Preußen (1701–1918)

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Königreich Preußen
Brandenburg-Preußen
Flag of Prussia (1892-1918).svg


Wappen Wappen Deutsches Reich - Königreich Preussen (Grosses).png
Motto Gott mit uns
Gründungsdatum 18. Jan. 1701
Hauptstadt Berlin
Staatsform absolute Monarchie
(1701–1848)
konstitutionelle Monarchie
(1848–1918)
Staatsoberhaupt siehe hier
Regierungschef siehe hier
Einwohner 1,6 Mio.
(1713)
40,16 Mio
(1910)
Amtssprache(n) Standarddeutsch
Weitere Sprachen deutsche Dialekte
Dänisch
Friesisch
Französisch
Niederländisch
Kaschubisch
Litauisch
Masurisch
Sorbisch
Polnisch
Sprachen der Minderheiten
Weitere Informationen
Nationalhymne Heil dir im Siegerkranz
Religion(en) evangelisch
römisch-katholisch
Judentum
Fläche 114 000 qkm
(1713)
348 780 qkm
(1910)
Bevölkerungsdichte 115 Einwohner pro qkm
Aufgelöst seit

8./9. Nov. 1918
(de jure)
28. Nov. 1918
(de facto)

Eingegliedert am

8./9. Nov. 1918

Eingegliedert von

Freistaat Preußen

Rechtsnachfolger von

Brandenburg-Preußen


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Preußen (amtl. Königreich Preußen, umgangssprachlich Brandenburg-Preußen), Eigenname des am 18. Jan. 1701 deklarierten Staates, wie er bis zum 8./9. Nov. 1918 bestand. Hauptstadt Preußens war Berlin und Regent der jeweilige preußische König, indes der Ministerpräsident Regierungschef war.

Das Königreich war seit jeher in zahlreiche Provinzen gegliedert und war vor der Nationalstaatsbildung der Deutschen eine der zwei deutschen Großmächte. Es forcierte die kleindeutsche Idee innerhalb der deutschen Frage, die unter seiner Führung am 18. Jan. 1871 vollzogen wurde. Der gleichnamige Freistaat sollte nach 1918 unter zahlreichen Gebietsabtretungen leiden und letztendlich für aufgelöst erklärt werden.

Naturräume, geografische Lage

Preußen lag zwischen Nord- und Ostsee sowie der deutschen Mittelgebirge. Sein Anteil am Gebirge ist im Westen höher als im Osten. Der Regierungsbezirk Sigmaringen (verwaltungstechnisch zur Rheinprovinz gehörend) war Teil Südwestdeutschlands und lag in der Schwäbischen Alb eingebettet.

Folgende Bundesstaaten wurden von Preußen umgeben:

  1. Fürstentum Anhalt
  2. Freie Hansestadt Bremen
  3. Herzogtum Braunschweig
  4. Freie und Hansestadt Hamburg
  5. Oberhessen (Großherzogtum Hessen)
  6. Fürstentum Lippe
  7. Großfürstentum Mecklenburg-Schwerin
  8. Großfürstentum Mecklenburg-Strelitz
  9. Großherzogtum Oldenburg
  10. Fürstentum Schaumburg-Lippe
  11. Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen

Preußen hat wesentlichen Anteil an der norddeutschen Tiefebene, die im Westen aus West- und im Osten aus Ostelbien gebildet wird.

Fläche, Bevölkerung, Religion, Sprache

Brandenburg-Preußen war seit jeher bestrebt, sein zersplittertes Territorium auf Kosten seiner Nachbarn zu vereinen und so ein in sich geschlossenes Staatsgebiet zu erreichen. Seit 1701 war es durch ausgesprochene Gebietsgewinne geprägt:
Umfasste es 1713 rund 114 000 qkm und 1,6 Mio. Einwohnern, so war es bis 1740 auf 119 000 qkm und 2,6 Mio. Einwohner angewachsen. 1786–1806 hatte Preußen sein Staatsgebiet von 195 000 auf 300 000 qkm vergrößert und die Bevölkerung war von 5,5 auf 9,7 Mio. angewachsen.

Nach der Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches (1806) umfasste es nur noch 158 000 qkm und etwas über 4,9 Mio. Einwohnern. Nach dem Wiener Kongress konnte Preußen den Großteil seiner Anfang des 19. Jh.s verlorenen Gebiete zurück erwerben und sein Staatsgebiet betrug 1816–1861 rund 280 000 qkm, indes die Bevölkerung von 10,3 auf nunmehr 18,5 Mio. anstieg.

Nach dem Deutschen Bruderkrieg schloss es mit dem Erwerb zahlreicher Mittelstaaten seine territoriale Expansion ab und umfasste zur Zeit der Reichsgründung 348 000 qkm und 24,6 Mio. Einwohner. Bis 1910 stieg die Gesamtbevölkerung auf 40,16 Mio. an.

Preußen umfasste 62,5 Prozent des Reichsgebietes und 61,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, von denen 64,9 Prozent evangelisch, 31,3 Prozent römisch-katholisch und 1,1 Prozent jüdisch waren. 2,6 Prozent der Bevölkerung wurden anderen Religionsgemeinschaften zugerechnet.
Amtssprache war bis zur Einführung des Standarddeutschen (1901) das Neuhochdeutsche, zu dem noch zahlreiche Regionalsprachen wie Französisch (Elsaß-Lothringen) oder Polnisch (Posen-Westpreußen usw.) traten.

Landesgeschichte

1701–1813

Das preußische Königreich wurde am 18. Jan. 1701 aus dem bisherigen Brandenburg-Preußen gebildet, als sich Markgraf Friedrich III. von Brandenburg selbst zum König in Preußen krönte und den Namen Friedrich I. annahm. Brandenburg-Preußen selbst hatte bereits 1609/44 begonnen, sich am Niederrhein festzusetzen, als es sein Erbe in der (westfälischen) Grafschaft Mark und im Herzogtum Kleve antrat.

Friedrich I. selbst erwarb 1702 die Grafschaft Moers und 1713 weite Teile des ehemaligen Herzogtum Geldern, die nun als Preußisch-Geldern in den preußischen Staatenverband eingegliedert wurden.
Der Niederrhein war Anfang des 18. Jh.s offiziell zweisprachig, weil dort zum einen das vom Erzbistum Köln 1544 eingeführte Gemeine Deutsch und zum anderen das Neuniederländische verwendet wurde. Beides waren offizielle Sprachen des Erzbistums, derweil sogar Latein und die alten Kanzleisprachen (Rheinmaasländisch) noch von den gehobenen Ständen und der Kirche verwendet wurden.

Friedrich begann wie seine Vorfahren vor ihm in den von ihm erworbenen Gebieten das Lutherdeutsche als Verwaltungssprache einzuführen und versuchte, dieses nun auch am Niederrhein durchzusetzen und so die Kölner Kanzleisprache und das Niederländische zurückzudrängen. Doch dürfen Friedrich nicht nationale, sondern eher rationale Beweggründe unterstellt werden, weshalb er sich so für die Einsprachigkeit in seinem Herrschaftsgebiet einsetzte: Es ging ihm nicht um evangelisches Lutherdeutsch gegen römisch-katholisches Gemeines Deutsch oder Deutsch und Niederländisch gegeneinander auszuspielen, sondern der Gebrauch von nur einer einzigen Verwaltungs- und Amtssprache vereinfachte schlicht die öffentliche Verwaltung im Staate, da Beschlüsse und Urteile bspw. nicht mehr in die anderen im Staat gebräuchlichen Sprachen übersetzt werden mussten.

1802/03 erwarb Preußen die östlichen Gebietsteile des Fürstbistums Münster einschließlich dem Stift Essen und der Abtei Werden. Doch mit der Etablierung des Rheinbundes verlor es alle linksrheinischen Gebiete und wurde zur Zeit des französischen Imperialismus (1795–1813) auf seine ostelbischen Besitzungen zurückgedrängt.

1813–1848

Ab 1813 stritt Preußen gemeinsam mit dem Kaisertum Österreich um die deutsche Vorherrschaft und erhielt nach dem Wiener Kongress neben seinen 1806/10 verlorenen Gebieten auch die ehemaligen Herzogtümer Jülich und Berg sowie das ehemals selbstständige Erzbistum Köln, die nun zur Provinz Jülich-Kleve-Berg vereinigt wurde. Südlich vom ihr schloss sich die neue Provinz Niederrhein an, die beide 1822 zur Rheinprovinz vereinigt wurden.

Doch im Gegensatz zum frühen 18. Jh. war Preußen nun bestrebt, das Neuhochdeutsche am Niederrhein endgültig als alleinige Sprache durchzusetzen und die einheimische Bevölkerung mit staatlichem Druck zur Abkehr vom Niederländischen zu bewegen. Bereits 1827 wurde verfügt, dass im damaligen Regierungsbezirk Münster das Niederländische nicht mehr als Sprache der öffentlichen Verwaltung und als Schulsprache zu verwenden sei. Diese Sprachverbote wurden nach und nach auch auf die anderen Regierungsbezirke ausgedehnt, die zuvor mehrheitlich das Niederländische verwendet hatten. Um 1860 galt der Niederrhein als einsprachig deutsch, indes in Ostfriesland noch bis 1878 auf Niederländisch gepredigt wurde.

1848–1918

1832 entstand im Deutschen Bund eine deutsche Nationalbewegung, die eng mit dem Hambacher Fest zu verbinden ist. Diese forderte eine nationalstaatliche Reorganisation des Bundesgebietes unter Berücksichtigung des 'Nationalstaatsprinzips, was einer Zerschlagung des preußischen Staates gleichgekommen wäre.
Wie alle Monarchien ihrer Zeit forcierte auch Preußen anstelle der Volks- die Adelsnation. Doch die Revolution von 1848/49 brachte es mit sich, dass sich auch die deutschen Großmächte mit dem Gedanken eines deutschen Nationalstaates auseinandersetzen mussten: Im Gegensatz zu Österreich, das den großdeutschen Ideen folgte, entschloss sich Preußen, die deutsche Einheit im kleindeutschen Rahmen und unter seiner Führung zu vollenden. So wurde der Staat von einer absoluten in eine konstitutionelle Monarchie reorganisiert, die bis zur Neuumbildung des Staates in den gleichnamigen Freistaat bestand.

Siehe auch


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