Türkische Sprache

Aus Deutsche Geschichte
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Türkisch
Türkeitürkisch
osmanisches Türkisch
Dachsprache(n) Persisch
Arabisch
(bis 1928/29)
Dialekt(e) Rumeli Türkeçesi
Anadolu Türkeçesi
Suriye Türkeçesi
Irak Türkeçesi
Erste schriftliche Erwähnung 13. Jahrhundert
Länder Türkei
(Staatssprache)
Bundesrepublik Deutschland
(Minderheitensprache)
Bulgarien
(Minderheitensprache)
Makedonien
(Regionalsprache)
Griechenland
(Minderheitensprache)
Österreich
(Minderheitensprache)
Kosovo
(Regionalsprache)
Rumänien
(Minderheitensprache)
Nordzypern
(Nationalsprache)
Sprecher ca. 85 Mio.
(davon: rund 65 Mio. Muttersprachler und
etwa 20 Mio. Zweitsprecher)
Weitere Informationen
Sprachfamilie Türkisch
Sprachgruppe Südwesttürkisch
Sprachuntergruppe Westoghusisch

Türkische Sprache (Eigenbez. Türk dili, Türkçe, Türkiye Türkçesi), Eigenbezeichnung einer südwesttürkischen Sprache, die als Staatssprache der Türkei etwa 85 Mio. Sprecher besitzt. Davon gelten rund 65 Mio. als Muttersprachler. Die Schriftsprache fußt seit 1928/29 auf dem Istanbuler Dialekt. Wie alle türkischen Sprachen gehört auch das Türkische zu den agglutinierenden Sprachen.

Darüber hinaus wird Türkisch von nicht unerheblichen türkischen Minderheiten als Minderheiten- und Regionalsprache auch auf dem Balkan, der Russischen Föderation, der Ukraine und dem Kaukasus sowie in Nord-, Mittel- und Westeuropa gesprochen. In West- und Mitteleuropa machen die Türken etwa 3 Millionen Personen aus, wovon allein in der Bundesrepublik sich rund 1,7 Millionen, und damit die Hälfte der europäischen Türken, zur türkischen Minderheit rechnen.

Ursprünge

Seinen Ursprung hat das Türkische in den Stammesdialekten der Seldschuken, die im 12. Jh. nach Anatolien einfielen und dort zahlreiche Sultanate und Fürstentümer gründeten. Eines davon war das Reich Osman des Ersten, der 1299/1300 begann, die türkischen Fürstentümer zu beseitigen und unter seiner Führung zu vereinen.

Unter perso-arabischen Einfluss entwickelte sich aus den Dialekten der Seldschuken das Osmanische, dass im persischen Alphabet geschrieben ward und mit dem ebenfalls im persischen Alphabet verschrifteten Altaserbeidschanischen identisch war. Dieses zerfiel in drei Epochen:

  1. Altosmanisch (12./16. Jh.)
  2. Mittelosmanisch (16. Jh. bis 1850)
  3. Neuosmanisch (1850–1928/29)

1928/29 kam es in der Türkei zur Sprachreform Kemal Atatürks, als dieser das persisch-arabische Alphabet zugunsten eines neuen türkischen Alphabetes abschaffte und eine radikale Sprachreinigung des Osmanischen durchführte. Ergebnis war die heutige türkische Sprache, deren persisch-arabische Lexik und Sprachanteil persischer und arabischer Lehnwörter durch türkische Neuschöpfungen abgelöst wurde. Seit 1932 überwacht die Türkische Sprachgesellschaft die Sprachreinheit des Türkischen.

Sprachermittlung, Sprachsituation, Alphabetisierung

In der Türkischen Republik wird die Erhebung realistischer Sprecherzahlen dadurch erschwert, dass in der Staatsdoktrin jeder Bewohner des Staatsgebietes offiziell als „Türke“ gilt und bis vor kurzem die Existenz nationaler und ethnischer Minderheiten dort bestritten ward. Grob kann man feststellen, dass auf dem Territorium der Türkei rund 15 Mio. Kurden, 1,5 Mio. Araber und über 12 Mio. sonstige Minderheiten leben.

Durch Schule, Militär und sonstigen Ämter und Behörden beherrschen die meisten Minderheiten das Türkische als Zweitsprache, doch für einen großen Teil der Kurden trifft diese Feststellung jedoch nicht zu.

Die moderne Türkei ist weitgehend alphabetisiert: Im Jahre 1985 lag die Alphabetisierung bei 77,5 Prozent. Das bedeutet, dass etwa 22,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Analphabeten waren. Schlüsselt man diese Prozentzahl auf, dann tritt hervor, dass vor allem Frauen (31,8 Prozent) betroffen waren, indes die Zahl der Analphabeten bei den Männern nur bei etwa 13,8 Prozent lag.

Dialekte

Traditionell wird das Türkische in eine westliche (balkantürkische) und eine östliche (antatolientürkische) Gruppe geschieden. Letztere umfasst auch Teile des südlichen Aserbaidschanischen, indes Erstere auch das Gagausische einschließt.

Balkantürkisch (Rumeli Türkeçesi)
  • Gagauz Türkeçesi
  • Gerlovo Türkeçesi
  • Razgrad Türkeçesi
  • Rumeli Türkeçesi
  • Tozluk Türkeçesi
Anatolientürkisch (Anadolu Türkeçesi)
  • Edirne Türkeçesi
  • Eskişehir Türkeçesi
  • Gajol Türkeçesi
  • Gaziantep Türkeçesi
  • Iğdır Türkeçesi
  • Karamanlı
  • Kars Türkeçesi
  • Kızılbaş Türkeçesi
  • Şanlıurfa Türkeçesi
  • Sürgüç Türkeçesi
  • Yürük Türkeçesi

Nach offizieller türkischer Lesart gehören auch das Syrien- und das Iraktürkische zu den türkischen Dialekten:

Syrientürkisch (Suriye Türkeçesi)
  • Homs Türkeçesi
  • Hama Türkeçesi
Iraktürkisch (Irak Türkeçesi)
  • Erbil Türkeçesi
  • Kirkuk Türkeçesi
  • Mossul Türkeçesi

Zu beachten ist, dass Syrien- und Iraktürkisch auf der einen und Kars- und Iğdır-Türkisch auf der anderen Seite einer anderen Sprachgruppe angehört als das übrige anatolische Türkisch; sie zählen zu den südaserbaidschanischen Dialekten, die vor allem im Iran gesprochen werden.

1961 gaben in Syrien 30 000 Personen bei einer Volkszählung an, „Turkmenisch“ zur Muttersprache zu haben, indes im Irak 1982 ebenfalls bei einer Volkszählung ermittelt wurde, dass dort etwa 600 000 „turkmenischsprachig“ seien.

Weitere Turksprachen

Ferner werden in der heutigen Türkei auch andere Turnsprachen gesprochen, die heute als „türkische Dialekte“ eingestuft und seit 1961 dort nicht mehr als Einzelsprachen geführt werden. Auch hier ist zu beachten, dass diese einer anderen Sprachgruppe angehören:

Ermittelt wurden diese Zahlen bei Erhebungen der Jahre 1981/82 und bei den meisten von ihnen handelt es sich um Flüchtlinge, die während des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan in die Türkei geflohen sind.

Alphabet

Bis ins 20. Jh. schrieben die Türken ihre Sprache, soweit sie alphabetisiert waren, in einem modifizierten arabischen Alphabet. Bereits 1922 war im aserbaidschanischen Baku ein neuartiges Alphabet entwickelt worden, das auf dem lateinischen Alphabet basierte und die komplizierten arabischen Alphabete ablösen sollte. Nach und nach wurde so das Türkische des ehemaligen Zarenreiches latinisiert bzw. verschriftet.

26. Feb. – 5. März 1926 fand in Baku ein Turkologenkongress statt, der über die Latinisierung aller Türken beraten und ein einheitliches türkisches Alphabet einführen wollte. Dort nahmen mit Mehmet Fiat Köprülü und Hüseyin Zade Ali Bey auch zwei Mitarbeiter Atatürks teil.
Doch Atatürk ging das in Baku vorgestellte „neue türkische Alphabet“ (türk. Yeni türk alfabesi) nicht weit genug, da es ein Mischsystem aus lateinischen und kyrillischen Schriftzeichen darstellte.

So ward bis 1928 in der Türkei ein Alphabet entwickelt, das ausschließlich auf lateinischen Buchstaben basierte und durch Zusatzzeichen ergänzt wurde, die Atatürk aus dem Rumänischen und Französischen entlehnt hatte. Jedem Laut wurde nun ein bestimmtes Zeichen zugewiesen und so konnte die Alphabetisierung des Landes schnell vorangetrieben werden. Nachfolgend nun das aktuelle Alphabet, wobei alle Zeichen nach Z arabisch-persische Laute umfassen:

Aa Bb Cc Çç Dd Ee Ff Gg Ğğ Hh İi Iı Jj Kk Ll Mm Nn Oo Öö Pp Rr Ss Şş Tt Uu Üü Vv Yy Zz — Ââ Îî Ûû

Als Grundlage der modernen Schriftsprache ward der Istanbuler Stadtdialekt herangezogen, was einen Bruch mit dem Osmanischen mit sich brachte. Im Oktober 1992 fand in Ankara ein Gipfeltreffen der türkischsprachigen Kultusminister Zentralasiens und des Kaukasus statt: Die Türkei schlug vor, dass alle großen türkischsprachigen Nationen der zerfallenden UdSSR das moderne Lateinalphabet der Türkei übernehmen bzw. innerhalb von 15 Jahren daraus nationale Varianten für die Turksprachen entwickeln sollten. (→ Zentralasien-Gipfel der Türkischen Republiken)

Funktion als Minderheiten- und Regionalsprache

Auf dem Balkan leben seit über fünf Jahrhunderten türkische Minderheiten, die zur Zeit des Osmanischen Reiches kamen. Nach dessen Untergang (1918/20) bildeten sie in den neu entstandenen Nationalstaaten bedeutende Minderheiten. Ihre kulturellen Rechte waren vor allem in Jugoslawien gesichert, derweil diese in Bulgarien ab Mitte der 1970er Jahre immer mehr beschnitten wurden. (→ Zwangsbulgarisierung)

Bis weit in die 1980er Jahre wanderten rund 370 000 Türken aus Bulgarien in die Türkei ab. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kehrte die Mehrheit der Bulgarientürken in ihre Heimat zurück und es wurde der türkischen Minderheit in den Balkanstaaten weitgehende Minderheitenrechte eingeräumt, wobei Griechenland die Existenz einer solchen lange leugnete: 1923 seien alle Türken aufgrund des Friedensvertrages von Lausanne in die Türkei umgesiedelt worden, so die damalige Argumentation. Doch leben dort noch rund 59 000 Türken, die vor allem in Westthrakien siedeln. (→ Westthrakientürken)

In Nord-, West- und Mitteleuropa können Türken ihre Traditionen weitgehend nachkommen. So existieren zahlreiche türkischsprachige Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie teilweise muttersprachlicher Unterricht in den Schulen.

Siehe auch

Literatur


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