Konzentrationslager

Aus Deutsche Geschichte
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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Konzentrationslager [kɔnʦɛntʀaˈʦi̯oːnsˌlaːɡɐ] (amtl. Abk. KL), umgangssprachlich KZ, Substantiv, Neutrum. Offizieller Name nationalsozialistischer Internierungslager, die heute die sprichwörtliche Verkörperung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft darstellen.

Ende 1944 bestanden auf dem Territorium des Großdeutschen Reiches nur zwanzig Einrichtungen, die berechtigt waren, das Kürzel KL zu führen. Neben diesen offiziellen Konzentrationslagern bestanden noch etwa 165 ihnen angeschlossene Internierungslager, in denen die gleichen tödlichen Bedingungen herrschten und die als Arbeitslager tituliert wurden.
Zudem bestanden mit den KZs Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald drei Übungs- und Ausbildungsstätten der SS-Wachverbände, in denen die spätere Lager-SS auf ihre Rolle in der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie vorbereitet wurde.

Während des II. Weltkrieges waren die vom Großdeutschen Reich in Osteuropa betriebenen Vernichtungslager ausschließlich vorgesehen, die industrielle Ermordung von Juden, Zigeunern oder Homosexuellen vorzunehmen. Für diesen Zweck errichtete die Waffen-SS die Lager Auschwitz II und Lublin-Majdanek, indes die 1942 (im Zug der berüchtigten Aktion Reinhardt) errichteten Vernichtungslager Sobibor, Belzec und Treblinka der Geheimen Staatspolizei unterstanden.

Chronik

Das Wort Konzentrationslager ist eng mit dem während eines Krieges eingerichteten Lager verbunden, in dem Zivilgefangene oder gegnerische Soldaten festgesetzt werden, die auf neutrales Gebiet gewechselt sind.
Die ersten KZ-ähnlichen Einrichtungen der Jetztzeit waren die Internierungslager der Briten während des Burenkrieges in Südafrika, in denen Tausendfach Frauen und Kinder der burischen Freiheitskämpfer brutal von der britischen Kolonialmacht hingemeuchelt wurden. Adolf Hitler wird in den 1940er Jahren während einer Radioansprache darauf hinweisen, dass das Deutsche Reich die Konzentrationslager von den Briten übernommen und perfektioniert habe.

1933–1934

Das NS-Regime machte aus der Existenz seiner Konzentrationslager nie einen Hehl. So wurde der Begriff auch offiziell in diversen Lexika aufgeführt und definierte ihn wie folgt:

„(…) im Deutschen Reich ein polizeilich beaufsichtigtes und bewachtes Unterkunftslager, in dem Personen zeitweise festgehalten werden, um das Aufbauwerk der Regierung nach der nationalsozialist. Revolution von 1933 nicht zu gefährden. Es handelt sich dabei um Anhänger des Bolschewismus, in dem der Nationalsozialismus den Todfeind aller europ. Kultur sieht, oder um Personen, die sich durch Bestechlichkeit, Charakterlosigkeit, unsoziales Verhalten usw. als politisch haltlos oder gefährlich oder die Verrat an der nationalsoz. Aufbauarbeit und an der Volksgemeinschaft begangen haben. Sie werden in Gruppen zusammengefaßt und zu nutzbringender Arbeit angehalten. Die meisten K. sind nach Befriedung der Verhältnisse wieder aufgelöst worden.“

Der „Neue Brockhaus“ 1938, zweiter Band F – K, Eintrag „Konzentrationslager“

Errichtung der ersten KZ durch die SA

Ihre Errichtung erfolgte kurz nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, als am 28. Febr. 1933 infolge des Berliner Reichstagsbrandes die Reichstagsbrandverordnung erlassen wurde, die die Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung der Bevölkerung erheblich einschränkte. Allein in Preußen wurden etwa 150 000 SA- und rund 15 000 SS-Angehörige mit leichten Handfeuerwaffen ausgerüstet und in hilfspolizeiliche Dienste gestellt. Die Sturmabteilung begann, deutschlandweit wilde Konzentrationslager wie das KZ Oranienburg zu errichten, in denen politische Gegner und sonstige Volksschädlinge zu „deren Schutz vor der Volksgemeinschaft“ in Schutzhaft genommen werden konnten. So wurden denn auch die Konzentrationslager der SA offiziell als Verwahrungs- und Erziehungslager bezeichnet.

Die Konzentrationslager entwickelten sich rasch zum idealen Terrorinstrument, da jeder Unliebsame ohne richterliche Anordnung und ohne Gerichtsurteil inhaftiert und in eines dieser Lager überwiesen werden konnte. Bereits zwischen März und April 1933 hatten SA und SS allein in Preußen weit über 250 000 Personen inhaftiert, von denen auch einige Hundert in der Gefangenschaft gewaltsam ums Leben kamen. Der damalige Chef der Politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums bezeichnet vor allem das von der SS betriebene Privatgefängnis des Columbia-Hauses als die „allerschlimmste Marterstätte“.

Das KZ Dachau als erstes SS-KZ

Am 17. März 1933 wurden in München die ersten 150 SS-Männer eingestellt, die sie freiwillig zum Einsatz in einem Sondersturmbann gemeldet hatten: Unter Hilmar Wäckerle sollten sie ab dem 22. März bei Dachau das erste von der SS errichtete Schutzhaftlager betreiben. Ihre vermeintliche juristische Rechtsgrundlage leitete diese SS-Wachtruppe von der einen Tag vorher verabschiedeten Heimtückeverordnung ab, die bereits für die „Verunglimpfung des Führers, der Partei oder einer ihrer Organisationen“ drastische Haftstrafen vorsah. Um dem neuen SS-Schutzhaftlager einen staatlichen Anstrich zu geben, verfügte Reichsführer-SS Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als kommissarischer Polizeipräsident Münchens, dass der Wachsturmbann „Dachau“ in den bayrischen Staatsetat eingebunden und über den Polizeihaushalt finanziert wurde. Offiziell waren die Wachmannschaften Dachaus der politischen Polizei überstellt, doch de facto endete deren Einfluss seit der Übernahme des KZ Dachaus durch die SS an dessen Toren.

Bereits im Sommer 1933 betrieb die Schutzstaffel mit den Lagern Esterwegen und Papenburg zwei weitere eigenbetriebene Konzentrationslager, die rasch um weitere ergänzt wurden.

1934–1939

Unterstellung aller Konzentrationslager der SS

Die meisten Konzentrationslager wurden bis Sommer 1934 von der Sturmabteilung betrieben. Doch nach der Entmachtung der Obersten SA-Führung (sog. Röhmputsch) änderte sich dieses: Die SA-Hilfspolizei wurde, mit Ausnahme des im Oktober 1933 aufgestellten SA-Feldjägerkorps, aufgelöst und ihre Schutzhaftlager geschlossen, nachdem diese an die Schutzstaffel gefallen waren.
Theodor Eicke, der sich aktiv an der Ermordung des damaligen SA-Stabschefs Ernst Röhm beteiligt hatte, wurde kurze Zeit später zum SS-Gruppenführer befördert und von Heinrich Himmler zum Inspektor der Konzentrationslager und Wachverbände ernannt. Eine bemerkenswerte Karriere für einen Menschen, den Himmler persönlich Anfang der 1930er Jahre aus der SS ausgestoßen und als „gemeingefährlichen Irren“ in die geschlossene Psychiatrie hat einweisen lassen. Eicke, der sich seit der Ermordung Röhms als Himmlers „Mann fürs Grobe“ etabliert hatte, war nun die oberste Instanz der Konzentrationslager und er agierte dort als Himmlers Stellvertreter, da er nur diesem Rechenschaft schuldete.

Bereits kurz nach dem Theodor Eicke das KZ Dachau von Wäckerle übernommen hatte, baute er dieses zum sog. SS-Musterlager um und entwickelte eine strenge Lagerordnung, die die Häftlingsbehandlung und -bestrafung regelte. Die Maßnahmen begannen beispielsweise mit Schlafentzug, gingen über Einzelhaft bis hin zur standrechtlichen Erschießung oder des Erhängens. Berüchtigt war im KZ Dachau beispielsweise die Einzelhaft im sog. Bunker, der fensterlos war und so die Insassen ihre Zeit in völliger Dunkelheit und Isolation verbringen mussten.

Dieses System, die als Dachauer Schule in die Geschichtswissenschaft einging, wurde nun fast unverändert (das System wies nur regional bedingte Abweichungen auf) auf alle Konzentrationslager angewandt. In ihrer Ausbildung zum SS-Mann eines Wachtrupps lernten die Anwärter, dass „jegliches Mitleid mit Staatsfeinden“ eines SS-Mannes unwürdig sei.

Gliederung der deutschen Konzentrationslager nach Dachauer Muster

Nach Vorstellung des Inspektors der Konzentrationslager Eicke stand und fiel ein Schutzhaftlager mit dem Lagerführer. Das Konzentrationslager als solches war in fünf Bereichen eingeteilt, die nach Aufgaben und Zuständigkeit gegliedert waren:

  1. Kommandantur: Diese umfasste den Lagerkommandanten, seinen Adjutant und die Postzensurstelle. Der Lagerkommandant hatte die volle Verfügungsgewalt über das KZ und war dafür verantwortlich, dass alle von der Reichsführung-SS vorgegebenen Richtlinien durchgeführt wurden. Der Adjutant war verantwortlich, dass die Befehle des Lagerkommandanten durchgeführt wurden und er führte den amtlichen Schriftverkehr mit allen über- und untergeordneten SS-Dienststellen. In der Regel zeichnete der Adjutant die Schreiben mit „in Vertretung des Lagerkommandanten“.
  2. Politische Abteilung und Erkennungsdienst: Dienststellenleiter war immer in Beamter der Kriminalpolizei oder der Gestapo. Die Abteilung war zuständig für die Vernehmung und kriminalpolizeiliche Erfassung (Erkennungsdienst) der „Schutzbefohlenen“. Sie führte die Insassenkartei mit Bildern, Fingerabdrücken und Personenbeschreibungen und war auch für die Registrierung der Neuzugängen, Entlassungen sowie für die Verlegung einzelner Häftlinge verantwortlich. Auch die Sterbemeldungen der Häftlinge durch „auf der Flucht erschossen“ oder durch „natürlichen Tod“ (Organversagen war eine beliebte Umschreibung, dass eine Person im Lager durchs Lagerpersonal ermordet wurde) lief über die Politische Abteilung. Ihre Verhöre waren gefürchtet, da es dabei vielfach zu brutalen Übergriffen vonseiten der Gestapo- oder Kriminalbeamten kam.
  3. Schutzhaftlager: Das Schutzhaftlager stellte das eigentliche, von einem hohen Stacheldrahtzaun begrenzte, Konzentrationslager dar. In ihm hatte die sog. Lager-SS das Sagen, die aus einer kleinen, verschworenen SS-Gemeinschaft bestand, die ihrem Lagerkommandanten treu ergeben war. Das Lagerpersonal wurde aus dem Schutzhaftlagerführer, dem Rapportführer und dem Blockführer gebildet. Hinzu kamen noch der Arbeitsdienstführer und anderes Aufsichtspersonal. Eine von dieser Ordnung abgeleitete Hierarchie herrschte auch unter den Insassen: Sie waren in Lagerältester, Schreibstube, Blockälteste und Kapos eingeteilt. Sie wurden aus „besonders vertrauensvollen“ Insassen gebildet und waren für die „Selbstverwaltung“ der Häftlinge zuständig. Zumeist wurde dieser Personenkreis aus politischen oder kriminellen Häftlingen gebildet, die ihrerseits mit ihren weitreichenden Aufgaben voll in die Lagerverwaltung eingebunden waren. Das Gros der SS-Wachverbände hatte keinen Zutritt in diesem Bereich, sondern waren für die Außenbewachung des gesamten Lagerkomplexes zuständig. Doch wurde aus ihnen der Nachwuchs der Lager-SS rekrutiert.
  4. Lagerverwaltung: Die Lagerverwaltung unterstand dem SS-Verwaltungsführer und nahm dort die Exekutive, das heißt die Verwaltung des Konzentrationslager, wahr. Ferner waren in dieser Dienststelle die Gefangenen-Eigentumsverwaltung und der Lager-Ingenieur untergebracht.
  5. Krankenlager: Das Krankenlager unter Kommando eines SS-Lagerarztes war zuständig für die medizinische Versorgung des SS-Personals und der Häftlinge. Letztere war in allen Konzentrationslagern mangels Krankenbetten und Medikamenten nicht ausreichend. Es war aber auch nicht gewollt, dass sich der Lagerarzt um die Gesundheit der Insassen kümmerte, vielmehr sollte er auf Minimalkosten deren Arbeitsfähigkeit aufrechterhalten. Bei drohender Überbelegung des Lagers war er angehalten, kranke Insassen mittels gezielter Tötung zu beseitigen, um so Platz für die Neuzugänge zu schaffen.

Die Anzahl und die Insassenzahl der Konzentrationslager wechselte. 1935 existierten sieben Konzentrationslager mit etwa 7000 bis 9000 Insassen. Diese hatten interne Lager- und Lageraufbauarbeiten zu leisten, wurden aber auch vielfach zu Außenkommandos zusammengefasst, die dann außerhalb des Lagers zu Arbeiten herangezogen wurden. So zum Beispiel zur Trockenlegung von Moorgebieten.

Der Tagesablauf eines Konzentrationslagers war streng reglementiert, wie folgende Tabelle aufzeigt:

Uhrzeit Vorgang
4:00 Uhr Wecken (Sommer)
5:00 Uhr Wecken (Winter)
5:15 Uhr Zählappell[1]
6:00–12:00 Uhr Arbeitseinsatz[2]
12:00–13:00 Uhr Mittagspause[3]
13:00–18:30 Uhr Arbeitseinsatz
19:00 Uhr Zählappell[4]
20:00 Uhr Freizeit
20:45 Uhr Kommando „Alles in die Baracken!“
21:00 Uhr Kommando „Alles in die Betten – Licht aus!“

Kennzeichnung der Häftlinge

Das KZ-Winkelsystem

Etwa ab 1935 wurde ein farbiges Kennzeichnungssystem[5] in Form von Winkeln (Stoffdreiecke) in den KZ eingeführt, um Häftlingsgruppen besser auseinanderhalten zu können und das auf die Häftlingskleidung in Höhe des Herzens (Brust und Rücken) genäht wurde.

Es waren außerdem Doppelzeichnungen möglich, wenn beispielsweise ein Insasse ein homosexueller Emigrant war. Dann trug dieser einen blauen Winkel über einem rosafarbenen, wobei dann beide einen Davidstern ergaben.

Ab etwa Jahreswechsel 1937/38 wurde der Personenkreis der Insassen erweitert: wurden bis dahin sog. politische Gegner wie Sozialdemokraten und Kommunisten eingeliefert, wurden nun auch sog. Arbeitsscheue eingeliefert, sodass das Winkelsystem erweitert werden musste:

  1. roter Winkel = Politischer Häftling
  2. lila Winkel = Bibelforscher (Zeuge Jehovas)
  3. schwarzer Winkel = Asozialer
  4. grüner Winkel = Krimineller
  5. rosa Winkel = Homosexueller
  6. blauer Winkel = zurückgekehrter Emigrant
  7. brauner Winkel = Zigeuner
  8. gelber Winkel = Jude

Juden wurden damals noch nicht per se in die Konzentrationslager eingeliefert, es sei denn, sie waren „Kriminelle“, „Politische“ oder „Homosexuelle“. So mussten die bestehenden Konzentrationslager vergrößert werden, um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können.

Entlassung der Häftlinge

Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges war es noch üblich, dass KZ-Insassen nach Ablauf ihrer „Strafen“ wieder entlassen wurden. Generell lag die Aufenthaltsdauer dort zwischen einigen Tagen oder Wochen bis maximal zwölf Monaten. Vor ihrer Entlassung mussten diese jedoch der Politischen Abteilung gegenüber eine schriftliche Erklärung abgeben, dass sie nach ihrer Entlassung über die Lagerzustände Stillschweigen und sich mindestens einmal wöchentlich bei der Polizei oder der Gestapo melden würden.

Konzentrationslager als „innenpolitisches Druckmittel“ bezüglich der „Judenfrage“

1938, das heißt, vor dem Weltkrieg, hatte die IKL vier große Lager unter sich: Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald und Flossenbürg. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich kam noch das KZ Mauthausen hinzu. Nach der sog. Reichskristallnacht (9. Nov. 1938) kamen die Lager an die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit, als nun deutschlandweit 20 000 Juden verhaftet und in die Lager überwiesen wurden. Ihre Verhaftung erfolgte nun aus dem Grunde, dass sie jüdisch waren und damit waren nun die fünf Lager mit insgesamt 60 000 Insassen hoffnungslos überbelegt. Den jüdischen Gefangenen wurde in den Konzentrationslagern klar vor Augen geführt, dass es für sie besser wäre, das Reich dauerhaft zu verlassen und — unter Zurücklassung ihres Vermögens — auszuwandern. Nach deren Haftentlassung ging die Gesamtzahl der KZ-Insassen wieder auf etwa 25 000 zurück.

1939–1942

Rolle der KZ während des II. Weltkrieges

Hauptartikel: Vernichtungslager

Mit Kriegsausbruch änderte sich die Rolle der Konzentrationslager drastisch, da sie nun nicht mehr wie bisher als Internierungslager bzw. Umerziehungslager dienen sollten. Vielmehr war ihnen eine aktive Rolle bei der nationalsozialistischen Unterdrückungspolitik zugedacht worden.

Die Zahl der Insassen stiegen im Verlaufe des Krieges ins Unermessliche und die bis dahin nur gelegentlich durchgeführte Ermordung nun zur tagtäglichen Gewohnheitssache. Nun entfaltete die Dachauer Schule des Theodor Eicke ihre volle Wirkung, als durch sie ein völlig brutalisiertes SS-Wachpersonal auf die neuerrichteten Lager des eroberten Polens auf die Gefangenen losgelassen wurde. Denn bereits am 3. Sept. 1939 hatte SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, verfügt, dass jede Person sofort zu verhaften und in ein Konzentrationslager einzuweisen sei, die in „ihren Äußerungen am Sieg des deutschen Volkes zweifelt oder das Recht des Krieges in Frage stellt“. Auf „höhere Weisung“ ward von Heydrich sogar die „brutale Liquidierung“, das heißt, deren Ermordung, in Aussicht gestellt.

Die ansteigende Anzahl der politisch motivierten Hinrichtungen an Gegnern des Nationalsozialismus und sonstiger unerwünschter Personen erfolgten nun ohne juristische Grundlage oder eines richterlichen Urteils: Sie wurden kurzerhand im Konzentrationslager vollzogen, nachdem der Betroffene dort eingeliefert wurde. Der Lagerarzt stellte eine „natürliche Todesursache“ wie plötzlich auftretende Bauchwassersucht fest und ordnete die sofortige Verbrennung im Lagereigenen Krematorium an. Die Familie des „Verstorbenen“ wurden vom Lagerkommandanten über dessen Tod informiert und es ward ihnen die Verbrennung des Toten in Rechnung gestellt.

Infolge des durch Adolf Hitler hervorgerufenen deutschen Imperialismus entstanden sowohl im Reich als auch im übrigen Europa neue Lager, die teilweise als reine Vernichtungslager konzipiert wurden: Neben Auschwitz galten Groß-Rosen, Neuengamme, Stutthof, Natzweiler und das Frauenlager Ravensbrück als die bekannten. Ihre Aufgaben war es nun, die Häftlinge als Arbeitskräfte zu nutzen: die Lager vermieteten die Insassen täglich an interessierte Industrielle, die ihrerseits der SS einen festen Tagesbetrag (5 Reichsmark) zahlten. Aus diesem Grunde wurde die Inspektion der Konzentrationslager im März 1942 auf Betreiben Heinrich Himmlers aufgelöst und als Amtsstelle D dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) unterstellt. Diesem unterstanden alle wirtschaftlichen Belange der Gesamt-SS und wurde vom einstigen SS-Verwaltungschef Oswald Pohl geleitet. Doch für die Ausbildung und Bewaffnung der SS-Totenkopf-Wachsturmbanne blieb weiterhin das Kommandoamt der Waffen-SS zuständig, das im SS-Führungshauptamt untergebracht war.

1942–1945

Die großen Konzentrationslager in den sog. wiedergewonnen deutschen Ostgebieten wurden deshalb ab etwa 1941 an zu riesigen Industrieanlagen umfunktioniert, in denen die Insassen bis zum Tode arbeiten sollten (Tod durch Arbeit). Das größte dieser Lager war Auschwitz I, dem in Monowitz eine Niederlassung der IG Farben (Buna-Werke) angeschlossen war. Aus diesem IG Farben Komplex sollte schließlich das KZ Auschwitz III hervorgehen. Insgesamt starben im gesamten Auschwitz-Komplex (Auschwitz, Birkenau und Monowitz) rund 1,5 Mio. Menschen, davon allein etwa 1,1 Mio. in Birkenau.

Zudem erhielten alle KZ-Insassen bei ihrer Einlieferung eine Häftlingsnummer auf den Unterarm eintätowiert, die sie zeitlebens behalten und so als KZ-Häftlinge ausweisen sollte. Der Anteil deutscher Häftlinge sank auf etwa 5 bis 10 v. H.
Doch durch die Einweisung ausländischer Kriegsgefangenen, Juden und sonstiger wurde es nun nötig, dass bestehende Kennzeichnungssystem zu reformieren: Zu den bekannten Winkeln wurde nun auch die Nationalität der Häftlinge durch große Buchstaben dargestellt.

KZ-Häftlinge als billige Arbeitskräfte in der reichsdeutschen Industrie

Nachdem der Industrie nach und nach ihre Arbeiter durch deren Einberufung weggefallen waren, besann man sich vonseiten der SS-Führung, dass die KZ-Insassen nun bares Geld wert waren: Man bot interessierten Industriellen diese gegen Zahlung einer „Mietgebühr“ (täglich 5 Reichsmark pro Person) an. Die „Vermieteten“ mussten nun unter schwierigsten Bedingungen vor allem in der Rüstungsindustrie und in Steinbrüchen arbeiten oder wurden bei Bauprojekten eingesetzt. Ihre tagtägliche Arbeitszeit waren mindestens zwölf Stunden und ohne Rücksicht auf ihre körperliche Verfassung wurden die zumeist unterernährten Häftlinge vorangetrieben.

Zudem begannen SS-Ärzte in den Lagern, an Häftlingen medizinische Experimente durchzuführen, die vom Reichsführer-SS Himmler offiziell abgesegnet waren:

„Leute, die heute noch diese Menschenversuche ablehnen …, sehe ich auch als Hoch- und Landesverräter an.“

Zitiert nach: Hilde Kammer u. Elisabeth Bartsch: „Jugendlexikon Nationalsozialismus“, Eintrag „KZ“

Die Konzentrationslager waren ab 1942 angewiesen, Kranke und arbeitsunfähige Häftlinge einer sog. Sonderbehandlung zu unterziehen; Neuankömmlinge wurden sofort nach Eintreffen durch die Lagerärzte selektiert. „Selektion“ und „Sonderbehandlung“ waren Tarnbezeichnungen des NS-Regimes zur Ermordung der Betroffenen. Bereits ab etwa 1941 wurden die Todesfälle in den Lagern nicht mehr den zuständigen Standesämtern gemeldet, sondern es wurden in der Verwaltung eigene etabliert. Die Todesursache wurde, wie bereits schon in diesem Abschnitt angemerkt, durch Tarnbezeichnungen medizinischer Art verschleiert oder aber der Betroffene „wurde auf der Flucht erschossen“.

Um in den Lagarn effizient „arbeiten“ zu können, wurde für die Ermordung der Insassen mit verschiedenen Hinrichtungsmethoden experimentiert: So wurde beispielsweise im KZ Buchenwald eine Genickschussanlage errichtet. Aber in den Lagern Osteuropas sollte sich, so die etablierte Historienforschung, schließlich die Verwendung des Zyklon B durchsetzen, eines farb- und geruchslosen Zyanwasserstoffgases, das seit 1922 durch die Firma Degesch, einer Tochter der Buna-Werke, produziert und als Schädlingsvernichtungsmittel eingesetzt wurde. Das Einatmen dieses Giftgases führt innerhalb weniger Minuten zur inneren Erstickung. Die Leichen der Ermordeten wurden anschließend in den zum Lager gehörenden Krematorien verbrannt.

Nach der Befreiung der Konzentrationslager (ab dem 27. Jan. 1945) boten sich den Alliierten das ganze grauenhafte Ausmaß nationalsozialistischer Weltanschauung dar: In den hastig geräumten Lagern verblieb nur ein kleiner Rest der Insassen, der für eine „Verlegung“ des Lagers zu schwach angesehen ward. Ein großer Teil der Häftlinge starb auf den Todesmärschen gen Westen. Die, die überlebten, wurden wenig später in anderen Konzentrationslagern befreit.

Resümee

Genaue Zahlen über die in den Konzentrationslager Ermordeten liegen nicht vor, da deren Sterbebücher von den Alliierten noch nicht freigegeben wurden. Für Auschwitz-Birkenau wurde lange Zeit gemutmaßt, dass dort mindestens 4,5 Mio. Menschen ihr Leben liessen. Doch als die damalige UdSSR dessen Sterbebücher freigab, mussten Historiker erkennen, dass in diesen nur etwa 800 000 Häftlingsnummern verzeichnet waren. Es war jedoch bekannt, dass durch die Selektion der neueingelieferten Häftlinge ein großer Teil sofort dem Tode durchs Gas preisgegeben wurden und diese deshalb keine Nummer erhalten hatte. Deswegen wird angenommen, dass dort zwischen 1,2 und 1,5 Mio. ermordet wurden.

Insgesamt wird in der modernen Geschichtswissenschaft davon ausgegangen, dass während der gesamten nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933–45) alles in allem weit über 5 Mio.[6] Menschen entweder durch Krankheit und Entbehrung oder durch die von Hitler anbefohlene „Sonderbehandlung“ (Ermordung mittels Gas) gestorben sind. Doch wird aktuell davon ausgegangen, dass diese Zahl zu niedrig angesetzt ist, da allein die Zahl der ermordeten Juden zwischen 5,7 und 6,2 Mio. anzusetzen sei.

Konzentrationslager als Gedenkstätten

Die meisten Konzentrations- und Vernichtungslager Osteuropas wurden noch von den abziehenden SS-Verbänden zerstört. Allein das Lager Birkenau (Polen) ist heute eine internationale Gedenkstätte.

In der damaligen DDR galten die Lager Oranienburg, Sachsenburg, Sachsenhausen und Buchenwald, während in der Bundesrepublik die Lager Kemna (Wuppertal), Dachau (bei München) und Flossenbürg (bei Weiden in der Oberpfalz) als Gedenkstätten galten. Später wurden noch kleinere Konzentrationslager in den Rang einer Gedenkstätte erhoben, die allesamt an die widernatürliche Grausamkeit des NS-Regimes erinnern sollen.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Etwa dreißig Minuten inklusive 15 Minuten Frühstück.
  2. Im Winter wurde von Sonnenauf- bis -untergang gearbeitet.
  3. Einschließlich Ein- und Ausgangszeit.
  4. Auch hier wieder etwa dreißig Minuten inklusive 15 Minuten Abendbrot.
  5. Die farbigen Winkel waren weit erkennbar und dienten Schützen auf den Wachtürmen als Zielscheibe, wenn ein Häftling bei dessen Flucht erschossen wurde.
  6. Hilde Kammer, Elisabeth Bartsch: Jugendlexikon Nationalsozialismus, Eintrag „KZ“


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