Reichsitalien

Aus Deutsche Geschichte
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Königreich Italien
Reichsitalien
Gründungsdatum 951
Hauptstadt Rom
Staatsform Königreich
Gliederung 44 Reichslehen
Staatsoberhaupt jeweiliger römisch-deutscher Kaiser
Regierungschef Italienischer König (In Personalunion mit dem jeweiligen deutschen König)
Amtssprache(n) Lateinisch
Weitere Sprachen italienische Dialekte
Weitere Informationen
Aufgelöst seit

1648

Eingegliedert am

1861

Eingegliedert von

Königreich Italien

Reichsitalien (lat. regnum Italiae), Name eines zwischen 951 und 1648 dem Heiligen Römischen Reich angehörenden Territoriums. Dieses Reichsgebiet war auch unter dem Namen Königreich Italien bekannt.

Definition

Prolog

Karl der Große unterwarf 768 das norditalienische Königreich der Langobarden und vereinigte dieses mit seinem Fränkischen Reich. Nach dessen Tode (814) zerfiel das Frankenreich in drei Teile, welches von einem seiner Enkel regiert wurde:

  1. Westfranken (Frankreich) fiel an Karl den Kahlen,
  2. Ostfranken (Deutschland) an Ludwig den Deutschen und
  3. Italien mit dem sogenannten „Mittelreich“ (Lotharingen) an den römischen Kaiser Lothar.

In der Folgezeit wurden zwischen ihnen Grenzverträge abgeschlossen, die letztendlich die Auflösung des Mittelreiches und die Anbindung Italiens an Deutschland hatte. Diese Verträge waren:

  1. Vertrag von Verdun (843),
  2. Vertrag von Meerssen (870) und
  3. Vertrag von Ribemont (880)

Angliederung Reichsitaliens an das Königreich Deutschland

Otto der Große konnte 951/62 das Königreich Italien für sich gewinnen und dieses als „Reichsitalien“ an das Königreich Deutschland binden, indem er über Personalunion über beide Landesteile regierte. Reichsitalien bildete zusammen mit Deutschland und dem Königreich Burgund das Ostfränkische Reich und bildete eine Basis des späteren Heiligen Römischen Reiches. Im 13. und 14. Jahrhundert konnten die Königreiche Neapel und Sizilien erworben und eingegliedert werden. Damit gehörte nun auch Süditalien zum Reich. Die päpstlichen Gebiete Mittelitaliens, der „Kirchenstaat“, gehörten völkerrechtlich nicht zum Gebiete Reichsitaliens.

Zerfall Reichsitaliens

War Reichsitalien bis ins hohe Mittelalter ein in sich geschlossenes Königreich, so zerfiel es nun in 13 lombardische Reichslehen, 10 toscanische Reichslehen und in 11 tirnsanische Reichslehen, nachdem die Herrschaft der Staufer im 13. Jahrhundert untergegangen war. Diese zerfielen ihrerseits wieder in zehn Herzogtümer und über 250 kleinere Lehen. Als „Reichsstände“ Italiens galten die Fürstentümer Farrara, Castiflione, Comacchio, Corregio und Finale, die Herzogtümer Florenz (Toscana), Genua, Guastalla, Lucca, Mailand (Modena-Reggio), Mantua, Massa, Mirandola, Modena, Monaco, Monteferrat, Neapel, Novellara, Parma, Piacenza, Savoyen (Savoyen-Piemont), Sizilien, Soramo, Spinola, Toscana und Venedig.

Einige dieser rschaftsgebiete erkannten ihre Reichszugehörigkeit nicht an, zahlten aber regelmäßig Reichssteuern. So beispielsweise Genua und Lucca. Venedig trat schließlich völkerrechtlich aus dem Reichsverband aus und expandierte seinerseits in Reichsitalien.

Entlassung aus dem Reichsverband

Nach dem Niedergang der Staufer-Dynastie stand Reichsitalien für die nächsten drei Jahrhunderte im Zeichen autonomer Mittelstaaten. Im 15. Jahrhundert erkannte das Heilige Römische Reich an, dass seine Herrschaft im einstigen Reichsitalien erloschen war, und nannte sich nun in Heiliges Römisches Reich deutscher Nation um, was dieser Tatsache entsprach. Italien wurde nun durch Fürsten oder quasifürstlichen Strukturen regiert, manche Gebiete nahmen die Staatsform der Republik an. Mit dem Einverständnis des Römischen Kaisers, dass Reichsitalien nunmehr nicht zu dessen Staatsgebiet gehörte, begannen 1494 Streitigkeiten zwischen Frankreich und dem habsburgischen Spanien, in denen Letzteres siegreich blieb. Nach dem 30-jährigen Kriege wurde 1648 vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die völkerrechtliche Unabhängigkeit Reichsitaliens anerkannt und seine Südgrenze auf die habsburgischen Gebiete Österreichs festgelegt.

Aufteilung Reichsitaliens

Nach dem Aussterben der spanischen Seitenlinie der Habsburger (1700) wurde das ehemalige Reichsitalien zwischen der spanischen Linie der Bourbonen und der deutschen Linie der Habsburger aufgeteilt: Die mit dem französischen Königshaus verwandten Bourbonen erhielten Neapel und Sizilien, Österreich mit Mailand den Norden des Landes. Letzteres konnte 1797 auch Venetien erwerben.

Mit dem Aussterben einheimischer Dynastien erwarb Österreich die Toscana und Mantua, Frankreich konnte seine Ansprüche auf Parma-Piacenza durchsetzen. 1713 konnte sich der Herzog von Savoyen-Piemont den sizilianischen Königstitel sichern, den er 1720 mit dem des Königreiches Sardinien tauschte.

Ab 1796 fiel das einstige Reichsitalien unter den politischen Einfluss des republikanischen Frankreichs. So wurden auch dort verschiedene Republiken gegründet, die teilweise mit Frankreich vereinigt wurden. Teilweise wurden auch Satellitenstaaten in Form von Königreichen gegründet, deren Throne mit Verwandten Napoleon Bonapartes besetzt wurden.

Das napoleonische Königreich Italien

1805 etablierte der französische Kaiser Napoleon Bonaparte das Königreich Italien, auf dessen Thron er sich selbst erhob. Es löste die seit 1797 bestehende Cisalpinische Republik ab. Nach den europäischen Befreiungskriegen (1813–1815) wurde das Königreich wieder aufgelöst. Doch die Frage nach einem einheitlichen Nationalstaat (→ italienische Frage) hatte in der Bevölkerung begonnen.

Das ehemalige Reichsitalien im 19. Jahrhundert

1815 erhielt Österreich im Zuge des Wiener Kongresses Lombardo-Venetien, die Toscana und Modena. 1859 kam es zum italienisch-französischen Krieg gegen das österreichische Haus Habsburg, dass nun die Lombardei an Piemont-Savoyen abtreten musste. 1860 wurden auch die Lombardei, Modena, Parma und die Romagna an Piemont angeschlossen. Dieses musste im Gegenzug Savoyen an Frankreich abtreten. 1866 konnte von Viktor Emanuel Venetien erworben werden, nachdem er zuvor die Bourbonen aus Neapel-Sizilien vertreiben und die Marken wie Umbrien erwerben konnte.

Errichtung des italienischen Nationalstaates

Nachdem Viktor Emanuel bis 1861 den überwiegenden Teil des einstigen Reichsitaliens erworben hatte, rief er sich unter dem Namen Viktor Emanuel der Zweite zum italienischen König aus. Nach dem Erwerb Venetiens (1866) konnte er auch zwischen 1860 und 1870 die Gebiete des ehemaligen Kirchenstaates in seinen Staat eingliedern. Der Staat San Marino unterstand seiner Oberhoheit und dem Papst wurde mit dem Vatikanstaat ein kleiner Rest seines einstigen Herrschaftsraumes überlassen.

Siehe auch

Literatur


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