Niederfränkisch

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Niederfränkisch
Dachsprache(n) Standardniederländisch
Standarddeutsch
Afrikaans
Sprache(n) Westniederfränkisch
Ostniederfränkisch
Dialekt(e) Flämisch
Seeländisch
Brabantisch
Limburgisch
Holländisch
Kleverländisch
Erste schriftliche Erwähnung ca. 850
Länder Belgien
Vereintes Deutschland
Niederlande
Frankreich
Südafrika
Sprecher über 39 Mio.
Weitere Informationen
Sprachfamilie Indogermanisch
Sprachgruppe Germanisch
Sprachuntergruppe Kontinentalwestgermanisch
Niederfränkisch.png
Verbreitungsgebiet des Niederfränkischen


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Niederfränkisch (ndl. Nederfrankisch), Eigenname einer niederdeutschen Sprachgemeinschaft, die auf deutscher Seite historisch zu den niederländischen Dialekten gehören und welche die moderne Niederlandistik und Germanistik als Übergangsgebiet zwischen dem Niedersächsischen und dem mitteldeutschen Ripuarischen betrachtet. Dieses wird mit dem engen Kontinuum der Dialekte begründet.

Synonyme

Das Niederfränkische wird auch regional als Flämisch, Holländisch, Limburgisch und Niederrheinisch bezeichnet. Darüber hinaus ist auch die Bezeichnung niederfränkische Mundarten/Dialekte weit verbreitet. Die Niederlandistik betrachtet das Niederrheinische, und dort vor allem das Kleverländische, als dialektale Fortführung des Niederländischen. Es sei „ungebildetes Niederländisch“ (onbeschaafd Nederlands).

Verbreitungsgebiet

Aus den verschiedenen Dialekten gingen Staats- und Nationalsprachen hervor. So in Belgien das Flämische (Südniederländische) und in den Niederlanden das Holländische (Nordniederländische), indes die Dialekte am Niederrhein im Neuniederländischen verdacht waren.

Heute ist Niederfränkisch in Belgien, den Niederlanden und in Surinam als Standardniederländisch Amtssprache, in Südafrika hat es in der Form des Afrikaans die Funktion einer Arbeitssprache. Darüber hinaus ist es noch in den einstigen belgischen und niederländischen Kolonien weit verbreitet: so bspw. in Indonesien und im ehemaligen Belgisch-Kongo.

Aber auch in Nordwestdeutschland und dem nördlichen Niederrhein hat es durchaus noch die Funktion einer Verkehrs- und Kultursprache, obgleich hier nicht die niederländische Standardsprache greift.

Betrachtet man sein Verbreitungsgebiet genauer, dann stellt man fest, dass Niederfränkisch auch in Frankreich von einer Minderheit gesprochen wird, deren Siedlungsgebiet nahe der belgischen Grenze liegt. Dort umfasst das westflämische Gebiet das Departement Nord-Pas-de-Calais, in Belgien West- und Ostflandern, Flämisch-Brabant und Teile der Region Brüssel, Antwerpen und Belgisch-Limburg.
In den Niederlanden umfasst es traditionell die Provinzen Seeland, Nordbrabant, Süd- und Nordholland und Utrecht sowie die westlichen Teile der Provinz Gelderland, wo nördlich des Liemers der Sprachbereich des Niedersächsischen beginnt.
Im vereinten Deutschland umfasst das niederfränkische Sprachgebiet die ehemaligen mittelalterlichen Herzogtümer Kleve und Geldern sowie die nördlichen Teile des Herzogtums Jülich, des Erzbistums Köln und des Herzogtums Berg. Das heißt, dass auf deutscher Seite das Niederfränkische in den Kreisen Kleve, Wesel, Moers, Oberhausen, Duisburg, Mühlheim, Mettmann, Düsseldorf, Krefeld und in den nördlichen Teilen der Kreise Mönchengladbach und Neuss dialektal vorherrschte.

Etymologie, Anwendung, Sprachcharakter

Der Begriff „Niederfränkisch“ ist eng mit der 2. Lautverschiebung verbunden und bezeichnet heute das nördlichste Siedlungsgebiet der Franken, die damit als einziger deutscher Stamm an drei Sprachräumen Anteil haben, da neben Niederfränkisch auch Mittel- und Oberfränkisch existiert. Sprachgeschichtlich gehörte es zu Niederdeutschland und bildete im Mittelalter das Mittelniederländische heraus, dass im Südosten in engem Sprachkontakt mit dem Ripuarischen und im Norden mit dem Mittelniederdeutschen stand. Aufgrund dessen bildete sich am Niederrhein jener sprachlicher Sonderfall heraus, der heute dort existiert: dass nämlich die deutschen Dialekte immer niederländischer werden, je näher sie sich der Maas nähern.

Das Gros der niederfränkischen Dialekte weist das niederdeutsche Lautsystem auf, da in ihnen die hochdeutsche Lautverschiebung nicht durchgeführt wurde. Südgrenze bildet die Benrather und die Ostgrenze zum Westfälischen die sich zum Norden hin abschwächende Einheitsplurallinie.

Im späten 19. Jh. wurde es dann üblich, die Dialektgrenze zwischen Niederfränkisch und -sächsisch südlich der Stadt Harderwijk beginnen zu lassen, die das Veluws in einen östlichen (niedersächsischen) und einen westlichen (niederfränkischen) Sprachzweig trennte[1]. Heute wird vonseiten der Niederlandistik die gelopen/elopen-Linie genommen, die das Veluws nun gänzlich dem niedersächsischen Sprachbereich zuschlägt.

Gliederung, schriftliche Zeugnisse

Zwischen dem 19. Jh. und dem Jahr 1965 unterteilte man das Niederfränkische in einen westlichen und einen östlichen Dialektzweig:

  1. Das Westniederfränkische umfasst das Westflämisch-Seeländische, das Ostflämische und das Holländische sowie das Brabantische.
  2. Das Ostniederfränkische umfasst den größten Teil der bergischen Dialekte sowie die Dialekte in Belgisch- und Niederländisch-Limburg. Im Süden endete es in Altbelgien-Nord.

Der belgische Sprachwissenschaftler Jan Goossens benennt das Gebiet, das im Norden der Linie Arcen – Geldern – Rheinberg, im Osten der Linie Geilenkirchen – Düsseldorf und im Süden der Linie Moelingen – Gemmenich – Eupen – Aubel folgt, als Südniederfränkisch. Damit wird dieses Gebiet im Westen, Norden und Osten durch die Uerdinger und im Süden durch die Benrather Linie begrenzt. Südniederfränkisch und das ihm nördlich benachbarte Kleverländisch bilden das Ostniederfränkische, das im Nordosten durch das Westfälische und im Südosten und Süden durch das Ripuarische begrenzt. Im Westen grenzt es an den brabantischen Dialekten.

West- und Ostniederfränkisch bildeten die Basis der Deutschniederländisch (ndl. Duits Nederlands) genannten Sprachform, wenn man sie zusammenfassen wollte. Schnell geriet dieser ursprünglich apolitische Begriff in den Fokus der Völkischen. Nach 1945 ging man vonseiten der Niederlandistik dazu über, die niederländischen Dialekte in einen südlichen, östlichen und nördlichen Bereich einzuteilen. Derweil entstanden vonseiten der Germanistik die Behelfsbezeichnungen Nord- und Südniederfränkisch sowie Ostbergisch, die ab 1965 die Begriffe West- und Ostniederfränkisch ablösten. Für die sprachlichen Übergangsgebiete etablierte der Germanist Arend Mihm 1992 die neutralen Fachbegriffe Rheinmaasländisch und IJsselländisch.

Das Altniederfränkische (Altniederländische) stellt die älteste Sprachform dar, die am fränkischen Niederrhein verschriftet war. So erschienen bspw. im 9. und 10. Jh. die Malberger Glossen, die Lex Salica (Gesetzbuch der salischen Franken) und die Wachtendoncksen Psalme. Letztere gelten als ostniederfränkisch und stellen die frühste Form des Niederrheinischen dar.

IIm Hochmittelalter waren die Niederfranken (und Teile der Sachsen) im Mittelniederländischen verschriftet, das vor allem im Südosten seines Sprachgebietes der Kölner Expansion ausgesetzt war. Im 16. Jh. entstand das Neuniederländische, das Grundlage des modernen Afrikaans wurde. Neuniederländisch expandierte vor allem im 17./18. Jh. an den nördlichen Niederrhein und löste dort die alten Schreibsprachen ab. Als der Niederrhein 1815 wieder an Preußen fiel, begann dieser das Niederländische dort zurückzudrängen. In Belgien und den Niederlanden entstand aus ihm Anfang der 1980er Jahre das Standardniederländische.

Dialekte

Die niederfränkischen Dialekte zerfallen seit 1965 in drei Subgruppen, die durch Isoglossen (Benrather, Uerdinger und Westfälische Linie) voneinander geschieden werden:

  1. Nordniederfränkisch,
  2. Südniederfränkisch und
  3. Ostbergisch.

Verschiedentlich wird noch in der halbwissenschaftlichen Sekundärliteratur noch das Veluws als vierte Untergruppe hinzugezählt, da es sich westlich der Westfälischen Linie befindet und deutlich niederfränkische Züge trägt.
Das trägt der Tatsache Rechnung, dass die Veluwe einst von Franken besiedelt war und dass nach deren Abzug nach Westen die Sachsen nachrückten (Westfälische Expansion). Die Ostniederlande sprechen seit dem verschiedene, dem Westfälischen verwandten, niedersächsische Dialekte und seit etwa den 1990er Jahren wird die Grenze zwischen Niederfränkischen und dem Nedersaksischen an der gelopen/elopen-Linie gezogen, obgleich die meisten in der Germanistik gebräuchlichen Dialektkarten sich auf eine Linie beziehen, die im späten 19. Jh. südlich von Harderwijk begann[1].

Nordniederfränkisch

Südniederfränkisch[2]

Ostbergisch[4]

Literatur

  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Verlag J. B. Metzler Stuttgart – Weimar. 1993, 3. Auflage 2005, ISBN 3-476-00937-8, Eintrag „Niederfränkisch“

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Elard Hugo Meyer: Volkskunde. Geschichte der deutschen Lebensweise und Kultur, S. 299
  2. Stark vom Ripuarischen beeinflusst.
  3. Verschiedentlich auch als Ostlimburgisch bezeichnet.
  4. Stark vom Westfälischen und zum kleinen Teil vom Limburgischen beeinflusst. Gilt allgemein als Teil des Kleverländischen.


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