Marxismus

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Marxismus [maʁˈksɪsmʊs], Substantiv, Maskulinum. Seit 1832 Bezeichnung eines theoretischen Gesellschaftssystems, das sich auf den wissenschaftlichen Sozialismus beruft, welcher von Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895) entworfen wurde. Beiwort ist marxistisch.

Marxisten [maʁˈksɪstn̩] pl., Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten des Marxismus sowie der Vertreter marxistischer Ideen.

Der Marxismus hatte auch einen nicht unwesentlichen Anteil an der Ausbildung des Faschismus in Italien, der 1922–1945 vorherrschte, da dessen Schöpfer Benito Mussolini (1883–1945) ursprünglich Mitglied der Sozialistischen Partei Italiens war.
Zum anderen strahlte er auch ab Ende der 1880er Jahre in die völkische Gewerkschaftsbewegung aus, die begann, aus ihm einen nationalen Sozialismus zu entwickeln, aus dem sich auch der österreichische und deutsche Nationalsozialismus ableitete.

Synonyme

Der Kommunismus [ˌkɔmuˈnɪsmʊs] folgt gem. marxistischer Tradition dem Sozialismus nach. In dieser Entwicklungsstufe gehen alle Produktionsmittel und Erzeugnisse in das Volkseigentum über, womit alle bisherige Klassenunterschiede aufgehoben und eine neue klassenlose Gesellschaft eingeführt wird, die letztendlich den Staat als solches überflüssig macht. (→ Anarchie)

Der Sozialismus [zoʦi̯aˈlɪsmʊs] gilt gem.  marxistischer Auffassung als die dem Kommunismus vorausgehende Entwicklungsstufe, die auf die größtmögliche Sozialisierung des gesellschaftlichen oder staatlichen Besitzes der Produktionsmittel und die auf eine gerechte Verteilung aller Güter an die Gesellschaft hinstrebt.

Die Sozialdemokratie entstand aus der II. Internationalen heraus, die eine Spaltung der marxistischen Arbeiterbewegung brachte: Sie versuchte nun, als neue Bewegungspartei des Proletariats, gleichermaßen die Grundsätze des Sozialismus und der parlamentarischen Demokratie zu verwirklichen. Dafür gab diese neue Richtung die marxistische These der Revolution auf, was die Sozialdemokraten in den Gegensatz zu Sozialisten und Kommunisten brachte.

Die Volksdemokratie stellt ein sozialistisches, an die Herrschaft der marxistisch-leninistischen Partei gebundenes Regierungssystem dar, das mit einer von der Partei bestimmten Volksvertretung agiert. Der volksdemokratische Staat gilt als Vorstufe des sozialistischen.

Etymologie

Marxismus ist als politischer Propagandabegriff eng mit der Arbeiterbewegung und der von den beiden Obengenannten entwickelten Lehre verbunden, die auf der Methode des dialektischen Materialismus erfolgten Betrachtung der vorherrschenden Gesellschaftsformen basiert, an deren Ende ein revolutionärer Wechsel der Staatsform erfolgen muss, bei dem an die Stelle der bisherigen Klassengesellschaft die klassenlose Gesellschaft treten sollte.

Kennzeichen, Ziele

Kennzeichen

Die Mitte des 19. Jh.s entstandene Ideologie der Arbeiterbewegung verarbeitete einerseits kritisch den in Jahrhundert zuvor in Frankreich entstandenen Materialismus, anderseits auch die klassische deutsche Philosophie sowie die politische Ökonomie Großbritanniens.

Ziele

Darüber hinaus wurde versucht, aus dem utopischen Sozialismus ein wirklichkeitsnahes Gesellschaftssystem zu entwickeln; demnach wurde die gesellschaftliche Entwicklung von den vorhandenen wirtschaftlichen Produktionsverhältnissen bestimmt. Die bestehende Gesellschaftsstruktur wurde gem. marxistischer Auffassung zur Grundlage der juristischen und politischen Verhältnisse und deren Überbaus genommen. Karl Marx argumentierte, dass das Kapital einer Gesellschaftsform in den Händen weniger läge, indes die Masse des Proletariats immer mehr verarme. So sei Geschichte immer eine Geschichte des Klassenkampfes, dessen Endziel die gerechte Klassenlosigkeit wäre.

Diese marxistisch-revolutionäre Gesellschaftsform entstünde durch die Sozialisierung der bei den Kapitalisten vorhandenen Produktionsmittel. Diese werde aber – so Marx weiter – einen rücksichtslosen Klassenkampf und eine Diktatur des Proletariats erforderlich machen. Letztendlich würden aber dadurch Staat und Gesellschaft gerechter, die bestehende Klassengesellschaft aufgelöst und der Staat als solcher überflüssig, da alle Menschen nun in absoluter Anarchie lebten, die keinen Privatbesitz kenne und keine Unterschiede zwischen den Menschen machen werde.

Theorie und Praxis, Parteimäßigkeit der Theorie

Theorie und Praxis

Die europäischen Philosophen des 17. und 18. Jh.s suchten die absolute Wahrheit bei den alten Griechen zu finden, wogegen Karl Marx argumentierte, dass diese nur die Welt verschieden interpretiert hätten; es käme aber darauf an, die Welt zu verändern.
Marx und dessen Freund Friedrich Engels haben ihre Kapitalismusanalyse dahin gehend unternommen, mit ihrer Zielsetzung die Aufstellung sozialer Gesetzmäßigkeiten dem revolutionären Handeln dienstbar zu machen.

Auf dieser Linie entwickelte sich der frühe Marxismus im Laufe des 20. Jh.s zum Leninismus und Stalinismus weiter: Alle theoretischen Streitigkeiten der sog. Bolschewiken wurden nun stets in dem Sinn entschieden, dass die Theorie mit der jeweils gebotenen revolutionären Praxis in Übereinstimmung sein muss. Aber auch das Gegenteil musste diesem Prinzip entsprechen: Weil die marxistische Theorie revolutionär sei, könne auch die revolutionäre Praxis auf dieser begründet werden.

„Ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Bewegung geben!“ (Lenin)

Die marxistische Theorie stützt sich auf Georg Wilhelm Friedrich Hegels Dialektik. Dieser deutsche Philosoph hatte erklärt, dass das Weltgeschehen immer eine Entwicklung sei, die durch Widersprüche in den Dingen selbst vorangetrieben würde.
Marx und Engels übernahmen die hegelsche Theorie der Widersprüche und des revolutionären Sprungs; nur anstelle des Geistes setzten sie Materie. Vor allem Karl Marx vertrat die Ansicht, dass die Bewegung der Dinge nicht „von oben“ (dem Bewusstsein), sondern stets „von unten“ (dem Materiellen) herkäme. Seine Theorie umfasste damit sowohl dialektische als auch materialistische Gesichtspunkte. (→ dialektischen Materialismus)

Parteimäßigkeit der Theorie

Der Marxismus argumentierte, dass „Erklärung von oben“, die an objektiven Werten und Wahrheiten orientierte Philosophie und Wissenschaft den parteilichen Standpunkt der Bourgeoisie vertrete. Nur die Marxisten hätten in ihrer Theorie sich von dieser „Pseudowissenschaft“ (Objektivismus) getrennt und diese zur wahren „höchsten Wissenschaft“ weiterentwickelt; alle zuvor betriebenen Wissenschaften seien daher nur als „Vorstufen“ der marxistischen zu werten und zu betrachten.
Hierbei wird die Kernthese vertreten, dass die materialistische Lehre zugleich die den Interessen der Arbeiterklasse korrespondierende Philosophie sei, da auf diesem aufgrund der Gesetze der materialistischen Entwicklung die Zukunft gehören müsse.

Lenin- und Stalinismus gingen davon aus, dass in der marxistischen Theorie die Interessen des Proletariats schnellstmöglich verwirklicht werden und dieses zwangsläufig schnell an die Macht gelangen müsste. Dort sollte es den Materialismus wissenschaftlich studieren und sich nach den dort vorgegebenen Regeln verhalten. Dass sich das Proletariat nach den marxistisch-leninistischen Vorgaben richtet, gäbe der allein zuständigen kommunistischen Partei ihre Linie. Diese bestimmt mittels der von Marx, Engels und Lenin entwickelten Theorien die Parteilinie und damit die interne Richtschnur für das parteiliche Verhalten vor, die alle abweichenden Linien und Meinungen politisch wie wissenschaftlich als abweichlerisch verdammt und brandmarkt.

Bourgeoisie und Proletariat, Klassenkampf

Bourgeoisie

Bourgeoisie, laut Marxismus der natürliche Feind der Arbeiterklasse, da diese das wohlhabende Bürgertum und die herrschende Klasse im Staat sei, da sie im Besitz der Produktionsmittel sei, die das kapitalistische System stützten.

Proletariat

Proletariat, in der marxistischen Theorie die ärmsten Bürger einer kapitalistischen Gesellschaft, die die unterste Stufe der Klassengesellschaft sowie die von der Bourgeoisie abhängigen Beschäftigten darstellen, die über keine eigenen Produktionsmittel verfügen, sondern lediglich nur über ihre Arbeitskraft. Beiwort ist proletarisch.

Karl Marx verstand unter dem Begriff Kapitalismus die auf Privateigentum an Produktionsmitteln beruhende Wirtschaftsweise. Erst zur Zeit der Industrialisierung habe dieser seine moderne Form erreicht, die gem. Marx auch dessen letzte Entwicklungsstufe darstellte. Er argumentierte, dass der Gegensatz zwischen Staat und Gesellschaft in Form des Kapitalismus unversöhnlich sei. Daher müsse sich dieser Gegensatz unvermeidlich auflösen und in einen anderen, der Diktatur des Proletariats, übergehen. Die Arbeiterklasse, die über keinen Anteil an den Produktionsmitteln verfüge, und jene, die sog. Bourgeoisie, die über alle Produktionsmitteln einschließlich der von der Arbeiterklasse zur Verfügung gestellten Arbeitskraft verfügten, stünden sich unversöhnlich im Klassenkampf gegenüber.

Klassenkampf

Hauptartikel: Klassenlose Gesellschaft

Klassenkampf, marxistischer Programmschwerpunkt zur Errichtung der Diktatur des Proletariats. Es handelt sich bei diesem um die Auseinandersetzung zwischen den gegensätzlichen Klassen um die Entscheidungsgewalt in Staat und Gesellschaft. Karl Marx verdeutsche dafür das frz. lutte des classes, um ein Wort für diesen Gegensatz zu prägen. Beiwort ist klassenkämpferisch.
An sich sei, so Marx, die Bourgeoisie, positiv und notwendig, da auch sie in der in den letzten einhundert Jahren stets progressiv-fortschrittlich und revolutionär gewesen sei. So schreibt Marx im Kommunistischen Manifest:

„Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen – welches frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.“

Karl Marx in: „Manifest der Kommunistischen Partei“, Kapitel: „3.I. Bourgeois und Proletarier“

Kapitalismus sei, so die marxistische Theorie, ein äußerst durchdachtes Konzept der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Indem dieser sich entwickelte, brächte er nicht nur Maschinen und Waren in größeren Mengen hervor, sondern erzeuge zugleich auch ein Heer an Proletarier, die er um ihren gerechten Lohn betrüge, indem er ihnen zugleich die letzten Reserven ihrer Arbeitskraft auspressen würde:

„Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.
Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden – die modernen Arbeiter, die Proletarier. In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d. h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.
Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für die Arbeiter verloren. Er wird ein bloßes Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf. Der Preis einer Ware, also auch der Arbeit, ist aber gleich ihren Produktionskosten. In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab. Noch mehr, in demselben Maße, wie Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen, indemselben Maße nimmt auch die Masse der Arbeit zu, sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden, sei es durch Vermehrung der in einer gegebenen Zeit geforderten Arbeit, beschleunigten Lauf der Maschinen usw.
Die moderne Industrie hat die kleine Werkstube des patriarchalischen Meisters in die große Fabrik des industriellen Kapitalisten verwandelt. Arbeitermassen, in der Fabrik zusammengedrängt, werden soldatisch organisiert. Sie werden als gemeine Industriesoldaten unter die Aufsicht einer vollständigen Hierarchie von Unteroffizieren und Offizieren gestellt. Sie sind nicht nur Knechte der Bourgeoisie, des Bourgeoisstaates, sie sind täglich und stündlich geknechtet von der Maschine, von dem Aufseher und vor allem von den einzelnen fabrizierenden Bourgeois selbst. Diese Despotie ist um so kleinlicher, gehässiger, erbitterter, je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert.“

Karl Marx in: „Manifest der Kommunistischen Partei“, Kapitel: „3.I. Bourgeois und Proletarier“

Die marx-engelsche Kapitalismusdefinition war vom krisengeprägten Konkurrenzkapitalismus des frühen und mittleren 19. Jh.s geprägt. Marx und Engels gingen in ihren Theorien davon aus, dass die „letzte große Krise“ des kapitalistischen Systems unmittelbar bevorstünde und dass dann alle Produktionsmittel in die Hände des Proletariats übergingen.
Aus dem blutigen Ende der Pariser Kommune (März–Mai 1871), die unter der Herrschaft des sozialistischen Gemeinderates stand, hatten beide Berufsrevolutionäre ihre Lehren gezogen. Nämlich, dass die Bourgeoisie nur durch brachiale Gewalt entmachtet werden könne. In den Augen Karl Marx und Friedrich Engels war der Nationalstaat wie eine Maschine, die allein dazu diente, die Arbeiterklasse zu unterdrücken und auszubeuten. Wenn eine neue, gerechte Gesellschaftsform entstehen solle, nämlich die klassenlose, dann müsse man diese Staatsmaschine vorher zerschlagen.

„Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht. Sie selbst ist eine ökonomische Potenz.“

Karl Marx in: „Das Kapital“, Bd. I., S. 680

Der Klassenkampf forciert also die durch Revolution erfolgte Sozialisierung von Staat und Gesellschaft sowie die dadurch erfolgte soziale Stellung des Proletariats, der die Klassenordnung beseitigt und die klassenlose Gesellschaftsform einführt. Seine übliche Mittel waren: Agitation, Solidarität des Proletariats und dessen Organisation in freisozialistische Gewerkschaften sowie der Lohnkampf.

Materialistische Geschichtsauffassung, marxistische Revolution

Materialistische Geschichtsauffassung

Materialistische Geschichtsauffassung, auch historischer Materialismus, marxistisches Theoriekonzept. Marx und Engels definierten ihre Theorien, die auf den Schlagworten Kapitalismus, Bourgeoisie, Proletariat und Klassenkampf aufbauten, als kommunistisch. Beide nannten die älteren sozialistischen Theorien utopisch, ihr eigene Sozialismusdefinition jedoch wissenschaftlich. Doch hatten sich beide die Formel ihrer eigenen Berechnungen aus den älteren Sozialismusdefinitionen entliehen, da auch bei ihnen jeder nach seinen Fähigkeiten produzieren und nach seinen Bedürfnissen genießen sollte.

Der Marxismus geht davon aus, dass seine Wirkung darauf beruht, dass diese aus einer einheitlichen materialistischen Geschichtsauffassung, die augenscheinlich beweist, dass jedem politischen oder geistigen Ereignis ein fester Platz in einem allumfassenden Geschehen zugewiesen werde. So seien, lt. Marx, Staatsformen und Rechtsverhältnisse, Wissenschaft und Philosophie sowie Kunst keine allgemeine Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern sie würden allein in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln. So müsse der Mensch wohnen, essen und sich kleiden können, bevor er denken könne, so Marx weiter. Die tägliche Produktion und Reproduktion seines materiellen Daseins, seine Basis also, sei nicht nur ein nebensächliches Geschäft, sondern die Grundlage seiner Existenz.

Marxistische Revolution, kommunistische Weltrevolution

Marxistische Revolution

Marxistische Revolution, auch sozialistische ~, Kernthese des Marxismus, die benötigt werde, das bestehende Gesellschaftssystem durch ein neues abzulösen, das zeitlich unter der Führung der Diktatur des Proletariats stehen solle.
Weder der gute Wille des Proletariats, noch der böse Wille der Bourgeoisie könne die Revolution, die zur klassenlosen Gesellschaft führen soll, verhindern. Vielmehr stecke in den Verhältnissen jene Dialektik, die zum Untergang des bestehenden Gesellschaftssystems führen würden, in dessen Rahmen die oberen Klassen entmachtet und die unteren gestärkt würden.

Kommunistische Weltrevolution

Kommunistische Weltrevolution, gem. der Auffassung Marx’ und Engels’ die naturgemäße Weiterentwicklung der vorgenannten Revolution, die als nationale angesehen wird. Die Weltrevolution startet in allen Staaten der Welt als nationale und würde die bis dahin bestehenden sozialistischen Gesellschaftsformen in die kommunistische überführen.
Nach dem 1917 die bolschewikische Revolution zwar zwischen Russland und den Mittelmächten zu einem Sonderfrieden, dem Friede von Brest-Litowsk, führte, gelang es den russischen Bolschewiken nicht, den Kommunismus in andere Länder zu exportieren. Allein die damalige Äußere Mongolei führte ein marxistisches Gesellschaftssystem ein. Die von der radikalen Linken getragene Revolution in Deutschland scheiterte mit der Ausrufung der Weimarer Republik, obgleich dort der marxistische Rat der Volksbeauftragten die erste deutsche Nachkriegsregierung unter Friedrich Ebert (MSPD) und Vertretern der USPD regierte. Dieser Rat arbeitete anfänglich auch mit den lokalen Soldaten- und Arbeiterräten zusammen. Doch als diese Räte eine kommunistische Revolution nach Vorbild der russischen KP durchsetzen wollten, ließ der Volksrat sie zum Teil durch rechtsnationale Freikorpseinheiten beseitigen. Josef Stalin ging 1924 dazu über, seine Revolutionspolitik in das Prinzip „Sozialismus in einem Land“ überzuleiten. Damit wollte dieser eine internationale Isolation der jungen UdSSR verhindern.

Weiterentwicklungen

Aus dem hier beschriebenen Marxismus entstanden in der Folgezeit diverse Abspaltungen, die sich entweder als Kommunismus, Sozialdemokratie oder Sozialismus bezeichneten. Vor allem Ersterer forcierte einen besonders betont revolutionären Aktivismus und die Diktatur des Proletariats unter der politischen Führung einer marxistisch-leninistischen Einheitspartei. Eine besonders autoritär-totalitäre Strömung war der Stalinismus, der in den 1930er Jahren in der UdSSR entstand und der bis 1988/89 in fast allen Ostblockstaaten vorherrschend war.

Bolschewismus

Bolschewismus sg. (большевизм), auch russischer Kommunismus oder revolutionärer Sozialismus, seit 1903 Eigenname der radikal sozialrevolutionären Auslegung des Marxismus, für die später der Begriff Marxismus-Leninismus aufkam. Er kam in Russland auf, nachdem es auf einer Londoner Konferenz der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung zur Spaltung der russischen Sozialdemokratie gekommen war.
Dem Führer der Sozialrevolutionäre, Lenin, gelang es dort, die Mehrheit der russischen Delegierten für seine Auffassung eines revolutionären Sozialismus und des revolutionären Aktivismus für sich zu gewinnen. Die Partei müsse, so Lenin, zur berufsrevolutionären Elitepartei werden. Dieses lehnte die Gegenfraktion, die Menschewiki, ab. Beiwort ist bolschewistisch.

Bolschewiken [bɔlʃeˈvɪkn̩] pl., auch Bolschewiki, Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten des Bolschewismus sowie der Vertreter bolschewikischer Ideen.

Marxismus-Leninismus

Marxismus-Leninismus, auch Leninismus, Eigenname. Seit Mitte der 1920er Jahre durch Josef Stalin geprägter Begriff und Sammelbezeichnung diverser ideologisch-politischer Strömungen, die sich auf die Theorien Lenins berufen. Beiwörter sind marxistisch-leninistisch und leninistisch.

Marxisten-Leninisten pl., auch Leninisten oder Bolschewiken, Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten des Marxismus-Leninismus sowie der Vertreter marxistisch-leninistischer Ideen.

Die von Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) weiterentwickelte marxistische Ideologie versucht, die von Marx aufgestellten Prognosen abweichenden Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaftsform zu erklären, indem der Kapitalismus als solcher als moderner Imperialismus interpretiert wird. Diese Ideologie geht zudem davon aus, dass gesellschaftliche Veränderungen nur im Rahmen des revolutionären Aktivismus erfolgen könnten, der durch die sozialrevolutionäre Idee geprägt sei. Darüber hinaus dient Marxismus-Leninismus als Oberbegriff für den Personenkult des sowjetrussischen Politikers Lenin. Abwertend wird der Begriff auch für den sowjetischen Kommunismus verwendet.

Kennzeichen

Demokratischer Zentralismus

Demokratischer Zentralismus (DZ) sg., leninistisches Prinzip der Organisationsstruktur. Gemäß der von Lenin festgelegten Richtlinie sind die Parteiorgane „von unten nach oben“ zu wählen und nach der erfolgten Autorisierung der gewählten Organe sind deren Beschlüsse für alle nachfolgenden Organe und für die Gesamtmitgliedschaft ohne Widerspruchsmöglichkeit verbindlich. Das heißt, dass über gefasste Beschlüsse keinerlei Diskussionen mehr erfolgten. Dieses Prinzip stellt das Hauptinstrument der innerparteilichen Willensbildung dar und soll auch auf die Organe des Staates und der Verwaltung Anwendung finden.

Historischer Materialismus

Historischer Materialismus (HM), Lenin griff die Idee des geschichtlichen Materialismus auf und entwickelte diesen zu einer neuen Theorie weiter, die zu einer wesentlichen Grundlage des Marxismus-Leninismus wurde, die als solche die Einheitlichkeit der marxistisch-leninistischen Einheitswissenschaft darstellt.

Dialektalischer Materialismus

Dialektalischer Materialismus (DM), marxistisch-leninistische Philosophie, die in den verschiedenen kommunistischen Parteien als deren Weltanschauung aufgefasst wird. Er beansprucht, die wissenschaftliche Erkenntnis der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Natur, der Gesellschaft und des Denkens zu sein und knüpft unmittelbar an die von Karl Marx und Friedrich Engels aufgestellten Thesen an.
Maßgeblich wird im Marxismus-Leninismus die von Lenin weiterentwickelte Lehre betrachtet, die als Fortführung der klassischen Philosophie aufgefasst wird und die dem Geist des Marxismus gerecht wird. Die von Stalin geprägte Auffassung wurde damals im Rahmen seines Personenkults überbewertet, dessen Einfluss auf diese marxistische Lehre aber gilt als beträchtlich.

Das heute in allen kommunistischen Parteien vertretene Weltauslegungsschema leitet sich bis heute vom stalinistischen ab und wurde im Rahmen der Entstalinisierung modernisiert.

Der dialektische Materialismus wurde seit jeher als monistische Entwicklungslehre betrachtet, die materialistisch, das Geschehen in der Natur und Gesellschaft sowie des Denkens als Prozess der sich schon immer bewegenden Materie gedeutet.
Die Entwicklungsgeschichte wird nicht evolutionär, sondern als dialektisch aufgefasst. Sie verläuft also nicht nur in kleinen aufeinanderfolgenden Entwicklungsstufen, sondern führt gesetzmäßig im sprunghaften Übergang (dem sog. dialektischen Sprung) zu quantitativen Veränderungen. Diese Dialektik wurde als ständig fortschreitende Tendenz betrachtet, die praktisch im Anorganischen eingesetzt und über die Entstehung des Lebens sowie der sozialen Gesellschaftsformen bis hin zum Weltkommunismus führt. Diese qualitativen Veränderungen unterschied den Menschen vom Tier und das Organische vom Anorganischen, so die marxistisch-leninistische Auffassung.

Atheismus

Atheismus [ateˈʔɪsmʊs] sg., auch Gottlosigkeit, Substantiv, Maskulinum. Marxistisch-leninistischer Bestandteil des dialektischen Materialismus. Er verpflichtet den Menschen auf eine reine Diesseitsstellung. Von daher sucht dieser die Antriebe der Entwicklungsgeschichte in den Dingen und Prozessen selbst. Der marxistisch-leninistische Atheismus sei daher progressiv, derweil die Kirche versuche, den Fortschritt aufzuhalten, da sie diesen als gegen Gott gerichtet sähe.

Staat und Revolution, Diktatur des Proletariats

Staat und Revolution

1864 gründeten Marx und Engels in London die Internationale Arbeiterassoziation, die sich später in I. Internationale umbenannte.
Die nach deren Auflösung begründete II. Internationale versuchte, alle revolutionären Programmpunkte aus dem Marxismus zu entfernen und aus ihm ein evolutionäres und ökonomisches System zu entwickeln. Eine ihrer Hauptaufgaben sah die II. Internationale darin, sich für die soziale Lage der Arbeiterklasse und für demokratische Regierungsformen einzusetzen. Daher gilt die II. Internationale auch als Geburtsstätte der Sozialdemokratie. Orthodoxe Marxisten sahen in den Abweichungen der marxistischen Lehre einen Revisionismus, worauf hin der deutsche Sozialdemokrat Eduard Bernstein die Formel: „Der Weg ist alles, das Ziel ist nichts!“ prägte.

Die Sozialdemokratie bezog, und damit im Gegensatz zum traditionellen Marxismus, immer mehr Elemente aus dem kantischen Idealismus ein. Für die Sozialdemokraten waren die ökonomische und nicht die materialistische Geschichtsauffassung maßgeblich.

Der später auf „Leninismus“ verkürzte Marxismus-Leninismus, unter dem Russen Lenin, dem Begründer der III. Internationalen (Kommunistische Internationale), ging vehement gegen diese staatspolitisch verantwortungsbewussten Bemühungen der Sozialdemokratie vor. Die Abrechnung mit dem für den, in den Augen Lenins, Marxismus schädlichen Revisionismus wurde in der von Lenin verfassten Kampfschrift Staat und Revolution veröffentlicht, die er 1917 (während des I. Weltkrieges und noch vor der russischen Oktoberrevolution) verfasste.
Lenin zeigte unter einseitiger Auslegung der marx-engelschen Theorien auf, dass der Prozess (historischer Materialismus), der zur Errichtung der Klassenlosigkeit führt, den revolutionären Aktivismus, also den politisch motivierten Terror, zur Erreichung der Ziele mit einschließt. Die Theorie von der Dialektik, die von dem sich sprunghaft vorwärtsbewegenden Entwicklungsprozess handelt, wurde von Lenin wieder in den Vordergrund aller revolutionären Theorien gerückt und der Revisionismus als Zeichen der „hegelschen Schwäche“ Karl Marx klassifiziert. Der leninistische Kampf galt nun allen opportunistischen und/oder demokratischen Auffassungen; bereits 1908 hatte sich Lenin in seinem Buch Materialismus und Empiriokritizismus aggressiv mit dem philosophischen Weltanschauungen russischer Marxisten auseinandergesetzt, die als Westler diffamiert wurden, da sie sich zum westlichen Positivismus rechneten.[1] Vor allem in der materialistischen Dialektik sah Lenin den Schlüssel zur Lösung aller wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Probleme.

Die marxistische Staatstheorie sei, gem. Lenins Auffassung, vom Revisionismus entstellt worden. Erst nach der sozialistischen Revolution stürbe der Nationalstaat als solches ab, so Lenin weiter. Doch stürbe der bürgerlich-kapitalistische Staat nicht von selbst ab, wie es der sozialdemokratische Opportunismus gezeigt habe, vielmehr müsse er durch das Proletariat durch revolutionären Aktivismus beseitigt werden. Da jeder Staat gem. marxistischer Auslegung eine Diktatur des Kapitals ist, so bedeutete die Formel Diktatur des Proletariats nichts anderes, ein Werkzeug der Arbeiterklasse, den Staat der Bourgeoisie abzulösen.

Lenin war der Auffassung, dass der entschiedene Motor jeder revolutionären Umgestaltung die straff organisierte, aus einer aktiven Minderheit (den sog. Berufsrevolutionären) bestehende marxistische Partei als Avantgarde der Arbeiterklasse sei, die das revolutionäre Gedankengut erst in diese hineintrage, sie organisiert und darüber hinaus (im Zuge marxistischer Bündnispolitik) diverse politische Gruppierungen für deren Ziele dienstbar mache.
Der Berufsrevolutionär Lenin legte bei der Entwicklung seiner Ideen großen Wert auf ein Prinzip, dass sich Demokratischer Zentralismus nannte, das als maßgebliche Norm des Parteilebens gelten sollte. Ebenso viel Wert legte Lenin auf die Durchführung der kommunistischen Weltrevolution.

Diktatur des Proletariats

Diktatur des Proletariats, auch Diktatur der Arbeiterklasse, Sammel- und Propagandabegriff. Unter der Diktatur des Proletariats wurde von Lenin lediglich die erste Phase einer kommunistischen Gesellschaft aufgefasst, die gewöhnlich als Sozialismus bezeichnet wird und unter dem demokratischen Zentralismus stand. Im Sozialismus seien bereits die meisten Produktionsmittel zwar schon Volkseigentum, doch sei dort das bürgerliche Recht auf Privateigentum noch nicht abgeschafft.

„Solange es einen Staat gibt, gibt es keine Freiheit. Wenn es Freiheit geben wird, wird es keinen Staat geben.“

Wladimir Iljitsch Lenin in: „Staat und Revolution“, S. 230–231

Die marxistische Klassenlosigkeit sei, so Lenin, die Gesellschaft der Freiheit. Wenn die Arbeiterklasse selbst die Großproduktionen organisieren würde, dann entstünde – verbunden mit dem Absterben jeglichen Vorgesetztenwesens und des Beamtentums – eine neue und gerechte Ordnung. Sei die erste Phase, die Diktatur des Proletariats, vorüber, dann solle die sozialistische Gesellschaft klassen- und staatenlos werden, da der Staat als überflüssiges Unterdrückungswerkzeug verschwunden sein würde.
Die leninistische Theorie ging damit ebenfalls von der von Marx und Engels entwickelten Utopie aus, das die Zukunft der Menschheit in der Anarchie läge, die idealkommunistisch und staatenlos sei. Kommunistische Arbeit war frei von jeglicher Norm und wurde als freiwillige Arbeit definiert, da ohne einen Staat auch kein Geld geben würde. Arbeit wurde daher als Gewohnheit definiert, die ohne Entgelt geleistet werden würde.

Stalinismus

Stalinismus [ʃtaliˈnɪsmʊs], auch Marxismus-Leninismus-Stalinismus, sg., Substantiv, Maskulinum. Eigenname und seit 1927/28 Oberbegriff der von Josef Stalin (1879–1953) weiterentwickelte Interpretation des Marxismus, die sich durch autoritär-bürokratische Methoden und totalitäre Herrschaftsform auszeichnete. Beiwort ist stalinistisch.

Stalinisten pl., Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten des Stalinismus sowie der Vertreter stalinistischer Ideen.

Als Stalin nach dem Tode Lenins die Staatsführung der UdSSR übernahm, war das marxistische Problem namens Staat theoretisch wie praktisch ungelöst. Er übernahm Teile leninistischer Überlegungen nahezu unverändert, die den altmarxistischen Traditionen zum Teil massiv widersprachen. So auch die leninistische Definition des Kapitalismus, der sich vom Konkurrenz- zum Monopolkapitalismus weiterentwickelt habe und einen modernen bürgerlichen Imperialismus darstellen würde.

Stalinismus (russ. Сталинизм) bezeichnete im ursprünglichen Sinn jene Auffassungen innerhalb der KPdSU, die unter der Führung Stalins und im Gegensatz zum sog. Trotzkismus standen. Damals prägte Stalin den Begriff Marxismus-Leninismus (russ. Маркси́зм-ленини́зм), auf deren Basis er seine eigenen Theorien entwickelte. Der Begriff Stalinismus bezeichnet heute allgemein die autoritär-totalitäre sowjetische Staatsdoktrin, wie sie bis zur Entstalinisierung (1956) vorherrschend war. Diese Staatsdoktrin wurde auch zum Vorbild asiatischer und osteuropäischer Volksdemokratien, die sich teilweise bis 1988/92 dort halten konnten bzw. bis dato dort fortbestehen. Bei orthodox-kommunistischen Gruppierungen steht Stalinismus zudem für den Personenkult um den georgischen Politiker Josef Stalin.

1922 wurde Stalin Generalsekretär der KPdSU und gegen den erklärten Willen Lenins nach dessen Tod in seinem Amt bestätigt. Stalin begann, nach und nach ein Terrorregime zu errichten, in dem er Staat, Partei und Gesellschaft von Kritikern systematisch säubern ließ. Erst fiel ihm die Parteilinke, dann die Parteirechte zum Opfer. Wurde die Stalinkritiker anfänglich nur aus ihren Funktionen in Politik und Gesellschaft herausgedrängt, so begannen die Behörden ab der zweiten Hälfte der 1930er Jahre, diese in Lager zu konzentrieren, wo sie vielfach bis zu ihrem Tod arbeiten mussten oder einfach zu ermorden.
Bereits 1925 hatte Stalin auf dem XIV. Parteitag der KPdSU durchgesetzt, dass die Staatspartei in Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) umbenannte wurde; erst 1952, auf dem XIX. Parteitag wurde dieser Zusatz wieder fallen gelassen.

Stalin sah sich nach dem Tod Lenins zahlreicher Probleme gegenüber: Sozialismus in einem Staatenbund, der zur damaligen Zeit überwiegend agrarisch geprägt und erst auf dem Weg war, zu einem modernen Industriestaat aufzusteigen. Die Auffassung Stalins war, dass sich die UdSSR überwiegend im Stadium des Frühkapitalismus befand und dass ihr alle wesentlichen, von Marx und Engels aufgestellten, Merkmale fehlten, um den Sozialismus einzuführen: Der Zenit der Industriewirtschaft und die Masse des Proletariats.
Der bisher vertretene sowjetrussische Marxismus bedurfte in den Augen Stalins einer radikalen Umgestaltung, die binnen kurzer Zeit, und die von Terror und Gewalt begleitet wurde. Es folgten in zwei Schüben die Umgestaltung von Wirtschaft, Gesellschaft und des einzelnen menschlichen Individuums sowie die radikale Umgestaltung des Staatsapparates. Im sog. Stalinismus sollten alle genannten Komponenten übereinstimmen.

So begann Stalin die Idee des Weltkommunismus umzudeuten und führte seine Theorie der Konsolidierung des Sozialismus in einem Land ein, um der UdSSR, als der Einzige sich als bolschewikisch auffassenden Staat der Welt, in einer überwiegend kapitalistisch aufgefassten Weltordnung das Überleben zu sichern. In der Innenpolitik bedeutete dieses, Einführung einer Autokratie sowie der politische Kampf gegen jegliche Abweichung (Revisionismus) von der neuen Staatsdoktrin. So sollte im Stalinismus auch der innere Kampf gegen die Klassenfeinde fortgeführt und die Volksmassen zu einem großrussischen Imperialismus geführt werden, der propagierte, alle als gut aufgefassten Eigenschaften des Russischen Zarenreiches fortzuführen. Die Volksmasse sollte der KPdSU und deren Führer Stalin loyal und patriotisch gegenüberstehen. Stalin führte zudem die Nationalisierung der nichtslawischen Völkerschaften der UdSSR durch, indem er autonome Gebiete, Kreise und Republiken bzw. eigene Sowjetrepubliken schuf.
In der Außenpolitik bedeutete dies, dass Stalin die Preisgabe aller revolutionären Ideale der kommunistischen Parteien des Auslandes und deren bedingungslose Unterwerfung (einschließlich der Komintern) unter dem politischen Führungsanspruch der KPdSU vorantrieb. Zudem wurde die Aufgabe des marxistischen Internationalismus gefordert, der als hinderlich für die angestrebte Zusammenarbeit mit kapitalistischen Staaten angesehen wurde.

Ab 1945 wurde der Stalinismus, mit den zeitgleich etablierten marxistischen Volksdemokratien Osteuropas, um die von Stalin entwickelte Lehre der sog. kalten Revolution von oben ergänzt. Der jeweilige Stalinismus in diesen neuen Staaten wurde jeweils den nationalen Bedingungen angepasst. Dennoch blieb das stalinistische Kernprinzip der mit allen Terrormitteln ausgestatteten straff zentral organisierten Parteienherrschaft voll vorhanden. Auch wurden die erklärten Klassenfeinde verfolgt und zum Teil getötet. So nahmen auch die regionalen Stalinismen chauvinistische Züge an, da sie mit nationalistisch-patriotischen Ressentiments in den inzwischen kritiklosen Volksmassen verbunden wurden.

Personenkult

Der Personenkult um Stalin entwickelte sich zwischen 1934 und 1938. Vor allem nach 1945 nahm dieser immer mehr groteske Züge an. Die Person Stalins als Staats- und Parteiführer wurde ausgiebig in der Literatur und bildender Kunst behandelt, die diesen immer als gradlinigen Revolutionär zeigten, der zur Zeit des Zarenreiches auch in der sibirischen Verbannung heraus als Sozialrevolutionär und Marxist tätig gewesen sei. Seine weniger löbliche Vergangenheit als Bankräuber wurde hingegen verschwiegen.
„Väterchen Stalin“ war allgegenwärtig und präsent: Es wurden Städte (Stalingrad, Stalinstadt), Industrieanlagen, Sportplätze sowie Parkanlagen nach ihm benannt. Geschuldet war dieser Personenkult überwiegend vom Charisma Stalins und seiner Fähigkeit, Massen und Einzelpersonen schnell in seinen Bann zu ziehen.

Zwangskollektivierung

Zwangskollektivierung sg., Substantiv, Femininum, auch Entkulakisierung. Staatliche Maßnahme zum Abbau des Privatbesitzes unter den Bauern und Viehhirten und der Umwandlung deren einstigen Eigentums zum Volkseigentum. De jure entsprach sie einer Enteignung. Bereits ab 1928/29 hatte Josef Stalin die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft ohne Rücksicht auf die Bevölkerung vorangetrieben. Die unter ihm als Kulaken bezeichneten Bauern wurden rücksichtslos von ihm unterdrückt und zwangsenteignet. Unter dieser Zwangskollektivierung gerieten auch die mittelasiatischen Steppenvölker der Kasachen und Turkmenen. Erstere töteten überwiegend ihre Herden, bevor diese enteignet wurde bzw. Teile der noch nomadisch lebenden Kasachen flohen auch in die benachbarte Mongolei oder ins chinesische Ostturkestan, um so ihren Viehbestand zu sichern. Eine Hungersnot unter den Kasachen war die Folge, bei der etwa 1 Mio. Menschen starben.
Schon damals war diese stalinistische Zwangsenteignung von willkürliche Verhaftungen, Verschleppungen oder Hinrichtungen geprägt. Aber auch an der Wolga, unter den Tataren und Baschkiren, sowie in der Ukraine und Weißrussland lösten diese Maßnahmen gewaltige Hungersnöte aus. Man geht heute davon aus, dass bis 1933 etwa 15. Mio. durch diese stalinistische Maßnahmen einen grausamen Hungertod zum Opfer gefallen sind.

1938 wurde die Zwangskollektivierung für abgeschlossen erklärt. Doch hatte die stalinistische Verwaltung bei den Kasachen Sonderregelungen treffen müssen, die diesen einen gewissen Bestand am Privateigentum des Viehbestandes garantierte.

Stalinistische Säuberungen

Stalinistische Säuberungen pl., politologischer Sammelbegriff aller von Stalin getroffenen Maßnahmen, um Staat, Partei und Gesellschaft von unmarxistischen Bestrebungen zu befreien und so den Klassenkampf innerhalb der UdSSR zu verschärfen bzw. diesen zum Abschluss zu bringen.
1934–1938 folgte die staatsgesellschaftliche Umgestaltung gem. des marxistischen Prinzips des proletarischen Internationalismus der revolutionären III. Internationale (Komintern). Diesem Prinzip wurden alle nationalen und patriotischen Belange der UdSSR und der KPdSU nachgeordnet, abweichlerische Elemente der neuen Staatsdoktrin entfernt und später im großen Stil vom NKGB, dem Volkskommissariat für Staatssicherheit, im Auftrag Stalins ermordet. Bis Ende 1938 betrug die Zahl der Todesopfer etwa 1,5 Mio., die bis zum Abschluss aller Säuberungen, die zweite Welle fand zwischen 1950 und 1951 statt, auf geschätzte 10 Mio. anstieg. Begleitet wurden die Säuberungen von groß inszenierten Schauprozessen, in denen das Urteil i. d. R. schon feststand. Dort wurden die Angeklagten als Verräter an der marxistisch-leninistischen Idee und an der Person Stalins, und damit von Partei und Staat, darstellt. Ende Dez. 1938 hatte sich Stalin de facto als Alleinherrscher der UdSSR etabliert.

Nach dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges kam es 1950/51 erneut zu Säuberungen, die v. a. nichtslawische Völker (Deutsche, Türkvölker, Juden) oder sog. Westler (russ. западник /zapadnik/) umfasste. Diese wurden allgemein der Spionage und/oder der Konterrevolution beschuldigt. Als „Konterrevolution“ galt schon, wenn man sich in der damaligen UdSSR auf die in den 1840er Jahren in Russland aufgenommenen hegelsche Werte von Liberalismus und Gleichheit der Völker berief bzw. sich an traditionell westeuropäische Werte orientierte.

Entstalinisierung

Entstalinisierung sg., auch Stalinkritik, Substantiv, Femininum. Zwischen 1953 und 1964 durch Nikita Chruschtschow begonnener Prozess, den Marxismus-Leninismus vom Personenkult Stalins zu befreien und diesen wieder auf traditionelle Werte auszurichten. In deren Folge wurde nicht nur allein die staatliche Gewalt eingeschränkt, sondern auch die Konsumwirtschaft gefördert und es wurde versucht, die Zerrissenheit zwischen Partei und Kultur zu beseitigen.
Bei der Entstalinisierung handelt es sich also um eine Liberalisierung und Demokratisierung des Sozialismus. Nach einer Geheimrede des neuen Parteichefs Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU (1956) wurde dessen Stalinkritik offizielle Parteilinie und die meisten sozialistischen Staaten zogen (allerdings in unterschiedlicher Intensität) nach. Der Stalinismus gilt bis heute unter Politikwissenschaftlern (und Kommunisten) als Teil des Marxismus-Leninismus. Doch zum teilweise gilt die Pauschalzugehörigkeit zum allgemeinen Marxismus als umstritten, was mit der Stalinkritik von 1956 in Verbindung gebracht wird. Denn die meisten kommunistischen und sozialistischen Staaten beriefen sich, nach der Verdammung des Stalinismus als verbrecherische Ideologie, weiterhin auf den durch Stalin definierten Marxismus-Leninismus. Unter Leonid Breschnew wurde diese sog. Tauwetterperiode 1964 wieder teilweise zurückgenommen.

Der Marxismus-Leninismus sollte nach dem XX. Parteitag der KPdSU wieder nach der „reinen Lehre Lenins“ ausgerichtet werden und Stalin zur Persona non grata erklärt: Dieser habe, so Chruschtschow, abweichlerisch von den marxistischen Grundideen eine Diktatur errichtet, die ganz auf die eigene Person ausgerichtet gewesen sei. Daher sei Stalin auch aus der parteiinternen Reihe „Klassiker des Marxismus-Leninismus“ ausgestoßen und zu entfernen. Die Betonung Chruschtschows, dass die Staatsmacht als solche erhalten bliebe, führte dazu, dass in der KPdSU an der „Aktivität des Überbaus“ festgehalten wurde.
Die bisherige Repressionspolitik der Stalinära wurde unter Verdammung des Stalinismus abgeschwächt, aber nicht gänzlich abgeschafft. Vielmehr wurde von der KPdSU davon ausgegangen, dass sich der Klassenkampf verschärft habe, auch außerhalb des kommunistischen Bündnissystems (Warschauer Pakt, Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe). Es wurde in den sozialistischen und kommunistischen Staaten ein Abbau des innerstaatlichen Terrors infolge der Wiederaufnahme der demokratischen Gesetzmäßigkeit postuliert. Ab Frühjahr 1953 ging offenbar die sowjetische Tendenz dahin gehend, dass der von Georgi Malenkow propagierte „Neue Kurs“ die Volksmassen bei unverminderter Aufrechterhaltung der staatlichen Repressionspolitik (Partei-, Staats- und Militärgewalt) verstärkt auf das herrschende Regime eingeschworen werden sollten.

Die chrutschowsche Umgestaltung von Staat und Gesellschaft betraf v. a. die Außenpolitik, wo ein friedlicher Ausgleich mit den kapitalistischen Staaten gesucht und der, in Zeiten des seit 1948/49 herrschenden Kalten Krieges, als friedliche Koexistenz bezeichnet wurde. Aber auch innerparteilich bzw. innerstaatlich kam es zu wesentlichen Änderungen, die v. a. in den Bereichen kollektive Führung und Personenkult niederschlugen, die nun gem. der von Lenin festgelegten Richtlinien durchgeführt werden sollten.
Aufgrund der gelten Rechtslage nach dem II. Weltkrieg wandelte sich die Taktik des Marxismus-Leninismus. So wurde bspw. der großrussische Imperialismus Stalins fallen gelassen und Wirtschaft und Wissenschaft auch für westliche Ideen und Anregungen geöffnet. Vor allem Letztere entfernte sich in Teilen zunehmend von den Thesen des Dialektischen Materialismus und wendete sich nunmehr den technologischen und wirtschaftsorganisatorischen Fragen zu. Dabei wurden die engen Bindungen zu den Satellitenstaaten zeitweise vonseiten der sowjetischen Staatsführung gelockert, ohne jedoch dass der Ostblock als solcher Auflösungserscheinungen aufgewiesen hätte. In der UdSSR selbst kam es zu einer größeren Toleranz und verstärkter Sozialstaatlichkeit, da nun auch abweichende Minderheitenmeinungen akzeptiert wurden, solange diese nicht offen gegen Staat und Partei agierten.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks (ab 1989/89) distanzierten sich die meisten kommunistischen Parteien vom klassischen Stalinismus. Die westeuropäischen Parteien versuchten seit den 1960/70er Jahren, mit dem Eurokommunismus neue Wege zu bestreiten, indes die osteuropäischen sich nun auf die Peristroika- und Glastnostpolitik des Michail Gorbatschow konzentrierten. Als eine der letzten europäischen kommunistischen Parteien distanzierte sich die Sozialistische Deutsche Einheitspartei/Partei des Demokratischen Sozialismus (SED/PDS) vom Stalinismus, ohne diesen jedoch näher zu definieren.

Trotzkismus

Trotzkismus [tʀɔʦˈkɪsmʊs] sg., Substantiv, Maskulinum. Eine von Leo Trotzki (1879–1940) entwickelte Variante des Marxismus, die zur politischen Konkurrenz zum Stalinismus stand. Erstmals wurde der von Josef Stalin geprägte Begriff als politische Kampf- und Propagandabezeichnung verwendet, die auf alle abweichenden Meinungen und Richtungen innerhalb der KPdSU angewandt wurde. Beiwort ist trotzkistisch.
Der Trotzkismus weicht vom orthodoxen Marxismus-Leninismus-Stalinismus dahin gehend ab, dass er die Revolutionstheorie und Parteilehre als sog. permanente Revolution begreift, die unter ständige Führung von Arbeiterräten stehen müsse. Marxismus müsse gem. Karl Marx und Friedrich Engels stets internationalistisch bleiben und dürfe sich nicht auf ein Land beschränken, wie es der Stalinismus es vorsah.

Trotzki stellte bereits 1917 seinerseits die These auf, dass gem. einer permanenten Revolution der Sozialismus immer nur als Übergangslösung zum Kommunismus gelten dürfe. In dieser sozialistischen Gesellschaftsphase, die nur auf internationaler Ebene funktioniere, müsse die Welt durch eine Weltrevolution vom Kapitalismus befreit werden. Seine Gedanken zur Schaffung einer künftigen kommunistischen Weltordnung legte Trotzki bereits 1936 in seiner Schrift Verratene Revolution. Was ist die Sowjetunion und wohin treibt sie? nieder. Seine Anhänger, die Trotzkisten (die sich selbst als Bolschewiki-Leninisten bezeichneten), verstehen sich bis heute als Leninisten, d. h. als Teil des Marxismus-Leninismus.
Ein wesentliches Kennzeichen trotzkistischer Bewegungen ist der Entrismus, der offenen oder verdeckten Mitarbeit in Parteien und Organisationen. Dabei kann das Zielsein, dass die eigene Ideologie verbreitet, neue Mitglieder gewonnen oder den Kurs der Organisation zu verändern; v. a. in Zeiten der Marginalisierung bzw. des Verbots revolutionärer Organisationen nicht vollständig vom politischen Geschehen isoliert zu werden und/oder eine noch legale politische Arbeitsmöglichkeit zu haben.

Bereits 1923 kam es zum internen Zerfall der KPdSU, als mit Trotzkismus die radikale Parteilinke und ab Mitte der 1930er Jahre alle revisionistischen Parteien der III. Internationalen darunter verstanden, die sich auf altmarxistische Forderungen und Ziele forciert hatten und damit dem alleinigen Führungsanspruch der KPdSU und ihres Parteichefs Stalin ablehnend gegenüberstanden.

Maoismus

Maoismus sg., auch chinesischer Marxismus-Leninismus, Substantiv, Maskulinum. Eigenname der vom chinesischen Revolutionsführer Mao Tse-tung (1893–1976) entwickelten Ideologie, die sich am Stalinismus orientiert und heute eine nationalkommunistische Weltanschauung darstellt. Beiwort ist maoistisch.
Als eigenständige Ideologie entstand diese Richtung 1965, als Maos Theorien im sog. Roten Buch veröffentlicht wurden. Kernpunkte maoistischer Politik sind Antiimperialismus und Antikapitalismus, der Kampf gegen Revisionismus und Dogmatismus sowie der Aufbau einer gerechten, klassenlosen Gesellschaft infolge einer permanenten Sozialisierung von Staat und Gesellschaft. Diese Sozialisierung wird unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei vollzogen, die in ihrem Ursprungsland den Namen Kommunistische Partei Chinas trägt.

Darüber hinaus bezeichnet der Begriff Maoismus den Personenkult um den Politiker Mao Tse-tung.

Maoismus forciert den demokratischen Zentralismus, der jedem Parteimitglied der kommunistischen Partei das Recht zugesteht, auch nach einem Beschlussverfahren an seiner eigenen Meinung festzuhalten und bei Parteiveranstaltungen zur Diskussion zu stellen. Darüber hinaus wird in ihm das sog. Zweilinienprinzip vertreten, das ein parteiinternes Organisations- und Aktionsmaxim darstellt und den „drei Ja“ und den „drei Nein“ folgt:

  1. Praktizierung des Marxismus, nicht des Revisionismus,
  2. Einigkeit von Partei, Staat und Gesellschaft, nicht Sektierer- und Spaltertum sowie
  3. Offen- und Ehrlichheit, nicht Ränkespiel und Verschwörertum.

Für den Maoismus stellt die Diktatur des Proletariats ein wesentlicher Kernpunkt seines Seins dar. Doch stellt sein Verhältnis in Form der ihn vertretenden KPCh gegenüber der KPdSU ein zerrüttendes dar: Beide Parteien berufen sich traditionell auf dem Marxismus-Leninismus, doch sind sie in unterschiedlichen Denkweisen und Revolutionserfahrungen verhaftet: Im chinesischen Befreiungskampf gegen Japan kämpften die Kommunisten Schulter an Schulter mit den Nationalisten.
1949 rief Mao nach chinesischen Sieg über Japan die Volksrepublik aus, nachdem der in einem vierjährigen Bürgerkrieg die Nationalisten unter Tschiang Kai-schek nach Taiwan vertrieben hatte, wo dieser die Republik ausrief.

Die KPCh stand anfänglich unter dem Einfluss der KPdSU, doch entfernten sich beide rasch voneinander, da sie um die korrekte Auslegung und die korrekte Anwendung der Theorien von Karl Marx, Friedrich Engels und Josef Stalin stritten. 1956, im Zuge der Entstalinisierung durch Chruschtschow, die auch mit einer friedlichen Koexistenz mit den kapitalistischen Staaten verbunden war, bezichtigte der Maoismus den russischen Marxismus des Revisionismus und begann, am 1958 seinen „Großen Sprung nach vorn“ auf den Weg vom Sozialismus in den Kommunismus, der sich in der Etablierung sog. Volkskommunen niederschlug, womit der bisherige sowjetische Vorbild- und Führungsanspruch offen infrage gestellt wurde. Vor allem sah der Maoismus die chrotschowsche Erklärung negativ, dass sich die UdSSR vom Staat der Diktatur des Proletariats zu einem revolutionären Volksstaat und die KPdSU von der Klassenpartei zur Partei des ganzen Volkes gewandelt hätten. So kam es im April 1960 zum offenen Bruch und zur Weiterentwicklung des Maoismus zum chinesischen Nationalkommunismus.

Nach seinem Bruch mit Moskau gelang es dem Maoismus, eine Reihe mitgliederschwacher Parteien in seinen Einflussbereich zu bringen, die häufig den Namenszusatz Marxisten-Leninisten trugen. So standen in der damaligen BR Dtschld. v. a. die Gruppierungen Neue Linke und die K-Gruppen unter dem Einfluss des Maoismus, der auch tief in die Studentenbewegung hineinreichte.
Maoistische Gruppen hatten zudem maßgeblichen Anteil bei der Bildung der alternativer und ökosozialistischer Bewegungen, aus denen bspw. in den 1980er Jahren die Partei Die Grünen hervorgingen. Die deutschsprachigen Maoisten sind ihrer internationalistischer Ideologie entsprechend in der antinationalen und antideutschen Bewegung tätig, die auch eng mit der Antifa verflochten sind.

Mit Ausnahme der kambodschanischen Roten Khmer unter Pol Pot (1925–1998) und der Partei der Arbeit Albaniens unter Enver Hoxa (1908–1985) hatte der Maoismus keinerlei Einfluss auf die kommunistischen Regierungen anderer Staaten. 1978 begannen sich die albanischen Kommunisten sich von der KPCh zu distanzieren, indes Pol Pot Anfang 1979 gestürzt wurde. In Lateinamerika und in Süd- und Südostasien genießt der chinesische Maoismus jedoch noch einen großen Einfluss, der sich in den entsprechenden Parteien widerspiegelt.

Titoismus

Titoismus [titoˈɪsmʊs] sg. (Titoizam), auch jugoslawischer Sonderweg, Substantiv, Maskulinum. Nach den Theorien des damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito (1892–1980) entwickelter Nationalkommunismus, der v. a. auf das damalige Jugoslawien beschränkt blieb. Diese Ideologie stand im Gegensatz zum damaligen Stalinismus, der nach 1945 weltweit die verschiedenen KPs dominierte und der ebenfalls auf dem demokratischen Zentralismus (demokratischer Pluralismus) basiert.

Der Titoismus unterscheidet sich dadurch vom Stalinismus, dass er zwar alle von Marx, Engels und Lenin entwickelten Theorien mitvertrat, aber nicht die von Stalin weiterentwickelten. So war das erklärte Ziel Titos, dass sich Staat, Partei und Gesellschaft, aber auch die Arbeiterschaft in den Betrieben und die Landwirtschaft selbst verwalteten, obgleich auch hier das Prinzip des demokratischen Zentralismus herrschte. Bei der hier beschriebenen Ideologie handelte es sich im weitesten Sinn um einen Selbstverwaltungssozialismus. Durch, dass der Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) in nationale Flügel aufgeteilt war und die autonom in den jugoslawischen Teilrepubliken und den autonomen Provinzen agierte, waren nationale Spannungen innerhalb der Gesamtpartei fast gänzlich ausgeschlossen.
Im damaligen Jugoslawien herrschte eine Art Mehrparteiensystem, bei dem bei Wahlen insgesamt acht Parteien antraten, die zwar nicht die Führungsrolle des BdKJ in Zweifel zogen, aber eine feste Wählerschaft an sich binden konnten, die nicht kommunistisch wählen wollten. Darüber hinaus hatten diese Parteien unterschiedliche Parteiprogramme und vertraten regionale Interessen. Auf Föderationsebene unterbreiteten diese Parteien alternative Lösungsvorschläge in den Willensbildungsprozess von Partei und Staat auf Bundesebene. Allerdings schränkte das Prinzip Demokratischer Zentralismus den Willensbildungsprozess der Parteien ein, da sie verpflichtet waren, die von ihnen übergeordneten Zentralorganen gefassten Beschlüsse uneingeschränkt auszuführen und ihnen gegenüber Verantwortung zu tragen. Doch konnte ein Parteimitglied, auch das des BdKJ, das weiterhin die Minderheitenmeinung vertrat, seine eigene und abweichende Meinung weiterhin vertreten, obgleich er gem. Mehrheitsbeschluss anders handeln musste.
Damit ein Parteimitglied, das auch gleichzeitig Amts- und Mandatsträger der Partei war, nicht in einen Gewissenskonflikt geraten konnte, wer dieser sich zwischen Parteilinie und der Privatmeinung nicht entscheiden konnte, jederzeit von seinen Ämtern usw. zurücktreten. Darüber hinaus waren Gruppen- und Fraktionsbildungen verboten.

Nach dem Tod Titos (1980) radikalisierte sich die lokalen BdKJ, indem sie sich stetig nationalisierten und den Führungsanspruch der größten, der serbische, nicht mehr anerkannten. 1991 gingen Jugoslawien und der Titoismus in einem blutigen Bürgerkrieg unter.

Kimilsungismus

Kimilsungismus sg., auch Dschutsche-Idee oder Chuch’e-Ideologie, Substantiv, Maskulinum. Nordkoreanischer Nationalkommunismus auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus einschließlich des Stalinismus. Diese Ideologie wurde ab etwa 1968 durch Kim Il-sung entwickelt, die die Autarkie Nordkoreas und die politische Unabhängigkeit der kommunistischen Partei der Arbeit Koreas von der KPCh und der KPdSU widerspiegelt. Er ersetzte 1977 den bisherigen Marxismus-Leninismus in Nordkorea.
Diese Ideologie vertritt die These, das jede Nation die gesellschaftliche Revolution eigenständig voranzutreiben und das die Gleichheit und Unabhängigkeit aller kommunistischen Parteien unveränderlich sind. Staat, Partei und Gesellschaft sowie alle Massenorganisationen folgen auch hier dem demokratischen Zentralismus. Es werden in dieser Theorie drei Grundlagen vertreten:

  1. Politische Souveränität,
  2. wirtschaftliche Autarkie und
  3. militärische Eigenständigkeit.

Daher nimmt es auch nicht Wunder, dass der nordkoreanische Teilstaat zur Zeit des Kalten Krieges zwar politisch zum Ostblock, aber nicht wirtschaftlich-militärisch zu diesem gehörte: Im Rat der gegenseitigen Wirtschaftshilfe (RGW) besaß er nur einen Beobachterstatus, dem Warschauer Pakt gehörte er nicht an. Endziel des Kimilsungismus ist die friedliche Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel.

Die im Land aktiven Massenorganisationen haben den Zweck, die Volksmassen zu einer disziplinierten, freiwilligen, von Begeisterung getragenen Erfüllung der Parteidirektiven und zur Bereitschaft zur Verantwortung vor dem Kollektiv.
Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre hatte der Kimilsungismus einen gewissen Einfluss auf jene außerkoreanischen Kleinstparteien, die sich nicht dem Maoismus verschrieben hatten. So auch auf die deutsche Partei der Arbeit und dem Kampfbund Deutscher Sozialisten. In Nordkorea selbst wurde er 2009 durch die Herausnahme aller kommunistischen Elemente aus der nordkoreanischen Verfassung de facto bedeutungslos und aufgehoben. Stattdessen wurde ein autoritär-totalitäres Militärregime etabliert, dass unter der Herrschaft Kim Jong-sun steht.

Nationalkommunismus

Nationalkommunismus sg., auch ~marxismus, Substantiv, Maskulinum. Beschreibt jene marxistische Ausprägung, in der die kommunistische Ideologie, Staatspolitik (Innen- und Außenpolitik) und die Herrschaft der Partei an den nationalen Besonderheiten und den nationalen Interessen orientieren, die als vordergründig angesehen werden.

Nationalbolschewismus

Nationalbolschewismus sg., typisch deutsche Erscheinungsform des vorgenannten Nationalkommunismus zur Zeit der Weimarer Republik. Er bildete die politische Grundlage des Strasserkreises, der sich linksvölkisch betrachtete. So lehnte diese Ideologie die kommunistische Weltrevolution ab. Nach 1945 wurden v. a. in der damaligen BR Dtschld. noch Parteipositionen bezogen, die sich aus dem Nationalbolschewismus ableiten ließen.

Literatur

  • Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): SBZ von A bis Z. Ein Taschen- und Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands, Deutscher Bundes-Verlag 1959, Einträge „Demokratischer Zentralismus“, „Marxismus-Leninismus“ und „Stalinismus“
  • Robert Furtak: Die politischen Systeme der sozialistischen Staaten, Deutscher Taschenbuch Verlag München 1979
  • Zweiburgen Verlag Anheim: Neues Lexikon, Zweiburgen Verlag Anheim 1985, Eintrag „Marxismus“

Weblinks

Fußnoten

  1. Nach Lenins Tod (1924) wurden auszugsweise Schriften und Randglossen veröffentlicht, in denen sich der Revolutionsführer zur Logik Hegels äußerte. Diese wurden später in dem Buch Aus dem philosophischen Nachlaß zusammengefasst und veröffentlicht.


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