Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Staat [ʃtaːt] sg., Substantiv, maskulin. Bezeichnung eines national wie international anerkannten Völkerrechtssubjektes, der in der Regel über die staatliche Souveränität (souveräner Staat) verfügt. Beiwort ist staatlich.

Die meisten dieser Völkerrechtssubjekte definieren sich zum einen als Rechts- und zum anderen als Nationalstaaten. Zudem gelten sie auch als Flächenstaaten. Der Staat als solches stellt die höchst organisierte Ordnungseinheit des menschlichen Zusammenwirkens dar, deren Eigenart darin besteht, dass sie das Monopol zur Gewaltanwendung hat; in seiner Eigenschaft als Völkerrechtssubjekt stellt dieser zudem eine juristische Person dar.[1]

Der Duden definiert den Begriff Staat wie folgt:

„1 a. Gesamtheit der Institutionen, deren Zusammenwirken das dauerhafte und geordnete Zusammenleben der in einem bestimmten abgegrenzten Territorium lebenden Menschen gewährleisten soll (…),
b. Territorium, auf das sich die Gebietshoheit eines Staates erstreckt (…); Staatsgebiet.“[2]

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Etymologie

Staat leitet sich vom lat. Wort status ab, dass u. a. die Bedeutung Stand, Stellung, Zustand, Verfassung oder Rang innehatte, und gelangte so ins späte Mittelhochdeutsch, wo es als sta(a)t ins Deutsche übernommen wurde.
Er ist als solches ist eng mit dem menschlichen Wunsch verbunden, in straff organisierten Strukturen zu leben, die vor inneren und äußeren Gefahren schützen sollen.

Im 15. Jh. erhielt der Begriff Staat seine heutige Bedeutung und löste nach und nach ältere Begriffe ab, die nun eine gleichwertige oder eine untergeordnete Bedeutung erhielten.

Was ist ein Staat?

In der Staatsrechtslehre versteht man unter Staat die Gesamtheit aller Institutionen, deren Zusammenwirken ein dauerhaftes Zusammenleben eines Volkes auf dem von ihm beanspruchten Territorium gewährleisten soll. Er vereinigt also eine Vielheit von Personen auf einem begrenzten Teil der Erdoberfläche, die dort unter einer souveränen Gewalt zusammengeschlossen sind.

Das allgemeine Völkerrecht geht heute davon aus, dass ein Staat drei Elemente aufweisen muss, um überhaupt als Staat anerkannt zu werden:

  1. Staatsvolk (= Vielheit von Personen),
  2. Staatsgebiet (= begrenzter Teil der Erdoberfläche) und
  3. Staatsgewalt (= Obrigkeit, welche Staatsvolk und -gebiet zusammenfasst)

Fehlt eines dieser Elemente, so kann im Allgemeinen nicht von einem Staat gesprochen werden. Der Wegfall eines dieser Elemente kann durch innen (bspw. durch Revolution) oder durch massive äußere Einflüsse (Debellation durch Kriegseinwirkung) herbeigeführt werden, was zur sofortigen staatlichen Handlungsunfähigkeit führt.

Internationale Anerkennung eines Staates

Die Qualität eines Staates als legitimes Völkerrechtssubjekt offenbart sich in seiner internationalen Anerkennung durch andere souveräne Staaten.
Ein Staat kann in Ausnahmefällen als solcher anerkannt werden, wenn eines der oben genannten drei Elemente fehlt. So bildet auch der deutsche Nationalstaat weiterhin ein souveränes Völkerrechtssubjekt, dass über Territorium (Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937) und Volk, aber nicht über eine Staatsgewalt verfügt. (→ Exilregierung, Exilstaat)

Wollen neue Staaten international anerkannt werden, müssen sie staats- und völkerrechtlichen Normen entsprechen, die von der Weltgemeinschaft vorgegeben werden. An vorderster Stelle wird auf die Einhaltung der Menschen- und Minderheitenrechte sowie auf demokratische Staatsformen geachtet.

Staatsaufbau

Grundschema des Aufbaus eines deomkratischen Staates.

Ein Staat ist sowohl territorial als auch politisch-administrativ aufgebaut und ähnelt von der Grundstruktur her einer Pyramide.
Basis dieser Pyramide stellt die Wohnbevölkerung dar, die von der nächsten Stufe, den Parteien, sozial-politischen Bewegungen, Interessengruppen und Medien, überdacht werden. Die Spitze wird durch Exekutive, Legislative und Judikative gebildet.

Staats- und Verfassungsrecht bestimmen, wie der Staat als solcher konzipiert ist. Sie legen also fest, ob dieser einen Einheits- oder Bundesstaat, eine Monarchie oder eine demokratische Republik darstellt.

Bevölkerung

Heute umfasst die Wohn- oder Gesamtbevölkerung der meisten Industriestaaten neben Angehörigen des eigentlichen Staatsvolkes oder der Titularnation auch zahlreiche völkische Minderheiten, die v. a. durch Migration entstanden sind und die strikt von den nationalen Minderheiten zu trennen sind. Letztere sind traditionell im Besitz der Staatsangehörigkeit ihres Heimatstaates, indes Migranten unter die Ausländergesetzgebung fallen. Diese erteilt den Ausländern zwar eine Vielheit an Pflichten an das Gastland, demgegenüber werden diesen vom Gastland aber nur wenige Rechte zugestanden.

Aufgaben des Staates

Hauptaufgabe eines Völkerrechtssubjektes ist der Schutz seiner Angehörigen gegenüber gewaltsame Fremdeingriffe. Für diesen Schutz nach außen bedarf dieser zur Sicherung des äußeren Friedens der Macht.
Diese anerkannte Macht soll jedoch nicht dazu dienen, den eigenen Einflussbereich auf Kosten der Nachbarstaaten zu vergrößern. Seine bewaffnete Macht in Form der Streitkräfte dient allein dazu, den Frieden aufrecht zu erhalten, da der Staat nur eines der Glieder der Staaten- und Völkergemeinschaft darstellt.

Eine weitere Aufgabe ist es, die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die Ordnung nach innen. Um diese sicherzustellen, erlässt ein Staat Vorschriften in Form von Gesetzen, die die Lebensbeziehungen der Menschen untereinander regelt.
Für diesen Zweck verfügt der Staat auch über fechtsprechende Organe, welche die Rechtsansätze auf den einzelnen Fall anwendet und erklärt, was Recht und Unrecht ist. Zur Durchsetzung seiner Anweisungen verfügt der Staat auch über (staatliche) Zwangsmittel. Darüber hinaus untersteht ihm auch die Pflege und Wohlfahrt der Kultur; der Staat muss sich dem Hilfsbedürftigen in erhöhtem Maße annehmen, da er in aller Regel nicht nur einen Rechts-, sondern auch einen Wohlfahrtsstaat darstellt. Als solcher obliegt ihm die Fürsorge für Arme und Kranke.

Der moderne Staat von heute stellt auch einen Kulturstaat dar, die die kulturellen Aufgaben im Inneren zu fördern und zu unterstützen hat. Das bedeutet für ihn, dass er die Schaffung und Unterhaltung von Verkehrseinrichtungen und Bildungsanstalten sowie die Pflege des Gesundheitswesens sicherstellen muss.

Territoriale Souveränität und Gebietshoheit

Im Idealfall stimmen die territoriale Souveränität und die Gebietshoheit eines Staates überein. Es kann jedoch durch Kriegseinwirkung geschehen, dass ein Staat in die Debellation verfällt und auf seinem Staatsgebiet mehrere Teilstaaten errichtet und ein Teil des Territoriums unter Besatzungsrecht oder unter Verwaltung eines sog. Fremdstaates steht.
Dieses ist bspw. war seit dem 23. Mai 1945 beim deutschen Nationalstaat der Fall, dessen West- und Mittelteil 1949 als Bundesrepublik Deutschland und als Deutsche Demokratische Republik für eine Übergangszeit staatlich neu organisiert wurde.

Nach Abschluss des Zwei-plus-Vier-Vertrages ging aus beiden am 3. Okt. 1990 das vereinigte Deutschland hervor, das für sich in Anspruch nimmt, mit dem deutschen Nationalstaat (Deutsches Reich) subjektidentisch zu sein. (→ Deutsches Staatsgebiet)

Arten von Staaten (Auswahl)

Moderne Nationalstaaten definieren sich unterschiedlich und werden mit diversen Namen belegt. In diesem Abschnitt folgt nun eine Aufstellung der wichtigsten Titulierungen.

Agrarstaat

Agrarstaat, Bezeichnung eines Staatskonstruktes, dessen Bevölkerung überwiegend in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei tätig ist. Bis zum Beginn der industriellen Revolution, Ende des 18. Jh.s, galten alle bekannte Staatswesen als Agrarstaaten. Mit der Industrialisierung erfolgte der Ausbau der meisten modernen Staaten zu Industriestaaten.

Einheitsstaat

Hauptartikel: Einheitsstaat

Einheitsstaat, Bezeichnung eines Völkerrechtssubjektes, das über eine zumeist autoritär-zentralistische Staatsführung verfügt.

Flächen- oder Territorialstaat

Flächen- oder Territorialstaat sind Gebilde, die über ein klar definiertes Territorium herrschen. In Europa gingen die meisten von ihnen aus jenem mittelalterlichen Personenverbandsstaat hervor, der heute als Römisch-Deutsches Reich bekannt ist.

Zur Zeit des Feudalismus wurden unter dem Begriff Territorialstaat jene Gebiete verstanden, die nicht der kaiserlichen Zentralgewalt unterworfen, sondern souverän waren.
Moderne Nationalstaaten sind als Flächenstaaten konzipiert, in denen Volks-, Sprach- und Staatsgebiet annähernd übereinstimmend sind.

Für die deutsche Sprachgeschichte waren die deutschen Territorialstaaten von besonderer Bedeutung, da diese sich mit dem Zusammenbruch der kaiserlichen Zentralgewalt am Ende der Stauferzeit eigene Verwaltungsapparate und Kanzleisprachen schufen.[3] Letztere basierten anfänglich auf bestimmte Orts- und Stadtdialekte, von denen die größeren als Schreibzentren fungierten. Durch Handel bedingt standen diese in einem engen Schriftkontakt mit benachbarten Schreibzentren, wodurch sich großräumige Ausgleichssprachen entwickelten, die zu erst als Regional- und letztendlich als Geschäfts- und Verkehrssprachen verwendet wurden.

In der frühen Neuzeit existierten auf dem Gebiet des Römisch-Deutschen Reiches, neben Latein, vier ausgebildete Verkehrs- und Handelssprachen: Mittelniederländisch|Mittelniederländisch (Niederlande, Belgien und Niederrheingebiet sowie in den angrenzenden Ostniederlanden), Mittelniederdeutsch (Ostniederlande, Norddeutschland bis ins Baltikum), Ostmitteldeutsch (im thüringisch-obersächsischen Raum) und Gemeines Deutsch (vor allem im römisch-katholischen Süddeutschland). Zu diesen traten noch im Westen die einheimischen Schreib- und Lesesprachen, die untereinander in einem engen Schreibsprachen- und Dialektkontinuum standen, die bis an die Südgrenzen des Erzbistum Köln reichten und die heute als Rheinmaas- und Ijsselländisch bekannt sind.

Im 17. Jh. begann der Siegeszug des Neuhochdeutschen im niederdeutschen Sprachgebiet, indes auch das Neuniederländische begann, seinen einstigen Einfluss am Niederrhein und im angrenzenden Nordwestdeutschland massiv auszubauen, sodass dort vielfach eine verwaltungstechnische Mehrsprachigkeit vorlag. Ab 1815 begann sich die moderne deutsch-niederländische Sprachgrenze herauszubilden und bis 1860 hatte sich das Deutsche am Niederrhein und Nordwestdeutschland als alleinige Dach- und Kultursprache durchgesetzt. Im Raum Emden wurde 1878 letztmalig eine Predigt auf Niederländisch gehalten, was mit einem langen und engen Kontakt der niederländischen Gemeinde (die Einwohner der Stadt Emden waren noch bis Ende des 19. Jh.s überwiegend Niederländer) mit dem Mutterland zu erklären ist.

Gliedstaat

Hauptartikel: Gliedstaat

Gliedstaat, teilsouveränes Völkerrechtssubjekt dar, dass sich in einem Bundesstaat oder einer Föderation mit anderen Staaten zusammengeschlossen hat.

Industriestaat

Industriestaat, Bezeichnung eines Völkerrechtssubjektes, dessen Bevölkerung überwiegend im industriellen Sektor arbeitet. Innerhalb der Industriestaaten ist es im ausgehenden 20. Jh. zur Bildung sog. Dienstleistungsgesellschaften gekommen.

Kulturstaat

Kulturstaat, ein Staatswesen, welches sich zu einem bestimmten Kulturkreis bekennt. So spielen beispielsweise bestimmte Sitten und Gebräuche in so definierten Staaten eine große Rolle.

Landesstaat

Landstaat, ab dem 15. Jh. eine Bezeichnung für die aus der Dismembration des Römisch-Deutschen Reiches entstandenen Länder, die nun eigene Landesherrschaften ausbildeten. Formaljuristisch galten sie weiterhin als Reichsländer (Reichslehen), doch ihre Träger (Städte, Adel) wurden weitgehend zurückgedrängt. So entstanden Territorialfürstentümer, die als Vorläufer der Nationalstaaten zu betrachten sind. In ihnen hatten vor allem die Land- und Reichsstände die Kontrolle inne, sodass diese Landesstaaten auch als Ständestaaten bezeichnet werden.

Nationalstaat

Hauptartikel: Nationalstaat

Nationalstaat, er beruht auf dem ethnographischen Prinzip, das besagt, dass Siedlungs- und Staatsgebiet möglichst übereinstimmen sollten. Im Bestreben, dieses Ziel zu erreichen, kann es auch zu extremen Auswüchsen kommen, wenn die politische Führung offiziell den Sprachchauvinismus forciert.

Nationalitätenstaat

Hauptartikel: Nationalitätenstaat

Nationalitätenstaat, dieser zeichnet sich dadurch aus, dass auf seinem Territorium mehrere Völker unterschiedlicher ethnischer Abstammung siedeln.

Stammes- oder Personenverbandsstaat

Stammes- oder Personenverbandsstaat, verfassungsrechtliche Bezeichnungen diverser europäischer Reiche, die vom Staatsaufbau her einen politischen Zusammenschluss mehrerer Volksstämme beinhalteten. Diese lebten auf ihrem Gebiet weiterhin nach traditionellem Volksrecht.
Sie zeichneten sich dadurch aus, dass ihre Fürsten in einem persönlichen Treueverhältnis zum jeweiligen Herrscher standen, der sie über das Lehnswesen in ihre Territorien als Landesherren einsetzte. Dort stellten sie in Stellvertretung des Herrschers die eigentliche Staatsgewalt dar.

Rechts- und Unrechtsstaat

Hauptartikel: Rechtsstaat und Unrechtsstaat

Rechtsstaat, Bezeichnung eines Staatswesens, in denen das Handeln der Staatsgewalt gesetzlichem Recht unterworfen ist. Dieses ist i. d. R. verfassungsmäßig verankert und ihm sind dort Grenzen gesetzt. Aber auch die Grundrechte der Bürger werden gewährt und die Gewaltenteilung wird eingehalten.

Unrechtsstaat, Bezeichnung eines Staatswesens, in dem oben genannte Dinge nicht gelten oder in dem sie außer Kraft gesetzt wurden.

Sozialstaat

Sozialstaat, Rechtsstaat, in denen auch die persönliche und wirtschaftliche Freiheit garantiert werden, und der auch rechtlich-finanzielle sowie materielle Maßnahmen ergreift, um soziale Gegensätze innerhalb der Gesamtbevölkerung auszugleichen.

Stadtstaat

Stadtstadt, klassischer Flächenstaat, der nur aus dem Gebiet einer Stadt und deren Umland gebildet wird. Diese weisen sich durch die gleichen Rechte eines Landes oder eines Gliedstaates aus. Als ihre Vorläufer können die freien Reichsstädte angesehen werden, die nur dem Staatsoberhaupt in Form des deutschen Königs und römischen Kaisers verantwortlich waren.

Teilstaat

Hauptartikel: Teilstaat

Teilstaat, Konstrukt, der sich auf dem Territorium eines durch Debellation handlungsunfähigen Gesamtstaates etabliert hat.

Wohlfahrtsstaat

Wohlfahrtsstaat, Völkerrechtssubjekt, welches über eine Anzahl diverser Fürsorgemaßnahmen, Programmen und Politiken anwendet, die der sozialen, materiellen und kulturellen Wohlfahrt seiner Bürger dient. Wird meistens mit dem Sozialstaat gleichgesetzt.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.): Grosses Handlexikon in Farbe, Eintrag „Staat“, S. 999
  2. www.duden.de: Eintrag„Staat“, abgerufen am 31. Dez. 2016
  3. Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache, S. 85


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