Volk

Aus Deutsche Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Empfehlungen des Dudens.

Volk [fɔlk] sg.; Völker [ˈfœlkɐ] pl., Substantiv, Neutrum. Sammelbegriff der Völkerkunde und der Soziologie sowie Eigenname einer bestimmen Gruppe von Menschen, die sich über eine gemeinsame Abstammung (sog. Rasse), Sprache und Kultur sowie über eine gemeinsame Geschichte miteinander verbunden fühlen. Zumeist ist das Volksbewusstsein noch an einen bestimmten Lebensraum verbunden.[1]

Im Gegensatz zu Nation bildet Volk keinen juristischen Rechtsbegriff und die Volkszugehörigkeit setzt von allen Betroffenen subjektive und objektive Merkmale voraus. Beiwörter sind volklich (obsolet) und völkisch.

Der Begriff Volk gilt aufgrund seines Missbrauchs durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft als NS-belastet und wird in der Regel nur noch von der politischen Rechten (Nationalkonservative, radikale und extreme Rechte) verwendet, indes die Medien, wie Fernsehen und Rundfunk, sowie die Politik dazu übergegangen sind, den Begriff möglichst zu vermeiden und stattdessen von Bevölkerung und Gesellschaft zu sprechen.

Synoynme

  • Bevölkerung
  • Ethnie
  • Nation (gehoben)
  • Gesellschaft

Etymologie

Der Begriff Volk ist eng mit dem germanischen Heerwesen verbunden und gelangte so in das Althochdeutsche, wo er als folc die Bedeutung von Haufe, Kriegsschar und Volk besaß. Über das mittelhochdeutsche volc gelangte er mit der ursprünglichen Bedeutung Kriegsschar, (viele) Leute und Volk ins Neuhochdeutsche.

Mit dem Beginn der Ritterzeit geriet der Heerbann, die nach Sippen und Familien gegliederte Wehrgemeinschaft der Deutschen, zum Fußvolk und stellte das Pendant zur berittenen Schar dar. Römische Quellen belegen zudem, dass die germanisch-deutsche Wehrgemeinschaft nur aus den waffenfähigen Angehörigen der freien Stände gebildet wurde.

Anwendung

Der Begriff Volk wird unterschiedlich verwendet. In der Soziologie und der Ethnologie sowie im Staats- und Völkerrecht wird unter ihm a.) viele gleichartige Leute, b.) eine Gemeinschaft von Menschen mit gemeinsamer Abstammung und Kultur, Sprache und Geschichte, c.) im Singular die untere und mittlere Schicht einer Gesamtbevölkerung und d.) alle Menschen desselben Staates sowie e.) in der Tierkunde eine Gruppe gleichartiger Tiere wie bspw. Bienen verstanden, die ebenfalls über soziale Strukturen verfügen.

Das Volk als sozialer Teil der menschlichen Gesellschaft definiert sich stets stark durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, also durch das Bewusstsein einem gemeinsamen Ganzen (dem Volk) anzugehören, das z. T. über viele Jahrhunderte entstanden ist. Es vertritt i. a. R. gegenüber seiner Nachbarn auch nicht die politische Forderung, seinen Lebensraum auf Kosten anderer zu vergrößern.

Der Begriff Nation war ursprünglich, wie der Begriff Ethnie, eng mit der Begrifflichkeit Volk verbunden. Unter ihm wird heute jedoch ein Volk oder ein Teil desselben verstanden, das oder der auf einen gemeinsamen politischen Staat bezogen ist; die Staatsnation stellt das Pendant zur Volksnation dar und ist das Ergebnis einer politischen Zielsetzungsgemeinschaft, die in einem gemeinsamen Nationalstaat leben bzw. bei dessen Fehlen diesen begründen wollen[1], indes es sich bei Volk um eine organische Abstammungsgemeinschaft handelt.

Bis etwa gegen Ende des 18. Jhs. (1770) wurde im Römisch-Deutschen Reich unter Volk bzw. unter dessen lat. Gegenstück nationis eine Bevölkerungsgruppe verstanden, die sich durch subjektive und objektive Merkmale als zusammengehörig betrachteten. Die größte volkliche Identität wurde aus der gemeinsamen Muttersprache gebildet, die in aller Regel schriftlos war und nur als gesprochene Volkssprache (Dialekt) verwendet wurde.
Mit dem Aufkommen einer jungen deutschen Nationalbewegung, getragen von der Bildungselite, entstand auch bei den Deutschen langsam der Wunsch, die bestehende Kleinstaaterei in Form der zahlreichen Reichsländer durch einen zentralistisch-unitarischen Einheitsstaat modernster Form abzulösen und man nahm politische Anleihen am benachbarten Frankreich. Das Erwachen des Nationalgefühls bei den Deutschen entstand nicht umsonst während der sog. Goethezeit und der Aufklärung: Das von Martin Luther maßgeblich mit gestaltete Neuhochdeutsche hatte sich allgemein als deutsche Gemeinsprache durchgesetzt und es entwickelte sich mit Literatur, Musik und Geisteswissenschaft die Nationalkultur, über die sich alle Deutschen nun identifizierten. Aber auch bei den heutigen Niederländern, Flamen und Friesen begann sich langsam eine ethnische Identität herauszubilden, derweil deren Volkssprachen schlicht noch als deutsch galten.

In den 1860er und 1870er Jahren, dem Zeitalter der Nationalstaatsbildungen, schufen Rechts- und Politikwissenschaft mit Volk einen neuen Rechtsbegriff, der nun die Gesamtbevölkerung eines souveränen Staates, einer Region oder eines Landstrichs zusammenfasste. Aus diesem Kontext heraus entstand auch der Rechtsbegriff deutsches Volk, der schnell populär wurde und mit deutsche Nation gleichgesetzt wurde. Deutsches Volk umfasste ursprünglich alle Menschen deutscher Muttersprache, also jene, die heute als Deutschsprachige bezeichnet werden. Im weitesten Sinn umfasste dieser Begriff seit den 1840er Jahren die autochthone Wohnbevölkerung des Deutschen Bundes, schränkte sich aber nach und nach immer mehr ein.
Bereits in den 1880er Jahren benannten sich nur noch Reichsdeutsche (deutscher Muttersprache) und Deutschösterreicher als Deutsche und definierten sich bewusst als deutsches Volk. Im engeren Sinn bezeichnete der Rechtsbegriff deutsches Volk nur die Deutschen des Deutschen Kaiserreiches.

Dagegen verweisen Begrifflichkeiten wie badisches, rheinisches oder bayrisches sowie mecklenburgisches Volk auf die autochthone Wohnbevölkerung Badens und des Rheinlandes, Bayerns oder Mecklenburgs, die sich bis heute mehrheitlich als reine Abstammungsgemeinschaften begreifen und allochthonen Bewohnern damit indirekt deren Zugehörigkeit zum betreffenden Volk bestreiten.

Heute ist jedoch festzustellen, dass der soziologische Sammelbegriff Volk nur noch in Relikten fortlebt, die als sog. volkstümliche Formulierungen (bspw. einfaches/gewöhnliches Volk) gelten und das der Begriff Volk in Politik, Wirtschaft usw., getragen von allen gesellschaftlich als relevant betrachtete Kräfte, weitestgehend vermieden wird. Anstelle von Volk wird dort die Begrifflichkeit Gesellschaft verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • F. A. Brockhaus: Der Neue Brockhaus. Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, Leipzig, 1938, vierter Band S-Z, Eintrag „Volk“
  • Willi Stegner: TaschenAtlas Völker und Sprachen, Klett-Perthes Verlag, 2006, ISBN 3-12-828123-8
  1. 1,0 1,1 Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Kleiner Atlas zur deutschen Territorialgeschichte, S. 110


Info Sign.svg Hinweis: Dieser Artikel ist im Deutsche-Geschichte-Wiki entstanden. Der Inhalt dieser Seite ist unter der Lizenz CC-BY-SA-3.0 lizensiert und darf entsprechend unter den dort genannten Bedingungen weiterverwendet werden.