Sozialismus

Sozialismus (lat. socialistae = gemeinsam, verbündet), Sammelbezeichnung diverser politischer Strömungen und Lehren des 18./19. Jahrhunderts, die zu internationalen Ideologie ausgebaut wurde.

Kennzeichnend aller sozialistischen Bestrebungen ist, dass sie im Gegensatz zur sozialen Marktwirtschaft und der bestehenden Gesellschaftsform stehen und die bestehenden Besitzverhältnisse entweder durch demokratische Reformen oder durch Revolution ändern wollen.

Die sozialistische Ideologie zerfällt im wesentlichen in drei ideologisch-politische Strömungen:

  1. Sozialdemokratie
  2. Kommunismus
  3. Nationalbolschewismus

Letzterer ist aus dem Kommunismus entstanden. Die Vertreter sozialistischer Ideologien sind in der Sozialistischen Internationalen gebündelt.

Inhaltsverzeichnis

Politische Ausrichtung, Ziele

In der „sozialistischen Bewegung“ oder Arbeiterbewegung war die damalige politische Linke vereinigt, die im wesentlichen dieselben Ziele verfolgten:

Sozialisierung des Großkapitals und des Privateigentums
Hauptartikel: Sozialisierung

Die Arbeiterbewegung forderte im Zuge der industriellen Revolution die allgemeine Proletarisierung der Gesellschaft: So sollten das bestehende Großkapital und die Betriebe im Sinne des Staatssozialismus „sozialisiert“ (enteignet und verstaatlicht) werden. Das bedeutete, das Privateigentum an den Staat übertragen und damit Volkseigentum würde. Darüber hinaus sollten Bodenreformen (Kollektivierung) durchgeführt werden und landwirtschaftliche Betriebe gemeinschaftlich betrieben werden.

Klassenlose Gesellschaft
Hauptartikel: Klassenlose Gesellschaft

Endziel der Arbeiterbewegung war die Ablösung der bestehenden Gesellschaftsform zugunsten einer klassenlosen Gesellschaft. Aufgrund des Wegfalls der bestehenden Klassen würde auch auf Dauer der bestehende Staat überflüssig und aufgelöst sowie die Vereinigung aller Werktätigen weltweit stehen.

Gegensatz von demokratischen und revolutionären Sozialismus

An der Frage, wie die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft zu erfolgen habe, zerbrach die bis dahin einheitliche vom Marxismus geprägte Arbeiterbewegung. Die reformorientierte Mehrheit gedachte, diese Gesellschaftsänderung vor allem durch demokratische Reformen und Politik zu erreichen. Revolutionen sollten nur eintreten, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Aus diesem Flügel ging die Sozialdemokratie hervor.

Dagegen standen die revolutionären Sozialisten, die sich stärker am Marxismus orientierten und die Bildung einer klassenlosen Gesellschaft durch die Diktatur des Proletariats erreichen wollten. Aus diesem Flügel ging später der Kommunismus hervor, der vor allem politische Umstürze zur Errichtung des Weltkommunismus bevorzugte.

Zerfall der sozialistischen Arbeiterbewegung

Hauptartikel: Arbeiterbewegung

1840 ward im Deutschen Bund die sozialistische Arbeiterbewegung begründet. Dabei wurde es offensichtlich, dass die sozialistische Ideologie nicht einheitlich war. Denn es bildeten sich in dieser Arbeiterbewegung zwei Flügel heraus, die die Änderung der bestehenden Gesellschaftsform mit verschiedenen Mitteln erreichen wollten:

  1. Die radikalen Sozialisten vertraten weiterhin den seit 1832 verbreiteten Standpunkt der Arbeiterklasse, dass das bestehende Gesellschaftssystem nur durch Revolution zu beseitigen sei. Alle Punkte des von Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen Kommunistischen Manifestes müssten verwirklicht und der Staatssozialismus auf Basis des wissenschaftlichen Sozialismus eingeführt werden. Der von Karl Marx geforderte „Klassenkampf zur Beseitigung der Kapitalkonzentration und Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung“ sollten Weg und Ziel sein. Der Begriff „Kommunismus“ wurde damals von Marx bewusst gewählt, der seinen Sozialismus von anderen sozialistisch-orientierten Bewegungen und Strömungen abgrenzen wollte.
  2. Die gemäßigten Sozialisten strebten ebenfalls eine Änderung der bestehenden Gesellschaftsform an. Gleich den Radikalen beriefen auch sie sich auf den von Marx begründeten wissenschaftlichen Sozialismus. Doch wählten sie für die Umsetzung ihres Programms einen anderen Weg. In erster Linie standen die gemäßigten Sozialisten ab 1840 für die Stärkung der Arbeiterbewegung im Zuge einer allgemeinen Demokratisierung des herrschenden Gesellschaftssystems. Aus diesem Grunde wollten sie nur einige Punkte des Kommunistischen Manifestes umsetzen. Ihre Bereitschaft, mit dem Parlament zusammenzuarbeiten, brachte sie in den Gegensatz zu den Radikalen.

Letztendlich brach die Arbeiterbewegung in sich zusammen und bildete nur noch einen losen Zusammenschluss von Verbänden, die aus Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten gebildet wurden.

Sozialismus-Theorien

Utopischer Sozialismus

Um das Jahr 1800 kamen im Zuge der beginnenden Industrialisierung erste sozialistische Bestrebungen auf, die als idealistisches Ziel eine allgemeine Weltverbesserung und -beglückung hatte. Klassenunterschiede sollten friedlich aufgehoben, Boden und Betriebe allen gehören. Karl Marx prägte später in seinen Schriften für diese Richtung den Terminus „utopischer Sozialismus“, da er sich so nicht verwirklichen ließ.

Anarchismus

Hauptartikel: Anarchismus

Der Anarchismus geht über die klassenlose Gesellschaft hinaus: In ihm sind sämtliche staatlichen Organe wie das Parlament und die Regierung sowie der Staat als solches überflüssig. Die Souveränität der Menschen und die auf Freiwilligkeit beruhende Zusammengehörigkeit soll ihren Abschluss in föderal angelegten Kollektiven, Genossenschaften und Syndikaten finden. Aus diesem Grunde lehnen die Anarchisten andere politische Ideologien ab, da sie in ihnen eine „Beschneidung persönlichen Rechte“ und die „Unterdrückung der Freiheit“ sehen.

Marxismus

Hauptartikel: Marxismus

Der moderne Sozialismus entstand 1832 in Frankreich. Diese Form stand als Kritik und Ablehnung der bestehenden feudalen Gesellschaftsform. Diese traditionelle Gesellschaftsform wollten die französischen Republikaner mit ihrem Juniaufstand zu beseitigen und durch eine parlamentarisch-demokratische Staatsform abzulösen. Aus ihm entwickelten Karl Marx und Friedrich Engels den wissenschaftlichen Sozialismus.

Den Weg, eine Veränderung der Gesellschaft durch demokratische Reformen zu erreichen, lehnten Sozialisten und Kommunisten gleichermaßen ab. Ihre Vorstellungen einer neuen Gesellschaft wichen nicht weit voneinander ab, sodass sie gemeinschaftlich agierten. Sie waren Vertreter eines wissenschaftlich begründeten Sozialismus und forderten die Abschaffung aller Klassenunterschiede, die Sozialisierung der Gesellschaft und die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft, die aus genossenschaftlich-gemeinschaftlichen Grundwerten gebildet wurde. Der Sozialismus sollte dort Staatsdoktrin werden.

Nationaler Sozialismus

Hauptartikel: Nationaler Sozialismus

In den 1910er Jahren entstanden aus der sozialistischen Arbeiterbewegung Europas heraus weitere Varianten, die — neben dem von Marx entwickelten wissenschaftlichen Sozialismus — auch viele Elemente des damals vorherrschenden Ethno-Nationalismus aufnahmen. Es war das Zeitalter des nationalen Sozialismus:

Die ersten vier Varianten waren alles in allem wesensverwandt. Im Gegensatz zu den beiden Varianten des Nationalsozialismus war der Faschismus nicht Judenfeindlich ausgelegt. In der österreichischen Variante des Nationalsozialismus existierte eine latente und deutschen eine ausgesprochen radikal offene Judenfeindlichkeit. Der österreichische Nationalsozialismus ging spätestens ab 1926 in der deutschen Variante auf.

Sozialistische Diktaturen

Bis 1945

Der Sozialismus und seine Nebenformen errichteten auch Diktaturen. So setzte sich ab 1917 der Kommunismus in Russland durch und es kam 1922 zur Gründung der Sowjetunion. Ebenfalls 1922 wurde in Italien mit der Einsetzung Benito Mussolinis zum Staatschef der Faschismus zur Staatsdoktrin und der Staat als solches unterstand dem „Duce“ Mussolini. Der damalige König besaß keine reale Macht mehr und stand dem Staat nur noch repräsentativ vor.

Der Nationalsozialismus wandelte den deutschen Nationalstaat im August 1934 endgültig in einen „Führerstaat“ um, der sich deutlich an den italienischen „Duce-Staat“ orientierte. Im Jahre 1945 wurden sowohl die faschistische als auch die nationalsozialistische Diktatur beseitigt.

Ab 1945

Ab 1945 begann die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone ein sozialistisches Regime zu etablieren, dass im Oktober 1949 die DDR ausrief. Der Staatssozialismus Moskauer-Prägung wurde zur Staatsdoktrin des gesamten Ostblocks.

Ab 1952 gingen Jugoslawien und ab 1968 Albanien dem an Moskau orientieren Kommunismus verloren, als Jugoslawien mit dem „jugoslawischen Sozialismus“ einen nationalorientierten Sozialismus einführte. Albanien orientierte sich ab 1968 am Kommunismus Pekinger-Prägung.

Ab 1988/89 brach der kommunistische Ostblock zusammen, brachte 1990 die staatliche Vereinigung beider deutscher Teilstaaten und 1991 ward die Sowjetunion aufgelöst. Heute gibt es nur noch wenige Staaten, die einen Staatssozialismus als Doktrin besitzen.

Siehe auch

Weblinks


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.