Kommunismus

Kommunismus (lat. communis = gemeinsam), seit 1840 Bezeichnung diverser politisch-ideologischer Strömungen des Marxismus, die durch die radikale Linke vertreten werden und die zur internationalen Ideologie ausgebaut wurden. Kennzeichnend für den Kommunismus ist, dass sie bis heute das Prinzip des Klassenkampfes vertritt, der die bestehende Gesellschaftsform über die Diktatur des Proletariats in eine klassenlose Gesellschaft überleiten soll. Die kommunistische Ideologie vertritt bis heute den von Karl Marx und Friedrich Engels propagierten Internationalismus und sieht bis heute das Kommunistische Manifest als verbindliche Richtlinie an. Die Begriffe Bolschewismus, Leninismus, Marxismus-Leninismus und Stalinismus bzw. Marxismus-Leninismus-Stalinismus--Hardcore-Mike (Diskussion) 23:59, 12. Aug. 2015 (CEST) werden synonym verwendet. Beiwort ist kommunistisch.

Der Kommunismus stellt seit 1840 den radikalen Flügel der sozialistischen Arbeiterbewegung dar. Seine Wurzeln sieht er im wissenschaftlichen Sozialismus, der von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Varianten

Der moderne Kommunismus entstand im 20. Jahrhundert in Russland und orientierte sich am Marxismus-Leninismus, der von Wlademir Iljitsch Lenin weiterentwickelten Lehre, die sich auf Karl Marx berief.

Orthodoxe Kommunisten berufen sich auf den Stalinismus, der von Josef Stalin aus dem Marxismus-Leninismus weiterentwickelten Lehre. In der Volksrepublik China wurde ab 1949 aus dem Stalinismus ein nationaler Kommunismus entwickelt, der unter dem Namen Maoismus bekannt wurde. In Jugoslawien führte Josip Tito 1952 einen aus dem Stalinismus abgeleiteten Personenkult ein, der nun als Titoismus bezeichnet ward. Albanien löste 1968 den Stalinismus durch den Maoismus ab, als der Bruch mit Moskau und die politische Orientierung nach China erfolgte. In Nordkorea wurde der Stalinismus 1977 von der Chuch’e-Ideologie abgelöst.

Politische Ausrichtung

Der Kommunismus entstand im Zuge der industriellen Revolution und fordert die absolute Proletarisierung der gesamten Gesellschaft. Persönlicher Besitz sei Diebstahl am „Volk der Werktätigen“ und alle Produktionsmittel sollten „Volkseigentum“ werden. Die erstrebte klassenlose Gesellschaft sollte über einen Arbeiter- und Bauernstaat erreicht werden, in dem das Großkapital bedeutungslos wäre. Indes die Sozialdemokratie eine Änderung der Gesellschaftsform über demokratische Reformen zu erreichen gedachte, forcierten vor allem Kommunisten den revolutionären Umsturz. Ihnen wesensgleich waren die Sozialisten, die jedoch nicht ausgesprochen extremistisch agierten.

Entstehung

Karl Marx griff auf den Terminus „Kommunismus“ zurück, um seine Lehre — festgelegt im Kommunistischen Manifest — von anderen sozialistisch orientierten Bewegungen abgrenzen zu können, die er selbst als konservativ ansah.

„Sozialismus ist Bourgeois, Kommunismus ist Proletariat.“

Karl Marx

Marx favorisierte das revolutionäre Element des politisch motivierten Klassenkampfes, an deren Ende über die Diktatur des Proletariats die klassenlose Gesellschaft errichtet werde. Diese werde, so Marx, den Nationalstaat überwinden und überflüssig machen.

Der orthodoxe Kommunismus entstand in Russland, als der russische Sozialdemokrat Lenin ab 1917 seine auf den Marxismus beruhende Lehre verbreitete. Der Sozialismus Lenins beruhte auf radikalrevolutionären Elementen und sein Begründer war davon überzeugt, dass der Weltkommunismus nur durch Revolution zu verwirklichen sei. Russland wurde der erste kommunistische Staat, und als das Zarenreich im Bürgerkrieg blutig unterging, rief er 1922 die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken aus.

Russischer Kommunismus als Vorbild anderer europäischer Ideologien; politische Gegnerschaft mit der NS-Ideologie

Während des Ersten Weltkrieges, entstanden auch in West- und Osteuropa kommunistische Bewegungen, die sich am russischen Marxismus orientierten. So entstand beispielsweise im deutschen Nationalstaat die USPD, die ursprünglich den linken Flügel der SPD bildete.

Nach dem Tode Lenins wurde Josef Stalin Staatschef der Sowjetunion und führte eine auf seine Person abgestimmte Variante des Marxismus ein, die als Stalinismus bekannt wurde. Der erste Arbeiter- und Bauernstaat der Welt ward zur Diktatur. Um Stalin wurde ein Personenkult entwickelt („Väterlichen Stalin“) und der Stalinismus wurde der politische Gegner des Nationalsozialismus.

Komintern

Mit Gründung der Komintern wurde der sozialistische Internationalismus nun auf den Kommunismus Moskauer-Prägung übertragen. Die UdSSR galt bei den kommunistischen Bewegungen und Parteien als Vorbild für die Umstrukturierung ihrer Nationalstaaten. Aus diesem Grunde wurden nach dem De-facto-Ende des Zweiten Weltkrieges in Osteuropa Volksdemokratien eingeführt, deren Staatsparteien sich zum Stalinismus bekannten.

Nach 1945 wurde der Kommunismus vorherrschende Staatsdoktrin der in Osteuropa entstandenen Volksdemokratien (Ostblock). Ausnahmen in der kommunistisch geprägten Welt bildeten in Europa nur die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien und die Volksrepublik Albanien. Erstere entwickelte mit dem jugoslawischen Sonderweg (Titoismus) eine eigene Version des Kommunismus, der von der sowjetisch propagierten Form abwich. Letztere schloss sich politisch dem von der Volksrepublik China vertretenden Version des Maoismus an.

Zerfall der kommunistischen Weltgemeinschaft

Ab 1949 begann der politische Zerfall der kommunistischen Welt, als die Volksrepublik China den Maoismus zur Staatsdoktrin erhob. Und bereits 1952 folgte Jugoslawien diesem Beispiel und führte den Titoismus ein. Albanien folgte 1968 und orientierte sich nun am Maoismus. Dieses war eine Reaktion auf die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Truppen des Warschauer Pakts.

Bis zum Zusammenbruch des politischen Ostblocks waren in den Volksdemokratien die kommunistischen Parteien Träger der marxistischen Staatsidee.

Post- und Reformkommunismus

1989/91 brach jedoch die Sowjetunion auseinander, der für alle kommunistischen Staaten Vorbildcharakter hatte. Im Zuge der von Michael Gorbatschow vertretenden Politik der „Perestroika“ und von „Glastnost“ und dem daraus entwickelten Reformkommunismus erreichten die Ostblockstaaten nach Auflösung des Warschauer Pakts und dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe ihre politische Souveränität.

Heute halten nur noch drei Staaten am Kommunismus fest, der jedoch unterschiedliche Ausprägungen besitzt:

  1. Volksrepublik China (Maoismus)
  2. Demokratische Volksrepublik Korea (Chuch’e-Ideologie)
  3. Republik Kuba (Marxismus-Leninismus)

Siehe auch


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