Wallonen

Siedlungsgebiete der Wallonen (   ) um 1937

Wallonen (fr. Wallons, wallon. Walons, nld. Waalse), Name einer französischsprachigen Bevölkerungsgruppe im Königreich Belgien, die dort über 3,39 Millionen Menschen oder 40 % der Gesamtbevölkerung umfassen. Sie sprechen einen besonderen französischen Dialekt (→ Wallonisch) und sind eng mit den Nordfranzosen verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Siedlungsgebiet

Die Wallonen siedeln in der nach ihnen benannten Region und in den Vorstädten Brüssels. Der Name Wallone bzw. das niederländische Waals entstammt der Wurzel „welsch“. Sie sind das Nachbarvolk der Flamen, Franzosen und der Deutschen.

Definition

Die Wallonen sind ein Erbe des römischen Reiches. In den Jahrhunderten der römischen Besetzung Galliens nahmen zahlreiche Kelten das regionale Vulgärlatein der Soldaten an. Im Zuge der germanischen Völkerwanderung kamen diese romanisierten Kelten unter die Herrschaft der Franken. Beiderseits des Rheins lebten Franken und Kelten in Gemengelage und im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts nahmen die rechtsrheinischen Kelten das entstehende Deutsche und die Franken südlich der Maas und Schelde das Vulgärlateinische an. So weist das Wallonische heute noch einen starken Einfluss der germanischen Sprachen auf.

Wallonen als „Reichsromanen“

Nach den Teilungen des Fränkischen Reiches im 9. Jahrhundert kamen die Wallonen größtenteils unter die Herrschaft des Königreich Frankreich. Die sprachverwandten Lothringer gerieten 925 unter die Herrschaft des Königreiches Deutschland und bildeten dort zusammen mit den Italienern die Gruppe der „Reichsromanen“, in denen im Laufe des 10. und 11. Jahrhundert auch die ursprünglich germanischsprachigen Burgunder und Langobarden aufgingen.

Zeit der burgundischen Reiches

In der Zeit zwischen 1363 und 1477 gehörten alle wallonischen Siedlungsgebieten zum Königreich Burgund. Dort lebten sie in den Graftschaften Artois und Hennegau und in den Südgebieten der Herzogtümer Brabant und Lüttich sowie im Osten Luxemburgs.

Unter der Herrschaft Habsburgs

Nach dem Untergang des burgundischen Reiches (1477) gerieten die Wallonen unter die Herrschaft der Habsburger. Dort lebten sie in den Niederlanden und gehörten seit 1502 dem burgundischen Kreis an. Bereits 1493 konnte von den Habsburgern die Gebiete Flandern und Artois erworben werden. Nach der Teilung der Habsburger-Dynastie in eine deutsche und eine spanischen Linie gehörten die Niederlande, und damit die Wallonen, zur Letzteren.

Im Zuge der Reformation entstanden im Norden der Niederlande starke protestantische Gemeinden, die hauptsächlich der reformierten Lehre angehörten. Das „gemeine Deutsch“ der Habsburger und das „NeuhochdeutscheMartin Luthers fanden in den Niederlanden keinen Eingang. Ihr Geltungsbereich endete im Wesentlichen an den politischen Grenzen zu den Spanischen Niederlanden. Dort bildete sich im 15. und 16 Jahrhundert die moderne niederländische Sprache heraus, die nun Schriftsprache wurde und das bis dahin verwendete Latein ablöste. Der Süden sprach weiterhin Lateinisch und Französisch.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

1648 wurden die protestantischen Gebiete der Niederlande als Republik der Vereinigten Niederlande selbstständig und der wallonische Süden verblieb bei Habsburg. Dort waren die Wallonen zur Minderheit geworden, da die Mehrheitsbevölkerung von den Flamen gebildet wurde. Doch stellten die Wallonen über Jahrhunderte hinaus die politische Elite dar und so wurde Französisch vorherrschende Sprache. Seit 1661 gerieten die wallonischen Siedlungsgebiete unter die Herrschaft des Frankreichs. Dieses dehnte bis 1794/95 seinen Herrschaftsraum bis an den Rhein aus, sodass alle linksrheinischen Gebiete schließlich französisch waren. Diese Grenze wurde 1801 vom Heiligen Römischen Reich völkerrechtlich anerkannt. Doch Frankreich dehnte bis seinen Herrschaftsbereich bis 1810 bis auf die Vereinigte Niederlanden und der gesamten Nordseeküste aus.

Die Wallonen im 19. Jahrhundert

In der Zeit zwischen 1815 und 1839 lebten die Wallonen im Königreich der Vereinigten Niederlande und stellten dort eine Minderheit dar. Staatssprache wurde jedoch Französisch und so arrangierten sich die Wallonen mit dem neuen Staat. Doch bereits 1830 beschloss der niederländische König, das Niederländische als alleinige Staatssprache festzuschreiben. Wallonen und das flämische Bürgertum, dass seinerseits überwiegend frankofon waren, begannen im Herzogtum Brabant eine blutige Revolution, die auch auf die übrigen Gebiete der südlichen Niederlande übergriff. So wurde noch 1830 das Königreich Belgien ausgerufen, dem sich auch das überwiegend französischsprachige Großherzogtum Luxemburg und die Stadt Maastricht mit ihrem Umland anschlossen. 1839 wurde Luxemburg entlang der Sprachgrenze geteilt und Belgien von den Niederlanden anerkannt. Die herrschende Schicht im neuen Staat wurden die Wallonen, obgleich die niederländischsprachigen Flamen die Bevölkerungsmehrheit bildeten. Es begann in Belgien ein Sprachenstreit, der 1878 de jure beigelegt wurde, indem Niederländisch gleichberechtigte Amtssprache wurde.

Siehe auch

Literatur


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