Sozialismus


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Sozialismus [zoʦi̯aˈlɪsmʊs] sg., auch Marxismus [maʁˈksɪsmʊs], Substantiv, Maskulinum. Seit 1832 marxistisches Konzept, das als Vorstufe zum Kommunismus dient. Er entstand gem. stalinistischer Doktrin heraus als Antwort des Proletariats auf die die Ideologie der Bourgeoisie, die im Liberalismus gesehen wurde. Indes Letzterer als unteilbar angesehen wurde, ging Stalin davon aus, dass der Sozialismus als proletarische Ideologie dreigeteilt sei:[1]

  1. Reformismus
  2. Anarchismus
  3. Marxismus

Karl Marx, zusammen mit Friedrich Engels, theoretischer Schöpfer des Marxismus ging davon aus, dass im Sozialismus auf den gesellschaftlichen oder staatlichen Besitz aller Produktionsmittel und die gerechte Verteilung aller Güter an alle Mitglieder der Gemeinschaft hingezielt wird. So solle ein großer Teil der Produktionsmittel durch Sozialisierung zum Volkseigentum werden, derweil jedoch das Recht auf Eigentum formaljuristisch fortbestand.

Heute wird der Begriff Sozialismus als Sammelname diverser politischer Strömungen und Theorien des 18./19. Jh.s aufgefasst, die die Sozialisierung von Staat und Gesellschaft forderte. Der Sozialismus gilt heute als internationale Ideologie. Ein wesentliches Kennzeichen der sozialistischen Ideologie ist, dass sie im Gegensatz zur bestehenden Gesellschaftsform und der Sozialen Marktwirtschaft durchaus gewillt ist, bestehende Besitzverhältnisse nicht allein durch Demokratisierung, sondern auch durch Revolution zu ändern.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass Sozialismus heute in drei hauptsächlichen Strömungen existiert:

  1. Sozialdemokratie
  2. Kommunismus
  3. Nationalbolschewismus/~kommunismus

Parteien, die entweder die reine sozialistische oder eine sozialdemokratische Ideologie vertreten sind international politisch in der Sozialistischen Internationalen gebündelt.

Sozialisten [zoʦi̯aˈlɪstən, ~n̩] pl., Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten des Sozialismus sowie der Vertreter sozialistischer Ideen.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Sozialismus leitet sich vom engl. socialism bzw. frz. socialisme ab, die ihrerseits im lat. socialistae „gemeinsam, verbündet“ ihren Ursprung haben.

Kennzeichen, Ziele

Kennzeichen

Ein wesentliches Kennzeichen der hier beschriebenen Ideologie ist, dass sie heute antinational und internationalistisch ausgelegt wird; Marx berief sich, dass staatlich-gesellschaftliche Veränderungen formaljuristisch national, d. h. auf den einzelnen Nationalstaat bezogen, durchführbar sei.[2]

Ziele

Alle Bewegungs- und Gesinnungsparteien, die sich selbst zur sozialistischen Bewegung oder als Vertreter der Arbeiterbewegung definieren, sind in der politischen Linken vereinigt und vertreten im Wesentlichen die gleichen, aus dem Marxismus abgeleiteten, Forderungen, die nachfolgend beschrieben werden.

Sozialisierung des Großkapitals und des Privateigentums

Hauptartikel: Sozialisierung

Schon die frühe Arbeiterbewegung forderte im Zeichen der industriellen Revolution die allgemeine Proletarisierung der Gesellschaft. So sollten das bestehende Großkapital und die Produktionsmittel im Sinne eines Staatssozialismus enteignet und verstaatlicht, eben „sozialisiert“ werden. Das bedeutet, dass nach diesen Forderungen Privateigentum an den Staat übertragen und damit Volkseigentum wurde. Darüber hinaus sollten Bodenreformen (Kollektivierung) im großen Rahmen durchgeführt und alle landwirtschaftlichen Betriebe im Kollektiv betrieben werden.

Klassenlose Gesellschaft

Hauptartikel: Klassenlose Gesellschaft

Primärziel der marxistischen Arbeiterbewegung war die Ablösung der bestehenden Gesellschaftsform zugunsten der Klassenlosigkeit und der damit verbundenen Aufhebung der Klassenunterschiede. Aufgrund des Wegfalls des als Klassengesellschaft aufgefassten kapitalistischen Systems würde auf Dauer der Nationalstaat als solcher überflüssig, die Gesellschaft letztendlich über den Kommunismus in die Anarchie geführt werden sowie die weltweite Vereinigung aller Werktätigen stehen.

I. Internationale und der Gegensatz von demokratischen und revolutionären Sozialismus, Zerfall der sozialistischen Arbeiterbewegung

I. Internationale und der Gegensatz von demokratischen und revolutionären Sozialismus

Auf dem Londoner Kongress vom 17. bis zum 23. Sept. 1871 kam es innerhalb der sozialistischen Bewegung zur inneren Spaltung. Diese hatte ihre Grundlage in der Auslegung, inwieweit der revolutionäre Aktivismus, den die späteren Kommunisten unter Lenin vertraten, zur Gesellschaftsänderung eingebunden werden dürfe bzw. müsse. Die Sozialrevolutionäre argumentierten, dass jede gesellschaftliche Veränderung nur durch Revolution und die Diktatur des Proletariats durchführbar sei, indes die große Masse der Teilnehmer gedachte, diese v. a. durch Demokratisierung und gemäßigte Sozialisierung von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Daher gilt dieser Kongress der I. Internationalen als Geburtsstunde jener aus dem Marxismus abgeleiteten Ideologien, die heute unter dem Namen Sozialdemokratie und Bolschewismus bekannt sind.

Zerfall der sozialistischen Arbeiterbewegung

Bereits um 1840 entstand auf dem Territorium des Deutschen Bundes eine sozialistische Arbeiterbewegung und es zeigte sich rasch, dass diese in sich inhomogen war. Innerhalb von etwa dreißig Jahren bildeten sich zwei Hauptströmungen heraus, die staatlich-gesellschaftliche Veränderungen mit verschiedenen Mitteln erreichen wollten:

  1. Die Radikalen vertraten weiter hin die seit 1832 allgemein in der Arbeiterklasse verbreitete These, dass die Veränderung von Staat und Gesellschaft nur allein durch Revolution zu erreichen sei. Daher sollten auch alle von Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei propagierten politischen Forderungen eins zu eins umgesetzt werden. So solle der erstrebte Staatssozialismus auch wissenschaftlich sein. Daher sei der Klassenkampf zur Beseitigung des Großkapitals und der Errichtung eines sozialistischen Staates Weg und Ziel sein. Marx wählte damals den Begriff Kommunismus bewusst, um seine Ideologie von anderen wesensverwandten abzugrenzen.
  2. Die Gemäßigten strebten ebenfalls diese Veränderungen an und auch sie beriefen sich auf den wissenschaftlichen Sozialismus. Doch forcierten sie für deren Umsetzung andere politische Wege. Sie setzten sich v. a. für die Stärkung der Arbeiterbewegung im Zuge der Demokratisierung und Sozialisierung von Staat und Gesellschaft ein. Daher waren sie nur bereit, gewisse Forderungen des Kommunistischen Manifestes umzusetzen und lehnten den Gedanken einer kommunistischen Weltrevolution strikt ab. Vielmehr waren sie bereit, als Bewegungspartei in die Parlamente zu ziehen und sich dort im Sinne des Marxismus einzubringen.

Sozialismustheorien

Anarchismus

Anarchismus [anaʁˈçɪsmʊs] sg., Substantiv, Maskulinum. Theorie, dass eine Gesellschaft ohne Staatsgewalt und gesetzlichen Zwang möglich ist, da in ihr die absolute Klassenlosigkeit herrscht. Staatsorgane wie Parlament und Regierung sowie den Staat als solches setzte die reine Anarchie als überflüssig voraus.
Die Souveränität der Menschen und das auf Freiwilligkeit basierende Zusammengehörigkeitsgefühl sollen ihren Abschluss in föderal angelegten Kollektiven, Genossenschaften und Syndikaten finden. Daher lehnen ihre Anhänger und Sympathisanten, die Anarchisten, jegliche Ideologien vehement ab, da sie in ihnen eine massive Beschneidung der Persönlichkeitsrechte und die Unterdrückung der Freiheit sehen.

Demokratischer Sozialismus

Demokratischer Sozialismus sg., Demokratiemodell, das auf der Sozialdemokratie basiert. Der Begriff tauchte erstmals 1959 im bundesdeutschen Parteiprogramm der damaligen SPD auf, als diese den Begriff Sozialdemokratie gem. marx. wissenschaftlichen Sozialismus neu definierte.
Die damalige SPD argumentierte, dass in einem demokratischen Sozialismus die marxistischen Grundideen von Freiheit, Gerechtigkeit und der internationalistischen Solidarität nunmehr über die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verwirklichen seien.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks (1988/89–1991/92), aber auch bereits zuvor, wurde dieser Grundgedanke von anderen eurokommunistischen und sozialistischen Parteien wie der damaligen SED/PDS (heutige Partei Die Linke) adoptiert und ausgebaut.

Marxismus

Marxismus [maʁˈksɪsmʊs] sg., Substantiv, Maskulinum, Eigenname. Der moderne Sozialismus entstand ab 1832 in Frankreich und stand v. a. als proletarische Gesellschaftskritik und als Ablehnung der traditionellen Feudalgesellschaft. Diese wollten die Republikaner mit ihrem Juniaufstand beseitigen und durch eine moderne parlamentarische Demokratie ersetzen. Aus dem frz. Sozialismus heraus entwickelten Karl Marx und Friedrich Engels jene Variante, die heute als Marxismus bekannt ist und die sich auf dem wissenschaftlichen Sozialismus beruft.
Der interne Streit seiner Auslegung führte 1871 zur Spaltung der marxistischen Arbeiterbewegung. Die Sozialisten beriefen sich auf den Status quo, die Sozialdemokraten auf staatlich-gesellschaftliche Veränderungen ohne Revolution und durch Teilnahme an Wahlen, die Kommunisten hauptsächlich auf den revolutionären Aktivismus, der Revolutionen als solche forcierte.

Nationaler Sozialismus

Nationaler Sozialismus sg., Sammelbegriff und Eigenname aller sozialistischen Bestrebungen, die aus dem Marxismus heraus die Sozialisierung von Staat und Gesellschaft in Kombination der Nationalisierung erreichen wollen. Bereits Ende des 19. Jh.s bestand im Deutschen Reich der Deutschsozialismus, der eine betont völkische Auslegung des Sozialismus war.
Mit Aufkommen der Deutschvölkischen um die Jahrhundertwende entstanden innerhalb des nationalen Sozialismus diverse Strömungen, die ausgesprochen chauvinistisch und minderheiten- sowie fremdenfeindlich agierten. Sie waren explizit an den jeweiligen ethnischen Nationalismus gekoppelt, nationalistisch ausgelegt und bestritten den traditionellen Internationalismus der Arbeiterbewegung. Innerhalb der völkischen Gewerkschaftsbewegung wurde es ab 1890 üblich, sich entweder als völkisch links oder sozialistisch rechts zu definieren, je nachdem, welche ideologische Strömung mehr forciert wurde: die soziale oder die völkische.

In Österreich-Ungarn entstand 1903 aus der ideologischen Verschmelzung des Deutschnationalismus mit dem Marxismus der österreichische Nationalsozialismus, der ursprünglich nationalliberal war, aber bereits über antijudaistische Tendenzen verfügte. Zwischen 1918 und 1925/26 radikalisierte sich dieser immer mehr. 1926 ging diese Form in der deutschen auf.

1919 entstand in Italien aus der ideologischen Verschmelzung des italienischen Nationalismus und des Marxismus der Faschismus, der chauvinistisch-nationalistisch und autoritär-totalitär, aber nicht antisemitisch war.

1919 lebte im Deutschen Reich der Deutschsozialismus wieder auf, der viele Schnittpunkte mit dem etwa zur gleichen Zeit entstandenen deutschen Nationalsozialismus aufwies. Im Gegensatz zur österreichischen Variante war dieser ausgesprochen rassenantisemistisch. 1922 vereinigten sich beide Ideologien, indem sich die Deutschsozialisten der NSDAP anschlossen.
Eine Besonderheit stellte zudem der ebenfalls um 1919 im Reich entstandene Nationalbolschewismus dar, der eine betont deutsche Form des Nationalkommunismus darstellte, aber abweichend davon nicht die Idee der Weltrevolution vertrat.

Heute dient die Bezeichnung nationaler Sozialismus als Oberbegriff aller Sozialismen, die zwischen 1940 und 1980 entstanden und sich hauptsächlich auf die jeweiligen Staaten beziehen, in denen sie gelten.
Zu diesen modernen nationalen Sozialismen gehören der Realsozialismus der DDR, der jugoslawische Titoismus, der chinesische Maoismus und der nordkoreanische Kimilsungismus.

Neosozialismus

Neosozialismus sg., auch Neo-Sozialismus oder Neue Linke, Substantiv, Maskulinum. Sammelbezeichnung aller sozialistischen Strömungen, die sich einem der modernen Zeit angepassten Sozialismus, wie dem demokratischen bspw. verschrieben haben und den klassischen Marxismus nicht mehr für zeitgemäß halten.

Kommunismus

Kommunismus [ˌkɔmuˈnɪsmʊs] sg., Substantiv, Maskulinum. Nach Karl Marx und Friedrich Engels die auf dem Sozialismus beruhende und die ihm nachfolgende gesellschaftliche Entwicklungsstufe, in der alle Produktionsmittel und Erzeugnisse in das Volkseigentum aller Staatsbürger übergehen und in dem alle Klassenunterschiede aufgehoben sind. Zudem richtet sich dessen politischer Kampf gegen den Kapitalismus und er forciert eine zentral gelenkte Wirtschafts- und Sozialordnung.

Linkssozialismus

Linkssozialismus sg., auch orthodoxer Sozialismus oder konservativer ~, Substantiv, Maskulinum, Eigenname. Sammelbezeichnung aller politischen und ideologischen Strömungen innerhalb der politischen Linken, die sich jenseits der beiden Hauptströmungen (Sozialdemokratie, Kommunismus) verortet sieht. Der in den 1920er bis 1930er Jahren entstandene Linkssozialismus sieht sich als Vertreter eines orthodoxen Marxismus und argumentiert, dass sich die beiden Hauptströmungen zu sehr von den marx-engelschen Theorien entfernt haben. Beiwort ist linkssozialistisch.
Der deutschsprachige Linkssozialismus argumentierte damals wie heute, das die deutsche Sozialdemokratie durch ihren im Aug. 1914 geschlossenen Burgfrieden mit dem konservativ-bürgerlichen und dem liberalen Lager den Marxismus als solchen sowie die Interessen der Arbeiterklasse und -bewegung verraten zu haben, um sich als akzeptiertes linkes Lager in den Parlamenten etablieren zu können. So sei sie auch von revisionistischen Kräften in der Folgezeit unterwandert worden. Darüber hinaus bestritt der Linkssozialismus den von Moskau erhobenen Anspruch, das die KPdSU maßgeblich richtungsweisend für alle marxistisch-leninistischen Parteien und Bewegungen sein solle.

Als Begründer des deutschen Linkssozialismus galt die 1917 gegründete USPD, die sich von der SPD abgespalten hatte und letztendlich in der KPD aufging. Eine weitere linkssozialistische Bewegungspartei war die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD), die 1931 gegründet wurde und die bis 1945 bestand.
Im Nachkriegsdeutschland versuchte man in der späteren DDR, aus der Vereinigung von KPD (Ost) und SPD (Ost) mit der SED eine neue linkssozialistische Kraft zu etablieren, was damit gerechtfertigt schien, da Sozialdemokraten dort die Mehrheit bildete. Aber schnell wurde diese Neugründung unter Säuberung der stalinistischen Parteilinie der KPdSU angeglichen und damit eine marxistisch-leninistische Partei.

Die Zugehörigkeit der heutigen Partei Die Linke zum Linkssozialismus gilt in der Fachliteratur als umstritten. Dort vertritt v. a. die Sozialistische Linke als sog. linkssozialistischer Gewerkschaftsverband, dem auch Trotzkisten und ehemalige Sozialdemokraten angehören, jene Positionen, die vom traditionellen Linkssozialismus' vertreten wurden. Daher sind Linkssozialisten, d. h. die Anhänger und Sympathisanten sowie die Vertreter linkssozialistischer Ideen vehement internationalistisch, antinational-antideutsch und antifaschistisch.

Ökosozialismus

Ökosozialismus sg., auch Öko-Sozialismus, Substantiv, Maskulinum. Seit 1980 Sammelbezeichnung aller sozialistischen Ideen, die auf dem klassischen Marxismus basieren, die um die Einführung eines gerechten, antikapitalistischen und ökoorientierten Gesellschaftssystems kämpfen. Beiwort ist ökosozialistisch.

Ökosozialisten pl., Sammelbezeichnung aller Anhänger und Sympathisanten sowie der Vertreter ökosozialistischer Ideen.
Ideologisch vertritt der Ökosozialismus Thesen, die sich sowohl im utopischen als auch im wissenschaftlichen Sozialismus wiederfinden lassen. Er ist basisdemokratisch, ökologisch-internationalistisch und bemüht sich um einen Ausgleich zwischen Kapitalismus und Ökologie, wobei der Erstere der Letzteren untergeordnet werden soll.

Der Ökosozialismus entstand Anfang 1990 als linker Flügel der grün-alternativen Bewegung. Infolge innerparteilicher Richtungsstreitigkeiten um die weitere politische Ausrichtung der Grünen, verließen große Teile der ökosozialistisch orientierten Mitglieder die Partei Die Grünen und schlossen sich nun eher kommunistischen Bewegungsparteien (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Partei des Demokratischen Sozialismus) an oder gründeten, gleich Jutta Ditfurth, eigene, politisch unbedeutende Kleinstparteien wie die Ökologische Linke.

Realsozialismus

Realsozialismus sg., auch Real-Sozialismus oder real existierender Sozialismus, seit 1973 Sammelbezeichnung aller sozialistischen Gesellschaftssysteme in Asien, Europa und Kuba, die unter der politischen Führung einer marxistisch-leninistischen Partei stehen. Vorherrschende Staatsform dieses Gesellschaftssystems ist die Volksrepublik bzw. die demokratische Volksrepublik, die durch sozialistische Planwirtschaft geprägt sind.

Der Begriff Realsozialismus ist eng mit dem Namen Erich Honecker, dem ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden, der diese 1973 auf der 9. Tagung des ZK der SED in einer Grundsatzrede erwähnte. Honecker legte in dieser Rede fest, dass das Auseinanderdriften marxistischer Macht- und Herrschaftsansprüche und der empirischen Realität verhindert werden müsse.
Darauf hin wurde in weiten Kreisen der Linken der DDR die Einführung des demokratischen Sozialismus gefordert, der sich eng an die bundesdeutsche Sozialdemokratie orientieren sollte. Darüber hinaus wurden die sozialistischen Staaten des von der UdSSR dominierten Ostblocks wegen mangelnder Demokratiebereitschaft oder der bloßen Verstaatlichung statt der von Karl Marx geforderten Vergesellschaftung der Betriebe heftig kritisiert. Daher sollte auch deren wissenschaftlicher Staatssozialismus wieder in die ideologische Nähe des Frühsozialismus gerückt werden.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks übernahm nun die radikale Linke in den verschiedenen Staaten den Begriff Realsozialismus für ihr erstrebtes Gesellschaftssystem, das die bürgerlich-konservativen bzw. die liberalen ablösen sollte. Und dabei orientierte sich diese eng an der Definition Honeckers. Allein in der VR China wurde dieser so stark mit Elementen der kapitalistische Marktwirtschaft verwoben, dass China heute zu einem der führenden Wirtschaftsfaktoren weltweit und das vorherrschende marxistisch-leninistische Gesellschaftssystem zu einem besonderen Nationalkommunismus wurde.

Sozialdemokratie

Sozialdemokratie [zoˈʦi̯aːldemokʀaˌtiː] sg., Substantiv, Femininum. Sozialistische Reformbewegung, die als Bewegungspartei der Arbeiterbewegung verstand und die eine Veränderung der Gesellschaft und des Staates durch eine gemäßigte Sozialisierung und durch eine verstärkte Demokratisierung verfolgte.

Staatssozialismus

Staatssozialismus sg., Gesellschafts- und Wirtschaftsform innerhalb eines existierenden Realsozialismus. In ihm wird durch radikale Enteignung des Großkapitals und der Verstaatlichung der Wirtschaftsbetriebe sowie deren Umwandlung in Volkseigentum und Kombinate die Wirtschaftspolitik streng nach sozialistischen Grundsätzen geführt.

Utopischer Sozialismus

Utopischer Sozialismus sg., auch Frühsozialismus, Sammelbegriff aller sozialistischen Ideen, die um 1800 mit der beginnenden Industriellen Revolution aufkamen. In diesem wird die Verwendung und Produktion aller Dienstleistungen und Waren nicht staatlich geregelt, sondern diese werden als Gemeinschaftsaufgabe aller aufgefasst.
Es handelt sich hierbei um das absolute Idealziel der allgemeinen Weltverbesserung und -beglückung. Klassengesellschaft und deren Unterschiede sollten friedlich beseitigt, Boden und Produktionsmittel allen gehören. Karl Marx prägte in seinen Schriften den Begriff utopischer Sozialismus, da sich der frühe Sozialismus so nicht verwirklichen ließ. Max war der Auffassung, dass Sozialismus allein durch die Wissenschaft zu vervollkommnen sei.

Wissenschaftlicher Sozialismus

Wissenschaftlicher Sozialismus sg., auch marxistischer Sozialismus oder wissenschaftlicher Kommunismus, seit 1845 marxistische Bezeichnung diverser Lösungsansätze der staatlich-gesellschaftlichen Reorganisation, wobei diese auf rein wissenschaftlicher Grundlage erfolgen soll. Er stellt das Pendant zum sog. utopischen Sozialismus dar und stellte sowohl im Deutschen Reich als auch in Österreich-Ungarn die Grundlage der dortigen Sozialdemokratie dar (deutsche Sozialdemokratie, österreichische Sozialdemokratie).

Der klassische Marxismus besagt, dass das Gros der Arbeiterklasse immer mehr verelende, derweil einige Wenige das Kapital unter sich aufteilten. Daher müssten die von den Kapitalisten beherrschten Produktionsmittel im Zuge des Klassenkampfes, ggf. auch mit Gewalt, durch die Diktatur des Proletariats sozialisiert, und damit vergesellschaftet, werden. Klassenunterschiede sollten zudem aufgehoben und der Staat als solches letztendlich überflüssig werden, wenn die reine Anarchie unter allen Menschen herrschen würde.
Friedrich Engels ging diesbezüglich weiter als Marx, indem er feststellte, dass der Sozialismus eine bourgeoise Erscheinung und der Kommunismus eine Erscheinung der Arbeiterbewegung sei, sodass es folgerichtig sei, Marx und ihn als Kommunisten zu bezeichnen. Beide sahen ihre Primäraufgabe darin, den Sozialismus durch wissenschaftliche Analyse des bestehenden bürgerlich-konservativen Gesellschaftssystems zu perfektionieren. Das Großkapital sollte vergesellschaftet, Privateigentum überwiegend abgeschafft und das kapitalistische Regierungssystem durch ein staatssozialistisches ersetzt werden. Nach 1949 ging aus ihm der Realsozialismus der DDR hervor.

Sozialistische Diktaturen

1917–1945

Der Sozialismus, einschließlich seiner Nebenformen (doch mit Ausnahme der Sozialdemokratie), errichtete, dort wo er dauerhaft an die Macht kam, Diktaturen. So wurde bspw. 1917 der Bolschewismus in Russland bzw. ab 1922 in der UdSSR Staatsdoktrin, indes sich 1922 in Italien aus der Sozialistischen Partei Italiens heraus der rechtsorientierte Faschismus durchsetzte, der maßgeblich von seinem Schöpfer Benito Mussolini geprägt war. Der selbst ernannte Duce war de facto Alleinherrscher Italiens, derweil der König nur noch formaljuristisch dem italienischen Staat vorstand und nur noch repräsentativ war.

Der völkische Sozialismus in Form des Nationalsozialismus wandelte den deutschen Nationalstaat Deutsches Reich ab Aug. 1934 endgültig in einen autoritär-totalitären Einheits- und Führerstaat um, dessen Struktur sich deutlich am Duce-Staat Italien orientierte. 1945 wurden Faschismus und Nationalsozialismus als verbrecherische Ideologien verdammt und verboten.

1945–heute

Ab 1945 begann die damalige UdSSR, in ihrem Machtbereich sozialistische Regime zu installieren. So auch in der SBZ, aus der im Okt. 1949 die DDR hervorging. Der stalinistische Staatssozialismus Moskauer-Prägung wurde zudem Staatsdoktrin des gesamten Ostblocks.

Ab etwa 1952 ging Jugoslawien und ab 1968 Albanien dem Stalinismus verloren, als sich beide von diesem offiziell lossagten und nationalkommunistische Systeme installierten: Albanien bspw. schloss sich lange Zeit dem Maoismus an, derweil Jugoslawien mit dem Titoismus eine eigenständige Staatsdoktrin aufwies. Zudem hatte der BdKJ nur stalinistische Oberherrschaft über den Weltkommunismus nur formal anerkannt und war außerhalb der stalinistischen Bündnispolitik geblieben.

Ab 1988/89 zeichnete sich der Zusammenbruch des Ostblocks ab, in dessen Folge 1990 beide deutschen Teilstaaten verschmolzen. 1991 wurde mit der Gründung der GUS die UdSSR offiziell aufgelöst und das heutige Russland fasst sich als deren legitimer Rechtsnachfolger auf. Heute besitzen nur noch vier Staaten, China, Nordkorea, Vietnam und Kuba, einen (mehr oder weniger) stalinistischen Staatssozialismus zur Staatsdoktrin.

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. Jossip Wissarionowitsch Stalin: Anarchismus oder Sozialismus?, abgerufen am 30. Sept. 2017
  2. MEHRING Verlag GmbH: Die kapitalistische Weltkrise und die Aufgaben der Vierten Internationale: Perspektiven d. Internat. Komitees d. 4. Internationale, 8. August 1988, Kapitel „Perspektiven des IKVI“, Punkt 13, S. 7


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