Türkische Sprache

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Türkisch
Türkeitürkisch
osmanisches Türkisch
Dachsprache(n) Persisch
Arabisch
(bis 1928)
Dialekt(e) Rumeli Türkeçesi
Anadolu Türkeçesi
Suriye Türkeçesi
Irak Türkeçesi
İran Türkeçesi
Ürdün Türkeçesi
Erste schriftliche Erwähnung 13. Jh.
Länder Türkei
(Staatssprache)
Deutschland
(Minderheitensprache)
Bulgarien
(Minderheitensprache)
Makedonien
(Regionalsprache)
Griechenland
(Minderheitensprache)
Österreich
(Minderheitensprache)
Kosovo
(Regionalsprache)
Rumänien
(Minderheitensprache)
Nordzypern
(Nationalsprache)
Sprecher ca. 85 Mio.
(davon: rund 65 Mio. Muttersprachler und
etwa 20 Mio. Zweitsprecher)
Weitere Informationen
Sprachfamilie Türkisch
Sprachgruppe Südwesttürkisch
Sprachuntergruppe Westoghusisch


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Türkische Sprache [ˈtʏʁkɪʃə ˈʃpʀaːχə] (Türk dili, Türkçe, Türkiye Türkçesi) sg., auch osmanisches Türkisch [ɔsˈmaːnɪʃəs ˈtʏʁkɪʃ] (obsolet), Eigenname einer südwesttürkischen Sprache, die heute als Staatssprache der Türkei gilt und die etwa 85 Mio. Sprecher besitzt. Von diesen gelten rund 65 Mio. als Muttersprachler. Beiwort ist türkisch.
In der Folge wird zur Bezeichnung der Sprache das Glottonym Türkisch bzw. Osmanisch verwendet, um den Lesefluss nicht zu erschweren.

Verschriftet war Türkisch vom 11. Jh. bis 1928/29 in einem persoarabischen Alphabet, wobei die Grundlage dieser Schreib- und Lesesprache (Kanzleisprache) der Stadtdialekt von Ankara bildete. Im Wesentlichen war das so verschriftete Osmanisch nahezu mit dem Aseritürkischen identisch, das gleich ihm bis 1922 ebenfalls im persoarabischen Alphabet verschriftet war.
Die moderne türkische Hochsprache fußt seit 1928/29 auf dem Istanbuler Dialekt und hat im balkantürkischen Gagausisch, dem westtürkischen Krimtatarischen und im Aserbaidschanischen seine engsten Verwandten. Mit dem zentralasiatischen Turkmenisch verbindet es zudem eine lose Sprachverwandtschaft, da dieses dem ostoghusischen Sprachzweig der Türksprachen angehört. Wie alle Türksprachen gehört auch Türkisch zu den agglutinierenden Sprachen.

Synonyme, Nebenformen

Synonyme

  • Anatolisches Türkisch
  • Balkantürkisch
  • Iraktürkisch
  • Irantürkisch
  • Syrientürkisch

Nebenformen

  • Reichstürkisch
  • Standardtürkisch
  • Türkeitürkisch

Etymologie, Anwendung

Etymologie

Als Urheimat der heutigen Türkeitürken gilt Zentralasien, insbesondere die nördlichen und östlichen Ufer des Aralsees und das Steppengebiet der kasachischen Oblasti Atyrau und Mangghystau und den südlichen Teilen des Oblast Aqtöbe. Dort zogen die Stämme der Oghusen als Nomaden umher und dort nahmen auch die Seldschuken ihren Anfang.
Das Alttürkische der Seldschuken gelangte nach deren Einfall in Anatolien im 12. Jh. nach Vorderasien, wo die Türken nun begannen, zahlreiche Sultanate und Fürstentümer zu begründen. Eines davon war das Reich Osman I., der um 1299/1300 begann, diese unter seiner Führung zu vereinen und den Grundstein eines mächtigen Reiches legte.

Anwendung

Osmanisches Reichstürkisch stand unter starkem Einfluss der arabischen Völker und der Perser. Die Osmanen, als Anhänger der mohammedanischen Lehre, übernahmen nun viele Spracheigenschaften des Persischen und reicherten ihre Sprache mit zahlreichen Lehnwörtern aus dem Arabischen und Persischen an, sodass das im persoarabischen Alphabet verschriftete Türkisch durchweg den Charakter einer arabisch-persischen Mischsprache hatte, deren Kern jedoch türkisch war.
Eine klare Trennung zum benachbarten Altaserbeidschanischen kann die Turkologie nicht ziehen, da beide Sprachformen in einem engen Schreibsprachen- und Dialektkontinuum standen. Die Turkologie unterteilt Türkisch heute in folgende Zeitabschnitte:

  1. Alttürkisch (6.–10. Jh.)
  2. Seldschuktürkisch (10.–12. Jh.)
  3. Altosmanisch (12.–16. Jh.)
  4. Mittelosmanisch (16. Jh.–1850)
  5. Neuosmanisch (1850–1928/29)
  6. Neutürkisch (ab 1928/29)

Das 10. Jh. stellt einen Bruch innerhalb der südwesttürkischen Sprachen dar, da große Teile der Oghusen die mohammedanische Lehre angenommen hatten, derweil andere Teile beim traditionellen Volksglauben verblieben. Türk (Türke) wurde nun die Sammelbezeichnung der mohammedanischen, Türkmen (Turkmene) die der heidnischen Türkstämme.

1928/29 kam es in der Türkei zur Sprachreform Kemal Atatürks, als dieser das persoarabische Alphabet zugunsten eines neuen türkischen Alphabetes abschaffte und eine radikale Sprachreinigung durchführte. Ergebnis war das heutige Türkisch, deren persisch-arabische Lexik und Sprachanteil persischer und arabischer Lehnwörter durch türkische Neuschöpfungen abgelöst wurde. Seit 1932 überwacht die Türkische Sprachgesellschaft die Sprachreinheit der türkischen Hochsprache.

Sprecherzahlen, Verhältnis zu sprachverwandten Sprachen

Sprecherzahlen

Heute sprechen etwa 85 Mio. Menschen Türkisch, von denen etwa 65 Mio. Muttersprachler sind. Etwa 20 Mio. sprechen es als Zweitsprache.

In der Türkei wird die Erhebung realistischer Sprecherzahlen jedoch dadurch erschwert, dass in der Staatsdoktrin jeder Bewohner des Staatsgebietes offiziell als Türke gilt und bis vor kurzem die Existenz nationaler und ethnischer Minderheiten dort bestritten ward. Grob kann man feststellen, dass auf dem Territorium der Türkei rund 15 Mio. Kurden, 1,5 Mio. Araber und über 12 Mio. sonstige Minderheiten leben.

Durch Schule, Militär und sonstigen Ämter und Behörden beherrschen die meisten Minderheiten Türkisch als Zweitsprache, doch für einen großen Teil der Kurden trifft diese Feststellung jedoch nicht zu.

Die moderne Türkei ist weitgehend alphabetisiert: Im Jahre 1985 lag die Alphabetisierung bei 77,5 v. H.; das bedeutet, dass etwa 22,5 v. H. der Gesamtbevölkerung Analphabeten waren. Schlüsselt man diese Prozentzahl auf, dann tritt hervor, dass vor allem Frauen (31,8 v. H.) betroffen waren, indes die Zahl der Analphabeten bei den Männern nur bei etwa 13,8 v. H. lag.

Verhältnis zu sprachverwandten Sprachen

Wie bereits kurz ausgeführt, gehört Türkisch zu den Türksprachen. Diese sind untereinander durch ein Dialektkontinuum verbunden. Doch die gegenseitige Verstehbarkeit untereinander nimmt ab, je mehr man sich von einem Sprachzentrum entfernt und sich dem nächsten nähert.
Als Teil des Südwesttürkischen ist es besonders verwandt mit dem Balkantürkischen (Gagausisch u. a.), dem Aserbaidschanischen und – mit Abstrichen – dem Krimtatarischen, das zwar als Einzelsprache nicht dem Südwesttürkischen, sondern dem Westtürkischen angehört, dessen Schriftsprache sich jedoch stark nach dem Osmanischen ausgerichtet hat.

Gagausisch, Aserbaidschanisch und Türkisch gehören dem westlichen Sprachzweig innerhalb der oghusischen Sprachen an. Von daher ist eine schriftliche und mündliche Kommunikation zwischen ihren Sprechern ohne größere Umstände möglich. Deren Sprachabstand entspricht etwa dem der nordgermanischen Sprachen (Dänisch–Riksmål–Schwedisch). Gagausisch ist dem modernen Türkisch so ähnlich, dass dieses von der türkischen Turkologie als bloßer Dialekt und nicht als Einzelsprache anerkannt wird.
Mit dem stammverwandten Turkmenisch ist eine Kommunikation schriftlicher und mündlicher Art bedeutend mühseliger, da dieses zum einen weit entfernt liegt und zum anderen dem östlichen Sprachzweig angehört. Hier entspricht der Sprachabstand etwa dem zwischen Englisch und Friesisch.

Sprachgebiete, Fläche

Sprachgebiete

Türkisch wird heute nicht nur allein in der Türkei und Nordzypern, sondern auch in Griechenland und Bulgarien gesprochen. Darüber hinaus ist Türkisch die Muttersprache von nicht unerheblichen Minderheiten auf dem Balkan, in Russland, der Ukraine, Polen und Nordeuropa sowie dem Kaukasus.
Etwa 3 Mio. Türken leben verstreut in West- und Mitteleuropa, von denen etwas über die Hälfte (1,7 Mio.) in Deutschland leben.

Ferner ist es heute weitgehend Schriftsprache der syrischen und irakischen Turkomanen, die volkssprachlich eher dem Aserbaidschanischen zugerechnet werden.

Fläche

Das geschlossene türkische Sprachgebiet in Südosteuropa und Anatolien umfasst mit etwa 523 000 qkm rund zwei Drittel des türkischen Staatsgebietes, hinzu kommen noch Nordzypern mit 3355 qkm und etwa 90 000 qkm im Irak. In Syrien leben die dortigen Turkomanen (von türkische Seite aus Syrentürken genannt) ins zahlreichen Streusiedlungen. Größere zusammenhängende Gebiete sind die Regionen Lakatia (etwa ein Drittel), Aleppo (etwa ein Fünftel im Norden und Nordwesten), ar-Raqqa (etwa ein Zehntel), das zentrale Westsyrien (etwa ein Zehntel) und die Region Damaskus und Südsyrien (etwa ein Fünftel) mit etwa 775 000 qkm. Alles zusammen kommt es auf rund 1,3 Mio. qkm.

Fremdsprachige Einflüsse

Türkisch war über die Jahrhunderte durch Persisch und Arabisch beeinflusst worden. Im 19. Jh. nahm der französisch- und englischsprachige Einfluss merklich zu.
Auf dem Balkan und Griechenland war es zudem den dortigen Volkssprachen ausgesetzt und übernahm zahlreiche Ausdrücke und Wörter aus dem Serbokroatischen, Bulgarischen, Rumänischen, Albanischen oder Griechischen.

Einfluss auf benachbarte Sprachen

Türkisch hatte in Form von Osmanisch einen großen Spracheinfluss auf die Sprache der Krimtataren, der Turkomanen im Irak und Syrien sowie auf die Türksprachen im Kaukasus. Aber infolge der fünf Jahrhunderte andauernde osmanische Herrschaft über den Balkan strahlte es auch auf die dortigen Sprachen aus. Vor allem Bosnisch und Mazedonisch, aber auch Bulgarisch waren stark von ihm beeinflusst worden. Besonders stark war der Spracheinfluss auf jene Bevölkerungsgruppen, die unter den Osmanen zur mohammedanischen Lehre konvertiert waren und die traditionelle Volkssprache beibehalten hatten.

Regionalsprachen, Sprachregionen

Regionalsprachen

Das heutige Türkisch ist eine homogene Sprache mit wenigen Sprachvarietäten. Das sog. Balkantürkisch (einschließlich des Gagausischen) zeichnet sich durch den Einfluss der benachbarten Sprachen aus, da die Türken dort in einigen Regionen als Sprachhorst leben. Das in den D-A-CH-Staaten verwendete Türkisch zeichnet sich durch einen deutschen Spracheinfluss aus. Aber in Europa können Türken heute in einem türkischsprachigen Umfeld leben und der Empfang türkischer Radio- und Fernsehsender sowie türkischer Zeitungen sorgen dafür, dass in ihnen keine türkische Sondersprache entsteht. Zudem existiert dort teilweise ein muttersprachlicher Unterricht in den Schulen.

Im 15.–19. Jh. existierten im Süden der Halbinsel Krim osmanisch-türkische Siedlungen. Dort wurde eine regionale Variante des Osmanischen, das sog. Krimosmanisch, verwendet. Diese stand in einem Dialektkontinuum mit den nördlich benachbarten tatarischen Dialekten.

Auf dem Balkan leben seit über fünf Jahrhunderten türkische Minderheiten, die zur Zeit des Osmanischen Reiches kamen. Nach dessen Untergang (1918/20) bildeten sie in den neu entstandenen Nationalstaaten bedeutende Minderheiten. Ihre kulturellen Rechte waren vor allem in Jugoslawien gesichert, derweil diese in Bulgarien ab Mitte der 1970er Jahre immer mehr beschnitten wurden.
Bis weit in die 1980er Jahre wanderten rund 370 000 Türken aus Bulgarien in die Türkei ab.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kehrte jedoch die Mehrheit der Bulgarientürken in ihre Heimat zurück und es wurde der türkischen Minderheit in den Balkanstaaten weitgehende Minderheitenrechte eingeräumt, wobei Griechenland die Existenz einer solchen lange leugnete: 1923 seien alle Türken aufgrund des Friedensvertrages von Lausanne in die Türkei umgesiedelt worden, so die damalige Argumentation. Doch leben dort noch rund 59 000 Westthrakientürken|Türken]], die vor allem in Westthrakien siedeln.

Sprachregionen

Als türkische Sprachregionen im klassischen Sinn gelten Südosteuropa, Anatolien, Zypern und der nahe und mittlere Osten sowie Teile der Kaukasusregion (v. a. Georgien).

Alphabet, Aussprache, Grammatik, Orthografie

Alphabet

Vom 10. bis ins 20. Jh. schrieben die Türken ihre Sprache, soweit sie alphabetisiert waren, in einem modifizierten arabischen Alphabet.
Bereits 1922 war im aserbaidschanischen Baku ein neuartiges Alphabet entwickelt worden, das auf dem lateinischen Alphabet basierte und die komplizierten arabischen Alphabete ablösen sollte. Nach und nach wurde so das Türkische des ehemaligen Zarenreiches latinisiert bzw. verschriftet.

Tabelle mit dem arabisch-türkischen Alphabet
osmanisches Alphabet Name Entsprechung Zahlwert osmanisches Alphabet Name Entsprechung Zahlwert
ا
(Isoliert)
ا
(Anfangsposition)
ـا
(Mittelposition)
ـا
(Endposition)
elif e, a 1 ض
(Isoliert)
ضـ
(Anfangsposition)
ـض
(Mittelposition)
ـض
(Endposition)
żād d, z 800
ب
(Isoliert)
بـ
(Anfangsposition)
ـبـ
(Mittelposition)
ـب
(Endposition)
be b, p 2 ط
(Isoliert)
طـ
(Anfangsposition)
ـطـ
(Mittelposition)
ـط
(Endposition)
ṭāʾ t, d 9
پ
(Isoliert)
پـ
(Anfangsposition)
ـپـ
(Mittelposition)
ـپ
(Endposition)
pe p ظ
(Isoliert)
ظـ
(Anfangsposition)
ـظـ
(Mittelposition)
ـظ
(Endposition)
ẓāʾ z 900
ت
(Isoliert)
تـ
(Anfangsposition)
ـتـ
(Mittelposition)
'ـت
(Endposition)
te t 400 ع
(Isoliert)
عـ
(Anfangsposition)
ـعـ(Mittelposition)
ـع
(Endposition)
ʿayn 70
ث
(Isoliert)
ثـ
(Anfangsposition)
ـثـ
(Mittelposition)
ـث
(Endposition)
s̲e s 500 غ
(Isoliert)</smalll>
غـ
(Anfangsposition)
ـغـ
(Mittelposition)
ـغ
(Endposition)
ġayn g, ğ 1000
ج
(Isoliert)
جـ
(Anfangsposition)
ـجـ
(Mittelposition)
ـج
(Endposition)
cīm c, ç 3 ف
(Isoliert)
فـ
(Anfangsposition)
ـفـ
(Mittelposition)
ـف
(Endposition)
fe f 80
چ
(Isoliert)
چـ
(Anfangsposition)
ـچـ
(Mittelposition)
ـچ
(Endposition)
çīm ç ق
(Isoliert)
قـ
(Anfangsposition)
ـقـ
(Mittelposition)
ـق
(Endposition)
ḳāf k 100
ح
(Isoliert)
حـ
(Anfangsposition)
ـحـ
(Mittelposition)
ـح
(Endposition)
ḥāʾ h 8 ك
(Isoliert)
كـ
(Anfangsposition)
ـكـ
(Mittelposition)
ـك
(Endposition)
kef k, g, n, ğ 20
خ
(Isoliert)
خـ
(Anfangsposition)
ـخـ
(Mittelposition)
ـخ
(Endposition)
ḫı h 600 گ
(Isoliert)
گـ
(Anfangsposition)
ـگـ
(Mittelposition)
ـگ
(Endposition)
gef, kāf-ı fārsī g, ğ
د
(Isoliert)
د
(Anfangsposition)
ـد
(Mittelposition)
ـد
(Endposition)
dāl d, t 4 ڭ
(Isoliert)
ڭـ
(Anfangsposition)
ـڭـ
(Mittelposition)
ـڭ
(Endposition)
ñef, kāf-ı nūnī, sağır kef n
ذ
(Isoliert)
ذ
(Anfangsposition)
ـذ
(Mittelposition)
ـذ
(Endposition)
ẕāl z 700 ل
(Isoliert)
لـ
(Anfangsposition)
ـلـ
(Mittelposition)
ـل
(Endposition)
lām l 30
ر
(Isoliert)
ر
(Anfangsposition)
ـر
(Mittelposition)
ـر
(Endposition)
re r 200 م
(Isoliert)
مـ
(Anfangsposition)
ـمـ
(Mittelposition)
ـم
(Endposition)
mīm m 40
ز
(Isoliert)
ز
(Anfangsposition)
ـز
(Mittelposition)
ـز
(Endposition)
ze z 7 ن
(Isoliert)
نـ
(Anfangsposition)
ـنـ
(Mittelposition)
ـن
(Endposition)
nūn n 50
ژ
(Isoliert)
ژ
(Anfangsposition)
ـژ
(Mittelposition)
ـژ
(Endposition)
je j ن
(Isoliert)
نـ
(Anfangsposition)
ـنـ
(Mittelposition)
ـن
(Endposition)
nūn n 50
س
(Isoliert)
سـ
(Anfangsposition)
ـسـ
(Mittelposition)
ـس
(Endposition)
sīn s 60 ه
(Isoliert)
هـ
(Anfangsposition)
ـهـ
(Mittelposition)
ـه
(Endposition)
he h 5
ش
(Isoliert)
شـ
(Anfangsposition)
ـشـ
(Mittelposition)
ـش
(Endposition)
şīn ş 300 ی
(Isoliert)
هـیـ
(Anfangsposition)
ـیــ
(Mittelposition)
ـی
(Endposition)
ye y 10
ص
(Isoliert)
صـ
(Anfangsposition)
ـصـ
(Mittelposition)
ـص
(Endposition)
ṣād s 90

26. Feb. – 5. März 1926 fand in Baku ein Turkologenkongress statt, der über die Latinisierung der Türkvölker beraten und ein einheitliches türkisches Alphabet einführen wollte. Dort nahmen mit Mehmet Fiat Köprülü und Hüseyin Zade Ali Bey auch zwei Mitarbeiter Atatürks teil.
Doch diesem ging das in Baku vorgestellte neue türkische Alphabet (yeni türk alfabesi) nicht weit genug, da es ein Mischsystem aus lateinischen und kyrillischen Schriftzeichen darstellte.

So wurde bis zum 3. Nov. 1928 in der Türkei ein Alphabet entwickelt, das ausschließlich auf lateinischen Buchstaben basierte und durch Zusatzzeichen ergänzt wurde, die Atatürk aus dem Rumänischen und Französischen entlehnt hatte. Jedem Laut wurde nun ein bestimmtes Zeichen zugewiesen und so konnte die Alphabetisierung des Landes schnell vorangetrieben werden. Nachfolgend nun das aktuelle Alphabet, wobei alle Zeichen nach Z arabisch-persische Laute umfassen:

Aa Bb Cc Çç Dd Ee Ff Gg Ğğ Hh İi Jj Kk Ll Mm Nn Oo Öö Pp Rr Ss Şş Tt Uu Üü Vv Yy Zz Ââ Îî Ûû

Das neue Schriftsystem hatte, im Gegensatz zum alten, den klaren Vorteil, dass jedem Laut ein eindeutiges Graphem zugeteilt worden war, so entsprach bspw. <ş> dem Laut [ʃ], der im Deutschen durch <sch> ausgedrückt wird.
Zudem wurde als Grundlage der modernen Schriftsprache der Istanbuler Stadtdialekt herangezogen, was einen Bruch mit der bisherigen Schrifttradition mit sich brachte.

Im Okt. 1992 fand in Ankara ein Gipfeltreffen der türkischsprachigen Kultusminister Zentralasiens und des Kaukasus statt: Die Türkei schlug vor, dass alle großen türkischsprachigen Nationen der zerfallenden UdSSR das moderne Lateinalphabet der Türkei übernehmen bzw. innerhalb von 15 Jahren daraus nationale Varianten für die Türksprachen entwickeln sollten.

Sprachgeschichte

Alttürkisch

Alttürkisch sg. (Türki), Substantiv, Neutrum. Sprachwissenschaftliche Sammelbezeichnung der frühsten Sprachstufe der Türksprachen, die zwischen dem 6. und 10. Jh. existierte. In der Mongolei existierten verschiedene Steinstelen mit runenartigen Schriftzeichen, die erst im 18./19. Jh. eindeutig als türkisch klassifiziert wurden.

Seldschuk-Türkisch

Seldschuk-Türkisch sg., turkologischer Sammelname des Südwesttürkischen, der aus Zentral- nach Vorderasien auswanderte. Diese Sprachstufe bestand zwischen dem 10. und 12. Jh.

Osmanisches Türkisch

Osmanisches Türkisch [ɔsˈmaːnɪʃəs ˈtʏʁkɪʃ], oder auch Osmanisch [ɔsˈmaːnɪʃ], trk. osmanlı türkçesi, osmanlıca, Eigenbez. تركچه /türkçe/ und تركی /türkî/ Türkisch, Eigenname einer im persoarabischen Alphabet verschrifteten Türksprache, die vom 12. Jh. bis zum 3. Nov. 1928[1] auf Grundlage des Stadtdialektes von Ankara bestand und die im gesamten Osmanischen Reich als Verwaltungs- und Geschäftssprache verwendet wurde.
Im Wesentlichen ist osmanisches Türkisch mit dem Aseritürkischen identisch, das in Aserbaidschan gleich ihm bis 1922 im persoarabischen Alphabet verschriftet war. Es herrschte in mehreren Sprachstufen vor:

  1. Altosmanisch oder altanatolisches Türkisch (eski osmanlıca, eski anadolu türkçesi), das bis ins 16. Jh. gesprochen wurde und das fast mit dem von den Seldschuken verwendete Türkisch identisch war. Ab Ende des 15. Jh.s wurde es immer mehr vom Persischen und Arabischen (den vorderasiatischen Kultursprachen) beeinflusst.
  2. Mittelosmanisch oder klassisches Osmanisch (orta osmanlıca, klasik osmanlıca), das ab dem 16. Jh. an als Poesie- und Verwaltungssprache verwendet wurde und bis zu den Tazimat-Reformen galt.
  3. Neuosmanisch (yeni osmanlıca), das ab 1850 bis zur Ablösung des arabischen Alphabetes verwundet wurde. Es stand unter starkem Einfluss der aufkommenden Printmedien sowie der westlichen Literatur und diente bspw. auch den Krimtataren als Vorlage zur Schaffung ihrer Schriftsprache, die sich im 19. Jh. eng an das im Süden der Krim verwendete Krimosmanisch orientierte.
  4. Neutürkisch, auch Standardtürkisch, Bezeichnung für die moderne türkische Standardsprache auf Grundlage des Istanbuler Stadtdialektes, die seit 1928/29 mit lateinischen Graphemen geschrieben wird.

Unterschiede zwischen den Sprachstufen

Der wesentliche Unterschied zwischen den Sprachstufen ist, dass Alt- und Seldschuk-Türkisch fast fremdwortfrei waren. Zwar wies das Erste sprachliche Einflüsse aus indoarische Sprachen auf, so waren gem. Wolfgang-Ekkehard Scharlipp alle Titel der Köktürken iranischen Ursprungs. Doch galt Alttürkisch als homogene Sprache, die nur wenig dialektal aufgesplittet war.[2]

Seldschuk-Türkisch und Osmanisch waren jedoch stark vom Persischen und Arabischen beeinflusst worden. Vor allem die Lexik des Osmanischen richtete sich nach dem Persischen. Osmanisch war eine künstlich geschaffene Schreib- und Lesesprache (Kanzlei- und Geschäftssprache), die im wahren Leben nie so gesprochen wie sie geschrieben wurde. Auch beherrschten nur etwa 10 v. H. diese Sprachform.[3]
Bis zu seiner Ablösung durch die moderne Standardsprache existierten im Osmanischen Reich drei Sprachvarietäten, die sich durch den Anteil und Gebrauch persisch-arabischer Wörter und Lexik auszeichneten:

  1. Fasih Türkçe (eloquentes Türkisch): Sprache der Verwaltung und der Poesie,
  2. Orta Türkçe (mittleres Türkisch): Sprache des Handels und der Oberschicht,
  3. Kaba Türkçe (vulgäres Türkisch): Sprache der unteren Schichten.

Dialektgebiete

Traditionell wird Türkisch in eine westliche (balkantürkische) und eine östliche (antatolientürkische) Gruppe geschieden. Letztere umfasst auch Teile des südlichen Aserbaidschanischen, indes Erstere auch das Gagausische einschließt.

Balkantürkisch (Rumeli Türkeçesi)

Balkantürkisch pl., turkologischer Sammelbegriff aller auf dem Balkan gesprochenen Türksprachen. Darunter fallen nicht nur türkeitürkische, sondern auch nogaiisch-tatarische und krimtatarische Dialekte. Sie werden v. a. in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und im ehemaligen Jugoslawien gesprochen. Dach- und Kultursprache ist heute überwiegend die in der Türkei übliche Nationalsprache Türkisch. Nur das Gagausische gilt heute als eigenständige Türksprache innerhalb dieser Gruppe.

Dialekte

  • Gagauz Türkeçesi
  • Gerlovo Türkeçesi
  • Razgrad Türkeçesi
  • Rumeli Türkeçesi
  • Tozluk Türkeçesi

Anatolientürkisch (Anadolu Türkeçesi)

Anatolientürkisch pl., auch kleinasiatisches oder anatolisches Türkisch, Sammelbezeichnung aller in Kleinasien und Istanbul gesprochenen Türksprachen, die im heutigen Türkisch, d. h. der türkischen Standardsprache, verschriftet sind und die sich auf oghusische Wurzeln zurückführen lassen.

Dialekte

  • Edirne Türkeçesi
  • Eskişehir Türkeçesi
  • Gajol Türkeçesi
  • Gaziantep Türkeçesi
  • Iğdır Türkeçesi
  • Karamanlı
  • Kars Türkeçesi
  • Kızılbaş Türkeçesi
  • Şanlıurfa Türkeçesi
  • Sürgüç Türkeçesi
  • Yürük Türkeçesi

Nach offizieller türkischer Lesart gehören auch das nachfolgende Syrien- und das Iraktürkische zu den türkischen Dialekten, die heute im modernen Standardtürkisch verschriftet sind.
Zu beachten ist jedoch, dass Syrien- und Iraktürkisch auf der einen und Kars- und Iğdır-Türkisch auf der anderen Seite einer anderen Sprachgruppe angehört als das übrige anatolische Türkisch; sie zählen zu den südaserbaidschanischen Dialekten, die v. a. im Iran gesprochen werden.

Bei der Volkszählung 1961 gaben in Syrien 30 000 an, „Turkmenisch“ zur Muttersprache zu haben, indes im Irak 1982 ebenfalls bei einer Volkszählung ermittelt wurde, dass dort etwa 600 000 „turkmenischsprachig“ seien.

Syrientürkisch (Suriye Türkeçesi)

Syrientürkisch pl., Sammelbezeichnung aller auf osmanischer und turkmenischer Grundlage beruhenden Türksprachen, die v. a. im Libanon und in Syrien gesprochen werden. Die Mehrheit seiner Sprecher wird dialektal dem südlichen Aserbaidschanischen zugerechnet und war bis in die 1990er bzw. 2000er Jahren im arabischen Alphabet verschriftet. Heute ist diese dazu übergegangen, sich des modernen türkischen Lateinalphabetes zu bedienen. Türkisches Fernsehen und Radio haben zudem einen großen Einfluss auf die gesprochene Sprache, sodass diese heute als „Sonderform“ der türkischen Nationalsprache gilt. Ferner ist Syrientürkisch über ein Dialektkontinuum mit dem benachbarten Iraktürkisch verbunden.

Dialekte

  • Homs Türkeçesi
  • Hama Türkeçesi

Iraktürkisch (Irak Türkeçesi)

Iraktürkisch pl., Sammelbezeichnung aller im Irak gesprochenen Türksprachen, die sich zum Teil mit kurdischen und arabischen Dialekten in Gemengelage befinden. Wie im Syrientürkisch werden auch hier oghusische Sprachen zusammengefasst, die entweder eine osmanisch-türkische oder turkmenische Wurzel haben. Bis in die 1990er und 2000er Jahren war es im arabischen Alphabet verschriftet. Heute dient Standardtürkisch als Dachsprache. Dialektal gehört es überwiegend zum südlichen Aserbaidschanisch.

Dialekte

  • Erbil Türkeçesi
  • Kirkuk Türkeçesi
  • Mossul Türkeçesi

Irantürkisch (İran Türkeçesi)

Irantürkisch pl., turkologischer Sammelbegriff aller im Iran gesprochenen Türksprachen, insbesondere des Aserbaidschanischen und des Osmanisch-Türkischen, aber auch der turkomanischen Dialekte. Bis heute offiziell im perso-arabischen Alphabet verschriftet, im Internet jedoch teilweise auch im aserbaidschanischen Lateinalphabet.

Dialekte

  • Afşar Turki
  • Azərbaycan Türkcəsi
  • Aynallu Turki
  • Türkmençe
  • Qaşqay Türki
  • Xələc dili
  • Xorasan Türkçesi

Jordanientürkisch (Ürdün Türkeçesi)

Jordanientürkisch pl., Sammelbezeichnung aller in Jordanien gesprochenen Türksprachen, die sich v. a. unter der osmanischen Herrschaft ausbreiteten. Es ist ein arabisch beeinflusstes Osmanisch, dessen Sprecher sich heute des türkischen Lateinalphabetes bedienen.

Dialekte

Weitere Turksprachen

Ferner werden in der heutigen Türkei auch andere Turnsprachen gesprochen, die heute als „türkische Dialekte“ eingestuft und seit 1961 dort nicht mehr als Einzelsprachen geführt werden. Auch hier ist zu beachten, dass diese einer anderen Sprachgruppe angehören:

Ermittelt wurden diese Zahlen bei Erhebungen der Jahre 1981/82 und bei den meisten von ihnen handelt es sich um Flüchtlinge, die während des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan in die Türkei geflohen sind.

Literatur

Fußnoten

  1. Heinz F. Wendt: Fischer Lexikon Sprache, Ausgabe 1987, Artikel „Türkeitürkisch“, S. 316
  2. Vgl. hierzu auch: Wolfgang-Ekkehard Scharlipp: Die frühen Türken. Eine Einführung in ihre Geschichte und Kultur, Darmstadt 1992
  3. Heinz F. Wendt: Fischer Lexikon Sprachen, Ausgabe 1987, Artikel „Türkeitürkisch“, S. 325


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