Reichsdeutsche

Aus Deutsche Geschichte
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Verbreitung der Reichsdeutschen (   ) in Mitteleuropa (1937)


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Reichsdeutsche (Pl.); Reichsdeutscher (Sg.), Substantiv, feminin im Plural, maskulin im Singular. Amtlicher Eigenname der Inhaber der deutschen Reichsangehörigkeit und ab Febr. 1934 Sammelbegriff der deutschen Staatsangehörigen. Beiwort ist reichsdeutsch.

An seine Stelle trat 1949 der Begriff Bundesdeutsche.

Synonyme

Etymologie, Anwendung

Die Bezeichnung „Reichsdeutscher“ stellt seit der Gründung des Deutschen Reiches die Rechtsstellung der Deutschen innerhalb des Reiches dar. Er wurde eingeführt, um den verfassungsrechtlichen Begriff Deutscher von dem des ethnischen Deutschen unterscheiden zu können. Doch allgemeingültig setzte sich Reichsdeutscher nicht durch, er galt als verwaltungstechnischer Kunstbegriff.

Deutsche blieb weiterhin die Volksbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung im Reich und der politischen Elite in der österreichischen Reichshälfte. Politisiert und ideologisiert wurde das Ethnonym Deutsche in den späten 1870er Jahren, als in Österreich-Ungarn zum einen die Deutschnationale Bewegung in Österreich und zum anderen die Völkische Bewegung im Deutschen Reich entstand. Stand der Begriff Reichsdeutsche für alle Einwohner des Deutschen Reiches (einschließlich der Polen und Juden), so wurde vonseiten der Deutschnationalen und Völkischen der Begriff Deutsche idealisiert und mit der Rassenfrage verbunden: Deutscher war man nun nicht mehr aufgrund seiner ethnischen Identität, sondern allein aufgrund der sogenannten Deutschblütigkeit.

Reichsdeutsche erhielten die Reichsangehörigkeit und die Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaat in der Regel durch Geburt. Waren sie ehelich geboren, erhielten sie die Staatsangehörigkeit des Vaters, waren sie unehelich, erhielten sie die Staatsangehörigkeit der Mutter. Der Erwerb erfolgte also über das Abstammungsprinzip.

Deutsche, die sich vor 1914 länger als zehn Jahre im Ausland aufhielten, verloren beide jedoch, wenn sie diese nicht rechtzeitig in den Heimatgemeinden neu bestätigen ließen. Um den Verlust entgegenzuwirken, wurde das seit Sommer 1870 bestehende Bundes- und Staatsangehörigkeitsgesetz des Norddeutschen Bundes stetig reformiert und im Juli 1913 durch das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz ersetzt, welches Auslandsreichsdeutschen so lange deren Reichs- und Staatsangehörigkeit garantierte, bis diese sich durch Annahme einer anderen ausbürgern ließen oder aus sonstigen Gründen aus dem RuStAG entlassen wurden.

Nach dem verlorenen I. Weltkrieg wurde das Reich durch den Versailler Vertrag verpflichtet, die Alleinschuld am Ausbruch des Krieges auf sich zu nehmen. Auch musste es große Territorialverluste hinnehmen: So wurde bspw. das Saargebiet für 15 Jahre von diesem abgetrennt und politisch-wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen. Darüber hinaus verlor es Elsaß-Lothringen und große Teile der Provinzen Posen und Westpreußen sowie das östliche Oberschlesien.

Als der Führer der NSDAP, Adolf Hitler, am 30. Jan. 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, erließ dieser bis Ende 1933 zahlreiche Gleichschaltungsgesetze, die Staat, Gesellschaft und Partei nahezu identisch machen sollte. Infolge dieser Gleichschaltung schaffte Hitler per Führererlass in den Ländern die Position der Ministerpräsidenten ab und ersetzte diese durch die von ihm eingesetzten Reichsstatthalter der NSDAP und im Nov. 1933 erklärte das nationalsozialistische Deutsche Reich seinen Austritt aus dem Völkerbund.
Durch den Austritt aus dem Völkerbund wurde es Hitler ermöglicht, dass er am 30. Jan. 1934 die Länder de facto für aufgelöst erklärte, was eine Abschaffung der jeweiligen Staatsvölker entsprach, und infolgedessen am 5. Feb. die Staatsangehörigkeit in den Ländern abzuschaffen und eine einheitliche deutsche Staatsangehörigkeit einzuführen. Deutscher war nun, wer Inhaber der deutschen Staatsangehörigkeit war.

Nachdem sich die nationalsozialistische Gewaltherrschaft etabliert hatte, wurden vom Reich zahlreiche territoriale Erweiterungen vorgenommen: So kehrte am 1. März 1935 das Saargebiet nach einem erfolgreichen Referendum in das Reich zurück, und da die Saarländer nie ihre Rechtsstellung als Reichsdeutsche verloren hatten, erhielten sie automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.
Im März und Okt. 1938 erfolgten die Anschlüsse Österreichs und des Sudetenlandes, infolge dessen per Verwaltungsakt auch dort die einheitliche deutsche Staatsangehörigkeit auf die Österreicher und Sudetendeutschen übertragen wurde.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht galt der II. Weltkrieg de facto als beendet. Das Reich wurde durch die alliierte Debellation bewusst in die völker- und staatsrechtliche Handlungsunfähigkeit gesetzt, anschließend okkupiert und Besatzungszonen aufgeteilt.
Der Gebiets- und Personenstand des Reiches wurde von den Alliierten auf die politischen Grenzen vom 31. Dez. 1937 festgemacht. Infolge der deutschen Teilung und der deutschen Frage galt der Status des Reiches als umstritten, vielfach wurde es als erloschen angesehen, sodass die Begriffe reichsdeutsch und Reichsdeutsche zugunsten von deutsch und Deutsche aufgegeben wurden.

Nach der Etablierung beider Teilstaaten wurden die Begriffe Reichsdeutsche und reichsdeutsch durch Deutsche und deutsch bzw. nach 1967 durch Bundesdeutsche und bundesdeutsch (BR Dtschld.) sowie durch DDR-Deutsche/DDR-Bürger und DDR-deutsch (DDR) abgelöst.

Siehe auch


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