Walter Riehl


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Walter Riehl (* 8. Nov. 1881 in Wiener Neustadt, Niederösterreich; † 6. Sept. 1955 in Wien), österreichischer Rechtsanwalt und Politiker, der als einer der ideologischen Väter des österreichischen Nationalsozialismus gilt. Riehl galt als völkisch-links und wurde 1938 in „Schutzhaft“ genommen, die er im KZ Dachau verbrachte.

Inhaltsverzeichnis

Sozialdemokratische Arbeiterpartei, Deutsche Arbeiterpartei

Riehl gehörte als überzeugter Marxist anfänglich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an, als er 1909 zur deutschvölkischen DAP wechselte, da Riehl in der SAP seine deutschnationalen Anschauungen nicht mehr genügend vertreten sah.
Seit 1905 in deutschböhmischen Reichenberg (tsch. Liberec) als Beamter angestellt, machte Riehl vor allem dort seine Wandlung vom Sozialdemokraten zum radikalen Deutschvölkischen durch, und er versuchte, das deutschnationale Lager auf der einen und das bürgerlich-konservative auf der anderen Seite mit den Deutschvölkischen in einer Arbeiterpartei der völkischen Linken zu bündeln. Die so entstandene Deutsche Arbeiterpartei sah Riehl als basisdemokratisch, national und sozialistisch. Obgleich er in der DAP schnell Karriere machte, führte seine Radikalität zur Entlassung aus dem Staatsdienst, so begann Riehl, in Wien wieder als Jurist und Rechtsanwalt zu arbeiten.

Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei, „Zwischenstaatliche Kanzlei

Nach der Umbenennung der DAP in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (1918) übernahm Riehl den Parteivorsitz über den österreichischen Flügel und bereits am 7. Dez. 1919 begann er von Wien aus, alle nationalsozialistischen Parteien des deutschen Sprachgebietes in einer Zwischenstaatliche Kanzlei zusammenzufassen. Stärkste Fraktionen sollten dort die sudetendeutschen und die reichsdeutschen Nationalsozialisten bilden, doch Letztere fehlten wie die Deutschsozialisten auf dieser „Gründungstagung“

Deutscher Tag in Salzburg, Einigungspläne

Die DNSAP rief zum Deutschen Tag in Salzburg auf, der am 7./8. Aug. 1920 stattfand und an dem etwa 200 Teilnehmer anwesend waren, die aus Österreich, dem Sudetenland und dem Deutschen Reich stammten. Hauptforderung dieser Veranstaltung war der Zusammenschluss aller „nationaler Sozialisten“ in einer gemeinsamen Nationalsozialistischen Partei Großdeutschlands. Diese Partei sollte nach dem völkischen Führer- und Gefolgschaftsprinzip aufgebaut und Riehl unterstellt sein.

Nach dieser Veranstaltung stieg Riehl zu einem der wenigen Duzfreunde Adolf Hitlers auf, der ebenfalls Teilnehmer des Deutschen Tages war; zudem wuchs Riehl politischer Einfluss auf die Deutschnationalen und er entwickelte sich so zum ernst zunehmenden Konkurrenten. Aufgrund dessen scheiterte der internationale Zusammenschluss der Nationalsozialisten vor allem am Veto Hitlers, der diesen unter seiner Führung verstanden haben wollte.

Als Kompromiss kam man überein, dass man einen nationalsozialistischen Hauptausschuss Großdeutschlands gründen wolle, dem alle politischen Führer der Nationalsozialisten vereinigt sein würden.

Am 16. Okt. 1920 sprach Adolf Hitler auf einer Wahlkampfveranstaltung der DNSAP und gab dort die Parole aus, dass die Partei „streng national, streng antisemitisch, streng sozial“ sein müsse und langsam geriet Riehl ins politische Hintertreffen: Er als ehemaliger Marxist sah die DNSAP als organischen Teil der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, deren Einfluss immer mehr abnahm, je mehr deutschvölkisch und deutschnational orientierte Burschenschafter und Turner der Partei beitraten.

Rücktritt vom Parteivorsitz, Bruch mit Hitler

Ende März 1921 versuchte Riehl zusammen mit Anton Drexler (NSDAP) und Alfred Brunner (DSP) Hitlers Einfluss zu brechen und die Einigung ohne diesen vorzunehmen: Die drei beschlossen, dass sich National- und Deutschsozialisten unter Riehl Führung zu einer Deutschen Nationalsozialistischen Partei vereinigen würden — doch dieses Vorhaben scheiterte erneut an Hitlers energischen Widerstand.
Im Jan. 1922 fand in München eine Jahreshauptversammlung der NSDAP statt, auf der Hitler einstimmig diktatorische Vollmachten erteilt wurden, nachdem dieser bereits im Juli 1921 hatte durchsetzten können, dass er zum Parteivorsitzenden und zum „Führer der NSDAP“ ernannt wurde. An dieser Versammlung nahmen auch Gäste der sudetendeutschen und österreichischen Nationalsozialisten teil: So waren die Salzburger Hans Prodinger und Sepp Koller als Vertreter Riehls und Rudolf Jung als Vertreter der sudetendeutschen Nationalsozialisten anwesend; auch Brunner als Vorsitzender der DSP war Gast der Versammlung.

Im Feb. 1922 führte die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihre erste Großveranstaltung durch, in deren Verlauf und im Beisein Hitlers mit dem Vaterländischen Schutzbund eine parteieigene Schläger- und Ordnertruppe aufgestellt wurde, die heute als Vorläufer der österreichischen SA galt. Die Riehl-Partei war nun auf dem Zenit ihrer Macht und so versuchte ab 1923 Hitler offen, deren 23 000 Mitglieder in die NSDAP zu überführen, wobei ihm Riehl im Wege stand: Die DNSAP stand im Ruf, eine echte Arbeiterpartei Österreichs darzustellen, die sowohl fest in der Gewerkschaftsbewegung als auch bei der völkischen Linken sowie der sozialistischen Rechten fest etabliert war. Darüber hinaus verfolgte sie keinen scharf formulierten Rassenantisemitismus, sondern war eher basisdemokratisch ausgelegt. Das Fehlen des ideologischen Antisemitismus wurde der Partei und ihrer Führung auch immer wieder vonseiten der Alldeutschen und der extremen Deutschvölkischen vorgeworfen, obgleich sich die Partei selbst als deutschvölkisch definierte.

Im Aug. 1923 kam es auf dem Salzburger Parteitag der DNSAP zur offenen Rebellion Riehls gegenüber Hitlers Führungsansprüchen. Diese erschienen ihm als unüberbrückbar mit seinen persönlichen Ansichten, sodass er bereits im Sept. als Parteivorsitzender zurücktrat und gesundheitliche Gründe vorschob. Im Okt. 1923 verweigerte Riehl seinem Duzfreund Hitler dessen Wunsch, er möge auf seine Kandidatur zum österreichischen Nationalrat verzichten, damit ein Hitleranhänger dort antreten könne. Aufgrund der Verweigerung entzog ihm Hitler als Führer der NSDAP das Vertrauen und begann, seinen einstigen Freund gezielt zu demontieren.

Hitlerputsch, Parteiausschluss

Riehl lehnte jede Beteiligung seiner Partei an evt. Putschversuche der Deutschvölkischen im Reich und in Österreich ab, sodass Hitlers „Marsch auf die Feldherrnhalle“ (8./9. Nov. 1923) von ihm auf das Schärfste verurteilt wurde; Riehl distanzierte sich nun offen von Hitler und dessen Putschversuch und der gelernte Jurist wurde nun zum erbitterten Hitlergegner.

Am 7. Feb. 1924 wurde innerhalb der DNSAP ein Schiedsgericht eingerichtet und der innere Richtungskampf zwischen Hitleranhängern und -gegnern eskalierte, als dieses Riehl wegen Parteischädigung ausschloss. Nach seinem Ausschluss gründete Riehl die „Vereinigung aller national denkenden Deutschen“, die er bereits im Aug. 1924 in „Deutschsozialer Verein“ umbenannte. Zwischen der Schulz- und der Riehlgruppe, die einen fanatische Hitleranhänger, letztere erbitterte Hitlergegner, herrschte nun offene Feindschaft.
Dennoch war Adolf Hitler bemüht, die zwei politischen Gruppierungen zu bündeln und unter seiner Führung zu einen. Doch trotz seines Ausschlusses hatte sich Riehl lange Zeit geweigert, diesen anzuerkennen und war noch immer im Besitz seines Parteibuches, dass er erst 1926 mit der Gründung eines österreichischen Ablegers der NSDAP abgab.

Eintritt in die NSDAP, Parteiauschluss, Einweisung ins KZ Dachau

Der parteilose Riehl engagierte sich ab 1926 verstärkt in der Frontkämpfervereinigung Deutschösterreichs und trat vier Jahre später in die österreichische NSDAP ein, aus Angst, er könne in die politische Bedeutungslosigkeit abdriften. 1932 zog er in den Wiener Gemeinderat ein, nachdem er sich gegen den damaligen NSDAP-Gauleiter Alfred Frauenfeld durchsetzten konnte.
Im Gegensatz zu den meisten Parteimitgliedern der NSDAP distanzierte sich Riehl in aller Öffentlichkeit von allen GewaltaktionGewalt- und Terroraktionen der österreichischen SA und SS. So auch 1933, kurz vor dem Parteiverbot der NSDAP, infolge dessen er von Theodor Habicht, dem Landesinspekteur der Partei in Österreich, aus der Partei ausgeschlossen wurde.

Am 12./13. März 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und Riehl wurde umgehend von der Gestapo verhaftet. Seine „Schutzhaft“ verbrachte er im KZ Dachau, wo er jedoch aufgrund der Einflussnahme namhafter „alter Kämpfer“ wie Richard Suchenwirth und Hermann Reschny, beide waren ranghohe SA-Führer in Österreich, wieder entlassen wurde.

Siehe auch


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