Schwarz-Weiß-Rot

Verhältnis 2:3

Schwarz-Weiß-Rot, Farbreihenfolge der deutschen Bundesflagge, wie sie zwischen 1871 und 1919 verwendet wurde. Sie leitet sich aus der des Norddeutschen Bundes ab und ward dort 1866 eingeführt. Die Flagge des Reiches wurde zu Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933–35) gleichberechtigt mit der Hakenkreuzfahne der NSDAP aufgezogen. Der Begriff kleindeutsche Farben wird synonym verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Prolog

Der Terminus „Schwarz-Weiß-Rot“ ist eng mit der deutschen Nationalstaatsbildung verbunden. Das Königreich Preußen gründete am 1. August 1866 ein Militärbündnis namens Norddeutscher Bund, dem alle Staaten nördlich der Mainlinie angehörten. Dieses Militärbündnis nahm eine Trikolore an, die die Farben der Hansestädte (Rot-Weiß) mit denen Preußens (Schwarz-Weiß) kombinierte.

Als es kurz darauf zum deutschen Bruderkriege kam, zog das mit Preußen verbündete Norddeutschland unter schwarz-weiß-roten Flaggen gegen das mit Österreich verbündete Süddeutschland und Sachsen in den Kampf, die ihrerseits die Farben Schwarz-Rot-Gold verwendeten. (→ Süddeutscher Bund)

Reorganisation des Norddeutschen Bundes zum Bundesstaate

Nach der Auflösung des Deutschen Bundes (1866) gab Preußen und die mit ihm verbündeten Staaten die ungeliebte Farbreihenfolge Schwarz-Rot-Gold auf. Diese Trikolore war vor allem in den mit dem konkurrierenden Österreich verbündeten süddeutschen Mittelstaaten sehr beliebt und stand für die großdeutsche Idee. Nachdem Preußen aus dem deutschen Bruderkrieg siegreich hervorgegangen war, wurde die deutsche Einheit im kleindeutschen Rahmen vorbereitet.

Nach der Schlacht bei Königgrätz galt das Ende des Deutschen Bundes als besiegelt, als Österreich und seine Verbündeten geschlagen wurden. In Norddeutschland wurde am 16. April 1867 der Norddeutsche Bund als deutscher Bundesstaat reorganisiert, der gleichzeitig das Ende des bisherigen Deutschen Bundes markierte. Diese bundesstaatliche Organisation war die Umsetzung der von Preußen forcierten kleindeutschen Lösung und umfasste 22 Staaten, nachdem einige norddeutsche Mittelstaaten an Preußen gefallen waren. Der preußische König Wilhelm der Erste stand dem Bunde als Bundespräsident vor und bereits am 22. Juni 1867 wurde eine Verfassung des Norddeutschen Bundes angenommen. In ihr wurden auch die Bundesfarben bestimmt:

„Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-rot.“

Verfassung des Norddeutschen Bundes, Art. 55

Man vermutet, das diese Farbreihenfolge von Dr. Adolf Soetbeer entwickelt wurde. Denn bereits am 22. September 1866 erschien im „Bremer Handelsblatt“ sein Artikel „Deutsche und ausländische Rhederei und die deutsche Flagge“, in dem er genau diese vorschlug. In seinem Artikel argumentierte Soetbeer, dass die von ihm vorgeschlagenen Farben eine Kombination der preußischen Landesflagge und den Flaggen der Hansestädte darstellten. Während die Kriegsflagge im Laufe der Zeit mehrfach modifiziert wurde, blieb die Handelsflagge in ihrer Urform bestehen.

Schwarz-Weiß-Rot als Nationalfarben des Deutschen Kaiserreiches

Am 25. Dezember 1866 befürwortete Prinz Albert von Preußen in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der preußischen Kriegsmarine die von Soetbeer vorgeschlagene Farbreihenfolge. Wilhelm I. gegenüber wurde argumentiert, dass diese Farben eine Kombination der Farben Preußens und der Mark Brandenburg darstellen würde.

Schwarz-Rot-Gold wurde nur noch in den deutschen Mittelstaaten und in Süddeutschland aufrechterhalten, wo die großdeutsche Idee noch sehr lebendig war. Aber auch die Deutschnationalen Österreichs hielten an diesen Farben fest, um zu demonstrieren, dass auch sie zum deutschen Volk gehörten und dass sie weiterhin an einem bundesstaatlichen Beitritt zum übrigen Deutschland interessiert waren. (→ Österreichfrage)

Im Dezember 1870, während des Deutsch-Französischen Krieges, traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund teil, sodass dieser am 18. Januar 1871 im Versailler Spiegelsaal zum Deutschen Reich deklariert werden konnte. Damit schien es, dass eine staatliche Vereinigung mit Deutschösterreich ad acta gelegt und die Deutschösterreicher von der deutschen Frage ausgeschlossen wurden, zumal Reichskanzler Otto von Bismarck den Nachbarstaaten gegenüber erklärte, dass der deutsche Nationalstaat saturiert sei.

Die Trikolore Schwarz-Weiß-Rot wurde mit der Etablierung des Kaiserreiches de facto als Nationalflagge des Reiches, doch erst unter Wilhelm II. wurde am 1. November 1892 verbindlich festgelegt, dass die Handelsflagge des Norddeutschen Bundes auch zugleich völkerrechtliche Nationalflagge sei. (→ Verordnung über die Führung der Reichsflagge)

Schwarz-Weiß-Rot bei den Alldeutschen Österreichs

Nach der völkerrechtlichen Festlegung, dass die Farben Schwarz-Weiß-Rot die Reichsfarben des deutschen Nationalstaats seien (1892), wurde es bei den Alldeutschen Österreichs Usus, diese mit der Begründung zu verwenden, dass sie damit ihren Anschlusswillen bekunden würden. Parallel dazu verwendeten sie auch weiterhin die Farbreihenfolge Schwarz-Rot-Gold, die die Farben der deutschen Nation seien, der auch die Deutschösterreicher angehören würden. Ihr Führer Georg von Schönerer war ein begeisterter Anhänger Bismarcks und gründete 1901 die Alldeutsche Partei, die im Wiener Reichstag sass und dort offen die Auflösung Österreich-Ungarns propagierte. Doch galten die Alldeutschen Österreichs allgemein als sektiererische Kleinstpartei, zumal sie recht schnell untereinander zerstritten waren.

Flaggenstreit

Hauptartikel: Flaggenstreit

Am 9. November 1918 wurde in Berlin verfassungswidrig die „deutsche Republik“ ausgerufen, indem Reichskanzler Maximilian von Baden den Kaiser kurzerhand für „abgedankt“ erklärte. Doch dieser unterzeichnete erst rund drei Wochen später seine Abdankungsurkunde, sodass der Beginn des parlamentarisch-demokratischen Systems im Reich verfassungsrechtlich unter keinem besonders guten Stern stand und dessen Etablierung als äußerst fragwürdig anzusehen ist. Doch mit der neuen Republik galten auch die Zeichen des „alten Reiches“ als hinfällig, obgleich ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin zur ihr standen.

Innerhalb der großen Parteien der Nationalversammlung bekannte sich die Mehrheit von ihnen weiterhin zu den Farben des Kaiserreiches. Ein Gesandter Deutschösterreichs erklärte, dass in seinem Heimatlande das Festhalten an den kaiserlichen Farben als Ausdruck der Zementierung der kleindeutschen Idee gelte und dass mit der Annahme der Farben Schwarz-Rot-Gold ein reichsdeutsches Bekenntnis zu Großdeutschland darstelle. So wurden letztendlich die Farben des Kaiserreichs aufgegeben und die schwarz-rot-goldene Trikolore angenommen, um damit die Staatswerdung der 1832 auf dem Hambacher Fest geforderten Demokratie zu versinnbildlichen. Doch erst Anfang 1922 hatten sich die neuen Farben allgemein durchgesetzt.

Da vor allem des Auslandsdeutschtums an den alten Farben festhielt, wurde auf Rücksicht auf dieses, folgender Artikel in die Weimarer Reichsverfassung aufgenommen:

„Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold. Die Handelsflagge ist Schwarz-Weiß-Rot mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke.“

Art. 3 Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919

Diese Lösung war ein Kompromissvorschlag der Zentrumspartei und offenbarte die Zwitterstellung der neuen Staatsform innerhalb der Gesellschaft. Schwarz-Weiß-Rot wurde nun von der politischen Rechten aufrechterhalten, die den Umsturz der Regierung und die „Beseitigung der Judenrepublik“ programmatisch forderten. Hier tat sich ― neben den zahlreichen Freikorpseinheiten ― vor allem der Alldeutsche Verband und die Deutschvölkische Bewegung hervor. Politische Vertreter der alten Farben waren die Deutschnationale Volkspartei und die NSDAP. Die Mehrheitsbevölkerung stand gleichgültig zu den neuen Farben, da diese mit Repression der Siegermächte und Arbeitslosigkeit verbunden waren. So galt denn auch die Weimarer Republik als Demokratie ohne Demokraten. Bei den Reichstagswahlen 1925 traten die Befürworter des alten Systems als „Reichsblock Schwarz-Weiß-Rot“ an, dem der „Volksblock Schwarz-Rot-Gold“ gegenüber stand.

Schwarz-Weiß-Rot unter dem NS-Regime

Der Führer der NSDAP , Adolf Hitler, wurde am 30. Januar 1933 vom greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum neuen Reichskanzler ernannt. Diese Ernennung markiert im Reich die „Kampfzeit“ der NSDAP, und Hitler bestimmte in einem seiner ersten Gesetze, dass von nun an die Hakenkreuzfahne der nationalsozialistischen Bewegung zusammen mit der Flagge des Kaiserreiches zu hissen sei. Damit solle die Rechtskontinuität des neuen „Dritten Reiches“ mit dem „Zweiten Reich“ Ausdruck verliehen werden. Hitler hatte 1920 beim Entwurf der NS-Fahne bewusst auf die Reichsfarben des Kaiserreiches zurückgegriffen, um die Ablehnung der „völkischen Rechten“ mit dem „jüdisch-bolschewistischen dominierten System“ der Demokratie auszudrücken.

Noch 1933 wurde bei der Reichswehr eine neue Kriegsflagge eingeführt, die die ungeliebte Reichskriegsflagge von 1922 ablöste: Anstelle der 1922 eingeführten schwarz-rot-goldenen Trikolore wurde nun eine ähnliche schwarz-weiß-rote eingeführt. Beiden gemeinsam war das mittig aufgelegte Eiserne Kreuz. 1935 wurden die alten Reichsflaggen endgültig durch die Hakenkreuzflagge abgelöst, die an ihrer Stelle trat, um nun die „Einheit von Volk und Staat“ zu versinnbildlichen. Doch es blieb vorbehalten, bei besonderen Anlässen auch die Farbreihenfolge des Kaiserreiches zu hissen.

Schwarz-Weiß-Rot als Symbol des politischen Widerstandes

Im Sommer 1943 wurde in der Sowjetunion durch reichsdeutsche Kriegsgefangene das Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) gegründet. Es bestand aus deutschnational aufgerichteten Offizieren und verwendete bewusst die alten Reichsfarben. Die sowjetische Idee, die Farben der Weimarer Republik zu verwenden, wurde von ihnen mit der Begründung verworfen, dass diese im Kampf gegen die Hitlerfaschisten versagt habe. Einen gänzlich anderen Weg schlug der beispielsweise der „Stauffenberg-Kreis“ ein, der die Farbreihenfolge Schwarz-Rot-Gold forcierte.

Heutige Situation

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die allgemein als De-facto-Ende des von Hitler zu verantwortenden Zweiten Weltkrieges angesehen wird, wurde von den 1949 etablierten Teilstaaten Schwarz-Rot-Gold angenommen, um damit ihre Rechtskontinuität mit der Weimarer Republik auszudrücken. Die DDR beanspruchte für sich, die erste Volksdemokratie auf deutschen Boden zu sein, während die Bundesrepublik die klassische parlamentarische Demokratie verkörperte.

Vor allem in der Bundesrepublik schloss sich die politische Rechte zu diversen Parteien und Organisationen zusammen, deren Parteifahnen bewusst in den Reichsfarben des Kaiserreiches gehalten waren. Eine ihrer Hauptforderung war, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 wiederherzustellen; eine Forderung, die von ihr bis heute vertreten wird.

Das Zeigen der Hakenkreuzfahne ist in der Bundesrepublik Deutschland verboten und so weicht die extreme Rechte auf die Flaggen des Kaiserreiches aus, die nicht unter das Verbotsgesetz fallen. Doch in einigen Ländern stellen sie eine „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ dar und ihr Gebrauch kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden. Vor allem bei Auftritten der NPD sind die alten kaiserlichen Reichsfarben und die bis 1922 verwendete Reichskriegsflagge medial vertreten, sodass sie inzwischen in den Ruf gekommen sind, verfassungsfeindliche Bestrebungen auszudrücken und zu vertreten.

Siehe auch

Literatur


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