäure-Giftgas Zyklon B eingesetzt wurde. (→ KZ Auschwitz II und KZ Auschwitz III)

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht ward das verbrecherische NS-Regime durch die Alliierten enttarnt, als man die einheimische Bevölkerung zwang, sich die Leichenberge in den befreiten KZ anzuschauen.

Gründung des Staates Israel

1948 ward in Palästina mit Israel der jüdische Heimatstaat begründet, in dem heute etwa knapp ein Viertel aller Juden lebt. Seit 1967 ist Israel im Besitz aller heiligen Städten des Judentums und musste sich mehrfach militärisch gegen Angriffe seiner arabischen Nachbarn erwehren.

Heute ist die jüdische Minderheit in Deutschland im Zentralrat der Juden in Deutschland politisch organisiert und sie umfasst in etwa 103.000 Personen. Nach dem Exodus der UdSSR folgte eine Zuwanderung russischstämmiger Juden zum Einen in die Bundesrepublik Deutschland und zum anderen nach Israel. Allein zwischen 1989 und 1995 emigrierten etwa 650.000 Ostjuden nach Israel.

Siehe auch

Literatur


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