Rassenkunde

Aus Deutsche Geschichte
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Rassenkunde, biologischer Bezeichnung zur Erforschung einer Spezies oder Gattung, von der man annimmt, dass es mehrere Untergruppen oder Arten gibt, die sich über vererbliche äußerliche Merkmale einteilen lassen. Die Rassenkunde ging davon aus, dass sich die Menschheit insgesamt in vier „Menschenrassen“ einteilen liesse.

Im 19. Jahrhundert ward die Rassenkunde von Houston Stewart Chamberlain in die Ethnologie etabliert und in den entstehenden ethnisch definierten Nationalismus etabliert. Der daraus konsultierende Rassismus war fest in allen westlichen Kulturstaaten etabliert und wurde im Reich schließlich wichtiger Bestandteil der sogenannten „NS-Weltanschauung“. Die Begriffe Rassentheorie, Rassenlehre, Rassengedanke, Rassenidee und Rassenfrage werden synonym verwendet.

Entstehungsgeschichte

Der Terminus „Rassenkunde“ ist eng mit der Vererbungslehre verbunden und ist erstmals für das frühe 13. Jahrhundert nachgewiesen. Die damalige Vererbungslehre wurde vor allem auf den Adel und auf Pferde bezogen. In der Folgezeit etablierte sich der Begriff auch in diversen christlichen Religionsgemeinschaften, die sich „rassisch“ als „christliche Rasse“ auffassten.

Im Jahre 1684 ward „Rasse“ von François Bernier verwendet, der darunter eine wissenschaftliche Gliederung der Menschheit verstand. Schnell ging dieser Begriff im Französischen und Englischen in die dortige Allgemeinsprache über, während er im deutschen Sprachgebiet eher bedeutungslos blieb. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde der Begriff der „Rasse“ aufgegriffen, als in der völkischen Bewegung die ihr entsprechende Rassentheorie entwickelt wurde.

Einteilung der Menschheit in Rassen

Meyers’ Völker- und Rassenkarte

Ende des 19. Jahrhunderts gingen alle Rassentheoretiker wie Houston Stewart Chamberlain von der „vier-Rassen-Theorie“ aus: In dieser ward die Menschheit über das Blut definiert, durch dem ihr vererbte und unabänderliche „Rasseneigenschaften“ zugeschrieben wurde. (→ Blutgemeinschaft)

Die Abstammung einer Menschenrasse über die ihr zugeschriebene „Bluteigenschaft“ brachte die Rassenkunde in Kontakt mit einem aggressiv vertretenden Nationalismus, der später als völkischer Nationalismus bekannt wurde. Durch Überhöhung der eigenen Rasse entstand der chauvinistisch definierte Rassismus.

Die „völkische Rassenlehre“ stufte über eine angebliche „Rassenzugehörigkeit“ die Menschheit wie folgt in vier Rassenkreise bzw. „Menschenrassen“ ein:

1. Kaukasische Rasse (mittelländische oder weiße Rasse)
  • Arier
  • Hamiten
  • Semiten
2. Mongolische Rasse (gelbe Rasse)
  • Nordmongolen (mongolisch-altaische Gruppe)
  • Südmongolen
  • Chinesen und Indochinesen
  • Japaner und Koreaner
  • Tibetaner
  • Malayen
  • Polynesier
  • Maorie
  • Mikronesier
  • Eskimo (Beringvölker)
  • Amerikaner
3. Negroide Rasse (schwarze Rasse)
  • Afrikanische Neger
  • Hottentotten, Doko und Akka
  • Melanesier (Papua)
  • Negrito
  • Australier
4. Unsichere Stellung
  • Drawida und Singhalesen

Der Begriff „Rasse“ entwickelte sich in der Rassenkunde zur allgemeinen Oberbezeichnung der biologischen Systematik und ward zur übersichtlichen Ordnung der Menschheit benützt. Doch ward der betreffende „Menschentyp“ nicht bestimmt, sondern vielmehr wurden diverse Menschentypen aufgrund äußerer Merkmale und geographisch lokalisierbaren Formen zusammengefasst. Dabei spielten Körpermerkmale die größte Rolle, denn durch Größe, Haut-, Augen- und Haarfarbe liessen sich „Menschentypen“ einwandfrei untereinander abgrenzen.

Heute gelten die rassenkundlichen Theorien als überholt und nicht mehr haltbar. Die heutige Vererbungslehre sieht im Menschen „Fortpflanzungsgemeinschaften“, die durch eine genetische Isolation spezielle Gruppenunterschiede entwickelt haben. (→ DNA-Analyse).

Völkische Rassenlehre

Den völkischen Mystikern des ausgehenden 19. Jahrhunderts galt die „arische Rasse“ als die höchst stehende von allen. „Arisch“ waren im völkisch, rassenkundlichen Sinne alle Angehörigen der autochthonen europäischen Völker, welche auch in „Hauptrassen“ untergliedert wurden. Sie bildeten das Pendant zu jenen Rassen, aus denen beispielsweise die Juden hervorgingen.Die Völkischen erklärten, dass sich alle bekannten Hochkulturen der Weltgeschichte von den Ariern ableiten ließen, die nur untergingen, weil das „hohe Volk“ sich mit anderen Völkern vermischt und sein Blut dadurch verwässert hätte. (→ Rassenmischung)

Die völkische Bewegung übernahm das Hakenkreuz als Sinnbild der arischen Rasse, deren Hauptvertreter nach damaliger Auffassung die nordisch-germanischen Völker angesehen wurden. Die Deutschvölkischen erklärten, dass die „deutsche Rasse“ durch die Deutschen am reinsten vertreten würde; die arische Rasse würde sich durch ihre Deutschblütigkeit definieren und damit die Deutschen den arischen Hauptvertreter stellen. Man setzte also vonseiten der Deutschvölkischen „arisch“ fälschlich mit „nordisch“ und damit mit „germanisch“ gleich.

Doch schon Ende der 1880er Jahre war es allen Mystikern bewusst, dass deren Theorien einer „arischen Rasse“ nicht haltbar war, sodass man in zeitgemäßen Lexika unter dem Eintrag „Arier“ zwei Definitionen fand: Zum einen galt „Arier“ als Fachbegriff der Völkerkunde, unter dem die Bewohner Vorderindiens und Persiens verstanden wurden. Zum anderen ward „Arier“ auch zum völkischen Begriff erhoben, die alle autochthonen Völker Europas umfasste und Juden sowie Zigeuner ausschloss, da diese ja „fremdblütig“ bzw. „artfremd“ seien.

Tatsächlich ist „Arier“ ein Begriff der Sprachwissenschaft und dient dort als Sammelbezeichnung der iranischen und indischen Sprachen. (→ Indoarische Sprachen)

Trotz dem Bewusstsein, dass ihr „Rassenbegriff“ äußerst fehlerhaft war, teilte die völkische Rassenkunde das Deutschtum in sechs Rassenkreise ein:

  1. Nordische Rasse (die als höchste und reinste Rassengruppe verherrlicht wurde)
  2. Fälische Rasse
  3. Westische Rasse
  4. Dinarische Rasse
  5. Ostische Rasse
  6. Ostbaltische Rasse

In der völkischen Weltanschauung ward die Ansicht vertreten, dass die nordische Rasse einen Anteil von 50 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ausmache. Förderungswürdig waren die Angehörigen nur die „höherwertigen Rassen“, „minderwertige“ wie Juden, Zigeuner usw. nicht.

NS-Rassenkunde

Hauptartikel: Rasseamt

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war organischer Teil der deutschvölkischen Bewegung. Unter ihrem Führer Adolf Hitler entwickelte die Partei die völkische Rassenlehre zur NS-Rassenlehre weiter, da Hitler in seinem Buche „Mein Kampf“ argumentierte, dass die völkische Weltanschauung nicht an die Gleichheit der Rassen glaube. Vielmehr seien Menschenrassen in sich verschieden und unterteilten sich in höher- und minderwertige Rassen.

Zum Wächter der NS-Rassenlehre ward der Deutschbalte Alfred Rosenberg bestimmt, der sich zur nordischen Bewegung zählte. Dieser Laie ward durch einschlägige Pamphlete wie „Der Mythos des 20. Jahrhunderts“ bekannt; und er wurde von Hitler zum „Beauftragen des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ ernannt.

In der NS-Rassenlehre dominierte das „Recht des Stärkeren über den Schwächeren“, wobei unter dem „Stärkeren“ das autochthone Deutschtum verstanden wurde, dass nun rassisch begründet und mit einem aggressiven Rassenantisemitismus verbunden wurde. (→ Sozialdarwinismus)

Auch in der NS-Rassenkunde stellte die Blutlinie das wichtigste Abstammungsmerkmal einer Menschenrasse dar: Träger der Rasseneigenschaften, so Hitler, sei nicht die Sprache, sondern das Blut und es sei heiligste Verpflichtung, dieses rein zu halten. (→ Rassentrennung)

Die Nationalsozialisten griffen auch die völkische Behauptung auf, dass „Fremdblütige“ die Kultur eines Volkes verwässern und dieses letztendlich auslöschen würden. Aus diesem Grunde seien auch alle großen Reiche der Weltgeschichte untergegangen, da es in ihnen zu „Rassenmischung“ gekommen sei. Um nun die „Verwässerung deutschen Blutes“ zu verhindern, wurde im September 1935 gesetzlich angeordnet, dass sich die deutsche Volksgemeinschaft nur noch mit „Deutschblütigen“ und „Artverwandten“ mischen dürfe.

NS-Weltanschauung als Staatsdoktrin

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde die NS-Rassenlehre als Staatsdoktrin eingeführt, die mit einer Gott-gleichen Verehrung der Person Adolf Hitlers verbunden wurde.

Das ganze Gesellschaftssystem wurde nach dem „Führerprinzip“ organisiert und die Gesamtbevölkerung in „Arier“ und „Nichtarier“ eingeteilt: Deutsche galten als arisch, Juden, Zigeuner und andere Minderheiten in der Regel nicht. Für alle Belange der Rassenfrage wurden in den NS-Kampforganisationen eigens Rasseämter eingerichtet, Rassen- und Blutschutzgesetze verabschiedet.

Im Sinne des Sozialdarwinismus galt es, „erbkrankes Blut“ gnadenlos auszurotten und so wurde in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die „Kindereuthanasie“ durchgeführt, der rund 5000 geistig behinderte Kinder und Jugendliche in den „Kinderfachabteilungen“ der Krankenhäuser ermordet wurden.

Im Zweiten Weltkrieg brach bei den deutschen Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS die jahrelange Indoktrinierung mit der NS-Weltanschauung durch und offenbarte sich in zahlreichen Kriegsverbrechen bis hin zum organisierten Völkermord an den europäischen Juden und einem Teil der Zigeuner. (→ Endlösung der Judenfrage und Endlösung der Zigeunerfrage)

Aber auch gesellschaftliche Minderheiten wie Homosexuelle oder Bibelforscher wurden in den Konzentrationslagern ermordet. Vor allem in den Slawen sah man vonseiten der Deutschen „Untermenschen“, die man nicht menschlich zu behandeln bräuchte. So kam es, dass auf polnischen und sowjetischen Territorium zu zahlreichen Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung begangen wurde. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurden Rassenideologien aller Art global geächtet und die NS-Weltanschauung samt ihrer Rassenlehre als verbrecherisch eingestuft.

Siehe auch

Literatur

Weblinks


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