Schutzstaffel der NSDAP

Aus Deutsche Geschichte
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Schutzstaffel der NSDAP
Einheitsfahne Hausfahne der SS.png
Einheitsemblem SS-Zivilabzeichen.png
Motto Meine Ehre heißt Treue
Gründungsdatum 1. April 1925
Standort Reichsführer-SS
Prinz Albrechtstr. 8
Berlin SW 11
Telefonnummer Berlin 120040
Gliederung 12 Hauptämter
23 Oberabschnitte
45 Abschnitte
127 SS-Fußstandarten
22 Reiterstandarten
17 Nachrichtensturmbanne
16 Pioniersturmbanne
Röntgensturmbann
18 Kraftfahrstürme
diverse Sanitätsstürme
38 Frontdivisionen (Waffen-SS)
Kommandeur(e) Joseph Berchtold (1926–1929)
Heinrich Himmler (1929–1945)
Karl Hanke (1945)
Truppenstärke 1 790 000 (Gesamt-SS)
Kommandosprache Deutsch
Nationalitäten Deutsche
Flamen
Niederländer
Weitere Informationen
Erster Kommandeur Julius Schreck (1925–1926)
Rechtsnachfolger von

Stoßtrupp „Adolf Hitler“

Schutzstaffel der NSDAP (Schutzstaffel), ursprünglich Bezeichnung der einstigen Leibwache des nationalsozialistischen Diktators Adolf Hitler. Ihr Kürzel (SS) ward seit 1932 durchweg mit zweifacher Sigrune (ᛋᛋ) geschrieben und Ausdruck der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Ab 1929 wurde sie zur einflussreichsten NS-Kampforganisation, die ab 1933 das Reich im Namen Hitlers terrorisierte. Seit dem Herbst 1934 in mehrere Teile gesplittet, wurde der Name „Schutzstaffel“ ab 1940 zu einem reinen Oberbegriff für zahlreiche unabhängiger Organisationen, die ihre Wurzeln in der SS hatten[1].

Vorgeschichte

Die Frühgeschichte der paramilitärischen SS reicht bis 1921 zurück, als sich Hitler aus ausgewählten Angehörigen der SA einen persönlichen „Saal-Schutz“ (S. S.) zulegte.

Aus diesem ging in der Folgezeit über die SA-Stabswache „München“ der Stoßtrupp „Adolf Hitler“ hervor. Nach dem missglückten Hitlerputsch (8./9. November 1923) wurden infolgedessen die NSDAP und die SA sowie der Stoßtrupp verboten.

Gründung der SS, Gliederung als Zehnerstaffeln

Am 26. Februar 1925 ward die NSDAP wieder als politische Partei zugelassen und Adolf Hitler rief auch zur Neuaufstellung der paramilitärische Sturmabteilung auf[2].

Als jedoch am 1. Mai 1925 Ernst Röhm wegen seiner Differenzen mit Hitler der NSDAP und der SA den Rücken kehrte, um als Militärberater nach Südamerika zugehen, beauftragte Hitler als Führer der NSDAP am 1. April seinen Chauffeur Julius Schreck, aus auserwählten Leuten eine persönliche Leibwache aufzustellen[2]: Bereits am 8. April 1925 traten die ersten acht Mann[3] der neuen „Stabswache“ auf einer Beerdigung in Erscheinung. Diese hatte hatte Schreck hauptsächlich an den Stammtischen des „Torbräus“ am Isator angeworben, wo auch Hitlers Stabswache und der Stoßtrupp „Hitler“ seinen Ursprung hatte[3]. So waren die ersten SS-Männer waren Angehörige des 1921 aufgestellten Stoßtrupp „Hitler“ gewesen[3]. Anfänglich trug diese Einheit erneut den Namen „Schutzkommando“ und über mehrere Namenswechsel wie „Sturm-Staffel“ wurde schließlich der Name Schutzstaffel eingeführt[4][5]. Die SS sollte eine auserwählte Elitetruppe der Partei und ihre Hauptaufgabe der Schutz Adolf Hitlers und der obersten Parteiführung sein.

Im September 1925 erließ Julius Schreck einen Befehl, der zur Gründung einer „Schutzstaffel“ in jedem NSDAP-Gau aufrief, die ihm, Schreck, als „Oberleiter“ zu unterstellen waren. Diese Schutzstaffeln sollten laut Schreck aus zehn auserwählten Angehörigen plus einem „Staffelführer“ bestehen[6]. Allein für die Reichshauptstadt Berlin legte Schreck fest, dass dort zwei Zehnerstaffeln unter der Führung zweier Staffelführer aufgestellt werde[7]. Schon Weihnachten 1925 stellte Schreck befriedigt fest, dass die SS ein einheitliches Schutzorgan der Partei sei, die schon fast über 1000 Mann verfüge[8]. Die Zahl der echten SS-Männer sank laut dem Historiker Heinz Höhne schnell wieder auf 200 herab[8]. Auch Bastian Hein stellte in seinem Werke „Elite für Volk und Führer fest“, dass viele der dortigen Männer gar nicht die Berechtigung besassen, in der SS Dienst zu tun. Sie hätten sich einfach eine SS-Uniform besorgt und der Schutzstaffel angeschlossen.

Doch wie schwach Schrecks Stellung in der NSDAP war, zeigte die Tatsache auf, dass im Winter 1925/26 in München-Schwabing eine sogenannte „Schutzabteilung“ unter der Führung des SA-Mannes Josef Lidl bildete. Nachdem Schreck erfolglos bei Hitler gegen diese Aufstellung interveniert hatte und ihm der westfälische SA-Führer Victor Lutze die Gründung einer lokalen SS verwehrt hatte, ward Schreck im April 1926 das Kommando über die Schutzstaffel entzogen[9].

Unterstellungsverhältnis der Schutzstaffel zur SA

Nachdem Schreck seines Postens enthoben war, berief Adolf Hitler mit Joseph Berchtold einen weiteren Veteranen des einstigen Stoßtrupp „Hitler“ zum Kommandeur der Schutzstaffel. Berchtold begann, die SS durch eine aggressive Expansionspolitik massiv auszubauen, indem er beispielsweise im Völkischen Beobachter für einen Beitritt Interessierter inserierte[9].

Bis zum Reichsparteitag der NSDAP hatte Berthold etwa 75 regionale 10er-Staffeln aufgestellt, die einen Mannschaftsbestand von etwa 1000 Mann aufwiesen[9].

3./4. Juli 1926 fand in Weimar der Reichsparteitag der NSDAP statt, auf dem den Zehnerstaffeln offiziell der Name „Schutzstaffel“ verliehen wurde. Hitler verlieh ihr dort am 4. Juli[10], zum zum Ausdruck ihres „Elitestatus“ die „Blutfahne“ der Bewegung, die zuvor der Münchner SA-Leibstandarte „Adolf Hitler“ verwaltet wurde. Um die größere SA nicht all zu sehr zu verärgern, verfügte Hitler im September 1926, dass SS der neugeschaffenen Dienststelle des „Obersten SA-Führers“ mit Sitz in München unterstellt wurde. Das war eine Hauptforderung des ehemaligen Freikorpsführers Franz von Pfeffer, der mit diesem Posten beliehen ward. Gleichzeitig wurde diesem auch die Hitlerjugend unterstellt, sodass dem OSAF nun alle „NS-Kampfverbände“ unterstanden[11].

Am 1. November 1926 erfolgte von Pfeffers SA-Befehl Nr. 4, indem er die grundsätzliche Rolle der SS innerhalb der SA festlegte. Sie sei, so der OSAF, eine selbständige Organisation neben der Sturmabteilung[11]. Die bestehende Organisationsstruktur der SS ward von ihm verbindlich auf die Zehnerstaffeln und der SS-Oberleitung festgelegt[11].

Forderungen der SA, die SS aufzulösen

Schrecks Nachfolger Joseph Berchtold war mit der Rolle der SS, nun eine Teilorganisation der SA zu sein, unzufrieden. Er durfte sich zwar nun „Reichsführer-SS“ nennen und ward in seiner Eigenschaft eines Reichsstaffelführers Angehöriger im Stab des OSAF, doch waren die Aufgaben der SS von Pfeffer mehr als schwammig formuliert wurden. So mussten sich SS-Staffeln bei einem Einsatz einem SA-Führer unterstellen, der dann frei über sie verfügen konnte. So trat Berchtold im März 1927 als Reichsführer zurück und sein Stellvertreter Erhard Heiden übernahm diesen Posten. Unter Heiden stagnierte der Mitgliederbestand der SS; ja, er wurde sogar rückläufig[12]. So wurden bereits im August 1927, während des Reichsparteitages in Nürnberg, Forderungen laut, die SS als überflüssige Nebenorganisation der SA aufzulösen. Selbst der Reichsorganisationsleiter der NSDAP Gregor Strasser schien offenbar mit diesem Gedanken gespielt zu haben. Doch da die SS zu dieser Zeit noch keine reale Gefahr für die SA darstellte, wurde dieser Gedanke wieder verworfen[12]. Bereits Ende Januar 1929 trat Heiden als Reichsführer der SS zurück und bat wenig später um Streichung aus allen SS-Mitgliedslisten.

Heinrich Himmler als Kommandeur der SS, Einführung der ersten „rassischen“ Aufnahmekriterien

Nachdem die SS mehrere Kommandeure hatte, von denen die Mehrheit alte Freikorpsführer gewesen waren, wurde am 6. Januar 1929 der damalige SA-Oberführer Heinrich Himmler als Reichsführer-SS eingesetzt. Dieser war bestrebt, sich von der SA-Oberherrschaft zu lösen und die SS als eigene NS-Organisation zu etablieren.

So begann Himmler zielstrebig die SS, die Anfang 1929 nur aus 280 aktiven SS-Mitgliedern bestand, massiv auszubauen. Durch den Einfluss der „nordischen Bewegung“ auf Himmler, musste seit 1929 jeder zukünftige SS-Mann und SS-Unterführer bis Jahr 1800 einen kleinen Ariernachweis aufweisen können. SS-Führer benötigten einen großen, der bis 1750 zurückreichte. Diese Abstammungsnachweise sollten sicherstellen, dass unter den Angehörigen und Vorfahren der SS-Mitglieder keine unter anderem keine Juden waren.

1931 gab Himmler eine Verfügung heraus, dass SS-Männer für ihre Heirat nun eine Heiratsgenehmigung beantragen mussten und das ihre zukünftigen Ehefrauen durch das neu geschaffene SS-Rasseamt streng überprüft werden sollten. Dadurch solle sichergestellt werden, dass die SS  m Sinne der Rassenkunde eine „rassische männliche Auslese“ verbunden durch die „erbgesunde deutsche Sippe nordisch-bestimmter Art“ darstelle. Eine Nichtbeachtung dieser Vorschriften hatte den Ausschluss des Betreffenden aus der SS und weitere Repressalien zur Folge.

Aufgaben, Expansion, Bildung bewaffneter Sonderverbände

Unter Heinrich Himmler expandierte die SS: So konnte bereits Ende des Jahres 1929 das tausendste Mitglied verzeichnet werden. Ende 1932 hatte die SS bereits 52 000 und Ende des Jahres 1933 rund 204 000 Angehörige.

Die Parteiorganisation galt seit einem Führerbefehl Adolf Hitlers vom 7. November 1930 als interne Parteipolizei, deren Aufgabe nun offiziell die „(…) Ausübung des Polizeidienstes innerhalb der Partei“ war. Im Gegensatz zur konkurrierenden SA waren die Mitglieder der SS Hitler absolut ergeben. Die SS begann 1931 mit dem „Id-Dienst“ einen parteieigenen Nachrichtendienst aufzustellen, aus diesem ging etwas später der Sicherheitsdienst des Reichsführer-SS hervor. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung (30. Januar 1933) wurden in Preußen neben der SA auch rund 15 000 SS-Männer bewaffnet. Diese wurden dort als Hilfspolizisten und im übrigen Reichsgebiet wurden SS-Angehörige als SS-Sonderkommandos eingesetzt. Die SS errichtete private Gefängnisse, die zu den Vorläufern der späteren Konzentrationslager wurden.

Am 17. März 1933 ward aus Freiwilligen der SS bewaffnete Verbände aufgestellt, die kaserniert und für Sonderaufgaben gedacht waren. Diese SS-Stabswachen hatten zuerst den Schutz der Parteiobrigkeit zur Aufgabe. Die erste dieser Art war die SS-Stabswache „Berlin“, die später zur SS-Standarte 1 „Adolf Hitler“ ausgebaut wurde. In anderen Gebieten wurden diverse SS-Sonderkommandos aufgestellt, die 1935 über die Politischen Bereitschaften zu besonderen eigenständigen SS-Standarten zusammengefasst wurden.

Als weitere kasernierte Sonderverbände wurden auch die SS-Wachverbände aufgestellt, die ihren Mitgliederbestand auch aus Freiwilligen der SS ableiten konnten. Während die Politischen Bereitschaften dem militärisch-orientierten Zweck dienten, aus der SS eine auf Adolf Hitler vereidigte Armee neben der Reichswehr zu machen, hatte die Lager-SS einen polizeiähnlichen Charakter. So wurde am 22. März 1933 in Dachau bei München das erste offizielle KZ errichtet, das von der SS Eigenbetrieben und zum „Musterlager“ sowie Vorbild aller anderen Konzentrationslager erhoben wurde. Bis zum Sommer 1934 galten alle Teile noch Teil einer Einheit, der Schutzstaffel. Doch dieses sollte sich ab August 1934 ändern.

Eigenständige NS-Organisation, Splittung in Teilorganisationen

Nach dem „Röhmputsch“ (1934) wurde die SS am 20. Juli 1934 de jure aus der SA-Vormundschaft entlassen, nachdem Teile von ihr sich aktiv an der Ermordung der SA-Führungsspitze beteiligten. Diese SS-Teile waren der damalige SS-Sturmbann „Dachau“ unter Theodor Eicke und die 1. und 2. Schützenkompanie der Leibstandarte-SS „Adolf Hitler“.

Am 23. August 1934 wurde die interne SA-Dienststellung „Reichsführer-SS“, die in wesentlicher Funktion als „Stabsführer SS“ innerhalb der Reichsführung SA galt, als offizieller SS-Dienstgrad eingeführt und de facto am gleichen Tage die Allgemeine SS aus dem Zuständigkeitsbereich der SA entlassen. Heinrich Himmler war nun in der Funktion eines Reichsleiters SS nunmehr Adolf Hitler allein verantwortlich und diesem direkt unterstellt.

Himmler begann, die SS gezielt als oberste Terrororganisation des NS-Regimes zu etablieren. Mit der Ernennung zum Reichsleiter hatte Heinrich Himmler nun von Hitler offiziell den Auftrag erhalten, aus der SS eine Elitetruppe des Reiches zu machen. Die SS sollte nun eine Gruppierung werden, die Hitlers Befehlen absolut Folge zu leisten hatte. Himmler selbst forderte die SS auf, dass diese Parteiorganisation als NSDAP-Elite ein „nationalsozialistischer soldatischer Orden nordisch bestimmter Männer“ sein sollte, der „bedingungslos jeden Befehl befolgt, der vom Führer kommt.“

Aufstellung SS-Verfügungstruppe und der SS-Wachverbände, Einbindung der deutschen Polizei in die SS

Seit Frühjahr 1933 war Himmler die bayrische politische Polizei unterstellt und er eröffnete in der Nähe der Stadt Dachau das erste von der SS betriebene Konzentrationslager. Die dortige Wachmannschaft wurde von der Landespolizei bewaffnet und der politischen Polizei unterstellt. Doch war diese Bewaffnung illegal, da für diese keinerlei Rechtsgrundlagen bestanden.

Im Zuge des „Röhmputsches“ gestattete Adolf Hitler noch am 24. September 1934 dem SS-Reichsführer offiziell die Aufstellung kasernierter Verbände. Diese sollten unter der Bezeichnung SS-Verfügungstruppe aus den bisherigen Politischen Bereitschaften der SS und der SS-Leibstandarte gebildet werden. Als weitere bewaffnete SS-Formation wurden auch die SS-Wachverbände der Konzentrationslager anerkannt. Diese sollten im Kriegsfall als Verstärkung der SS-Verfügungstruppe dienen. Alle SS-Angehörigen waren persönlich aufHitler vereidigt. Um einen Konflikt mit der Reichswehrführung zu vermeiden, wurden die bewaffneten SS-Verbände durch den Polizeietat finanziert und dadurch de jure von der Allgemeinen SS getrennt.

Seit Winter 1933/34 waren Heinrich Himmler alle politische Polizeien des Reiches unterstellt. Diese wurden von Himmlers Stellvertreter Reinhard Heydrich, dem Chef des SS-Sicherheitsdienstes, zentral gelenkt. Der SS-Sicherheitsdienst war auch in die Geheime Staatspolizei eingebunden.

Im Jahre 1936 ward Himmler nun von Adolf Hitler der gesamte deutsche Polizeiapparat unterstellt.´und damit trug der SS-Chef den offiziellen Titel Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern. Damit war die Polizei als staatliches Organ als „Deutsche Polizei“ juristisch in die SS aufgegangen und Himmler kontrollierte die deutsche Bevölkerung. Die Himmler-Organisation wurde nun zielstrebig zum obersten und einflussreichsten Unterdrückungsapparat des Reiches ausgebaut. Polizeioffiziere wurden verstärkt gedrängt, der Allgemeinen SS beizutreten. Dort erhielten sie über einer „Dienstgrads-Angleichung“ einem ihren Polizeidienstgrad entsprechenden SS-Rang verliehen.

Seit dem 7. Oktober 1939 war SS-Reichsführer Heinrich Himmler durch einen Führererlass mit der Rückführung der zahlreich im Ausland lebenden Reichs- und Volksdeutschen ins Reich zuständig.

SS-Hauptämter, SS als Erfüllungsgehilfin Hitlers bei der Vernichtung des europäischen Judentums

Die Himmler-Dienststelle „Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern“ wurde ab 1940 in verschiedene SS-Hauptämter aufgeteilt, deren Anzahl stetig ausgebaut wurde. 1943 bestanden dreizehn SS-Hauptämter und bei Kriegsende noch zwölf. Die Gesamtheit aller Hauptämter bildete nun die Reichsführung-SS.

Die Polizei wurde so zum einen in die Ordnungs- und zum anderen in die Sicherheitspolizei getrennt und war damit entsprechend den entsprechenden Hauptämtern (Hauptamt Ordnungspolizei, Hauptamt Sicherheitspolizei) unterstellt. Das Hauptamt der Sicherheitspolizei war seit dem 24. September 1939 mit der Gestapo und dem SS-Sicherheitsdienst eng verwoben und bildete das Reichssicherheitshauptamt. Vor allem dieses bildete das Rückgrat der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

So konnte das Reichssicherheitshauptamt jede Person, die in Verdacht stand, in Opposition mit den Machthabern zu stehen, in „Schutzhaft“ nehmen. Diese bestand aus der Einweisung in eines der bestehenden Konzentrationslager, ohne das zuvor ein Gerichtsverfahren stattgefunden bzw. eine richterliche Verfügung dafür bestand. Auch hatten „Schutzhaft-Befohlene“ keinerlei Berufungsmöglichkeit gegen diese Einweisung in ein KZ.

Nach dem Kriegsbeginn im September 1939 wurde das System der Konzentrationslager, welches nach der Ausschaltung der konkurrierenden SA nun ausschließlich der SS unterstand, massiv ausgebaut. Wurden in ihnen schon in der Vorkriegszeit zahlreiche Verbrechen begangen, so wurden die KZ nun systematisch in die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten eingebunden. Die KZ in der Zeit des zweiten Weltkrieges wurden zum Ausbau der SS-eigenen Wirtschaftsunternehmen eingesetzt. So waren ab 1940 alle bestehenden Konzentrationslager zu einem einheitlichen Wirtschaftsunternehmen zusammengefasst und unterstanden einem SS-Hauptamt, welches den Namen SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt trug.

Die Konzentrationslager waren in zwei Sparten eingeteilt. Zum einen gab es die klassischen KZ, die ihre Insassen zahlreichen Wirtschaftsunternehmen gegen eine „Verleihungs-Gebühr“ zur Zwangsarbeit ausliehen. Dort wurde die von den Nationalsozialisten geplante Ausrottung des europäischen Judentums (Endlösung der Judenfrage) und anderer „minderwertiger Rassen“ durch Vernichtung durch Arbeit vollzogen. In ihnen erfolgten Selektionen, das heißt, bei neu angekommenen Häftlingen wurde auf der Bahnrampe durch einen anwesenden SS-Arzt entschieden, ob ein Häftling „arbeitstauglich“ war oder nicht: Häftlinge, die für „nicht arbeitstauglich“ befunden wurden, wie beispielsweise Alte und Kranke wurden sofort nach der Selektion in die Gaskammer geführt und ermordet. Das betraf auch zahlreiche Mütter mit ihren Kindern, welche noch im Kleinkind-Alter waren. Daneben bestanden zahlreiche Vernichtungslager, die ähnlich wie die KZ aufgebaut waren und ebenfalls der SS unterstanden. Deren primäre Aufgabe war die schnellst mögliche Ermordung ihrer Insassen. Jedem Konzentrations- und Vernichtungslager unterstanden eine Anzahl Nebenlager, die offiziell als Arbeitslager tituliert wurden und in denen die gleichen tödlichen Bedingungen herrschten. So gab 1940/45 offiziell nur 20 Konzentrationslager, denen etwa 165 Arbeitslager angeschlossen waren.

Durch ihr System der Konzentrationslager war die SS ab 1939 das Hauptorgan des von der NS-Führung beschlossenen Völkermordes an den Juden und anderen als „minderwertig“ angesehenen „Ethnien“ und Minderheiten. Die ihr unterstehenden Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD folgten der Wehrmacht mordend durch Polen und die Sowjetunion.

Mitgliederstand gegen Kriegsende

Im Oktober 1944 zählte die Gesamt-SS rund 1,79 Millionen Angehörige, von denen etwa 840 000 als „SS-würdig“ galten. Die Waffen-SS umfasste im Dezember gleichen Jahres rund 950 000 Mann.

Auf die Allgemeine SS entfielen rund 430 000 , deren Angehörigen ihren Dienst unentgeltlich in ihrer Freizeit ableisteten und die für einen direkten Kriegsdienst zu alt waren oder die auf „unabkömmliche Posten“ in Verwaltung, der Polizei und der Feuerwehr saßen. Der Großteil von ihnen wurde Ende 1944 zum Volkssturm einberufen.

Zu diesen kamen noch einmal rund 400 000 Reichsdeutsche, die als Soldaten in der Waffen-SS dienten und de jure der Allgemeinen SS angehörten, da sie von Heinrich Himmler eine SS-Nummer verliehen bekommen hatten. Rund 10 000 SS-Führer waren von der Allgemeinen SS zu den SS-Hauptämtern abkommandiert, die dort der Waffen-SS unterstellt waren. In der Waffen-SS dienten außer den Reichsdeutschen auch rund 310 000 Volksdeutsche und rund 200 000 Freiwillige aus den europäischen Ländern und zum Teil aus dem Kaukasus, Russland und aus Zentralasien.

Über den Einsatz der SS-Mitglieder schrieb Heinz Höhne in seinem Werke Der Orden unter dem Totenkopf:

„Von den (800.000) eingeschriebenen Mitgliedern der SS im Jahr 1944 dienten 39 415 in den SS-Hauptämtern, 26 000 bei der sogenannten Polizeiverstärkung, 19 254 bei den Einheiten der Sicherheitspolizei und des SD im deutschbesetzten Ausland, weniger als 60 000 bei der Sicherheits- und Ordnungspolizei des Inlands sowie 2 000 bei den KZ-Wachmannschaften.“

Heinz Höhne: „Der Orden unter dem Totenkopf“, S. 11

Insgesamt seien, so Höhne weiter, nur etwa 15 Prozent aller SS-Mitglieder aktiv im NS-Regime eingebunden gewesen[13].

Verurteilung der SS als verbrecherische Organisation

Nach Kriegsende wurde die Gesamt-SS wie alle anderen NS-Organisationen verboten. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen (1946) wurde die Gesamt-SS einschließlich ihres Nachrichtendienstes und der bewaffneten Verbände zur verbrecherischen Organisation verurteilt. Die SS-Organisationen Reiter-SS und Lebensborn e. V. wurden vom Vorwurf verbrecherische Organisationen zu sein gerichtlich freigesprochen, obwohl Angehörige beider Organisationen in Verbrechen verstrickt gewesen waren[14].

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Die offizielle Abkürzung dieser NS-Organisation lautete „Schusta“, die jedoch schnell durch das griffigere „SS“ abgelöst wurde. Quelle: Robin Lumsden: The Allgemeine-SS, S. 14
  2. 2,0 2,1 Bastian Hein: Elite für Volk und Führer?, S. 40–41
  3. 3,0 3,1 3,2 Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 27
  4. Robin Lumpten: The Allgemeine-SS, S. 14
  5. Brian L. Davis, Ian Westwell: Deutsche Uniformen und Abzeichen 1933–1945, S. 66
  6. Bastian Hein: Elite für Volk und Führer?, S. 41
  7. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 28
  8. 8,0 8,1 Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 28
  9. 9,0 9,1 9,2 Bastian Hein: Elite für Volk und Führer?, S. 42
  10. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 29
  11. 11,0 11,1 11,2 Bastian Hein: Elite für Volk und Führer?, S. 43
  12. 12,0 12,1 Bastian Hein: Elite für Volk und Führer?, S. 43–44
  13. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 11
  14. Im Rahmen des RuSHA-Prozesses vom 1. Juli 1947 bis 10. März 1948


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