Weimarer Republik

Deutsches Reich
Weimarer Republik
Flag of Germany (3-2 aspect ratio).svg


Wappen Wappen Deutsches Reich (Weimarer Republik).svg
Gründungsdatum 9. Nov. 1918
(Ausrufung der Republik)
Hauptstadt Berlin
Staatsform Präsidialrepublik
Gliederung 18 Länder (1925)
15 Länder (ab 1937)
Staatsoberhaupt Paul von Hindenburg
Einwohner 62,411 Mio. (1935)
Weitere Sprachen deutsche Dialekte
Friesisch
Französisch
Dänisch
Niederländisch
Polnisch
Sprachen der Minderheiten
Weitere Informationen
Nationalhymne Deutschlandlied
Fläche 468 116 qkm (1920)
468 787 qkm (1922)
Bevölkerungsdichte 133 Einw./qkm (1925)
Währung Rentenmark = 100 Rentenpfennig
Reichsmark = 100 Reichspfennig
Aufgelöst seit

30. Jan. 1933

Eingegliedert am

31. Jan. 1933

Eingegliedert von

III. Reich

Rechtsnachfolger von

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Reich2.png


Duden.jpg Hinweis: Die in diesem Artikel angewendete Rechtschreibung richtet sich nach den Vorgaben des Dudens.

Weimarer Republik [ˈvaɪ̯maʀɐ ʀepuˈbliːk] (amtl. Deutsches Reich), umgangssprachliche Bezeichnung des deutschen Nationalstaates, wie er zwischen dem 9. Nov. 1918 und dem 30.&nbspJan. 1933 bestand. Sie stellte bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme eine parlamentarischen Demokratie, in Form einer Präsidialrepublik dar. Die Reichshauptstadt war Berlin und letztes Staatsoberhaupt (Reichspräsident) war Paul von Hindenburg (parteilos) und letzter Regierungschef (Reichskanzler) war Adolf Hitler (NSDAP). Beiwort ist reichsdeutsch.

Die Weimarer Republik stellt den Rechtsnachfolger des 1870/0 begründeten Kaisereiches dar. Ihre Etablierung stellt letztendlich einen völkerrechtswidrigen Putsch der Obersten Heeresleitung und der deutschen Sozialdemokratie dar, da die Proklamation der Republik ohne Rechtsgrundlage und aufgrund einer politischen Lüge („Der Kaiser hat abgedankt!“) geschah. So ist den die angetretene Regierung Ebert lediglich als Treuhandverwaltung zu betrachten.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie, Synonyme

Der umgangssprachliche Begriff Weimarer Republik ist eng mit der Novemberrevolution von 1918 verbunden, aufgrund dessen, und der revolutionären Aufstände in der Reichshauptstadt Berlin, die Nationalversammlung gezwungen war, ins thüringische Weimar auszuweichen.

Die Weimarer Republik ist auch unter nachfolgenden Bezeichnungen bekannt:

Staatsfarben/Nationalfarben

Staats- und Nationalfarben besaß die Weimarer Republik nicht. Ihre Reichsfarben waren Schwarz-Rot-Gold, indes die Handelsflagge des Reiches in den kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot gehalten waren, die in der oberen inneren Ecke die Reichsfarben trug.

Geografische Lage, Naturräume

Vor dem I. Weltkrieg stellte der deutsche Nationalstaat flächenmäßig den drittgrößten dar, die in seinem Kernland Europa Eintausendstel der Erdoberfläche einnahm. Nach ihren Gebietsverlusten stellte die Weimarer Republik flächenmäßig noch den viertgrößten Staat Europas dar,[1] erstreckte sich von 55º 18' und 47º 16' nördlicher Breite bis zu 5º 52' und 22º 53' östlicher Breite, stellt das Herz Mitteleuropas dar und grenzte an elf Staaten:

  1. Dänemark
  2. Niederlande
  3. Belgien
  4. Luxemburg
  5. Frankreich
  6. Schweiz
  7. Österreich
  8. Tschechoslowakei
  9. Polen
  10. Danzig
  11. Litauen

Etwa ⅔ des Staatsgebietes werden vom Freistaat Preußen eingenommen, der damit das größte Land des Reiches bildete.

Die Naturräume werden durch das Norddeutsche Tiefland, die deutschen Mittelgebirge, dem Alpenvorland und durch die bayrische Alpen gebildet.[2]

Fläche, Bevölkerung, ethnische Gruppen, Religion, Sprache

Fläche

Die Weimarer Republik hatte nach den zahlreichen Gebietsverlusten eine Größe von 468 787 qkm.

Bevölkerung

Gemäß Volkszählung vom 16. Juni 1925 hatte die Weimarer Republik eine Bevölkerung über 63,218 Mio., von denen 95,7 v. H. nach Muttersprache Deutsche waren.

Ethnische Gruppen

Gemäß Volkszählung vom 16. Juni 1925 existierten, neben den ethnischen Deutschen, noch folgende ethnische Gruppen (nach Muttersprache):

  • Niedersorben: 33 820
  • Obersorben: 28 255

Als zweisprachig bezeichneten sich insgesamt 576 341 Menschen. Davon entfielen auf die Sprachkombination

  • Polnisch/Deutsch: 507 721
  • Masurisch/Deutsch: 31 172
  • Sorbisch/Deutsch: 9967
  • Tschechisch/Deutsch: 9983
  • Dänisch/Deutsch: 2289
  • Litauisch/Deutsch: 2860
  • sonstige Fremdsprachen/Deutsch: 12 349

Der Ausländeranteil betrug gemäß Volkszählung 921 900 oder 1,456 v. H., davon waren 669 292 deutscher Muttersprache. Es wird vermutet, dass in Ostpreußen (ausgehend von der Volkszählung vom 31. Dez. 1910) insgesamt 204 000 ethnische Masuren und 94 000 ethnische Litauer lebten, die sich 1925 mehrheitlich zu den Deutschen zählten. Erstere machten rund 10 v. H. und Letztere 5 v. H. der ostpreußischen Bevölkerung aus. In Norddeutschland lebten zudem rund 10 000 Dänen und 10-12 000 Friesen, wobei Letztere fast gänzlich angegeben hatten, nach Muttersprache deutsch zu sein.

Religion

Der Religion nach waren (Stand 1933) 40,865 Mio. evangelisch, 21,172 Mio. römisch-katholisch und 35 000 gaben an, einer anderen christlichen Religionsgemeinschaft anzugehören. Etwa 500 000 zählten zur jüdischen Minderheit und 2,647 Mio. zählten sich zu sonstigen Religionen[3].

Sprache

Offizielle Sprache der Weimarer Republik war das binnendeutsche Standarddeutsch, in der Folge Dt. genannt. Neben ihr wurden von der deutschen Bevölkerung noch diverse Dialekte gesprochen, indes die ethnischen und Sprachminderheiten ihre jeweilige Muttersprache sprachen.
Hauptsächlich wurden in Schleswig-Holstein Dt. und Dän. (Hochsprache), Nd. und Plattdän. (Regionalsprache) sowie an der Westküste und im oldenburgischen Saterland Fries. gesprochen.

Am Niederrhein herrschte durchweg das Dt. vor, indes im Emsland (Grafschaft Bentheim) und den Randbezirken Jülichs, Gelderns und Kleves neben Nd. (in der Form von Nfrk. u. Nds.) Ndl. als Regionalsprache und als Muttersprache der niederländischen Minderheit verwendet wurde.

Das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet, namentlich das Ruhrgebiet, sprach neben Deutsch auch westf. Nd.. Die rd. 100 000 Ruhrpolen sprachen zudem noch slawische Haussprachen, zumeist Wasserpoln. oder Masur..

Die beiden Lausitzen sprachen neben Deutsch zudem noch sorb. Dialekte, zu denen in den Städten noch diverse Stadtdialekte traten, die auf Obersächs. basierten.

Pommern war mit Ausnahme der zweisprachigen Slowinzen, die einen |slawisch-deutschen Mischdialekt sprachen, durchweg deutschsprachig. So sprachen die Einheimischen Deutsch und niederdeutsche Dialekte.

Ostpreußen verwendete neben Deutsch auch nd. und lit. Dialekte. Die poln. Hochsprache wurde nur von der im 17. Jh. eingewanderten nationalpolnischen Minderheit im Ermland verwendet. Der größte Teil der ostpreußischen Slawen sprachen das dem Polnischen entfernt verwandte Masurisch.

Nieder- und Oberschlesien verwendeten Deutsch und schles. Dialekte, zu denen vor allem auf der rechten Oderseite noch Polnisch und oberschlesisches Wasserpolnisch hinzutrat.

Staatsform, Regierungsform

„Das neue Deutsche Reich, das von 1871 bis 1918 bestanden hat, war ein Bundesstaat, der sich aus 26 Staaten zusammensetzte, und an dessen Stelle der jeweilige König von Preußen stand. […] So ist auch das dritte Deutsche Reich nach der Verfassung vom 11. August 1919 ein Bundesstaat geblieben.  […] Das dritte Deutsche Reich ist ein Bundesfreistaat, der dem Sonderbestreben der Länder zwar noch Rechnung trägt, dessen Schwergewicht aber in der Reichsverwaltung liegt.“

Albert Müller in „Vorbereitungen für den erdkundlichen Unterricht“, Reihe „Der Bücherschatz des Lehrers“ (1926), Kapitel „Deutschland als Ganzes. Die deutschen Staaten“, S. 188

Die Weimarer Republik war gemäß ihrer Verfassung ein föderaler Bundesstaat in Form einer Bundesrepublik und der auf 18 Länder basierte. Der Regierungsform nach war sie eine parlamentarische Demokratie in Form einer Präsidialrepublik. Durch die Reorganisation der einstigen Bundesstaaten in Länder war die Republik de facto ein zentralistisch-unitarischer Einheitsstaat.[4] Seine Vertretung bestand aus einem Zweikammersystem: Der Reichsrat galt als die Vertretung der Länder auf Reichsebene, indes der Reichstag die Funktion einer Zentralregierung ausübte.

Kolonien, abhängige Gebiete

Mit Unterzeichnung des Versailler Vertrages verlor die Weimarer Republik völkerrechtlich alle Ansprüche auf ihre Kolonien und abhängigen Gebiete. Dieses betraf eine Fläche von über 2,953 Mio. qkm und rund 13,69 Mio. Einwohner; darunter auch 24 010 Kolonialdeutsche.

Tabelle mit den Kolonien
Kolonie/
Schutzgebiet
Fläche in qkm Einw. insgesamt Davon Deutsche
Deutsch-Westafrika mit
Kamerun und
Togo
16 277 000 4 380 000 1970
Deutsch-Ostafrika 995 000 7 750 000 4100
Deutsch-Südwestafrika 835 000 260 000 12 300
Südsee mit
Deutsch-Neuguinea und
Samoa
245 570 460 000 1340
Kiautschou 533 190 000 4300
Gesamt 2 953 323 13 690 000 13 690 000

Problematik, [offene] Grenzfragen

Um die von der Triple Entente geforderten Gebietsabtretungen vornehmen zu können, griffen die Väter der Weimarer Reichsverfassung tief in die Trickgrenze, da die Kriegssieger stets vom besiegten Deutschland sprachen, aber es kein Völkerrechtssubjekt dieses Namens gab:
Ein föderaler Bundesstaat, wie es das Deutsche Kaiserreich war, definiert sich als Bund souveräner Staaten, die sich zu einem gemeinsamen Staat zusammengeschlossen haben, aber in diesen weitgehende Rechte behielten, aber einen Teil ihrer bis dahin ausgeübten staatlichen Souveränität an die übergeordnete Institution abgab. Die Gliedstaaten dieses Bundesstaates behielten weiterhin ihre Staatsform, Regierung, Territorium und Staatsvolk sowie die eigenständige Staatsangehörigkeit.

Die politischen Außengrenzen der deutschen Bundesstaaten bildeten in ihrer Gesamtheit die deutschen Reichsgrenzen, auf die aber die Zentralregierung keinen völkerrechtlichen Einfluss besaßen: Jeder Regierung der im Kaiserreich zusammengefassten Staaten hätte völkerrechtlich einzeln über die Veränderung ihrer Grenzen verhandeln müssen.
Aus diesem Grunde erklärten die Verfasser der Reichsverfassung, dass das Reich nunmehr aus Ländern bestünde, die (formaljuristisch) zwar weiterhin eigenständig waren, deren Außengrenzen aber nun de facto aufgehoben waren. Nur so war es möglich, dass die Weimarer Republik den Gebietsabtretungen nachkommen konnte.

Im Norden verlor die Weimarer Republik Nordschleswig an Dänemark, nachdem 1920 eine Volksabstimmung dort eine Mehrheit für den Anschluss an Dänemark gestimmt hatte. Elsaß-Lothringen wurde ohne Volksabstimmung Frankreich übertragen und die Republik verlor das westliche Drittel des Kreises Monschau sowie die Kreise Eupen und Malmedy an Belgien. Zwar sollte im späteren Ostbelgien dort eine Volksabstimmung abgehalten werden, doch Belgien führte lediglich eine Volksbefragung durch, deren Ergebnis bis heute fragwürdig erschien.

Das Hultschiner Ländchen und das Memelland fielen an die Tschechoslowakei und Litauen, ohne das dort die Bevölkerung nach ihrem Willen befragt wurde; das Saargebiet wurde für 15 Jahre vom Reich abgetrennt und der französischen Verwaltung übergeben.
Polen forderte eine massive Verschiebung der deutschen Grenzen zu seinen Gunsten: Um ihm den Zugang zur Ostsee gewährleisten zu können, erhielt es den Polnischen Korridor und exklusive Zugangsrechte in Danzig. Für Oberschlesien und das südliche Ostpreußen sowie für den neu geschaffenen Reg.-Bez. Westpreußen forderte es Volksabstimmungen, da dort gemäß polnischer Auffassung eine polnische Bevölkerungsmehrheit wohnte. Doch gingen diese Abstimmungen für Polen miserabel aus: In Ost- und Westpreußen stimmten weit über 90 v. H. und in Oberschlesien noch rd. 60 v. H. für den weiteren Verbleib ihrer Heimat beim Reich. Derweil Ost- und Westpreußen nun bei der Weimarer Republik verblieben, setzte die polnische Regierung beim Völkerbund durch, dass ihm mit dem späteren Polnisch-Oberschlesien zwei Drittel des Oberschlesischen Industriegebietes zugesprochen wurden.
Während die Deutschen und die Reichsregierung die Abtretung Nordschleswigs und Elsass-Lothringens nie infrage stellten, waren sie bemüht, die ostpreußische Exklave und Danzig wieder mit dem Mutterland zu verbinden und Polnisch-Oberschlesien zurückzubekommen, da die Teilung völkerrechtlich zweifelhaft war. Auch wurden mit Belgien Verhandlungen aufgenommen, deren Ziel es war, Eupen-Malmedy gegen finanzielle Ausgleichszahlung zu erwerben, was aber am französischen Einspruch scheiterte.

Darüber hinaus forderte die politische Rechte, dass die Österreichfrage vonseiten der Reichsregierung völkerrechtlich geklärt würde.

Verfassungsgeschichte

Die Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik beginnt am 31. Juli 1919, als die Weimarer Reichsverfassung (amtl. Die Verfassung des Deutschen Reiches, kurz WRV) beschlossen und die am 11. Aug. ausgefertigt wurde. Bereits am 14. Aug. 1919 wurde sie verkündet und trat noch am gleichen Tag in Kraft.

Ihren umgangssprachlichen Namen, der auch in die Geschichtswissenschaft einging, erhielt die deutsche Verfassung nach dem Ort ihrer Verabschiedung (Weimar), der auch der neuen Republik seinen umgangssprachlichen Namen gab.

Tabelle der deutschen Parteien zur Wahl der deutschen Nationalversammlung (19. Jan. 1919)
Name
(Zusatz)
Abgeordnete
Deutschnationale Volkspartei 42
Deutsche Volkspartei 22
Deutschhannoversche Partei 3
Bayrische Volkspartei
Zentrumspartei (Christliche Volkspartei)
89
Deutsche Bauernpartei (Bayrischer Bauern- und Mittelstandsbund) 5
Deutsche Demokratische Partei (Deutsche Staatspartei) 74
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 165
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands 22
Sonstige Parteien 1
Gesamt 423

Vieles an der neuen Verfassung, wie die garantierten Grundrechte des Menschen, orientierte sich an der 1848/49 entworfenen und von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossene, aber nie in Kraft getretene Paulskirchenverfassung. Sie löste das bisherige Gesetz über die vorläufige Reichsgewalt ab und definierte die Weimarer Republik sowohl als parlamentarische Demokratie als auch als Präsidialrepublik. Mit der Einführung der WRV war die am 16. April 1871 in Kraft getretene und seit Okt./Nov. 1918 obsolete Bismarcksche Reichverfassung offiziell abgelöst worden.

Es ist für die deutsche Verfassungsgeschichte ein wesentliches Merkmal, dass in der WRV der Reichspräsident eine starke Stellung innehatte; viel stärker als die Position des Bundespräsidenten im aktuellen Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.
Sie blieb formaljuristisch auch nach dem 30. Jan. 1933 in Kraft, wurde aber weitgehend durch das Ermächtigungsgesetz des Adolf Hitler außer Kraft gesetzt und durch das verfassungsrechtlich bedenkliche System der Führerbefehle ersetzt.

Politik, Wirtschaft

Das Weimarer System zeichnete sich dadurch aus, dass es ein Mehrparteiensystem war. Bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung war es durch die Existenz von rd. 30 politischen Parteien geprägt, deren ideologische Weltanschauung von ganz links (Kommunisten, Sozialrevolutionäre usw.) über die konservative Mitte (Zentrum, Deutschnationale, Linksliberale usw.) bis ganz rechts (Nationalliberale, Nationalrevolutionäre, Nationalsozialisten, Deutschvölkische usw.) reichte.

Hauptaugenmerk reichsdeutscher Politik in den 1920er Jahren lag in der Revision des Versailler Vertrages und die Berichtigungen der deutsch-polnischen und deutsch-belgischen Grenzen.
Das Wirtschaftssystem der Weimarer Republik war durch marktwirtschaftlich-kapitalistische Grundprinzipien und durch Privateigentum bestimmt. Es war der erklärte Feind der Linken, die es durch eine sozialistische Gesellschaftsordnung ersetzen wollte und deren Ziel es war, Staat und Gesellschaft klassenlos zu machen. In eine ähnliche Richtung gingen auch die Vorstellungen der Rechten, die das bestehende System in eine sogenannte germanische Demokratie mit einer blutbetonten Volksgemeinschaft ersetzen wollten, in denen die alte Ständeordnung nicht mehr gelten sollte.

Die Jahre 1918/19, 1920 und 1923 waren durch Putschversuche demokratiefeindlicher Kräfte gekennzeichnet. So fand bspw. am 8./9. Nov. 1923 in München der Hitlerputsch statt, der auch von wesentlichen Teilen der Deutschvölkischen Bewegung getragen wurde.
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 1929 kam es zur Radikalisierung der deutschen Politik, die sich immer mehr durch einen aggressiven Rassenantisemitismus und Rassenwahn auszeichnete; so sei bspw. die jüdische Minderheit mitverantwortlich für die wirtschaftliche Misere des Reiches. Auch sei sie im Verbund mit der marxistischen Arbeiterbewegung 1917/18 dem bis dahin siegreichen Reichsheer in der Heimat in den Rücken gefallen und deshalb auch für die militärische Niederlage mitverantwortlich; diese Äußerungen stammten größten Teils vom Ludendorff-Kreis, der u. a. auch seit 1923 die sogenannte Dolchstoßlegende verbreitete.

Ab 1925/26 galt die Weimarer Republik vielfach als Demokratie ohne Demokraten. Die Mehrheit ihrer Bewohner forcierte nun einen starken Mann im Staate, und so war es nur folgerichtig, dass 1925 der greise Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt wurde und als eine Art „Ersatzkaiser“ angesehen wurde.
Die Jahre 1930 bis 1932 waren vor allem durch brutale Straßenschlachten geprägt, die zwischen den Anhängern und Sympathisanten der NSDAP und der KPD stattfanden. Waren bereits ab 1925 zwischen beiden zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, verlagerten sich diese nunmehr auf die Straße, wo die paramilitärischen Parteiverbände SA und SS (NSDAP) und der Rotfrontkämpferbund (KPD) aufeinandertrafen. Des folgten darauf hin kurzfristige Verbote dieser Organisationen. Im Wahljahr 1932/33 waren über 6 Mio. Deutsche erwerbslos, was zum Anstieg der paramilitärischen Verbände führte.

Nach der Ernennung des Führers der NSDAP zum Reichskanzler (30. Jan. 1933) wurden Staat und Gesellschaft nach und nach gleichgeschaltet und die Weimarer Republik ging de jure am 2. Aug. 1934 im III. Reich auf, als sich Adolf Hitler nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Führer und Reichskanzler ernennen ließ. De facto war bereits am 31. Jan. 1933 das Ende der Weimarer Republik eingeleitet worden.

Mitgliedschaften in internationalen Organisationen, Militärbündnisse

Seit dem 10. Sept. 1926 war die Weimarer Republik ein Mitgliedsstaat des Völkerbundes und gehörte als Gründungsmitglied dem Weltpostverein an. Allerdings erklärte es nach dem Regierungs- und Systemwechsel (1933) seinen Austritt, der nachträglich durch Volksabstimmung vom 12. Nov. 1933 bestätigt wurde.

International war die Weimarer Republik durch zahlreiche Verträge und Abkommen gebunden, die ihren Anfang auf den Londoner Konferenzen der Jahre 1921 und 1924 hatten. Zu diesen trat auch der Dawes-Plan, der der Weimarer Republik einen zweijährigen Zahlungsaufschub gewährleistete, da es aufgrund der französisch-belgischen Ruhrbesetzung wirtschaftlich geschwächt war.

1925 wurde der Locarno-Pakt abgeschlossen, der aus sieben Einzelverträgen bestand und die Aufnahme der Weimarer Republik in den Völkerbund ermöglichte. In diesen verzichteten die Vertragspartner auf alle gewaltsamen Grenzberichtigungen und garantierten alle Nachkriegsgrenzen, wie sie seit dem Versailler Vertrag bestanden (→ Rheinpakt); eine mögliche Revision der deutschen Ostgrenze behielt sich die Reichsregierung jedoch vor. Der Locarno-Pakt löste jedoch wider erwarten in der Weimarer Republik eine Regierungskrise aus: Die rechtskonservative DNVP zog sich aus der Regierungsverantwortung zurück, da sie nicht gewillt war, auf Elsass-Lothringen und Eupen-Malmedy zu verzichten. Auch die KPD wandte sich gegen den Pakt, da sie befürchtete, dass dieser sich zum Wirtschafts- und Militärbündnis des kapitalistischen Westens gegen Sowjetrussland bzw. gegen die UdSSR entwickeln könnte. Im April 1926 wurde ein deutsch-russischer Freundschafts- und Neutralitätsvertrag zwischen beiden unterzeichnet. Er bestimmte, dass, wenn eines der Länder angegriffen würde, das andere neutral bleiben würde. Auch dürfte keines der beiden sich an einem wirtschaftlichen oder finanziellen Boykott gegen das andere beteiligen.

Mai 1930 erfolgte Aristida Briands Vorschlag, dass sich die europäischen Staaten zu einer Gemeinschaft mit ständigen Organen vereinen sollten. Briands Hintergedanke dabei war, dass damit zwar alle bestehenden Grenzen anerkannt, aber auch Großbritannien und die USA politisch-wirtschaftlich isoliert gewesen wären. Die Weimarer Republik stand diesen Französische Außenpolitik|französischen Plänen jedoch ablehnend gegenüber.
Zudem wurden dort seit dem Berlinbesuch des österreichischen Bundeskanzlers Johann Schober zwischen der Weimarer Republik und deren südöstlichen Nachbarn die Errichtung einer Deutsch-Österreichischen Zollunion erörtert, die als Vorstufe eines Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich hätte gewertet werden können. Am 3. Sept. 1931 wurden die Pläne dann auf Druck Frankreichs ad acta gelegt, da Österreich auf internationale Gelder angewiesen war.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung (30. Jan. 1933) erfolgte am 26. Jan. 1934 der Deutsch-Polnische Nichtangriffspakt, der auf 10 Jahre ausgelegt alle möglichen Streitfragen der Vertragsparteien friedlich und ohne kriegerische Auseinandersetzungen regeln sollte.
Hart umstritten war die völkerrechtliche Legitimität der seit 1918/22 existierenden deutsch-polnischen Grenzen: Indes Polen auf den Polnischen Korridor und seine Rechte in Danzig pochte, verlangte das NS-Regime unter anderem eine Volksabstimmung im ehemaligen Westpreußen, derweil Danzig ohne Abstimmung an den deutschen Staat fallen sollte. So lautete der deutsche Vorschlag, dass im Falle des Bevölkerungsentscheides, dass das ehemalige Westpreußen weiterhin zu Polen gehören sollte, sollte dem deutschen Staat eine Verkehrsanbindung von Pommern nach Ostpreußen zugesichert werden; für den Fall, dass sich die abstimmungsberechtigte Bevölkerung dazu entschließe, wieder dem deutschen Staat angegliedert zu werden, würde die Reichsregierung Polen einen Zugang zur polnischen Hafenstadt Gdingen und damit zur Ostsee garantieren. Dieser Pakt wurde am 28. April 1939 vonseiten der Regierung Hitler aufgekündigt.

Chronik

1918–1919

Ende Oktober 1918 lag das Deutsche Kaiserreich politisch-wirtschaftlich zerschlagen am Boden, was die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Groener bewog, mit der ihnen verhassten SPD einen Pakt einzugehen.
In diesem Kontext ist das Vorgehen des neu ernannten Reichskanzlers Maximilian von Baden zu verstehen, der am 8. Nov. 1918 Friedrich Ebert (SPD) davon unterrichtete, dass Kaiser und Thronnachfolger abgedankt bzw. ihren Thronverzicht erklärt hätten, was das sozialdemokratische Zentralorgan Vorwärts bewog, diese offensichtliche politische Lüge am 9. Nov. als Tatsache zu veröffentlichen. Infolge dessen rief Philipp Scheidemann (SPD) um 14.00 Uhr, „zwischen Mittagessen und Kompott“, wie er später sagen würde, die deutsche Republik aus, nachdem bekannt geworden war, dass der Kommunistenführer Karl Liebknecht gedachte, im Berliner Tiergarten die Freie Sozialistische Republik Deutschland auszurufen. Diese sollte eine Räterepublik nach Vorbild Sowjetrusslands sein.

Durch diesen rechtsnational-sozialdemokratischen Staatsstreich waren die Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand und einer friedensvertraglichen Regelung mit der Triple Entente offen, und der Deutsche Kaiser war außer sich, als er im belgischen Spa von seiner „Abdankung“ erfuhr. Erst am 28. Nov. 1918 unterzeichnete er im niederländischen Exil seine Abdankungsurkunde.
Bereits am 9. Nov. hatte die OHL mit der Triple Entente einen Waffenstillstand ausgehandelt, der drei Tage später in Kraft trat. Dort wurde ausgehandelt, dass friedensvertragliche Regelungen in Übereinstimmung mit dem 14-Punkte-Programm des US-Präsidenten Woodrow Wilson stehen sollte. Infolge dessen sollte die Klärung der deutschen Grenzen streng nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker folgen.

Der Ebert-Groener-Pakt war ein Zweckbündnis zwischen den Sozialdemokraten und dem Reichsheer. Reichskanzler Ebert diente er für einen geordneten Systemwechsel von der Monarchie zur Demokratie, die in einer sozialistischen Gesellschaft enden sollte. Zudem hatten sich das Militär und die entstehenden Freikorps verpflichtet, die marxistischen Aufstände niederzuschlagen. Anfänglich stabilisierte dieser Pakt sogar die junge Republik. Aber die Reichswehr, die durch und durch republikfeindlich und rechtsnational eingestellt war, entzog sich einer Demokratisierung von Staat, Gesellschaft und Militär. Vielmehr bildete sie nun einen Staat im Staate.

1919–1928

Vertreter des geschlagenen Kaiserreiches nahmen am symbolträchtigen 18. Jan. 1919, dem Reichsgründungstag, die Verhandlungen mit den Kriegssiegern auf, die jedoch schnell zur Farce gerieten: Man wolle nicht mit Deutschland verhandeln, ließ v. a. Frankreich verlautbaren. Vielmehr habe es sich zu seiner Alleinschuld am Weltkrieg zu bekennen und müsse Reparationszahlungen leisten. Darüber hinaus solle es Gebiete an Polen, Dänemark, Belgien und Frankreich abtreten.
Kritiker wie der Franzose Ferdinand Foch prophezeiten, dass der bei Paris ausgehandelte Friedensvertrag lediglich einen auf zwanzig Jahre befristeten Waffenstillstand darstellen würde; nichts ahnend, wie recht er behalten sollte.

Nach Abschluss der Versailler Vertrages (Mai 1919) war dem Deutschen Reich tatsächlich die Rolle des Alleinschuldigen zugefallen und es folgte nun enorme Reparationszahlungen in Höhe von 132 Mrd. Goldmark, die etwa 47 000 Tonnen Gold entsprachen und die ab 1921 in 66 Jahresraten, also bis zum Jahre 1987, aufzubringen waren.
Zudem hatte die Weimarer Republik alle Kolonien und einen Teil seines Reichsgebietes an die Siegermächte und Nachbarn verloren: Insgesamt verlor es allein in Europa rund 70 000 qkm mit etwa 6 Mio. Reichsangehörigen.[5] Anfänglich verweigerten die deutschen Vertreter ihre Unterschrift. Doch infolge der fortgeführten Hunger-Blockade, denen 1918/19 noch etwa 800 000 Menschen zu Opfer fielen, unterzeichneten sie am 28. Juni 1919 den Versailler Vertrag, der nach seiner Ratifizierung durch den Reichstag am 10. Januar 1920 in Kraft trat. Bereits am 31. Juli 191p hatte der Reichstag die Weimarer Reichsverfassung verabschiedet, die bereits am 11. August in Kraft trat.

Der im Okt. und Nov. 1918 verkündete Anschluss Deutschösterreichs an die deutsche Republik musste gemäß Versailler Vertrages zurückgenommen werden, sodass vor allem kaisertreue und alldeutsch gesinnte Deutsche begannen, die Weimarer Republik als Judenrepublik und deren Schöpfer als Novemberverbrecher zu verunglimpfen. Dass allerdings auch die damalige OHL an der Etablierung der Republik beteiligt war, „vergaßen“ sie jedoch. 1920 erfolgte der Kappputsch, der von großen Teilen der Freikorps getragen wurde und der nach rund 100 Stunden in sich zusammenbrach. Zuvor hatte 1919 der Spartakusaufstand stattgefunden, dessen Träger die kommunistische Arbeiterbewegung und die unabhängigen Sozialdemokraten waren. Auslöser des Putsches war die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts durch Angehörige eines Freikorps, was etwa 500 000 Linke auf die Straße trieb. Im Auftrag der Reichsregierung zerschlugen Freikorpseinheiten diesen Aufstand blutig.

Aufgrund der französisch-belgischen Besatzungspolitik (ab 1923) empfand die Mehrheit der Reichsdeutschen den Versailler Vertrages immer mehr als sogenannten Gewaltfrieden und die Weimarer Republik wurde immer mehr zu einer Demokratie ohne Demokraten. Bereits im März 1920 kam es im rheinisch-westfälischen Industriegebiet zum sogenannten Ruhraufstand, der eine unmittelbare Folge des Kappputsches war und der im Verbund von Freikorps und Reichswehr niedergeschlagen wurde.

Ab 1925 hatten die Deutschen in Paul von Hindenburg wieder einen starken Mann im Staat als dieser sich zum Reichspräsidenten wählen lies. Aufgrund wirtschaftlicher Notlagen erhielten die radikalen Parteien 1925/26 aber vor allen nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 extremen Zulauf: Durch die Arbeitslosigkeit von schließlich über 6 Mio. Menschen (1933) radikalisierte sich die Bevölkerung zunehmen und bereits 1930 standen sich vier paramilitärische organisierte Fronten gegenüber, die sich aus den jeweiligen politischen Lagern zusammensetzte:

  1. Rote Front, die vom kommunistischen Roten Frontkämpferbund gebildet wurde,
  2. Eiserne Font vom sozialdemokratischen Reichbanner Schwarz-Rot-Gold,
  3. Graue Front der deutschnationalen Verbände Stahlhelm- und Kyffhäuserbund sowie
  4. Braune Front, die durch die NS-Kampforganisationen SA und SS gebildet wurde.

Die ersten beiden waren links-, die beiden letzteren rechtsorientiert. 1932 erfolgte das kurzfristige Parteiverbot der NSDAP in Preußen. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler (30. Jan. 1933) endete die Geschichte des ersten demokratischen deutschen Staates und dieser ging de facto am 31. Jan. 1933 im III. Reich auf. Bis Ende 1934 wurde er nach und nach gleichgeschaltet und ging im März 1938/39 im Großdeutschen Reich auf.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. vgl. auch Albert Müller: Vorbereitungen für den erdkundlichen Unterricht, 1926, Kapitel „Deutschland als Ganzes“, S. 132
  2. Albert Müller: Vorbereitungen für den erdkundlichen Unterricht, Kapitel „Deutschland als Ganzes“, S. 190
  3. Knaurs Weltatlas (1935), Eintrag „Deutsches Reich“, S. 56
  4. Westermanns Weltatlas, Reprint der Ausgabe von 1928, Kapitel "Deutschland: Verfassung, S. 30: „Deutschland ist jetzt ein Einheitsstaat — früherer Bundesstaat. Deutschland besteht aus den Gebieten der Länder [2] zurzeit 18 Länder.“
  5. Richard Bitterling, Theodor Otto: Deutschland. Das Deutsche Reich und die deutschsprachigen Gebiete, 1926, S. 3


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