Völkisch


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Völkisch [ˈfœlkɪʃ], Substantiv, Neutrum. Eigenbezeichnung zahlreicher nationalistischer und deutschnationaler Argumentationsverbände und Vereine zur Zeit des Deutschen Reiches.

v~, Adjektiv, die Völkische Bewegung betreffend, für sie charakteristisch sein. Laut Duden definiert der (nationalsozialistische) Begriff „in der rassistischen Ideologie des Nationalismus ein Volk“, das als vermeintliche Rasse betrachtet wurde.[1]

„völkisch
1 nationalsozialistisch (in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus) ein Volk als vermeintliche Rasse betreffend; zum Volk als vermeintliche Rasse gehörend
völkische Gesinnung
2 älter volckisch für lateinisch popularis, populär veraltet national völkische Eigentümlichkeiten“

Lexikon für Mac, Eintrag „völkisch“

Völkisch trat 1875 an die Stelle des Adjektivs national und löste das ältere volklich ab. Seit dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges zählt der Begriff heute als NS-belastet.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) definiert den Begriff als radikal-nationalistische Einstellung, die die Menschengruppe, zu der man sich zugehörig fühlt, das eigene „Volk“ verabsolutiert und als (ethnisch) reine Gemeinschaft bestimmt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Entstehung, Anwendung

Der Begriff völkisch stammt ursprünglich aus den deutschbesiedelten Teilen und den deutschen Sprachinseln Österreich-Ungarns, wo er erstmals 1875 als politischer Begriff auftauchte und als Eindeutschung des Lehnwortes national treten sollte, dass neben der älteren und obsoleten Form volklich verwendet wurde.
Wie dieses leitet es sich vom Stammwort Volk ab, diente als dessen Attribut und entsprach anfänglich dem Begriff populär, dass sich vom lat. popularis abführte.

Letztendlich vermochte sich völkisch nicht in der Allgemeinheit durchzusetzen, doch wurde es zum feststehenden ideologischen Dreh- und Angelpunkt der in den späten 1879er Jahren begründeten Völkischen Bewegung. Die bpb legt fest, dass die Völkischen Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jh.s großen politischen Einfluss erlangten und dass diese politisch-ideologische Wegbereiter des Nationalismus waren. So seien lt. bdb die Völkischen bis heute eine wichtige Strömung des Rechtsextremismus.[2]
Sich auf Uwe Puschners Eintrag Die Völkische Bewegung berufend vermittelt die Bundeszentrale den Eindruck, dass das Ziel der Völkischen eine ethnisch-kulturelle homogene Nation gewesen sei, aus der vermeintlich Fremdvölkische auszugliedern seien. Fremdvölkisch waren Juden und Slawen sowie Deutsche mit Migrationshintergrund, d. h. Ausländer, die sich hatten einbürgern lassen.[2]

Als völkisch wurden alle nationalistisch-chauvinistischen Bestrebungen bezeichnet, die für sich in Anspruch nahmen, für das deutsche Volk zu sprechen. Bei der reichsdeutschen und deutschösterreichischen Bildungselite war die dort so hochgelobte völkische Gesinnung in erster Linie eine nationalistische, die zunehmend mit der Rassenfrage verknüpft wurde. So verstanden die ab der Jahrhundertwende aufkommenden Deutschvölkischen unter völkisch das Bewusstsein, deutschblütig (arisch) zu sein.

Zur Zeit der NS-Diktatur wurde völkisch — zu deutsch — überbewertet, mit der nationalsozialistischen Weltanschauung eng verbunden und damit zur inhaltslosen Worthülse: völkisch stand nun als angebliches Bekenntnis zur Zugehörigkeit zur [[imaginär]en deutschen Rasse und der Deutschblütigkeit aller Deutschen. Nach 1945 wurde es als NS-belasteter Begriff verpönt und durch andere Begrifflichkeiten ersetzt.

völkisch vs. national

Ab 1880 hatte sich sowohl im Deutschen Reich wie auch in Österreich-Ungarn durchgesetzt, dass völkisch auf alle Belange der Rassenkunde, der Blutreinreinheit und des Antisemitismus angewandt wurde, indes national für alle Belange des Staates, seiner Glieder und in der Innen- sowie Außenpolitik verwendet wurde.
Ferner wurden mit ihm alle Belange belegt, die die Staatsbevölkerung betrafen.

völkisch vs. deutschnational

1878 entstand in der Donaumonarchie die Deutschnationale Bewegung, die vor allem in Deutschösterreich agierte und anfänglich den Anschluss ihrer Siedlungsgebiete an das Reich forderten. Völkisch zu sein bedeutete in Österreich, sich zur deutschen Nation und zur deutschen Identität der Österreicher zu bekennen, sodass anstelle von völkisch der Begriff deutschnational verwendet wurde. Dieser war bis 1885 rassenfrei und auch Juden in Österreich konnten sich als Deutschnationale bezeichnen, sofern sie sich sprachlich-kulturell zum Deutschtum bekannten. Diese Deutschnationale Bewegung zerfiel nach der Einführung eines Arierparagrafen innerhalb ihres Programms, sodass sich liberal und marxistisch orientierte Deutschnationale zu anderen Parteien zusammenschlossen, derweil die Rassenantisemiten sich zur Alldeutschen Partei vereinigten.

völkisch vs. deutschvölkisch

1899–1900 begannen radikale Deutschnationale und Alldeutsche sich erneut zu einer rassenbetonten ideologisch-politischen Strömung zusammenzuschließen, die den Namen Deutschvölkische Bewegung erhielt. Diese war aggressiv, antisemitisch und rassistisch. Doch anfänglich war sie als Arbeiterbewegung konzipiert und sah ihre Aufgabe darin, die deutsche Arbeiterschaft wieder national zu machen.
Um sich von den Resten der Deutschnationalen Bewegung abzugrenzen, beschlossen ihre politischen Führer, dass das Adjektiv völkisch anstelle des, als Fremdwort empfundene, Adjektiv national trat.

Die Deutschvölkischen waren Rassenantisemiten und ihr völkisches Weltbild fußte auf dem exklusiven Nationalismus und dem Sozialdarwinismus, der zum einen Minderheiten ausgrenzte und zum anderen den (angeblich) höher stehenden Rassen das Recht zugestand, über ihnen untergeordneten Rassen zu herrschen und diese ggf. auszurotten.

völkisch in der Zeit zwischen 1933 und 1945

Bis in die 1920er Jahre hatten sich im Deutschen Reich und in Österreich zahlreiche Kleinparteien gegründet, von denen die nationalsozialistischen am bedeutsamsten wurden.
Derweil sich die Deutschsozialisten als betont völkisch links gab und den sozialistischen Klassenkampf, die Vollsozialisierung der Betriebe und die klassenlose Gesellschaft forcierte, zählten die Nationalsozialisten unter Hitler zu den Deutschvölkischen, wo sie deren sozialistische Rechte bildeten. Ihr Ziel war eine klassenlose Volksgemeinschaft und lediglich eine Teilsozialisierung der Betriebe.

In der NS-Zeit wurde völkisch nun vollständig mit Rasse gleichgesetzt und das Regime argumentierte, dass sich der Kampf der Völkischen vor allem um die Endlösung der europäischen Judenfrage und der Beseitigung anderer rassenfremder Elemente drehe.

Durch die Indoktrinierung mit der NS-Weltanschauung wurden die Soldaten der Wehrmacht, aber mehr noch die der Waffen-SS, nach und nach brutalisiert. So wurden, vor allem im Krieg gegen die Sowjetunion, zahlreiche Kriegsverbrechen begannen, da dieser als Krieg der Ideologien, als Krieg zwischen dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus, aufgefasst wurde. Aber auch der Völkermord an den europäischen Juden (ab 19941/42) ist eine Folge dieser Indoktrinierung, deren Wurzeln bis in die Jahrhundertwende reichten.

Nach 1945 wurde völkisch nur noch als NS-belastet betrachtet und nur noch im negativen Sinn verwendet.

Siehe auch

Fußnoten

  1. www.duden.de: Eintrag „völkisch“, abgerufen: 28. Nov. 2016
  2. 2,0 2,1 2,2 www.bpb.de: Rechtsextremismus, Glossar, Eintrag „völkisch“, abgerufen: 28. Nov. 2016


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