Römisch-Deutsches Reich

Aus Deutsche Geschichte
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Römisch-Deutsches Reich
Heiliges Römisches Reich
Deutscher Nation
Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg


Wappen Generic Arms of the Holy Roman Emperor (after 1433).svg
Gründungsdatum 10. Nov. 911
(Errichtung des deutschen Königreiches)
2. Febr. 962
(Übertragung der römischen Kaiserwürde
an den deutschen König)
Hauptstadt Wien
Staatsform Personenverbandsstaat
(bis ins 16. Jh.)
Wahlmonarchie
(bis ins 16. Jh.)
Erbmonarchie
(ab dem 16. Jh.)
Ständestaat
Gliederung 12 Reichskreise
(seit 1500/12)
Staatsoberhaupt jeweiliger Römisch-Deutscher Kaiser
Regierungschef jeweiliger deutscher König
(In Personalunion mit der Kaiserwürde)
Einwohner ca. 25,5 Mio.
(1806)
ca. 23 Mio.
(1750)
ca. 12 Mio.
(1648)
ca. 18 Mio.
(1618)
ca. 12,5 Mio.
(1500)
ca. 8,5 Mio.
(1357[1])
ca. 12 Mio.
(1347)
ca. 7,5 Mio.
(1150)
ca. 5 Mio.
(962)
Amtssprache(n) Latein
(christliche Universalsprache für das Weströmische Reich)
Griechisch
(christliche Universalsprache für das Oströmische Reich)
Frühhochdeutsch
(Gemeines Deutsch, seit 1348)
Lutherdeutsch
(ab 1522)
Weitere Sprachen Neuniederländisch
(ab 1500)
Neuniederdeutsch[2]
(ab 1650)
Mittelniederdeutsch
(12.–17. Jh.)
Mittelniederländisch
(12.–16. Jh.)
Mittelhochdeutsch
(11.–14. Jh.)
Altniederdeutsch[3]
(9.–12. Jh.)
Althochdeutsch
(6.–11. Jh.)
deutsche Dialekte
niederländische Dialekte
friesische Dialekte
romanische Sprachen
Sprachen der Minderheiten
Weitere Informationen
Religion(en) römisch-katholisch
evangelisch
reformiert
Judentum
Fläche ca. 3 288 396 qkm
(um 1000)
ca. 965 195 qkm
(um 1618)
ca. 699 031 qkm
(um 1648)
ca. 665 423 qkm
(um 1775)
ca. 638 192 qkm
(um 1801)
Währung 1 Reichstaler = 68 Kreuzer[4]
(ab 1566)
Aufgelöst seit

6. Aug. 1806

Rechtsnachfolger von

Römerreich
(de jure)
Ostfrankenreich
(de facto)

Alternative Flagge

Banner of the Holy Roman Emperor (after 1400).svg
(Bis ca. 1400)


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Römisch-Deutsches Reich (amtl. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation [seit 1486][5], lat. Sacrum Imperium Romanum Nationis Germanicæ), Eigenname eines historischen mitteleuropäischen Personenverbandsstaates in Form einer Wahlmonarchie.

Das Reich empfand sich de jure seit dem 2. Febr. 962, mit der Wahl Ottos des Großen zum römischen König, als Nachfolgestaat des ehemaligen Frankenreiches, das unter Karl dem Großen begründet wurde und der behauptete, dass er mit seinem Reich das Römerreich fortführen würde.[6]

Seit dem Jahr 1000 wurde das Römisch-Deutsche Reich auch formal auch als Deutschland bezeichnet und 1486 wurde dem Staatsnamen der Zusatz Deutscher Nation (lat. Nationis Germanicæ) zugefügt, was eine Anerkennung der Tatsache war, dass der römische Reichsgedanke nur noch von der deutschen Bevölkerung vertreten wurde.

1801 wurde die deutschsprachigen Reichsgebiete erstmals zusammenfassend als deutsches Reich bezeichnet, als es darum ging, die von Frankreich erstrebte Rheingrenze anzuerkennen.
Am 6.  Aug. 1806 wurde das Römisch-Deutsche Reich durch Franz II. für aufgelöst erklärt, nachdem dieser bereits 1804 die Kaiserwürde (unter Verfassungsbruch) auf Österreich übertragen hatte. An die Stelle des Reiches trat nun bis 1813/15 der Deutsche Rheinbund.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie, Synonyme

Etymologie

Die Formulierung Römisch-Deutsches Reich führt sich auf den Sachsenkaiser Otto dem Großen zurück, der am 2. Febr. 962 durch den Papst in Rom zum römischen König gekrönt wurde. Otto der Große deklarierte darauf hin sein Herrschaftsgebiet zum legitimen Rechtsnachfolger des einstigen Römerreiches. Durch die päpstliche Salbung sah sich Otto der Große in einem Gottesgnadentum stehend, daher nannte er sein Reich sowohl heilig als auch römisch.
Das Attribut heilig drückte aus, dass das römisch-katholische Christentum Staatsreligion war, indes das Attribut römisch versinnbildlichte, dass das Reich Otto des Großen die römische Reichsidee des karolingischen Frankenreiches angetreten habe. So bestand das Römisch-Deutsche Reich aus Deutschland, Burgund und Italien.

Synonyme

Staatsfarben/Nationalfarben

Staats- und Nationalfarben als solche besaß das Römisch-Deutsche Reich keine. Vielmehr spielten die kaiserlichen Farben Schwarz-Gold eine bedeutende Rolle, die dem Wappenschild entliehen waren: ein schwarzer Adler im goldenen Schild. Später wurden Schnabel, Zunge und Fänge des Adlers rot tangiert.

Geografische Lage, Naturräume

Geographische Lage

Das Römisch-Deutsche Reich zeichnete sich in Europa durch seine zentrale Lage aus, was jedoch auch mit zahlreichen Nachteilen verbunden war: So waren seine Grenzen eher fließend als feststehend und nur im Süden und Norden waren sie natürlicher Art, indes die übrigen als offen galten.

Die deutschen Reichsgebiete machten ungefähr jenen Teil Europas aus, der heute unter dem Namen Mitteleuropa bekannt ist. Im Süden wurde das Reich durch die Alpen, dem Böhmerwald und dem Erzgebirge sowie durch die Sudeten begrenzt.

Die Nordgrenze wurde seit jeher von Nord- und Ostsee gebildet, wobei mit der Eiderlinie (der damaligen deutsch-dänischen Grenze) nur eine verhältnismäßig kurze Landgrenze mit dem benachbarten Dänemark bestand. Im Osten setzte sich das Norddeutsche Tiefland ohne natürliche Grenzen bis nach Polen fort und im Westen boten dessen Ausläufer und zahlreiche breite Pforten nahtlose Übergänge nach Frankreich und den Beneluxstaaten.

Naturräume

Die Bodengestaltung des Römisch-Deutschen Reiches zeichnete sich dadurch aus, dass es nicht nur allein über Flachland, sondern auch über einen Anteil der Mittelgebirge und der Alpen hatte:

  1. Das geografische Süddeutschland besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die von Gebirgszügen umrandet werden und die sich im Süden auf die Kämme der Kalkhochalpen erstrecken.
  2. Das geografische Mitteldeutschland umfasst im Westen die breiten Gebirgsschwellen der deutschen Mittelgebirge und zeichnet sich durch raschen Wechsel zwischen Horstgebirge und kleinen Becken aus.
  3. Das geografische Norddeutschland weist sich wiederum als welliges Flachland aus, dessen östlicher Teil durch den Baltischen Hochrücken landschaftlich abwechslungsreicher gestaltet ist, als der westliche Teil.

Fläche, Bevölkerung, ethnische Gruppen, Religion, Sprache, geografische Längenmaße

Fläche

Das Römisch-Deutsche Reich war durch den Gebietsverlust im Westen und Süden sowie durch Landgewinn im Osten geprägt. Grundlage des Staatswesens bildete das regnum Germaniae (deutsches Königreich), dass bei seiner Gründung etwa 312 300 qkm umfasste.
Zu diesem traten dann die Reichländer regnum Burgundiae (Königreich Burgund), regnum Italiae (Italien) und regnum Bohemiae et marcha Moravia (Böhmen-Mähren).

Um 1000 umfasste das Reich etwa 3 288 396 qkm und um 1618 noch etwa 965 195 qkm. Nach dem 30-jährigen Krieg ging die Größe der Reichsgebiete auf etwa 699 031 qkm zurück und umfassten vor Beginn des französischen Imperialismus (1775) noch rund 665 423 qkm. Nach Abschluss des Vertrages von Lunévilles (1801) betrug der Gebietsstand des Römisch-Deutschen Reiches noch etwa 638 192 qkm.

Bevölkerung

Die Zahl der Wohnbevölkerung (Deutsche[7], Romanen und Slawen) innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches wuchs zwischen 962 und 1347 stetig, bis die Pest einen großen Bevölkerungsverlust herbeiführte: Um 962 hatte das Reich etwa 5 000 000 Einw., deren Zahl bis 1150 auf etwa 7 500 000 anstieg.[8]

Vor Ausbruch der Pest umfasste das Reich um 1347 etwa 12 000 000 Einw., die innerhalb eines Jahrzehntes auf rd. 8 500 000 zurückging. Doch bereits um 1500 betrug die Einwohnerzahl des Römisch-Deutschen Reiches wieder 12 500 000, die sich bis zum Ausbruch des 30-jährigen Krieges auf etwa 18 000 000 erhöhte.
Menschliche Kriegsverluste auf der einen als auch der Verlust der Niederlande und der Schweiz sorgten dafür, dass das Reich nach dem Westfälischen Frieden nur noch etwa 12 000 000 Einw. aufwies. Die Geburtenfreudigkeit der Wohnbevölkerung sorgte, dass deren Zahl bis 1750 auf rd. 23 000 000 anstieg. Bei Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches betrug dessen Bevölkerung um die 25 500 000.

Ethnische Gruppen

Religion

Bis zur Reformationszeit (16. Jh.) waren die Deutschen durchweg römisch-katholische Christen. Doch 1517–1648 war die Kirche von zahlreichen Abspaltungen geprägt, sodass nach Ende des 30-jährigen Krieges neben ihr auch eine evangelische und eine reformierte Kirche bestanden. Bereits der Augsburger Religionsfriede (1555) hatte festgelegt, dass der Glaube des Landesherrn auch den der betreffenden Wohnbevölkerung bilde. Dieses wurde beim Westfälischen Frieden 1648 nochmals international bestätigt.

Sprache

Im Römisch-Deutschen Reich galten nur die klassischen Literatursprachen Latein und Griechisch als offizielle Sprachen der Nachfolgestaaten des Römerreiches. Im Westen galt Latein als Universalsprache, dass neben Griechisch verwendet wurde, indes das Sprachverhältnis im Osten seitenverkehrt war.
Neben dem Latein verwendete man in den Klöstern auch das Althochdeutsche, indes die Bevölkerung Niederdeutschlands auch ihre altniederdeutsche Sprache verwendete. Zu diesem Altniederdeutschen gehörten neben dem Altsächsischen auch das Altniederländische und Altfriesische, die sich ebenfalls zur damaligen Zeit als deutsch definierten.

Ab 1235 ging man im Römisch-Deutschen Reich dazu über, das Mittelhochdeutsche als Gesetzessprache zuzulassen und dieses löste auch das Lateinische in Klöstern ab, welches nur noch als Kirchen- und Diplomatensprache sowie als Sprache der Wissenschaft galt. Niederdeutschland verwendete zusätzlich noch das Mittelniederdeutsche bzw. das Mittelniederländische, die beide als Sprachen der Deutschen Hanse galten.

In der Reformationszeit etablierten sich im deutschen Sprachraum zwei frühneuhochdeutsche Idiome. Das süddeutsche Gemeine Deutsch, Schreib- und Lesesprache der kaiserlichen Kanzlei, wurde bereits schon im 15. Jh. in Ober- und Mitteldeutschland verwendet. Dort stand es neben den traditionellen Schreibsprachen der Regionen, die dort noch als Geschäftssprachen verwendet wurden. Im 16. Jh. erwuchs diesem in der von Martin Luther geschaffenen Sprachform ein mächtiger Konkurrent, der sich letztendlich im 18. Jh. auch in Süddeutschland durchsetzen konnte, nachdem er ein Jahrhundert zuvor das Mittelniederdeutsche in Norddeutschland abgelöst hatte. Das Neuniederländische ist spätestens ab 1500 nicht mehr als Teil des niederdeutschen Sprachgebietes zu betrachten, obgleich es sich bis 1815 offiziell Duytsch nannte. Es war als Pendant zum Neuhochdeutschen zur Nationalsprache der Niederländer, Flamen und der meisten Friesen geworden.

In der Franzosenzeit (1795–1810/13) wurde Neuhochdeutsch alleinige Amts-, Verwaltungs- und Schulsprache sowie Kirchensprache; und man begann vonseiten der Herrschenden, das mit ihm an Niederrhein und in Nordwestdeutschland konkurrierende Niederländische zu verdrängen, was bis 1860/78 gelang.
Neben der offiziellen Sprache wurden in den deutschen Reichsgebieten auch germanische, slawische und romanische Volkssprachen gesprochen. Zu den germanischen Volkssprachen gehörten deutsche, niederländische, friesische und dänische Dialekte, zu den slawischen böhmisch-mährische, slowenische und polnisch-kaschubische und zu den romanischen Dialekten zählten die rätoromanischen und italienischen. Darüber hinaus war Jiddisch, damals Judendeutsch genannt, d. h. die Sprache der jüdischen Minderheit, weit verbreitet.

Geografische Längenmaße

Seinem Charakter als Nationalitätenstaat entsprechend herrschte im Römisch-Deutschen Reich ein reiches Wirrwarr bezüglich der Gewichts- und Längenmaße. Jede im Reich zusammengeschlossene Nationalität wie Wallonen, Italiener oder Deutsche besaßen ihre eigenständigen Längenmaße. Besonders im deutschsprachigen Raum herrschte wahre Vielfalt, was dies anbetraf; so besaß fast jedes Reichsland ein eigenes.
Nachfolgend werden einige von diesen Längenmaßen beispielhaft aufgeführt, wobei sich diese nach Joa Bleau Werk Germania, Atlas Maior. Teutschland, Österreich, Schweiz richten:[9]

Hinzu kam noch die Maßeinheit 1 Wegstunde mit 5,5 km.

Offizielle Maßeinheit des Römisch-Deutschen Reiches war die gemeine deutsche Meile mit 7,4 km, wobei 15 deutsche Meilen einen Längengrad entsprachen.

Staatsform, Regierungsform, Verwaltungsstruktur

Das Römisch-Deutsche Reich stellte anfänglich eine Wahl- und Universalmonarchie dar. Der Regierungsform nach war es ein Kaiserreich und war zu Beginn in fünf Stammesherzogtümern und in eine Landgrafschaft eingeteilt, die nach den deutschen Altstämmen benannt wurden. Der Friesenstamm wies kein eigenständiges Herrschaftsgebiet auf, sondern es wurde dem Herzogtum (Nieder-)Lothringen zugeteilt, wo er über weitgehende Autonomie verfügte. Später war das Reich eine Erbmonarchie und ein Ständestaat.

Verwaltungstechnisch war das Römisch-Deutsche Reich in Königreiche, Herzogtümer, einer Landgrafschaft und in Gaue gegliedert. Nach der Auflösung der Stammesstaaten im 12. Jh. traten moderne Flächenstaaten in Form von Königreichen, Herzogtümern, Grafschaften, Bistümern und reichsunmittelbare bzw. freie Städte. Ab dem 16. Jh. war das Reichsgebiet zudem in Reichskreise aufgeteilt.

Kolonien, abhängige Gebiete

Kolonien als solche besaß das Römisch-Deutsche Reich keine, da es an sich keinen Staat als solchen, sondern vielmehr einen Staatenbund unter der Oberherrschaft des römisch-deutschen Kaisers darstellte.
Doch es verfügte über ein großes Einflussgebiet, das sich v. a. auf den Siedlungsraum der slawischen Völker erstreckte, die östlich der Elbe lebten. Dort errichtete das Reich das ottonische Markensystem, dessen Grundlagen sich bereits im karolingischen wiederfinden lassen. Vor allem stellten Dänemark und Böhmen-Mähren für das Reich wichtige Vasallenkönigreiche dar. Während Ersteres sich jedoch frühzeitig von seinem Lehnsherrn trennte, wurde Letzteres immer mehr in das Reichsgebiet eingebunden.

Problematik, [offene] Grenzfragen

Eine wesentliche Problematik war, dass die deutsche Reichsgrenze nirgends fest definiert, sondern diese stetig fließend war. Zudem agierten die Reichsfürsten ab dem 12. Jh., als sie begannen, feste Hausmächte aufzubauen, egoistisch und nahmen keinerlei Rücksicht auf die römisch-deutsche Reichspolitik des Kaisers. So erwarben bspw. die Kurfürsten von Brandenburg mit West- und Ostpreußen Territorien, die sich östlich der deutschen Reichsgrenze befanden. Doch sie behandelten diese staatsrechtlich fremden Gebiete wie offizielles Reichsgebiet, sodass in diesem Bereich die Reichsgrenze de facto aufgehoben war. Habsbrug und Luxemburg-Limburg, aber auch Valois-Burgund handelten ähnlich. Karl V. von Spanien schließlich hob de facto die Jahrhunderte geltende Scheldegrenze gegen Frankreich hin auf, als er das bisherige frz. Kronflandern sowie die Grafschaften Artois und Hennegau einschließlich des Bistums Cambrai eingliederte.
Ansonsten veränderte sich die sonstige deutsch-französische Grenze, die sich nun von der Südgrenze Artois und des Hennegaus, und damit nördlich der Somme, nicht. Sondern sie verlief (von Süden nach Norden) von der Saône, Maas und Oise, deren Verlauf sich erst nach dem 30-Jährigen Krieges wesentlich veränderte.

Verfassungsgeschichte

Die deutsche Verfassungsgeschichte beginnt um 800 mit der Kaiserkrönung Karls des Großen. Bis ins 14. Jh. galt das germanisch-deutsche Gewohnheitsrecht in Deutschland, derweil auch in den anderen Reichsgebieten das jeweilige Volksrecht galt. Übergeordnet war de jure das römische Recht, das allerdings nur in den kaiserlichen Kanzleien, Behörden und Ämtern angewendet wurde.

Mit der Goldenen Bulle wurde schließlich ein Staatsgrundgesetz eingeführt, das alle Belange des Reiches ordnete und für alle verbindlich war. Im 16. Jh. kamen dann noch der Ewige Landfrieden und das Reichskammergericht hinzu.

Politik, Wirtschaft

Die römisch-deutsche Reichspolitik war universal ausgelegt und folgte christlichen Ansprüchen. Stark war die politische Stellung des Papstes, die im 15. Jh. beseitigt wurde. So konnte dieser zu Kreuzzügen ins Heilige Land aufrufen, für deren Vollzug der römisch-deutsche Kaiser verantwortlich war.
Seiner Wirtschaft nach war das Römisch-Deutsche Reich ein reiner Agrarstaat, der nur über sehr wenig Industrie und Handel verfügte.

Chronik

476–911

Germanische Vorgeschichte

Die territoriale Ausdehnung des Fränkischen Reiches bis zum Tode Karls des Großen

Die deutsche Geschichte ist durch die Stammesgeschichte diverser germanischer Volksstämme geprägt, die zwischen 1000 und 1500 zum deutschen Volk zusammenwachsen sollten.

Nach dem Untergang des Römerreiches (ab 476) begründeten germanische Stämme auf dem Gebiet des ehemaligen Römerreiches diverse germanische Königreiche. Einer davon war der Frankenstamm, der begann, seinen eigenen Machtbereich durch blutige Eroberungskriege stetig zu vergrößern. Auf diese Weise schufen sie ein Großreich, das alle Germanen umfassen sollte; lediglich die Angelsachsen und die nordgermanischen Stämme waren davon nicht betroffen. Die Frankenherrscher aber sahen sich selbst als deren Lehnsherren an, da sie für sich beanspruchten, Rechtsnachfolger der römischen Kaiser zu sein. Und unter der fränkischen Herrschaft entwickelten die Germanen in der Folgezeit ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich vor allem über die gemeinsame Sprache definierte.[10]

Karolinger, fränkische Universalmonarchie

Die ersten Versuche, aus den germanischen Volksstämmen ein fränkisches Großreich zu bilden, wurden bereits von den Merowingern gestartet. Doch sollte dieses erst unter der Dynastie der Karolinger gelingen, die alle Germanen mit Ausnahme von Angelsachsen, Dänen, Norweger und Schweden, in ihrem Reich zu vereinen. Das so entstandene Frankenreich war ein germanischer Stammesstaat und es war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich in ihm sowohl ein deutsches, als auch ein französisches Sprachgebiet herausbilden konnte:
Nördlich und östlich der deutsch-romanischen Sprachgrenze konnte sich das Deutsche, südlich und westlich davon das Romanische halten. Das heißt, dass Germanen, die in Westfranken, Burgund und der Lombardei siedelten, romantisiert und zu Franzosen und Italienern wurden. Im Umkehrschluss wurden romanische Völker, die sich jenseits dieser Grenze befanden, zu Deutschen wurden.
So wurden bspw. die Westfranken, den Namensgebern Frankreichs, vollständig romanisiert, indes aus Alemannen, Baiern, Sachsen, Thüringern und Franken deutsche Stämme wurden, welche die Grundlage des deutschen Volkes bildeten. Allein der Friesenstamm nahm nicht an dieser Entwicklung teil, da er in den entscheidenden Jahren (804/11) unter normannischer Oberherrschaft stand und dadurch sprachlich-kulturell weiterhin friesisch blieb.[11]

Unter der Herrschaft Karls des Großen stieg das Frankenreich zur Universalmonarchie auf und beanspruchte, der legitime Nachfolgestaat des untergegangenen Weströmischen Reiches zu sein: Karl der Große wurde am 25. Dez. 800 durch Papst Leo III. in Rom zum römischen König gekrönt und der Frankenherrscher erwarb durch Heirat auch das Langobardenreich, sodass er über Personalunion Träger dreier großer Titel war. Das so entstandene fränkische Großreich mit seinen unterschiedlichen Völkern definierte sich allein aus seinem christlichen Glauben heraus, nationale Beschränkungen oder volkstumsbedingte Abgrenzungen kannte es nicht.[12]

Reichsteilung, Entwicklung der deutsch-romanischen Sprachgrenze

814 verstarb Karl der Große und nun folgten im Reich zahlreiche Reichsteilungen unter den Erben, die eine Zerschlagung des Gesamtreiches zur Folge hatten.
Diese Verträge etablierten 9./10. Jh. mit dem West- und Ostfrankenreich (späteres deutsches Königreich) sowie Reichsitalien drei völlig souveräne Königreiche, von denen sich zwei rasch zu modernen Nationalstaaten entwickeln sollten.

Fast gleichzeitig bildete sich die deutsch-romanische Sprachgrenze heraus, indem die Germanen westlich und südlich von dieser das Romanische in Form des Altfranzösischen und diverser italienischer Dialekte annahmen. Derweil gingen die Romanen auf der anderen Seite dieser sprachlichen Demarkationslinie im sich herausbildenden Deutschtum auf und nahmen Dialekte des Althochdeutschen an.

911–962

Etablierung des „deutschen Reiches“

Nach dem Erlöschen der karolingischen Linie in Ostfranken, errichteten die germanischen Volksstämme des Ostreiches 911 ein eigenständiges deutsches Königreich, dessen Oberhaupt der Franke Konrad I. war. Dieser war seiner Abstammung nach mit Karl dem Großen über eine Nebenlinie verwandt und begründete nun die Dynastie der Konradiner, die vor allem über die Sachsen herrschte, indes im Rheinland eine ihr eng verwandte Dynastie, die Salier, über die dortigen Franken herrschten.

Das Reich unter den Ottonen, Verwaltungsstruktur des Reiches

Das Römisch-Deutsche Reich und dessen Gliederung im 10. Jh.

919 wurden die Konradiner durch das sächsische Geschlecht der Ottonen abgelöst, als die Stammesfürsten Otto I. zu ihrem König wählten.
Durch die Wahl eines Sachsen galt die Trennung Ostfrankens vom Westfränkischen Reich formal juristisch als abgeschlossen und es bildete sich langsam ein deutsches Reich in Ostfranken aus, für das später der Name Deutschland aufkommen sollte.

Im Laufe des 10. Jh.s kam es im deutschen Königreich zur Errichtung von fünf Stammesherzogtümern, einem übernationalen Herzogtum und einer Landgrafschaft,[13] deren Herrscher vom König eingesetzt wurden und die allein nur diesem verantwortlich waren.
Die Stammesherzöge herrschten in ihrem Territorium stellvertretend für den König und ihre Gebiete stellten reine Verwaltungseinheiten des Reiches da, aus denen nach ihrer Auflösung die deutschen Reichsländer hervorgingen, die bis 1806 die Deutschen sprachlich-kulturell prägen sollten.

Die Stammesherzöge gehörten den Reichsständen an und das von ihnen beherrschte Territorium entsprach jeweils dem Siedlungsgebiet eines germanischen Volksstammes. Nur in Lothringen griffen die Landesgrenzen weit über die Sprachgrenzen hinaus. Im 10. Jh. bestand das Reich aus den Herzogtümern Lothringen, Franken (mit den Apanagen Rhein- und Ostfranken), Sachsen, Schwaben und Baiern sowie der Landgrafschaft Thüringen. Letztere stand zumeist unter sächsischer Oberherrschaft.

Es ist auffällig, dass der Friesenstamm über kein eigenes Stammesherzogtum verfügte. Dieses war der Tatsache geschuldet, dass diese 804/11, als sich die Bildung deutscher Stämme abzeichnete, von den Normannen okkupiert waren und deswegen ein eigenständiges germanisches Volk blieben, dessen stammverwandte Nachbarn sich nun als deutsch begriffen. Dennoch wurde dieser germanische Nordseestamm als sog. Nebenstamm fürs Reich beansprucht und man gliederte diesen verwaltungstechnisch in Lothringen ein, wo die Friesen allerdings lange Zeit über weitgehende Autonomie verfügten.

Germanen werden Deutsche, Errichtung des Markensystems

Hauptartikel: Deutsche Identität

Ab dem 10. Jh. bildete sich unter den germanischen Stämmen des deutschen Königreiches eine ethnische Identität heraus, die sich vor allem über die gemeinsame Sprache als deutsch definierte. Diese Identität war an den Stammesherzogtümern gebunden und deren Wohnbevölkerung sah sich dem entsprechend als Baiern, Sachsen, Alemannen usw.; dabei spielte die Abstammung der Betreffenden anfänglich keine Rolle, maßgeblich war das von ihnen bewohnte Territorium.

Die Stämme als solche identifizierten sich nicht allein mit dem von ihnen bewohnten Territorium, in dem einer, der später als Altstämme bezeichneten, germanischen Volksstämmen die politische Führung innehatte (und damit die Mehrheitsbevölkerung bildete), sondern waren auch bestrebt, die an den Grenzen zu den benachbarten Herzogtümern bestehende Gemengelage durch Assimilation der jeweiligen Bewohner ethnisch zu bereinigen. Schnell wurden diese Minderheiten an den Grenzen assimiliert, es bildeten sich jedoch dort, verbunden mit der Verkehrsgemeinschaft und Sprachkontakt mit den anderen Herzogtümern, dialektal breite Übergangszonen heraus, sodass heute alle deutschen Dialekte als Übergangsdialekte zu betrachten sind. Allein die Friesen nahmen nicht an diesen kontinentalwestgermanischen Sprachausgleich teil, sondern verblieb bei seiner germanischen Volkssprache.

Diese ethnische Identität, das Bewusstsein, einem der deutschen Stämme anzugehören, prägte die Wohnbevölkerung des Römisch-Deutschen Reiches frühzeitig, und noch heute ist es bei den Deutschen üblich, sich einer Landsmannschaft und der dazugehörigen Landschaft (Region) zuzuordnen und sich zu dieser zu bekennen.
Die föderale staatliche Ordnung prägte die Deutschen also seit Anbeginn ihrer Geschichte und lässt in den frühen Stammesherzogtümern und den späteren Reichsländern bereits jene Bundesstaaten erkennen, die für den deutschen Nationalstaat bis heute so typisch sind.[14]

Die deutsche Verfassungsgeschichte zeigt jedoch auch auf, dass das frühdeutsche Gesellschaftssystem stark auf einem Ständesystem beruhte und dass das Gesamtreich nicht nur ein monarchistischer Stammesstaat, sondern auch ein ausgeprägter Ständestaat war.

937/65 kam es zu einer starken Osterweiterung des Reiches, was auch eine Wiederbelebung des karolingischen Markensystems mit sich brachte. Nach und nach begannen die deutschen Territorialstaaten, benachbarte Völker, genauer die Slawen, zu unterwerfen und deren Siedlungsgebiete dem Reich anzugliedern. Doch bereits 987 rebellierte ein großer Teil der Elbslawen und infolge dessen erlangten große Gebiete Ostelbiens wieder ihre Unabhängigkeit.
Es ist auffällig, dass diese Slawenaufstände zu einer Zeit stattfanden, in der die deutschen Ostgrenzen immer wieder durch asiatische Reiterhorden, den Ungarn, bedroht wurden, die 924–933 jährlich ins Reich einfielen, um dieses zu plündern, ganze Landschaften und Regionen zu verwüsten und zu entvölkern.

Ungarnkriege

Um dem deutschen Königreich eine Atempause zu ermöglichen, unterwarf sich dessen König Heinrich I. formal den ungarischen Aggressoren und wurde deren Vasallenkönig, nachdem das ihm unterstehende Reichsheer von diesen militärisch geschlagen wurde.
Heinrich I. hatte nun so die ausreichende Zeit, das Reichsheer umgehend zu reformieren und verweigerte 933, nach Abschluss der Heeresreform, den Ungarn die jährliche Tributzahlung.

Bei dem Versuch, Heinrich I. militärisch zu besiegen unterlagen die Ungarn jedoch in der Schlacht bei Riade an der Unstrut, worauf diese wieder in den Osten abzogen. Dennoch fielen deren Reiterhorden 936–973 in regelmäßigen Abständen ins reich ein, obgleich sie bereits 955 durch Otto den Großen vernichtend bei der Schlacht auf dem Lechfeld (bei Augsburg) geschlagen wurden. Die Ungarn begannen, sich langsam in der nach ihnen benannten Tiefebene niederzulassen, wurden nach 973 endgültig sesshaft und übernahmen das von den Deutschen vermittelte römisch-katholische Christentum.[15]

Bei der Entscheidungsschlacht auf dem Lechfeld nahmen nicht nur erstmals in ihrer Geschichte alle deutschen Stämme, sondern auch die zu den slawischen Völkern gehörenden Tschechen teil, die sich durch ihre Teilnahme an der Verteidigung des christlichen Abendlandes als Teil der römisch-deutschen Schicksalsgemeinschaft bekannten. Im Anschluss wurde das bisherige und selbstständige Königreich Böhmen als Vasallenkönigreich in das Reich integriert und wurde offizielles Reichsgebiet.[15]

962–1024

Etablierung des Römisch-Deutschen Reiches; Germanisierung Ostelbiens

Am 2. Febr. 962 wurde Otto der Große in Rom zum römischen König gekrönt und dieser deklarierte seine Herrschaft nunmehr zum legitimen Reichsnachfolger des ehemaligen Römerreiches. Durch die Salbung durch den Papst schuf Otto der Große das Gottesgnadentum und nannte sein Reich heilig — aus dem untergegangenen Römerreich erwuchs nun ein Heiliges Römisches Reich. Otto der Große argumentierte, dass dieses Reich die Nachfolge des karolingisches Frankenreiches angetreten habe und dass dieses aus Reichsitalien, Burgund und Deutschland bestünde. Heilig war das Reich dadurch, da in ihm die Römisch-Katholische Kirche die Bildungselite darstellte, indes römisch durch die von Otto des Großen vertretene Idee der Universalmonarchie symbolisiert wurde.

919–1024 dauerte im Reich die Herrschaft der Ottonen oder der Sachsenkaiser, deren Dynastie mit Heinrich I. begründet wurde. In dessen Regierungszeit begann die endgültige Germanisierung Ostelbiens bis zur Oder und Lausitzer Neiße.
965 unterstellten sich die die wendischen Fürsten der heutigen Altmark, der Lausitz und der Mark Meißen dem römisch-deutschen Kaiser und wurden Reichsfürsten. Unter Otto III., der 973 den Thron bestieg und bis 1002 regierte, begannen die Sezessionskriege Reichsitaliens und die Germanisierung des polnischen Königreiches.

Unter Heinrich II. (1002–1024) wurde der böhmische König zum Reichsfürsten erhoben und das allgemeine Klosterleben reformiert.
Heinrich II. selbst war als Heinrich IV. Herzog von Baiern (995–1004 und 1009–1017) und 1004–1024 (als König von Italien) auch römisch-deutscher Kaiser. Unter ihm kam es auch zur deutschen Besiedlung des Alpengebietes' und so wurden 976 auch die Herzogtümer Kärnten und Österreich begründet. Letzteres wurde 1150 aus dem bairischen Stammesstaat ausgegliedert und eigenständiges Reichsland.

1024–1138

Unterwerfung Ungarn und Polens, Bildungsversuch einer kaiserlichen Zentralregierung

Ab dem 11. Jh. herrschte für über ein Jahrhundert das fränkische Haus der Salier: 1024 wurde mit der römisch-deutschen Kaiserwahl Konrad des Älteren das Herrscherhaus begründet, das nun bis 1124 bestehen und regieren sollte. Der neue römisch-deutsche Kaiser sah sich mit der Aufgabe konfrontiert, die innerstaatlichen Konflikte zu beenden und Böhmen-Mähren sowie Polen endgültig zu unterwerfen. So wurde 1032/33 begonnen, Burgund mit dem Reich zu verbinden. Doch konkurrierte das Römisch-Deutsche Reich bezüglich Unteritalien und Sizilien mit den frankofonen Normannen.

1039, mit Heinrich III. (Herzog von Baiern und Schwaben) standen die Salier, die nach dem Stamm der Salfranken benannt wurden, auf dem Zenit ihrer Macht, als es diesem gelang, Ungarn als Vasallenkönigtum seinem Machtbereich einzugliedern und dass sich die römischen Päpste nun sich ihm unterordnen mussten. Heinrich III. wurde bspw. durch den damaligen Papst die römische Königswürde angetragen. Ferner schlug er den Aufstand des Reichsfürsten Treuga Dei blutig nieder und Heinrich III. begann ab 1046 den Versuch, alle deutschen Reichsgebiete unter die kaiserliche Oberhoheit, und damit unter seine persönliche Kontrolle, zu stellen.
Darüber hinaus begann im 11. Jh. jene Ostwärtsbewegung der Deutschen, die im Nachhinein als deutsche Ostkolonisation bekannt wurde. In deren Folge dehnte sich das deutsche Siedlungsgebiet — und damit das deutsche Reichsgebiet — weit in den europäischen Osten aus und es entstanden die ersten deutschen Sprachinseln. Im Jahre 1055 wurde das Herzogtum Steiermark errichtet, das seine Autonomie bis 1156 bewahren konnte.

Unter Heinrich IV. (1056–1106) begann der Widerstand der Stammesherzöge und Fürsten gegen die kaiserliche Oberherrschaft und führte zu dessen Absetzung bzw. zur Erhebung mehrerer Gegenkönige. Dazu kam dessen Streit mit Papst Gregor VII. (1073–1085) um das Zölibat der Priester und der Kampf gegen Simonie und Laieninvestitur. So fand 1076 der Fürstentag zu Tribur statt, der 1077 Heinrichs IV. Unterordnung zu Canossa hatte. Im Gegenzuge konnte der Herrscher mit päpstlicher Unterstützung die Gegenkönige beseitigen und das Stammesherzogtum Schwaben wurde an die Nürnbergerer Hohenzollern übergeben.

Im Jahre 1106 erschien Heinrich V. auf der politischen Bühne und wurde bis 1111 von allen Reichsfürsten und Reichsständen als deutscher König und römischer Kaiser anerkannt. In dessen Regierungszeit fiel 1122 das Wormser Konkordat, was eine Restauration der romanisch-deutschen Kultur bedeutete. 1125 endete die Regierung Heinrichs V. und es dauerte bis 1133, bis mit Lothar III. der Thron des Reiches neu besetzt wurde.
Unter Lothar III., dem sächsischen Stammesherzog, wurde bis 1137 der deutsche Einfluss nach Norden (Grafschaft Holstein) und Osten (Markgrafschaft Meißen, Markgrafschaft Nordmark mit der Stadt Brandenburg und Herzogtum Pommern) ausgedehnt.

1138–1198

Deutsche Ostsiedlung, Auflösung der Stammesherzogtümer

1138 kam es im Römisch-Deutschen Reich zum Machtwechsel, als nun das Geschlecht der Hohenstaufen (Staufer) an die Macht kam und die bis 1254 herrschen sollten. Doch unter Konrad III. von Franken kam es bereits zur innerdeutschen Machtfrage, da dieser sich zum Gegenkönig zu Lothar von Süpplingenburg erklärt hatte und als solcher von einigen Reichsfürsten unterstützt wurde. Daher wurden das Stammesherzogtum Sachsen an das Haus der Ghibellinen und das Stammesherzogtum Baiern an die ihnen blutverwandten Welfen übergeben.
1149, nach der Schlacht von Weinsberg, wurde die bisherige bairische Mark Krain von Baiern gelöst und zur selbstständigen Markgrafschaft erklärt; und 1155 wurde die damalige Mark Österreich endgültig von Baiern getrennt und wurde als Herzogtum ein diesem ebenbürtiges deutsches Reichsland.

1143 wurde in nähe der deutsch-dänischen Grenze, die durch die sog. Eiderlinie gebildet wurde, Lübeck-Stadt gegründet, als sich der slawische Adlige Nikolot von Mecklenburg († 1160) dem Deutsch-Römischen Reich unterwarf und Vasall des deutschen Königreiches wurde. Etwa gleichzeitig gründete Albrecht der Bär (1134/70) die Markgrafschaft Brandenburg und ab 1150 wurde das Havelland deutsches Herrschaftsgebiet und die autochthonen sorbischen Völker im Laufe der nächsten Jahrhunderte sprachlich-soziologisch assimiliert.

1170 eroberte das Römisch-Deutsche Reich die Siedlungsgebiete der westlichen Ostseeslawen und deren Fürsten unterstellten sich der deutschen Lehnshoheit, sodass nun dort die pommerschen Herzogtümer (Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast) sowie das Bistum Pommern-Wolgast (Erzbistum Cammin) begründet werden konnten. Deren Lehnsherr war Heinrich der Löwe, doch bereits nur acht Jahre später zerfiel dessen Einflussbereich aufgrund der Tatsache, dass der Sachsenherzog den Bischof von Halberstadt vertrieben und mehrmals nicht auf kaiserliche Vorladungen reagiert hatte. So wurde über Heinrich dem Löwen 1179 die Reichsacht und ein Jahr später die Oberacht ausgesprochen.
Heinrich dem Löwen wurden damit alle Besitztümer und Lehnsherrschaften aberkannt, dessen Vasallen, die aktiv seinen Sturz mit betrieben hatten, stiegen zu eigenständigen Reichsfürsten auf. Eigentlicher Nutznießer seines Sturzes war Waldemar I. von Dänemark sowie die Herzöge Mecklenburgs und Pommerns. 1181 wurde Heinrich dem Löwen lediglich wieder der Status eines Reichsgrafen zuerkannt, als er vom Deutschen König in der damaligen Reichsgrafschaft Braunschweig-Lüneburg eingesetzt wurde, also genau dort, wo er einst seine Hausmacht begründet hatte und die als Stammland seines Geschlechtes galt. Den Rang eines Herzogs sollte Heinrich der Löwe nicht mehr erreichen.

Mit dem Reichstag zu Gelnhausen erfolgte 1180 die offizielle Auflösung der bestehenden Stammesherzogtümer, die nun zu reinen Territorialherzogtümern, also zu Flächenstaaten, reorganisiert wurden. Diese Flächenstaaten bildeten als deutsche Reichsländer teilsouveräne Glieder des Römisch-Deutschen Reiches.
V. a. waren die Welfen und die Ghibellinen von der Reorganisation betroffen, da beider Hausmacht regelrecht zerschlagen und beide Dynastien damit entmachtet wurden. So fiel das Herzogtum Sachsen-Wittenberg und die Markgrafschaft Meißen an die Askanier, Baiern an die Wittelsbacher, wobei von Baiern noch die Steiermark abgetrennt und Österreich übergeben wurde. Den Welfen selbst verblieb nur noch Braunschweig-Lüneburg.

Kampf um Reichsitalien

Schon früh hatte die italienische Ständegesellschaft begonnen, um ihre staatliche Souveränität zu kämpfen. De jure gehörte sie zwar noch dem Römisch-Deutschen Reich an, stellte aber mehrheitlich die jährliche Tributzahlung an den Römisch-Deutschen Kaiser ein. So lieferte sich v. a. Kaiser Friedrich Barbarossa (1155/90) heftige Kämpfe mit dem lombardischen Städtebund, der so in etwa der Deutschen Hanse entsprach und auf Norditalien beschränkt war. In diesen Auseinandersetzungen wurde 1162 auch die lombardische Hauptstadt Mailand von kaiserlichen Truppen eingenommen und zerstört.

1176 gelang es Friedrich Barbarossa in der Entscheidungsschlacht von Legano das nördliche Reichsitalien staatlich wieder an das Reich anzuschließen und 1183 erfolgte zwischen den Kriegsparteien mit dem Vertrag von Konstanz ein Friedensvertrag, der den Status quo wiederherstellte.

1190 machte sich Kaiser Friedrich Barbarossa zu einem Kreuzzug ins Heilige Land auf, auf dessen Weg er in einem Fluss ertrank, weil er versucht hatte, diesen in voller Rüstung zu überqueren. Heinrich VI. von Schwaben, der Sohn Friedrich Barbarossas, trat die Nachfolge seines Vaters an und unterwarf bis 1197 in mehreren Kriegszügen Unteritalien und Sizilien, das bis dahin normannisch beherrscht wurde.

1198–1230

Deutscher Thronstreit

1198 kam es innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches, insbesondere im deutschen Königreich, zum sog. deutschen Thronstreit, der zwischen den blutsverwandten Dynastien der Hohenstaufen (Staufer) und der Welfen geführt wurde. Nach dem Tod Heinrichs VI. wurden sowohl Philipp von Schwaben als auch Otto von Braunschweig zum römisch-deutschen Kaiser und deutschen König gewählt. In dieser Familienstreitigkeit wurde auch Papst Innocenz III. (1198–1216) eingebunden und das blutig gewonnene Unteritalien und Sizilien gingen politisch wieder verloren. Insgesamt bröckelte nun auch im nördlichen Reichsitalien die Macht des Römisch-Deutschen Kaisers, sodass sich dessen Macht immer mehr auf Deutschland, d. h. auf das deutsche Königreich, beschränkte.

1208 wurde Philip von Schwaben ermordet und dessen Gegenspieler Otto von Braunschweig wurde ein Jahr später von allen Reichsfürsten zum neuen Kaiser gewählt. Doch war auch dem nunmehrigen Otto IV. keine lange Regierungszeit beschieden, da dieser bereits 1218 verstarb.

Der Römisch-Deutsche Kaiser als „König von Jerusalem“

Bereits 1212 wurde Friedrich II. von Italien, der als Staufer dort seit 1198 die Königswürde innehatte, zum deutschen König gewählt und dieser Herrscher beendete den Thronfolgestreit zwischen Hohenstaufen und Welfen, als er 1220 römisch-deutscher Kaiser wurde. Friedrich II., in Italien geboren, sah sich selbst mehr als Italiener denn als Deutscher. So verbrachte er auch insgesamt 28 Jahre seiner 33-jährigen Regierungszeit südlich der Alpen.
Der neue Herrscher band durch seine Eigenschaft, italienischer König zu sein, Italien wieder stärker an das Reich und dieser unternahm in der Folgezeit einige blutige Kriege, die außerhalb und innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches stattfanden: So führte Friedrich II. bereits 1214 mit den benachbarten Dänen einen Grenzkrieg um die Eiderlinie, welche der dänische König bis an die Südgrenze der Grafschaft Holstein verschoben haben wollte. Ebenfalls 1214 belieh der römisch-deutsche Kaiser eine Nebenlinie der Wittelsbacher mit der neu begründeten Pfalzgrafschaft am Rhein, aus der später die Rheinpfalz hervorgehen sollte. Indess hatte sich im Osten hatte der Deutsche Ritterorden niedergelassen und es begann die verstärkte Einwanderung Deutscher ins spätere West- und Ostpreußen.

Friedrich II. von Italien kam 1215 aufgrund seiner Neuorganisation der sizilianischen Besitztümer einem Aufruf von Papst Honorius III. nicht nach, an einem Kreuzzug ins Heilige Land (1219/21) teilzunehmen, zudem geriet dieser zum politischen Desaster für den Papst. So gab dieser dem römisch-deutschen Kaiser die Schuld an dessen Scheitern und 1227 exkommunizierte der Papst diesen.
Doch bereits zwei Jahre zuvor (1225) hatte der römisch-deutsche Kaiser durch Heirat den Titel König von Jerusalem angenommen und gleichzeitig von Honorius III. im Vertrag von San Germano verpflichtet worden, ab 1227 zu einem eigenständigen Feldzug nach Palästina aufzubrechen, der eigenfinanziert war und dort mind. ein Jahr zu bleiben.

1228-29 unternahm der römisch-deutsche Kaiser diesen Kreuzzug und in dessen Folge konnten alle für das Christentum heiligen Pilgerstätten nahezu kampflos von den Mohamedanern erobert werden, die damals dem Emirat von Damaskus unterstanden. So stellte der Friede von San Germano (1230) den Rechtsfrieden zwischen Papst- und Kaisertum wieder her.

Verhältnis des Reiches zum Deutschen Orden

Der Deutschritterorden ward 1190 in Akkon gegründet. Diesen rief Konrad von Masowien 1226  zu Hilfe, um ihm im Kampfe gegen die heidnischen Prußen beizustehen. Zur Belohnung wurde dem Orden Landerwerb (Kulmer Land) in Aussicht gestellt, sodass Hermann Balke erster Landmeister des Ordens ward. Etwas später ward im Baltikum der Schwertbrüderorden gegründet, der seinen Sitz in Livland hatte.

Bereits im März 1230 räumte Kaiser Friedrich der Zweite dem späteren Ordensgebiet reichsfürstliche Rechte ein und stellte den Hochmeister des Ordens den Reichsfürsten gleich, ohne jedoch diesen in die Lehnspflicht zu übernehmen. So galt das Gebiet des Deutschritterordens politisch als Reichsgebiet, verfassungsrechtlich war es dies jedoch nicht.

Der Deutschritterorden unterwarf zwischen 1230 und 1291 in einem blutigen Eroberungskrieg die Prußen und setzt sich nahe der Weichsel fest. 1309 wurde Marienburg an der Nogat zum Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens.

Während der Eroberungszüge des Deutschritterordens wurden 1243 die Bistümer Kulm, Pomesamien, Samland und Ermland gegründet.

1230–1361

Deutsch wird Gesetzessprache, Zeit des Interregnum

1235 erschien mit dem römisch-deutschen Landfriedensgesetz erstmals ein kaiserliches Gesetzeswerk, das in deutscher Sprache verfasst war und dessen Verkündung fast zeitgleich mit der Begründung des (nieder-)sächsischen Herzogtums Braunschweig-Lüneburg fiel.
Doch bereits 1237 brachen erbitterte innerdeutsche Konflikte und Auseinandersetzungen innerhalb der Reichsstände und der römisch-katholischen Kirche aus, die mit der Etablierung zweier Gegenkönige endete. Diese waren zum einen Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland.

1237 wurde die damalige deutsche Ostgrenze von mongolisch-tatarischen Reiterhorden ernsthaft bedroht, als diese sich auf ihrem Siegeszug durch Osteuropa befanden: Am 9. April 1241 fand bei Liegnitz (Schlesien) die Entscheidungsschlacht zwischen ihnen und einem vereinigten römisch-deutschen-polnischen Heer statt, bei der Letzteres nahezu vernichtend geschlagen wurde, sodass der Durchmarsch der Mongolen und Tataren durch Mittel- und Westeuropa und deren Verwüstung befürchtet wurden. Doch dieser mongolisch-tatarische Durchmarsch trat wider Erwarten nicht ein, da sich diese asiatischen Reiterhorden aufgrund des Todes ihres Großkhans Ögedei wieder ins mongolische Stammland zurückzogen, da deren Khane, d. h. die mongolisch-tatarischen Fürsten, bei der Wahl des nächsten Großkhans teilnehmen wollten. Zuvor hatten sie jedoch in den Steppengebieten des südlichen Russlands und des westlichen Sibiriens die einflussreiche Goldene Horde gegründet, die für die nächsten drei Jahrhunderte die Oberherrschaft über Russland stellen sollte. (→[Schlacht bei Liegnitz (1241)]])

1250 erfolgte die kurzfristige Herrschaft von Konrad IV. von Schwaben, die bereits nach vier Jahren Regierungszeit wieder beendet war. Den Reichsfürsten war es nicht gelungen, sich verbindlich auf einen gemeinsamen König und Kaiser zu einigen, sodass ab etwa 1256 die sog. kaiserlose Zeit, das Interregnum, begann und die bis 1273 andauern sollte. Gerade in diese Zeit fällt das Erstarken deutscher Städtebünde wie die Deutsche Hanse. Aber auch der kaiserlich-königliche Machtverlust auf die Landeshoheit der Reichsländer, was diese de facto souverän machte.

Die Städtebünde

1254 entstand im Zuge des Interregnums der rheinische Städtebund, dessen unmittelbarer Vorläufer der 1226 gegründete mittelrheinische war.
1241, dem Jahr der Entscheidungsschlacht gegen die Mongolen, schlossen sich vor allem niederdeutsche Städte wie Hamburg, Lübeck, Bremen und Rostock zur Hansa, der Deutschen Hanse, zusammen. Deren Hauptaufgabe war v. a. die Sicherung der bestehenden Handelswege und der Erwerb ausländischer Handelsprivilegien.

1294 stellte Lübeck, das innerhalb der Deutschen Hanse die Hegemonialmacht darstellte, seine Kanzleisprache von Latein auf Mittelniederdeutsch um, das nun im Laufe der nächsten vierhundert Jahre führende internationale Verkehrs- und Handelssprache werden und bis nach Skandinavien und Westrussland hinein ausstrahlen sollte.
Das offizielle Gründungsjahr der Deutschen Hanse wird heute auf das Jahr 1300 angesetzt, was aber auch nur eine allgemein akzeptierte Vermutung darstellt. Eine amtliche Gründungsurkunde bezüglich der Deutschen Hanse existiert — soweit wie es bekannt ist — nicht, was vermuten lässt, dass deren Gründung einzig und allein auf Verbalnoten, d. h. auf mündliche Abmachungen und Zusagen der einzelnen Städte untereinander, erfolgte. Dabei wurde die Vormachtstellung Lübecks nie von den anderen Städten infrage gestellt.

So galt bereits 1358 das Lübische Stadtrecht in den drei Quartieren Sachsen-Wenden (Vorort Lübeck), Westfalen (Vorort Köln), Gothland-Livland (Vorort Wisby) und etwas später auch in Preußen mit dem Vorort Danzig.
Bis 1400 wies die Deutsche Hanse insgesamt neun Quartiere auf. Doch bereits 1368 hatte sich in Köln-Stadt eine hanseähnliche Organisation gegründet, die sich Kölner Konföderation nannte und die nun in Konkurrenz zur Hanse trat.

Mitte des 16. Jh.s begann jedoch langsam der politische Abstieg der Deutschen Hanse und es wurde vonseiten einiger Kaufleute versucht, diesen aufzuhalten: So versuchte bspw. 1534 Jürgen Wullenweber, die hanseatische Hegemonie über die Ostsee zu erhalten. Doch der 1536 abgeschlossene Hamburger Friede, der ein Jahr später zu Wullenwebers unrühmlichem Ende führte, beschleunigte das politische Ende. Die Deutsche Hanse war nun nur noch ein loser Verband souveräner freier Hansestädte, sodass am 15. Mai 1669 in Lübeck-Stadt der letzte bekannte Hansetag stattfand.

Das Reich unter dem Haus Luxemburg-Limburg

Seit 1308 stelle sich Heinrich der Luxemburger den Reichsfürsten zur Wahl, die ihn auch zum römisch-deutschen Kaiser bestimmten. Mit dieser Wahl wurde auch das Haus Luxemburg-Limburg begründet und das ab 1347 für ein ganzes Jahrhundert regieren sollte. Heinrich der Luxemburger selbst regierte als Heinrich VII. nur von 1312/13.
Dessen Sohn, Johann von Luxemburg, wurde 1310 als Johann von Böhmen zum König von Böhmen gewählt und band dieses nun enger an das Römisch-Deutsche Reich. Mit seiner Wahl zum böhmischen König wurde Johann von Luxemburg, alten Stammestraditionen der Deutschen und Tschechen entsprechend, aus dem Deutschtum entlassen und galt nun als Slawe.

1348 wurde durch die Luxemburger in Prag die erste deutsche Universität eingerichtet und sie erwarben darüber hinaus auch im gleichen Jahr die schlesischen Herzogtümer und die Niederlausitz. Doch nur ein Jahr später brach der sog. Schwarze Tod in Form der Pest über das Reich hinein.

römisch-deutsche Kaiserwahl durch die Kurfürsten

Bis ins 14. Jh. richtete sich die Wahl zum römisch-deutsche Kaiser nach den Traditionen des karolingischen Frankenreiches: Der Kandidat musste usprünglich von allen anwesenden Reichsfürsten einstimmig gewählt werden, um dann von diesen im Beisein der Kirchenvertreter und des Adels nach germanisch-deutscher Sitte unter jubelnden Zuruf auf den Schild gehoben zu werden, wo die Salbung durch einen Bischof erhielt. Die Salbung ist auch im alten Testament verbürgt, als Samuel David salbte, um diesen zum König von Israel zu legitimieren.[16]

Bereits seit dem 4. Aug. 1338 war es im Römisch-Deutschen Reich üblich, dass der deutsche König nach Mehrheitsprinzip der anwesenden Fürsten gewählt wurde und dass die unterlegenen Parteien das für sie ungünstige Ergebnis anerkennen mussten. Taggleich wurde auch durch den Kurverein von Rhense festgelegt, dass der zukünftige römische Kaiser nun nicht mehr zur Inthronisierung durch den Papst nach Rom musste, sondern dass sich dieser infolge des vom Papst anerkannten Gottesgnadentum selbst zum römisch-deutschen Kaiser krönen konnte.

1373 erwarb Karl IV. von Böhmen die Mark Brandenburg; und 1377–89 tobte in Süddeutschland ein blutiger Städtekrieg.
1378 wurde Wenzel von Luxemburg römisch-deutscher Kaiser, bevor er im Jahre 1400 abdanken musste. Der ehemalige römisch-deutsche Kaiser wurde allerdings vierzehn Jahre später als Wenzel IV. zum böhmischen König gewählt.

1356 führte Karl V. von Habsburg, der seit 1315 auch König von Spanien war, eine weitere Reformation des Wahlrechtes ein, indem er die Goldene Bulle verkünden ließ. Karl V. legte fest, dass aufgrund des neuen Staatsgrundgesetzes des Römisch-Deutschen Reiches nur noch sieben Kurfürsten den Kaiser bestimmen und wählen und das diese als lokale Stellvertreter des Kaisers gelten sollten. Die Kurfürsten sollten nur noch dem römisch-deutschen Kaiser unterstellt und diesem verantwortlich sein.
Der Habsburger Karl V. war auch der letzte römisch-deutsche Kaiser, der 1530 durch einen Papst, Clemens VII., in Bologna gekrönt wurde. Die Goldene Bulle stellte zudem fest, dass der Papst die höchste geistliche und der Kaiser die höchste weltliche Autorität darstelle. Damit war die Einflussnahme der römisch-katholischen Kirche in Form des Papstes auf die Kaiserwahl ausgeschaltet. Daher wurde der Titelzusatz „aus Gottesgnaden Römischer Kaiser“ in „erwählter Römischer Kaiser“ abgeändert.

Die Kurfürsten bestanden sowohl aus kirchlichen wie auch aus weltlichen Vertretern, die jeweils ein Erzamt und damit das Wahlrecht verliehen bekamen. Bis zur Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches bestanden folgende Ämter:

  1. Kurfürstentum Mainz (Erzbischof war Reichserzkanzler für das deutsche Königreich)
  2. Kurfürstentum Trier (Erzbischof war Reichserzkanzler für Reichsitalien)
  3. Kurfürstentum Köln (Erzbischof war Reichserzkanzler fürs Königreich Burgund)
  4. Königreich Böhmen (König war Erzmundschenk)
  5. Pfalzgrafschaft am Rhein (Pfalzgraf war Erztruchsess)
  6. Kurfürstentum Sachsen (Kurfürst war Erzmarschall)
  7. Markgrafschaft Brandenburg (Markgraf war Erzkämmerer)

Wahlberechtigt waren die Kurfürsten durch ihre deutsche Abstammung, das heißt, durch ihre Zugehörigkeit zu einem der deutschen Stämme. Der römisch-deutsche Kaiser, der im Laufe der Geschichte durch Angehörige verschiedener Stämme gestellt wurde, wurde wie oben beschrieben nach fränkischen Ritus inthronisiert, da er für sich in Anspruch nahm, das Frankenreich Karls des Großen fortzuführen.
Hierbei ist es bemerkenswert zu erwähnen, dass der König von Böhmen als Reichsfürst zwar Adlige zur Wahl vorschlagen und mit beraten konnte, aber selbst nicht mit dem Wahlrecht ausgestattet war, da er als König eines slawischen Volkes nicht mehr als Deutscher galt.[17]

Bis Mitte des 14. Jh.s fanden zahlreiche innerdeutsche Konflikte statt, die zum einen 1386 zur Schlacht bei Sempach und zum anderen zur Schlacht bei Näfels führten. 1389 wurden diese durch den Landfrieden von Eger beendet.

Im Jahre 1409 wurde die Universität Leipzig gegründet und ein Jahr später Sigismund zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. In dessen Regierungszeit (1410–1437) fielen sowohl die Kirchenversammlung von Konstanz (1414–1418) als auch die Hinrichtung des böhmischen Reformators Johann Hus statt.

Bildung der Schweizer Eidgenossenschaft

Das frühe 14. Jh. stellte für das Römisch-Deutsche Reich eine Zeit der Zerfallserscheinungen dar, als sich in Süddeutschland ab 1309 die Waldstätten herauslösten, die später den Kern der Schweiz darstellen sollte. Bereits 1313 bildeten sie mit Uri, Schwyz und Unterwalden deren Urkantone, zu denen 1353–1481 noch die sog. alten Orte Luzern, Zürich, Bern, Glarus und Zug anschlossen.
Diesen schlossen sich 1513 die Orte Basel, Freiburg im Üechtlande, Aargau und Appenzell an. Daneben zählten sich auch zahlreiche zugewandte Orte und Gemeinden sowie Herrschaften zur Eidgenossenschaft.

1361–1460

Verhältnis Dänemarks zum Römisch-Deutschen Reich

Lange Zeit betrachteten die römisch-deutschen Kaiser Dänemark als deutsches Reichslehen, d. h. als sein Einflussgebiet. Diese waren als deutsche Könige die Lehnsherren des Dänenkönigs, sodass Dänemark im Reich als Vasallenkönigtum aufgefasst wurde.
Doch hatten sich Dänemarks Könige schon frühzeitig von ihren Lehnsbindungen gelöst, sodass der römisch-deutsche Anspruch nur nominell galt.[18]

1361 eroberte der Dänenkönig Waldemar IV. Atterdag im Zuge der dänischen Expansionspolitik die Stadt Wisby, der wenig später (1368) Kopenhagen folgte. 1370, im Frieden von Stralsund, erwarb er zudem von Schweden die Landschaft Schonen.
1373 gelangte das dänische Herzogtum Schleswig an die römisch-deutsche Grafschaft Holstein, die nun über Personalunion verwaltet wurden. Waldemars IV. Tochter, Margarethe I. von Dänemark, heiratete sehr jung, wahrscheinlich im Alter von 10 Jahren, den norwegischen König Håkon VI. und errichtete ab 1387 die Kalmarer Union. Diese Konföderation der nordischen Staaten stellte ein skandinavisches Großreich dar, das Dänemark, Norwegen und (nominell) Schweden umfasste.

1413–1435 lag die Deutsche Hanse im Grenzstreit mit Dänemark, wo sie an der Eider-Levensau-Grenze gegen dänische Territorialansprüche vorging. Dänemarks König gedachte als Graf von Holstein, dieses seinem Königreich anzugliedern, sodass das deutsche Reichsland Holstein dänisches Staatsgebiet geworden wäre. Die Hanse dagegen sah in den Grenzflüssen Eider und Levensau eine Rechtsgrenze: Nördlich von diesen herrschte jütisches (Jydske Lov), südlich davon deutsches Recht vor. Zudem trennte die Eider-Levensau-Grenze jütisches (Jydske Lov) vom deutschen Recht. 1683 würde das jütische Recht offiziell vom dänischen (Danske Lov) abgelöst.[19][20] Ferner trennte die Eider Lübisches und Schleswiger Stadtrecht</ref>.

1460 wurde Christian I. von Oldenburg dänischer König und dieser vereinte im Vertrag von Ripen, dass Schleswig und Holstein über Personalunion auf ewig verbunden werden sollten; bereits 1474 wurde Holstein zum Herzogtum erhoben.

„... dat se bliven ewich tosamende ungedelt.“

Auszug aus dem Vertrag von Ripen, 1460

Die Mark Brandenburg fällt an die Hohenzollern, Hussitenkriege

1415, als der böhmische Reformator Jan Hus, nach anderen Quellen auch Johann Hus(s), in Konstanz den Verbrennungstod erlitt, wurde dieser zuvor auf dem Konstanzer Kirchenkonzil als Ketzer und Häretiker verurteilt, wurde im Osten des Reiches, in Ostelbien, der Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg mit der Mark Brandenburg beliehen, wodurch er sich nun Friedrich I. von Brandenburg nannte und damit den politischen Aufstieg der preußisch-deutschen Hohenzollern-Dynastie begründete.

1423 starb das Haus der Askanier in der männlichen Linie aus und Friedrich der Streitbare, der Kurfürst von Sachsen-Wittenberg, wurde mit den später anhaltinischen Gebieten belohnt. Die römisch-deutsche Übertragung der Gebietshoheit an den Sachsen war als Belohnung zu verstehen, die der neue Landesherr aufgrund seiner treuen Ausübung seiner Lehnspflicht zur Zeit der Hussitenkriege (1414–1436)

1460–1579

Das Reich unter den Habsburgern

Hauptartikel: Deutsche Kleinstaaterei

1439 erlangte erneut das Haus Habsburg, dass bereits schon 1273 mit Rudolf I. von Habsburg einen deutschen König gestellte hatte, und dass nun bis 1806 herrschen und Deutschlands Geschichte maßgeblich prägen sollte.
Die Wahl des Habsburgers fiel mit der politischen Schwäche des Hauses Luxemburg-Limburg und der deutschen Kleinstaaterei zusammen, die sich langsam abzuzeichnen begann. So bestand das Römisch-Deutsche Reich schon seit Langem nicht mehr aus fünf stammesgeprägten Herzogtümern und einer Landgrafschaft, sondern es war bereits jetzt in annähernd 180 Staatskonstrukte und seit über 1000 religiöse und weltliche Herrschaftsgebiete sowie in rd. 400 Reichsritterschaften gegliedert.

Der universelle Machtanspruch des Kaisers bestand zudem seit Langem nur noch auf dem Papier, zumal Reichsitalien schon seit Jahrhunderten de facto über eine staatliche Souveränität verfügte.
1486 wurde das Römisch-Deutsche Reich erstmals als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation[5] tituliert und es war abzusehen, dass der politische Staatszerfall nicht mehr aufzuhalten war; so hatte sich bereits Ende des 13. Jh.s die heutige Schweiz herausgebildet, die ebenfalls autonom bzw. de facto staatlich unabhängig war.

Die Umbenennung des Reiches erfolgte mit der Krönung des Habsburgers Maximilian I. von Burgund zum deutschen König. 1508 erfolgte dessen Krönung zum römischen Kaiser.
1477 war der Maximilian I., der als Deutscher im heutigen Österreich geboren wurde, durch Heirat zum Herzog von Burgund aufgestiegen und er begann, seine Hausmacht zielstrebig auszubauen. So erwarb er noch 1477 die Grafschaft Holland.

Unter dem Haus Habsburg wurde auch die Katholisierung der habsburgischen Länder, aber auch die des Römisch-Deutschen Reiches vorangetrieben. Indes Frankreich sich 1477, mit Ausnahme Deutsch-Burgunds, das Herzogtum Burgund, die Provence und Anjou sowie Maine einverleiben konnte, gelang es Maximilian I., das Herzogtum Lothringen, ganz Flandern (einschließlich des bisherigen frz. Kronflanderns) und die gesamten Niederlande seinem Machtbereich anzugliedern. Damit wurde die Jahrhunderte geltende Scheldegrenze de jure aufgehoben.

1495 erließ Maximilian I. von Burgund als deutscher König ein definitives und unbefristetes Verbot des mittelalterlichen Fehderechtes, das als ewiger Landfriede in die deutsche Geschichte einging. Zeitgleich wurde auch ein Reichskammergericht eingeführt, dass nun das höchste Rechtsprechungsorgan des Reiches darstellte. Allerdings wurden de facto auf Reichsgebiet bis weit in das 16. Jh. Fehden zwischen Familien und Herrscherhäusern geführt, obgleich diese nun verboten waren. Die Betroffenen argumentierten bei Bekanntwerden dieser Fehden, dass sie sich nur an das traditionelle Gewohnheitsrecht ihres Volkes hielten.

Reichsreform Maximilians I., Bauern- und Türkenkrieg

Im 15. und 16. Jh. wurden im Römisch-Deutschen Reich durch Maximilian I. staatliche Reformen durchgeführt, die zum einen die Etablierung einer neuen verfassungsrechtlichen Grundordnung zum Ziel hatte. Zum anderen strebten v. a. die Reichsritterschaft, das Bürger- und das Bauerntum zur politischen Stärkung ihres Standes, was offen darlegte, dass das Reich nach wie vor auch eine Ständegesellschaft bzw. einen Ständestaat darstellte.
Durch die im 12. Jh. erfolgte Auflösung der einstigen Stammesherzogtümer zugunsten neuer Flächenstaaten wurde zum einen der traditionelle Stammesstaat durch eine Vielzahl deutscher Reichsländer abgeschafft. Zum Anderen wurde hierbei auch eine Schwächung der römisch-deutschen Zentralgewalt in Kauf genommen. Letztendlich scheiterten die Reformpläne Maximilians I., doch einige seiner Ziele konnte dieser jedoch durchsetzten: den Ewigen Landfrieden und das Reichskammergericht.

Ab etwa 1500 teilte Maximilian I. von Burgund die deutschen Reichsgebiete in sechs deutsche Reichskreise[21] ein, die 1512 um vier weitere ergänzt wurden:

  1. Burgundischer Reichskreis (im Westen und Südwesten des Reiches),
  2. Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis (im Nordwesten),
  3. Niedersächsischer Reichskreis (im Norden),
  4. Obersächsischer Reichskreis (im Osten),
  5. Kurrheinischer Reichskreis (im westlichen und östlichen Mitteldeutschland),
  6. Fränkischer Reichskreis (östliches Mitteldeutschland),
  7. Oberrheinischer Reichskreis (Mitteldeutschland und südwestliches Oberdeutschland),
  8. Schwäbischer Reichskreis (im Südwesten),
  9. Bayrischer Reichskreis (im Südosten) und
  10. Österreichischer Reichskreis (im Südenosten und Süden)

Die habsburgischen Länder waren im Letzteren vereinigt, der damit den wichtigsten aller Reichskreise darstellte. Nicht in Reichskreise einbezogen wurden das Kgr. Böhmen mit Mähren, die Lausitz und Schlesien sowie die Schweiz und das Hzm. Mailand sowie das östliche Hzm. Savoyen. Der Westen Savoyens jedoch war dem Oberrheinischen Kreis zugeordnet worden. Ferner gehörte dem Oberrheinischen Kreis auch der Süden des Hochstifts Basel an.[21]

1519 starb Maximilian I. von Burgund aufgrund einer langwierigen Krankheit und dessen Nachfolger wurde Karl V. von Spanien, der 1500 zwar im belgischen Gent geboren wurde, sich aber die meiste Zeit seines Lebens als Spanier fühlte.
Der neue römisch-deutsche Kaiser erwarb nun auch das Königreich Ungarn, nachdem er schon zuvor (1515) König von Spanien bzw. 1506 Herzog der Burgundischen Niederlande geworden war.

1524/25 fanden im Römisch-Deutschen Reich verschiedene Bauernaufstände statt, die als Bauernkrieg in die neuere deutsche Geschichte eingehen sollten. In deren Folge kam es bereits 1525 zur Schlacht von Pavia, die 1529 zum Damenfrieden zu Cambrai führen sollte.
1526–1532 sah sich das Römisch-Deutsche Reich einer neuen Bedrohung ausgesetzt, als die osmanischen Türken an seinen südöstlichen Grenzen erschienen und die sich auf einem Eroberungskrieg quer durch Südosteuropa befanden. Süleyman der Prächtige, Sultan des Osmanischen Reiches, gedachte, Mitteleuropa seinem Reich zu unterwerfen und schlug den damaligen ungarischen König Ludwig II. bei Mohacs vernichtend. Dieser fand bei dieser kriegerischen Auseinandersetzung den Tod.

Karl V. bestimmte 1567 den spanischen Herzog zu Alba zum neuen Statthalter der Spanischen Niederlande, was 1572 den Ausbruch der sog. Geusenkriege zur Folge hatte. Darüber hinaus verbreitete sich das Neuniederländische unter seiner Herrschaft auch im heutigen deutschen Sprachgebiet, als dieses Verwaltungs- und Geschäftssprache in Teilen des Niederrheins und Nordwestdeutschlands wurde.

Bildung der Republik der Vereinigten Niederlande

1579 schlossen sich die Nordprovinzen der Spanischen Niederlande zur Union von Utrecht zusammen und deren Vertreter erklärten dem römisch-deutschen Kaiser gegenüber, dass die so entstandene Republik der Vereinigten Niederlande zwar weiterhin deutsches Reichsgebiet darstelle, aber kein Teil der Habsburgischen Niederlande mehr seien.
Staatssprache der Vereinigten Niederlande wurde Niederländisch in der Form des Neuniederländischen. Dabei entwickelten die heutigen Niederländer über den Sprachkontakt mit der neuen Nationalsprache langsam ein eigenständiges Nationalbewusstsein und eine ethnische Identität. Im Zuge der Holländischen Expansion geriet auch der Niederrhein und Nordwestdeutschland in den Fokus der Niederländer, da dort eine ihnen sprachverwandte Bevölkerung lebte. Eine, nach heutiger Auffassung fest definierte, deutsch-niederländische Sprachgrenze existierte noch nicht, vielmehr begann diese, sich langsam herauszubilden.

Im Westen und Nordwesten des Römisch-Deutschen Reiches konkurrierten nun zwei vollwertige Schreib- und Lesesprachen miteinander: Neuniederländisch in den Niederlanden und im heutigen Belgien sowie am linken Niederrhein, Neuhochdeutsch am rechten Niederrhein und im angrenzenden Norddeutschland, wo es das Mittelniederdeutsche ablöste.
Teilweise herrschte am Niederrhein und in Nordwestdeutschland eine ausgesprochene Mehrsprachigkeit vor: Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit war und blieb die gesprochene Volkssprache in Form des Dialektes. Niederländisch und Deutsch galten ihr gegenüber als Statussymbol der gehobenen Stände und waren weitverbreitete Geschäftssprachen. Vielfach beherrschten die führenden regionalen Klassen auch das Französische (das sich immer mehr zur internationalen Diplomatensprache weiterentwickelte), welches nun, neben den klassischen Sprachen Latein und Griechisch, als allgemeine Kultursprache etablierte.

Reformationszeit

Hauptartikel: Martin Luther

1517 begann von Wittenberg ausgehend die Reformationszeit, als der römisch-katholische Priester Martin Luther dort seinen legendenhaften Thesenanschlag beging.
Mit dem Thesenanschlag Luthers begann im Römisch-Deutschen Reich die religiöse Reformbewegung, welche v. a. durch ehemalige Priester wie Luther, Zwinglis und Calvins geprägt war. Sie trat für die religiöse Erneuerung der bisherigen Reichskirche ein und verdammte maßgeblich die zur Finanzierung der Renovierung und des Ausbaus des päpstlichen Petersdoms in Rom verkauften Ablassbriefen, mit denen sich reuige Sünder mit päpstlichem Segen von all ihren Sünden freikaufen konnten.

1520–1530 erfolgte die religiöse Spaltung des Reiches. Vor allem das deutsche Königreich war von dieser Tendenz betroffen, als sich die norddeutschen Reichsfürsten, und damit ein Teil der mitteldeutschen, von der römisch-katholischen Kirche abspalteten und sich der Protestantischen Kirche anschlossen. Gemäß der von Luther forcierten Forderung, die Predigt in allgemein verständlicher Volkssprache zu halten, predigten deren Kirchenvertreter nun im Dialekt und verbannten das Latein als Kirchensprache.
1530 schlossen Lutheraner und Katholiken in der freien Reichsstadt Augsburg einen Religionsfrieden, der heute als Augsburger Bekenntnis bekannt ist. Dabei wurde aber die Reformierte Kirche von beiden Parteien bewusst außen vor gelassen; vielmehr regelte das Augsburger Bekenntnis das gemeinsame Glaubensgut der Protestanten. Bereits ein Jahr später schlossen sich die nunmehrigen evangelischen Stände zum Schmalkaldischen Bund zusammen.

1532 war der römisch-deutsche Kaiser Karl V. von Spanien schließlich gezwungen, die religiöse Spaltung des Römisch-Deutschen Reiches anzuerkennen, was einen herben Machtverlust für die Römisch-Katholische Kirche bedeutete. So wurden v. a. Niederdeutschland (einschließlich Mitteldeutschlands) sowie ein Teil Oberdeutschlands lutherisch, indes das spätere Oberschlesien mehrheitlich römisch-katholisch sowie die Schweiz und Ostfriesland mehrheitlich reformiert wurden. Die Spanischen Niederlande, Lothringen und Nordwestdeutschland waren religiöse Mischgebiete, wo Lutheraner und Katholiken bzw. Reformierte nebeneinander lebten.[22] Bis 1618 setzte sich das calvinistische Glaubensbekenntnis mehrheitlich in der Republik der Vereinigten Niederlande, in den Grafschaften Bentheim, Lingen und Tecklenburg, in der Reichsgrafschaft Lippe, im Fürstentum Nassau, in der Landgrafschaft Hessen-Kassel sowie teilweise in der Kurpfalz und dem Fürstentum Anhalt durch, indes die französische Schweiz gänzlich und die Deutschschweiz überwiegend der reformierten Lehre Zwinglis folgte. In Brandenburg-Preußen wurde das Herrscherhaus calvinistisch, derweil die Bevölkerung lutherisch oder katholisch blieb.[22]

Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten

1547/47 kam es in Deutschland zu den ersten bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die heute als Schmalkaldische Kriege bekannt sind. Bei diesen ging Kaiser Karl V. von Spanien militärisch gegen die lutherischen Reichsstände vor und bereits 1547 unterlagen diese in Form des Schmalkaldischen Bundes bei der Schlacht bei Mühlberg gegen das kaiserliche Reichsheer, das v.a. aus Spaniern gebildet wurde und bei dessen Einsätzen nicht die Reichsstände mitbestimmen konnten, was es vom römisch-deutschen Reichsheer unterschied.

1555 erfolgte der Nürnberger Religionsfriede, der das Augsburger Bekenntnis (und damit die Kirchenspaltung im Römisch-Deutschen Reich) zementierte: Allen Protestanten wurde nun die freie Religionsausübung garantiert. Ferner wurde bestimmt, dass von nun an allein das Glaubensbekenntnis des Landesherrn den religiösen Glauben der jeweiligen Wohnbevölkerung bestimmte.

1561 waren bereits vier von fünf Christen des Römisch-Deutschen Reiches Anhänger einer Evangelischen Kirche, sodass es 1608 im (heute bayrischen) Ansbach zur Gründung einer Protestantischen Union kam, der ein Jahr später die Katholische Liga folgte.
Beide Organisationen waren als Schutz-und-Trutz-Bündnisse konzipiert worden, d. h., in erster Linie als militärischer Beistandspakt. Im 1609 erfolgten Majestätsbrief, den den Reichsständen die Religionsfreiheit garantierte, begann im gleichen Jahr der Jülich-Klevische Erbfolgestreit. Infolge dessen 1614–1666 trat Brandenburg-Preußen in Kleve, Ravensberg und Minden sein Erbe an und fasste somit in den westelbischen Gebieten des Römisch-Deutschen Reiches Fuß.

Im Zuge der Rekatholisierung der deutschen Reichsgebiete, sog. Gegenreformation, gelang des der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland, bedeutende Territorien zurückzugewinnen, die sie zuvor an die Protestanten verloren hatte. Der Westfälische Friede (1648) zementierte den religiösen Status quo, wie er beim Ausbruch des 30-jährigen Krieges bestand.

1579–1680

30-jähriger Krieg

Hauptartikel: 30-jähriger Krieg

Nach dem Tod Wilhelms von Oranien (1589) wurde Moritz von Oranien zum Generalstaatshalter der Niederlande gewählt, der bis 1625 herrschen sollte. In dessen Regierungszeit begann 1621 der Spanisch-Niederländische Krieg (auch Niederländischer Unabhängigkeitskrieg), der einen Teilaspekt des 1618 begonnenen 30-jährigen Krieges darstellt. Auslöser dieses Krieges, der den ersten bekannten Weltkrieg der neueren Geschichte darstellt, war der Prager Fenstersturz.
Bereits 1620 fand im Königreich Böhmen die Schlacht am Weißen Berge statt, in der die dortigen Stände der Katholischen Liga unterlagen.

1630 griff Gustav Adolf Wasa, König von Schweden und offener Unterstützer der Protestantischen Union, in das Kriegsgeschehen ein, indem er nun mit seinem Heer in das Römisch-Deutsche Reich einfiel. Der deutsche Heerführer Johann ’t Serclaes Graf von Tilly eroberte 1631 als Feldherr der Liga Magdeburg, derweil im selben Jahr noch die Schlacht bei Breitenfeld stattfand. Bereits im Nov. 1632, rund zwei Jahre nach dem der Schwedenkönig in das europäische Kriegsgeschehen eingegriffen hatte, wurde dieser bei der Schlacht bei Lützen von mehreren Gewehrkugeln getroffen und verstarb vermutlich noch auf dem Schlachtfeld.[23]

1635 schien es, als wären die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser, der Liga und Sachsen, das der Union angehörte, durch den Prager Frieden offiziell beendet und die Spaltung der sächsischen Gesellschaft und Reichsständen in Katholiken und Protestanten ad acta gelegt worden seien.
Von einem allgemeinen Friedensschluss zwischen den Konfliktparteien war man jedoch noch weit entfernt, da sich die beiden verfeindeten Königreiche Frankreich (Unterstützer der Katholiken) und Schweden (Unterstützer der Protestanten) gegenüberstanden und begannen, auf deutschen Boden den Französisch-Schwedischen Krieg (1635–1648) zu führen.

1648 erfolgte zwischen allen Kriegsparteien der Westfälische Friede, der sich in die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück gliederte und der das moderne europäische Völkerrecht begründete. Vor allem auf Frankreichs Betreiben wurden die Rheinquelle und deren Mündungsgebiet dem Römisch-Deutschen Reich entzogen, da nun die Schweiz und die Vereinigten Niederlande vom Reich international als souveräne Staaten anerkannt wurden.
Der Westfälische Friede garantierte allen Kriegsteilnehmern eine Generalamnestie, da im Kriegsverlauf von allen Seiten zahlreiche und grausame Kriegsverbrechen begangen wurden, die den jeweiligen Gegner zu schwächen. Alle ab 1648 bestehenden politischen Außengrenzen wurden als endgültig betrachtet und auch als solche bezeichnet, nachdem einige deutsche Reichsgebiete an ausländische Herrscher gefallen waren, die dadurch zu deutschen Reichsfürsten wurden.

  1. Das Herzogtum Bremen und Schwedisch-Vorpommern fielen an Schweden und
  2. Teile Lothringens, einschließlich der Freien Reichsstadt Metz, fielen an Frankreich.

Damit erwarben sowohl der schwedische als auch der französische König Sitz und Stimme im immerwährenden Reichstag und galten den übrigen Reichsfürsten als gleichgestellt.

Ferner gehörten Reichsitalien und das Herzogtum Savoyen nur noch de jure zum Gebietsstand des Römisch-Deutschen Reiches. De facto endete damit die Macht des römisch-deutschen Kaisers an den Südgrenzen der habsburgischen Länder.

Folgen des Krieges

Der 30-jährige Krieg wütete hauptsächlich auf dem Territorium jenes Staatswesens, das heute als deutsches Königreich in der deutschen Geschichtswissenschaft einging. Auslöser des Krieges war der seit 1555 bestehende Religionskonflikt zwischen Katholiken und Protestanten einerseits und der damit verbundenen Verfassungsfrage und der rechtlich-konfessionellen Grundordnung des Römisch-Deutschen Reiches.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union wurden in zeitgenössischen Dokumenten auch als Teutscher Krieg[24]bezeichnet, was darauf anspielte, dass es sich hierbei ursprünglich nur um einen innerdeutschen Konflikt handelte.

Durch Kriegseinwirkung verlor das Römisch-Deutsche Reich ein etwa 6,1 Mio. seiner Wohnbevölkerung, deren Gesamtzahl von rund 16,6 Mio. auf nunmehr 10,5 Mio. fiel.[25] Es sollte nun fast dreieinhalb Jahrhunderte dauern, bis der Bevölkerungsstand von 1618 annähernd wieder erreicht war.

Folgen des Westfälischen Friedens

Der Franzose Kardinal Richelieu gedachte, mit dem von ihm maßgeblich mitgestalteten Westfälischen Frieden einen allumfassenden und immerwährenden Frieden in Europa zu garantieren; doch ließen sich dessen Pläne nicht realisieren, sodass nur ein sog. Deutscher Frieden geschlossen wurde. Dessen Garantiemächte wurden denn auch die erbitterten Kontrahenten Frankreich (für die Katholiken) und Schweden (für die Protestanten). Beide setzten durch, dass sowohl der König von Frankreich als auch der König von Schweden in den deutschen Reichsfürstenstand berufen wurden und beide erhielten im Westfälischen Frieden zahlreiche deutsche Reichsgebiete zugesprochen. So konnte Ludwig IVX. von Frankreich die Herzogtümer Lothringen und Bar, das Elsass und Deutsch-Burgund erwerben und schuf so die im Wesentlichen noch heute geltende deutsch-französische Grenze.
Schweden erwarb das Herzogtum Bremen einschließlich der Herrschaft Wildeshausen, aber ohne die gleichnamige Reichsstadt, die Hansestadt Wismar und das nunmehrige Schwedisch-Vorpommern.

Der Westfälische Friede sah ferner vor, dass die vom Gebietsverlust betroffenen Reichsstände angemessen entschädigt wurden und jene, die während des Krieges geächtete worden waren, in ihre alten Machtpositionen zurückkehren konnten. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 wurde nun de facto im Reichsgebiet umgesetzt und galt nun als gültiges Staats- und Verfassungsrecht des Römisch-Deutschen Reiches. Darüber hinaus musste nun das Verhältnis zwischen Kaiser und den Reichsständen neu geregelt werden,[26] was zum einen eine Schwächung des Ersteren und zum anderen eine Stärkung der Zweiteren führte.

Mit dem Westfälischen Frieden wurde auch die deutsche Kleinstaaterei als solche begründet, als nun das Römisch-Deutsche Reich in rund 180 politische Gebilde zerfiel: 77 Fürstentümer, 51 reichsunmittelbare Städte und 45 freie Städte. Zu diesen traten noch 1475 reichsunmittelbare Graf- und Herrschaften[27] sowie etwa 1500 Kanonikate der freien Reichsritterschaft hinzu. Letzterer gehörten etwa 380 Familien an und die Anzahl der Kanonikate war bereits 1356 auf 55 bzw. im Jahre 1491 auf 54 festgelegt worden.

„Zusammensetzung des Reiches: Das römisch-deutsche Reich umfasste 1650 die reichsunmittelbaren Territorien von 8 Kurfürsten, 27 geistlichen und 30 weltlichen Fürsten, 38 Prälaten, 75 Grafen und Herren, 53 Reichsstädten und rund 1500 Reichsrittern.“

Jürgen Mirow: „Geschichte des deutschen Volkes“, S. 420

Die Verfassungsfrage des Römisch-Deutschen Reiches stellte sich ab 1648, in dem man sich vonseiten seiner Herrscher und der Reichsfürsten fragte, was es nun eigentlich sei. Eine Situation, die der Staats- und Völkerrechtler Dieter Blumenwitz wie folgt beschrieb:

„Wie nach 1945, so begann auch nach 1648 ein lang anhaltender Streit der Rechtsgelehrten über die Rechtsnatur des Deutschen Reiches. Die Frage, ob das Reich ein Bundesstaat, ein Staatenstaat, ein zusammengesetzter Staat oder ein Staatenbund sei, wurde von 1648 bis 1806 heftig diskutiert. Mit verschiedenen politischen Zielrichtungen wurde — wie nach 1945 — ein ‚status sui generis‘, ein Staatenverhältnis eigener Art betont.“[27]

Der in Münster und Osnabrück geschlossene Frieden hatte zur Folge, dass die Machtstellung des römisch-deutschen Kaisers zum einen geschwächt und zum anderen die des jeweiligen Landesherrn bedeutend gestärkt wurde. Dem Haus Habsburg sollte sowohl in seiner spanischen wie auch deutschen Linie schier unmöglich gemacht werden, weiterhin über eine starke Hausmacht im Reich zu verfügen und damit die „Kräfte des Reiches“ in ihre Politik einzubeziehen.[27] So war der Kaiser bspw. nun in allen Angelegenheiten des Reiches auf die Zustimmung des Regenburger Reichstages angewiesen, der von einem Stände- zum Staatenkongress aufgestiegen war.[27]

Die Landesherren der deutschen Reichsländer galten seit 1648 völkerrechtlich als souveräne Herrscher und besaßen nun das verbriefte Recht, jederzeit Bündnisse untereinander und mit ausländischen Mächten zu schließen. Sie waren bspw. nun berechtigt, das Recht des Krieges auszuüben, ein Privileg, das zuvor nur dem Kaiser vorenthalten war.
Das Römisch-Deutsche Reich glich ab Mitte des 17. Jh.s einem mitteleuropäischen Fleckenteppich, dessen lose Klammer der Kaiser bildete. Dessen realer Machtbereich beschränkte sich nun ausschließlich auf jene Regionen, die seit dem 15. Jh. als Deutschland tituliert wurden. Allerdings durften alles Reichsfürsten und Reichsstände keine Bündnisse gegen Kaiser und Reich eingehen.[27]

Die bisherigen Reichsländer mit deutscher Bevölkerung, nun eigenständige Völkerrechtssubjekte geworden, entwickelten sich rasch vom Ständestaat zu absoluten Monarchien frz. Prägung. Sie wurden langsam zu deutschen Staaten, deren Machtzentren v. a. in Bayern, Brandenburg, Sachsen und Lüneburg, aber auch in den habsburgischen Ländern lagen. Bis 1770 hatten sich in Deutschland, wie nun das Reich immer öfters auch offiziell bezeichnet wurde, mit Brandenburg-Preußen und Österreich zwei Großmächte herausgebildet, die offen gegen die römisch-deutsche Reichspolitik verstießen und jeweils egoistische Großmachtpolitik betrieben.[28]

Das Römisch-Deutsche Reich existierte nur noch als lockerer Staatenbund weiter, der von verschiedenen Herrschaftsgebieten unterschiedlicher Art und Größe gebildet wurde und der infolge der Französischen Revolution (gepaart mit dem frz. Imperialismus) zusammenbrach.[29].

Kriegerische Auseinandersetzungen nach 1648

Der 1648 geschlossene Westfälische Friede bedeutete jedoch nicht, dass sich die politische Lage in Mitteleuropa, insbesondere im Römisch-Deutschen Reich, beruhigt hätte. Noch immer wütete v. a. auf deutschem Boden der Französisch-Spanische Krieg (1635–1659) und Frankreich entdeckte für sich die Rheingrenze als sog. natürliche Grenze gegen Deutschland hin; so deklarierte es diese zur deutsch-französischen Grenze.
1659 erfolgte der Pyrenäenfrieden, der das letzte Kapitel des 30-jährigen Krieges abschloss. Doch bereits 1667/68 erfolgte der sog. Devolutionskrieg, den Ludwig IVX. von Frankreich und Philipp IV. von Spanien um die Spanischen Niederlande führten. In kurzen und erbitterten Feldzügen gelang es dem König von Frankreich die Grafschaft Artois, Teile Flanderns und des Hennegaus zu erobern. Mit dem Frieden von Aachen (1668) entstand im Wesentlichen die heutige französisch-belgische Grenze.

Doch bereits 1672 verletzte Frankreich erneut die im Westfälischen Frieden garantierten Reichsgrenzen und es begann seinen zweiten Eroberungskrieg. Mit etwa 120 000 Mann zog Frankreich gegen die Republik der Vereinigten Niederlande und es folgte nun der bis 1678 Französisch-Holländische Krieg, der für die Niederländer katastrophal ausging. Ludwig IVX. von Frankreich eroberte bis 1680 das restliche Elsass einschließlich Straßburgs.
Brandenburg-Preußen musste sich 1675, auf einem Nebenschauplatz der deutschen Geschichte, sich in der Schlacht von Fehrbellin gegen Schweden behaupten, da dieses in das Kurfürstentum Brandenburg eingefallen war. Im Zuge seiner Landesverteidigung gelang es Brandenburg-Preußen, Schweden wieder hinauszudrängen. 1678 erfolgte zwischen Frankreich und den Niederlanden der Friede von Nimwegen, der in mehreren Teilfriedensverträgen gegliedert war. Dieser beendete formal den sog. Holländischen Krieg und das Römisch-Deutsche Reich musste die Eroberung der südlichen Niederlande und Restlothringens anerkennen.

1680–1806

Reunionskriege, Türkenkrieg

Hauptartikel: Türkenkriege

1680 errichtet Frankreich die sog. Reunionskammern, die eine „Wiedervereinigung“ Frankreichs mit linksrheinischen Gebieten propagierten. Ein Jahr später überfiel Frankreich, mitten im Frieden, das Römisch-Deutsche Reich und besetzte und verwüstete weite Landstriche links- und rechts des Rheins.
1683 verbündete sich der „allerchristlichste König von Frankreich“ Ludwig IVX. von Frankreich mit dem osmanischen Großwesier Kara Mustafa, als die osmanischen Türken über den Balkan kommend gegen Ungarn und die habsburgischen Länder zogen und dabei bis vor Wien-Stadt gelangten. In der Schlacht von Kahlenberg (1683) gelang es dem polnisch-litauischen König Johan Sobieski, militärischer Führer der Katholischen Liga, die Truppen des osmanischen Sultans zu schlagen. Nun schlossen sich auch das Russland, Venedig und der Kirchenstaat dem deutsch-polnisch-litauischen Militärbündnis an.

1685, mit der Aufhebung des Ediktes von Nantes durch Ludwig IVX. von Frankreich, das 1598 verkündet wurde und den calvinistischen Hugenotten die Religionsfreiheit zusicherte, verloren die Protestanten in Frankreich alle Bürgerrechte einschließlich des Religionsrechtes, d. h. die Religionsausübung. So begannen diese verstärkt, sich auf dem Territorium des Römisch-Deutschen Reiches niederzulassen. Große Teile von ihnen emigrierten auch in die französische Schweiz oder in die Niederlande.
1688–1697 litten die deutschen Reichsgebiete unter dem von Frankreich provozierten Pfälzer Erbfolgekrieg, der mit dem Frieden von Rijswijk beendet wurde und der Frankreich alle eroberten Gebiete im Elsass dauerhaft zusprach.

1697 schlug Prinz Eugen von Savoyen die osmanischen Türken bei Zenta nahezu vernichtend, sodass sich der osmanische Sultan Mustafa II. nun verhandlungsbereit zeigte. Nach zähen Verhandlungen schlossen das Römisch-Deutsche Reich und das Osmanische Reich 1699 den Frieden von Karlowitz, in dem vereinbart wurde, dass letzteres Türkisch-Ungarn wieder an das Haus Habsburg-Österreich abtreten musste und das dieses wieder die gesamte Gebietshoheit über Ungarn ausübte.

1701–1713 erfolgte der Spanische Erbfolgekrieg, der mit dem Frieden von Utrecht endete. Infolge dieses Friedens trat das Haus Habsburg-Burgund die südlichen Niederlande an das verwandte Haus Habsburg-Österreich ab, das diese 1714 als nunmehrige Österreichischen Niederlande seinem Gebietsstand eingliederte.

Das Reich bis zu seiner Auflösung

1713 stellte Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Preußen, seit 1701 auch König in Preußen, mit seinem reformierten stehenden Heer die erste europäische Berufsarmee auf, derweil 1714 Kaiser Karl VI. von Österreich von Spanien die südlichen Niederlande übernahm.
1714–1718 erfolgte zwischen dem Römisch-Deutschen Reich und den osmanischen Türken ein erneuter Krieg, der mit dem Frieden zu Passarowitz beendet wurde.

1720 trat Maria Theresia von Österreich ihre Regierung an und befand sich bereits 1740/42 und 1744/45 im Krieg mit Preußen, das seit 1740 unter der Herrschaft Friedrichs II. von Preußen (umgangssprachlich „der alte Fritz“) stand und von dem man angenommen hatte, dass dieser Maria Theresia von Österreich heiraten würde. Dieses hatte Erbschaftsansprüche auf die schlesischen Herzogtümer erhoben und marschierte in das damalige Österreichisch-Schlesien ein, womit es die Schlesischen Kriege auslöste. Im Frieden von Breslau wurde das Herzogtum Schlesien, bis auf einen kleinen zweigeteilten Rest, der bei Österreich verblieb, preußisch. 1780 verstarb die österreichische Regentin in Wien.

1733–1735 erfolgte der Polnische Thronfolgekrieg und 1744 erwarb Preußen die Grafschaft Ostfriesland. Der Preußenkönig Friedrich II. verstarb 1786 in seiner Residenzstadt Potsdam.
1735 wählten die Kurfürsten Franz I. von Habsburg-Lothringen-Toscana zum römisch-deutschen Kaiser, der 1756–1763 im Siebenjährigen Krieg involviert war und alle europäischen Großmächte einbezog.

1785 erfolgte die Gründung eines deutschen Fürstenbundes, der v. a. aus den Reichsständen gebildet wurde und der sich als Schutz-und-Trutz-Bündnis verstand. Doch bereits 1791 verschwand dieses Zweckbündnis infolge der Französischen Revolution.
1792 erschien der letzte römisch-deutsche Kaiser auf der politischen Weltbühne, als Franz II. von Habsburg-Lothringen den Thron bestieg und der sich gleich dem frz. Imperialismus ausgesetzt sah, welcher von Napoleon Bonaparte aggressiv vertreten wurde. Nachdem bereites 1772 die I. Teilung Polens erfolgt war, folgten 1772 und 1795 noch zwei weitere Teilungen des polnischen Staatsgebietes.

1795–1800 annektiert Frankreich alle linksrheinischen Gebiete des Römisch-Deutschen Reiches. Im Frieden von Lunéville (1801) erkannte das im Vertragswerk erstmals staatsrechtlich als deutsches Reich titulierte Römisch-Deutsche Reich alle Gebietsverluste an.
Um die deutschen Gebietsverluste zu komprimieren und die bisherige deutsche Kleinstaaterei zu beenden, fand 1803 der sog. Reichsdeputationshauptschluss statt. Dieser löste v. a. die geistlichen Gebiete und Reichsstädte, die ihre Reichsunmittelbarkeit verloren, sowie zahlreiche Kleinstaaten auf. Der Hauptausschuss gliederte das, noch unter römisch-deutscher Gebietshoheit stehende, Reichsgebiete in zwei Großmächte und zahlreichen Mittelstaaten.

In zahlreichen Grenzkriegen mit dem Römisch-Deutschen Reich erweiterte Frankreich sein Territorium immer mehr, nachdem sich Napoleon Bonaparte 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen gekrönt hatte. Dieser sah sich berufen, die Nachfolge Karls des Großen anzutreten und Europa unter seiner Führung zu vereinen. Infolge dessen übertrug Franz II. von Habsburg-Lothringen unter Verfassungsbruch die römisch-deutsche Kaiserwürde auf die habsburgischen Länder, erklärte diese zum Kaisertum Österreich und sich, als nunmehriger Franz I. von Österreich, zum Kaiser von Österreich.
Napoleon Bonaparte gelang es 1806, sechzehn Reichsfürsten als Protektorate zu gewinnen, die sich im Deutschen Rheinbund zusammenschlossen und ihren Austritt aus dem Römisch-Deutschen Reich erklärten. Der Franzosenkaiser stellte darauf hin Franz II. ein Ultimatum, in dem ihm dieser die Krone des Römisch-Deutschen Reiches auszuhändigen habe.

Am 8. Aug. 1806 löste der römisch-deutsche Kaiser wider Erwarten das Römisch-Deutsche Reich de facto auf, indem er alle Reichsstände und -fürsten von ihren Pflichten ihm gegenüber entband und deren verfassungsrechtliche Bindung an seine Person als erloschen bezeichnete:

„Wir erklären demnach durch Gegenwärtiges, daß Wir das Band, welches Uns bis jetzt an den Staatskörper des Reiches gebunden hat, als gelöst ansehen, daß Wir das reichsoberhauptliche Amt und Würde durch die Vereinigung der konföderirten rheinischen Stände als erloschen und Uns dadurch von allen überkommenen Pflichten gegen das Deutsche Reich losgezählet betrachten und die von desselben bis jetzt getragene Kaiserkrone und geführte kaiserliche Regierung, wie hiermit geschieht, niederlegen.
Wir entbinden zugleich Churfürsten, Fürsten, Stände und alle Reichsangehörigen, insbesonderheit auch die Mitglieder der höchsten Reichsgerichte und die übrige Reichsdienerschaft, von ihren Pflichten, womit sie an Uns, als das gesetzliche Oberhaupt des Reiches durch die Constitution gebunden waren.“

Kaiser Franz der Zweite am 8. August 1806; zitiert nach: Dieter Blumenwitz: „Denke ich an Deutschland“, Textband, S. 41

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Nach der Pest.
  2. Auf dialektaler Basis.
  3. Einschließlich Altniederländisch und Altfriesisch.
  4. Später wurden für 1 Reichstaler 90 Kreuzer angesetzt. Daneben noch regionale Währungen wie Gulden, Krone, Heller oder Pfennig.
  5. 5,0 5,1 Dieter Blumenwitz: Denke ich an Deutschland, Textband, S. 28
  6. Karlheinz Weissmann: Die Zeichen des Reiches, S. 25.
  7. Unter der Sammelbezeichnung Deutsche ist hier die germanisch sprachige Bevölkerung des deutschen Königreiches zu verstehen, zu der — neben den eigentlichen Deutschen — auch Niederländer, Friesen und Flamen zählten.
  8. www.heiliges-römisches-reich.de: Daten Heiliges Römisches Reich, abgerufen am 15. April 2017
  9. Joa Bleau: Germania, Atlas Maior. Teutschland, Österreich, Schweiz, Tabelle der Längenmaße, S. 235
  10. Jürgen Mirow: Geschichte des Deutschen Volkes, S. 39
  11. Jürgen Mirow: Geschichte des Deutschen Volkes, S. 38
  12. Paul Herre: Deutschland und die europäische Ordnung, S. 18
  13. Peter Bollmann, Ulrich March, Traute Petersen: Kleine Geschichte der Deutschen, S. 15
  14. Peter Bollmann, Ulrich March, Traute Petersen: Kleine Geschichte der Deutschen, S. 11.
  15. 15,0 15,1 Peter Bollmann, Ulrich March, Traute Petersen: Kleine Geschichte der Deutschen, S. 19
  16. Hansferdinand Döbler: Die Germanen. Geschichte und Kultur von A–Z, Artikel „Königtum“, S. 183
  17. Das Königreich Böhmen wurde zwar Jahrhunderte hindurch von deutschen Fürsten regiert, die jedoch mit ihrer Wahl zum böhmischen König, aus ihrem autochthonen Volkstum entlassen und in das tschechische überführt wurden. Viele dieser Fürsten waren des Tschechischen nicht mächtig, da der Adel, die Kirche und das Bürgertum überwiegend deutschsprachig war.
  18. Bis ins 12. Jh. galt Dänemark als solches als römisch-deutsches Vasallenkönigtum, da der jeweilige dänische König auch dem Römisch-Deutschen Kaiser den Lehnseid schwor, womit Dänemark Reichslehen wurde. Waldemar der Große schwor 1162 als letzter dänischer König dem Reich den Lehnseid, dessen Sohn Knud IV 1182 nicht mehr. Er verweigerte dem Römisch-Deutschen Kaiser alle bisherigen Verpflichtungen und erhob nun seinerseits die Hoheitsgewalt über alle eroberten Reichsterritorien einschließlich Holstein, die er dort auch aktiv ausübte. (nach Reimer Hansen: Deutschlands Nordgrenze, in: „Deutschlands Grenzen in der Geschichte“, S. 94)
  19. Reimer Hansen: Deutschlands Nordgrenze, in: „Deutschlands Grenzen in der Geschichte“, S. 114
  20. Auch nach 1806, dem Jahr der Auflösung des Römisch-Deutschen Reiches, herrschte nördlich dieser Demarkationslinie jütisches und südlich davon herrschende Holstenrecht war niederdeutsches Gewohnheitsrecht.
  21. 21,0 21,1 Siehe hierzu auch die Darstellungskarte „Reichskreise 1500/1512–1806“ in: Perthes Atlas Geschichte, Kapitel „Fürstliche Kontrolle gegen kaiserlichen Zentralismus — Das Heilige Römische Reich zur Zeit Kaiser Karls V. (1519–1556)“, S. 153
  22. 22,0 22,1 Reformation und katholische Erneuerung in Mitteleuropa, Darstellungskarten „Reformation bis 1547“ und „Katholische Erneuerung bis 1648“, in: Putzger Historischer Weltatlas", 101. Auflage, 2. Druck 1991, S. 73
  23. Tilly wird nach heutigen nationalen Maßstäben als Niederländer bezeichnet, da er 1559 in Brabant geboren wurde, das damals eines der deutschen Reichsländer bildete. Er gilt neben Wallenstein als bedeutendster Feldherr des 30-jährigen Krieges, der auf der Seite der Katholiken (und damit des römisch-deutschen Kaisers) kämpfte.
  24. Heinz Duchhardt (Hrsg.): In Europas Mitte, S. 12
  25. www.heimatundwelt.de: Kartenübersicht „Bevölkerungsverluste im Dreißigjährigem Krieg“, abgerufen am 12. Dez. 2014
  26. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Kleiner Atlas zur deutschen Territorialgeschichte, S. 91
  27. 27,0 27,1 27,2 27,3 27,4 Dieter Blumenwitz: Denk ich an Deutschland, Textband, S. 36
  28. Dieter Blumenwitz: Denke ich an Deutschland, Textband, S. 38
  29. Dieter Blumenwitz: Denke ich an Deutschland, Textband, S. 40


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