Türken

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Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Türken [ˈtʏʁkŋ̩] pl. (türkler)[1], auch Türkeitürken, Osmanen oder osmanische Türken (obsolet), Substantiv, Maskulinum. Ethnonym und Eigenname türkstämmiger Völker und Volksgruppen.
Heute überwiegend mit dem Staatsvolk der Türkei gleichgesetzt, dem im Sinne des türkischen Nationalismus alle Individuen zugeordnet werden, die das heutige Türkisch bzw. das alte Osmanisch zur Kultursprache hatten. Beiwort ist türkisch.

Türken definieren sich heute hauptsächlich als Sprach- und Kulturgemeinschaft, deren einigende Elemente türkische Gemeinsprache, türkische Volkskultur und die mohammedanische Lehre sind.
Im 19. Jh. wurde es in Russland üblich, zwischen den türksprachigen Tataren und den ebenfalls türksprachigen Osmanen zu unterscheiden, sodass das Zarentum der erste Staat war, der zwischen den eigentlichen Türken (in Form der Osmanen) und den Türkvölkern unterschied; Türkvölker waren v. a. Tataren, Baschkiren, Jakuten, Dolganen und Kasachen und Turkmenen, die innerhalb der russischen Grenzen lebten.

Die heutigen Türken sind stamm- und sprachverwandt mit den in Syrien und Iran lebenden Turkomanen, mit denen sie eine lange gemeinsame Geschichte teilen, obgleich sich diese überwiegend als Turkmenen bezeichnen und i. d. R. Varietäten des südlichen Aserbaidschanischen sprechen.
Teile der türkischen Titularnation lebt bis heute nomadisch und werden in der Türkei zum einen als Jörüken (Yörüklar) und zum anderen als Turkmenen (Anadolu/Türkiye Türkmenler = anatolische Turkmenen bzw. Türkei-Turkmenen) bezeichnet werden.

Synonyme

Etymologie, Anwendung

Etymologie

Die Bezeichnung Türken ist eng mit der Ethnogenese der zentralasiatischen Türkvölker verbunden, die im 6. Jh. auftauchen und das Reich der sog. Köktürken (Göktürkler) errichten. Die chinesischen Analen führen diese unter dem Namen 突厥 /Tu-chüeh/, die in enger Verbindung mit dem westlichen Teilreich der On-Ok (on-ok) standen.

Anwendung

Eigenbezeichnung der Köktürken war türk, was die Singularform (Türke) darstellte. Im 15. und 16. Jh. wurde es üblich, den Begriff Türken als Sammel- und Oberbegriff auf alle mohammedanischen Einwohner des Osmanischen Reiches anzuwenden, ganz gleich, welcher Muttersprache diese hatten. So zählten sich auch lange Zeit die serbokroatischprachigen Bosniaken bei den Volkszählungen zu den Türken, da sie bei der Religionsfrage angaben, die „türkische Religion“ auszuüben.
Heute umfasst der Begriff Türken alle Sprecher der modernen türkischen Standardsprache oder eines offiziell ihr untergeordneten Dialektes.

Größe, Siedlungsgebiete

Größe

Heute existieren etwa 55 Mio. Türken, die mehrheitlich in der nach ihnen benannten Republik lebt und dort zwischen 70 und 77 v. H. der Gesamtbevölkerung ausmachen. Darüber hinaus existieren noch etwa 2,5 Mio. Auslandstürken, d. h. türkische Staatsangehörige, die außerhalb der Türkei leben. Sie bilden in ihren Heimat- oder Gastländern größere nationale bzw. ethnische Minderheiten.

Siedlungsgebiete

Die Türken besiedeln etwa zwei Drittel der heutigen Türkei geschlossen. Als Minderheiten leben sie auch in Bulgarien (900 000), Zypern (212 000), Rumänien (180 000), Griechenland (128 000) und Mazedonien (80 000).
Die größere Gruppen von Auslandstürken leben in Deutschland, wo sie 2015 etwa 1,5 Mio. ausmachten. Darüber hinaus leben in Österreich etwa 124 000 Türken und einige kleinere Minderheiten in den Nachfolgestaaten der UdSSR.

Auslandstürken

Auslandstürken (dış türkler) sind alle türkischen Staatsbürger, die außerhalb des türkischen Staates leben. Im Zeichen des türkischen Nationalismus werden darunter auch türksprachige Minderheiten zusammengefasst, die heute Staatsbürger anderer Nationalstaaten sind und die unter den Seldschuken und/oder den Osmanen in ihre Heimatstaaten kamen. Bei manchen Gruppen (wie bspw. der Gagausen) ist die Ethnogenese umstritten; sprachlich zählen diese aber zu den Türken.
In Syrien, dem Libanon sowie dem Irak, aber auch in Teilen des Iran, werden von der Türkei volkstumsbezogene Ansprüche auf die turkomanischen Bevölkerungsteile erhoben, die ihrerseits vielfach in der Türkei nicht nur ihr Mutterland, sondern auch ihre Schutzmacht sehen, obgleich diese vielfach sich nicht als Türken, sondern als Turkmenen bezeichnen.

Diese Turkomanen sind mehrheitlich Sprecher aserbaidschanischer Dialekte und waren Jahrhunderte hindurch im perso-arabischen Alphabet verschriftet. Darüber hinaus standen Araber, Kurden, Iraner und sie lange Zeit im Sprachkontakt und die Turkomanen besaßen nach dem Untergang des Osmanischen Reiches keine eigene Hochsprache mehr. Vielmehr stellten nun Arabisch, Persisch und zum Teil eine der kurdischen Sprachen ihre Kultursprachen dar.
Seit den 2000er Jahren gingen sie dazu über, die moderne türkische Standardsprache als Hochsprache anzunehmen und die dortigen Dialekte gleichen sich, durch den Empfang türkischer Medien (Zeitungen, Fernsehen und Radio), immer mehr dem Türkischen an.

Syrien-Türken

Syrien-Türken pl. (suriye türkleri), auch Syrientürken oder syrische Turkmenen (suriye türkmenleri) , türkische Sammelbezeichnung aller in Syrien lebenden Türkvölker. Der türkische Nationalismus erhebt aus ethnisch-sprachlichen Gründen Ansprüche auf ihre Siedlungsgebiete. (→ Turkomanen#Syrien)

Irak-Türken

Irak-Türken pl.(ırak türkleri[2]), auch Iraktürken oder irakische Turkmenen (ırak türkmenleri[3]), türkische Sammelbezeichnung aller im Irak lebenden Türkvölker, auf die der Nationalismus Anspruch erhebt. (→ Turkomanen#Irak)

Iran-Türken

Iran-Türken pl.(iran türkleri[4]), auch Irantürken, türkische Sammelbezeichnung aller im Iran lebenden Türkvölker, insbesondere der (Süd-)Aserbaidschaner, Turkmenen, Choassantürken, Afscharen und Kaschgai. Offiziell besitzen die Iran-Türken im Persischen ihre Kultursprache und sind im perso-arabischen Alphabet verschriftet. Doch seit den 2000er Jahren gehen sie jedoch dazu über, für ihren Internetauftritt sich des türkischen oder des näher verwandten aserbaidschanischen Lateinalphabetes zu bedienen. Hier sieht sich der türkische Staat v. a. als Schutzmacht.

Folgende Hauptgruppen werden unter Iran-Türken summiert:

Dazu kommen noch zahlreiche kleinere Volksgruppen hinzu.

Jordanien-Türken

Jordanien-Türken pl. (ürdün türkleri), auch Jordanientürken, Sammelbezeichnung einer rd. 2500 Kopf starken türkischen Minderheit, die unter der osmanischen Herrschaft (18./19. Jh.) nach Jordanien kamen und dort als Grenzwächter angesiedelt wurden. Ihrer Abstammung nach sind die Jordanien-Türken osmanisch und sie sprechen vielfach einen archaischen türkischen Dialekt.

Kaukasus-Türken

Kaukasus-Türken pl. (kavkaz türkleri), auch Kaukasustürken oder ~tataren (~tatarları), Sammelbezeichnung aller im Kaukasusgebiet lebenden Türkvölker, die zwischen dem 15. und 16. Jh. zum Osmanischen Reich gehörten. Insbesondere umfasst der Begriff die Türkvölker der (Nord-)Aserbaidschaner, Balkaren, Karatschaier, Mescheten, Kumyken, Nogaier und Urumer sowie die Turchmenen. Der Begriff Bergtataren (Dağ Tatarları) gilt heute als obsolet. Auch hier sieht sich der türkische Staat als deren Schutzmacht.

Krim-Türken

Krim-Türken pl. (kırım türkleri), auch Krimtürken oder ~tataren (~tatarları), Sammelname aller traditionell auf der Halbinsel Krim wohnenden Türkvölker insbesondere der Krimtataren und der Krimosmanen.

Balkan-Türken

Balkan-Türken pl. (balkan türkeri, rumeli türkleri), auch Balkantürken, Sammelbegriff aller Türkvölker, die traditionell in der Balkanregion leben. Zum Teil wohnten sie dort schon vor der osmanischen Eroberung. Das Gros von ihnen kam jedoch während der fünfhundertjährigen Osmanenherrschaft in diese Region. Der Begriff summiert sowohl Tataren als auch Türken und Gagausen.

Deutschland-Türken

Deutschland-Türken pl. (almanya türkler), Deutschlandtürken oder deutsche Türken (almanya'daki türkler), fälschlich auch Deutschtürken, Sammelbezeichnung aller in Deutschland lebenden Türken mit türkischer Staatsangehörigkeit. Diese zeichnen sich teilweise durch einen extremen türkischen Nationalismus aus. Sie sind in großtürkischen Vereinen organisiert und unterstützen die türkische Regierung unter Recep Tayyip Erdogan mit unter fanatisch. Sie leben zum Teil schon in der dritten Generation im Land und umfassen rund 1,5 Mio.; zusammen mit den sog. türkeistämmigen Deutschen machen die ethnischen Türken in Deutschland etwa 3,0–3,5 Mio. aus.

Österreich-Türken

Österreich-Türken pl., auch österreichische Türken (avusturya'daki türkler), Sammelname aller türkischen Staatsangehörigen in Österreich, zum Teil dort schon in der dritten Generation. Gleich den deutschen Türken zeichnen sie sich durch politischen Fanatismus aus und umfassen etwa 124 000 Menschen. Zusammen mit den sog. türkeistämmigen Österreichern machen die ethnischen Türken in Österreich etwa 360 000–500 000 aus.

Schweizer-Türken

Schweizer-Türken pl., auch schweizerische Türken (isviçre'daki türkler), Sammelbezeichnung aller in der Schweiz lebenden Türken, aktuell etwa 69 000. Aufgrund der strengen Ausländergesetze der Schweiz agiert die dortige türkische Minderheit gemäßigt.

Liechtenstein-Türken

Liechtenstein-Türken pl., auch Liechtensteintürken oder liechtensteinische Türken (lihtenştayn'daki türkler), Sammelname aller türkischen Staatsangehörigen in Liechtenstein. Mit etwa 1000 bilden sie eine der kleinsten türkischen Gemeinschaften Europas.

Luxemburg-Türken

Luxemburg-Türken pl., auch Luxemburgtürken oder luxemburgische Türken (lüksemburg'daki türkler), Sammelbezeichnung aller in Luxemburg lebenden Türken, zurzeit etwa 450.

Holland-Türken

Holland-Türken pl., auch niederländische Türken (hollanda'daki türkler), Sammelbezeichnung aller türkischen Staatsbürger in den Niederlanden. Auch sie zeichnen sich durch extremen türkischen Nationalismus und Fanatismus aus. Sie machen zurzeit 398 000–400 000 Menschen aus.

Belgien-Türken

Belgien-Türken pl.(belçika türkleri), auch belgische Türken (belçika'daki türkler), Sammelbezeichnung der etwa 40 000 türkischen Staatsbürger. Auch sie agieren in Belgien äußerst aggressiv und nationalistisch. Zusammen mit den Illegalen machen ethnischen Türken in Belgien Schätzungen zufolge etwa 200 000 aus.

Chronik

Im 11. Jh. tauchten Türken in Form der Seldschuken in Klein- und Vorderasien auf und unterwarfen große Teile des damaligen Byzantinischen und Persischen Reiches. Diese begründeten 1071 das nach ihnen benannte Seldschukenreich, das stark mohammedanisch geprägt war. In jener Zeit wurde von ihnen auch begonnen, die verschiedenen Türkvölker in Turkmenen und Oghusen zu unterscheiden: Erstere waren jene Teile, mohammedanischen Glauben übergetreten waren, Letztere die Teile der Türken, die weiterhin dem traditionellen Schamanentum der asiatischen Steppenvölker verbunden blieben.

Im Zuge der Mongoleneinfälle (13. Jh.) folgten diesen Reiterhorden weitere zahlreiche zentralasiatische Türken, die im Dienste diverser mongolischer Khane standen. Um 1299/1300 begründete der turkmenische Kleinfürst Osman I. das nach ihm benannte Osmanische Reich, das in der Folge die neben ihm bestehenden turkmenischen Sultanate Klein- und Vorderasiens unterwarf und so zur bedeutenden Regionalmacht aufstieg.
1453 wurde mit Byzanz die letzte Bastion des damaligen Oströmischen Reiches erobert und der Balkanraum stand rund ein halbes Jahrtausend unter der Herrschaft der sog. Hohen Pforte.

Bis ins 16. Jh. waren sowohl der Kaukasus, weite Teile Westpersiens (Iranisch-Aserbaidschan) und der arabischen Halbinsel, Palästina, Ägypten und der Sudan sowie Nordafrika unterworfen worden. In etlichen Eroberungszügen zogen die Türken erfolglos gegen das römisch-deutsche Reich.

Im I. Weltkrieg stand das Osmanische Reich in einem Schutz-und-Trutz-Bündnis mit dem Deutschen Kaiserreich und Österreich-Ungarn; gleich Letzterem wurde es nach diesem Kriege in mehrere Staaten zerschlagen. Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches wurde die türkische Republik.

Siehe auch

Literatur


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  1. Wenn nicht anders angegeben, dann wird als Klammerbegriff immer die in der Türkei gebräuchliche(n) Bezeichnung(en) angeführt, da diese die wichtigste und größte Gruppe darstellt.
  2. aserb. irak türkləri
  3. aserb. irak türkmenləri
  4. aserb. iran türkləri, turkm. eýran türkleri