SS-Totenkopfverbände

Aus Deutsche Geschichte
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SS-Totenkopfverbände
SS-Totenkopf-Wachverbände
Hausfahne SS-Totenkopfverbände.png
Motto Meine Ehre heißt Treue
Gründungsdatum 1. April 1936[1]
Standort SS-Hauptamt
Inspektion der Konzentrationslager RFSS[2]
Führer der SS-Totenkopfverbände
Friedrichstraße 129, Block F
Berlin NW 7[3]
Telefonnummer Berlin 426123
Gliederung 13 SS-Totenkopfstandarten
Truppenstärke ca. 45 000 (1940)
Kommandosprache Deutsch
Nationalitäten Deutsche
Weitere Informationen
Militärischer Verband in der Schutzstaffel
Bekannte Angehörige Theodor Eicke
Michel Lippert
Leo von Jena
Cassius Freiherr von Montigny
Fritz Knöchlein
Richard Glücks
Aufgelöst seit

22. April 1940

Eingegliedert am

25. Februar 1941

Eingegliedert von

Waffen-SS

SS-Totenkopfverbände (SS-TV), seit dem 1. April 1936 amtliche Bezeichnung der von der Allgemeinen SS aufgestellten Wachverbände. Seit Herbst 1936 trugen ihre Angehörige einen Totenkopf über überkreuzten auf dem rechten Kragenspielgel und am linken Oberarm ein Ärmelband mit der Aufschrift „SS-Totenkopfverbände“. Die Begriffe SS-Totenkopf-Wachverbände, Totenkopfverbände und Totenkopf-SS werden synonym verwendet, wobei Letzterer umgangssprachlich war.

Nach dem Geheimerlass vom August 1938 hatten die Totenkopfverbände nun drei wesentliche Aufgaben:[4]

  1. den Betrieb und die Bewachung der Konzentrationslager,
  2. im Kriegsfalle als Reservebedarf Verfügungstruppe zu dienen und
  3. die regelmäßige militärische Schulung der Allgemeinen SS in einem der drei bestehenden SS-Übungslager (Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald) durchzuführen.

Letztere war weder bewaffnet noch kaserniert; sie bestand aus Freiwilligen, die ihren Dienst ehrenamtlich verrichteten.

Oberster Kommandant war Theodor Eicke, der Führer der SS-Totenkopfverbände und der Konzentrationslager. Die Einheiten waren seit Juni 1937 organisatorisch in den SS-Totenkopfstandarten zusammengeschlossen und gingen 1940 durch die Zusammenlegung mit der SS-Verfügungstruppe in der Waffen-SS auf. Im Februar 1941 wurden die letzten Einheiten aufgelöst.

Der Terminus „SS-Totenkopfverbände“ ist eng mit der Geschichte der SS-Wachverbände verbunden. Diese waren besondere kasernierte Sondertruppen, die Anfang März 1933 für die Bewachung der von der Schutzstaffel betriebenen Konzentrationslager aufgestellt wurden. Der Eintritt in diese Sonderverbände war freiwillig und setzte eine Dienstzeitverpflichtung von zwölf Jahren voraus, während der Dienst in den SS-Totenkopf-Wachverbänden obligatorisch und damit für jeden SS-Mann verbindlich war.

Unterschiede zur SS-Verfügungstruppe

Im Gegensatz zum Dienst in der SS-Verfügungstruppe wurde der SS-Dienst in den Totenkopfverbänden nicht als Erfüllung der allgemeinen Wehrpflicht anerkannt. Als Begründung diente, dass die Totenkopfverbände einen polizeiähnlichen Charakter aufwiesen und die Bewachung eines Konzentrationslagers als „staatliche Aufgabe“, dass heißt, nicht als „Reichsangelegenheit“ angesehen wurde.

Aus diesem Grunde wurden die SS-Wachverbände auch bis Ende März 1936 durch die Landesregierung der einzelnen Ländern finanziert und ab 1. April 1936 dem „Polizeiressort“ des Reichsinnenministeriums zugeordnet und aus diesem unterhalten. Damit hatten die SS-Totenkopfverbände den Status einer „Organisation im Dienste des Staates“ inne.

Der SS-Führer Gunter d’Alquen beschrieb 1939 die Aufgaben der Totenkopfverbände wie folgt:

„Einen Teil der kasernierten SS bilden die SS-Totenkopfverbände. Sie entstanden aus den für die Bewachung der Konzentrationslager 1933 einberufenen Freiwilligen der Allgemeinen SS. Ihre Aufgabe ist neben der Erziehung des bewaffneten politischen Soldaten die Bewachung der in den Konzentrationslagern untergebrachten Staatsfeinde. Die SS-Totenkopfverbände verpflichten ihre Angehörigen auf 12 Jahre. Sie rekrutieren sich zum größten Teil aus Männern, die ihrer Dienstpflicht bei der Wehrmacht bereits genügt haben. Diese Dienstzeit wird in vollem Umfang angerechnet. Die Totenkopfverbände gleichen im Aufbau und Ausrüstung im wesentlichen den SS-Verfügungstruppen. Sie bestehen aus vier Standarten. “

Gunter d’Alquen: „Die SS Geschichte, Aufgabe und Organisation der Schutzstaffeln der NSDAP“, S. 10

Bildung der SS-Totenkopfstandarten

Seit dem 1. Juli 1937 waren die SS-Wachverbände in drei Totenkopfstandarten organisiert, denen zwischen 1938 und 1939 zwei weitere folgen werden:

  1. SS-Totenkopfstandarte I in Dachau,
  2. SS-Totenkopfstandarte II in Buchenwald,
  3. SS-Totenkopfstandarte III in Sachsenhausen
  4. SS-Totenkopfstandarte IV in Mauthausen und
  5. SS-Totenkopfstandarte V in Oranienburg

Seit dem 1. Dezember 1936 verfügten die Totenkopfverbände offiziell über eine militärische Organisationsstruktur, die in der Inspektion der Konzentrationslager und der SS-Wachverbände ihre oberste Kommandobehörde besaß. Amtschef war Theodor Eicke, der den Titel eines „Inspektors der Konzentrationslager“ mindestens seit Mai 1934 für sich beanspruchte. So hatte dieser im KZ Dachau, auf dem Gelände des späteren Übungslagers, eine gleichnamige Dienststelle einrichten lassen, aus der nach der Verlegung der IKL das Stabsgebäude der SS-Totenkopfverbände hervorging.

Als nun die „SS-Inspektion Konzentrationslager“ (IKL) geschaffen wurde, befand sich Amtsinhaber Eicke in einer Doppelposition: Als „Inspektor der SS-Wachverbände“ war dieser dem damaligen SS-Amt unterstellt. Als „Inspektor der Konzentrationslager“ war er über die Zuordnung zur Gestapo Heinrich Himmler unmittelbar zugeordnet. In allen weltanschaulichen Frager unterstand die IKL dem SS-Rasseamt. Am 1. August 1937 ward Eicke zum Führer der SS-TV u. KL. ernannt[5]. Jedoch an Eickes Doppelunterstellung änderte die neue Amtsbezeichnung nichts.

Hitlers Geheimerlass vom 17. August 1938

Am 17. August 1938 ward in einem Geheimerlass festgelegt, dass in den Totenkopfverbänden nur noch Freiwillige eintreten durften, die bereits ihre Wehrpflicht in der Wehrmacht abgeleistet hatten. Dort wurde die Dienstzeit der Mannschaften und Unterführer auf zwölf Jahre festgesetzt. SS-Führer des mittleren und des oberen Führerkorps wurden nun auf fünfundzwanzig Jahre verpflichtet. Damit wiesen sie dieselben Dienstzeiten wie in der Verfügungstruppe auf[4] .

Durch diese Vorgabe stieg das Durchschnittsalter der Truppe an. Hatten zuvor Sechszehn bis Neunzehnjährige SS-Bewerber ihren Dienst in den Lagern versehen[6], so stieg das Durchschnittsalter in den Totenkopfverbänden nun auf fünfundzwanzig Jahre an.

Adolf Hitler umschrieb in seinem Geheimerlass vom 17. August 1938 die Stellung der Totenkopfverbände mit „(…) als eine stehende bewaffnete Truppe der SS zur Lösung von polizeilicher Natur (…)“[4]. Demnach waren die Totenkopfverbände „weder ein Teil der Wehrmacht noch der Polizei“[4].

Als Angehörige der Gesamt-SS waren die Angehörigen der Totenkopfverbände nach den Richtlinien der SS zu schulen und militärisch bis 1939 als leichte Infanterie-Regimenter aufzuziehen[4].

Der Führer der SS-Wachverbände, Theodor Eicke, selbst sah in den Totenkopfverbänden das Pendant zur SS-Verfügungstruppe. Während die Verfügungstruppe verstärkt alte Berufsmilitärs in ihre Reihen holte, um so ihren Ausbildungsstandard der Wehrmacht anzugleichen, weigerte sich der „Inspektor der Konzentrationslager“ ehemalige Berufssoldaten einzustellen. Bereits 1937 verfügte er in einem SS-Befehl für die Totenkopfverbände:

„Wir gehören weder zum Heer oder Polizei noch zur Verfügungstruppe. (…) Die Einheiten der SS-Totenkopfverbände rechnen sich bewusst zur Allgemeinen SS und können daher weder von Offizieren noch Unteroffizieren geführt werden. Von nun an werde ich damit beginnen, SS-Führer, die sich nur wie Offiziere, Unterführer, die sich nur wie Unteroffiziere, SS-Männer, die sich nur wie Musketiere benehmen, in die Allgemeine SS versetzen zu lassen.“

Zitiert nach Heinz Höhne: „Der Orden unter dem Totenkopf“, S. 423

Mit diesem Befehl unterstrich Eicke nochmals den von Heinrich Himmler gewünschten Charakter einer „Staatspolizei“, die aus den bewaffneten SS-Verbänden gebildet werden sollte. Sowohl Eicke als auch Himmler sahen also in den Totenkopfverbänden keine Militär-, sondern eher Polizeieinheiten.

Durch diesen Geheimerlass unterstanden die Totenkopfverbände nun der Dienststelle Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei. Diese war für die Organisation, Ausbildung, Bewaffnung und Einsatzfähigkeit verantwortlich. Finanziert wurden die Totenkopfverbände aus dem Reichsinnenministerium[4].

Die Totenkopfverbände im Zweiten Weltkrieg

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde begonnen, aus Teilen der Totenkopfverbände eine Frontdivision aufzustellen. Bereits im November 1939 wurde diese als SS-Totenkopf-Division aufgestellt und eingesetzt. Die im Heimatdienst eingesetzten Totenkopfverbände wurden weiter ausgebaut und ausdrücklich als „Polizeireserve“ eingesetzt.

In Warschau wurden bereits am 15. November 1939 aus Teilen der Reiter-SS berittene Einheiten der Totenkopfverbände aufgestellt. Letztendlich stellten die Totenkopfverbände den Kader von neu aufgestellten SS-Divisionen. So beispielsweise den der 6. SS-Gebirgs-Division Nord oder den der 8. SS-Kavallerie-Division Florian Geyer. Aber auch in die SS-Verfügungstruppe wurden Einheiten der Totenkopfverbände integriert. So beispielsweise in der im Oktober 1938 aufgestellten SS-Verfügungsdivision, in der mit dem SS-Infanterie-Regiment 11 die ehemalige verstärkte SS-Totenkopfstandarte XI vertreten war.

Die ab September/Oktober 1939 neu aufgestellten Totenkopfstandarten galten amtlich als Polizeireserve und alles wehrfähige Personal wurde aus den Totenkopfverbänden abgezogen. An ihrer Stelle traten rund 50 000 SS-Männer, die bereits älter als 45 Jahre und den Stammabteilungen zugeteilt waren. Zeitgleich wurden rund 10 000 Mitglieder der Aktiven SS zu den Totenkopfverbänden abgeordnet.

Bei den in den Konzentrationslagern stattfindenden weltanschaulichen Schulungen flößte Theodor Eicke seinen Untergebenen in den Totenkopfverbänden einen fanatischen Hass gegenüber jeglichen Feinden des Nationalsozialismus ein:

„Jegliches Mitleid mit Staatsfeinden ist eines SS-Mannes unwürdig.(…) Die SS kann nur harte, entschlossene Männer gebrauchen, die jedem Befehl rücksichtslos gehorchen. (…)“

Zitiert nach Rudolf Höss: „Kommandant in Auschwitz“

Eingliederung in die Waffen-SS

Das erste Kriegsverbrechen im Westfeldzug von 1940 (Massaker von Le Paradis) wurde in Frankreich von Angehörigen der SS-Totenkopf-Division begangen, die das Gift des politisch motivierten Fanatismus in die entstehende Waffen-SS brachten. Die Angehörigen der Totenkopf-Division traten hauptsächlich durch Todesverachtung und Grausamkeit gegenüber der Zivilbevölkerung auf.

Am 22. April 1940 wurden Verfügungstruppe und Totenkopfverbände mit 179 bis dahin zur Allgemeinen SS gehörenden Dienststellen zur Waffen-SS vereinigt. Am 21. Februar 1941 wurden die letzten Einheiten der Totenkopfverbände aufgelöst und als Infanterie-Regimenter in die Waffen-SS überführt.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Bei Heinz Höhne wird der 29. März 1936 als Tag der Umbenennung genannt. Quelle: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 422
  2. Seit Dezember 1934 de facto eine Dienststelle innerhalb der Gestapo.
  3. Am 2. August 1936 wurde die Dienststelle unter der Bezeichnung Inspektion der SS-Totenkopfverbände und Konzentrationslager von Berlin nach Oranienburg verlegt. Dort wurde sie in der Nähe des damals neu errichteten KZ Sachsenhausen eingerichtet. Im Oktober 1939 erfolgte im Rahmen des SS-Hauptamtes eine Reorganisation inklusive Neugliederung der Inspektion, als Theodor Eicke sie verließ, um sich nun dem Aufbau der SS-Totenkopf-Division zu widmen. Die Dienststelle ward kommissarisch bis März 1942 von August Heißmeyer geführt und in Generalinspektion der verstärkten SS-Totenkopf-Standarten umbenannt. Doch im Hauptamt war es unklar, wie nun die Dienststellung eines „Inspekteurs der Konzentrationslager“ zu definieren sei und es wurden dort gleichberechtigt die Termini „Generalinspektion der verstärkten SS-Totenkopf-Einheiten“ und „Generalinspektion der verstärkten SS-Totenkopf-Regimenter“ verwendet. Am 15. August 1940 ward die Inspektion dem SS-Führungshauptamt angegliedert, wo sie dem Kommandoamt der Waffen-SS unterstellt und dort mit der Bezeichnung Kommando der Waffen SS, Abwicklungsstelle Inspektion der SS-Totenkopf-Standarten, Oranienburg geführt wurde. Im März 1942 ward Heilmeyer durch SS-Brigadeführer Richard Glücks abgelöst, der nun die Amtsbezeichnung „Der Reichsführer SS – Inspekteur der Konzentrationslager“ trug. Noch im März 1942 wurde die Inspektion der Konzentrationslager in das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt überführt, wo sie unter der Leitung Glücks’als „SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt, Amtsgruppe D“ eingebunden wurde.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Adolf Hitler:Stellung der bewaffneten SS-Verbände und deren Abgrenzung gegenüber Wehrmacht und Polizei", Geheime Kommandosache, 17. August 1938, Abschnitt II „Die bewaffneten SS-Verbände“, Unterabschnitt C. „Die SS-Totenkopfverbände“
  5. Angabe nach dem Anschriftenverzeichnis der SS-Dienststellen, Sachstand 1. Oktober 1937, S. 6
  6. Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Nationalsozialismus, S. 207, Artikel „SS-Totenkopfverbände“


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