Nationalsozialistische Weltanschauung

Aus Deutsche Geschichte
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Nationalsozialistische Weltanschauung (NS-Weltanschauung), Selbstbezeichnung der Ideologien, wie sie von der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und etwas später von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vertreten wurde. Der Terminus wurde zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zur Staatsdoktrin des Großdeutschen Reiches erhoben. Die Begriffe NS-Ideologie und nationalsozialistische Ideologie werden synonym verwendet.

Definition

Prolog

Der Terminus „nationalsozialistische Weltanschauung“ ist eng mit der Geschichte der DNSAP und der NSDAP verbunden. Da beide Parteien sich in ihren Zielsetzungen grundsätzlich unterschieden, muss man auch die jeweilige Ideologie getrennt betrachten.

Ideologie der DNSAP

Die DNSAP wurde am 5. Mai 1918 als Nachfolgeorganisation der Deutschen Arbeiterpartei gegründet. In ihr waren diverse politisch-ideologische Strömungen vereinigt, die sich zur radikalen Rechten zurechneten. Bezüglich der von der DNSAP angestrebten Gesellschaftsform vertraten ihre Mitglieder und Sympathisanten eher sozialrevolutionäre Positionen, die sie programmatisch in die Nähe der böhmischen Sozialdemokratie brachte. So stand beispielsweise die Sozialisierung der bisherigen Gesellschaft im Vordergrund. Das brachte die DNSAP in den Ruf, eine echte Arbeiterpartei zu sein, da sie auch fest in die Gewerkschaftsstruktur der Doppelmonarchie eingebunden wurde. Der in der Partei vertretende Nationalismus war ethnisch definiert und sah daher die Deutschösterreicher im Vordergrund stehend. Ihr 1918 vorgestelltes Parteiprogramm („Nationaler Sozialismus“) orientierte sich stark am Linzer Programm der Deutschnationalen Bewegung und definierte die DNSAP als unabhängige, nationale, antifeudale und antiklerikal sowie als national-sozialrevolutionäre Arbeiterpartei. Darüber hinaus wurde in ihre eine Art Basisdemokratie vertreten und die Partei agierte regional. Bezüglich der sogenannten „Judenfrage“ galten die Positionen der DNSAP eher gemäßigt, da in ihr kein ausgesprochener Rassenantisemitismus vertreten wurde. Das heißt, dass in ihr kein aggressiver Antisemitismus alldeutscher Prägung vertreten war. Doch im Oktober 1918 wurde die DNSAP in zwei regionale Organisationen gesplittet, die sich programmatisch noch lange Zeit nahe standen.

Im Allgemeinen gilt die Ideologie der DNSAP als ideologische Wegbereiterin des reichsdeutschen Nationalsozialismus Hitler’scher Prägung, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Anfänglich berief sich Hitler auf den österreichischen Nationalsozialismus und betonte, dass im Reiche nun eine ähnliche Ideologie aufgebaut werde. Doch bereits im April 1924 bestritt er sämtliche Verbindungen des reichsdeutschen Nationalsozialismus zum österreichischen und stellte diesen als „marxistisch“ dar[1].

Ideologie der NSDAP

Die NSDAP wurde am 24. Februar 1920 als Nachfolgeorganisation der Deutschen Arbeiterpartei gegründet. In ihr waren diverse politisch-ideologische Strömungen vereinigt, die sich zur radikalen Rechten zurechneten. Bezüglich der von der NSDAP angestrebten Gesellschaftsform vertraten ihre Mitglieder und Sympathisanten zum kleineren Teil sozialrevolutionäre Positionen, die sie programmatisch in die Nähe der reichsdeutschen Sozialdemokratie brachte. So wurde von ihre beispielsweise die Sozialisierung der bisherigen Gesellschaft programmatisch gefordert, aber nie ernstlich in Erwägung gezogen. Einen großen Einfluss besaßen die Mitglieder, die von der Deutschvölkischen Bewegung zur NSDAP herüber gewechselt waren. Und aus diesem Grunde existierte bis 1926 ein ausgesprochener Flügelkampf. Bis zur Ausschaltung des sozialrevolutionären Flügels waren die die sozialistische Rechte auf das Territorium nördlich der Mainlinie, das heißt, in Norddeutschland aktiv, in Süddeutschland agierten die Deutschvölkischen um Adolf Hitler.

Trotz großer Erfolge des einstigen Linken Flügels, der unter anderem ein sozialrevolutionär-antidemokratisches Gesellschaftssystem forderte, die letztendlich in einer klassenlosen Gesellschaft enden sollte, setzten sich ab 1930 die Deutschvölkischen innerhalb der Partei durch. So stieg die NSDAP zur ersten „Volkspartei“ der deutschen Geschichte auf. Die NSDAP vertrat — im Gegensatz zur österreichischen DNSAP — einen ausgesprochenen aggressiven Rassenantisemitismus und einen radikalen völkischen Nationalismus.

Letztendlich wurden sowohl der tschechoslowakische sowie der österreichische Flügel der DNSAP auf NSDAP-Kurs gebracht und ideologisch gleichgeschaltet. Adolf Hitler definierte den reichsdeutschen Nationalsozialismus neu, indem er forderte, aus der parlamentarischen eine „germanische Demokratie“ zu formen, die in einem diktatorisch organisierten Führerstaat enden sollte. Hitlers persönliche Weltanschauung wurde im Dritten Reich zur Staatsdoktrin und umfasste im Wesentlichen zwei Kernpunkte:

  1. Rassenantisemitismus und
  2. die Lehre vom Lebensraum.

Ein wichtiger Bestandteil der hitlerischen NS-Weltanschauung bildete die völkische Rassenlehre. Kernaussage der völkischen Rassenlehre war, dass die „Arier“ die höchste sei, deren Hauptkern die nordische Rasse und deren Hauptvertreter die Deutschstämmigen bildeten. Da die propagierten Rassen sich hauptsächlich über das Blut definiert wurden, galt die Deutschblütigkeit als wichtigstes Kriterium. Doch unter den reichsdeutschen Nationalsozialisten wurde diese verstärkt mit dem Sozialdarwinismus verknüpft. In diesem geht es um die „Idee der Auslese“, will sagen, dass der Stärkere das angebliche Recht über den Schwächeren hätte. In diesem Sinne ließen sich auch die zahlreichen Kriegsverbrechen der Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg erklären, da vor allem die Letztere jahrelang mit der NS-Ideologie indoktriniert wurde.

Die antisemitisch beeinflusste Lehre vom Lebensraum ging von der angeblichen Tatsache aus, dass die Deutschen „ein Volk ohne Raum“ seien. Primäres Ziel war, alle ethnischen Deutschen in einem großdeutschen Reich zusammenzufassen und neuen Lebensraum in Osteuropa zu gewinnen. Vor allem Polen und der Westen der Sowjetunion war das Ziel einer neuen „deutschen Ostkolonisation“.

In der NS-Weltanschauung galt das uneingeschränkte „Führerprinzip“ und die Verherrlichung Adolf Hitlers als vermeintlicher „nationaler Erlöser“. Gottgleich sollte ihm die propagierte klassenlose deutsche Volksgemeinschaft folgen.

Alle „politischen Schulungen“ innerhalb der NS-Organisationen, aber auch in den Schulen des Reichs, wurden vom Schulungsamt der NSDAP gesteuert, dass eng mit dem Rasseamt der Partei zusammenarbeitete, um Weltanschauung und „Rassenbewusstsein“ als „deutsches Allgemeingut“ zu implementieren.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurde die NS-Weltanschauung als verbrecherische Ideologie geächtet und verboten.

Neonazistische Ideologien

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weltweit Organisationen und Parteien gegründet, die sich — mehr oder weniger — am Nationalsozialismus orientierten. Gleich ihm sollen die jeweiligen Staaten nach völkisch-rassischen Gesichtspunkten neu organisiert werden. Was die Ideologie aller Neonazis betrifft, so wird diese durch einen ausgesprochenen aggressiven Fremdenhass geprägt. Es ist dort offensichtlich, dass anstelle der unter Hitler verfolgter Juden nun die zahlreich im Inland vertretenden ethnischen Minderheiten und Ausländer getreten sind. Daneben wird aus rassenantisemitischen Gründen auch das „Finanzjudentum“ abgelehnt und bekämpft.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 53


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