Ostbergische Sprache

Aus Deutsche Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ostbergische Sprache
Bergisch
Niederbergisch
Dachsprache(n) Deutsch
Dialekt(e) Kleverländisch
Länder Nordrhein-Westfalen
Weitere Informationen
Sprachfamilie Indogermanisch
Sprachgruppe Germanisch
Sprachuntergruppe Kontinentalwestgermanisch
Brabantisch.PNG
Das Ostbergische innerhalb
des kleverländischen Dialektgebietes.


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Ostbergische Sprache, kurz Ostbergisch, seit dem 20. Jh. germanistische Bezeichnung des niederfränkisch-westfälischen Übergangsdialektes dient, der sich am Ostrand des Bergischen Landes befindet und das sich selbst zum niederdeutschen Sprachgebiet zählt.

Geographische Verbreitung

Ostbergisch wird in einem schmalen Streifen östlich der Uerdinger Linie gesprochen. Der Streifen hat ungefähren Verlauf Mülheim an der Ruhr – Werden – Kettwig – Langenberg – Elberfeld – Lüttringhausen – Lennep – Radevormwald – Hückeswagen – Wipperfürth&nbsP;– Marienheide – Gummersbach – Bergneustadt.

Beschreibung

Ostbergische Sprache ist eng mit der deutschen Dialektologie verbunden. Sie umfasst alle niederfränkischen Dialekte, die sich im sprachlichen Grenzgebiet zum Westfälischen befinden und als Übergangsdialekte betrachtet werden, da sich auch mit den benachbarten westbergischen Dialekten in einem Kontinuum stehen: im Westen grenzt das Dialektgebiet an das Südniederfränkische (Uerdinger Linie), im Norden an das Kleverländische, im Osten an das Westfälische (Westfälische Linie) und im Süden an das Oberbergische (Benrather Linie), welches bereits zum Landkölsch und damit zum Ripuarischen gezählt wird.

Da jedoch Ostbergisch aufgrund seiner Spracheigenschaften und seines Sprachcharakters die größten Übereinstimmungen mit dem Kleverländischen aufweist, wird es mit unter diesem zurechnet. Im Mittelalter gehörte Ostbergisch zum Geltungsbereich des Mittelniederländischen, sodass die Germanistik es als Sprachvariante des Niederländischen betrachtet.
Im 16. Jh. geriet es unter dem Spracheinfluss der Kölner Expansion, die eine starke Veränderung in der regionalen Schreibsprache mit sich brachte: Im wesentlichen blieb diese niederländischer Prägung, wies aber nun eine Vielzahl hochdeutscher Einflüsse auf, wie das folgende Sprachbeispiel zeigt:

„Greythen vnder der Heggen
Sal deß Huyßken gebruyken or leuenlank vnd na eren doyt (Tod) sal dem Pastory dat Huß mytt der Stat … vnd all verfallen syn. So hab ich Johannes Schreyver, Pastor, Greytken dat verdaen (ausgetan) vnd sy verwilliget. In byweßen Gotzen to Nortradt, Cortt (zur) Hege, J(ohan) tor Hellen vnd mehr ander Houeluvde.“

Langenberger Register des Pastors Johannes Schreyver aus dem Jahre 1695, zitiert nach: Wilhelm Ophüels’ „Alt-Langenberg“ (1931), S. 111

Oben erwähntes Register wurde von Johannes Schryver, Pastor Langenbergs und Kanonikus am Liebfrauenmünster zu Essen (1505/35) aufgestellt. Ein weiterer Auszug daraus, nun im örtlichen Dialekt gehalten, zeigt auf, wie sehr der Langenberger Ortsdialekt vom zeitgenössischen Kleverländisch beeinflusst war, da das Dorf Langenberg zusammen mit dem Bergischen Land zu den Vereinigten Herzogtümern gehörte, die unter der Regentschaft des klevischen Herzogs standen. Doch lässt sich auch hier nicht ein gewisser hochdeutscher (kölnischer) Einfluss auf die lokale Schreibsprache Längenbergs vermeiden:

„Anno A Dxlv (1545) uff Donnerstag nach Mati apli ist dieselbige wie folgt via (aus) einem alten Register viß geschwiegen, dat Her Johan Schryver seliger nagelaissen hadre van Worten to Worden wie folgt:
Tynse, weß dem Pastor als einem Lernherrn van noeden ist vit to malen, to pennen vnd den Haueslueten ouer die Haueßgueder to gebenden und verbeten biß an dat vurß (vorgenannte) Hausrecht, datt in dem Wadenhaue to Langender van Alders gehalden ist gehalden wertt, So heb ick Johannes Schryver, pastoir vnd Leenherr thor tytt to Langenberg vum manicherley gebreck wyllen, da alden Registern vnd bewyße, in bywesen vnde bekenthenisse d. Haueßluyden hier nabeschreuen, yn eynem gehegeden Hauveßgerichte d titt dairgesetten, hefft by eynem gekorren vnd geschworren Hauveßrichter: N: N: dit Register vnd Bewyß vnd einen jederen Hofesgeschworenen Haueßrecht vermanet, Pacht vnd Tynß eynen Jederen vit seinem guede genömpt yn dissem pastoiren yn dissem Register beschreuen. Jaerlichs vnd alle Jair vp Sent Lambertsmisse dem pastoiren yn Wedenhaue schultig syn to leueren vnd to betallen, dair inne alle disse nabeschreuen Haueßlude bekandt hebben, vur Haueßrecht to halden, pacht vnd tynnß to betallen wie vurß: Als gesworene Guede Haueßluyde gehörich yn den Haeff to Langenberg des Hiligen Byschops Sent Lambert.“

Langenberger Register, Nr. 45, zitiert nach: Wilhelm Ophüels’ „Alt-Langenberg“ (1931), S. 104

Nach der endgültigen Übernahme des Hoch- bzw. des Standarddeutschen, welche bereits im 18. Jh. als abgeschlossen galt, fristete Ostbergisch das Dasein einer nur noch mündlich verwendeten Volkssprache, die sich stilistisch eng ans Hochdeutsche ausrichtete und den Charakter einer Mischsprache aufweist. So ist heute seine Grammatik durchweg standarddeutsch, während der Wortschatz noch überwiegend niederdeutsch ist. Folgende Sprachbeispiele wurden dem Buch „Alt-Langenberg. Vertellkes – Geschichten – Erlebtes“ entnommen, dass der Arbeitskreis Alt-Langenberg 1987 in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Velbert herausgab und folgen der Orthographie dem Original:

„Use plattdütsche Sprook, use Langenberger Platt,
eß oft arg knibbelig, glöiwend meck datt.
We-il et ömmer noch ganz völle Wörder gewen,
bi denen man nich we-it, wi se weren geschrewen.“

„Urolle plattdütsche Wört“, zitiert nach: Alt-Langenberg, S. 15

„Onger gon Dag und wie et geng, bot em de Apotheker auk en Schnaps an.
Den koon he sek nich entgohen looten.“

„De Kohlendriever un de Apotheker“, zitiert nach: Alt-Langenberg, S. 22

„Ok wor bisher he nich bestatt,
dröm gong sin Lewen ömmer glatt;
Wie es et met en paar Flegenfänger?
Ek verkoup jetz öweral die Denger.“

„De Flegen“, zitiert nach: Alt-Langenberg, S. 34

Die Sprachbeispiele zeigen auf, dass der in Langenberg verwendete Ortsdialekt (Langenberger Platt) in zwei große Sprachgebiete zerfällt, die sich entlang des Deilbachs befinden: Oberbonsfeld und Nierenhof, beide jenseits des Baches gelegen, weisen durchweg westfälische Züge auf, da diese in der einstigen Grafschaft Mark (die in der preußischen Provinz Westfalen aufging) gelegen sind. Der eigentliche Langenberger Ortskern weist durchweg niederfränkische Spracheigenschaften auf, da er zum Herzogtum Berg gehörte. In den 1880er Jahren wurden diese westfälischen Gebietsteile Langenberg und damit der Rheinprovinz zugeschlagen.

Siehe auch


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.