Reichsdeutsch


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Reichsdeutsch (Abk. Reichsdt., Reichsdtsch.), Substantiv, Neutrum. Seit 1384 Sammelbezeichnung des Gemeinen Deutsch, wie es von den kaiserlichen Kanzleien des Römisch-Deutschen Reiches gepflegt wurde.
Seit 1901 offiziell als sprachwissenschaftliche Bezeichnung jenes Standarddeutschen, das im Deutschen Reich verwendet wurde. Dieses war in der Umgangssprache stark dialektal gefärbt und wies starke norddeutsche Einflüsse auf, die sich auf die preußische Vorherrschaft im Reich zurückführen ließen. Beiwort ist reichsdeutsch.

Etymologie, Anwendung

Der Begriff „Reichsdeutsch“ ist eng mit der deutschen Sprachgeschichte und den oberdeutschen Kanzleisprachen verbunden. In der Reformationszeit als Pedant zum Lutherdeutschen verstanden, das als Sprache der Protestanten galt, derweil Reichsdeutsch die Sprache der Katholiken war.

Seit 1871 stellt Reichsdeutsch das Pendant zu Außendeutsch dar, das die deutschen Sprachvarianten in Luxemburg, Altbelgien, der Deutschschweiz und Liechtenstein sowie in Österreich-Ungarn zusammenfasste.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurde die Bezeichnung von Binnendeutsch abgelöst, was der Germanistik als neutraler Sammelbegriff empfunden wurde, da man das Reich als nicht mehr existent ansah.

reichsdeutsch

Das Adjektiv reichsdeutsch (Abk. reichsdt., reichsdtsch.) sollte zur Differenzierung zwischen Reichs- und Auslandsdeutschen dienen. Seit der Gründung des Deutschen Reiches wurde es vor allem mit der Bevölkerung, Sprache, Kultur, Politik und Staatsangehörigkeit des Deutschen Nationalstaates gleichgesetzt und 1949 durch bundesdeutsch ersetzt.

Siehe auch


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