Klassenlose Gesellschaft

Aus Deutsche Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Klassenlose Gesellschaft sg., auch Volksgemeinschaft (völkisch) oder Klassenlosigkeit, seit Veröffentlichung des Manifestes der Kommunistischen Partei eine Propandabezeichnung der marxistischen Arbeiterbewegung sowie der sozialrevolutionären Bewegung, die auch von der in den 1880/90er Jahren von der völkischen Gewerkschaftsbewegung übernommen wurde. Beiwort ist klassenlos.

Vor allem im Sozialismus und Kommunismus ist die Klassenlosigkeit ein erstrebsames Ziel, die in einer als substanzielle Entität aufgefassten Gesellschaftsform endet, in der es keine sozialen Gruppen oder keinen Klassenkampf mehr gibt. Alle Produktionsmittel sind in dieser Klassenlosigkeit Volkseigentum, wodurch der Kapitalismus als solches überwunden wird und der Nationalstaat als überflüssig gilt. Letzterer wird im Marxismus klar als Ausbeutungs- und Unterdrückungsinstrument der Bourgeoisie gegenüber dem Proletariat aufgefasst.[1]

Synonyme

Zwischen der kommunistischen und der sozialistischen Gesellschaft bestehen keine größeren Unterschiede. Der Sozialismus gedenkt, größere staatlich-gesellschaftliche Umstrukturierungen friedlich als Solidargemeinschaft aller zu verwirklichen, indem man dort auf die soziale Grundwerte Freiheit und Gleichheit sowie Solidarität gleichermaßen setzt.[2] Der Kommunismus ist dagegen bereit, seine Ziele auch mit radikaleren Mitteln (Revolution, Putsch) zu verwirklichen.[3]

Etymologie, Anwendung

Etymologie

Klassenlose Gesellschaft ist ein politischer Kampfbegriff, der auf den Ideen Karl Marx beruht, nach dessen Auffassung die menschliche Urgesellschaft klassenlos war. Gemäß Marx habe der frühe Mensch keine persönlichen Besitztümer gekannt und alle Reichtümer der Natur sei Allgemeingut gewesen.
Nach der Sesshaftwerdung des Menschen entwickelten sich diverse Gesellschaftssysteme, in denen sich die Besitzverhältnisse nach und nach verschoben; letztendlich lebte die Masse der Menschen in Armut und Ausbeutung, derweil sich die Reichtümer und Produktionsmittel auf wenige Reiche verteilten.

Anwendung

Der souveräne Nationalstaat als solcher gilt per se in der marxistischen Doktrin als Unterdrückungsinstrument der Bourgeoisie, mit diesem diese das Proletariat und das Bauerntum unterdrückt.
Karl Marx und Friedrich Engels schlussfolgerten dementsprechend im Manifest der Kommunistischen Partei, dass der Staat (und damit das Unterdrückungsinstrument als solches) durch Sozialisierung, d. h. durch Vergesellschaftung, aller wichtigen Produktionsmittel und der damit verbundenen Aufhebung aller Klassenunterschiede absterben würde.[1]
Die menschliche Gesellschaft müsse im Marxismus ein genossenschaftlich organisierter Zusammenschluss aller Werktätigen werden. Klassenlose Gesellschaft bedeutete, dass alle ihren Bedürfnissen folgen dürften und keine festen Berufe ausüben müssen. Arbeit sei kein Zwang, sondern Ausdruck einer gefestigten Persönlichkeit, die freiwillig erfolge. Die Kindererziehung oblag nicht mehr den Eltern, sondern der gesamten Gesellschaft.

Anarchistische Gesellschaft

Der Anarchismus galt und gilt als Inbegriff der Klassenlosigkeit. Zwar wird mit ihr politisch der Zustand der Gesetzlosigkeit und der politischen Wirren bezeichnet, doch sieht die Philosophie in ihr einen erstrebenswerten Gesellschaftszustand, in dem eine minimale Gewaltausübung durch Institutionen bei maximaler Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen vorherrscht.

Sozialistische Gesellschaft

Die sozialistische Gesellschaft, auch Volksdemokratie, sieht sich als Vorstufe der nächstbeschriebenen,[4] die sich auf dem wissenschaftlichen Sozialismus begründet. In ihr sind Wirtschaftsbetriebe, sofern diese großkapitalistisch waren, und das Privateigentum überwiegend verstaatlicht und damit Volkseigentum geworden. Doch wird in diesem Gesellschaftsmodell formaljuristisch das Recht auf Privateigentum aufrechterhalten.
Eine sozialistische Gesellschaft ist i. d. R. in einem Klassenstaat organisiert, der unter der Diktatur des Proletariats und damit unter Führung einer marxistisch-leninistischen Partei (und ihrer Arbeiterklasse) steht. Allein die damalige UdSSR erklärte, dass in ihr der Klassenkampf (und damit die Diktatur des Proletariats überwunden) und sie ein revolutionärer Volksstaat sei, indes die meisten sozialistischen Staaten erklärten, dass sie Volksrepubliken seien, dass sie sich aber im Übergang zum Volksstaat befänden. Allein Jugoslawien ging einen Sonderweg, der verfassungsmäßig eine sozialistische, selbstverwaltende Demokratie propagierte.[1]

Kommunistische Gesellschaft

Die kommunistische Gesellschaft als solche gilt als Entwicklungsstufe des Marxismus-Leninismus, der auf den Theorien Wladimir Iljitsch Lenins fußt. Klassenlose Gesellschaft bedeutete für Lenin, dass diese nur über das Prinzip des revolutionären Aktivismus zu erreichen sei. Der Staat müsse vom Instrument der Bourgeoisie zum Instrument der Arbeiterklasse werden, mit dem die Diktatur des Proletariats errichtet werden sollte. Das Absterben des nachrevolutionären proletarischen Staates sollte erst dann erfolgen, wenn die Gesellschaft gelernt haben würde, sich selbst zu verwalten.[1] So sollte der revolutionäre Volksstaat die letzte Entwicklungsstufe vor der Klassenlosigkeit darstellen.

Frontsozialistische Gesellschaft

Die frontsozialistische Gesellschaft beruht auf dem völkischen Sozialismus, der in den Schützengräben des I. Weltkrieges und an der damaligen Heimatfront weiterentwickelt wurde. Die klassenlose Gesellschaft, nun im völkischen Sinn als Volksgemeinschaft aufgefasst, definierte sich selbst durch die kriegsbedingte Aufhebung aller Klassenunterschiede. Auch hier sollten weite Teile der Produktionsmittel sozialisiert und damit Volkseigentum werden. Vor allem die völkische Linke (Nationalbolschewismus, Deutschsozialismus) und die sozialistische Rechte (Nationalsozialismus) übernahmen den Frontsozialismus als Ideologie, was sie teilweise recht nahe an ihre ideologischen Gegner (Kommunismus, Sozialdemokratie) brachte. Was sie von diesen trennte, war die Ablehnung des typischen Klassenkampfes und der Gedanke an eine Weltrevolution.

Siehe auch

Literatur

  • Robert Furtak: Die politischen Systeme der sozialistischen Staaten, Deutscher Taschenbuch Verlag München 1979

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Robert Furtak: Die politischen Systeme der sozialistischen Staaten, S. 9–11
  2. Gabler Wirtschaftslexikon, Eintrag „Sozialismus“, abgerufen am 2. Nov. 2016
  3. Gabler Wirtschaftslexikon, Eintrag „Kommunismus“, abgerufen am 2. Nov. 2016
  4. Gabler Wirtschaftslexikon, Eintrag „Sozialismus“, abgerufen am 2. Nov. 2016


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.