Westdeutschland

Aus Deutsche Geschichte
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Dieser Artikel behandelt den geopolitischen Begriff „Westdeutschland“. Für weitere Inhaltsbedeutungen siehe: Westdeutschland (Begriffsklärung).

Westdeutschland, seit 1871 geopolitischer Terminus zur Bezeichnung einer mitteleuropäischen Großlandschaft, die in etwa den Westen des deutschen Nationalstaates ausmacht. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die als De-facto-Ende des Zweiten Weltkrieges angesehen wird, ward der Begriff während des Kalten Krieges auf das Territorium der Bundesrepublik Deutschland übertragen, um damit anzuzeigen, dass sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die DDR Teilstaaten eines Gesamtdeutschlands waren, welches seit dem 23. Mai 1945 handlungsunfähig war. Die Begriffe westliches Deutschland und westliche Bundesländer werden synonym verwendet. Beiwort ist westdeutsch.

Beschreibung

Der Terminus „Westdeutschland“ ist eng mit der Geographie Deutschlands verbunden. Im Zuge der deutschen Nationalstaatsbildung ward der Begriff politisiert und auf den Westen des deutschen Nationalstaates angewandt.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Westdeutschland staatsrechtlich zersplittert. Als größere westdeutsche Territorialstaaten des 16. Jahrhunderts galten die Herzogtümer Brabant, Geldern, Kleve, Jülich und Luxemburg sowie Westfalen und Berg, Kurköln mit seinen Bistümern Lüttich, Münster, Osnabrück und Paderborn, die Grafschaften Artois, Flandern, Holland, Drenthe, Ostfriesland, Oldenburg, Hoya, Bentheim, Tecklenburg und Lingen sowie Mark. Daneben traten zahlreiche Herrschaften, von denen Friesland, Groningen und Overijssel die größten waren. Politisch war es seit dem 16. Jahrhundert im burgundischen und im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis organisiert und Lateinisch galt, wie im übrigen Heiligen Römischen Reich auch, als Universalsprache.

Dennoch hatten sich auf dem Reichsgebiet über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche Schreib- und Geschäftssprachen entwickelt, von denen das Französische seit dem 17. Jahrhundert eine Sonderrolle geniessen sollte, da es nun als „Fürsten- und Diplomatenspracheetabliert wurde. In den Südniederlanden (Belgien und Luxemburg) war Französisch als „Erbe des burgundischen Reiches“ allgegenwärtig und hatte dort längst das Lateinische abgelöst. Hinzu kam, dass die damalige Bildungselite durchweg mehrsprachig war: Neben ihrer Muttersprache (Deutsch oder Wallonisch) traten noch Französisch und Latein hinzu. Alle Sprachen wurden für den Verkehr mit bestimmten Kreisen verwendet.

Weite Teile Westdeutschlands wurden zwischen 1794 und 1810 von Frankreich annektiert, dass sein Staatsgebiet bis an die Elbe ausdehnen konnte. 1803 erkannte das Deutsche Reich alle bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten französischen Eroberungen an und begann, mit dem Reichsdeputationsausschuss sein verbliebenes Reichsgebiet neu zu organisieren. So ward die deutsche Kleinstaaterei, welche bis dato vorherrschend war, zugunsten deutscher Klein- und Mittelstaaten aufgegeben. Darüber hinaus wurden mit Preußen und Österreich noch zwei deutsche Großmächte etabliert.

1815 wurden in Westdeutschland die politischen Grenzen neu gezogen und es entstand sowohl die deutsch-niederländische Staats- wie auch Sprachgrenze. (→ Niederrheinischer Sprachenkampf)

Mit Beginn des Kalten Krieges ward der Begriff „Westdeutschland“ auch propagandistisch benützt: Die Deutsche Demokratische Republik bezeichnete die kurz vor ihr etablierte BRD als „Westdeutschland“. Diese inoffizielle Namensgebung machte deutlich, dass auch die DDR in ihren Anfangsjahren vom bestehenden, aber seit Mai 1945 handlungsunfähigen Nationalstaat ausging. (→ Dreigeteiltes Deutschland, Deutschland als Ganzes, Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937)

Seit 1990 wird in der Bundesrepublik Deutschland unter „Westdeutschland“ vor allem das Territorium Nordrhein-Westfalens und mit Abstrichen Rheinland-Pfalz’ bzw. dessen nördliche Naturschutzgebiete verstanden.

Siehe auch


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